Abwesenheit von Krankheit reicht nicht aus, um Gesundheit zu verstehen, denn es geht nicht nur um den körperlichen Zustand sowie die physiologische und psychische Funktionalität, sondern
Trang 2Betriebliches Gesundheitsmanagement
Gesundheitsförderung in der Arbeitswelt – Mitarbeiter einbinden, Prozesse gestalten, Erfolge messen
Trang 3Betriebliches
Gesundheitsmanagement
Gesundheitsförderung in der Arbeitswelt –
Mitarbeiter einbinden, Prozesse gestalten, Erfolge messen
123
Trang 4Michael Treier
BiTS - Business and Information Technology School gGmbH
Staatlich anerkannte Private Hochschule
University of Applied Sciences
Reiterweg 26b, 58636 Iserlohn
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ISBN-13 978-3-540-95933-5 Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York
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Planung: Joachim Coch, Heidelberg
Projektmanagement: Michael Barton, Heidelberg
Umschlaggestaltung: deblik Berlin
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SPIN: 12262427
Trang 6Für meinen Bruder Ralf Uhle < (1959-2002) − Du fehlst!
Für meine Familie − Sophia, Linda und Mirjam Treier − Danke für alles! Für meine Eltern − Resi und Peter Treier − Bleibt gesund!
Ein gemeinsamer Dank an die Geschäftsführer der Firma virtualform GmbH für die Erstellung und Entwicklung unserer Avatarin Sunny für dieses Buch
Jörg Michell und Sven Schmilgeit
Trang 8Unser Einstieg 3
1.3 Im Spannungsfeld zwischen Gesetz und betrieblicher Realität 49
2.4 BGF im Dialog: „Brauchen wir Mitarbeiterbefragungen?“ 98
3.8 BGF im Dialog: „Welche Bedeutung hat Gesundheitskultur?“ 146
Trang 95.2 Gelassen bleiben: Stressmanagement 269
6.2 BGF im Dialog: „Warum ist Selbstbestimmung so wichtig?“ 294
Verzeichnisse 303
Ansprechpartner
Wir als Autoren stehen Ihnen gerne als Ansprechpartner zur Verfügung Beim Schreiben dieses Buches haben wir uns Schwerpunktkapitel zugeteilt Falls Sie Fragen oder Anregungen haben, freuen wir uns auf Ihre Rückmeldung
Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung …
Burn-out Film Seminarpläne Broschüren
Arbeitsanalyse (Übersicht) Umgang mit Mitarbeitern
Trang 10Unser Einstieg
Um die Lesbarkeit des Buches zu steigern, weist unsere Avatarin
als Maskottchen unserer Ideen Sunny Sie auf wichtige Inhalte im
Buch hin Zudem haben wir für Sie ein & Glossar (ª S 357) und
ein kommentiertes Internetverzeichnis (ª S 348) erstellt
Folgende Positionen nehme ich ein …
Hinweis auf eine
wichtige Informationen Kommentierte Kernaussage
Offene Frage oder
Über-sicht zu den Leitfragen
Kommentierte Adresse (siehe auch
Web-Internetverzeichnis)
Hinweis auf Materialien
auf der CD-ROM
Check-Listen und haltsübersichten am Ende eines Kapitels Übungs- oder
In-Reflexionsaufgabe Transfer oder Praxisbeispiel
Problematische
Frage-stellung bzw Baustelle Informations-Box (zum Beispiel Definitionen)
Die Grundlage für nahezu jedes Buch zur betrieblichen
Gesund-heitsförderung (BGF) ist die Definition der
Weltgesundheitsor-ganisation (WHO) von Gesundheit Jeder kennt sie, und niemand
würde sie ernsthaft hinterfragen Dies käme einem Sakrileg oder
jedenfalls einer Verfehlung gleich; denn sie ist „Common Sense“
Oder würden Sie die folgende positive Definition ablehnen?
Gesundheit wird als Zustand des vollkommenen körperlichen,
sozialen und geistigen/seelischen Wohlbefindens und nicht
nur als das Freisein von Krankheit und Gebrechen
beschrie-ben
; Box 0-1: WHO-Definition von 1946
WHO heitsbegriff
Gesund-WHO Definition
Trang 11E
Stellt man in der Praxis aber die Frage, wie sich diese Definition operationalisieren bzw in konkrete Maßnahmen umsetzen lässt, dann tritt betretendes Schweigen ein Der ganzheitliche Blick eröffnet ein faszinierendes Spektrum an denkbaren Gestaltungs-wegen Dieser Umfang lähmt uns aber zugleich, denn wo soll der konkrete Angriffspunkt zur Gesundheitsförderung sein? Wir haben Angst, uns zu verzetteln Abwesenheit von Krankheit reicht nicht aus, um Gesundheit zu verstehen, denn es geht nicht nur um den körperlichen Zustand sowie die physiologische und psychische Funktionalität, sondern Lebensqualität und Zufriedenheit treten
in den Vordergrund (Mayring in Jerusalem & Weber, 2003, S 1
ff.) An welchen Indikatoren können wir uns orientieren, um dem
erweiterten Gesundheitsbegriff im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung gerecht zu werden? Die Aussagen von Teil-
nehmenden aus Seminaren demonstrieren die Bandbreite von Gesundheitsindikatoren (Ulich & Wülser, 2009, S 26 ff.):
• Einstellungen wie ein positives Selbstwertgefühl,
• physische Indikatoren wie Fitness,
• psychische Indikatoren wie Motivation,
• verhaltensbezogene Indikatoren wie Engagement und
• Leistungsindikatoren wie Produktivität
Auf die rechtliche und Richtlinienebene hat diese Definition von
1946 jedenfalls nachhaltig abgefärbt Sie finden Elemente aus dieser Definition im Arbeitsschutzgesetz (ArSchG), im Arbeitssi-cherheitsgesetz (AsiG), im Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) oder im Sozialgesetzbuch (SGB) (ª Kap 1.3, S 49) Viele flankie-rende Verordnungen, Vorschriften und Normungen greifen auf die Definition zurück Die Gesetze und Richtlinien konzentrieren sich jedoch auf die Abwehr, Bekämpfung und Vermeidung von Risiko-faktoren, welche die Wahrscheinlichkeit von Krankheiten erhöhen Wegweiser für eine aktive Umsetzung des umfassenden WHO Gesundheitsbegriffs sind sie aber nicht Integrierte Arbeitsschutz-Managementsysteme berücksichtigen zwar die Facetten des er-weiterten Gesundheitsbegriffes (Schmager, 1999), faktisch aber oft nur in einer homöopathischen Dosierung oder als Randphäno-mene des klassischen Arbeitsgesundheitsschutzes
Lässt sich Gesundheit in dieser breitgefächerten Abbildung wirklich noch betrieblich reflektieren und gestalten? Zeigt
nicht schon die Indikatorenvielfalt, dass Gesundheit kaum objektiv zu fassen und positiv zu beeinflussen ist?
Frage nach der
Umsetzbarkeit
Rechtliche Ebene
Trang 12Bei der BGF verhält es sich ähnlich wie bei der Bekämpfung von
Malware durch Virenscanner und Anti-Spam-Filtern in der EDV
Hier und dort kämpfen wir gegen Windmühlen Signaturen alleine
reichen bei der Virenbekämpfung nicht mehr zur Identifizierung
der wandlungsfähigen Malware aus Neuere Systeme bemühen
sich, den Ansturm der Malware u a durch Heuristiken und
verhal-tensbasierten Analysen im Sinne von „Deep Guard“ abzuwehren
Damit sollen die Schwächen der reaktiven Vorgehensweisen, die
stets den Angriffen hinterherhinken, durch proaktive, den
Gefah-ren vorausschauende Techniken kompensiert werden Doch der
technische Healthcheck allein reicht nicht aus Eine wichtige Rolle
spielen dabei der Nutzer und sein Risikobewusstsein Analog sieht
es in der betrieblichen Gesundheitspolitik aus:
Gesundheitsbedro-hende Einflüsse sind so vielfältig, dass eine Gefahrenabwehr nach
„Schema F“ nicht funktioniert Auch hier rückt der Nutzer, also
der Mitarbeiter, ins Zentrum: Er sollte der Dreh- und Angelpunkt
betrieblicher Gesundheitspolitik und gesundheitsgerechter
Ar-beitsgestaltung sein (Meifert & Kesting, 2004)
Demnach interessiert man sich nicht nur für die
Gefahrenredukti-on, sondern v a auch für die Präventions- oder Schutzfaktoren,
die wie Puffer wirken und schädigende Umweltagenzien in ihren
negativen Auswirkungen dämpfen können Der wichtigste Puffer
ist der Mensch! 1988 hat auch die WHO das Verständnis von
Ge-sundheit vom Objektcharakter befreit und das Subjekt als Träger
und Verantwortlicher für Gesundheit in den Vordergrund gestellt
Gesundheit wird als die Kompetenz des Individuums verstanden,
die eigenen Gesundheitspotenziale auszuschöpfen und zu
erwei-tern sowie angemessen auf die Herausforderungen der Umwelt zu
reagieren Diese & Selbstregulationskompetenz wird zur
Kern-kompetenz der modernen Arbeitswelt (Wiese, 2004) Sie passt
hervorragend im Argumentationsschema zum „flexiblen
Men-schen“ in Bezug auf die Erhöhung der & Employability
(Beschäfti-gungsfähigkeit) (Sennett, 2006), die mehr und mehr in die
Eigen-verantwortung gelegt wird (Kaschube, 2006; Böhne & Breutmann,
2009) (ª Kap 6.1, S 288) Ob aber das Rahmenkonzept zur
Ent-wicklung und Förderung der Beschäftigungsfähigkeit in Anbetracht
der immanenten Konfliktlagen aufgeht, bleibt offen Die Formel
klingt jedenfalls verlockend und verheißungsvoll (Loß et al.,
2009):
ࡱ࢘ࢌࢍ࢘ࢋࢉࢎ࢘࢈ࢋ࢚ࢋ ൌ ራۦࡽ࢛ࢇࢌࢠࢋ࢚࢘ࢋ࢘ȁࡲࢋ࢞࢈ࢋ࢘ȁࡳࢋ࢙࢛ࢋࢊࢋ࢘ۧ
Gefahrenabwehr durch den Nutzer
Vom Objekt- zum Subjektcharakter
Trang 13E
Fördern und Fordern sind nur im Verbund Garanten für eine
erfolgreiche BGF! Mitarbeiter müssen im Hinblick auf ihre sundheitliche Kompetenz zugleich gefördert und diesbezüg-lich gefordert werden Das bedeutet: Einerseits muss der je-weilige Betrieb durch verschiedene Maßnahmen Gesundheit fördern (& Empowerment oder Gesundheitsbildung), ande-rerseits fordern, dass die Mitarbeiter sich hilfreiche Kompe-tenzen aneignen
ge-Diese Denkweise passt zur Ottawa Charta von 1986, die den griff der Gesundheitsförderung als einen Prozess der Befähigung erklärt
Be-Gesundheit wird hier als die Fähigkeit bzw Kompetenz des Individuums beschrieben, die eigenen Gesundheitspotenziale auszuschöpfen und damit angemessen auf die Herausforde-rungen der Umwelt zu reagieren
; Box 0-2: Gesundheitsverständnis der Ottawa Charta von 1986
Das Individuum ist also der Träger und Gestalter von Gesundheit, das heißt: Hier geht es um Selbstbestimmung Selbstbestimmung kann sich jedoch nur dann entfalten, wenn die Rahmenbedingun-gen dies ermöglichen Aber diese Umfeldbedingungen wie Wohn-bedingungen, Einkommen, stabiles Öko-System etc sind nicht einfach nur gegeben, sondern Menschen gestalten selbst Gesund-heit in ihrer Umwelt Sie ändern selbst ihre Rahmenbedingungen, also das Setting Dieses Setting bezieht sich nicht nur auf die Ar-beits-, sondern auch auf die Freizeit- und Familienwelt im Sinne der vielversprechenden, aber etwas trügerischen Terminologie der
& Work-Life-Balance (Esslinger & Schobert, 2007)
Was ist LIFE? Das System LIFE des Gesundheitsinstituts der TerraSana LIFE AG baut konsequent auf den Gedanken der Selbstbestimmung auf und integriert bestehende Angebote, Möglichkeiten und Handlungsfelder im Unternehmen und in Netzwerken, um eine nachhaltige Gesundheitspolitik im Un-ternehmen zu erzielen Die Abkürzung LIFE steht für Langfris-tige, Individuelle Förderung der Eigenverantwortung Denn
& Gesundheitsprävention und Gesundheitsschutz ren nach LIFE nur dann, wenn der Mensch verantwortlich für
funktionie-sein Handeln ist Worum geht es in LIFE? Persönliche
Kompe-tenzen sollen entwickelt, gesundheitsbezogene schaftsaktionen unterstützt, gesundheitsförderliche Lebens-
Trang 14und Arbeitswelten geschaffen werden als ein Bündel von
Maßnahmen, die den Weg der Zukunft kennzeichnen Wir
werden im Buch auf LIFE an mehreren Stellen verweisen,
weil es uns Autoren als ein Best Practice Modell erscheint Im
Kap 6.2 (ª S 294) stellen wir einige Ergebnisse eines
Inter-views mit dem geistigen Vater von LIFE, Dr Gronwald, vor
; Box 0-3: Das System LIFE vom Institut der TerraSana LIFE AG
Mit dem klassischen arbeitsmedizinischen sequenziellen Ansatz
der Feststellung von Symptomen, Diagnose, Therapie und
zusätz-lich & Prävention in den verschiedenen Stufen (Primär-,
Sekun-där- und Tertiärprävention) werden wir nicht auskommen
Wa-rum? Faktisch vernachlässigt der Präventionsfokus die
Innenper-spektive der selbstverantwortlichen Personen Auch wäre es eine
Illusion anzunehmen, dass es sich „nur“ um Wohlbefinden
handel-te, welches gefördert werden soll Die Unternehmen fordern
Leis-tungsfähigkeit und psychische Konstitution (Belastbarkeit und
Flexibilität) Die Anforderungen steigen stetig, divergierende
Er-wartungen bilden sich gleichzeitig in unterschiedlichen
Rollensys-temen ab, und der Erholungsbegriff wandelt sich zum
Eventbe-griff
Worauf es mithin ankommt:
Demnach muss die BGF nicht nur das Wohlbefinden der
Mit-arbeiter fördern, sondern auch ihre Leistungsfähigkeit
(Be-lastbarkeit) sichern und gleichzeitig vor Überlastung
schüt-zen Damit rückt die Frage nach der psychischen Gesundheit
in den Fokus der BGF Die Synergismen zwischen
psychi-scher Gesundheit und gesunder Arbeitswelt sind Erfolg
ver-sprechend
Was verbinden Sie mit Gesundheit?
Wie kann der Mensch gesund bleiben (oder werden), wenn es
gar keine Erholungsphasen mehr gibt? Wie kann seine
Leis-tungsfähigkeit gesichert werden? Wer setzt überhaupt den
Maßstab, was gesund bedeutet?
In diesem Buch zur BGF setzen wir auf die psychische Gesundheit
als individuelle „Widerstandskraft“, ohne den betrieblichen
Kon-text außer Acht zu lassen Wir verstehen psychische Gesundheit
aber nicht als eine Liste persönlichkeitsbezogener Merkmale der
angemessenen Gesundheitseinstellung und des konstruktiven
Gesundheitsverhaltens wie Autonomie, Lebensbejahung,
Vertrau-Zweifel an klassischer Vorgehensweise
Psychische Gesundheit als Regulations- phänomen
Trang 15E
en, & Selbstwirksamkeit oder erfolgreicher sozialer Integration (Jerusalem & Weber, 2003; Schwarzer, 2004) Für uns handelt es sich vielmehr um einen kybernetischen handlungsorientierten Be-griff: Das Kernkonstrukt der Gesundheit ist die erfolgreiche Regu-lation des Menschen in und mit seiner Umwelt (Wieland-Eckelmann, 1996; Wieland, 2004) Die dynamische und komplexe Umwelt mit ihren in qualitativer und quantitativer Hinsicht wach-senden Arbeitsanforderungen, Qualifikationserfordernissen und Belastungsstrukturen kann nicht allein durch Richtlinien geregelt werden; denn diese sind zu statisch Die Kunst des aktiven Steuerns liegt beim Menschen und wird als Selbstmanagementverstanden (Kanfer et al., 2005; Kesting, 2004) Analog einem Thermostat muss der Mensch es schaffen, die eigene Gesundheit trotz vieler & Belastungen und Anforderungen auf ein stabiles Soll-Niveau einzupendeln Es geht um den & salutogenetischen Begriff der Kohärenz mit den Komponenten der Verstehbarkeit, der Handhabbarkeit und der Sinnhaftigkeit (Antonovsky, 1987)
Gesundheit ist die Fähigkeit, sich und seine Umwelt selbst zu regulieren (personale Gesundheitskybernetik) Wir benötigen Vertrauen in die eigene & Regulationskompetenz beim un-aufhörlichen Gegensteuern in komplexen Systemen Komplex sind die Systeme der Mitarbeiter deshalb, weil nicht nur die Arbeitswelt, sondern viele weitere gesellschaftliche und kul-turelle Determinanten zu berücksichtigen sind Das Vertrauen
in seiner Regulationskompetenz sollte durch BGF gestärkt werden
; Box 0-4: Gesundheitsbegriff als Regulationskompetenz
Was können die Unternehmen machen?
Was für Hilfe wollen wir in diesem Buch anbieten?
Das Wort Kybernetik drückt Komplexität aus, und psychische Gesundheit lässt sich nicht einfach so erfassen und verstehen
wie biologische Erkrankungsbilder Entrückt damit das Thema
für die Praxis im Sinne überbordender theoretischer Gesundheitsmodelle? Wir sagen: Nein, der Transfer ist mög-
lich und auch notwendig Er verlangt eine Kehrtwende im traditionellen Denken Die Regenschirmmentalität als Ge-fahrabwendung reicht jedenfalls definitiv nicht mehr aus
Das Unternehmen hat nunmehr den Auftrag, diesen schen Prozess zu unterstützen und förderliche Gestaltungsbedin-gungen zu schaffen In den Foren des Deutschen Netzwerkes für Betriebliche Gesundheitsförderung (DNBGF) wird auf die Proble-
kyberneti-Gesundheit
Auftrag an die
Unternehmen
Trang 16matik der noch zu geringen Verbreitung von BGF aufmerksam
ge-macht Der aktuelle Bericht zum Stand von Sicherheit und
Ge-sundheit bei der Arbeit (SUGA, 2009, S 28) unterstreicht die
Not-wendigkeit, denn im Jahr 2007 fielen nach Schätzungen der
Bun-desanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) immerhin
etwa 1,2 Millionen Erwerbsjahre aus Arbeitsunfähigkeit als Spitze
des Eisberges verursachte damit 2007 einen Produktionsausfall
anhand der Lohnkosten von etwa 40 Milliarden Euro Der
volks-wirtschaftliche Verlust lässt sich auf rund 73 Milliarden Euro an
Bruttowertschöpfung beziffern Die Finanzkrise von 2008/2009 hat
uns an solche unvorstellbaren Zahlen schon gewöhnen und
ab-stumpfen lassen Dennoch hoffen wir, dass diese Zahlen
nach-drücklich den Bedarf signalisieren
Wir stellen uns in diesem Buch immer wieder die Fragen, wie die
& Regulationskompetenz im Bereich Gesundheit im betrieblichen
Kontext aufrechterhalten und gefördert werden kann und welche
Rahmenbedingungen diese Aufgabe unterstützen Im
Zusammen-hang mit der erforderlichen Demografie-Fitness der Organisation
oder auch mit der Bedeutungszunahme des Personals stellt dieser
Auftrag kein Sozialklimbim dar Der gesunde und sich
selbstregu-lierende Mensch ist die Voraussetzung für eine gesunde
Arbeits-welt Die gesunde Organisation ist ein Asset, das in Anbetracht der
Herausforderungen niemand bestreiten wird In diesem
Zusam-menhang und im Hinblick auf die oben genannten Zahlen lohnt
sich die Investition in die BGF Dieses Buch soll dazu einen Beitrag
leisten
Wir behaupten, dass Arbeit nicht krank, sondern reich
macht Reich aber nicht im finanziellen Sinne, sondern v a
im Hinblick auf Gesundheit und Selbstbewusstsein
(Selbsthei-lungskraft der Arbeit) Unser Anliegen ist nicht die
Repara-turergonomie einer anonymisierten Arbeits- und Lebenswelt,
sondern die Personalisierung von Arbeit als Grundrecht, als
Würde und als Vision Die Anamnese des
Arbeitsgesundheits-schutzes zeigt, dass es nicht nur um die Minimierung von
Ex-positionen schädlicher Agenzien gehen kann, sondern wir
müssen uns v a um die Nabe Mensch im Speichenradmodell
der Arbeits- und Gesundheitswissenschaften kümmern (im
Sinne von Prof Dr Claus Piekarski, ehemaliger Präsident der
Deutschen Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin
( DGAUM) (ª Kap 1.4, S 67) Das Schmiermittel ist hier
die & Regulationskompetenz Identifiziert sich der Mensch
mit seiner Arbeit, dann gewinnen die vielen Deklarationen an
Bedeutung Es geht nicht mehr nur um das Aufschweißen, um
Auftrag
an das Buch
Trang 17E
weitere Brüche zu verhindern, sondern wir befassen uns mit
einem neuen, kunstvollen Schmiedestück: der gesunden
Arbeitswelt
} Abbildung 1 illustriert unseren Weg zur gesunden Arbeitswelt
} Abbildung 1: Unser Weg zur Gesunden Arbeitswelt
Pflicht, Gebot oder Kür Risiken und Ressourcen
Verhältnis und Verhalten Unsere Toolbox BGF
Steuerung / Qualitätssicherung Erfolgskriterien und Prüfpunkte Aktuelle Themenfelder
Trang 181 BGF-Gerüst: Eckpfeiler der BGF
Kapitel 1 stellt eine Einführung zum Thema der betrieblichen
Gesundheitsförderung (BGF) dar Wir möchten Sie mit unseren
Vor-stellungen, mit Perspektiven und Handlungsansätzen, mit Trends und
Visionen vertraut machen
Unsere Leitfragen …
Ź Kap 1.1: Unser Verständnis von BGF
Seite 11: Was ist ein gesunder und humaner Arbeitsplatz?
Seite 15: Was ist für uns Gesundheitsförderung?
Seite 22: Benötigen wir überhaupt Gesundheitsförderung?
Seite 26: Welche Perspektiven gibt es in der Gesundheitsförderung?
Ź Kap 1.2: Entwicklung und Trends in der BGF
Seite 28: Benötigen wir ein Konjunkturprogramm für die Gesundheitsförderung? Seite 31: Weshalb brauchen wir Visionen?
Seite 32: Welche Trends bestimmen die Gesundheitsförderung der Zukunft? Seite 41: Was bedeutet der Trend zur konstruktivistischen Gesundheitsdidaktik? Seite 43: Warum ist Gesundheitskompetenz der zentrale Stellhebel?
Ź Kap 1.3: Im Spannungsfeld zwischen Gesetz und betrieblicher Realität
Seite 49: Warum benötigen wir Gesetze und Leitlinien?
Seite 54: Wie kommen wir von der Leitlinie zur Gestaltungsvorschrift?
Ź Kap 1.4: BGF im Dialog mit Prof Dr Claus Piekarski
Seite 67: Wohin geht der Weg?
1.1 Unser Verständnis von BGF
Was ist ein gesunder und humaner Arbeitsplatz?
„Menschlichkeit gewinnt“ (Mohn in Craes et al., 2002, S 13 f.) ist
ein Bekenntnis für den Menschen in einer zunehmend
anonymisier-ten und indifferenanonymisier-ten Arbeitswelt In unserem Buch ist der Mensch
nicht nur Objekt, sondern erklärtes Subjekt der BGF Das
staatli-che Programm „Humanisierung der Arbeitswelt (HdA)“ von 1974
bis 1989 zur Verbesserung der Arbeitsinhalte und -beziehungen
sowie zum Abbau belastender bzw gesundheitsgefährdender
Ar-beitssituationen und die Folgeprogramme bemühen sich redlichst
um den humanen Arbeitsplatz und damit um den Faktor Mensch in
Unser Anspruch:
Humanisierung der Arbeitswelt
Trang 191
der Arbeitswelt Dieser Dienst ist nicht nur wirtschaftsethisch begründet, sondern erklärt sich zunehmend aus einer wirtschaftli-chen Unumgänglichkeit Die } Abbildung 2 (ª S 13) stellt die wichtigsten deutschsprachigen Projekte vor (Treier, 2009a, S 31) Wir werden v a auf die Ergebnisse der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) zurückgreifen, um die aktuellen Herausforde-rungen rund um BGF zu verdeutlichen
Solange wir Menschlichkeit als Fremdkörper der Arbeitswelt greifen, werden wir keinen Paradigmenwechsel im Bereich der BGF erzielen Gerade in unserer Nonstop-Gesellschaft sowohl in der Arbeits- als auch in der Privatsphäre ist es absurd anzuneh-men, dass wir durch klassische Regularien kontrollierbare Erho-lungs- und Gesundungszeiten als Kompensation für krankmachen-
be-de Arbeitswelten festlegen können (vgl Kadritzke in Meifert & Kesting, 2004, S 321 ff.) Erholung ist auf jeden Fall nicht mehr Freisein von Arbeit zur Rekonvaleszenz in Bezug auf die physische Ausgangslage So ist unsere Arbeitstätigkeit zunehmend fragmen-tiert und reicht unverhohlen in die Privatsphäre Auch unsere Freizeitaktivitäten sind selten Ausdruck von physischer Erholung Erholung ist aus unserer Sicht erfahrene Menschlichkeit, die sich
v a in der Wertschätzung unserer Tätigkeit ausdrückt und einen positiven Widerhall in unseren & Ressourcen findet Nach dem & Arbeits-Erholungs-Zyklus geht es um das sensible relationale Gleichgewicht zwischen Anforderungen und Kapazitäten bzw Ressourcen und deren Selbstregulation als konstruktives Bewälti-gungsverhalten (Wieland-Eckelmann et al., 1994)
Worauf es mithin ankommt:
Der Weg zum humanen Arbeitsplatz sollte nicht den mus zwischen krank- und gesund machenden Faktoren frö-
Dualis-nen, sondern Erholung als Humanisierungsfaktor in die
be-stehenden Arbeitsprozesse integrieren
Wie könnte diese Einbeziehung aussehen? Wenden wir uns kurz
der Personalpsychologie zu (Treier, 2009a), dann stoßen wir auf das & Flow-Konstrukt als höchste Form der Eigenmotivation nach Csikszentmihalyi (1991) Wenn wir mit unserer Arbeit ein positives Erleben verknüpfen, dann induziert diese autotelische Aktivitäteinen Zustand der Erholung oder des optimalen Erlebens Im Zu-stand des Flows ist der Mensch Handlung, denn die Aktivität ist selbst das Ziel des Handelns Jeder von uns kennt diesen Zustand: Wenn uns eine Tätigkeit Spaß macht, merken wir nicht, wie die Zeit vergeht Es läuft alles glatt Man ist selbstvergessen und muss
Wertschätzung
und Erholung
Flow als
mögli-ches Modell
Trang 20regelrecht aufgeschreckt werden, um seine Arbeit aufzuhören
Nach der Tätigkeit ist man nicht ermüdet, sondern hat Energie zu
weiteren Aktivitäten
„Wenn jemand eine Situation als herausfordernd wahrnimmt
und seine Fähigkeiten für die Bewältigung der Situation als
hoch einschätzt, dann wird die Situation sehr positiv erlebt −
unabhängig davon, ob die Aktivität als Arbeit oder Freizeit
bezeichnet wird.“ (Nerdinger, 1995, S 56)
} Abbildung 2: Der Weg zum humanen Arbeitsplatz
Mit den Stärken und Schwächen des Konstrukts & Flow aus
empiri-scher und methodiempiri-scher Sicht können wir uns hier aus
Platzgrün-den nicht befassen (Rheinberg et al., 2007; Treier, 2009a, S 215
ff.) Flow ist auf jeden Fall Ausdruck eines
Gesundheitsverständ-nisses, das sich von der physischen zur psychophysischen Reflexion
von Gesundheit verlagert Durch entsprechende Tätigkeitsanreize
wie klare Zielvorgaben, optimalen Handlungsspielraum oder
kon-struktives Feedback kann die Situation flow-orientiert gestaltet
werden und damit die Arbeit selbst als Schlüssel für Lernen,
Wachstum und Motivation avancieren Die Arbeitspsychologen
sprechen hier vom & arbeitsorientierten Lernen (Sonntag &
Steg-maier, 2007) Gesundheitsförderung ist also nicht ausschließlich
das Pflaster mit Wundsalbe, das nach einer Verletzung zur Heilung
aufgetragen wird, sondern eine Kräftigung von innen durch
Wert-schätzung und durch eine humane Gestaltung der Arbeit als
Kom-plex von Arbeitsinhalten, -beziehungen und -bedingungen (Ulich &
1970 bis 1979 1980 bis 1989 1990 bis 1999 2000 bis 2010
Arbeitsbeziehungen sowie zum
Abbau belastender und/oder
bisherige HdA-Programm ab
Zusätzliche Schwerpunkte sind neben der wissenschaftlichen Begleitung auch der Ergebnistransfer
Seit 2001: Staatliches
Programm "Innovative Arbeitsgestaltung - Zukunft
Bundes-ministeriums für Bildung und Forschung mit Fokus auf neue Arbeits- /Organisationsformen
Seit 2002: „Initiative Neue
interdisziplinäres Praxisprojekt
Seit 2005: Projekt „Gute
Fokus auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Demografiewandel
Psychophysische Sichtweise
Trang 212UJDQLVDWLRQ PLW GHU GDV 5DG DXI GHU :HOOH VLW]W :DV SDV
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Trang 22Gesund durch die Arbeit und gesund in der Arbeit
ist unser Motto!
Der angedeutete Paradigmenwechsel wird noch deutlicher, wenn
wir uns im Kap 1.2 (ª S 27) mit den Trends auseinandersetzen
Doch bevor wir den Blick in die Zukunft wagen und das Orakel
befragen, sind wir Ihnen noch eine Antwort schuldig geblieben
Was ist für uns Gesundheitsförderung?
Gesundheitsförderung ist nicht nur Verhütung und Abwehr,
son-dern ein Anspruch der Betroffenen direkt an sich selbst Das
im-pliziert keineswegs Privatisierung der Gesundheit; denn damit
düpieren wir uns selbst Im Gegenteil sind gerade die
Unterneh-men aufgerufen, der Verwirklichung dieses Anspruches nicht nur
keine Steine im Weg zu legen, sondern fördernde und fordernde
Maßnahmen zu ergreifen Diese Maßnahmen betreffen sowohl die
internalen & Ressourcen wie Selbstwirksamkeit und
Gesundheits-bewusstsein als auch die externalen Ressourcen wie Führung,
Ar-beitsgestaltung und Organisationsentwicklung (Zimolong & Stapp
in Zimolong, 2001, S 141 ff.) Es gilt ein gesundes Unternehmen
im Sinne des & salutogenetischen Ansatzes aufzubauen
(Fröschle-Mess, 2005) Dazu benötigen wir eine Politik des Vertrauens und
der & Kohärenz Dabei ist zu bedenken, dass die Arbeitswelt nicht
von der allgemeinen Lebenswelt abzukapseln ist Denn es liegt
faktisch eine totale Verflechtung vor!
Gesundheitsförderung zielt auf die Stärkung positiver Kräfte
sowohl in Bezug auf die Arbeits- und Lebenswelt als auch auf
den einzelnen Menschen und auf Gruppen (Demmer, 1995,
S 8) Positive Kräfte sind Lebens- und Arbeitsqualität,
ge-sunde Lebensweise, Wahrnehmung der Eigenverantwortung
für Gesundheit, Auseinandersetzung mit Gesundheitsfragen,
Hoffnung und Vertrauen in das eigene Handeln, Lebens- und
Arbeitszufriedenheit etc Damit ist Gesundheitsförderung
nicht nur präventiv ausgerichtet, sondern ausdrücklich auch
in den späteren Phasen der Therapie, Rehabilitation und der
Begleitung chronischer Erkrankungen im Sinne eines
& Disease Management Programms (Chronikerprogramme)
anzuwenden (Pfaff et al., 2003)
; Box 1-2: Aktivierung positiver Kräfte als Auftrag der BGF
Anspruch der BGF
Auftrag der Gesundheitsförderung
Trang 231
Im Kontext des Damoklesschwertes Demografieverschiebung ist BGF aus unternehmerischer Sicht eine titanische Herausforderung (Badura et al., 2007) Dabei wird der Unternehmer durch die Ver-knappung der Ressourcen aus Sicht der Gesundheitssysteme künf-tig selbst ein Teil des & Managed Care Systems (Amelung, 2007), eines sowohl kommerziell als auch solidarisch finanzierten Versor-gungssystems, das um die effiziente und effektive Allokation von Mitteln und Ressourcen unter Berücksichtigung hoher Qualitäts-standards ringt
Im Rahmen dieses Buches können wir uns nicht mit dem heitssystem als solchem befassen Die Frage der Verantwortung ist aber auf jeden Fall nicht nur im Solidarsystem zu verorten, v a wenn man an die gesundheitsökonomischen Herausforderungen denkt (Breyer et al., 2005) Die Unternehmen sind wesentlicher Bestandteil, vielleicht sogar künftig der wichtigste Faktor im Gesundheitssystem Damit die Einführung zu den Eckpfeilern der BGF nicht zu langatmig wird, illustrieren wir Ihnen anhand von vier Info-Grafiken die für das gemeinsame Verständnis grundle-genden Wissenselemente:
Gesund-• Einflussfaktoren } Abbildung 4, S 17
• Portfolio der Maßnahmen } Abbildung 5, S 18
• Angebotsportfolio } Abbildung 6, S 19
• vernetzte Akteure } Abbildung 7, S 20
In gewisser Weise bilden diese Info-Grafiken das Gerüst der BGF, denn BGF findet nicht im Vakuum statt Diverse hemmende und fördernde Faktoren lassen sich in der Praxis konstatieren Was jedoch wirklich hemmend oder fördernd ist, erschließt sich auf-grund der komplexen Wechselwirkungen oft nicht direkt Die meisten Einflussmomente sind janusköpfig und weisen zwei Ge-sichter auf So ist das Demografieproblem ein Katalysator, der Unternehmen erkennen lässt, dass die Investition in die BGF uner-lässlich ist (Beispiel: Demografiefond der Gewerkschaft IG BCE) Auf der anderen Seite darf man nicht verhehlen, dass das Ausmaß des Demografieproblems mehr eine Gefahr als eine Herausforde-
rung impliziert Warum? Die demografische Verschiebung
gekop-pelt mit der Lebensarbeitszeitverlängerung stellt definitiv ein Risiko für die Fitness der Organisationen dar Wir reagieren darauf überschnell mit teilweise unabgestimmten Instrumenten wie Im-plementierung von Demografie-Beauftragten, alternsgerechte Arbeitsgestaltung, betriebliches Gesundheitsmanagement, flexible Arbeitszeitmodelle, Weiterbildung für ältere Mitarbeiter, Alters-strukturanalyse Dabei missachten wir aber die Notwendigkeit einer fundierten Einflussanalyse (ª Kap 5.1, S 260)
Trang 24}$EELOGXQJ ,QIRJUDILN]XGHQ(LQIOXVVIDNWRUHQ
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Trang 25
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hinterlassen werden, dass die Arbeitswelt im Hinblick auf die
Ge-sundheit und GeGe-sundheitsförderung eine Wüste sei Mitnichten,
denn wir finden in der Gestaltung der. .. Herausforderung für die Unternehmen liegt in der
Auseinandersetzung mit der Chronifizierung vor dem
Hinter-grund der faktischen Lebensarbeitszeitverlängerung Neben
der primären... implementieren ein institutionell fest
verankertes und ganzheitliches Gesundheitsmanagementsystem
mit integriertem Controlling Die Leitbilder der & Prävention der
großen