Der Lehrstuhl fr Industrielles Management der European Business School und die Managementberatung Horvth & Partners haben dieses Thema nun aufgegriffen und es sich zum Ziel gesetzt, etwa
Trang 2Ronald Gleich/Uwe Michel (Hrsg.)
Organisation des Controlling
Grundlagen, Praxisbeispiele und Perspektiven
Trang 4Ronald Gleich/Uwe Michel (Hrsg.)
Organisation des Controlling
Grundlagen, Praxisbeispiele und Perspektiven
Haufe Mediengruppe
Freiburg ·Berlin·Mnchen
Trang 5Bibliografische Information Der Deutschen Bibliothek
Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen grafie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet ber http://dnb.dbb.de abrufbar
1 Auflage 2007
Rudolf Haufe Verlag, Freiburg i Br 2007
Lektorat: Dipl.-Kfm Jens Obermçller
Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, der fotomechanischen Wiedergabe(einschließlich Mikrokopie) sowie der Auswertung durch Datenbanken oder hnlicheEinrichtungen, vorbehalten
Umschlag: HERMANNKIENLE, 70199 Stuttgart
Trang 6„Does structure really follow strategy?“ Die von Chandler
auf-gestellte These ist, neben vielen anderen normativen Vorschlgen
von Wissenschaftlern, eine auch in der Praxis bekannte Empfehlung
fr die Organisationsgestaltung von Unternehmen Fr den Aufbau
einer Controlling-Organisation gestaltet sich die Suche nach Regeln
und Empfehlungen weit schwieriger
Die Organisation des Controlling ist ein in der
betriebswirtschaft-lichen Literatur zwar seit Jahrzehnten bekanntes, jedoch trotzdem
von der Forschung eher vernachlssigtes Feld In einschlgigen
Publikationen werden nur ausgewhlte Fragmente, wie die
organi-satorische Gliederung des Controlling in Teilfunktionen oder die
organisatorische Verbindung von zentralen und dezentralen
Con-trolling-Einheiten, dargestellt Erst in den vergangenen Jahren ist
eine leichte Tendenz zur verstrkten Thematisierung zu beobachten
Prominente Wissenschaftler und Unternehmensvertreter
bemn-geln jedoch den vorliegenden Erkenntnisstand und fordern eine
intensivere Beschftigung mit der Organisation des Controlling
sowohl aus wissenschaftlicher als auch praktischer Hinsicht
In der Fachliteratur werden zwar unterschiedliche Teilaspekte der
Controlling-Organisation aufgegriffen, eine umfassende
Wrdi-gung der Thematik sucht man jedoch vergeblich Das verwundert,
ist doch die Organisation der Controlling-Funktion ein ußerst
wichtiger Stellhebel zur Schaffung einer effektiven und effizienten
Unternehmenssteuerung Die „richtige“ Gestaltung der
Control-ling-Organisation ist ein wesentlicher Baustein zur Bewltigung
aktueller Herausforderungen und Anforderungen, mit denen sich
das Controlling konfrontiert sieht
Der Lehrstuhl fr Industrielles Management der European Business
School und die Managementberatung Horvth & Partners haben
dieses Thema nun aufgegriffen und es sich zum Ziel gesetzt, etwas
Licht in das Dunkel der organisatorischen Gestaltung des
Con-trolling zu bringen und diese sowohl aus wissenschaftlicher als auch
praktischer Sicht zu betrachten
Als Ergebnis liegt nun dieser Herausgeberband vor Ihnen Das Buch
wurde ist in drei Abschnitte gegliedert, die neben einem
Grund-verstndnis ber das Themenfeld sowohl einen umfangreichen
berblick ber Beispiele aus der Unternehmenspraxis als auch
aktuell diskutierte, jedoch noch wenig erprobte innovative Anstze
sowie knftige Tendenzen aufzeigen
Trang 7Das erste Kapitel verfolgt das Ziel, die Grundlagen der Organisationdes Controlling aus wissenschaftlicher wie aus praxisorientierterSicht zusammenzufassen
In Kapitel zwei geben Praxisbeispiele einen Einblick in Lçsungenausgewhlter Unternehmen unterschiedlicher Branchen Dabeiwurde versucht, unterschiedliche Organisationstypen des Control-ling herauszuarbeiten, weshalb die Beitrge anhand maßgeblicherEinflussfaktoren und deren Wirkung auf die Organisation desControlling gegliedert wurden Kapitel 2.1 geht dabei den Einfls-sen von Strategie und Geschftsmodell auf die Gestaltung desControlling auf den Grund Die Beitrge in Kapitel 2.2 thematisie-ren hingegen spezielle Branchenlçsungen Dieses Bild wird inKapitel 2.3 durch Artikel, welche sich im Kern mit einem ver-
nderten Rollenverstndnis des Controlling und dessen rischen Implikationen beschftigen, abgerundet
organisato-Kapitel 3 beschftigt sich mit Fragen der Weiterentwicklung derControlling-Organisation Dabei wird auf aktuell diskutierte, in-novative Organisationsvarianten, Spezialflle und Zukunftsperspek-tiven eingegangen Die Betrachtung der Istsituation wird somit umeinen Ausblick ergnzt
An dieser Stelle sei den Autoren dieses Bandes fr ihre Mitarbeitund ihr Engagement gedankt Dadurch, dass sie ihr Wissen, ihreErfahrungen und ihre Vorstellungen den Lesern zur Verfgungstellen, konnte dieses Buch berhaupt entstehen Nicht vergessen seidie tatkrftige Untersttzung durch Herrn Niko Hofmann undHerrn Michael Mller von Horvth & Partners sowie des HaufeVerlages, insbesondere in der Person von Herrn Jens Obermçller.Das Buch richtet sich vorwiegend an Praktiker aus den BereichenUnternehmensfhrung und Controlling wie auch an Wissenschaft-ler und interessierte Studierende, die ein umfassendes Werk zurOrganisation des Controlling, das grundlegende, praktische undperspektivische Aspekte umfasst, suchen Ihnen wnschen wir eineinteressante, aufschlussreiche und anregende Lektre
Trang 83 Anstze der Organisationstheorien und ihr Beitrag zur
Gestal-tung der Controlling-Organisation 55Pter Horvth
Kapitel 2: Praxisbeispiele
Kapitel 2.1:
Strategie und Geschftsmodell als bestimmende Faktoren fr
die Controlling-Organisation
1 Organisation und Ausgestaltung des Controlling in der BASF:
Der Controller als Business Partner 77Manfredo Rbens, Marc Kçppe
2 Controlling-Organisation in einem dezentral gefhrten Konzern
– strategiegerechte Neustrukturierung des Controlling bei DPD
GeoPost 91Peter Burmeister, Philipp Temmel
3 Controlling in einem Familienunternehmen – der Einfluss der
Unternehmenskultur auf die Controlling-Organisation bei TRUMPF 113Harald Vçlker, Lars Grnert, Catharina Kriegbaum-Kling
Kapitel 2.2:
Branchenanforderungen als bestimmende Faktoren fr die
Controlling-Organisation
1 „Unbundling“ im Controlling – Implikationen von
Entflech-tung und Regulierung fr die Controlling-Organisation von
Energieversorgungsunternehmungen am Beispiel Mainova AG 133Andreas Roß, Hartwig Kalhoefer
2 Dezentrale Controlling-Strukturen der DEKRA AG als
Erfolgs-faktor im internationalen Wettbewerb 151Klaus Schmidt
3 Controlling-Organisation im Wandel: Das Beispiel der
Waren-hausgruppe Manor AG 163Dominique Reuse, Steffen Gross, Stefan Macheleidt
Trang 9Kapitel 2.3:
Neues Rollenverstndnis des Controllers als bestimmender
Faktor fr die Controlling-Organisation
1 Controlling-Organisation bei der Heidelberger Druckmaschinen
AG – von der Stabstelle zum Business Controlling 187Thomas Ketelhut
2 Das Controlling Information Center der UBS AG: Katalysator
zwischen Accounting und Controlling 203Meinrad Keller, Andreas Hsler
3 Aufbau eines mittelstndischen Konzern-Controlling – das
Bei-spiel der Gebr Becker GmbH 221Dorothee Becker-Soest
Kapitel 3: Perspektiven
1 Die CFO-Organisation im Umbruch – Herausforderungen und
aktuelle Entwicklungen 241Niko Hofmann, Steffen Munz
2 Shared Services als Organisationsform fr das Controlling 269Uwe Michel
3 Die Controlling-Organisation in globalen Unternehmen vor dem
Hintergrund von Offshoring-Mçglichkeiten 295Sçren Dressler
4 Controlling-Organisation und Corporate Governance 321Andreas Wald
5 Organisation eines Controllings in Unternehmensnetzwerken 337Pter Horvth, Mischa Seiter
Stichwortverzeichnis 357
Trang 10Prof Dr Sçren Dressler
Professor fr Internationales Controlling an der FHTW Berlin und Leiter
des internationalen Masterstudiengangs MBA & E Zudem ist er Direktor
des Offshoring Institute und Vorstandsvorsitzender des Institute of
Management Accountants (IMA) Germany
Joachim Esser
Principal und Leiter Bro Berlin bei Horvth & Partners Management
Consultants
Prof Dr Ronald Gleich
Inhaber des Lehrstuhls fr Industrielles Management und
Geschfts-fhrer der Weiterbildungsgesellschaft der European Business School
Accounting UBS Global Wealth Management & Business Banking,
Business Analyst Reporting/CIC bei der UBS AG
Niko Hofmann
Senior Project Manager im Competence Center Controlling bei
Horvth & Partners Management Consultants
Prof Dr Dr h.c mult Pter Horvth
Vorsitzender des Aufsichtsrats der Horvth AG und Geschftsfhrer
des International Performance Research Institute (IPRI)
Hartwig Kalhoefer
Leiter Controlling und Unternehmenssteuerung der Mainova AG
Meinrad Keller
Accounting UBS Global Wealth Management & Business Banking,
Leiter Reporting/CIC Global WM&BB bei der UBS AG
Thomas Ketelhut
Leiter Business Controlling bei der Heidelberger Druckmaschinen AG
Trang 11Die Autoren
Marc KçppeSenior Corporate Controller bei der BASF AG
Dr Catharina Kriegbaum-KlingLeiterin Controlling der TRUMPF Werkzeugmaschinen GmbH + Co.KG
Stefan MacheleidtSenior Project Manager im Competence Center Controlling beiHorvth & Partners Management Consultants
Dr Uwe MichelPartner und Leiter Competence Center Controlling bei Horvth &Partners Management Consultants
Michael MllerSenior Project Manager im Competence Center Controlling bei Horvth
& Partners Management ConsultantsSteffen Munz
Consultant im General Consulting bei Horvth & Partners ment Consultants
Manage-Dominique ReuseLeiter Controlling der Manor AG
Dr Andreas RoßGeschftsfhrer der NRM Netzdienste Rhein-Main GmbHManfredo Rbens
Senior Vice President und Head of Corporate Controlling bei der BASFAG
Klaus SchmidtVorsitzender der Vorstnde DEKRA e V und DEKRA AG
Dr Mischa SeiterWissenschaftlicher Mitarbeiter am International Performance ResearchInstitute (IPRI)
Philipp TemmelWissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl fr Industrielles Manage-ment der European Business School (ebs) und Consultant im Compe-tence Center Controlling bei Horvth & Partners Management Consul-tants
Harald VçlkerKaufmnnischer Geschftsfhrer der TRUMPF GmbH + Co KG
Trang 12Kapitel 1: Grundlagen
Trang 14Organisation des Controlling
Seite 13
Organisation des Controlling –
Impulse aus der Wissenschaft
n Das Themenfeld der „Controlling-Organisation“ ist sowohl unter Effektivi-tts- und Effizienzgesichtspunkten als auch bezglich Qualittsaspekten des Controlling von hoher Relevanz
n In Bezug auf die hohe Bedeutung verwundert es, dass die Gestaltung von Controlling-Organisationen in der Literatur keine umfassende, explizite Wrdigung erfhrt
n Die Organisation des Controlling definiert sich ber Gestaltungsfaktoren, deren Ausprgung die jeweilige Organisationsform ergeben Diese ist maßgeblich von Kontextfaktoren abhngig, d h jede Organisation befindet sich in einem situativ spezifischen Kontext und muss in einem „Fit“ zu diesen Einflssen ausgestaltet werden
n Es kann somit keinen „one best way“ geben, der fr alle Unternehmen Gltigkeit besitzt Viel mehr ist die Controlling-Organisation in ihrer Aus-prgung unternehmens- und umfeldspezifisch
1 Einleitung 14
2 Gestaltungsvariablen der Controlling-Organisation 16
3 Kontextfaktoren der Controlling-Organisation 23
4 Zusammenfassung und Fazit 29
5 Literaturhinweise 30
n Die Autoren
Prof Dr Ronald Gleich, Inhaber des Lehrstuhls fr Industrielles Management und Geschftsfhrer der Weiterbildungsgesellschaft der European Business School (ebs) Philipp Temmel, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl fr Industrielles Manage-ment der European Business School (ebs) und Consultant im Competence Center Controlling bei Horvth & Partners Management Consultants
Trang 15Organisation des Controlling
Seite 14
1 EinleitungLange genug hat das Controlling versucht, andere Funktions-bereiche zu Effizienzsteigerungen und Erhçhungen der Wertbei-trge zu veranlassen Allerdings darf der Controller seinen eigenenBereich hierbei nicht ausnehmen So ist er selbst zunehmendemDruck ausgesetzt, im eigenen Bereich dieselben Maßstbe anzuset-zen, die zuvor scheinbar nur fr andere galten Themen wieEffektivitt, Effizienz, Wertbeitrag, Kundenzufriedenheit usw –Basisthemen der Controller-Arbeit – mssen zunehmend auch zurEvaluierung der eigenen Ttigkeit herangezogen werden.1
Das Controlling selbst wurde im Zeitablauf zu einem Kostenfaktor.Deutlich mehr als ein Vollzeit-Controller auf 200 Mitarbeiter ineinem produzierenden Unternehmen ist oftmals ein Indiz frmçgliches Verschlankungspotenzial, vorausgesetzt, die notwendigeLeistungserbringung ist nicht gefhrdet.2Bezglich der Beurteilungseiner (Leistungs-)Effektivitt und Effizienz befindet sich dasControlling im Vergleich zu Einheiten, die an ihrer Renditegemessen werden kçnnen, in einer schwierigen Situation Dieausschließliche Konzentration auf die Kosten des Controlling greift
zu kurz, da auch die positiven Einflsse auf die Leistungsempfngerals Nutzenpositionen zu bercksichtigen sind Der Prozess dereigenen Optimierung jedoch ist ein unumgnglicher, da neben allenanderen Funktionen im Unternehmen auch die Controlling-Funk-tion ihre Existenz nur dadurch rechtfertigt, „[ ] dass sie dieWettbewerbsfhigkeit erkennbar steigert“.3
Der auf dem Controlling lastende Vernderungsdruck, aktuelleEntwicklungen wie die Konvergenz zwischen internem und exter-nem Rechnungswesen oder Innovationen und die sich nderndenAnforderungen an das Controlling (das Rollenbild des internenBeraters etabliert sich zusehends)4 bedingen Analysen und Ver-
nderungen der Prozesse und Organisationsformen des ling, des Weiteren der kompletten Finanzorganisation.5„Structuralarrangements influence the efficiency of work, the motivation ofindividuals […] and can help shape the future of the organization.“6
Control-Die „richtige“ Gestaltung der Controlling-Organisation ist somitein wesentlicher Baustein zur Bewltigung der oben skizzierten
Trang 16Organisation des Controlling
Seite 15
sowie anderer aktueller Herausforderungen und Anforderungen,
mit denen sich das Controlling konfrontiert sieht.7
Das Thema der Controlling-Organisation ist ein altbekanntes, fand
es doch bereits vor Jahrzehnten in der Literatur umfassend
Erwhnung.8 In Relation zu anderen Controlling-Fragestellungen
bleibt jedoch zu konstatieren, dass es, bezogen auf die Tiefe der
Durchdringung in der Literatur, ein bisher beinahe strflich
vernachlssigtes Feld darstellt.9 Erst in letzter Zeit ist eine leichte
Tendenz zur intensiveren Beschftigung mit diesem Themenfeld zu
beobachten, umfassende Arbeiten dazu sucht man aber nach wie vor
vergeblich So liegen zwar einzelne pauschale Aussagen zum Design
vor, gerade hinsichtlich der Einflussfaktoren der
Controlling-Orga-nisation und der daraus abgeleiteten Gestaltungsempfehlungen wird
man in der vorliegenden Literatur nur begrenzt fndig.10
Eine allgemein akzeptierte Definition der Controlling-Organisation
ist in der heutigen Literatur nicht auszumachen Sie lsst sich mehr
als „[…] the formal specification of different roles for organizational
members, or tasks for groups, to ensure that the activities of the
organization are carried out“11 umschreiben Als eine Form der
Rollen- und Aufgabendefinition sowie der Strukturierung stellt die
Controlling-Organisation die Form der Eingliederung der
Con-trolling-Funktion in die Unternehmensorganisation sowie die
interne Organisation des Controller-Bereichs dar Sie umfasst dabei
sowohl die Aufbau- als auch die Ablauforganisation In den
bisherigen Arbeiten ist allerdings ein klarer berhang an
aufbau-organisatorischen Themenstellungen zu beobachten, das
„Kst-chendenken“12berwiegt
Dieser Beitrag soll einen berblick ber die Grundlagen der
Controlling-Organisation geben und somit beim Leser ein
Grund-verstndnis ber Fragstellungen der organisatorischen Gestaltung
von Controlling herstellen Hierzu wird in Kapitel 2 auf die
Gestaltungsfaktoren der Controlling-Organisation eingegangen,
indem die wesentlichen Stellhebel der Controlling-Organisation
dargelegt werden Im darauf folgenden Teil wird die
Kontext-abhngigkeit der Controlling-Organisation hervorgehoben,
wo-durch ein berblick ber die maßgeblichen Einflussfaktoren
gegeben werden soll Fr empirische Erkenntnisse zu
Fragestel-7 Vgl Dent (1996), S 258 ff.; Scheffner; Hofmann (2007), S 21 f.
8 Vgl exemplarisch Sathe (1978), S 89 ff.; Boland; Pondy (1983), S 224 ff.;
Controlling-Abgrenzung derControlling-Organisation
Trang 17Organisation des Controlling
Seite 16
lungen der Organisation von Controller-Bereichen sei auf dennachfolgenden Beitrag von Esser; Mller verwiesen
2 Gestaltungsvariablen der Controlling-OrganisationBei der Gestaltung von Controlling-Organisationen sind unter-schiedlichste Fragestellungen zu beantworten Allgemein ist zupostulieren, dass die Organisationsform dem Controller die „Er-fllung seiner Aufgaben ermçglichen muss“.13 Die wissenschaftlicheSichtweise des Controlling orientiert sich hier stark an derklassischen Organisationslehre, bei der die organisatorische System-gestaltung auf einzelne Instrumente zurckgreift
So definiert Robbins, als Vertreter der Organisationslehre, sechsBasiselemente (Spezialisierung, Abteilungsbildung, Vergabe vonWeisungsrechten, Leitungsspanne, Zentralisierung/Dezentralisie-rung und Formalisierung), welche die Struktur einer Organisationprgen.14Horvth, als Vertreter der Controlling-Forschung, kommtbeispielsweise zu acht Gestaltungsvariablen der Controlling-Orga-nisation, anhand derer die Organisationsspezifika im Controlling inweiterer Folge erçrtert werden (vgl Abb 1)
n i a i a r t n e e
d u - n b g f u A e g u r e i s il a i z p S
g u li e t u z e t e m o K
n i a p i z i r a P
W e n g u il e t e
n ll e t S
g u l e t s t e b r A
n s e o r P n v g u li e t u A e ll e o r e P
g u z n e r g a n e b a g f u A
ü f n t e a n b g f u A n v n i t i n i f e D
t n m e a a M w z g il o r n C
s g u t a t s G
-n e l b a i r a
Acht Variablen
der Organisation
Trang 18Organisation des Controlling
Seite 17
Wie zu erkennen ist, sind die Gestaltungsvariablen in den Modellen
der Organisationslehre (siehe das Beispiel von Robbins) und der
Controlling-Forschung von großer berschneidung So ist zu
vermuten, dass die Gestaltung der Controlling-Organisation keine
atypischen organisatorischen Aufgaben zu Tage fçrdert, sondern
hnliche Herausforderungen zu bewltigen sind wie in der
Organi-sation anderer Funktionsbereiche.16 In der Folge werden nun die
einzelnen Gestaltungsfaktoren der Controlling-Organisation nach
Horvth dargelegt und deren Ausprgungsformen analysiert Dabei
ist wichtig zu erwhnen, dass auch in der Praxis inhaltlich hnliche
Anstze zur Klassifizierung der Variablen verfolgt werden.17
n Zentralisation/Dezentralisation
Das Steuerungsmodell des Unternehmens ist maßgeblicher
Impli-kator der Controlling-Organisation oder einfach gesagt: Die
Con-trolling-Organisation folgt der Fhrungsorganisation.18 Das
Con-trolling hat sich hierbei vorrangig den Fragen der Abgrenzung
zwischen zentralen und dezentralen Controlling-Einheiten, der Art
der Verbindung zwischen zentralen und dezentralen Instanzen
sowie der Einordnung des Leiters Controlling in die
Fhrungs-struktur eines Unternehmens zu stellen.19
Zur Frage, welche Aufgaben zentral und welche dezentral ablaufen
sollten, lsst sich eine grundlegende Regel aufstellen:
Koordinati-onsaufgaben werden in der Regel zentral positioniert, laufende
Teilaufgaben der Informationsversorgung, welche eine direkte
Geschftsbeziehung aufweisen, sollten dezentralisiert werden.20
Dass diese einfache Regel jedoch keine allgemein gltige
Klassifizie-rung von Controlling-Aufgaben zulsst, scheint nachvollziehbar
Vielmehr weist sie Richtliniencharakter zur Gestaltung der
erwhn-ten Separierung auf, die reale Aufteilung erfolgt oftmals nach weit
weniger Systematik So vertritt etwa Weber die Auffassung, dass
Controlling mçglichst dezentral und nur, wo nçtig, zentral
organi-siert sein sollte.21 In jngster Entwicklung sind jedoch auch
entgegengesetzte Tendenzen erkennbar, die fr eine Zentralisierung
des Controlling und damit eine Abkehr von der
Dezentralisierungs-welle der vergangenen Jahre eintreten.22
16 An dieser Stelle sei fr weiterfhrende Erkenntnisse auf den Beitrag von Horvth
in diesem Werk verwiesen.
17 Vgl die Ausfhrungen von Mller; Schmidt (2006), S 713 ff Beispiele aus der
Unternehmenspraxis finden sich in Kapitel 2 dieses Bandes.
Organisations-Zusammenspielzentrale/
dezentraleEinheiten
Trang 19Organisation des Controlling
Seite 18
Die Eingliederung des Controller-Bereichs in die tion wird durch die gewhlte Ressortzuordnung und die Hie-rarchieebene des Leiters Controlling charakterisiert.23In der Frageder Ressortzuordnung sind die Unterstellung unter den CFO sowieunter den CEO die gngigsten Mçglichkeiten In der Frage derHierarchieebene ist eine Einordnung auf der ersten Ebene (z B.separater Controlling-Vorstand) oder auf der zweiten Ebene (z B.Leiter Controlling unter dem CFO) am weitesten verbreitet.24
Finanzorganisa-In der Gestaltung der Verbindung zwischen zentralen und tralen Einheiten ist die Vergabe der fachlichen und disziplinarischenWeisungsbefugnisse maßgeblich Hier ist einerseits die unterneh-menszielorientierte Ausrichtung der dezentralen Controller, ande-rerseits auch die Verankerung dieser im dezentralen Bereich herzu-stellen So sind in der Praxis Unterstellungen des dezentralenControlling unter das zentrale in drei Varianten denkbar:25fachlicheund disziplinarische zusammen entweder beim dezentralen Bereichoder beim zentralen Controlling oder eine Trennung der Zustn-digkeiten in fachliche Fhrung durch das Controlling und dis-ziplinarische Fhrung durch den Bereich („Dotted Line“-Ansatz).Die Dotted Line ist derzeit in der Praxis noch die vorherrschendeVariante, Tendenzen in Richtung der zentralen Unterstellung sindaber bereits auszumachen.26
dezen-n FunktionalisierungDie Frage der Funktionalisierung wirft zwei wesentliche Problem-stellungen auf: Wie wird die Beziehung von Management undControlling definiert (auch: welche Kompetenzen/Position soll derController erhalten) und wie ist die interne Struktur des Con-trolling auszugestalten?27
Von der ursprnglichen Sichtweise, der Controller kçnne nur alsStabsfunktion wirksam werden, wurde mit zunehmender Komplexi-tt der Unternehmen abgegangen Die Organisation des Controllingals funktionaler Querschnittsbereich des Unternehmens hat sich imZeitablauf als praktikabelste Lçsung herauskristallisiert Diese po-sitioniert das Controlling als integrierende betriebswirtschaftlicheFunktion, die anderen Bereichen gegenber ein fachliches Weisungs-recht erhlt.28 Die Abgrenzung von Controlling und Management
Trang 20Organisation des Controlling
Seite 19
Funktionalisierung erwhnt, wird unter dem separaten Merkmal der
„Aufgabenabgrenzung“ thematisiert
Zur Definition der internen Struktur der Controlling-Einheiten
stehen Unternehmen vor der Frage, welche Steuerungssichten die
maßgeblichen sind und wie diese organisatorisch abgebildet werden
kçnnen.29 So wird die wichtigste Steuerungssicht fr ein regional
organisiertes Dienstleistungsunternehmen „wahrscheinlich“ eine
an-dere sein als fr einen produktorientierten Hersteller von
Konsum-gtern So kann geschlussfolgert werden, dass das Geschftsmodell
eines Unternehmens nicht unerheblichen Einfluss auf die
Organisa-tionsform des Controlling haben wird.30 Gngige Strukturierungen
der Controlling-Bereiche sind daher beispielsweise funktionale,
divisionale oder regionale Unterteilungen; Matrixorganisationen
sind ebenso denkbar.31Zustzlich zur Wahl der ausschlaggebenden
Steuerungssicht stellt sich die Frage, welche Aufgaben nicht in die
Organisation nach Steuerungssichten einbezogen werden und
sepa-rat in Einheiten auszugliedern sind.32 So kann es beispielsweise
aufgrund von strategischer Relevanz angemessen sein, dem
Projekt-Controlling eine eigene Einheit zuzuweisen und es nicht in die
vorherrschende Steuerungssicht zu integrieren Auch sind
weiterfh-rende Abstufungen nach zustzlichen Steuerungssichten denkbar,
was der Organisation zustzlich Komplexitt verleiht.33
n Delegation
Die Delegation behandelt die Weitergabe von Ausfhrungs- (oder
Aufgaben-) und Entscheidungskompetenzen an nachgeordnete
Stellen Fr jede Stelle mssen hierfr drei wesentliche Faktoren
definiert werden: klar umrissene Aufgaben, diesen Aufgaben
ent-sprechende Kompetenzen und Verantwortung, die sich aus der
Zusammenfhrung von Aufgaben und Kompetenzen ergibt.34Die
Wahl des Delegationsgrades wird vorrangig von der
unternehmeri-schen Tragweite der aufgabenbasierten Entscheidungen definiert So
ist es angemessen, Aufgaben mit operativer Ausrichtung und
Routinecharakter an nachgeordnete Stellen zu delegieren
Strategi-sche EntStrategi-scheidungen mit unternehmensweiter Wirkung sind
hin-gegen nicht delegierbar und mssen von hçheren
Entscheidungs-instanzen behandelt werden.35
Trang 21Organisation des Controlling
Seite 20
Auf den Controller bezogen stellt sich die Frage der Delegation vorallem im Kontext der Aufteilung in zentrales und dezentralesControlling So sind an dieser Stelle berlegungen anzustellen,welche Aufgaben, Entscheidungen oder Prozessschritte sich frwelche hierarchische Einordnung eignen Die Beplanung vonKostenstellen beispielsweise muss nicht zentral erfolgen, sondernkann auch an nachgelagerte Stellen delegiert werden, Entscheidun-gen ber umfassende Produktinvestitionen sollten hingegen anhçherer Stelle getroffen werden
n PartizipationDie Beteiligung von Mitarbeitern an hierarchisch hçheren Ent-scheidungen und Aufgaben wird mit dem Gestaltungsfaktor derPartizipation geregelt Sie kann auch unter der Frage des dominie-renden Fhrungsstils subsumiert werden.36
Die Controlling-Organisation wird durch den Partizipationsgraddergestalt beeinflusst, dass sowohl die Arbeitsweise innerhalb derControlling-Abteilungen verndert wird, als auch die Gestaltungder Arbeitspakete vom Fhrungsstil abhngig ist So wirkt dieFhrung der Controlling-Abteilung direkt auf die Gestaltung derinternen Prozesse oder Entscheidungsbefugnisse Wobei hingegender im Unternehmen dominante Fhrungsstil das Maß und dieIntensitt der Koordinationsaufgaben charakterisiert So hngtbeispielsweise die Hufigkeit und Intensitt von Abstimmungs-prozessen primr von der Fhrung des Unternehmens, skaliert voneiner autoritren (weniger Abstimmung) bis zu einer kooperativen(mehr Abstimmung) Fhrung, ab
n StandardisierungDie Standardisierung setzt es sich zum Ziel, Ablufe so stark alsmçglich zu formalisieren Dabei ist die Standardisierbarkeit vomNeuheitsgrad und der Komplexitt der Aufgabe abhngig.37Durchdie Standardisierung wird vom Mitarbeiter erwartet, dass er beigleichem Input stets auf dieselbe Weise den gleichen Output erzeugt.Einerseits werden so effizientere Ablufe gefçrdert, andererseitswerden der persçnliche Ermessensspielraum sowie Flexibilitt weit-
Trang 22Organisation des Controlling
Seite 21
Die Standardisierung im Controlling-Bereich hat in jngster Zeit
gerade vor dem Hintergrund der Shared-Service-Center-Thematik
zunehmende Dynamik erfahren Diese setzt es sich zum Ziel, alle
standardisierbaren Controlling-Ttigkeiten zentral zu bndeln und
den Controllern somit Kapazitt fr deren Kernaufgabe, die
Untersttzung des Managements, freizugeben.39
n Arbeitsteilung
Die Arbeitsteilung zerlegt Controlling-Ablufe in kleinere Einheiten
und ordnet diese eindeutig Stellen bzw Mitarbeitern zu Aufgrund
der Unterschiedlichkeit von Fhrungsaufgaben eignen sich
vor-rangig nur ausfhrende Ttigkeiten fr eine Zerteilung in mehrere
Teilumfnge und eine Verteilung auf mehrere Akteure.40
Bei berlegungen zur Arbeitsteilung sind primr Effizienz- und
Kompetenzgesichtspunkte als treibende Krfte zu nennen
Effizienz-steigerungen ergeben sich vor allem in der Beschleunigung von
Ablufen, Kompetenzvorteile durch den Abbau der Notwendigkeit,
Wissen ber den gesamten Prozess beim Mitarbeiter aufzubauen So
wird die notwendige Kompetenz fr den Einzelnen verringert, ein
Spezialisierungseffekt des Mitarbeiters tritt auf Darber hinaus sind
aufgrund ihrer zeitlichen und qualitativen (negativen) Einflsse die
entstehenden Schnittstellen zu bercksichtigen, die am bergang
von einer zur nchsten Ttigkeit entstehen Fr das Controlling
bedeutet das eine Erhçhung des Koordinationsaufwandes41und ggf
eine Kompensierung der zuvor erzielten Effizienzsteigerungen
Zustzlich zur Zerteilung von Prozessen ist auch
Kapazittsalloka-tion eine Frage der Arbeitsteilung Sowohl die kapazitive als auch
die Kompetenzausstattung42 des Bereichs bzw der Einheiten im
Controlling orientiert sich an den spezifischen Anforderungen So
sind Aufgaben und deren Komplexittsgrade Grundlage fr die
Verteilung der Mitarbeiter innerhalb der Organisation.43
n Ablauforganisation
Wie bereits erwhnt, dominiert in bisherigen Arbeiten zur
Con-trolling-Organisation die aufbauorganisatorische Sichtweise So
spielt die Ausprgung der Controlling-Prozesse wie Planung,
Reporting, Kostenrechnung etc in der Gestaltung der
Controlling-Organisation oft eine untergeordnete Rolle Die Frage sei erlaubt:
39 Vgl Michel (2006), S 442 f sowie die Beitrge von Michel sowie Dressler in
Trang 23Organisation des Controlling
Seite 22
Wie aber lsst sich eine Aufbauorganisation ohne Prozesse mitLeben fllen? Die Beschftigung mit der Gestaltung der Ablauf-organisation muss daher genauso erfolgen, spiegeln doch Prozessedie Controller-Ttigkeit und deren Ergebnisse wider und nicht dieControlling-Abteilungen
Die Relevanz von Prozessen im Kontext des Controlling wird inletzter Zeit verstrkt aufgegriffen So wird hufig ein Controlling, dassich an den horizontalen Geschftsprozessen des Unternehmensorientiert, gefordert.44Die Implikationen daraus fr das Controllingsind vielschichtig: Durch die Prozessorientierung wird der Con-trolling-Bereich selbst nach Prozessen strukturiert und auch dieInstrumente mssen auf die Generierung zielorientierter Prozess-informationen ausgerichtet sein.45Die Organisation nach Prozessen,wie sie im prozessorientierten Controlling gefordert wird, stellt dabeieine alternative Variante der Abbildung der Steuerungssichten dar.46
n Aufgabenabgrenzung
Im Zeitablauf der vergangenen Jahrzehnte war eine stetig mende Verlagerung von Managementaufgaben in Richtung desControlling zu beobachten Dadurch wurde die Rolle des Control-lers im Unternehmen maßgeblich geprgt, sein Aufgabengebietstndig angereichert und erweitert
zuneh-Aktuell ist eine weitere Tendenz zu beobachten: Die Abtretung vonAufgaben des Managements an das Controlling scheint sich partiellwieder umzukehren Die vollzogene Aufgabenteilung gert ins Un-gleichgewicht, so dass das Management in vereinzelten Fllen selbstwieder mehr Controlling-Aufgaben wahrnimmt Allgemeiner sprichtman ber eine Neuverteilung der Controllership sowohl in Richtungdes Controllers als auch des Managers.47Erst ein noch abzuwartenderProzess wird zeigen, wie die Controllership der Zukunft gestaltet seinwird Aus Controller-Perspektive gesehen scheint die Antwort auf derHand zu liegen: Zu vehement wird in Literatur und Praxis die Rolledes Management-Partners fr den Controller proklamiert.48Organi-satorisch impliziert das eine Fortentwicklung der bereits in derVergangenheit erkennbaren Tendenz der Neupositionierung vonAufgaben aus dem Management beim Controlling
Controlling-Prozessmodell
Controlling/
Management
Trang 24Organisation des Controlling
Seite 23
unweigerlich vor der Frage, anhand welcher Kriterien die
Aus-prgung gewhlt werden soll Daher geht der nchste Abschnitt auf
die Einflsse von ausgewhlten Kontextfaktoren, also jene Faktoren,
welche die Ausprgung der Strukturvariablen bedingen, ein
3 Kontextfaktoren der
Controlling-Organisation
Unternehmen sind unterschiedlichsten Entwicklungen unterworfen
und bewegen sich in einem jeweils spezifischen Kontext Die auf ein
Unternehmen einwirkenden Einflsse sind nicht fr alle Akteure
dieselben und variieren auch in ihren Auswirkungen In der Frage
der Controlling-Organisation kann es daher keine allgemein gltige
Lçsung fr Unternehmen aller Branchen, aller Grçßen und aller
anderen denkbaren Spezifika geben Somit sind die Einflsse von
Kontextfaktoren fr den Einzelfall zu analysieren und die
Con-trolling-Organisation ist unternehmensspezifisch festzulegen
Die Fragestellung der Kontextabhngigkeit von Organisationen ist in
der Kontingenztheorie begrndet.49Diese besagt, dass die
organisato-rische Struktur von Unternehmen situativ von Kontingenzfaktoren
abhngig ist Es gilt daher fr Unternehmen herauszufinden, welche
unternehmensexternen oder unternehmensinternen Faktoren Einfluss
auf die organisatorische Gestaltung haben und in welcher Form sich
dieser Einfluss auswirkt Beispielsweise werden als interne
Kontext-faktoren die Unternehmensorganisation, der Fhrungsstil oder die
Unternehmensgrçße herangezogen Als externe Kontextfaktoren sind
beispielsweise der Grad der Umweltturbulenz, die Vorhersehbarkeit
der Kundenanforderungen, die Hufigkeit technologischer
Neuerun-gen oder die Corporate Governance zu nennen.50
Die Kontingenztheorie wurde gerade auch in der
Controlling-Forschung vielfach angewendet und deren Relevanz belegt.51 In
Bezug auf die Kontextabhngigkeit der Gestaltung von
Controlling-Systemen liegt eine Vielzahl an Erkenntnissen vor; fr die
Abhn-gigkeit der, explizit, Controlling-Organisation ist das Feld der
verfgbaren Erkenntnisse allerdings sehr dnn gest Im Folgenden
soll ein kurzer berblick ber ausgewhlte Schlsse der situativen
empirischen Controlling-Forschung gegeben werden, die einen
impliziten Bezug zur organisationalen Gestaltung des Controlling
aufweisen (vgl den berblick in Abb 2) Eine vollstndige
Wrdi-gung kann aus gezeigten Grnden momentan nicht erfolgen
49 Vgl exemplarisch Kieser (2002).
50 Zum Einfluss der Corporate Governance siehe Ausfhrungen von Wald in Kap 3
51 Vgl exemplarisch Chenhall (2003); Otley (1980); Waterhouse; Tiessen (1978).
SituativeAbhngigkeit derControlling-Organisation
Trang 25Organisation des Controlling
Seite 24
nitasilartnzeD/nitasilartnZ
gureisilaoitknF
nitaeleD
nitaizitraP
gureisidrantS
gulietstierA
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n e l b a i r a s g u t l a t s G
tlewmusnmh
So kommt beispielsweise Chapman zu dem Schluss, dass hoheUmweltunsicherheit intensive und hufige Interaktionen zwischendem Management und dem Controlling bedingt, um auf sich
ndernde Rahmenbedingungen reagieren zu kçnnen.53 Strukturellimpliziert das eine grçßtmçgliche Nhe des Controlling zurEntscheidungsinstanz Verfgbare und flexible Informationen undLeistungen kçnnten bei einer rumlichen und prozessualen Tren-Dynamik und
Turbulenz
Trang 26Organisation des Controlling
Seite 25
keiten haben.54 Eine mçgliche Interpretation dieser Ergebnisse
erklrt den Bedarf an standardisierten Ablufen und
Controlling-Produkten mit hohen wettbewerbsgetriebenen
Effizienzanforderun-gen und der Notwendigkeit gleichartiger InformationsgrundlaEffizienzanforderun-gen
im Zeitablauf zur Bewertung von Marktentwicklungen
Zustzlich bleibt aber zu vermuten, dass intensiver Wettbewerb
auch gesteigerten Bedarf nach Flexibilitt in den
Controlling-Pro-zessen und -Inhalten bedingt So wurde in der empirischen
Forschung belegt, dass effektive Organisationen formale Ablufe
mit offenen und flexiblen Kommunikationswegen integrieren
kçnnen.55Ziel ist es somit, die „gesunde Mischung“ zu finden, die
einerseits Effizienz und Kontinuitt wahrt, andererseits auch die in
der dynamischen Umgebung notwendige Flexibilitt ermçglicht
Hier lsst sich zusammenfassend postulieren: so viel
Standardisie-rung wie mçglich, so viel Flexibilitt wie nçtig
n Kontextfaktor „Technologie“
Unter diesem Kontextfaktor wird zusammenfassend die
Komplexi-tt, Variabilitt und funktionsbergreifende Abhngigkeit von
Aufgaben und Prozessen verstanden So haben Daft; Macintosh
gezeigt, dass hohe Analysierbarkeit und Voraussehbarkeit von
Aufgaben und Prozessen zu strkerer Standardisierung derselben
fhren.56Je geringer die Anzahl von charakterisierenden Faktoren
von Prozessen und Aufgaben und je geringer deren
Schwankungs-breite ist, desto hçher ist das Potenzial zur Standardisierbarkeit
Aufgaben (z B die Beurteilung von Investitionsprojekten), die
somit nur von wenigen Einflussfaktoren (z B der Anzahl der
Projekte) abhngen und ggf zustzlich nur einer geringen
Varia-bilitt (z B zwischen 30 und 50 Projekte pro Jahr) unterworfen
sind, bergen hohes Standardisierungspotenzial Einmalige,
kom-plexe oder sehr variable Aufgaben hingegen sind nur in den
seltensten Fllen zu standardisieren
Weiter belegten Lau et al., dass die steigende Komplexitt von
Aufgaben zu einem hçheren Partizipationsgrad fhrt.57So erfordern
komplexere Aufgaben die Involvierung eines grçßeren
Personen-kreises in die Bearbeitung Aufgrund der Vielzahl an
entscheidungs-beeinflussenden Faktoren und begrenzter Kompetenz des Einzelnen
kann das Hinzuziehen nachgeordneter Personen diese Problematik
lçsen Somit birgt der alte Ausspruch „Zwei sehen mehr als einer“
auch in Bezug auf das Controlling etwas Wahrheit in sich
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Auch beeinflusst die Interdependenz zwischen Aufgaben, Prozessenoder Organisationseinheiten die Gestaltung der Controlling-Orga-nisation So legte die Controlling-Forschung einen Zusammenhangzwischen dem Grad der Abhngigkeit und jenem der Formalisierungbzw Standardisierung dar: Je hçher der Abhngigkeitsgrad vonControlling-Ttigkeiten ist, desto geringer fllt die Formalisierungaus.58Wieder sei hier auf die Zahl der charakterisierenden Faktorenhingewiesen So stellt doch die Abhngigkeit von anderen Akteureneinen meist fr den Einzelnen unbeeinflussbaren Faktor dar, der
u a die Vorhersehbarkeit des zeitlichen Anfalls sowie der lichen Ausgestaltung einer Aufgabe beeintrchtigt Eine Standardi-sierung solch variabler Ttigkeiten scheint daher kaum mçglich
inhalt-n Kontextfaktor „Organisationsstruktur“
Eine zentrale Frage in der Kontextabhngigkeit des Controlling istjene, inwiefern sich die Controlling-Organisation an der Unter-nehmensorganisation orientiert Dementsprechend ist an dieserStelle auch der Einfluss der Organisationsstruktur des Unterneh-mens auf jene des Controlling zu thematisieren Es ist zu vermuten,dass die Unternehmensstruktur maßgebliche Implikationen fr dieControlling-Organisation aufweist.59
Die empirische Forschung hat gezeigt, dass dezentralisierte nehmen mehr Wert auf eine Formalisierung der Prozesse undAblufe legen.60Als Begrndung hierfr ist die Notwendigkeit zurzentralen Wahrnehmung einer Richtlinienfunktion nahe liegend.Nur durch eine starke Standardisierung der Ablufe kann daszentrale Controlling einen homogenen Prozessablauf in den dezen-tralen Bereichen oder auch die Anwendung durchgngiger Stan-dards sicherstellen
Unter-Weiter belegt die Studie von Merchant, dass eine zunehmendeFunktionalisierung der Unternehmensorganisation positiven Ein-fluss auf die Formalisierung hat.61Auch hier kann die Argumenta-tion von soeben wieder aufgegriffen werden Die strkere Funk-tionalisierung bedeutet, wie auch die Dezentralisierung, einezunehmende Differenzierung innerhalb des Unternehmens undfhrt zu steigender Komplexitt und Heterogenitt der Bereiche.Die strkere Standardisierung ist hierbei aus Effizienz- und auch
Trang 28Organisation des Controlling
Seite 27
Auch begnstigt steigende Dezentralisierung das Ausmaß an
Par-tizipation.62 Die Vergabe von Aufgaben an „geschftsnahe“
Ein-heiten fordert gerade eine strkere Integration der zentralen und
dezentralen Controlling-Bereiche Um die Durchgngigkeit der
Controlling-Funktion zu gewhrleisten, muss auch das dezentrale
Controlling in bergeordnete Aufgaben integriert sein, mçchte man
eine Loslçsung zentraler Entscheidungsfindung vom „eigentlichen
Geschft“ verhindern
n Kontextfaktor „Unternehmensgrçße“
Dass der Faktor der Unternehmensgrçße in vielen Fllen Einfluss
auf die Controlling-Organisation nimmt, scheint vorhersehbar zu
sein So entstehen viele Facetten einer Organisation erst mit
zunehmender Grçße, wie z B die Bildung eigener Einheiten fr
funktionales Controlling Diesen Sachverhalt konnte auch
Khand-walla belegen, der in seiner Studie einen positiven Zusammenhang
zwischen Grçße und Funktionalisierung festgestellt hat Mit
zuneh-mender Unternehmensgrçße steigt somit der
Funktionalisierungs-grad, sprich die Spezialisierung der Controlling-Einheiten.63
Im Zusammenhang mit der Unternehmensgrçße wurden auch
weitere Strukturvariablen der Controlling-Organisation untersucht
So fçrdert eine steigende Grçße eine zunehmende Formalisierung,
eine strkere Dezentralisierung und eine hçhere Partizipation im
Controlling.64Mit der Unternehmensgrçße steigt auch die Anzahl der
entscheidungsbeeinflussenden Faktoren und damit die vom
Control-ling zu bewltigende Komplexitt Die Standardisierung sichert in
diesem Zusammenhang einen zielgerichteten Ablauf der Prozesse und
trgt somit der Homogenitt der Komplexittsbewltigung Rechnung
Diese Komplexitt entsteht u a durch das Einwirken von Faktoren
auf die operativen Prozesse und kann auch nur dort abgebaut werden
Dies gibt Aufschluss ber den in vergangenen Jahren beobachtbaren
Trend zur strkeren Dezentralisierung des Controlling, nmlich der
Verlagerung der Funktionen „vor Ort“ Auch ein hçherer
Partizipa-tionsgrad lsst sich durch die Notwendigkeit der Einbeziehung von
Kompetenz mit Bezug zum „Tagesgeschft“ erklren
n Kontextfaktor „Strategie“
Die Verbindung zwischen Controlling-Systemen und Strategie
erfreute sich in der Vergangenheit reger Forschungsaktivitt.65Um
62 Vgl Khandwalla (1972); Gul et al (1995).
63 Vgl Khandwalla (1972).
64 Vgl Bruns; Waterhouse (1975); Merchant (1981).
65 Vgl etwa Langfield-Smith (1997), S 207.
Grçße alsSpezialisierungs-faktor
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Seite 28
Strategien mit Controlling-Organisation in Verbindung zu setzen,wird in der Literatur meist der Weg gewhlt, diese in einzelneStrategietypen zu unterscheiden Diese Aggregation ist aufgrund derSpezifitt von Unternehmensstrategien notwendig, sind doch Stra-tegien mindestens so kontextabhngig und einzigartig wie Con-trolling-Organisationen
Die wesentlichen Ergebnisse verschiedener Studien send kann geschlussfolgert werden, dass Strategien, bezogen aufKonservativismus, Verteidigung und Kostenfhrerschaft, grçßereFormalisierung bzw Standardisierung von Controlling-Systemenbedingen Dieses belegt die Notwendigkeit einheitlicher Controlling-Organisation Bei Strategien zur Produktdifferenzierung, Entrepre-neurship und Expansion ergab sich genau Gegenteiliges: Zwischendiesen Strategietypen und der Standardisierung von Controlling-Systemen konnte ein negativer Zusammenhang gezeigt werden.66Sobedingt die Verfolgung solch „offensiver“ Strategien u a wenigerstandardisierte und flexibler ausgerichtete Controlling-Prozesse.Eine allgemeine Interpretation der Ergebnisse fr alle Strategietypenscheint hier schwierig So lsst die grçßere Standardisierung beiVerteidigungs- und Kostenfhrerschaftsstrategien eine Fokussierungauf eine eher dem Effizienzstreben verpflichtete Controlling-Orga-nisation vermuten Hierfr sind standardisierte Ablufe zutrglich
zusammenfas-Ob aber Konservatismus Standardisierung aufgrund von
Kosten-berlegungen bedingt oder auch andere Grnde hierzu ihren Beitragleisten, kann an dieser Stelle nicht abschließend beurteilt werden.Geringere Standardisierungstendenzen bei Expansions- und Pro-duktdifferenzierungsstrategien lassen sich womçglich mit strkerenFlexibilittsanforderungen sowie dem relativen Neuigkeitsgrad vonAufgaben, bezogen auf neue Produkte, Mrkte etc., begrnden
n Kontextfaktor „Kultur“
Die Evaluierung des kulturellen Einflusses auf die Gestaltung derControlling-Organisation stellt sich als schwierig dar So konnte inempirischen Erhebungen und Fallstudien der Zusammenhag zwi-schen nationaler Kultur und dem Design von Controlling-Systemenbelegt werden,67allgemeine Kulturabhngigkeiten lassen sich abernicht formulieren Vielmehr sei hier ein weiteres Mal auf den
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Wie schon eingangs zu diesem Abschnitt angedeutet, kann kein
vollstndiges Bild des Zusammenspiels von Kontextfaktoren und
Gestaltungsvariablen der Controlling-Organisation entworfen
wer-den, zu groß sind hier noch die forschungstheoretischen Lcken
Aufgrund dieser Lcken und der sich weiter dynamisierenden
Umwelt wird die weitere Intensivierung der Forschung im Feld der
Kontextabhngigkeit des Controlling allerdings einen Eckpfeiler der
weiteren Forschungsaktivitten darstellen mssen.68
4 Zusammenfassung und Fazit
Der Themenkomplex „Controlling-Organisation“ ist ein sowohl
unter Effektivitts- und Effizienzgesichtspunkten als auch bezglich
Qualittsaspekten des Controlling hochinteressantes Feld So ist die
Controlling-Organisation ein maßgeblicher Stellhebel zur
zielorien-tierten Ausrichtung und effizienten Gestaltung des Controlling im
Unternehmen In Bezug auf die hohe Bedeutung verwundert es,
dass die Gestaltung von Controlling-Organisationen in der
Litera-tur bisher keine umfassende, explizite Wrdigung erfhrt
Die Organisation des Controlling definiert sich ber
Gestaltungs-faktoren, deren Ausprgung die jeweilige Organisationsform
erge-ben Aufgrund der Vielzahl an Gestaltungsmçglichkeiten kçnnen
allerdings keine Realtypen der Controlling-Organisation
identifi-ziert, sondern nur Varianten der Ausprgung der einzelnen
Fak-toren, welche die Organisation charakterisieren, aufgezeigt werden
Der Beitrag hat gezeigt, dass die Gestaltung der
Controlling-Orga-nisation von internen und externen Kontextfaktoren sowie weiteren
prgenden Gestaltungsvariablen abhngig ist Jede Organisation
befindet sich in einem situativ spezifischen Kontext und muss in
einem „Fit“ zu diesen Einflssen ausgestaltet werden Es kann somit
keinen „one best way“ geben, der fr alle Unternehmen Gltigkeit
besitzt Vielmehr ist die Controlling-Organisation in ihrer
Aus-prgung unternehmensspezifisch, das Lernen von Unternehmen,
die sich in einem hnlichen Kontext bewegen, birgt aus heutiger
Sicht das grçßte Potenzial Dieser Herausgeberband wird in
weiterer Folge Unternehmensbeispiele aus unterschiedlichsten
Kon-texten aufzeigen, welche die maßgeblichen Einflussfaktoren auf die
Controlling-Organisation erahnen lassen und die Reaktionen der
Unternehmen darauf darlegen Und gerade aus der Verbindung von
Einfluss und organisatorischer Reaktion ist es dem Leser mçglich,
68 Vgl Chenhall (2003), S 154 f Der Aspekt der Controlling-Organisation in
Unternehmensnetzwerken wird im Beitrag von Horvth; Seiter in Kap 3
aufgegriffen.
„Fit“ zwischenKontext undGestaltung
Trang 31Organisation des Controlling
Seite 30
eine wirkungsvolle Controlling-Organisation zu erkennen Ist dasUnternehmen auch noch wirtschaftlich erfolgreich, hat das Con-trolling wohl seine Aufgabe erfllt
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Trang 34n Einen ersten Beitrag zur Beantwortung dieser Fragen fr die eigene
Organisation kçnnen Benchmarks und Best Practices anderer Unternehmenliefern Als Orientierung ermçglichen sie eine Positionsbestimmung undstellen die wesentlichen Handlungsfelder heraus
n Aufgrund des Mangels an umfassenden Benchmarks zur nisation soll der folgende Beitrag auf Basis von drei ausgewhlten Studieneinen berblick ber empirisch erhobene Daten zur Controlling-Organisa-tion geben ber die Betrachtung wichtiger Gestaltungsfaktoren der Con-trolling-Organisation werden Erkenntnisse und Trends fr deren effektiveAusgestaltung dargestellt
1 Einleitung 34
2 Steuerungsmodell und Fhrungsanspruch des Managements
als wesentliche Einflussfaktoren 36
3 Gestaltungsfaktoren einer Controlling-Organisation 393.1 Verankerung im Unternehmen 393.2 Aufgabenfelder des Controlling 483.3 Aufbau des Controlling-Bereichs 493.4 Controlling-Ressourcen 51
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Seite 34
1 EinleitungDie Frage nach der fr sein Unternehmen richtigen Controlling-Organisation und den dazu passenden Controlling-Ressourcenbeschftigt jeden CFO und kaufmnnischen Leiter Ist der Mix auszentralen und dezentralen Controllern der richtige? Ist die Fhrunginnerhalb des Controlling mit der „Dotted Line“ wirklich ideal?Habe ich die Erfolg versprechenden Qualifikationen an Bord?Einen ersten Beitrag zur Beantwortung dieser Fragen in der eigenenOrganisation kçnnen Benchmarks und Best Practices andererUnternehmen liefern Als Orientierung ermçglichen sie eine Positi-onsbestimmung und stellen die wesentlichen Handlungsfelderheraus Allerdings sind aussagekrftige quantitative und qualitativeBenchmarks zum Thema Controlling-Organisation in der deutschenTheorie und Praxis noch ein sehr exklusives Gut Die expliziteBehandlung des Themas Controlling-Organisation erscheint auf-grund des Mangels an Literaturquellen und Studien nahezu bedeu-tungslos Wenige deutschsprachige Verçffentlichungen beschftigensich konzentriert mit dem Sachverhalt der Controlling-Organisation.Detaillierung und Genauigkeit sowie empirische Erkenntnisse blei-ben somit oft auf der Strecke Auch bisher durchgefhrte empirischeStudien geben wenig Anhaltspunkte zur Controlling-Organisationund zum Einfluss von Faktoren auf die Organisationsgestaltung.1Der folgende Beitrag soll auf Basis von drei durchgefhrten Studieneinen berblick ber die in diesen Studien erhobenen Daten zurControlling-Organisation geben Ziel dieser Studien war, dieAusprgungen der Controlling-Organisation in den befragtenUnternehmen zu ermitteln und auf wichtige Erkenntnisse bei derGestaltung zu schließen Zum Status quo der organisatorischenGestaltung und Verankerung des Controlling in deutschen Unter-nehmen werden zum einen empirische Erkenntnisse des Horvth &Partners CFO-Panels2diskutiert und an Best-Practice-Hypothesenfr Controlling-Organisationen gespiegelt Zum anderen liefern die
Trang 36Empirische Erkenntnisse
Seite 35
Studien „Controllerorganisation in deutschen Unternehmen“3 von
Weber, Hunold, Prenzler und Thust sowie „Controlling 2006 – Stand
und Perspektiven“4von Weber et al weitere relevante Ansatzpunkte
Als Rahmen fr die Diskussion der verschiedenen
Studienergeb-nisse dienen einerseits zwei wesentliche Einflussfaktoren auf die
Gestaltung von Controlling-Organisationen Dabei handelt es sich
um die Ausgestaltung des Steuerungsmodells der Organisation
sowie um den Fhrungsanspruch des Managements im Rahmen
des Steuerungsmodells Anderseits untersttzen vier wesentliche
Gestaltungsfaktoren fr eine Controlling-Organisation bei der
Strukturierung der folgenden Diskussion: die Verankerung der
Controlling-Organisation in der Gesamtorganisation, die
Auf-gabenfelder der Controlling-Organisation, der Aufbau des
Con-trolling-Bereichs und die Ausstattung der Controlling-Organisation
mit Ressourcen Abbildung 1 gibt einen berblick ber diese sechs
Abb 1: Einfluss- und Gestaltungsfaktoren fr die Controlling-Organisation
3 „Controllerorganisation in deutschen Unternehmen“ beschreibt Erkenntnisse
einer empirischen Studie in den großen deutschen Unternehmen und stellt die
Verbindung zwischen Theorie und Praxis her Dabei wird auf Unterschiede der
Controller-Organisation in Abhngigkeit von verschiedenen Fhrungskonzepten
eingegangen.
4 Die Studie wurde in Zusammenarbeit des Internationalen Controllervereins (ICV)
mit dem Lehrstuhl fr Controlling & Telekommunikation der WHU – Otto
Beisheim School of Management durchgefhrt Die Studie stellt die Ergebnisse
einer Befragung im Frhjahr 2006 von 3.758 Mitgliedern des Internationalen
Controllervereins dar, wobei 618 vollstndige Antworten ausgewertet werden
konnten Ziel der Studie ist es, den Status quo und die zuknftigen Perspektiven
der Arbeit von Controllern darzustellen und kritisch zu bewerten.
Einfluss- undGestaltungs-faktoren
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Seite 36
2 Steuerungsmodell und Fhrungsanspruch des Managements als wesentliche Einflussfaktoren
Welche Parameter bestimmen eine optimale tion? Bevor Themen wie die disziplinarische Verankerung oder dieRessourcenausstattung einer Controlling-Organisation diskutiertwerden, sollte die grundstzliche Frage nach der Funktion desControlling im Unternehmen, insbesondere fr das Managementder verschiedenen Hierarchieebenen, gestellt werden
Controlling-Organisa-Das Steuerungsmodell des Managements und der anspruch der obersten Managementebene (Vorstand, Geschfts-fhrung oder Holding einer Unternehmensgruppe) in Richtung derweiteren Managementebenen (Geschftsbereichsleitung, Abtei-lungsleitung oder Geschftsfhrung von Tochtergesellschaften)sind ausschlaggebend fr die Funktion des Controlling und damitfr seine Rolle an den Schnittstellen der Unternehmensfhrung.Das Steuerungsmodell des Unternehmens ist der primre Einfluss-faktor fr die grundstzliche aufbauorganisatorische Ausrichtungdes Controlling-Bereichs im Unternehmen Best-Practice-Control-ling-Organisationen folgen an der Schnittstelle von Management-ebenen i d R der zweiten Fhrungsebene wie z B den Regionen,den Geschftsbereichen oder auch den Produkten Die Spiegelungder Controlling-Organisation an dem Steuerungsmodell der Ge-samtorganisation ist erfolgsentscheidend fr die Wirksamkeit desControlling Dieses wird im Abschnitt „Aufbau des Controlling-Bereichs“ weiter diskutiert
Fhrungs-Aus dem Fhrungsanspruch des Managements lsst sich die Rolledes Controlling innerhalb der Gesamtorganisation ableiten unddaraus die passende Controlling-Organisation entwickeln Erstwenn klar ist, welche Interessen das Controlling im Gesamtunter-nehmen primr zu vertreten hat, kçnnen die weiteren Gestaltungs-parameter der Controlling-Organisation ausgeprgt werden.Die folgende Darstellung verdeutlicht beispielhaft die unterschied-
Steuerungs-modell
Fhrungs-anspruch
Trang 38Empirische Erkenntnisse
Seite 37
Finanz- Holding Finanz- Holding
Rolle der Holding
Grad der Ein- flussnahme
Gestaltung des Beteili- gungsport- folios
Abb 2: Fhrungsanspruch einer Holding und Grade der
Ein-flussnahme auf Managemententscheidungen
Trang 40Empirische Erkenntnisse
Seite 39
Weber baut in seiner empirischen Untersuchung
„Controllerorga-nisation in deutschen Unternehmen“6eine nachvollziehbare Brcke
vom Fhrungsanspruch des Managements zur Ausgestaltung der
untersuchten Controlling-Organisation Abbildung 3 zeigt ein
wesentliches Ergebnis der Studie
Bei der Diskussion der Gestaltungsfaktoren einer
Controlling-Or-ganisation sollte die Rolle der beiden wesentlichen Einflussfaktoren
Steuerungsmodell und Fhrungsanspruch immer bercksichtigt
werden Die Gestaltungsfaktoren werden im Folgenden vor dem
Hintergrund aktueller empirischer Studienergebnisse und
Entwick-lungen in der Unternehmenspraxis nher betrachtet
3 Gestaltungsfaktoren einer
Controlling-Organisation
3.1 Verankerung im Unternehmen
Die Verankerung des Controlling-Bereichs in der
Organisations-struktur ist wesentlicher Gestaltungsfaktor der
Controlling-Organi-sation Die gewnscht hohe Effizienz und Effektivitt des Controlling
ist nur bei einer optimalen Einbettung in die
Gesamtorganisations-struktur des Unternehmens und einer klaren Schnittstellendefinition
zu gewhrleisten Als wesentliche Gestaltungsfaktoren zur
Veranke-rung der Controlling-Organisation werden die Ressortzuordnung
und Fhrungsebene sowie die fachliche und disziplinarische
Ver-ankerung betrachtet
n Ressortzuordnung und Fhrungsebene
Bei 72 % der im Rahmen des Horvth & Partners CFO-Panels
befragten Unternehmen ist das Controlling dem Ressort des CFO
(Chief Financial Officer) bzw dem kaufmnnischen
Geschfts-fhrer zugeordnet 22 % der Unternehmen haben das Controlling
dem CEO unterstellt und lediglich 6 % verfolgen eine Einordnung
in sonstige Bereiche Als zentraler Grund fr die Zuordnung zum
CFO gilt die Zielsetzung, die kaufmnnischen Ressourcen in einem
Ressort zu bndeln Kurze Kommunikations- und
Entscheidungs-pfade sowie entsprechende Synergiepotenziale kçnnen auf diese
Weise realisiert werden Die Angleichung von internem und
externem Rechnungswesen aufgrund der Anwendung
internationa-ler Rechnungslegungsstandards, wie IFRS oder auch US-GAAP,7
6 Vgl Weber et al (2001).
7 Siehe hierzu auch den Beitrag von Hofmann; Munz in Kapitel 3 dieses Buches.
OptimaleEinbettung
Zuordnung zumCFO