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Bedeutungswandel in der deutschen spracheam beispiel der modalverben

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Die Theorie beruht auf folgenden Blickpunkten: allgemeine Begriffe wie Lexem und Semem, der Begriff Bedeutungswandel samt seiner Definition, nebenbei auch die Ursachen, Typen / Wesen un

Trang 1

NATIONALUNIVERSITÄT HANOI FREMDSPRACHENHOCHSCHULE FAKULTÄT FÜR POST-GRADUIERTE

**************

BÙI LINH HÀ

BEDEUTUNGSWANDEL IN DER DEUTSCHEN SPRACHE

AM BEISPIEL DER MODALVERBEN

BIẾN ĐỔI NGHĨA TRONG TIẾNG ĐỨC DỰA TRÊN VÍ DỤ CỦA ĐỘNG TỪ TÌNH THÁI

MASTERARBEIT

Studienfach: Germanistik Studienfachnummer: 60220205

Hanoi, 2014

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NATIONALUNIVERSITÄT HANOI FREMDSPRACHENHOCHSCHULE FAKULTÄT FÜR POST-GRADUIERTE

**************

BÙI LINH HÀ

BEDEUTUNGSWANDEL IN DER DEUTSCHEN SPRACHE

AM BEISPIEL DER MODALVERBEN

BIẾN ĐỔI NGHĨA TRONG TIẾNG ĐỨC DỰA TRÊN VÍ DỤ CỦA ĐỘNG TỪ TÌNH THÁI

MASTERARBEIT

Studienfach: Germanistik Studienfachnummer: 60220205 Gutachter: Dr Gerhard Jaiser

Hanoi, 2014

Trang 3

ERKLÄRUNG

Hiermit erkläre ich an Eidesstatt, dass ich vorliegende Masterarbeit selbstständig angefertigt und keine andere Literatur als die angegebenen benutzt habe Alle Stellen, die wörtlich oder sinngemäß aus Veröffentlichungen oder anderen Quellen entnommen sind, sind als solche kenntlich gemacht

Hanoi, November 2014

Bùi Linh Hà

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DANKSAGUNG

An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei allen bedanken, die mich bei der Anfertigung dieser Arbeit in den vergangenen Monaten mit Rat und Tat unterstützt haben

Meinem Gutachter, Dr Gerhard Jaiser, danke ich für die wissenschaftliche Unterstützung und die immer konstruktiven Vorschläge

Auch Dr Le Tuyet Nga sei für ihre vielfältigen thematischen Anregungen gedankt

Prof Dr Karen Schramm und den KollegInen am Herder-Institut (Universität Leipzig) danke ich für die wertvolle Unterstützung während meines wissenschaftlichen Aufenthalts in Deutschland

Meinen FreundInnen und KollegInen herzlichen Dank für die Hilfe bei der Materialienrecherche, das kritische Korrekturlesen der Arbeit und ihren konstruktiven Vorschläge

Mein ganz besonderer Dank gilt abschließend meinen Eltern, die mir stets helfend zur Seite standen

Trang 5

ÜBERBLICK

Die vorliegende Arbeit versteht sich als eine Erarbeitung der mehreren Aspekte des Bedeutungswandel der deutschen Sprache, mit dem Ziel einer an befasster Theorie und aus Korpora gesammelten Belegen ausgerichteten Verankerung der Entstehung des semantischen Wandels

Die Theorie beruht auf folgenden Blickpunkten: allgemeine Begriffe wie Lexem und Semem, der Begriff Bedeutungswandel samt seiner Definition, nebenbei auch die

Ursachen, Typen / Wesen und Folgen des Bedeutungswandels; darüber hinaus soll eine Darstellung der sprachgeschichtlichen Phasen in der Deutschen Sprache behandelt werden Nach der betrachteten theoretischen Teilen wird es dann beabsichtigt, anhand

der Korpora die Bedeutungsentwicklung der deutschen Modalverben (dürfen, müssen,

können, mögen, sollen, wollen) zu untersuchen

Trang 6

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung 1

1.1 Problemstellung 1

1.2 Zielsetzung und Aufbau 2

1.3 Stand der Forschung 4

1.4 Methodik und Vorgehensweise 6

2 Theoretische Grundlagen 8

2.1 Allgemeines 8

2.1.1 Zum Begriff Lexem / Wort 8

2.1.2 Semem / Bedeutung 11

2.2 Bedeutungswandel 14

2.2.1 Zum Begriff Bedeutungswandel 14

2.2.2 Klassifikation des Bedeutungswandels 16

2.2.3 Ursachen des Bedeutungswandels 25

2.2.4 Folgen des Bedeutungswandels 29

2.2.5 Invisible-Hand-Prozess 33

2.2.6 Überblick über die Perioden deutscher Sprachgeschichte 34

2.3 Zur Bedeutungsbeschreibung 41

2.4 Semantische Relationen 46

2.4.1 Polysemie 46

2.4.2 Synonymie 48

2.4.3 Hyponymie / Hyperonymie 49

Trang 7

2.4.4 Oppositionen / Antonymie- und Inkompatibilitätsrelationen 50

2.4.5 Wortfelder 51

3 Praktische Untersuchung 52

3.1 Überblick über die deutschen Modalverben 52

3.2 Betrachtung der Bedeutungsentwicklung von deutschen Modalverben 59

3.2.1 dürfen 60

3.2.2 müssen 65

3.2.3 können 67

3.2.4 mögen 68

3.2.5 sollen 70

3.2.6 wollen 73

4 Fazit 76

Trang 9

ABBILDUNG UND TABELLE

Tabelle 2 Klassifikation des Bedeutungswandels (nach

Assoziationsprinzipien)

31

Tabelle 5 Bedeutungsbeschreibung der deutschen

Modal-verben und ihre Nuancen bei deontischen Verwendungsweise

62

Tabelle 6 Varianten der Vermutungsäußerung von deutschen

Modalverben bei epistemischer Verwendung

65

Tabelle 7 Übersicht der Bedeutungsentwicklung der deutschen

Modalverben

81

Trang 10

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

„Wandlung ist notwendig wie die Erneuerung der Blätter im Frühling“

(Vincent van Gogh) Nichts ist ewig, alles verändert sich, von einer zu anderer Form Auch Sprache ist keine Ausnahme, sie ist über die Jahrhunderte nicht gleich bleibend; und wie jedes Erzeugnis menschlicher Kultur ist die Sprache ein Gegenstand der geschichtlichen Betrachtung Ihre Eigenschaften in Bezug auf Phonologie, Morphologie, Syntax,

Lexikologie und Semantik, etc sind im ständigen Wandel Krank (ein krankes Pferd)

bedeutete im Mittelhochdeutschen nur ein schwaches, jedoch kein im heutigen Sinn erkranktes.1 Geselle ist ursprünglich motiviert als ‚einer, der mit anderen zusammen

lebt, wohnt„; und es erfolgt die Erweiterung auf ‚Geliebter„; all diese Bedeutungsvarianten gehen aber mit der heutigen Anwendung auf den ausgelernten Handwerker verloren.2 Trauben kann man lesen, das Verb lesen wird hier in der Ursprungsbedeutung auflesen, sammeln und in Bezug auf konkrete Dinge angeführt.3

Diese Beispiele zeigen, dass Wörter im Laufe der Zeit ihre Bedeutung verändern Also waren viele heutige Bedeutungsvarianten vor wenigen hundert Jahren noch nicht vorhanden, hingegen kennen wir heute nicht mehr die damals gebrauchten Bedeutungen Das heißt Wörter nehmen neue Bedeutungen an und legen alte Bedeutungen ab

Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit einem Zweig der Sprachwissenschaft – der historischen Semantik, die schon eine lange Tradition hat, also der historischen Semantik In der Arbeit sind nicht nur die Grundlagen der Bedeutungstheorie bzw des Bedeutungswandels zu lesen, sondern auch eine

1 Vgl Nübling 2010, 108

2 Vgl Schippan 2002, 254

3 Vgl Bechmann 2013, 17

Trang 11

Erforschung sowie Beschreibung von den semantischen Entwicklungen von Modalverben darzustellen.

1.2 Zielsetzung und Aufbau

Warum macht es Sinn, einen Rückblick auf die Vergangenheit zu werfen, wenn man sich mit einer modernen Sprache beschäftigt? Eine diachronische Perspektive brauchen wir, da sie eine Vervollkommnung unseres sprachlichen Wissens ist Mit diesem gewonnenen Wissen können wir Besonderheiten und sogar normale Phänomene der heutigen deutschen Sprache, die erst in historischer Perspektive verständlich werden können, erklären Diese Entwicklung des Deutschen betrifft nicht nur das grammatische System, sondern auch den Wortschatz, die Aussprache und die Orthographie.4 Was gestern häufiger gebraucht wurde, wird heute nur selten

verwendet, wie Fräulein, allerorts oder daß Infolgedessen zeigt es sich, dass

Sprachgeschichte für das Erlernen einer Sprache von großer Relevanz ist, da sie die Regeln und Ausnahmen des sprachlichen Systems klarer erläutert und die Veränderungen und Weiterentwicklung der Sprache darstellt

Aus welchem Grund ist das Thema Bedeutungswandel der behandelte Gegenstand dieser Arbeit? Der Bedeutungswandel verändert den „inneren Gehalt der Wörter Die ursprüngliche Assoziation zwischen dem Wort und der durch dasselbe bezeichneten Vorstellung wird verändert.“5 Wer also nicht weiß, dass in einem mittelhochdeutschen

Text das Wort fabelhaft nicht ‚ausgezeichnet, fantastisch„ bedeutet, sondern sich nur

auf etwas bezieht, das erdichtet ist beziehungsweise einer Fabel entspricht,6 der muss

zu falschen Bedeutungen kommen Eins ist zu ermitteln, dass viele Aufsätze, die schon seit hunderten Jahren vorhanden waren, die Gegenstände der Wissenschaften unserer Zeit sind Treffende Beispiele dafür sind literarische Texte (Goethes Werke, etc.) oder

4 Vgl Schmid 2009, 1

5

Wundt 1922, 369f (Google Books)

6 Vgl Keller / Kirschbaum 2003, 50

Trang 12

sprachwissenschaftliche Texte (Saussures Arbeiten, etc.) Wenn die gebrauchten Bedeutungen in solchen originellen Texten nicht aus dem Sinne des Bedeutungswandels betrachtet werden, führt es zur einer unbekannten Fülle von falschen Interpretationen und Missverständnissen, die auf falschen Schlussfolgerungen beruhen Aus diesem Grund ist eine Betrachtung semantischen Wandels erforderlich für (Sozial-)Wissenschaftler im Einzelnen und Interessenten im Allgemeinen Neben der Ermittlung des „Erkenntnisprozesses“7, schließt der Bedeutungswandel aber auch

„die Möglichkeiten der sprachlichen Beeinflussung und Lenkung des Menschen [ ], und somit auch die „künftige[n] Veränderungen“.8

Die Aspekte, unter denen das Thema „Bedeutungswandel der deutschen Sprache, am Beispiel der Modalverben“ in der vorliegenden Arbeit betrachtet werden, dienen dem Zweck, die Prozesse der Entstehung des semantischen Wandels zu verankern und zu belegen Nach den betrachteten theoretischen Teilen wird dann beabsichtigt, anhand

der Korpora die Bedeutungsentwicklung der deutschen Modalverben (dürfen, müssen,

können, mögen, sollen, wollen) zu untersuchen

Die Arbeit wird außer der Einleitung grundsätzlich in zwei Teile gegliedert, nämlich einen theoretischen und einen praktischen Teil Um folgende Punkte handelt es sich im

theoretischen Teil der Arbeit: allgemeine Begriffe wie Lexem und Semem, der Begriff

Bedeutungswandel samt seiner Definition, nebenbei auch die Ursachen, Typen / Wesen

und Folgen des Bedeutungswandels; darüber hinaus soll eine Darstellung der sprachgeschichtlichen Phasen in der Deutschen Sprache behandelt werden

Doch nicht nur die reinen theoretischen Grundlagen sollen erreicht werden, es gilt auch zu betrachten, wie diese Thesen in einem praxisbezogenen Teil demonstriert

7 Schippan 1976, 169

8

Ebd

Trang 13

werden sollen Als praktische Untersuchung soll das analysierte Material, das aus

Modalverben dürfen, können, mögen, müssen, sollen, wollen besteht, ein Versuch sein,

die Thesen nochmal zu stützen, und ausbreiten, dass die Leser selbst die Verständlichkeit der in der Arbeit vorhandenen Erklärungsansätze überprüfen und auch ihre eigenen oder bessere Hypothesen entwerfen können

1.3 Stand der Forschung

Bedeutungswandel ist ein Begriff, der im 19 Jahrhundert aufkam Die erste Theorie des Bedeutungswandels erwähnte K Reisig 1826 / 1827 in seinen „Vorlesungen über lateinische Sprachwissenschaft“.9 Und bereits im Jahre 1884 wurde die Arbeit „Die psychologischen Bedingungen des Bedeutungswandels der Wörter“ von A Rosenstein veröffentlicht Also die Untersuchungen haben zum semantischen Wandel der Wörter eine lange Tradition Trotzdem gibt es noch nicht so viele Möglichkeiten von Arbeiten, die auf praktischen Untersuchungen aufbauen Die Mehrheit der vorhandenen Arbeiten eignet sich eher gut für die Erarbeitung der theoretischen Grundlagen, wie Hermann Pauls „Prinzipien der Sprachgeschichte“ (1898) oder „Historische Sprachwissenschaft des Deutschen Eine Einführung in die Prinzipien des Sprachwandels“ von Nübling sowie eine Arbeit von Dietrich Busse „Semantischer Wandel in traditioneller Sicht“, etc

Unter praxisbezogenen Schilderungen zum Bedeutungswandel verdient die Arbeit von Andreas Blank „Prinzipien des lexikalischen Bedeutungswandels am Beipiel der romanischen Sprachen“10 (1997) besondere Aufmerksamkeit In dieser umfangreichen Arbeit setzt sich Blank mit verschiedenen Auffassungen über Bedeutung und Bedeutungswandel (von Cicero, Nyrop, Stern bis Trier) auseinander; außerdem bearbeitet der Autor ein System vom Wesen und Prozess des Bedeutungswandels,

9

Reisig 1826/27 Zitiert nach Haase (1926)In: Vorlesung über lateinische Sprachwissenschaft, S.171 – 183

10 Blank, 1997

Trang 14

seine psychologischen Grundlagen sowie seine Folgen Der ausführlichste Teil der Untersuchung wird über Motiven und Verfahren des Bedeutungswandels dargestellt

Einen Beitrag zum Thema Bedeutungswandel leistet Gerd Fritz 1998 mit der

„Historische[n] Semantik“ Den bedeutungstheoretischen und methodischen Grundlagen sowie einer kurzen Schilderung von Forschungstradition und Bedeutungstheorien in der historischen Semantik folgen vielfältige semantischen Wandel betreffende Beispiele in verschiedenen lexikalischen Teilbereichen (Substantive, Verben, Adjektive und Partikel).11

Die 2003 erschienene Arbeit von Rudi Keller und Ilja Kirschbaum

„Bedeutungswandel Eine Einführung“ bietet neben den Bemerkungen zur Theorie des semantischen Wandels (Verfahren, Folgen und der Invisible-Hand-Prozess) auch eine Darstellung der untersuchten Adjektive aus den Textpassagen aus dem

„Simplicissimus“ von Grimmelshausen und vor allem aus Goethes „Dichtung und Wahrheit“.12

In dieser Arbeit werden theoretische Grundlagen und eine praktische Untersuchung, die untersuchten Adjektiven, gleichzeitig dargestellt, so dass der praktische Teil eine gute Ergänzung der theoretischen Ausführungen bilden kann

Aus der ausführlichen Recherche stellt es fest, dass in der sprachhistorischen Forschung prinzipiell theoretische Arbeiten dominieren Infolgedessen scheint es angemessen und sinnvoll, die vorliegende Arbeit zu erfassen, die sich neben theoretischen Grundlagen auch auf eine Darstellung der Entwicklung ausgewählter Modalverben bezieht

11 Vgl Fritz/Gloning 1997, Vorwort

12

Vgl Keller/Kirschbaum 2003, Vorwort

Trang 15

1.1 Methodik und Vorgehensweise

In der vorliegenden MA-Arbeit wird der Bedeutungswandel unter Berücksichtigung von zusammenführenden Theorien und untersuchten Beispielen dargestellt

In Hinsicht auf die theoretischen Grundlagen lässt sich vorhandenes, in der

Sekundärliteratur veröffentlichtes Wissen zu dem Thema Bedeutungswandel

zusammenfassen Mit anderen Worten wird in diesem Teil diskursiv und induktiv behandelt: Thesen von verschiedenen Wissenschaftlern, wie Blank, Kirschbaum oder Fritz, etc., werden erörtert, zu der Fragestellung von befasster Arbeit gegeneinander abgewogen und dabei werden auch Beispiele zum Erörtern angeführt

Zum Ziel als Stützung des theoretischen Teils und als ein nützlicher Beweis, um auf die Fragestellung eine Antwort geben zu können, dient der zweite Teil der Arbeit, und zwar die praktische Untersuchung In diesem Teil wird eine sorgfältige semantische Analyse durchgeführt Bei der Bedeutungsbeschreibung der Lexeme werden deutsche einsprachige Wörterbücher zu Rate gezogen Diese Nachschlagewerke liefern zahlreiche wertvolle Informationen zu der Bedeutungsveränderung der Lexeme Aus der Vielfalt der Wörterbücher werden folgende gewählt:

- Duden Herkunftswörterbuch, Etymologie der deutschen Sprache, Band 7, 2007

- Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Internetausgabe,

http://woerterbuchnetz.de/DWB/

- Langenscheidt das Großwörterbuch

- Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache 23., erw Aufl Berlin, New York: de Gruyter, 1999

Doch kann man nicht lediglich auf der Grundlage von Wörterbüchern arbeiten Um den Gebrauch von sprachlichen Ausdrücken zu verstehen, muss man sie in ihrem Satz-, Text- und Kommunikationszusammenhang sehen Infolgedessen wird in der Arbeit

Trang 16

auch viel Belegmaterial vorgeführt und erörtert Und es wird daher die Korpusmethode13 angewendet Also, eine Sammlung von geeigneten Primärquellen, Korpus genannt, ist zusammenzustellen Als gutes Hilfsmittel stehen die elektronischen Texte in großer Zahl zur Verfügung Ein Beispiel dafür ist das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache (www.dwds.de/), das mit elektronischen Textkorpora verknüpft, die das Jahre 1900 – 2000 umfassen Alle beschriebenen Sememe werden mit den Textstellen belegt, „da der Kontext, in dem die Wörter auftreten, für die Interpretation der einzelnen Bedeutungsvariante ausschlaggebend ist.“14 Eine andere hilfreiche Quelle sind die elektronischen Korpora des Instituts für deutsche Sprache (Mannheim) vom 19 Jahrhundert bis zur Gegenwart, die auch online verfügbar sind (www.ids-mannheim.de) Oder beim Deutschen Wortschatzportal der Universität Leipzig steht auch nützliche Recherchenquelle zur Verfügung, die auch im Internet zu finden ist (http://wortschatz.uni-leipzig.de/) Dort kann man auch aus dem gewählten Korpus Kollokationen für ein Wort anzeigen lassen Die Arbeit behandelt auch historischen Aspekt, daher spielen ebenfalls die diachronen Korpora eine große Rolle: das Korpus MHDBDB stellt eine große Sammlung von wichtigen mittelhochdeutschen literarischen Werken zur Verfügung, das unter http://mhdbdb.sbg.ac.at/ zu finden ist

Die Betrachtung der semantischen Entwicklung der ausgewählten Modalverben wird wie folgt durchgeführt: die Form sowie die Sememe eines Modalverbs werden in Herkunftswörterbüchern nachgeschlagen und in der Arbeit aufgelistet Eine gute Grundlage für die Betrachtung der semantischen Entwicklung von den Modalverben schaffen zahlreiche Aufsätze, die den Bedeutungswandel der deutschen Modalverben behandeln, z.B die von Fritz Jedes beschriebene Semem wird mit dem Korpus entnommenen Textstellen belegt

13

Vgl Fritz 2005, 27

14 Biskup 2011, 12

Trang 17

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Allgemeines

2.1.1 Zum Begriff Lexem / Wort

Mit dem Begriff Lexem haben sich viele Sprachwissenschaftler beschäftigt Im

Folgenden referiere ich die Ansichten von Löbner, Schippan und Bußmann Darüber hinaus wird auch der Begriff vom Wort in der Korpuslinguistik diskutiert, da sich diese Arbeit viel mit Korpuslinguistik befasst

Löbner vertritt die Meinung, dass Lexeme bzw Lexikoneinheiten einfache oder komplexe Ausdrücke seien, die lexikalische Bedeutung tragen.15 Einfache Ausdrücke sind die einzelnen Wörter mit lexikalischer Bedeutung Dies wird als die gespeicherten Bedeutungen vom Lexikon verstanden, die wir im Kopf zur Verfügung haben.16 Die komplexen sind zusammengesetzte Ausdrücke, die besondere Bedeutung tragen, die die Sprecher selbst auswendig lernen müssen, die kompositionale Bedeutung genannt wird.17 Beispielsweise Idiome / Redewendungen wie blau machen Lexeme bilden die

Bausteine des Wortschatzes, also das Lexikon einer Sprache, das sich im Kopf eines Sprachbenutzers speichern lässt Löbner ist auch davon überzeugt, dass lexikalische Bedeutung nicht mit der Bedeutungsbeschreibung in Wörterbüchern / Lexika zu verwechseln sei Der Grund dafür sei, dass Wörterbücher die Bedeutung der Wörter durch Paraphrasen beschreiben Infolgedessen muss man ein weiteres Mal die Bedeutung der einzelnen Wörter nachzuschlagen, um diese Umschreibung zu verstehen Die im Kopf der Sprachbenutzer gespeicherten lexikalischen Bedeutungen sind in der Regel Konzepte, sie werden nicht durch andere Wörter paraphrasiert Lexeme sind auch sprachliche Einheiten innerhalb eines Sprachsystems, die nach den

Trang 18

Regeln des Sprachsystems aufgebaut sind und in Phrasen bzw Sätzen eingebaut sind Und daher sind die Lexeme in unterschiedliche grammatische Kategorien eingeteilt, einschließlich inhärenter grammatischer Eigenschaften und grammatischer Formen Und jede grammatische Form hat eine gesprochene und orthographische Form, auch als Lautform und Schriftform verstanden Die oben genannten Eigenschaften machen ein Lexem aus und müssen daher im Lexikon gespeichert werden

In der „Lexikologie der deutschen Gegenwartssprache“ (2002) von Schippan werden Lexemen als Systemelemente, die als Einheiten des Lexikons gesellschaftlich verfestigt und lexikalisiert sind, betrachtet.18 Schippan vertritt die gleiche Meinung wie Löbner, dass als Lexeme benennende und verallgemeinernde Wortschatzelemente,

Einzelwörter oder feste Wortgruppen, bezeichnet werden Lexeme sind z.B Apfel,

Mehrwortbezeichnungen, Phraseologismen und kommunikative Formeln.19 Also,

Lexeme sind Basismorphem (Buch, gelb), Wortbildungskonstruktionen (verkaufen,

regnerisch, Fahrer) oder feste Wortverbindungen / Wortgruppen (Entscheidung treffen, unter einen Hut bringen) Und Mehrwortlexeme werden auch als Paralexeme

bezeichnet Und in dieser Hinsicht ist der Lexembegriff weiter als der des Wortes

Schippan ist der Auffassung, dass man die Begriffe Wort und Lexem nicht

identifizieren solle, obwohl die beiden Termini inhaltlich übereinstimmen und häufig

in der Literatur für die Grundeinheit des Lexikons der Begriff Lexem statt Wort

verwendet werden

Bußmann betrachtet in ihrem Buch „Lexikon der Sprachwissenschaft“ (2002) Lexem als „abstrakte funktionale Einheit“20 Das sind abstrakte Basiseinheiten des Lexikons auf Langue-Ebene, als das Sprachsystem, die in verschiedenen grammatischen

18 Vgl Schippan 2002, 95

19

Ebd., 96

20 Bußmann 2002, 400

Trang 19

Wortformen realisiert oder auch Teil anderer Lexeme sein können Als ein Beispiel

lässt sich hör- anführen: hör- kann in mehreren grammatischen Wortformen verwirklicht werden, wie in hören, hörst, hörte; oder in Hörer, Gehörtes, zuhören Anderer Auffassung ist Bußmann, dass Lexem im weiteren Sinn als Synonym für Wort

als lexikalische Einheite bzw Element des Wortschatzes verwendet werden kann

Die Meinung, dass Wort und Lexem Synonyme sind vertritt auch Haß-Zumkehr 21 Haß-Zumkehr ist davon überzeugt, dass sich ein Wort/Lexem in der Korpuslinguistik

auf drei Aspekte bezieht: token, type und Lemma Token (auch laufende Wortform) ist

jede lexikalische Einheit bzw Wortform von dem eingegebenen Wort/Lexem, die in

einem Korpustext vorkommt Die Zahl der tokens widerspiegelt die Größe des

Korpus.22 Viele tokens eines Textes sind äußerlich identisch und bilden daher einen

lassen sich in der Regel (aber nicht immer) auf eine Grundform zurückführen.“24 Und

diese Grundform, als Lemma genannt, wird in der Korpuslinguistik als das

eingegebene Suchwort betrachtet Eine Liste von Lemmata im Hintergrund des Recherchesystems ist Voraussetzung dafür, dass zu einem eingegebenen Suchwort alle relevante types und dann auch die Belegstellen mit je einem token gefunden werden.25

Ein Beispiel: Wer wollen als Suchwort (Lemma) ins Recherchesystem eingibt, möchte auch eventuell Belege zu wollte, wolle, will, wollt, aber auch zu wellen (ahd.)26

Trang 20

Oben werden zahlreiche Ansichten verschiedener Sprachwissenschaftler über den

Begriff Lexem dargestellt Die vorliegende Arbeit stützt sich in hohem Grade auf die

korpusanalytische Linguistik Daher beschäftigt sich die Arbeit viel mit Haß-Zumkehrs

Begriffen und stütze ich mich auf ihre Auffassungen bezüglich Lexem

2.1.2 Semem/Bedeutung

Semem wird in dem Lexikon der Sprachwissenschaft als die semantische Grundeinheit

des Lexikons bezeichnet, die durch Seme (minimale Bedeutungskomponenten), welche

im weiteren Teil erwähnt werden wird.27

In „Einführung in die Semasiologie“ (1975) und „Lexikologie der deutschen Gegenwartssprache“ (1992) gibt Schippan eine ausführliche Darstellung über den

Begriff Semem, auch lexisch-semantische Variante Semem wird als die auf der

Langue-Ebene, also der Ebene des Sprachsystems, existierende Bedeutungsvariante

und als potentielle Bedeutung verstanden.28 Sie vertritt auch die Auffassung, dass eine Wortbedeutung mehrere Sememe zusammenschließen kann Ferner ist Schippan der Meinung, dass die meisten Lexeme der deutschen Sprache mehr als ein Semem haben, also sie sind polysem29: Neben einem dominierenden Semem, neben einer Hauptbedeutung, haben viele Wörter noch weitere Sememe Hier ist es zu verstehen,

dass der Unterschied zwischen Semem und Bedeutung undeutlich ist; und die Semem und Bedeutung/Bedeutungsvarianten austauschbar benutzt werden können

W Schmidt unterscheidet die Haupt- und Nebenbedeutungen: die Hauptbedeutung ist

„die aktuelle Bedeutung, welche als die zu einem bestimmten Zeitpunkt gesellschaftlich wichtigste Bedeutung bei isolierter Nennung des Wortes, also auf der Ebene der Langue, im Bewusstsein der meisten Sprachgenossen zuerst realisiert

Trang 21

wird.“30 Zum Beispiel bei blau haben wir den Farbbegriff als Hauptbedeutung und nicht etwa die Bedeutungsvariante ‚betrunken„, oder bei Käfer eindeutig die

Bedeutung ‚Insekt„ und nicht ein Autotyp von Volkswagen „Aber nicht in allen Fällen lä[ss]t sich die Bestimmung so einfach vornehmen, da viele Wörter eine wesentlich kompliziertere Bedeutungsstruktur besitzen.“31

Schippan führt ein Beispiel von Jugend

an: dieses Wort besitzt mindestens drei Sememe (‚Jugendalter„, ‚Jugendlichkeit„,

‚junge Menschen„) Und sie ist der Meinung, dass es kaum festzustellen sei, welches Semem als Hauptbedeutung zu gelten sei Demnach ist die Bestimmung von der Hauptbedeutung eines Wortes viel von subjektiven Faktoren abhängig.32

Möller unterscheidet in ihrer Arbeit zwischen der potentiellen und aktuellen Bedeutung: Während die potentielle Bedeutung als Bestandteil des Lexems auf der Ebene des Sprachsystems (Langue) gilt, ist das aktuelle Semem als eine Art Pendant der Lexemrealisation auf der Ebene der sprachlichen Kommunikation (Parole) zu betrachten.33 In der vorliegenden Arbeit dient das Semem als Bedeutungseinheit Infolgedessen wird keine Differenzierung zwischen der potentiellen und aktuellen Bedeutung vorgenommen

Neben den potentiellen und aktuellen Bedeutungen kommen noch die denotative und konnotative Bedeutung in der Literatur vor, nämlich in Schippans „Lexikologie der

deutschen Gegenwartssprache“ Schippan weist darauf hin, dass denotative und

konnotative Bedeutung Gegenbegriff voneinander sind „Die Klasse von Objekten, auf

die sich ein Formativ bezieht“34, wird als das Denotat des Lexems betrachtet Die

Trang 22

Bedeutung, die sich auf das Denotat bezieht, ist die denotative Bedeutung.35Denotationen werden auch als begrifflicher Inhalt genannt Und die Information, die über die denotative Bedeutung hinausgehen, sind Konnotationen, welche auch mit einem Formativ verbunden sind Die Konnotationen, auch Nebensinn und Gefühlswert des Wortes, signalisieren die usuellen Gebrauchsbedingungen.36 Helbig gibt auch eine

Erklärung von dem Begriff konnotativ, dass es sich nicht nur auf den reinen

Gegenstand in der Realität bezieht, sondern auch „semantische, stilistishe, emotionale, expressive, wertende Bedeutungselemente“ enthält, die mit der Grundbedeutung verknüpft sind.37 Zum Beispiel, das Verb ertappen hat die gleiche denotative Bedeutung wie überraschen Aber im Kontext von „Du glaubst, du hast mich jetzt

ertappt?“ informiert es darüber, dass es sich um eine gelockerte Gesprächsatmosphäre

handelt Und ertappen ist konnotiert als /vertraut/ und /umgangsprachlich/.38

Die Struktur der Bedeutung beachten, und zwar die Bedeutungsintension und –extension Wenn wir an etwas denken und es mit Lexemen benennen, wird dann der Bedeutungsinhalt, auch die Bedeutungsintension, festgelegt Dann bestimmt die Bedeutungsintension wiederum, worauf das Lexem anwendbar ist, die Bedeutungsextension, also der Bedeutungsumfang Bedeutungsintension und –extension sind somit „korrelative Kategorien“, bestimmen einander und können sich in Abhängigkeit voneinander verändern.39

Trang 23

2.2 Bedeutungswandel

2.2.1 Zum Begriff Bedeutungswandel

Wie gesagt, es kommt in der Realität stets zu vielfältigen Veränderungen Die Sprache unterliegt infolgedesssen auch Wandlungen Diese Auffassung vertreten auch Keller und Kirschbaum, dass alle Sprachen, so lange sie in aktivem Gebrauch sind, in einem kontinuierlichen Wandel stehen: von dem Laut über die Regeln der Struktur des Satzbaus bis hin zum Wortschatz und der Bedeutung.40 Dabei findet

Bedeutungswandel statt

Nach Schippan kommt der Bedeutungswandel zustande, wenn eine ganz neue Bedeutung sich mit ein und demselben Formativ verbindet oder die Bedeutung um neue Sememe, neue Gebrauchssphären erweitert wird; das heißt, der Umfang der Bedeutung verändert sich Schippans Ansicht teilt auch Lewandowski, wobei er solche Wandlungen zwischen der Ausdrucksseite und der Inhaltsseite eines Lexems als Bedeutungswandel angesehen werden, bei denen sich „mit ein und demselben Wortkörper eine neue Bedeutung verbindet oder bei denen Wortbedeutungen ihren Anwendungsbereich verändern.“41

Blank ist der Meinung, dass die Definition des semantischen Wandels Bezug auf ein allgemeines semiotisches Modell nehmen soll, da diese Definition von der

Bestimmung des Begriffs Bedeutung abhängt

40

Vgl Keller/Kirschbaum 2003, 7

41 Lewandowski 1985, 158

Trang 24

Blank weist zwei Aspekte auf, die besonders wichtig für die Ermittlung von

Bedeutungswandel sind: Einerseits sind Wortbedeutungen durch Eigenschaften und

Merkmale des Denotats geprägt, also des Zeicheninhalts Andererseits stehen sie im engen Zusammenhang mit kognitiven und kommunikativen Bedürfnissen in der außersprachlichen Wirklichkeit, was als Sprachökonomie bezeichnet werden kann Diese Ansicht tritt auch in der Arbeit von Kirschbaum und Keller vor:

Bedeutungswandel ist ein unbeabsichtigter Nebeneffekt unseres alltäglichen Kommunizierens Menschen sind bestrebt, ihre alltäglichen kommunikativen Ziele möglichst optimal zu verwirklichen Wenn es dabei aufgrund ähnlicher Strategien zugleich gerichteten Wahlen der sprachlichen Mittel kommt, entsteht als Kumulationseffekt mit der Zeit ein Bedeutungswandel.42

Unter dem semantischen Wandel werden in Anlehnung von Schippan sowohl semantische Veränderung innerhalb desselben Lexems als auch neue Entstehung von einem Semem verstanden

Das folgende Kapitel gibt einen Überblick über verschiedene Arten/Klassifikation des Bedeutungswandels Danach werden die Verfahren der Bedeutungsentwicklung

42 Keller/Kirschbaum 2003, 13

Abbildung 1: Ein semiotisches Modell (nach Blank, 1997)

S.102.)

Trang 25

behandelt Anschließend wird auf die Ursachen der semantischen Veränderungen eingegangen Und ein kleiner Teil des Kapitels stellt eine kurze Zusammenfassung der Epochen deutscher Sprachgeschichte

2.2.2 Klassifikation des Bedeutungswandels

Eine strikte Klassifikation des Bedeutungswandels ist schwierig Es gibt noch keine Einigkeit darüber, wie die verschiedenen Arten des Bedeutungswandels zu klassifizieren sind „Das Hauptproblem der älteren Klassifikationsvorschläge zum Bedeutungswandel ist jedoch, dass letztlich jeder Forscher seine eigene Bedeutungsweise hatte und den Schwerpunkt auf andere Kriterien oder Aspekte legte.“43 Dieser Teil der Arbeit befasst sich mit den Klassifikationen von Ullmann und Blank, deren Auffassungen als verschiedene Vertreter der Klassifikation vom Bedeutungswandel betrachtet werden

2.2.2.1 Ullmanns Klassifikation

Der Ansatz von Ullmann wird in der Fachliteratur immer wieder als die wichtigste Klassifikation des Bedeutungswandels vorgestellt Ullmanns Klassifikation des Bedeutungswandels beruht auf der „funktionalen Auffassung von der Bedeutung als einer Beziehung zwischen Name und Sinn und als eines Elements in einem synchronen Gefüge, das von dem doppelten Assoziationsgeflecht aus Name und Sinn bestimmt wird.“44

Das heißt, der Bedeutungswandel lässt sich als „Veränderung der

Assoziationsprinzipien von Similarität (Ähnlichkeit) und Kontiguität (Berührung)

beruhende Klassifikation darstellen:46

Trang 26

A Bedeutungswandel infolge sprachlichen Konservatismus

B Bedeutungswandel infolge sprachlicher Neuerungen

1 aufgrund von Sinnähnlichkeit

2 aufgrund von Sinnberührung

II Sinnübertragungen

1 aufgrund von Namenähnlichkeit

2 aufgrund von Namenberührung

III Mehrschichtiger Bedeutungswandel

Typ A (Bedeutungswandel infolge sprachlichen Konservatismus) kommt vor, wenn ein Zeichen bleibt, obwohl sich der außersprachliche Referent stark verändert hat Doch in Bezug auf die Kategorie A in Ullmanns Klassifikation lässt sich gewisse Skepsis äußern Und in seiner späteren Abhandlung hat Ullmann diesen Typ des Bedeutungswandels weggelassen

Bei B.I.1 (Namenübertragungen aufgrund von Sinnähnlichkeit) handelt es sich um die metaphorische Übertragung Beispiele für die lexikalisierte Metapher wären

Flaschenhals (wesensmäßige Ähnlichkeit), Bitterkeit oder warmherzig (gefühlsmäßige

Ähnlichkeit) Unter I.2 (Namenübertragungen aufgrund von Sinnberührung) ist die Metonymie zu verstehen sie umfasst Übertragungen aufgrund u.a räumlichen Beziehung zwischen Ursprungs- und Zielreferenzobjekt eines sprachlichen Zeichens

(z.B Die ganze Schule war traurig, ‚Schüler und Lehrer„) oder Relation mit dem Beispiel von Feder, wenn das Wort die Bedeutung ‚Autor„ erhält

Instrument-Agens-Die Typen der Sinnübertragung (B.II.) basieren auf den Assoziationen zwischen den Zeichenausdrücken Der erste Fall, Sinnübertragung aufgrund von Namenähnlichkeit (II.1.) ist als die Wandlung aufgrund von Lautassoziationen zu betrachten, die sogenannte Volksetymologie Bei diesem Vorgang wird die Herkunft eines Wortes umgedeutet und mit einem anderen in Zusammenhang gebracht, mit dem es lautliche

Trang 27

Ähnlichkeit hat, wodurch sich die Bedeutung verschiebt.47 Als Beispiel dafür dient der

Fall von dt Hängematte, abgeleitet von hait (h)amaca und nl hangmat Der Typ II.2

– Sinnübertragung aufgrund von Namenberührung – beruht auf der Ellipse, also

„Aussparung von sprachlichen Elementen, die rekonstruierbar sind“.48 Also der elliptische Gebrauch „entspricht dem Prinzip der sprachlichen Ökonomie, d.h der Erleichterung und Beschleunigung der Informationsvermittlung.“49 Zu diesem Typ

rechnet z.B engl capital (‚Hauptstadt„) aus capital city

Die vier Haupttypen sind ihrem Vorkommen nach sehr verschieden Die Metapher ist der wichtigste Typ, aber auch die Metonymie ist eine durchaus alltägliche Erscheinung Die Ellipse ist zwar keineswegs selten, aufs Ganze gesehen aber nur bedingt von Interesse, während die Volksetymologie eine Randerscheinung bildet

Namenassoziationen Eine Sprache ohne Ellipsen und Volksetymologien wäre ein völlig adäquates Verständigungsmittel, eine Sprache ohne Metaphern und Metonymien dagegen wäre undenkbar: diese beiden Faktoren gehören zur Grundstruktur der Sprache.50

Beim mehrschichtigen Bedeutungswandel (III) haben zwei oder mehrere der oben

beschriebenen Typen gleichzeitig stattgefunden Diese Situation liegt z.B bei Riesling (Ellipse von Rieslingwein, aber auch als Metonymie: Herstellungsort – Erzeugnis

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Blanks Untersuchung Perspektiven des lexikalischen Bedeutungswandels am Beispiel

der romanischen Sprachen versteht sich als Auseinandersetzung mit dem Werk

Ullmanns.51 Die insgesamt elf Typen des Bedeutungswandels beruhen auf den

Assoziationsprinzipien Similarität, Kontiguität und Kontrast Similarität und Kontrast

schließen sich nicht aus, sondern sie sind zwei ineinanderübergehende Bereiche einer

Skala, an deren Endpunkten sprachliche Formen mit maximaler Identität bzw

maximalem Kontrast stehen Während beim maximalen Kontrast eine grundlegende Similarität bestehen bleibt, ist bei der maximalen Similarität jede Differenzierung aufgehoben.52

Maximaler Konstrast ist die Nennung des genauen Gegenteils Und Similarität heißt i.d.R nicht Identität, sondern es besteht so große Ähnlichkeit zwischen zwei Bedeutungen (z.B bei Synonymie) einen minimalen Kontrast.53 Bei der Kontiguität handelt es sich um räumliche, zeitliche, funktionale, finale oder kausale Relationen auf der Ebene des Weltwissens In der Regel ist in Blanks Ansatz zu verstehen, dass die Assoziationen nicht auf der Ebene der sprachlichen Zeichen, sondern auf der dahinter konzeptuellen Ebenen beruhen54; das steht auch in deutlicher Abgrenzung von Ullmanns Klassifikation

1 Metapher (Assoziationstyp: außersprachliche Similarität)

2 Kohyponymische Übertragung (Assoziationstyp: inhaltlich-sprachliche Similarität)

3 Generalisierung (Assoziationstyp: inhaltlich-sprachliche Similarität)

4 Spezialisierung (Assoziationstyp: inhaltlich-sprachliche Similarität)

5 Volksetymologie (Assoziationstyp: sprachlich-formale Similarität)

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6 Metonymie (Assoziationstyp: sprachlich-formale Kontiguität)

7 Lexikalische Absorption (Ellipse) (Assoziationstyp: sprachlich-syntagmatische Kontiguität)

8 Auto-Konverse (Assoziationstyp: außersprachliche Kontiguität)

9 Antiphrasis (Assoziationstyp: außersprachliche Kontrast)

10 Auto-Antonymie (Assoziationstyp: sprachlich-inhaltliche Kontrast)

11 Analogischer Bedeutungswandel (Assoziationstyp: alle Assoziationstypen).55

Bei Generalisierung (Bedeutungserweiterung) werden semantische Merkmale

abgebaut, womit sich die Anwendbarkeit des Wortes erweitert.56 Der Vorgang liegt

zum Beispiel bei dem Verb machen Das Verb hat die ursprüngliche Bedeutung

‚kneten, Lehm zubereiten und verarbeiten„, dann lässt es sich auch auf Abstrakta beziehen (‚zusammenfügen, bauen, herstellen„) Man kann feststellen, dass die semantischen Merkmale der Handarbeit und des Verarbeitungsstoffes abgebaut wurden und damit auch die Verwendbarkeit des Verbs Nicht nur die lexikalische Bedeutung wird erweitert, sondern die Erweiterung liegt auch bei der Grammatikalisierung vor

Machen kann als Stützverb vorkommen (Aufgaben machen, Sorge machen) und auch

die kausative Funktion übernehmen im Sinne von ‚etwas bewirken„ (jemanden weinen

machen, es macht mich glücklich); in der Phrase sich an etwas machen übernimmt das

Verb die inchoative Funktion, also es drückt den Beginn einer Handlung aus.57

Spezialisierung (Bedeutungsverengerung) liegt vor, wenn ein Wort zusätzliche

Merkmale annimmt und verringert damit seinen Anwendungsbereich.58 Das Verb

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fahren ein Fortbewegungsmittel voraus Also bei fahren ist das semantische Merkmal

‚mit Hilfsmittel„ hinzugekommen und die Bedeutung hat sich verengt

Außer den oben genannten Typenführt Blank noch fünf weitere Typen ein: kohyponymische Übertragung, Auto-Konverse, Antiphrasis, Auto-Antonymie und analogischer Bedeutungswandel

Zwischen Sememen von Lexemen eines Wortfeldes besteht eine kohyponyme Relation

(auch Inkompatibilität), wenn keines Hyponym des anderen ist und es sich weder um Synonyme noch um Antonyme im weiteren Sinne handelt.60 Der kohyponymische Bedeutungswandel vollzieht sich, wenn zwischen zwei Kohyponymen auf der

Grundlage der kotaxonomischen Similarität abläuft Puma, Tiger, Löwe z.B sind gemeinsame Hyponyme des Hyperonyms Raubkatzen

Die kohyponymische Übertragung ist als ad-hoc-Bildung sicher sehr häufig [ ], als lexikalisiertes Phänomen kommt sie fast nur bei Tieren und Pflanzen vor und hängt häufig damit zusammen, dass Menschen aus einer Lebenswelt in eine andere kommen, also gewissermaßen den Frame wechseln In der „neuen“ Welt übertragen die Sprecher dann ihre gewohnten Bezeichnungen auf ähnlich aussehende Tiere und Pflanzen Der Hintergrund ist natürlich Sprachökonomie.61

Auto-Konverse (‚innere„ Metonymie) bezieht sich auf eine der vier Arten lexikalischer

Gegensätze (Konversität, Komplementarität, Kontrarität, Direktionalität)62, nämlich die Konversität „Bei der Konversität wird der Eindruck eines Gegensatzes durch einen Austausch der Perspektive hervorgerufen.“63

Das heißt, das bisherige Grundkonzept wird zur Figur und das bisherige Figurkonzept tritt in den

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Hintergrund.64 Dieser Typ des Bedeutungswandels tritt eher selten vor Ein Beispiel

dafür wäre das konverse Wortpaar Verkäufer – Käufer Im Rahmen der Forschung

semantischen Wandels kann es zu dem Resultat kommen, dass ein Wort seine eigene Konverse bedeutet, was als Auto-Konverse betrachtet wird Beim Wandel von spätlt

inodiare ‚jn hassen„ zur konversen Bedeutung ‚hassenswert sein für jn.„ hat Blank

darauf hingewiesen, dass der Erst- und Zweitaktant Position und semantische Rolle tauschen Also die beiden Aktanten tauschen die Rollen ‚Hassender„ und ‚Objekt des Hasses„ Und durch den Tausch gerät der Kausativ-Aktant in die Subjektsposition, damit der Experiencer-Aktant in die Objektsposition.65

Der antiphrastische Bedeutungswandel basiert auf einem Gegensatz, der in den

Konnotationen im Sinne einer kollektiv üblichen Bewertung oder im Weltwissen zu finden ist Mit diesem Typ von Bedeutungswandel treten häufig Euphemismus und Ironie zusammen auf Der Antiphrasis beruht auf einem „salienten Gegensatz im Weltwissen oder bei den Konnotationen“.66 Deswegen bezeichnen diese Phänomene die Sprecherabsicht, das eine formuliert etwas verhüllendes, das andere das ironische.67 Als Beispiel hat Blank auf den Fall von it brava donna hingewiesen: die

ursprüngliche Bedeutung steht im Gegensatz zur neuen Bedeutung (‚ehrbare Frau„ im Gegensatz zu ‚Prostituierte„).68

Die strengste Form des Gegensatzes bildet die Komplementarität (Antonymie), da es

zwischen den beiden Gegenpolen keine vermittelnde Position besteht, z.B tot –

64 Vgl Koch “Metonomy: Unity in Diversity”, in: Eckardt, Regine/v Heusinger,

Klaus (Hrsg.): Meaning Change – Meaning Variation, Konstanz: FB Sprachwissenschaft

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lebendig, abwesend – anwesend.69 Beim Bedeutungswandel kommt es auch vor, dass eine Antonymie innerhalb ein und desselben Wortes bestehen kann Der Unterschied

zwischen Auto-Antonymie und Antiphrasis liegt darin, dass hier der Gegensatz nicht

konnotativ vermittelt wird, sondern die neue Bedeutung in direkter Antonymie zur

alten steht Dies ist z.B der Fall bei it obesus, das einerseits ‚abgezehrt„ und ‚mager„,

andererseits ‚fett, wohlgenährt„ bedeutet.70

Schließlich umfasst der analogische Bedeutungswandel alle die oben genannten

Assoziationstypen Bei dieser Art des Bedeutungswandels handelt es sich um „die Kopie der Polysemie eines Lexems bei einem anderen, wobei die ältere Bedeutung des

‚kopierenden„ Lexems in [einer lexikalischen Relation] zum ‚kopierten„ Lexem steht.“71

Der Typ findet sich z.B im Falle von Kohle, Kies und Schotter; bei diesen

Lexemen befindet sich eine kohyponymische Relation und all die Lexeme haben die Bedeutung ‚Geld„

Weitere wichtige Aspekte aus Blanks Untersuchungen sind die „Sekundärprozesse des Bedeutungswandel“72, nämlich die Bedeutungsverschlechterung und –verbesserung Bei Blank treten diese Phänomene nicht als eigene Kategorien und auch nicht als Folgen des Bedeutungswandels (im Unterschied zu Ullmanns), sondern als dessen

„Begleiterscheinungen“ auf.73 Wegen der Platzbegrenzung wird es in der vorliegenden Arbeit nicht über diese Subkatekorien vom Bedeutungswandel dargestellt

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Die praktische Untersuchung der befassten Arbeit dient auch dazu, die Klassifikation des Bedeutungswandels auf der Grundlage von einer Forschung der deutschen Modalverben genauer zu betrachten Nach der genauen Beobachtung der zwei Klassifikationen von Ullmann und Blank, ist es zu entscheiden, dass die Arbeit auf der Klassifikation Blanks basieren wird, da bei Blank eine möglichst klare und überzeugende Erörterung von den Typen des Bedeutungswandels vorkommt Diese Klassifikation wird im Folgenden dargestellt werden, indem die Typen des Bedeutungswandels nach drei Assoziationsprinzipien untergegliedert sind:

Similarität

Generalisierung

Spezialisierung

Volksetymologie

Kontiguität

Kontrast

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Antiphrasis Auto-Antonymie

alle Assoziationstypen

Analogischer Bedeutungswandel

Tabelle 2 Klassifikation des Bedeutungswandels (nach Assoziationsprinzipien)

2.2.3 Ursachen des Bedeutungswandels

Eines der im Vordergrund stehenden Themen der traditionellen Semantik ist die Suche nach den Ursachen des Bedeutungswandels Es wird ebenfalls festgestellt, dass die Benennung der Ursachen des Bedeutungswandels nicht immer klar und einig unter den Sprachwissenschaftlern ist Blank ist der Meinung, dass jeder einzelne Wandel in einer spezifischen Situation entsteht, die mit anderen nicht vergleichbar ist und es hier keine zwingende Systematisierung gibt Infolgedessen stellt Blank fest, dass jeder Bedeutungswandel seine eigene Ursache hat.74 Doch soll eine systematische Klärung der möglichen Gründe für Bedeutungswandel geleistet werden Paul hat darüber erklärt, dass die Ursache für diese Veränderung die gewöhnliche Sprechtätigkeit ist

„Es wirkt dabei keine andere Absicht als die auf das Augenblicke Bedürfnis gerichtete Absicht seine Wünsche und Gedanken anderen verständlich zu machen.“75 Schippan weist auch darauf hin, dass die Bedürfnisse sprachlichen Handelns unter bestimmten wirtschaftlichen, politischen, kulturellen, philosophischen und vor allem sozialen Bedingungen wohl die Triebkräfte des Bedeutungswandels sein können.76 Es kommt daher weniger darauf an, ein System darzustellen, nach dem die verschiedenen Ursachen des Bedeutungswandels klassifiziert werden, sondern darauf, das

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Zusammenwirken verschiedener Faktoren zu erörtern Die folgende Darstellung von Ursachen des Bedeutungswandel lehnt sich hauptsächlich an Schippans Darstellung

an

2.2.3.1 Bedarf an Benennung für neue Objekte und Konzepte

Die Bedürfnisse zur Benennung entstehen, wenn Bezeichnung für neu entwickelte Objekte oder Konzepte fehlt Diese Ursache für den Bedeutungswandel ist wahrscheinlich die anschaulichste

Um das Bedürfnis nach neuen Benennungen zu befriedigen, greift man meistens auf das bereits vorhandene einheimischen Sprachmaterial zurück.77

Dieser Vorgang bezieht sich auf die Wortbildung, metaphorischen und metonymischen Gebrauch und auch Entlehnung aus anderen Sprachen.78

Schippan ist der Auffassung, dass sich der Vorgang, in dem eine neue Benennung entsteht, schrittweise vollzieht.79 Zunächst wird eine lexikalische Einheit okkasionell als Benennungseinheit genutzt Diese neue Benennungseinheit wird dann von den Sprachbenutzern akzeptiert Schließlich wird sie usuell, und das Lexem hat daher seine Bedeutung erweitert

Die oben dargestellte Ursache des semantischen Wandels ist zweifellos eine der wichtigsten Sie bleibt weiterhin lebendig, solange neue Objekte und Konzepte als Folge der außersprachlichen Entwicklungen auftreten, die einer Benennung bedürfen Durch diese Ursache des semantischen Wandels kann es zu folgenden Arten des Bedeutungswandels führen, wie Metapher, Metonymie, Polysemie usw

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2.2.3.2 Denotatsveränderung und Beibehaltung der Benennung

Die Bedeutung steht stets im engen Zusammenhang mit den kommunikativ und kognitiv relevanten Merkmalen Und diese können sich verändern, ohne dass die Zuordnung zu einem Formativ aufgehoben werden muss.80 Das heißt, die Bezeichnungen für die veränderten Konzepte werden weiterhin gebraucht, da „das Merkmal der Funktion alte und neue Bedeutung verbindet“.81

Als Beispiel kann

Bleistift oder Feder dienen; obwohl Bleistift nicht mehr aus Blei und Feder nicht mehr

vom Vogel ist, benutzt man weiterhin diese Wörter für die gewandelten Bedeutungen

2.2.3.3 Entwicklung kognitiver Bedürfnisse

Diese Ursache des Bedeutungswandels bezieht sich auf die spezialisierten Ausdrücke bzw die Fachwörter Sie bezieht sich auf Bedeutungserweiterung und –verengerung.82

Jede gesellschaftliche Gruppe, die gemeinsam Interessen vertritt, „erarbeitet“ ihre eigene Sprache, indem sie den vorhandenen Wörtern eine andere, meistens engere fachspezifische Bedeutung beifügt.83

Diese neuen Begriffe können sich ohne Veränderung der ihnen zu geordneten Formative vollziehen Nicht nur Fachsprache, sondern auch alltagssprachliches Wortgut verändert sich wegen dieser Ursache Wörter, die in einer Zeit entstanden, wenn sich Menschen Naturerscheinungen noch nicht erklären konnten, werden heute übertragen gebraucht Schippan hat dafür das

Beispiel von den mittelalterlichen Wörtern, wie Engel, Drache, Hexe usw angeführt.84

2.2.3.4 Normen kommunikativen Handelns und ihre Auswirkungen

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Die Normen des Sprachgebrauchs bzw die Art und Weise, wie Menschen miteinander kommunizieren, sind durch die Merkmale der sozialen Beziehungen zwischen Menschen bestimmt und wirken auf sie zurück In jeder Sprachgemeinschaft, sowie –gesellschaft, kommen Themenbereiche vor, die nicht auf eine direkte Weise angesprochen werden sollten, wegen Höflichkeit, Rücksichtnahme, Verdeutlichung, Zuspitzung und auch Tabuisierung usw.85 In den Fällen ist es nicht an die Fachsprache gebunden, sondern beeinflusst eher die Alltagskommunikation Um die

„empfindlichen“ Themen doch zu berühren, benutzen die Sprecher verhüllende Ausdrücke Dabei sind Euphemismen hilfreich Außerdem üben Scherz und Ironie auch einen großen Einfluss auf diese Art und Weise des Sprachgebrauchs aus

2.2.3.5 Innersprachliche Ursachen

Bei dieser Art steht die Sprachökonomie an erster Stelle, die semantische Veränderungen auslöst Dieses Phänomen ist als eine natürliche Eigenschaft der Sprachbenutzer zu betrachten, da man bei minimalem sprachlichem Aufwand so effizient wie möglich kommunizieren möchte.86

Um Missverständnisse zu vermeiden, benutzt man die Ausdrücke, die in einem bestimmten Kontext eindeutig und dadurch plausibel ist.87 Wenn Wörter immer in demselben Sem gebraucht wird, so ist es daher möglich, dass die anderen Bedeutungsmerkmale von den Wörtern allmählich

Differenziertheitsprinzip auch als innersprachliche Ursache betrachtet Also es ist die Tendenz, Sprachausdrücke so präzise und differenziert wie möglich zu machen.88 Eine weitere wichtige innersprachliche Ursache semantischer Veränderungen bilden

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lexikalische Irregularitäten.89

Um die Lücken im Wortschatz zu füllen, versucht man

„verwaiste Wörter“ (Wörter, die weitgehend isoliert sind90) in die Wortfamilie zu bringen oder es durch Volksetymologie neu zu interpretieren

2.2.4 Folgen des Bedeutungswandels

Als Ergebnisse des Bedeutungswandels sollen nach Schippan „die Beziehungen verstanden werden, die infolge der Bedeutungsveränderungen zwischen alter und neuer Bedeutung der lexischen Einheit entstehen.“ 91 Diese Beziehungen werden in der sprachwissenschaftlichen Literatur als „logisches System“ betrachtet Keller und Kirschbaum wenden sich vor allem dem Verlust von Bedeutungsvarianten als Folge des Bedeutungswandels zu, durch die Betrachtung von Mehrdeutigkeit, Polysemie und Homonymie, was im folgenden Teil zu erörtern ist Eins soll auch zu betrachten sein: Keller und Kirschbaum machen deutlich, dass es von großer Relevanz ist zu unterscheiden zwischen dem, was ein Wort bedeutet und dem, was ein Sprecher in einer bestimmten Situation damit meint Es kommen unterschiedliche Terminologien für die Unterscheidung vor: manche reden von potentieller und aktueller Bedeutung,92

andere von Langue- und Parole-Bedeutung (also Bedeutung auf der Ebene des Sprachsystems und der Kommunikation), lexikalische und Kontext-Bedeutung sind auch in der einschlägigen Literatur zu finden Keller und Kirschbaum verwenden den

Ausdruck Bedeutung für die Langue-Bedeutung und den Ausdruck Sinn für die

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Wenn ein Wort als mehrdeutig angesehen wird, neigen Sprecher dazu, den Gebrauch in einer seiner Bedeutungen zu vermeiden, wenn sie zu möglichen Missverständnissen führen kann Durch diese Vorsorgemaßnahme verschwindet eine Bedeutungsvariante dementsprechend sehr schnell aus dem Sprachgebrauch und damit letztlich auch aus der Sprache.94

In ihrem Aufsatz diskutieren Keller und Kirschbaum das Problem der Mehrdeutigkeit unter dem Aspekt des Bedeutungswandels Sie weisen darauf hin, dass selbst der

Ausdruck Mehrdeutigkeit vage ist und man drei Fälle davon unterscheiden kann.95 Alle dieser drei Fälle können beim Bedeutungswandel eine Rolle spielen:

- Ein Ausdruck kann mehr als eine Bedeutung in dem oben definierten Sinne haben

gesprochen habe, verstanden

- Ein Ausdruck hat nur eine Bedeutung, kann jedoch, je nach Kontext, in verschiedenem Sinne verwendet werden Dieser Fall trifft auf die meisten Ausdrücke

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(5) Hanoi ist eine heiße Stadt

Bei den Beispielen (1) und (2) befasst es sich mit Mehrdeutigkeit im eigentlichen Sinne Dabei sind noch zwei Typen, die wir schon in vorigen Teilen behandelt haben,

zu unterscheiden, nämlich Polysemie (1) und Homonymie (2) Wie vorher erwähnt, als Unterscheidungskriterium dafür ist das Wissen um die etymologische Verwandtschaft

Die Verwendungsweisen von ja haben eine gemeinsame Herkunft und ja ist somit polysem Es ist zu bemerken, dass die Antwortpartikel ja und die Modalpartikel ja in Beispiel (1) verschiedenen syntaktischen Kategorien gehören und dennoch als polysem

betrachtet werden Die Tatsache, dass beurteilte Wörter verschiedenen Wortarten gehören, spielt dabei keine Rolle bei der Bestimmung von Polysemie und

Homonymie Obwohl das Zahlwort sieben und das Verb sieben im Beispiel (2) gleich

klingen, kennt man aber keine gemeinsame sprachgeschichtliche Herkunft von den

beiden Wörtern, sind sie somit Homonyme

Es stellt sich noch die Frage, ob ein Beispiel eher in die erste Gruppe gehört oder in die zweite Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten Die Gründe liegen in dem Bedeutungswandel Keller und Kirschbaum vertreten die Auffassung, dass eine neue Bedeutung dadurch entsteht, wenn ein Wort zunächst in einem neuen Sinn – beispielsweise in einem metaphorischen wie bei (3) – verwendet wird Wenn dieses Wort hinreichend häufig in diesem neuen Sinn benutzt wird, so führt es dazu, dass diese Verwendung einer neuen Regel entspricht.97 Mit anderen Worten, der Übergang von einem kontextspezifischen Sinn zu einer neuen lexikalischen Bedeutung ist ein kontinuierlicher Prozess, der nicht bei allen Teilnehmern in der Sprachgemeinschaft gleichzeitig abläuft Deswegen kommen geteilte Meinungen vor, ob im Beispiel (4)

das Substantiv Schule in zwei verschiedenen Bedeutungen auftritt oder ob Schule im

zweiten Satz nur in metonymischem Sinn verwendet wird Wer die erste Ansicht

97 Vgl Keller/Kirschbaum 2003, 104

Ngày đăng: 09/03/2020, 19:10

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