Definition 1.5: Geometrische Folge Eine Folge a,,-y von Gliedern a, #0 heift geometrisch, wenn fiir alle néN gilt: Gis a, Bei einer geometrischen Folge ist demnach der Quotient zweier
Trang 1Mathematik-Studienhilfen
Finanzmathematik Grundlagen - Prinzipien - Beispiele
Trang 2Tobias Martin Finanzmathematik
Trang 3Herausgegeben von
Prof Dr Bernd Engelmann
Hochschule fiir Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (FH)
Fachbereich Informatik, Mathematik und Naturwissenschaften
Zu dieser Buchreihe
Die Reihe Mathematik-Studienhilfen richtet sich vor allem an Studenten technischer und wirtschaftswissenschaftlicher Fachrichtungen an Fach- hochschulen und Universitaten
Die mathematische Theorie und die daraus resultierenden Methoden werden korrekt aber knapp dargestellt Breiten Raum nehmen ausfuhrlich durchgerechnete Beispiele ein, welche die Anwendung der Methoden demonstrieren und zur Ubung zumindest teilweise selbstandig bearbeitet werden sollten
In der Reihe werden neben mehreren Banden zu den mathematischen Grundlagen auch verschiedene Einzelgebiete behandelt, die je nach Studienrichtung ausgewahlt werden kénnen Die Bande der Reihe kénnen vorlesungsbegleitend oder zum Selbststudium eingesetzt werden
Bisher erschienen:
Dobner/Engelmann, Analysis 1
Dobner/Engelmann, Analysis 2
Dobner/Dobner, Gewöhnliche Differenzialgleichungen
Gramlich, Lineare Algebra
Gramlich, Anwendungen der Linearen Algebra
Knorrenschild, Numerische Mathematik
Knorrenschild, Vorkurs Mathematik
Martin, Finanzmathematik
Nitschke, Geometrie
PreuR, Funktionaltransformationen
Sachs, Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik
Stingl, Operations Research — Linearoptimierung
Tittmann, Graphentheorie
Trang 4Finanzmathematik
Grundlagen — Prinzipien — Beispiele
von Prof Dr Tobias Martin
Trang 5FB Informatik, Mathematik und Naturwissenschaften
http://www.imn.htwk-leipzig.de/~martin
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im
Internet Uber http://dnb.ddb.d-nb.de abrufbar
ISBN 978-3-446-41353-5
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Fachbuchverlag Leipzig im Carl Hanser Verlag
© 2008 Carl Hanser Verlag Munchen
http://www.hanser.de
Lektorat: Christine Fritzsch
Herstellung: Renate RoRbach
Satz: Tobias Martin, Leipzig
Umschlag: MCP - Susanne Kraus GbR, Holzkirchen
Druck und Binden: Druckhaus ,.Thomas Mintzer“ GmbH, Bad Langensalza
Printed in Germany
Trang 6Vorwort
„Wozu brauche ich spater schon die Mathematik?“ Dieser und ahnlichen Fragen begegnet man an unseren Schulen und Hochschulen immer wieder Wenn die Antwort individuell auch ganz unterschiedlich ausfallt, so ist eines sicher: Ob bei der Verzinsung von Geldanlagen, der Aufnahme eines Darlehens, Kurs- und Renditevergleichen von Anleihen oder bei der Altersvorsorge — mit der Finanz- mathematik kommt friiher oder spater jeder in Berihrung
Nach der Lektiire dieses Buches werden Sie erkennen, dass sich die beschriebe- nen Formeln und Prinzipien meist intuitiv und direkt auf viele praktische Proble-
me in der Welt der Finanzprodukte anwenden lassen Dariiber hinaus werden zum Verstindnis der Zusammenhinge nur sehr wenige mathematische Kenntnisse und Techniken benotigt, ein Vorteil, den besonders der Leser ohne ausgepragte ma- thematische Vorbildung zu schatzen wei’ Dennoch: Sie halten ein Mathematik- buch in den Hianden, das die wichtigsten Grundlagen und Prinzipien der Finanz- mathematik systematisch, logisch und in klarer Formelsprache erlautert Zahlrei- che, ausfiihrlich besprochene Beispiele sind angefiigt, sie werden erginzt durch eine Reihe von Aufgaben mit Loésungen
Das Buch folgt in seinem Aufbau der klassischen Gliederung der elementaren Finanzmathematik und ist deshalb als Begleitmaterial zu vielen Kursen tiber Finanzmathematik an Hoch- und Fachschulen, allgemeinbildenden Schulen und
in Wirtschaftsunternehmen geeignet Es spricht dabei insbesondere Studierende aller Fachrichtungen sowie Beschäftigte in kaufmännischen Berufen, im Bank- und Versicherungswesen sowie in der Verwaltung an Inhaltlich reicht der Bogen von einfachen Verzinsungsfragen tiber Zahlungsstréme, Renten, Tilgungs- und Abschreibungsprozesse bis hin zu Kurs- und Renditeberechnungen
Aufgrund des beschränkten Umfangs können nur die wichtigsten Begriffe und Grundlagen erlautert werden, eine Ergänzung durch weiterfiihrende Lehrbiicher ist daher empfehlenswert Auf stochastsiche Modelle wurde ganz verzichtet Andererseits bietet die knappe Darstellung gute Mdglichkeiten, das Buch zur Priifungsvorbereitung oder auch als Formelsammlung bzw Nachschlagewerk zu verwenden Ganz in diesem Sinne sind wichtige Formeln, Definitionen, Satze und Beispiele jeweils grafisch und auch unmittelbar verbal gekennzeichnet
Mein Dank gilt meiner Familie fiir die Unterstiitzung und dem Fachbuchverlag Leipzig fiir die Aufnahme dieses Titels in die ,,Mathematik- Studienhilfen“, be- sonders Frau Christine Fritzsch, die mit zahlreichen Hinweisen in stets sehr ange- nehmer Zusammenarbeit zum Gelingen beigetragen hat
Trang 7Haufig verwendete SyImbolÌe _ o5 c5 55s 255655556585 56956
Verzinsung mit Zinseszinsen
Nominal- und Effektivzinssatz
Unterperiodische Verzinsung
Stetige Verzinsung
Aufgaben
Zahlungsstréme und Aquivalenz
Aquivalenz von Kapitalien
Rente und Raten_
Renten bei einfacher Verzinsung
Renten bei Verzinsung mit Zinseszinsen
Gesamtwert und Zeitwert einer Rente
'Wechselnde Zinssätze und RatenhGhen
Ewige Renten
Kapitalaufbau und -verzehr
Renten mit variablen Raten
4.8.1 Rente mit arithmetischer Folge von Raten
4.8.2 Rente mit geometrischer Folge von Raten
Trang 8
Rentenperiode ungleich Zinsperiode
4.9.1 Rentenperiode gröBer als Zinsperlode
4.9.2 Rentenperiode kleiner als Zinsperiode
Kurs und Rendite
Nominal- und Realzinssatz
Der Zusammenhang von Kurs und Rendite
Kurse spezieller Tilgungsprozesse
Unterjahrliche Zahlungen
Aufgaben
LOSUNGEN .s.ssscsecscscsscecsscececsesecseccescesescesscssssescesescesessessessssessessasessesessesssseeees LT
LiteraturyerzeiChnis -<eeseseseseesesesesesessesesesssesesesesmssesesese- |7 Sachwortverzeichnis .‹.e-ese<eseesesesesseeesesesessesesesssssssesese 178
Trang 9Nettobarwert einer Investition
Nettokapitalwert einer Investition
Zinssatz, Nominalzinssatz, Prozentsatz (Kap.1), Zinsintensitat (Kap 2.8) innerer Zinssatz einer Investition
exponentiell proportionaler Zinssatz
Rendite, Realzinssatz, Effektivzinssatz (Kap.2)
Tilgungssatz, Abschreibungssatz (Kap.6)
Kapital, Grundwert, BezugsgroBe (Kap 1), Nennwert (Kap.7)
Barwert
Realbarwert
Zeitwert, Kapitalwert, Restschuld (Kap.5), Rest-/Buchwert (Kap.6)
Zeitwert einer vorschiissigen Rente
Endwert
Anzahl Zinsperioden pro Jahr/pro Ratenperiode
Anzahl Zinsperioden bzw Raten-/Annuitätenperioden
Menge der natiirlichen Zahlen {1, 2, 3, .}
ZinsfuB, Prozentfu® (Kap.1)
Verzinsungs-/Aufzinsungsfaktor (je Periode), konstanter Faktor (Kap.1) Verzinsungsfolge, -funktion
Konvexitat eines Zahlungsstroms
Zinsen, Prozentwert (Kap 1)
Zinsen, Zinsanteil (Kap.5)
Trang 101 Mathematische Grundlagen
Das ,,Rechnen mit Prozenten“ ist Bestandteil der Elementarmathematik Weil
jedoch einerseits héufig Fehler beim Umgang mit Prozentangaben gemacht wer- den, andererseits eine sichere Beherrschung der einschligigen Rechenregeln in der Finanzmathematik unerlasslich ist, wollen wir die wichtigsten Grundbegriffe hier wiederholen
Prozentrechnung ist Verhdltnisrechnung: Ein bestimmter Anteil einer GrundgröfBe
wird umgerechnet in den entsprechenden Teil von 100 (,,pro cent“ (lat.) = je Hun-
dert) Wir wollen mit folgenden Variablen arbeiten:
K_ Grundwert, GrundgröBe, Basiswert, BasisgröBe, BezugsgröBe
Z_ Prozentwert (Anteil am Grundwert, kann kleiner als K, gröBer als K oder
auch negativ sein)
Der Prozentsatz i wird oft in % (,,Prozent“) angegeben, also in der Schreibweise
Trang 11Das Symbol % stellt also lediglich eine abktirzende Schreibweise fiir ,,ein
Hundertstel“ dar (bzw fiir die Division durch 100)
Haufig benutzt man die Wendung ,p % von kK“, z B ,,18 % von allen giiltigen Wihlerstimmen“ Dies ist als Multiplikation des Prozentsatzes mit dem Grund- wert zu verstehen
Beispiel 1.1: Prozentsatz und ProzentfuB
a) 23% =3-= 0,23, 367 100 % = 3% = 3,67;
4% = 4 = 0,0025; 100% = l= 1 —6,8 % =—45 =—0,068
b) 18 % von 50 Mio ergibt 7% -50.000.000 = 9.000.000;
107 % von 1:20 min ergibt 1 -80s = 85,6s = I: 25,6 min m
Beispiel 1.2: Grundwert, Prozentwert und Prozentsatz
a) Von 120 KlausurteilInehmern haben 87 die Klausur bestanden Wie hoch ist die Quote der ,,Durchfaller“ (in Prozent)?
b) Auf einen Netto-Warenwert von 1.150,00 € werden 19 % Mehrwert- steuer (MwSt.) erhoben Wie hoch ist der Mehrwertsteuerbetrag?
c) Bei einem Skontosatz von 3% ergibt sich ein Skontobetrag von 11,25 € Wie hoch war der urspriingliche Rechnungsbetrag?
— Z _ (20-87) Teilnehmer L1ðsung: 8) Ì = —=————————
1 Statt p % schreibt man gelegentlich auch p v.H (;vom Hundert”)
2.Neben der Angabe in % verwendet man auch die Angabe %o (,,in Promille” = je
Tausend) Dann ist anstelle von (1.3) zu schreiben: i = q/1000 = q %o
Oft und gerade in der Finanzmathematik will man wissen, welcher Wert aus einer vorgegebenen GrundgréBe K entsteht, wenn man sie um einen bestimmten Zuschlag crhöht (z.B Kapital um Zins) bzw Abschlag verringert (z B Rechnungsbetrag um Skonto), der seinerseits einen bestimmten festen Anteil der GrundgröBe ausmacht Fir den veränderten Wert K” = K + Z gilt dann wegen (1.2)
Trang 121.1 Prozentrechnung 11
In diesem Zusammenhang bezeichnet man
® imEalli>0(©> KÌ>K): ¡als Zuwachsrate und I +¡ als Zuwachsfaktor,
® imEalli<0(© KÌ<K): ials Abnahmerate und 1 +i als Abnahmefaktor Beispiel 1.2 (Fortsetzung): Zuwachs-/Abnahmefaktor
b) Wie groB ist der Brutto-Warenwert (inkl MwSt.)?
c) Wie hoch war der Zahlbetrag (Rechnung abziiglich Skonto)?
Umgangssprachlich bedeutet eine ,,.Erhohung von K um p %“ genau die mittels (1.4) beschriebene Multiplikation des Grundwerts K mit dem zugehGrigen Zu- wachsfaktor 1+i Diese Formulierung wird allerdings ungenau, wenn der Grundwert (auf den sich der Prozentsatz bezieht) dabei weggelassen wird Insbe- sondere beim Vergleich von Prozentsétzen zum selben Grundwert wird ihre Dif-
ferenz deshalb in Prozentpunkten (%-Punkte) ausgedriickt
Beispiel 1.3: Prozentséitze und Prozentpunkte
Der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung der Arbeiter und Angestellten betrug 1992 noch 17,7 %, im Jahr 2007 jedoch 19,9 % des jeweiligen Bruttoeinkommens (max der Beitragsbemessungsgrenze) Beschreiben Sie diesen Zuwachs prozentual!
Lésung: Die Steigerung betriagt 2,2 %-Punkte, bezogen auf das Bruttoeinkommen Wollte man den Beitrag 1992 jedoch als BezugsgréBe wahlen, so ist der Beitrags-
satz 2007 wegen 1+i=22% ~1,1243 um rund 12,43 % hoher als jener 15 Jahre 17,7%
zuvor M
Betrachtet man mehrere Zuwächse bzw Abschläge, so ¡ist zu beachten: Grundsätzlich lassen sích Prozentsätze nur dann sinnvoll vergleichen, addieren
oder subtrahieren, wenn sie sich auf den gleichen Grundwert beziehen Sind etwa
Z,, Z, ne N, Prozentwerte zum gleichen Grundwert K und
Trang 13die zugeh6rigen Prozentsatze, so ergibt sich
K° =K+>\Z, =K+> Ki, =K(+ Di) (1.5)
Diese Gleichung ist also anzuwenden, wenn mehrere Zu-/Abschlage zugleich auf eine bestimmte Bezugsgr6Be erhoben werden
Beispiel 1.2 (Fortsetzung): Mehrere Zu-/Abschlige zugleich
a) Neben den 27,5 % Durchfallern erreichten weitere 17,5% der 120 Klausurteilnehmer die Note 4 Wie viele Teilnehmer erhielten eine No-
te 3 oder besser?
Lésung: K* ® 120 Teiln (1 —27,5% — 17,5%) = 120° 0,55 = 66 Teilnehmer @
Werden hingegen mehrere prozentuale Zu- bzw Abschlage nacheinander erho-
ben, d h., Grundwert fiir den ndchsten Zu-/Abschlag ist jeweils die bereits durch vorherige Zu-/Abschlige verdnderte Bezugsgréfe, so muss man (1.4) rekursiv
anwenden Mit entsprechenden Prozentsitzen i, ., i, ist anzusetzen
K,=K,,(0+i,), k=L n, Ky=K
Daraus ergibt sich fiir den resultierenden Wert K” = K„ durch Aufmultiplizieren:
k=l
Beispiel 1.4: Mehrere Zu-/Abschliige nacheinander
Ein Mitarbeiter zahlt nach Abzug von 15 % Personalrabatt, Aufschlag von
19 % MwSt und Abzug von 3 % Skonto 474,88 € fiir ein firmeneigenes Produkt Wie hoch ist der unrabattierte Nettoverkaufspreis?
Trang 141.1 Prozentrechnung 13
Die genannte Unterscheidung ist auch bei der Frage nach der durchschnittlichen
Zuwachsrate mehrerer Zuwachs-/Abnahmeraten i), .,i, zu treffen Darunter versteht man eine (einheitliche) Zuwachs- bzw Abnahmerate i, die bei n-maliger
Anwendung den gleichen Wert K’ liefert Mit (1.5) erhalt man bei gleichzeitig anzuwendenden Zu-/Abschlägen den Ansatz
Definition 1.1: Arithmetisches und geometrisches Mittel
Seien x, .,x,, n€ N, nichtnegative reelle Zahlen, Wir bezeichnen mit
X,+ +%,
AG ,x„)=—————D bzw GŒ, x„)=j[Xix; *X,
n
das arithmetische bzw geometrische Mittel dieser Zahlen
Die durchschnittliche Zuwachsrate berechnet sich demnach aus dem arithmeti- schen Mittel der einzelnen Zuwachs-/Abnahmeraten, d h ¡= A(¡, ., i,) Wegen
Iti = Lint Yi, )=+ Y (1ti,) = AC +i, vl ti,) (7)
veal nya
Dn
gilt diese Aussage tibrigens auch fiir die Zuwachs-/Abnahmefaktoren
Bei nacheinander anzuwendenden Zu-/Abschlagen hat man hingegen
K(1+i) aT [er d.h
1+i=zIT Ïd+i) =Gd+i L+i,) iL t 1 (1.8)
Hier ist der durchschnittliche Zuwachsfaktor also mit Hilfe des geometrischen
Mittels aus den einzelnen Zuwachs-/Abnahmefaktoren zu berechnen Beispiele dazu werden wir in spateren Kapiteln behandeln
Trang 151.2 Arithmetische und geometrische Folgen
Betrachtet man die zeitliche Entwicklung eines Kapitals an bestimmten diskreten Zeitpunkten, so hat man es aus analytischer Sicht mit Folgen reeller Zahlen zu tun Unter bestimmten Voraussetzungen geniigen diese Folgen relativ einfachen Bildungsgesetzen Mit N = {1,2,3, } wird im Folgenden stets die Menge der
natiirlichen und mit R die der reellen Zahlen bezeichnet
Definition 1.2: Folge
Eine Abbildung a:N—R, die jeder natiirlichen Zahl eindeutig eine reelle Zahl zuordnet, heiBt reellwertige Zahlenfolge oder kurz Folge Das Argument
né N heift Index und dessen Bild a, € R (n-tes) Glied der Folge
Bezeichnung: a= (a,) = (4, noir, = (Gn new
Kurz gesagt versteht man unter einer Folge nichts anderes als eine abzahlbare Menge reeller Zahlen, in der eine Reihenfolge der Elemente (durch Indizierung) festgelegt ist Gelegentlich beginnt man mit der Indizierung auch bei n=0 In diesen Fallen ist eine Folge genau genommen als Abbildung a:N, >R
aufzufassen, N, = {0,1,2, } Wir werden dies ab und zu auch so handhaben
Einige aus der Analysis bekannte Eigenschaften, die Folgen aufweisen kénnen, sind:
© (a,) heiSt monoton wachsend (bzw streng monoton wachsend), wenn fiir alle me Ñ gilt: dyii > Gn (DZW Gust > An)
e (a,) heiSt monoton fallend (bzw streng monoton fallend), wenn fiir alle néN gilt! dy <a, (bZW Ans < ay)
¢ (a,) heift alternierend, wenn fiir alle ne N gilt: a,,; a, <0
© (a,) heiSt nach oben beschrankt (bzw nach unten beschrénkt), wenn es eine Zahl Ke R gibt, so dass fiir alle ne N gilt: a4,<K (bzw a,>K)
Eine nach oben und nach unten beschrankte Folge heiBt beschraénkt
© (a,) heift konvex (bzw konkav), wenn fiir alle n> 2 gilt:
$4 +444) 24, (bzw $(a,_,+4,,,) <a, ) Man spricht auch hier von
strenger Konvexitat (bzw Konkavitat), wenn die Ungleichung fiir alle n > 2 mit
dem echten GréBer- (bzw Kleiner-)Zeichen erfiillt ist
Das Monotonieverhalten sowie die Konvexitaét bzw Konkavitat einer Folge kann aus dem Verhalten einer passenden Funktion abgeleitet werden: Ist f=f(x) eine
Trang 161.2 Arithmetische und geometrische Folgen 15
Funktion, die auf [l,oo) definiert ist, und (q,),-12, eine Folge mit a,=f(n), so
ergeben sich Monotonie- bzw Konvexititseigenschaften der Folge (a,) aus den jeweiligen Monotonie- bzw Konvexitatseigenschaften der Funktion f In einigen Beweisen werden wir diese Tatsache benutzen
Von besonderer Bedeutung ist auBerdem der Konvergenzbegriff Danach konvergiert eine Folge, wenn sich ihre Glieder mit wachsendem Index immer
mehr einer festen Zahl annahern Genauer formulieren wir (vgl [10], Def 3.3):
Definition 1.3: Konvergenz und Grenzwert einer Folge
Eine Folge (a,),-12, hei8t konvergent, wenn eine feste reelle Zahl Ae R exis-
tiert, der sog Grenzwert von (a,), so dass gilt: Zu jedem € >0 gibt es einen
Index nọ = nọ (£), So dass |a,—Al < € fiir alle n> no (€) Bezeichnung: A = lima,
noo
Eine nicht konvergente Folge heiBt divergent
Beispiel 1.5: Konvergenz und Divergenz
Man untersuche nachstehende Folgen (a,) auf Konvergenz:
a)a,=+, b)a,=(-l)"+ oc) a,=nd,deR, d)a,=q",qeER, e) a, =(1+4)"
Lésung: a) Die Folge (1,4 s2: ) ist streng monoton fallend, beschrankt (durch 0 nach unten und 1 nach oben) und konvergent, lim nd, = 0 (eine sog Nullfolge) b) Die Folge lautet (-1,4 TT + poe .), eS handelt sich um eine alternierende,
beschrankte und konvergente Nullfolge
c) Das Verhalten dieser Folge (d, 2d, 3d, 4d, .) hangt von d ab:
d> 0: streng monoton wachsend, unbeschrankt und divergent
d=0: konstante Nullfoge
d<0: streng monoton fallend, unbeschrankt und divergent
d) Das Verhalten dieser Folge (q, q’, g°, 7°, .) hangt von q ab:
q> 1: streng monoton wachsend, divergent
Trang 17Die Frage, ob eine gegebene Folge konvergiert, ist nicht immer leicht zu beantworten Dazu sei auf die einschlagige Literatur zur Analysis verwiesen, z B
[10], Kapitel 3
Wir befassen uns nun mit zwei speziellen Formen von Folgen, die in der Finanz- mathematik sehr haufig auftreten: arithmetische und geometrische Folgen
Definition 1.4: Arithmetische Folge
Eine Folge (q,),<j hei8t arithmetisch, wenn fiir alle ne N gilt:
Bei einer arithmetischen Folge ist also die Differenz zweier benachbarter Folgen- glieder konstant fiir alle Indizes Kennt man zusatzlich a; =a, so ist durch Angabe
dieser Differenz d die gesamte Folge eindeutig bestimmt:
(a, a+d, a+2d, a+3d, )
Man erhilt also aus (1.9) sofort sowohl die rekursive Darstellung
a,=4, a,,,=a,+d firne N,
als auch (mittels vollstindiger Induktion) die explizite Darstellung einer arith-
Beispiel 1.6: Arithmetische Folge
Ein Unternehmen wies im Jahr 2006 einen Umsatz von 400 Mio € aus
Der Umsatz soll jahrlich um 45 Mio € gesteigert werden Welchen
Umsatz wiirde das Unternehmen im Jahr 2014 erreichen?
Lésung: a, bezeichne den Umsatz im Jahr 2005 + n Die Umsatzdifferenz zweier
aufeinanderfolgender Jahre betragt konstant 45 Mio €, es handelt sich also um
eine arithmetische Folge Wir haben also a= a, = 400 Mio €, d=45 Mio €
Mit Hilfe von Formel (1.10) ergibt sich der Umsatz im Jahr 2014 = 2005 +9 als
ay = 400 Mio € + (9-1) 45 Mio € = 760 Mio € a
Trang 181.2 Arithmetische und geometrische Folgen 17
Arithmetische Folgen sind fiir d#0 stets divergent, fiir positives d streben sie nach +0, fiir negatives d gegen —o Im Fall d=0 sind sie konstant (identisch gleich a)
Definition 1.5: Geometrische Folge
Eine Folge (a,),-y von Gliedern a, #0 heift geometrisch, wenn fiir alle néN gilt:
Gis
a,
Bei einer geometrischen Folge ist demnach der Quotient zweier benachbarter
Folgenglieder konstant fiir alle Indizes Kennt man zusiatzlich a, =a, so ist durch
Angabe des Quotienten g wiederum die gesamte Folge eindeutig bestimmt:
(a, aq, aq’, aq’, )
Man erhält also aus (1.11) analog oben sowohl die rekursive Darstellung
a, =4, 4,,,=4,q firne N
als auch (wiederum mittels vollstandiger Induktion) die explizite Darstellung
einer geometrischen Folge:
1 Die expliziten Darstellungen (1.10) und (1.12) kann man auch als Definition
einer arithmetischen bzw geometrischen Folge auffassen Bei (1.12) wird da-
durch auch der in Definition 1.5 ausgeschlossene Fall a, =0 (entspricht g = 0)
einbezogen Dies wollen wir im Weiteren so verstehen
2.Beginnt die Folge mit Index 0, so lauten die expliziten Darstellungen einer arithmetischen Folge a, =a + nd bzw einer geometrischen Folge a, =a q"
Im Beispiel 1.5d war uns bereits eine geometrische Folge begegnet (mit a=q) Nachfolgend zwei weitere Beispiele aus unterschiedlichen Bereichen
Beispiel 1.7: Geometrische Folge
Ein Aktionar schatzt ein, dass der Wert seines Aktienportfolios jahrlich
um 8 % steigen konnte Gegenwartig betragt er 6.000 € Welchen Wert
hatte dann sein Portfolio in 10 Jahren (ohne Zu- und Verkauf)?
Trang 19Lésung: a, sei der Wert des Portfolios im Jahr n der Betrachtung (bezogen auf einen festen Stichtag im Jahr) Die geplante jahrliche Steigerung bezieht sich jeweils auf das Vorjahr, man hat also eine konstante jahrliche Zunahmerate von
8 % und demnach einen konstanten Zunahmefaktor đ„,/4„= 1+i=q=1,08 Die
Portfoliowerte bilden also eine geometrische Folge Wenn der Portfoliowert am Stichtag a, = a= 6.000 € beträgt, so ist er in 10 Jahren gleich aj419 =a, =a) gq’
=6.000 €' 1,08'°= 12.953,55 € m
Beispiel 1.8: Geometrische Folge
Die Masse a eines radioaktiven Stoffes zerfallt wahrend der Halbwert- zeit T zu 50 % Nach wie viel Perioden der Lange T ist weniger als 1 % der Ausgangsmasse vorhanden?
Lésung: a, sei die vorhandene Masse nach n—1 Perioden der Linge 7 Dann
bildet (a,,) eine geometrische Folge mit a, =a und g=0,5 Also ist anzusetzen a,=a -0,5”1! <0,01-a
Diese Ungleichung ist äquivalent zu 100 < 2” © ø—1 > log; 100 = #199 ~ 6,64
Nach 7 Perioden ist damit weniger als 1 % der Ausgangsmasse vorhanden M Die Eigenschaften einer geometrischen Folge hangen von a und g ab:
e Fiir lgi<1 konvergiert die Folge gegen Null Im Fall g=1 ist sie konstant (identisch gleich a) und fiir alle anderen q divergiert sie
® Monotones Verhalten weist die Folge fiir g>0 auf Bei positivem a ist sie beispielsweise streng monoton wachsend fiir g > 1, aber streng monoton fallend
fiir 0<q<1
¢ Fir g <0 ist die Folge alternierend
Sehr oft interessiert man sich fiir Summen von Folgengliedern Dabei treten immer wieder die Summen der ersten n Glieder sowie die Summe tiber alle Folgenglieder auf Dies fiihrt zu folgender
Definition 1.6: Partialsummen und Reihe
Gegeben sei eine Folge (a,),<y- Dann heift s, =)\a, n-te Partialsumme
Trang 201.2 Arithmetische und geometrische Folgen 19
Wenden wir diese Begriffe nun auf die oben definierten arithmetischen bzw geometrischen Folgen an Im Falle einer arithmetischen Reihe gilt
5,5 va = Yi (a+(k-Dd) = 2Ÿ 1+4 Š (k=) = antd yk,
(Partialsumme einer arithmetischen Folge, Startindex 1)
Durch Umformung erhalt man aufgrund von (1.10)
Sy =2Ga+(n—1)d) =sta+a+0r=D4) =5 +a,) (1.14)
Diese alternative Summenformel kann man bequem anwenden, sofern das letzte
zu addierende Folgenglied a, bekannt ist
Beispiel 1.6 (Fortsetzung): Endliche arithmetische Reihe
Zu bestimmen ist die Summe der Umsitze fiir die Jahre 2006 bis 2014 des Unternehmens (bei Eintreten der geplanten Steigerungen)
Losung: 8, =a-9+d-*8=400 Mio €-9 +45 Mio € 38 = 5.220 Mio €
Alternative: s5 =4(a, + a),) =4,5-(400+760) Mio € = 5.220 Mio.€ m
Trang 21Im Falle einer geometrischen Reihe lauten die Partialsummen fiir alle ne N
(Partialsumme einer geometrischen Folge, Startindex 1)
Dies ist die sog Summenformel fiir die endliche geometrische Reihe
Beispiel 1.10: Endliche geometrische Reihe
Ein Unternehmen will seinen Gewinn von gegenwartig 10 Mio € jahrlich
um 8 % steigern Welcher Gesamtgewinn wiirde dann in diesem und den nachsten 4 Jahren zusammen anfallen?
Lésung: Die jaéhrlichen Gewinne des Unternehmens bilden eine geometrische Folge mit a= 10 Mio € und g=1+8 % = 1,08 Die (kumulierten) Gesamtgewin-
ne engeben also eine a Reihe, d h
ne
s= ag" = lim > aq" = limat lia (1.16)
kl noe el noe q-l 1-q Als Anwendung von Summenformel (1.15) berechnen wir noch die Partialsum- men von a, = nx" fiir x # 1, die spiiter benétigt werden:
Trang 22um die Bestimmung von Nullstellen reeller Polynome
Zu den Eigenschaften von Polynomen sei auf die zahlreiche Literatur verwiesen,
z B [10], Abschnitt 6.1, uns interessiert hier vor allem, wie Nullstellen eines
gegebenen Polynoms berechnet werden kénnen Ist der Grad des Polynoms P=p (x) gréBer als 4, so gibt es keine expliziten Lésungsformeln mehr Haufig kennt man in finanzmathematischen Anwendungen aber eine Naherung der gesuchten Nullstelle € des Polynoms p Es bieten sich daher numerische Nahe-
rungsverfahren (Iterationsverfahren) an, die eine Nullstelle iterativ mit hinrei-
chender Genauigkeit bestimmen, ausgehend von der bekannten oder aufgrund des Sachverhalts vermuteten Näherungslösung als Startwert Damit berechnet man sukzessive Verbesserungen, bis die Nullstelle mit hinreichender Genauigkeit angegeben werden kann Genauer gesagt liefert ein solches Iterationsverfahren
eine Folge (x,)n=12, von Naherungswerten tiber die Iterationsvorschrift
(1) das Bisektionsverfahren (Intervallschachtelung),
(2) die Regula falsi oder Weiterentwicklungen, z B das Illinois- oder Pegasus-
Verfahren (Sekantenverfahren),
(3) das NEWTON-Verfahren (Tangentenverfahren)
Aus Platzgriinden soll auch beziiglich dieser Iterationsverfahren auf die Literatur
verwiesen werden, fiir (1), (3) siehe z B [12] oder [10] und fiir (2) z B [4]
Hinweis: Die genannten Methoden dienen nicht ausschlieBlich fiir die Nullstellen- suche bei Polynomen, sondern ebenso bei beliebigen stetigen (im Falle des
NEWTON-Verfahrens stetig differenzierbaren) Funktionen
Das Problem besteht bei der konkreten Anwendung darin,
— ob das Verfahren mit dem gewihlten Anfangswert iiberhaupt konvergiert und
— ob es gegen die gewiinschte Nullstelle von p konvergiert
Das kann aber bei den hier interessierenden Polynomen immer abgesichert werden, evtl sind dazu die Startwerte geringfiigig zu verandern
Trang 231.4 Ungleichungen
Einige wichtige Ungleichungen werden wir — insbesondere fiir Beweise — nutzen
Im Abschnitt 1.1 traten das arithmetische und das geometrische Mittel auf Zwi- schen beiden besteht folgende Relation:
von nacheinander anzuwendenden Zu-/Abschlagen Dies folgt aus (1.7’), (1.8)
Eine weitere wichtige Beziehung stellt die sog BERNOULLIsche Ungleichung
dar Wenn x>-1 eine reelle Zahl ist und ne N, so gilt stets (1+x)">1+nx In
unseren Anwendungen wird i d R x>0 gelten, der Exponent kann jedoch durch- aus eine gebrochene Zahl sein Wir verallgemeinern deshalb zu
Satz 1.1: BERNOULLIsche Ungleichung
Seien x und @reelle Zahlen mit x >0, a@>0 Dann gilt
(1) Eũr x=0 ist (I+>x)' =l+@x=l
(2) Fiir x >0 ist
>l+ax fallsa>1,
<l+a falls0<a@<\l
Beweis: Wir setzen f(x) =(1 +x)*—(1 + @) fiir festes @>0 und wollen das Vor-
zeichen dieser stetig differenzierbaren Funktion untersuchen Offensichtlich gilt
f(0)=0, woraus (1) folgt Nehmen wir nun ein beliebiges x>0 an Fiir die Ableitung ergibt sich ƒ (x) = %1 +x)#!~ ø
1 Fall: @>1 Dann gilt f’(x) >0 mo f(x) >0
2 Fall: a= 1 Offensichtlich ist f(x) =(1+x)'— 1-1-x=0
3 Fall: 0< @< 1 Diesmal gilt f’(x) <0 my ƒ0)<0
Damit haben wir die Behauptung (2) gezeigt o
Trang 24Einem Angestellten werden monatlich 34,56 € Kirchensteuer abgezogen, das
sind 9 % seiner Lohnsteuer Zu berechnen ist der (durchschnittliche) Lohn-
steuersatz bei seinem Monats-Bruttogehalt von 2.300 €
Herr Pfiffig kauft beim Handler A das Auslaufmodell eines PKW zum Preis
von 19.950 € (inkl 19 % MwSt.)
a) Beim Handler B wire der Nettopreis (ohne MwSt.) um 3 % hoher als bei
A gewesen Wie viel hatte Herr Pfiffig dort bezahlt? Was fallt auf?
b) Beim Handler A war das Fahrzeug in den letzten 5 Jahren um je 5 % (ge- geniiber dem Vorjahr) netto billiger geworden Wie viel kostete es vor 5 Jahren inkl MwSt bei einem damaligen MwSt.-Satz von 16 %?
c) Wie viel % zahlt Herr Pfiffig jetzt weniger als vor 5 Jahren?
d) Um wie viel % erhdht sich der Preis in den nachsten 3 Jahren durch-
schnittlich pro Jahr, wenn er im nachsten Jahr um 7,1 % zunimmt, im tibernachsten Jahr um 3,9 %, dann aber um 2,1 % fallt?
Die Wahl zum 4 Sáchsischen Landtag am 19.9.2004 ergab folgende Stimm-
anteile: CDU 41,1 %, PDS 23,6 %, SPD 9,8 %, NPD 9,2 %, FDP 5,9 % und
Griine 5,1 % Die iibrigen Parteien erhielten unter 5 % (auch keine Direkt- mandate) und sind deshalb nicht im Landtag vertreten
a) Wie lautete die Sitzverteilung bei insgesamt 120 Abgeordneten, wenn ein reines Verhältniswahlrecht angewendet worden wire?
b) Im vorherigen Landtag, der 1999 gewahlt wurde, waren nur CDU, PDS und SPD vertreten Bei diesen 3 Parteien gab es folgende Veranderungen
bei den Stimmanteilen (in %-Punkten): CDU -15,8, PDS +1,4, SPD -0,9
Welche Veränderungen bei den Sitzen gab es demzufolge 2004 gegen- iiber 1999, wenn die CDU jetzt zusitzlich 3 Uberhangmandate besitzt, die PDS und SPD je eines?
Gegeben ist eine arithmetische Folge (a,),.12, mit a=2 und d=S
Bestimmen Sie a, aj, dss, $1, 5 und 5,1!
Gegeben ist eine geometrische Folge (dy)n<12, mit a=0,25 und =2
Bestimmen Sie a, ds, địọ, 52, Ss und 5,,!
Bestimmen Sie alle Nullstellen des Polynoms f(x) =x*-2x-—2 im Intervall [1, 2] mit Hilfe verschiedener Iterationsverfahren!
Trang 252.1 Verzinsungsmodelle
In einer Volkswirtschaft besitzt jede (handelbare) Ware oder Dienstleistung einen
Preis als den in Geld ausgedriickten Wert Die Faktoren, welche die Héhe des Preises beeinflussen, sind dabei von ganz unterschiedlicher Natur Stellt eine natiirliche oder juristische Person (Glaéubiger) einer anderen Person (Schuldner)
vortibergehend Geld zur Verfiigung (ein Kapital), so ist auch dies eine Dienst- leistung Der Schuldner entrichtet dem Glaubiger dafiir i Allg ein Nutzungsent- gelt, den Zins bzw die Zinsen Die Héhe der Zinsen hangt ab von
e der Hohe des Kapitals,
e der Dauer der Nutzung durch den Schuldner,
e dem speziell vereinbarten Zinssatz (s u.)
Kapital >
Schuldner Kapital + Zinsen Bild 2.1:
Zahlungen zwischen Glaubiger und Schuldner
Glaubiger
In den meisten Fallen werden die Zinsen einmalig oder in regelmaéBigen Zeitab-
standen fallig, d.h., der Schuldner muss dem Glaubiger die Zinsen zu einem
bestimmten oder regelmafig wiederkehrenden Zeitpunkten zahlen, solange er das Kapital des Glaubigers zur Verfiigung hat Bei der Art der Zahlung dieser Zinsen werden grundsiatzlich zwei Formen unterschieden:
Modell 1: Direkte Zahlung der Zinsen an den Glaubiger zum Falligkeitstermin
Modell 2: Gutschrift der Zinsen (beim Schuldner) und Saldierung zum Kapital Die Falligkeitszeitpunkte der Zinsen heiSen Zinszuschlags- bzw Zinszahlungs-
termine Die (positive) Differenz zweier aufeinander folgender Zinszuschlags-
termine bezeichnet man als Zinsperiode Ublich sind Zinsperioden von einem Jahr, einem halben Jahr, einem Vierteljahr oder einem Monat Beim Modell 1 bleibt die Héhe der Schuld wahrend der Nutzungsdauer des Kapitals unverdn-
dert, weil die Zinsen an den vereinbarten Zinszahlungsterminen dem Glaubiger
zuflieBen Man spricht in diesem Fall von einfachen bzw linearen Zinsen An-
ders ist die Situation im Modell 2: Hier werden die Zinsen zwar einem Konto des Gläubigers gutgeschrieben, dieses Konto wird jedoch beim Schuldner gefiihrt,
Trang 262.1 Verzinsungsmodelle 25
dem diese Zinsen praktisch noch zur Verfiigung stehen Damit erhdht sich das Kapital, das der Schuldner zur Verfiigung hat, um die jeweiligen Zinsen Am nachsten Zinszahlungstermin sind dann Zinsen auf (schon gutgeschriebene) Zin- sen fallig, die sog Zinseszinsen (auch geometrische Zinsen) Bei beiden For- men handelt es sich um sog Verzinsungsmodelle
Oft wird vereinbart, dass iiber gewisse Zeitréume nur das anfangs zur Verfiigung gestellte Kapital und nicht eventuelle, bereits friiher gutgeschriebene Zinsen ver- zinst werden Diese Form ist mathematisch dem Modell 1 dquivalent, selbst wenn der Glaubiger die Zinsen nicht sofort bekommt Zwar ist dann eine solche Ver- fahrensweise finanzmathematisch inkorrekt, die einfache Verzinsung ist aber rechnerisch leichter zu handhaben und liefert fiir kurze Zeitraume Ergebnisse, die nicht gravierend von denen des Zinseszinsmodells abweichen
Werden die Zinsen am Ende einer Zinsperiode fallig (Zinszuschlagstermin = letzter Tag der Zinsperiode), so spricht man von nachschiissiger (bzw dekursi- ver) Verzinsung, sind sie jedoch bereits am Anfang einer Zinsperiode fallig (Zinszuschlagstermin = erster Tag der Zinsperiode), so liegt vorschiissige (bzw
antizipative) Verzinsung vor (Bild 2.2) Wir werden sehen, dass diese Unter-
scheidung aus Sicht der Finanzmathematik nur fiir Zinseszinsmodelle relevant ist
vorschissige nachschũssige Vor- und nachschiissige
Beispiel 2.1: Vor- und nachschiissige Verzinsung
Eine Bank (Glaubiger) stellt einem Kunden am 1.10.2007 ein Darlehen
tiber 10.000 € zur Verfiigung Sie verlangt dafiir bis zur Riickzahlung mo- natlich nachschiissig 100,00 € Zinsen Wie lauten die Zinszahlungstermi-
Trang 27Allgemeine Voraussetzungen:
Z1 Die Zinsen je Zinsperiode sind proportional dem zu Beginn der Periode zur
Verfiigung gestellten Kapital
Z2 Die Zinsperiode ist ein ganzer Bruchteil eines Jahres
Z3 Alle Zahlungen erfolgen mit Sicherheit zu den vorgesehenen Terminen
Die erste Bedingung Z1 erscheint sinnvoll und garantiert die Linearitaét der Zin-
sen als Funktion des Kapitals, d h.:
¢ Die Summe der Zinsen auf zwei Kapitalien ist stets gleich den Zinsen auf die
Summe der Kapitalien Es spielt also keine Rolle, ob ein bestimmter Geldbe-
trag insgesamt oder in Teilen verzinst wird
e Die Zinsen auf das Vielfache eines Kapitals sind gleich diesem Vielfachen der
Zinsen auf das einfache Kapital
Dennoch findet man in der Praxis auch andere Modelle So bieten zahlreiche Banken Sparkonten an, bei denen der Zinssatz gestaffelt ist und von der Hohe des
Guthabens abhangt Dabei wird fiir gr6Bere Kapitalwerte oft ein héherer Zinssatz gewahrt, um den Sparer dazu anzuregen, einen mdglichst groBen Geldbetrag
anzulegen Ein weiterer Grund ist die Tatsache, dass die Kosten, die dem Kredit- institut durch das Sparkonto entstehen, gr6Stenteils nicht von der Hohe der Einla-
gen abhingen, so dass sie mit wachsendem Guthaben relativ gesehen abnehmen Die zweite Bedingung Z2 ist lediglich technischer Natur, um den Formelapparat nicht unnotig aufzublahen Sie wird aber auch praktisch tiberall eingehalten, da
Kreditinstitute und Finanzdienstleister spatestens nach Ablauf eines Jahres alle
Konten abrechnen Die dritte Voraussetzung Z3 schlieBt die Ausfallméglichkeit von Zahlungen aus Wollte man dies beriicksichtigen, so waren Instrumente der Wahrscheinlichkeitsrechnung erforderlich
2.2 Das 1-Perioden-Modell
Wir betrachten zunächst die Verzinsung in einer Zinsperiode Sie beginne auf
einer Zeitachse zum Zeitpunkt ¢ = 0 und soll bei t= 1 enden
1-Perioden-Modell:
e Die Verzinsung eines Kapitals wird nur tiber eine Zinsperiode betrachtet
e Geldfliisse (sowohl Kapital als auch Zinsen) kénnen nur zu Beginn und am
Ende der Zinsperiode erfolgen Anders gesagt: Nur Beginn (t= 0) und Ende
(t= 1) der Zinsperiode sind mégliche Handelszeitpunkte fiir die Ware Geld
Trang 282.2 Das 1-Perioden-Modell 27
setzung Z1 ist Z proportional zu K, es gibt also einen (von K unabhängigen) Pro-
portionalitatsfaktor 7, so dass gilt
Ein Vergleich mit Formel (1.2) macht klar: Im Sinne der Prozentrechnung ist Z
der Prozentwert zum Grundwert K mit dem Prozentsatz i bzw dem ProzentfuB p
Es gilt demnach gemaB (1.1) und (1.2)
Z_, Pp
Definition 2.1: Zinssatz
In der Zinsrechnung bezeichnet man i gem (2.2) als Zinssatz bzw Zinsrate
(engl.: interest rate bzw nur rate) und p als ZinsfuB der Zinsperiode Wenn die Zinsperiode ein Jahr betragt, so ist i der Jahreszinssatz bzw die Jahreszins-
rate und p der JahreszinsfuB
Der Faktor g = 1 +i heiSt Verzinsungsfaktor (auch Aufzinsungsfaktor, eng].:
accumulation factor) und sein reziproker Wert d= 1/(1 + i) Abzinsungs- bzw Diskontierungsfaktor (engl.: reduction factor) zum Zinssatz i
Bemerkungen:
1.In nahezu allen praktischen Anwendungen gilt i>0, weil negative Zinsen wirtschaftlich unsinnig sind Wir wollen dies ab sofort auch voraussetzen (Ausnahme: Rendite in Kapitel 7) Es sei aber darauf hingewiesen, dass viele Formeln formal auch fiir i< 0 richtig bleiben
2.Setzt man K = I, so erkennt man, dass i auch interpretiert werden kann als der Zins auf ein Kapital der Hohe 1
Beispiel 2.1 (Fortsetzung): Zinssatz, Auf- und Abzinsungsfaktor
Der Bankkunde hat monatlich 100 € Zinsen zu zahlen Wie lauten bei dem Darlehen (Kapital) von 10.000 € der (monatliche) Zinssatz, ZinsfuB,
Aufzinsungs- und Diskontierungsfaktor?
~ cư ; —.Z _— _100€
Losung: Zinssatz_ i =< =D 0006
faktor g = 1,01 und Diskontierungsfaktor d = in = 0,990099 of
=1%, zugehoriger ZinsfuB p = 1, Aufzinsungs-
Aus (2.2) erhalt man sofort
Trang 29(den sog Anfangs- oder Barwert) multiplizieren, um das Endkapital inkl Zinsen
(den sog Endwert) nach einer Periode zu erhalten Mit dem Diskontierungs-
faktor ist hingegen das Endkapital zu multiplizieren, um das Anfangskapital zu Beginn der Periode zu bestimmen
Oft wird das Anfangskapital bzw der Barwert auch mit Ko = K bezeichnet Nach Falligkeit der Zinsen hat sich also daraus am Ende der Zinsperiode der Endwert
Multiplikation mit Verzinsungs- 1 Zeit Bild 2.3:
im 1-Perioden-Modell
Wir wollen mit i den Periodenzinssatz bezeichnen, auch wenn die Zinsperiode
nur ein Bruchteil des Jahres ist (auf Ausnahmen wird ausdriicklich hingewiesen) Nach (2.1) sind in der Zinsperiode Zinsen in Hohe von Z=iK fallig und der
Verzinsungsfaktor hat dann die Gestalt g=1+i In der Literatur symbolisiert i gelegentlich den Jahreszinssatz Unsere Bezeichnungsweise bringt jedoch den Vorteil einheitlicher Formeln mit sich, unabhangig davon, wie lang eine Zinsperiode tatsachlich ist In den praktischen Anwendungen ist darauf stets zu achten
Bei mehreren Zinsabrechnungen pro Jahr stellt sich die Frage, welcher Perioden- zinssatz bei gegebenem Jahreszinssatz anzuwenden ist Wir gehen spater darauf noch genauer ein In der Finanzwirtschaft war es bisher tiblich, dass bei mehreren Zinsfalligkeiten pro Jahr derjenige Anteil der Jahreszinsen gezahlt wird, der dem Verhiltnis der Lange einer Zinsperiode zur Lange eines Jahres entspricht Besteht
ein Jahr also aus m Zinsperioden (me N wegen Z2) und ist ij der Jahreszins- satz, so hieBe das
Trang 306 % p.a (,,per annum“) eine 6 %ige jđhrliche Zinszahlung,
4% p.H (,,pro Halbjahr“) eine 4 %ige halbjdhrliche Zinszahlung,
2 % p.Q (,,pro Quartal“) eine 2 %ige vierteljdhrliche Zinszahlung und
1% p.M (,,pro Monat‘) eine 1 %ige monatliche Zinszahlung
Diese Angaben, insbesondere ,,p.a.“, verwendet man allerdings auch dann, wenn die eigentliche Zinsperiode kiirzer ist Dann sind jedoch zusatzliche Informatio- nen tiber die Dauer einer Zinsperiode und die Art der Ermittlung des Perioden- zinssatzes erforderlich
Beispiel 2.2: Jahreszinssafz und unterjährliche Verzinsung
Ein Guthaben wird mit 4,5 % p.a verzinst Wie lauten die unterjahrlichen
Zinssatze bei Anwendung des linear proportionalen Zinssatzes?
Lésung: Erfolgen die Zinszahlungen monatlich (Zinsperiode 1 Monat), so betriagt der Monatszinssatz
e Geldflisse (sowohl Kapital als auch Zinsen) können nur zu Beginn und am
Ende einer jeden Zinsperiode erfolgen Oder anders gesagt: Nur Beginn und
Ende der Zinsperioden (t= 0, 1, , 2) sind mégliche Handelszeitpunkte fiir
die Ware Geld
e Der Beginn der f-ten Periode wird mit dem Ende der (t— 1)ten Periode identi-
fiziert, t=2, ,n
Trang 31Dieses Modell ist Basis fiir jede Form diskreter Verzinsung Es lasst in vielerlei Richtung Verallgemeinerungen zu, so etwa bei unterperiodischen Zinsabrechnun- gen oder stetiger Verzinsung, wird aber auch in der stochastischen Finanzmathe- matik als grundlegendes Finanzmarktmodell bei der Betrachtung zufallsabhängi- ger Finanzprodukte (z B Aktien) verwendet
Zunächst setzen wir voraus, dass der Glaubiger dem Schuldner nur einmalig
Kapital zur Verfiigung stellt, als Zeitpunkt konnen wir o B d A den Beginn der ersten Zinsperiode vereinbaren Zinsen des Schuldners an den Glaubiger konnen jedoch zu allen Handelszeitpunkten flie8en Diese Konstellation bezeichnet man
auch als n-Perioden-Modell mit Einmalzahlung (Bild 2.4) Allgemeinere Falle
mit mehreren Kapitalzahlungen sind Gegenstand der nachsten Kapitel
TVerzin- 'Verzin- | Verzin- | T Verzin-! Zeit
9 sung | sung 2 sung 2 me sung Mì (Zins- Bild 2.4:
sen Z,> 0 fallig, so dass man die rekursive Beziehung
Trang 32Definition 2.2: Verzinsungs- und Diskontfolge
(q:)1-0,1, n heiBt Verzinsungsfolge und (d,),-0,1, Diskontfolge (im n-Perioden- Modell mit Einmalzahlung), wobei
vom eingesetzten Kapital abhdngt Damit ist Definition 2.2 korrekt Wegen
dieser Unabhangigkeit von K wird das n-Perioden-Modell mit Einmalzahlung
durch die Verzinsungsfolge (q,),-0,1, charakterisiert
2.Die Verzinsungsfolge gibt die Zeitwerte eines Anfangskapitals der Hohe K = 1
an, dies erkennt man unmittelbar aus (2.6)
3 Aus der obigen Definition von q, folgt
Z
4ạ =1, I~ Ie1 = t=L ,n (2.8)
Bei (2.8) handelt es sich um die rekursive Darstellung der Verzinsungsfolge
Satz 2.1: Monotonie von Verzinsungs- und Diskontfolge
Die Verzinsungsfolge (g,) sowie die Kapitalwertfolge (K;,) sind monoton wach- send, die Diskontfolge (d,) monoton fallend Es gilt
d„< <đi Sđạ =l=qạ Sq¡ Sq4„
Beweis: Aus der Definition (2.6) von 4, ergibt sich wegen Z,> 0 fiir alle t sofort 1<4q:<4q1 Da die Diskontfolge aus den Kehrwerten besteht, ist 1>d,> di Auch die Folge (K,) ist monoton wachsend, weil sie nach (2.6) lediglich ein
positives Vielfaches der Verzinsungsfolge darstellt o
Bei praktischen Aufgaben muss man hiaufig auch Zinsberechnungen innerhalb
der ,normalen“ Zinsperiode durchfiihren Um dies mit unserem Modell in
Einklang zu bringen, das ja nur Zahlungen zu Beginn bzw Ende einer jeden Zinsperiode zulảsst, benötigen wir den Begriff der Verfeinerung eines
Trang 33n-Perioden-Modells Darunter versteht man ein n-m-Perioden-Modell (me N ),
so dass jeder Handelszeitpunkt des urspriinglichen n-Perioden-Modells auch
Handelszeitpunkt des verfeinerten Modells ist (Bild 2.5)
Bild 2.5: Verfeinerung eines n-Perioden-Modells
Zur einfacheren Schreibweise wollen wir fiir den laufenden Index der Handels-
zeitpunkte im verfeinerten Modell den Buchstaben 7 reservieren Weil das ver- feinerte Modell am gleichen Zeitpunkt beginnt, besteht folgender Zusammenhang
A=1, ,n, H=1, .,m, wobei [.] den ganzen Anteil bedeutet Dabei gibt  die
Nr der laufenden Zinsperiode des urspriinglichen Modells und yz die Unter-Nr der Zinsperiode des verfeinerten Modells innerhalb dieser Periode A wieder
Beispiel 2.3: Zeitparameter bei Modellverfeinerung
Fiir m= 4 lautet der Zusammenhang zwischen t, 7, 2 und yu:
Trang 342.3 Das n-Perioden-Modell 33
Das n-Perioden-Modell ist die natiirliche Verallgemeinerung des 1-Perioden- Modells auf den Fall mehrerer Zinsperioden Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass die Forderung gleich langer Zinsperioden in der Praxis nicht immer exakt erfiillt ist Man denke etwa nur an monatliche Verzinsung: Ein Kalendermonat kann zwischen 28 und 31 Kalendertagen besitzen Aus diesem Grund vereinbart
man, dass eine (fiir bestimmte Regionen bzw Wirtschaftsraume) einheitliche Zahlweise fiir die Zinstage pro Monat und pro Jahr festgelegt wird Eine solche
Normierung wird als Zinstagemethode bzw Kalenderbasis bezeichnet und in der Form ,,Zinstage p.M./Zinstage p.a.“ angegeben Die wichtigsten Zinstageme- thoden sind der folgenden Ubersicht zu entnehmen:
s 30/360 (Europa): Unabhangig vom Kalender wird jeder Monat mit 30 und jedes Jahr mit 360 Zinstagen gerechnet Diese klassische Methode besitzt den Vorteil, dass ein Zinsjahr genau das 12-fache eines Zinsmonats ist Man be-
zeichnet sie auch als Methode des kaufménnischen Rechnens
¢ 30/360 (USA): Sie ist sehr ahnlich der europäischen 30/360-Methode Unter-
schiede kann es lediglich geben, falls der Endtermin der 31 eines Monats ist
(Néheres siehe z B [7] oder die Online-Hilfe von Microsoft Excel) Diese Me- thode wird an US-amerikanischen Banken und Bérsen verwendet
® taggenau (engl.: actual)/360: Ein Monat besitzt bei dieser sog Euro- Zinsmethode stets soviel Zins- wie Kalendertage, ein Jahr immer 360 Zinstage Diese Methode wird im Euro-Finanzraum benutzt
© taggenau/365: Hier wird analog zur taggenau/360-Methode gerechnet, nur wird ein Jahr mit 365 Zinstagen angesetzt Bis auf die Vernachlassigung von Schalttagen stimmen also auch bei einem Jahr Zins- und Kalendertage iiberein Diese Methode war in der alten Preisangabenverordnung vorgeschrieben
° taggenau/taggenau: Zins- und Kalendertage p.M und p.a stimmen iiberein
Beispiel 2.4: Verschiedene Zinstagemethoden
Die folgende Tabelle gibt Beispiele fiir die verschiedenen Kalenderbasen bei der Berechnung von Zinstagedifferenzen:
Trang 35Zur Vereinfachung treffen wir folgende Vereinbarung:
Allgemeine Voraussetzungen:
ZA Sofern im n-Perioden-Modell bzw in den zugehörigen Verfeinerungen tageweise Berechnungen erfolgen, soll die 30/360(Europa)-Kalenderbasis, gelten, ein Monat hat also 30 und ein Jahr 360 Zinstage
diesem Abschnitt einfache bzw lineare Verzinsung voraus, d h., es wird in jeder
Periode nur das anfanglich vom Glaubiger zur Verfiigung gestellte Kapital Ky = K als Grundwert fiir die Zinsberechnung herangezogen
Den Zinssatz in der t-ten Periode wollen wir mit i, bezeichnen (2.1) bedeutet also
in dieser Periode Z,= K’ i, und damit folgt aus (2.5)
t=l t=l
(Endwert einer Einmalzahlung bei einfacher Verzinsung)
Der Vergleich mit (2.6) ergibt auBerdem
(Verzinsungsfolge bei einfacher Verzinsung)
Beispiel 2.5: Einfache Verzinsung im n-Perioden-Modell
Die Bundeswertpapierverwaltung emittiert regelmaBig sog Bundesschatz- briefe vom Typ A und B Beim Typ A bekommt der Kapitalanleger (Gläubiger) n=6 Jahre lang Zinsen mit wachsendem Zinssatz ausgezahlt, nach Ablauf der 6 Jahre erhalt er das investierte Kapital zuriick Es liegt also das Modell 1 (vgl Abschnitt 2.1) und damit einfache Verzinsung vor
In der Ausgabe vom 28.8.2007 galten folgende Konditionen:
1.-2.Jahr: 3,75 %; 3.-5.Jahr: 4,00 %; 6.Jahr: 4,25 %
Anzugeben ist die Verzinsungs- und Diskontfolge
Lésung: Nach (2.8) erhalt man
Trang 362.4 Einfache Werzinsung 35
Umgekehrt kann man mit Hilfe der Verzinsungsfolge die Zinssatze der einzelnen
Perioden ermitteln Aus (2.8) ergibt sich unmittelbar
(Verzinsungsfolge bei konstanter einfacher Verzinsung)
Bemerkung: Die Formeln (2.11) bis (2.15) gelten natiirlich auch fiir jeden Zeit- punkt ¢= 1, .,, da man das n-Perioden-Modell ohne Weiteres verkiirzen kann
(2.14) kann nun benutzt werden, um Barwerte, Zinssatze oder Laufzeiten zu be-
rechnen, je nachdem, was man bestimmen will, sofern die iibrigen GroBen be- kannt sind
Beispiel 2.6: Konstante einfache Verzinsung im n-Perioden-Modell
a) Welches Kapital ist bei konstanter einfacher Verzinsung und Zinssatz i=7,5 % p.a tiber 4 Jahre anzulegen, um 1.000 € zu bekommen?
b) Welcher Zinssatz miisste vorliegen, um dies bereits mit einer Einzah- lung von 700 € zu erreichen?
c) Fiir wie viele Jahre miissten die 1.000 € mit einfacher Verzinsung und i=7,5 % p.a erneut angelegt werden, um 1.500 € zu erhalten?
K Lösung:a) Kẹ=K = ——= _L000€C _ = 769,23€
Trang 37Folgerungen:
1 Bei konstanter linearer Verzinsung bilden sowohl (K,,),-0,1, als auch (qq)n-0,1,
Zinssatz Null) keine arithmetische Folge
2.Betrachtet man bei konstanter einfacher Verzinsung die Summe der Zinsen
nach n Zinsperioden, also K,—Ko=niK, so folgt: Die Summe der Zinsen ist proportional zur Anzahl der Zinsperioden
3 Wird das Kapital n Jahre mit dem Jahreszinssatz ij,,, verzinst, wobei ein Jahr
aber m Zinsperioden umfasst und je Zinsperiode der linear proportionale Zinssatz i= ij,/m angewendet wird, so gilt fiir das Endkapital wegen (2.14)
K(+nm 28%) = K (1+ nig, )
m
Im Vergleich mit (2.14) ist demnach zu schlussfolgern:
Bei einfacher Verzinsung und einer ganzen Zahl von Anlagejahren ist der
Endwert unabhdngig von der Anzahl Zinsperioden pro Jahr Man kann also in
diesem Fall vereinfachend jahrliche Verzinsung annehmen, bei unterjahrlichen Abrechnungem ist ggf der linear proportionale Zinssatz anzuwenden
Beispiel 2.7: Einfache Verzinsung und Lénge der Zinsperiode
Ein Kapital von 30.000 € wird zu einem Zinssatz von 4,8 % p.a bei ein- facher Verzinsung angelegt Vergleichen Sie die Endwerte nach 3 Jahren bei jahrlicher bzw vierteljahrlicher Verzinsung!
Lésung: Nach n Jahren betraigt das Guthaben K,,= 30.000 € (1 +0,048 1), also
z B K;=30.000 €' (1 + 0,048 3) =34.320€ Das Ergebnis ist das gleiche bei vierteljahrlicher Verzinsung mit dem linear proportionalen Quartalszinssatz:
K,,, = K,, =30.000€- (1+ 2%.12) =34.320€
Definition 2.3: Konformitiit
Gegeben seien ein n-Perioden-Modell mit konstantem Zinssatz i sowie ein nm- Perioden-Modell als Verfeinerung des Ausgangsmodells Dann heiBt ein kon-
stanter Periodenzinssatz i,, (in diesem verfeinerten Modell) konform zu 7, wenn
die Zinsen fiir ein beliebiges Kapital unabhingig davon sind, ob die Verzinsung
je Periode mit Zinssatz i,, oder jahrlich mit Zinssatz i erfolgt Die Zinssatze i,, und i,, aus zwei verfeinerten Modellen nennen wir (zueinander) konform, wenn
sie zum gleichen Jahreszinssatz konform sind
Nach dieser Definition kann die obige Folgerung 3 auch so formuliert werden: Ein linear proportionaler Periodenzinssatz ist bei einfacher Verzinsung stets kon- form zum urspriinglichen Jahreszinssatz
Trang 38(G_)c=011, 2m im verfeinerten Modell
Beweis: In Bemerkung 2 nach Definition 2.2 haben wir festgestellt, dass die Verzinsungsfolge als Zeitwertfolge eines Kapitals der Hohe 1 gedeutet werden kann Beriicksichtigt man nun noch, dass die Zeitpunkte t=0, 1,2, .,n im ur-
spriinglichen n-Perioden-Modell den Zeitpunkten t=0, m, 2m, .,nm im verfei-
nerten nm-Modell entsprechen, so folgt die Behauptung direkt aus der Konformi- tatsdefinition 2.3 o
Ein Beispiel zum Satz 2.2 wird in Aufgabe 2.4 berechnet
Bemerkung: Der Konformitatsbegriff lasst sich leicht auf Modelle mit nicht kon-
stanten Periodenzinssdtzen i, ausdehnen Dazu ist Definition 2.3 auf die 1- Perioden-Modelle einzeln anzuwenden, aus denen das n-Perioden-Modell besteht
Man erhiilt dann fiir je m Perioden des verfeinerten Modells einen einheitlichen
Zinssatz i,,, der zum jeweiligen i, konform ist Satz 2.2 bleibt dann ebenso richtig
Liegt ein n-Perioden-Modell mit nicht konstanten Zinssatzen vor, so entsteht oft die Frage nach dem ,,durchschnittlichen“ Zinssatz Darunter versteht man denje-
nigen konstanten Zinssatz i, der aus einem Kapital K den gleichen Endwert K,,
erzeugt Man bezeichnet ihn auch als durchschnittliche Wertsteigerung Um ihn zu ermitteln, machen wir mit Hilfe von (2.11) und (2.14) den Ansatz
Die durchschnittliche Wertsteigerung ist also bei einfacher Verzinsung das arith-
metische Mittel aller Zinssatze Diese Tatsache kennen wir bereits aus der Pro- zentrechnung (vgl (1.7))
Trang 392.5 Verzinsung mit Zinseszinsen
Wir setzen unsere Untersuchungen im n-Perioden-Modell fort Die je Periode falligen Zinsen sollen jedoch nicht an den Glaubiger ausgezahlt, sondern ihm nur gutgeschrieben werden (Modell 2, siehe Abschnitt 2.1) Damit erhdht sich die Schuld des Schuldners in jeder Periode (bei vorausgesetztem positivem Zinssatz) und auf bereits in friiheren Perioden gutgeschriebene Zinsen sind in der aktuellen Zinsperiode zusitzliche Zinsen — die Zinseszinsen — fallig Diese Art der Verzin-
sung mit Zinseszinsen wird auch als geometrische Verzinsung bezeichnet Unter
den beschriebenen Voraussetzungen stellt sie die finanzmathematisch korrekte Art der Verzinsung dar
Zunichst wollen wir auch in diesem Abschnitt wieder das n-Perioden-Modell mit Einmalzahlung betrachten Das vom Glaubiger bei t=0 zur Verfiigung gestellte Kapital Ky = K >0 wird in der ersten Periode verzinst und liefert am Ende dieser Periode den Wert K; Dieser ist nun wiederum Anfangswert fiir die Verzinsung in Periode 2 usw Die n Zinsperioden kénnen demnach als Folge von 1-Perioden- Modellen verstanden werden, wobei die Anfangswerte der Perioden 2, ., mit den jeweiligen Endwerten der Perioden 1, ., n-1 tibereinstimmen
Wir treffen nun zur Vereinfachung eine weitere allgemeine Voraussetzung:
im Rahmen unserer kurzen Darstellung nicht weiter verfolgen
Sind i,, t= 1, .,n, die Zinssatze der einzelnen Perioden, so ergibt sich
Nun multiplizieren wir all diese Gleichungen und kiirzen anschlieBend mit
KẹK¡``` K;¡ >0 Dadurch ergibt sich
Trang 402.5 Verzinsung mit Zinseszinsen 39
Der Vergleich mit (2.6) ergibt jetzt
Beispiel 2.5 (Fortsetzung): Geometrische Verzinsung im n-Perioden-Modell
Bei Bundesschatzbriefen vom Typ B werden dem Kapitalanleger als Glaubiger n=7 Jahre lang Zinsen mit wachsendem Zinssatz gutgeschrie-
ben, jedoch erst nach Ablauf der 7 Jahre zusammen mit dem investierten
Kapital zuriickgezahlt Es liegt also das Modell 2 (vgl Abschnitt 2.1) und damit Verzinsung mit Zinseszinsen vor In der Ausgabe vom 28.8.2007 galten folgende Konditionen (im 1.-6 Jahr wie bei Typ A):
1.-2 Jahr: 3,75 %; 3.-5 Jahr: 4,00 %; 6.-7 Jahr: 4,25 %
Wie lauten Verzinsungs- und Diskontfolge, diesmal bei geometrischer Verzinsung?
Lésung: gq, =1+i, =1,0375; gq, =(1+i,).+i,) =1,0764 usw
Es ergeben sich also jetzt folgende Werte (siehe auch Bild 2.6):
0 1 2 34 5 6 7 Diskontfolge bei Bundesschatz-
briefen Typ A und Typ B