Als ich dies Kleine Buch geendet ‘An das ich manche Mib' verschwendet, ‘Da schaut' ich wohl viel heitre Mienen, "Doch hat mir Keiter nicht geschienen, Dass man’s ftir Spass nur wollte ne
Trang 1
Rarbard College Librarp
MUSI
Trang 2Harvard College Library
ˆ Apr.B, 181
By Hxohange
Trang 4DIE LEHRE
von der
HARMONIA
lustige Reimlein gebracht,
mit serieusen Exemplis und Auigaben ausgeatattet
und denen eifrigen Schilern zur Stirkung des Gedachtnisses eindringlich empfoblen
Felix Draeseke
3 vermehite Anfage
Preis gebunden 3 Mark
Leiprig, Petersburg u Moskau
Jul Heinr, Zimmermann
3887
Trang 5Als ich dies Kleine Buch geendet
‘An das ich manche Mib' verschwendet,
‘Da schaut' ich wohl viel heitre Mienen,
"Doch hat mir Keiter nicht geschienen, Dass man’s ftir Spass nur wollte nehmen, Sich niemand mochte gern bequ:men, Den ernsten Inhalt aufzusptiren,
Det Euch zur Klarheit sollte fhren,
Ob sich in Verse alles Kleidet,
Ist von dem Noth’gen nichts vergessen,
Zu lebren alles Each vermessen
Dorit’ ich mich kiihnlich, denn es meidet Mein Buchlein nur unndth’ge Last, Die jedem nicht zu tragen, passt,
Drum, dass des Ernstes ich befissen, Das Zevgniss sollet Thr nicht missen! Ich speod’ Exempla Euch, serieuse, Damit vor kund’ger Hand die bose Unthat entifiehen mog’, mit List
Ihr jede Quint m meiden wisst,
Die Sept auch deticat behandelt,
Und weit ab von dem Querstand wandelt
afer
Trang 6‘Lang liess ich’s ungesagt mir bleiben,
Zu ander Zielen wollte treiben
Mein Geist, — Doch sich’, was Du gefordert Jetzt vor Dir, Anders nwar gestaltet,
Als Du gehofft, doch Fatum waltet
Auch tiber Bucher Drum vergieb,
Wenn Verskunst mir vor Prosa lieb,
Und ich in Reimen niederschrieb,
‘Was ohne solche abzuhandetn,
Mich mochte keine Lust anwandeln,
Trang 7Vorwort
Gar trocken ist die ‘Theorie,
Drum meidet mancher ginzlich sie, Hat doch Erfolg, umd weiss nicht, wie? Zwar solches Thun ist nicht gediegen, Die Liicken bleiben nicht verschwiegen, Faulheit muss schliesslich unterliegen! Doch kommt bei alldem Klar 20 Tag, Nicht immer nur am Schiler lag
Die schwere Schuld die er verbrach, Des Lemens Schwierigkeft zu mindern Soll nie den Lehrer man verhinder Gar manches Herbe lisst sich lindem Und sei der Unterricht auch strenge Qual’ er uns doch nicht durch die Menge Der Regeln und durch Ueberkinge
So kam es, dass die ‘Trockenbeit
Zu scheuchen, die ja Jeder scheut, Ich mich der Poesie geweiht
Trang 8— Vi —
Die Lehre von den Harmonieen
Gereimt sich dir vortiberziehen,
Dass dein Geddchtniss nie mig’ flichen,
Was du an Wissen aulgebabrt,
Denn dieses ist der Verse Art,
‘Dass gem Erinn'rang sie bewahrt
Dresden, im April 1883
Der Verfasser
Trang 9Inhaltsverzeichniss
A, Abwirisbildung des Dreiklaugs 8, 7, § 10, Abwarusehveltea der Septine 8 70°71, § 184 155
‘Rowartscbreiten dey Vorbate §, 74 78, § 190 19
Amol 8 St
Dreiblinge der Touart S BL 32 $4, § 50 57 58 68 62 Sepiuenaccorde dev Touaet 8 78 BÉ $7 04—08, § 119 Modslationen you Amol! aur &, 165—172
‘Avilosungeo des (Quartestaccordes S 1, § 73
‘Acfiosuygen ses Septimeuaccordes 8 T6, § 12k
‘Auflisungen der Domioantseptine 8 78, § 123 ewobslicke 8 71, § 117,
Sustergenohaliche $ 99 100- 104, § 186 107
‘Aufisungen des Accordes der 7 Stafe S.'88, § 196,
‘Auftéouagen dee verminderten Seplimensceordes 8 8—87,
‘Autwirtstcheciten Hes Vortultes 8 180, § 217
‘Autwartsschreiten der Seplime 8 85, $150,
5 Hasmote 8 38, § 67 Behandlung der Septine 8 16 7T, § 124 123
Behandlung des Vorkales 8 74 15, § 120 181
Betlmne S4 § 4
Beethoven E, 133 148, § 220
Besiferang der Dreiktiage 8, 61, $ 100,
Beziferang der Dreielangsuiokelturgen Š, lồ, § 20, Beaiferang der Septinenaccorde S78, § 133,
esifierung der Vierklangsomlechraogen $ 79, 8 J82—134, Besiferuog der bermissigen Accurte 8 116 117, § 199-201 Beaiferaog det Yoshalte 8 130, § 216
Beuiferung des Orgelpuakies 8, 136, § 228
Bild der Tosarien Moll-Tur & 7, § 1h,
Trang 10— vm —
Bild der Topart Dur 8 16 9, § 27 14
Bld der Tooart Molt B 10, § lốc
Drciblinge der Tonart 8 20 21
Sepimeiaeeorde der Tonar 8, 89, § 148,
Modglaloaen von Cur avs 8, 142-157,
Binheit des Tones 8 4 § 4
Binheit des Dreiange 8-4, § 5
Binbelt der Touart 8 7, § 11
‘Enharmonische Verwechselungen B, 163 172, § 261 272
Freie Harmoniewah! mit gegebeaem Basse 8, 122—126
Frele Harmoniewahl mit gegebener Melodie 8 127
Trang 11
4
3) AD Freier Bintrilt der Septime 8 70, § 105 16
Flnfstiminiger Sate § Lữ7, § 279-281
G (Quinte) 5 4, §
Gecenats 8 49°
Geyenbewsgung § 23 24, § 42
Grenzen der Tonart 8 7, § 11
âm bergreifendén System -S 109 110, § 186 187, Harmanie 8 , § 8,
Marmonische Intervalle 8 65, § 10,
Hauptmann 8, 7 05, § 10 108
Herabgehen der Septime 8, 76 77, § 184 18B,
Horabgehen ves Vorbalts 8 74 75, 8 120
Jovariable Tatervalle 8 88, § 67
Kette der Nebenseptimensecorde In Dur 8 83—98,
Katte der Neveuseplimensccorde in Moll 8, 97, § 163
Leltereigene ‘Tine 8 Tô, § 26
Lelteveigene Dreildange 8 15—19
Leitetoa 8, 15, § 2
Licyenbleiben det Sủmme 8, 10 11, § 16
Ticgenbleiben der Septime 8 99, §°167
‘Modulation von anderen Tönen ae 8, 157104,
Modulation vou Amoll aus S 164—172
Trang 12— = Nonenaccord, grosser 8, 180, § 38-998,
Seplimensccord der Domisante § 68 69, § 111 113,
Septiwenaeeord det 7, Stufe 8 81, § 135
Septimenscsord der 2, Stufe B 73, 9 127
Septimensceord, verminderter Si, § 140,
Seplimenacsord der 1, und 3, Stafe'ia Moll S, 94, § 157-163 Nebenseplimensecorde $ Bộ 08 87, 8 104
Trang 13Verdoppelang des Grundtoncs 8, 5 88, § 6 Ái
Verdoppeling bel Dreiklaagen 8 98, § 41
Venioppelung bet Takehrungen 8 30-40 41, § 69 70 71 Veroinderte Quiate 8 18, § 32 Vermindeter Dreklang 8 18 10,31 92 90, 9,87 68 88
Verminderter Septimenaccord §, &—87, § 1
Trang 14— XU — Vorhaltsbehandlung S, 128, § 218215,
Vorbercituny der Seplime 8,12, § 208
+ Worbeceitung des Vorhally $138, '§ 25,
W Weehselnoten S184 185, § 294 204
Z.- ƒwelhdit 8.4 § 5 ‘weistinmiger Satz 8, 175 176, § 274
Fehler und Errata
Zam F (nicht C) ein A ete 8 9, 7 Zlle vom het
Daeachiee stat Vilinhtissel S 12, leites Berspieh
Deon state den 8 14, 8 Zeile won unten 6, atalts date E-G 8, 36, 1 Zeile von oben,
Pracceptor atatt Prascepter 8 60, 1 Zelle vo0 unten Yor g stat vớt h 8, BÚ, rset Tact,
ach: inhi peinden” ist der Buskt a ateichen $ 11d, 1, Z6le ‘on unten,
Herlchhet (estate a) 8 199, 15 Zee von unten
4m vorletzten Tacte fehlt das p vor E 8 155
Im tweiten Tacte fit for © 8, 1ST
Tim swelen Tacte Felt p vor D 8.168,
Tuy rate Noteabelsiel Eull man sich vor § 18 eset denken, (ache Zeten her) B12
Trang 15Aufgaben zur Lehre von der Harmoni
Trang 17
(Cap tr) gebraucht
Trang 18Dreiklange und Umkehrungen der Molltonart
(Trugschluss Cap to umd tạ)
Trang 191
Vị Vierklange Dominantenverbindungen, Quintsextaccord đer z.,
Secundaccord der 5 Stufe, Dominant-Septimenaccord,
(Cap 17,
Trang 23(Cap, 21.)
Septimenaccord auf der 7 Stufe
'Verminderter Septimenaccord (7 Stufe in Moll), (Cap 21.)
Trang 25„
Trang 26xt
Ungewöhnliche Septimenaufiösungen
Trang 2915 XIV Uebermissiger Quintsextaccord,
NB, Falls diesem Accorde nicht det Quartuextaccord der Toniew sondern sofort die Dominaate folgt, ist đarauf su sehen, dase Quarles, sieht Quintenfolyen eintreten
4
of
a
Trang 30
Aufzulésende Accorde (Nach dem 26 Cap.)
Nach jedem Accord ist cin leerer Tact fir die Auflésung
zu setzen, Als Auflosung ist womdglich stets eine Consonanz
zu setzen
Trang 31
2
Trang 33
Seat Vorhaltsheispiele Man unterscheidet wohl zwischen
ge und}
aq Ube ge de ge ge oP EM ag
Trang 34— a2 — xiv
Orgelpunkt (Cap 29.) Vom Schiiler zu beaifem
Trang 35Beziiarter Orgelpunkt auscufihren,
Frei¢ Harmonie zu finden,
Diese Beispiele sind nach Belieben des Lebrers, entweder erst jetst, oder auch schon friiber 2u verwenden
I Zu Bassen, (Dreiklinge und Sextaccorde hauptsichlich
zu yerwenden, Die Quartsextaccorde meist in det Cadenz, sọ- wie dic zur Cadenz gehorigen Septimenaccorde.)
Trang 37=
Die Nebenseptimenaccorde der Dur- und Molitonleiter sind mit zu verwenden (besonders als Quintsext- und Secundaecorde),
Trang 38
Hammonicn su B8asen Verwendung von Accorden des
libergreifenden Systems; Modulationen,
Trang 40
Sprũnge, Grỏssere melodische
Trang 411
iL
Modulationsaufgaben
Von Esdur nach As, Bdur, fg, cmoll
Vou Edur nach A, Hdur, fis, gis, cismoll,
Von Adur nach Cis, F, C, Fisdar
Yon Asdur nach C, Fes, Ces, Fdur,
Als Anhang mittelst Trugschlusses nach den Paralleiton- arten, also:
Von Adur nach ais, d, dismoll,
Von Asdur nach a, as, dmoll,
NB Im ersten Falle amoll weggelassen, da man vom selben Dur ins selbe moll und vice versa nicht modulirt,
im aweiten Falle des moll, weil ungebrtuchlich,
Trang 42Desdur nach Gdur, emoll,
Gdur nach Cisdur, aismoll
Asddr nach Gesdur, esmoll,
Hdur nach Adsr, Ssmoil
Daur nach As, Desdur, f bmoll
Fdur nach Ces, Fesdur, asmoll,
Fisdur nach C, Féur, a, dmoll
Amoll nach B,C, D, E, F, Gdur Hmoll nach C, D, E, Fis, G, Adar Dismoll nach E, Fis, Gis, Ais, H, Cisdur, Gmoll nach As, B, C, D, Es, Fdur, Bmoll nach Ces, Des, Es, F, Ges, Asdur Fismoll nach C, F, B, Esdur,
Fismoll nach c, g, d, amoll
Fmoll nach G, D, A, Hur
Fmoll nach gis, fish, emolt,
Asmoll nach C, G, D, Adur
Aemoll nach 5, h, ¢, amoll
Gismoll nach C, F, B, Esdur
Gismoll nach ¢, g, d, amoll,
Edur nach Es, As, Des, Gesdur
Edur nach es, b, f, cmoll
Asdur nach E, H, Fis, Chu,
Asdur nach ais, dis, gis, cismoll
Cisdur nach Es, As, Des, Gesdur
Asmoll nach cis, gis, dis, aismoll,
Trang 43Erstes Buch
Voa Dreillingen lehet dieser Buch Unbebrungen, Cadeaz; von Log- Uad Trag-echlass overt dù gemug
Trang 44Erstes Capitel
1, Horst đu zueret ‘nen Ton allein, Und willst damit 2uftieden sein,
So sparst đu spAler grosse Pein
Doch katim zur Melodie geniigt
Dies Wenn nichts Neues sich anfigt,
So wirst du leichtlich missvergndgt,
Wenn Téne nach einander schallen,
Jn Linien auf und abwarts wallen,
Witd Melodie dir wohl gefallen,
Durch Harmonie bist du entztickt,
Der Vierklang such dich Hoch beghickt
Trang 45
ty
Nun merke, dass cin tiefer Ton,
(MAltst OrgeLPedal du, mein Sohn.)
In voller Jugendkraft und Schéine
Exzeugt sehr viele Obertine,
Der Obertine reiche Zahl
Bereit? wns njeht zu grosse Qual
Denn von den vier, flinf ersten man
Schon manches Nee Jemen kann
4 Wenn erst das grosse C etklang
So brauchst du nicht a suchen lang,
Und die Octave siehst da winken,
Sie wird Bestatigung dir diinken,
Des Tones, den du itzt gehort
Die Kinheit ist noch nicht gestort
Octave,
Grundton,
§- Doch nun erschallt ein neuer Ton
Es spricht die Quint der Einheit Hohn,
Und will uns scheinen gegensitatich
Zwar siehet ein fernres C du plétzlich,
Doch dieses schafit den Gegensatz
t yon dem eingenomm'nen Platz
Da naht die Terz, das holde E
Und schafft ein Ende jedem Web,
Vermittelnd wirkt sie voller Feinheit
Und zeugt des Dreiklangs héhre Binheit
Trang 46Tere
ave Quinte, ONE
TT Grusdion, § Tông (jmal G, imal G, mal E),
6 Bemerke wobl, du hirst fiinf Tone, Durch sie erklingt in voller Schéne Die allerbeste Consonanz,
Entdcket dích mit ihrem Glanz,
Dreimal siehst du das (© vertreten,
‘Nar einmal ist die Quint von Néthen, Sowie die Terz, dess hab’ wohl Acht,
Da spiter dessen wird gedacht,
Dreillang mit dreifachem Grandton,
7 Willst da den Dreiklang-nnn erblicken, Wie er auls Nothige beschrinkt,
Dich etwas minder wird entzicken,
Sei héher noch dein Blick gelenkt
Zu den erwahlten Tonen fige
Die zweite Quinte G hinzu,
In Ton: drei, vier, fiinf, schauest Du, Was deinen Winschen woh! geniige Det Dreikiang C-E-G dich grisst,
Grundton und Quint die Tere umschliesst Drei Tone nur hort itet dein Obr,
So stellt sich dir der Dreiklang vor
Trang 47=.& = Zweites Capitel
Von vollster Consonanz umgeben
‘Magst du in Gotterwonne schweben,
Doch wird dieselbe Harmonie
Horst du sie tiglich, spit und Fh,
‘Mit Langeweile dich’ umweben,
Es ward dit der Nachahmungstrieb
Werd! sein bewusst und ihn zu Lieb!
Bedenke wie du neues finest —
8, Wenn du des Dreiklangs Art ergriindet,
So siebst du dass die Quinte rein,
Die ‘Terz muss gross gestaltet sein
Dreiktang- Bixee To
War G der Gegensatz su C,
So steig’ von dort aus in die Hoh’,
Die reine Quinte D schau' da,
Als grosse Terz vorstelit sich H
Und G-H-D als never Dreiklang
'Vergnilet dich cine kleine Zeit lang,
Nur merke dass sich schaffet Platz
Auf’s Neue hier der Gegensate, —
Der neue Dreiklang stort die Ruhe
Des ersten, Also auf die Schuhe
Mach dich, dea dritten aufzufinden,
Dem beide freudig sich verbinden
Dann aber Leser spitz’ dein Ohr!
Jetzt kommt was Interessantes vor
Trang 48anh
to Du denkst, dass dich beim Abwirtsschreiten
Zu Gleichart'gem dein Trieb werd' leiten
Allein, mein Lieber, weit gefehlt!
Die Quint zu finden, uns nicht qual
Von C abwarts ist E zu schauen,
Die grosse Tere doch, dir wird graven,
Von C abwärs ist As, nicht A,
Haha, mein Sohn, wie wird dir da?
‘Nachgeshmlet Dteiklaog, abwarts construire,
Bémerke dass in der Musik
Ganz so, wie in der Mathematik,
Wo manche Rechnung nicht will passen,
Wenn du mit Null dich eingelassen,
Aufwirts und abvarts, gleich nicht ganz
Zwar F-As-C ist Consonanz
Doch Moll-Accord, und wirkt passiy
So sprach schon Hauptmann einst sehr tief
11, Bedenke wohl nun, dass inmitten
Der erst gefindne Dreiklang liegt
Von beidlen andem Lass dich bitten
Zu merken, wie auch hier sich’s figt,
Dass alle Zweiheit ist geschwunden
Za hôher Einheit sind verbunden
Der drei Dreikiănge Hermonien
Hieraus die Tonart will erbiuho,