Was nun auch für die Sache und für die Form derWissenschaft bereits in sonstiger Rücksicht gesche-hen sein mag, – die logische Wissenschaft, welche dieeigentliche Metaphysik oder reine s
Trang 1Georg Wilhelm Friedrich Hegel
Wissenschaft der Logik
Trang 2Vorrede zur ersten Ausgabe
Vorrede zur zweiten Ausgabe
Einleitung Erstes Buch: Die Lehre vom Sein Womit muß der Anfang der Wissenschaft gemacht werden
Allgemeine Einteilung des Seins
Erster Abschnitt: Bestimmtheit (Qualität)
Erstes Kapitel: Sein Zweites Kapitel: Das Dasein Drittes Kapitel: Das Fürsichsein
A Das Fürsichsein als solches
B Eins und Vieles
C Repulsion und Attraktion
a Ausschließen des Eins
b Das eine Eins der Attraktion
c Die Beziehung der Repulsion und Attraktion Zweiter Abschnitt: Die Größe (Quantität)
Erstes Kapitel: Die Quantität
B Kontinuierliche und diskrete Größe
C Begrenzung der Quantität
Zweites Kapitel: Quantum
A Die Zahl
B Extensives und intensives Quantum
C Die quantitative Unendlichkeit
Drittes Kapitel: Das quantitative Verhältnis
A Das direkte Verhältnis
B Das umgekehrte Verhältnis
C Potenzenverhältnis Dritter Abschnitt: Das Maß
Erstes Kapitel: Die spezifische Quantität
Zweites Kapitel: Das reale Maß Drittes Kapitel: Das Werden des Wesens
A Die absolute Indifferenz
B Indifferenz als umgekehrtes Verhältnis ihrer Faktoren
C Übergang in das Wesen Zweites Buch Die Lehre vom Wesen
Erster Abschnitt: Das Wesen als Reflexion in ihm selbst
Erstes Kapitel: Der Schein
A Das Wesentliche und das Unwesentliche
B Der Schein
C Die Reflexion
1 Die setzende Reflexion
2 Die äußere Reflexion
3 Die bestimmende Reflexion Zweites Kapitel: Die Wesenheiten oder die Reflexionsbestimmungen Drittes Kapitel: Der Grund
A Der absolute Grund
B Der bestimmte Grund
C Die Bedingung
a Das relativ Unbedingte
b Das absolute Unbedingte
c Hervorgang der Sache in die Existenz Zweiter Abschnitt: Die Erscheinung
Erstes Kapitel: Die Existenz
A Das Ding und seine Eigenschaften
a Ding-an-sich und Existenz
b Die Eigenschaft
c Die Wechselwirkung der Dinge
B Das Bestehen des Dings aus Materien
C Die Auflösung des Dings Zweites Kapitel: Die Erscheinung
A Das Gesetz der Erscheinung
B Die erscheinende und die an sich seiende Welt
C Auflösung der Erscheinung
A Das Verhältnis des Ganzen und der Teile
B Das Verhältnis der Kraft und ihrer Äußerung
a Das Bedingtsein der Kraft
b Die Sollizitation der Kraft
c Die Unendlichkeit der Kraft
C Verhältnis des Äußeren und Inneren Dritter Abschnitt: Die Wirklichkeit
Erstes Kapitel: Das Absolute
Trang 3Einteilung Erster Abschnitt: Die Subjektivität
Zweiter Abschnitt: Die Objektivität
Dritter Abschnitt: Die Idee
Erstes Kapitel: Das Leben Zweites Kapitel: Die Idee des Erkennens
A Die Idee des Wahren
B Die Idee des Guten Drittes Kapitel: Die absolute Idee
Fußnoten
Trang 4Erster Teil Die objektive Logik Vorrede zur ersten Ausgabe
Die völlige Umänderung, welche die sche Denkweise seit etwa fünfundzwanzig Jahrenunter uns erlitten, der höhere Standpunkt, den dasSelbstbewußtsein des Geistes in dieser Zeitperiodeüber sich erreicht hat, hat bisher noch wenig Einfluß
philosophi-auf die Gestalt der Logik gehabt.
Dasjenige, was vor diesem Zeitraum Metaphysikhieß, ist sozusagen mit Stumpf und Stiel ausgerottetworden und aus der Reihe der Wissenschaften ver-schwunden Wo lassen oder wo dürfen sich Laute dervormaligen Ontologie, der rationellen Psychologie,der Kosmologie oder selbst gar der vormaligen natür-lichen Theologie noch vernehmen lassen? Untersu-chungen, zum Beispiel über Immaterialität der Seele,über die medianischen und die Endursachen, wo soll-ten sie noch ein Interesse finden? Auch die sonstigenBeweise vom Dasein Gottes werden nur historischoder zum Behufe der Erbauung und Gemütserhebungangeführt Es ist dies ein Faktum, daß das Interesseteils am Inhalte, teils an der Form der vormaligen Me-
Trang 5taphysik, teils an beiden zugleich verloren ist Somerkwürdig es ist, wenn einem Volke z.B die Wis-senschaft seines Staatsrechts, wenn ihm seine Gesin-nungen, seine sittlichen Gewohnheiten und Tugendenunbrauchbar geworden sind, so merkwürdig ist es we-nigstens, wenn ein Volk seine Metaphysik verliert,wenn der mit seinem reinen Wesen sich beschäftigen-
de Geist kein wirkliches Dasein mehr in demselbenhat
Die exoterische Lehre der Kantischen
Philoso-phie – daß der Verstand die Erfahrung nicht
über-fliegen dürfe, sonst werde das Erkenntnisvermögen theoretische Vernunft, welche für sich nichts als Hirngespinste gebäre – hat es von der wissenschaftli-
chen Seite gerechtfertigt, dem spekulativen Denken zuentsagen Dieser populären Lehre kam das Geschreider modernen Pädagogik, die Not der Zeiten, die denBlick auf das unmittelbare Bedürfnis richtet, entge-gen, daß, wie für die Erkenntnis die Erfahrung dasErste, so für die Geschicklichkeit im öffentlichen undPrivatleben theoretische Einsicht sogar schädlich undÜbung und praktische Bildung überhaupt das We-sentliche, allein Förderliche sei – Indem so die Wis-senschaft und der gemeine Menschenverstand sich indie Hände arbeiteten, den Untergang der Metaphysik
zu bewirken, so schien das sonderbare Schauspiel
herbeigeführt zu werden, ein gebildetes Volk ohne
Trang 6Metaphysik zu sehen, – wie einen sonst mannigfaltig
ausgeschmückten Tempel ohne Allerheiligstes – DieTheologie, welche in früheren Zeiten die Bewahrerinder spekulativen Mysterien und der obzwar abhängi-gen Metaphysik war, hatte diese Wissenschaft gegenGefühle, gegen das Praktisch-Populäre und gelehrteHistorische aufgegeben Welcher Veränderung ent-
sprechend ist, daß anderwärts jene Einsamen, die von
ihrem Volke aufgeopfert und aus der Welt schieden wurden, zu dem Zwecke, daß die Kontem-plation des Ewigen und ein ihr allein dienendes Lebenvorhanden sei – nicht um eines Nutzens, sondern umdes Segens willen –, verschwanden; ein Verschwin-den, das in einem anderen Zusammenhange demWesen nach als dieselbe Erscheinung wie das vorhinerwähnte betrachtet werden kann – So daß, nach Ver-treibung dieser Finsternisse, der farblosen Beschäfti-gung des in sich gekehrten Geistes mit sich selbst, dasDasein in die heitere Welt der Blumen verwandelt zu
ausge-sein schien, unter denen es bekanntlich keine
schwar-ze gibt.
Ganz so schlimm als der Metaphysik ist es der
Logik nicht ergangen Daß man durch sie denken lerne, was sonst für ihren Nutzen und damit für den
Zweck derselben galt – gleichsam als ob man durchdas Studium der Anatomie und Physiologie erst ver-dauen und sich bewegen lernen sollte –, dies Vorurteil
Trang 7hat sich längst verloren, und der Geist des Praktischendachte ihr wohl kein besseres Schicksal zu als ihrerSchwester Dessenungeachtet, wahrscheinlich um ei-nigen formellen Nutzens willen, wurde ihr noch einRang unter den Wissenschaften gelassen, ja sie wurdeselbst als Gegenstand des öffentlichen Unterrichtsbeibehalten Dies bessere Los betrifft jedoch nur dasäußere Schicksal; denn ihre Gestalt und Inhalt ist der-selbe geblieben, als er sich durch eine lange Traditionfortgeerbt, jedoch in dieser Überlieferung immer mehrverdünnt und abgemagert hatte; der neue Geist, wel-cher der Wissenschaft nicht weniger als der Wirklich-keit aufgegangen ist, hat sich in ihr noch nicht verspü-ren lassen Es ist aber ein für allemal vergebens, wenndie substantielle Form des Geistes sich umgestaltethat, die Formen früherer Bildung erhalten zu wollen;sie sind welke Blätter, welche von den neuen Knos-pen, die an Ihren Wurzeln schon erzeugt sind, abge-stoßen werden.
Mit dem Ignorieren der allgemeinen Veränderung
fängt es nachgerade an, auch im Wissenschaftlichenauszugehen Unbemerkterweise sind selbst den Geg-nern die anderen Vorstellungen geläufig und eigen ge-worden, und wenn sie gegen deren Quelle und Prinzi-pien fortdauernd spröde tun und sich widersprechenddagegen benehmen, so haben sie dafür die Konse-quenzen sich gefallen lassen und des Einflusses
Trang 8derselben sich nicht zu erwehren vermocht; zu ihremimmer unbedeutender werdenden negativen Verhaltenwissen sie sich auf keine andere Weise eine positiveWichtigkeit und einen Inhalt zu geben, als daß sie inden neuen Vorstellungsweisen mitsprechen.
Von der ändern Seite scheint die Zeit der Gärung,mit der eine neue Schöpfung beginnt, vorbei zu sein
In ihrer ersten Erscheinung pflegt eine solche sich mitfanatischer Feindseligkeit gegen die ausgebreitete Sy-stematisierung des früheren Prinzips zu verhalten,teils auch furchtsam zu sein, sich in der Ausdehnungdes Besonderen zu verlieren, teils aber die Arbeit, diezur wissenschaftlichen Ausbildung erfordert wird, zuscheuen und im Bedürfnisse einer solchen zuerst zueinem leeren Formalismus zu greifen Die Anforde-rung der Verarbeitung und Ausbildung des Stoffeswird nun um so dringender Es ist eine Periode in derBildung einer Zeit, wie in der Bildung des Individu-ums, wo es vornehmlich um Erwerbung und Behaup-tung des Prinzips in seiner unentwickelten Intensität
zu tun ist Aber die höhere Forderung geht darauf,daß es zur Wissenschaft werde
Was nun auch für die Sache und für die Form derWissenschaft bereits in sonstiger Rücksicht gesche-hen sein mag, – die logische Wissenschaft, welche dieeigentliche Metaphysik oder reine spekulative Philo-sophie ausmacht, hat sich bisher noch sehr vernach-
Trang 9lässigt gesehen Was ich unter dieser Wissenschaftund ihrem Standpunkte näher verstehe, habe ich in der
Einleitung vorläufig angegeben Die Notwendigkeit,
mit dieser Wissenschaft wieder einmal von vorne zufangen, die Natur des Gegenstandes selbst und derMangel an Vorarbeiten, welche für die vorgenom-mene Umbildung hätten benutzt werden können,mögen bei billigen Beurteilern in Rücksicht kommen,wenn auch eine vieljährige Arbeit diesem Versuchenicht eine größere Vollkommenheit geben konnte –Der wesentliche Gesichtspunkt ist, daß es überhaupt
an-um einen neuen Begriff wissenschaftlicher lung zu tun ist Die Philosophie, indem sie Wissen-schaft sein soll, kann, wie ich anderwärts erinnerthabe1, hierzu ihre Methode nicht von einer unterge-ordneten Wissenschaft, wie die Mathematik ist, bor-gen, sowenig als es bei kategorischen Versicherungeninnerer Anschauung bewenden lassen oder sich desRäsonnements aus Gründen der äußeren Reflexion
Behand-bedienen Sondern es kann nur die Natur des Inhalts sein, welche sich im wissenschaftlichen Erkennen be-
wegt, indem zugleich diese eigene Reflexion des
In-halts es ist, welche seine Bestimmung selbst erst setzt und erzeugt.
Der Verstand bestimmt und hält die Bestimmungen fest; die Vernunft ist negativ und dialektisch, weil sie
die Bestimmungen des Verstands in nichts auflöst; sie
Trang 10ist positiv, weil sie das Allgemeine erzeugt und das
Besondere darin begreift Wie der Verstand als etwasGetrenntes von der Vernunft überhaupt, so pflegtauch die dialektische Vernunft als etwas Getrenntesvon der positiven Vernunft genommen zu werden
Aber in ihrer Wahrheit ist die Vernunft Geist, der
höher als beides, verständige Vernunft oder ger Verstand ist Er ist das Negative, dasjenige, wel-ches die Qualität sowohl der dialektischen Vernunftals des Verstandes ausmacht; – er negiert das Einfa-che, so setzt er den bestimmten Unterschied des Ver-standes; er löst ihn ebensosehr auf, so ist er dialek-tisch Er hält sich aber nicht im Nichts dieses Resulta-tes, sondern ist darin ebenso positiv und hat so daserste Einfache damit hergestellt, aber als Allgemeines,das in sich konkret ist; unter dieses wird nicht ein ge-gebenes Besonderes subsumiert, sondern in jenem Be-stimmen und in der Auflösung desselben hat sich dasBesondere schon mit bestimmt Diese geistige Bewe-gung, die sich in ihrer Einfachheit ihre Bestimmtheitund in dieser ihre Gleichheit mit sich selbst gibt, diesomit die immanente Entwicklung des Begriffes ist,ist die absolute Methode des Erkennens und zugleichdie immanente Seele des Inhalts selbst – Auf diesemsich selbst konstruierenden Wege allein, behaupte ich,ist die Philosophie fähig, objektive, demonstrierteWissenschaft zu sein – In dieser Weise habe ich das
Trang 11vernünfti-Bewußtsein in der Phänomenologie des Geistes
dar-zustellen versucht Das Bewußtsein ist der Geist alskonkretes, und zwar in der Äußerlichkeit befangenesWissen; aber die Fortbewegung dieses Gegenstandesberuht allein, wie die Entwicklung alles natürlichen
und geistigen Lebens, auf der Natur der reinen
We-senheiten, die den Inhalt der Logik ausmachen Das
Bewußtsein, als der erscheinende Geist, welcher sichauf seinem Wege von seiner Unmittelbarkeit und äu-ßerlichen Konkretion befreit, wird zum reinen Wis-sen, das sich jene reinen Wesenheiten selbst, wie sie
an und für sich sind, zum Gegenstand gibt Sie sinddie reinen Gedanken, der sein Wesen denkende Geist.Ihre Selbstbewegung ist ihr geistiges Leben und istdas, wodurch sich die Wissenschaft konstituiert unddessen Darstellung sie ist
Es ist hiermit die Beziehung der Wissenschaft, die
ich Phänomenologie des Geistes nenne, zur Logik
angegeben – Was das äußerliche Verhältnis betrifft,
so war dem ersten Teil des Systems der
Wissen-schaft2, der die Phänomenologie enthält, ein zweiterTeil zu folgen bestimmt, welcher die Logik und diebeiden realen Wissenschaften der Philosophie, diePhilosophie der Natur und die Philosophie des Gei-stes, enthalten sollte und das System der Wissenschaftbeschlossen haben würde Aber die notwendige Aus-dehnung, welche die Logik für sich erhalten mußte,
Trang 12hat mich veranlaßt, diese besonders ans Licht treten
zu lassen; sie macht also in einem erweiterten Planedie erste Folge zur Phänomenologie des Geistes aus.Späterhin werde ich die Bearbeitung der beiden ge-nannten realen Wissenschaften der Philosophie folgenlassen – Dieser erste Band der Logik aber enthält als
erstes Buch die Lehre vom Sein, das zweite Buch, die
Lehre vom Wesen, als zweite Abteilung des ersten
Bandes; der zweite Band aber wird die subjektive
Logik oder die Lehre vom Begriff enthalten.
Nürnberg, den 22 März 1812
Trang 13Vorrede zur zweiten Ausgabe
An diese neue Bearbeitung der Wissenschaft derLogik, wovon hiermit der erste Band erscheint, binich wohl mit dem ganzen Bewußtsein sowohl derSchwierigkeit des Gegenstandes für sich und dannseiner Darstellung als der Unvollkommenheit, welchedie Bearbeitung desselben in der ersten Ausgabe ansich trägt, gegangen; sosehr ich nach weiterer vieljäh-riger Beschäftigung mit dieser Wissenschaft bemühtgewesen, dieser Unvollkommenheit abzuhelfen, sofühle ich, noch Ursache genug zu haben, die Nach-sicht des Lesers in Anspruch zu nehmen Ein Titelsolchen Anspruchs aber zunächst darf wohl auf denUmstand gegründet werden, daß sich für den Inhaltvornehmlich nur äußerliches Material in der früherenMetaphysik und Logik vorgefunden hat So allgemeinund häufig dieselben, die letztere noch bis auf unsereZeiten fort, getrieben worden, sowenig hat solche Be-arbeitung die spekulative Seite betroffen; vielmehr ist
im Ganzen dasselbe Material wiederholt, selnd bald bis zu trivialer Oberflächlichkeit verdünnt,bald der alte Ballast umfangreicher von neuem her-vorgeholt und mitgeschleppt worden, so daß durchsolche, häufig ganz nur mechanische Bemühungendem philosophischen Gehalt kein Gewinn zuwachsen
Trang 14abwech-konnte Das Reich des Gedankens philosophisch, d i.
in seiner eigenen immanenten Tätigkeit oder, was selbe ist, in seiner notwendigen Entwicklung darzu-stellen, mußte deswegen ein neues Unternehmen seinund dabei von vorne angefangen werden; jenes erwor-bene Material, die bekannten Denkformen, aber ist alseine höchst wichtige Vorlage, ja eine notwendige Be-dingung [und] dankbar anzuerkennende Vorausset-zung anzusehen, wenn dieselbe auch nur hie und daeinen dürren Faden oder die leblosen Knochen einesSkeletts, sogar in Unordnung untereinander geworfen,dargibt
das-Die Denkformen sind zunächst in der Sprache des
Menschen herausgesetzt und niedergelegt; es kann inunseren Tagen nicht oft genug daran erinnert werden,daß das, wodurch sich der Mensch vom Tiere unter-scheidet, das Denken ist In alles, was ihm zu einemInnerlichen, zur Vorstellung überhaupt wird, was er
zu dem Seinigen macht, hat sich die Sprache drängt, und was er zur Sprache macht und in ihr äu-ßert, enthält eingehüllter, vermischter oder herausge-arbeitet eine Kategorie; so sehr natürlich ist ihm dasLogische, oder vielmehr: dasselbige ist seine eigen-
einge-tümliche Natur selbst Stellt man aber die Natur
über-haupt, als das Physikalische, dem Geistigen über, so müßte man sagen, daß das Logische vielmehrdas Übernatürliche ist, welches sich in alles Naturver-
Trang 15gegen-halten des Menschen, in sein Empfinden, Anschauen,Begehren, Bedürfnis, Trieb eindrängt und es dadurchüberhaupt zu einem Menschlichen, wenn auch nurformell, zu Vorstellungen und Zwecken macht Es istder Vorteil einer Sprache, wenn sie einen Reichtum
an logischen Ausdrücken, nämlich eigentümlichenund abgesonderten, für die Denkbestimmungen selbstbesitzt; von den Präpositionen, Artikeln gehörenschon viele solchen Verhältnissen an, die auf demDenken beruhen; die chinesische Sprache soll es inihrer Ausbildung gar nicht oder nur dürftig bis dahingebracht haben; aber diese Partikeln treten ganz die-nend, nur etwas weniges abgelöster als die Augmente,Flexionszeichen u dgl auf Viel wichtiger ist es, daß
in einer Sprache die Denkbestimmungen zu tiven und Verben herausgestellt und so zur gegen-ständlichen Form gestempelt sind; die deutsche Spra-che hat darin viele Vorzüge vor den anderen moder-nen Sprachen; sogar sind manche ihrer Wörter vonder weiteren Eigenheit, verschiedene Bedeutungennicht nur, sondern entgegengesetzte zu haben, so daßdarin selbst ein spekulativer Geist der Sprache nicht
Substan-zu verkennen ist; es kann dem Denken eine Freudegewähren, auf solche Wörter zu stoßen und die Verei-nigung Entgegengesetzter, welches Resultat der Spe-kulation für den Verstand aber widersinnig ist, auf
naive Weise schon lexikalisch als ein Wort von den
Trang 16entgegengesetzten Bedeutungen vorzufinden Die losophie bedarf daher überhaupt keiner besonderenTerminologie; es sind wohl aus fremden Sprachen ei-nige Wörter aufzunehmen, welche jedoch durch denGebrauch bereits das Bürgerrecht in ihr erhaltenhaben, – ein affektierter Purismus würde da, wo es amentschiedensten auf die Sache ankommt, am wenig-sten am Platze sein – Das Fortschreiten der Bildungüberhaupt und insbesondere der Wissenschaften,selbst der empirischen und sinnlichen, indem sie imallgemeinen sich in den gewöhnlichsten Kategorien(z.B eines Ganzen und der Teile, eines Dinges undseiner Eigenschaften und dergleichen) bewegen, för-dert nach und nach auch höhere Denkverhältnisse zu-tage oder hebt sie wenigstens zu größerer Allgemein-heit und damit zu näherer Aufmerksamkeit hervor.Wenn z.B in der Physik die Denkbestimmung der
Phi-Kraft vorherrschend geworden ist, so spielt in neuerer
Zeit die Kategorie der Polarität, die übrigens zu sehr
à tort et à travers in alles, selbst in das Licht
einge-drängt wird, die bedeutendste Rolle, – die mung von einem Unterschiede, in welchem die Unter-
Bestim-schiedenen untrennbar verbunden sind; daß auf
sol-che Weise von der Form der Abstraktion, der tät, durch welche eine Bestimmtheit z.B als Krafteine Selbständigkeit erhält, fortgegangen [wird] unddie Form des Bestimmens, des Unterschiedes, welcher
Trang 17Identi-zugleich als ein Untrennbares in der Identität bleibt,herausgehoben und eine geläufige Vorstellung gewor-den [ist], ist von unendlicher Wichtigkeit Die Natur-betrachtung bringt durch die Realität, in welcher ihreGegenstände sich festhalten, dieses Zwingende mitsich, die Kategorien, die in ihr nicht länger ignoriertwerden können, wenn auch mit der größten Inkonse-
quenz gegen andere, die auch geltend gelassen
wer-den, zu fixieren und es nicht zu gestatten, daß, wie imGeistigen leichter geschieht, zu Abstraktionen vondem Gegensatze und zu Allgemeinheiten übergegan-gen wird
Aber indem so die logischen Gegenstände wiederen Ausdrücke etwa in der Bildung Allbekanntes
sind, so ist, wie ich anderwärts gesagt, was bekannt ist, darum nicht erkannt; und es kann selbst die Unge-
duld erregen, sich noch mit Bekanntem beschäftigen
zu sollen, – und was ist bekannter als eben die bestimmungen, von denen wir allenthalben Gebrauchmachen, die uns in jedem Satze, den wir sprechen,zum Munde herausgehen Über den Gang des Erken-nens von diesem Bekannten aus, über das Verhältnisdes wissenschaftlichen Denkens zu diesem natürli-chen Denken die allgemeinen Momente anzugeben,soll dieses Vorwort bestimmt sein; so viel, zusam-
Denk-mengenommen mit dem, was die frühere Einleitung
enthält, wird hinreichend sein, um eine allgemeine
Trang 18Vorstellung, wie man eine solche von einer schaft zum voraus, vor derselben, welche die Sacheselbst ist, zu erhalten fordert, von dem Sinne des logi-schen Erkennens zu geben.
Wissen-Zunächst ist es als ein unendlicher Fortschritt sehen, daß die Formen des Denkens von dem Stoffe,
anzu-in welchen sie im selbstbewußten Anschauen, stellen wie in unserem Begehren und Wollen odervielmehr auch in dem vorstellenden Begehren undWollen (und es ist kein menschliches Begehren oderWollen ohne Vorstellen) versenkt sind, befreit, diese
Vor-Allgemeinheiten für sich herausgehoben und, wie
Pla-ton, dann aber Aristoteles vornehmlich getan, zum
Gegenstande der Betrachtung für sich gemacht den [sind]; dies gibt den Anfang des Erkennensderselben »Erst nachdem beinahe alles Notwendige«sagt Aristoteles, »und was zur Bequemlichkeit undzum Verkehr des Lebens gehört, vorhanden war, hatman angefangen, sich um philosophische Erkenntnis
wor-zu bemühen.« »In Ägypten«, hatte er vorher bemerkt,
»sind die mathematischen Wissenschaften früh bildet worden, weil daselbst der Priesterstand früh indie Lage versetzt worden, Muße zu haben « – In derTat setzt das Bedürfnis, sich mit den reinen Gedanken
ausge-zu beschäftigen, einen weiten Gang voraus, den derMenschengeist durchgemacht haben muß; es ist, kannman sagen, das Bedürfnis des schon befriedigten Be-
Trang 19dürfnisses der Notwendigkeit, der Bedürfnislosigkeit,
zu dem er gekommen sein muß, der Abstraktion vondem Stoffe des Anschauens, Einbildens usf., der kon-kreten Interessen des Begehrens, der Triebe, des Wil-lens, in welchem Stoffe die Denkbestimmungen ein-gehüllt stecken In den stillen Räumen des zu sichselbst gekommenen und nur in sich seienden Denkensschweigen die Interessen, welche das Leben der Völ-ker und der Individuen bewegen »Nach so vielen Sei-ten«, sagt Aristoteles in demselben Zusammenhange,
»ist die Natur des Menschen abhängig; aber dieseWissenschaft, die nicht zu einem Gebrauche gesuchtwird, ist allein die an und für sich freie, und siescheint darum nicht ein menschlicher Besitz zusein.«- Die Philosophie überhaupt hat es noch mitkonkreten Gegenständen, Gott, Natur, Geist, in ihrenGedanken zu tun, aber die Logik beschäftigt sichganz nur mit diesen für sich in ihrer vollständigenAbstraktion Diese Logik pflegt darum dem Studiumder Jugend zunächst anheimzufallen, als welche nochnicht in die Interessen des konkreten Lebens eingetre-ten ist, in der Muße in Rücksicht derselben lebt undnur erst für ihren subjektiven Zweck mit der Erwer-bung der Mittel und der Möglichkeit, in den Objektenjener Interessen tätig zu werden, sich – und mit diesenselbst noch theoretisch – zu beschäftigen hat Unter
diese Mittel wird im Widerspiele von der angeführten
Trang 20Vorstellung des Aristoteles die logische Wissenschaftgerechnet; die Bemühung mit derselben ist eine vor-läufige Arbeit, ihr Ort die Schule, auf welche erst derErnst des Lebens und die Tätigkeit für die wahrhaften
Zwecke folgen soll Im Leben geht es zum Gebrauch
der Kategorien; sie werden von der Ehre, für sich trachtet zu werden, dazu herabgesetzt, in dem geisti-gen Betrieb lebendigen Inhalts in dem Erschaffen undAuswechseln der darauf bezüglichen Vorstellungen
be-zu dienen – teils als Abbreviaturen durch ihre
Allge-meinheit; denn welche unendliche Menge von heiten des äußerlichen Daseins und der Tätigkeit faßtdie Vorstellung: Schlacht, Krieg, Volk oder Meer,Tier usf in sich zusammen; wie ist in der Vorstel-
Einzel-lung: Gott oder Liebe usf in die Einfachheit solchen
Vorstellens eine unendliche Menge von gen, Tätigkeit, Zuständen usf epitomiert!, – teils zur
Vorstellun-näheren Bestimmung und Findung der
gegenständli-chen Verhältnisse, wobei aber Gehalt und Zweck, die
Richtigkeit und Wahrheit des sich einmischendenDenkens ganz von dem Vorhandenen selbst abhängiggemacht ist und den Denkbestimmungen für sichkeine inhaltbestimmende Wirksamkeit zugeschriebenwird Solcher Gebrauch der Kategorien, der vorhindie natürliche Logik genannt worden ist, ist bewußt-los; und wenn ihnen in wissenschaftlicher Reflexiondas Verhältnis, als Mittel zu dienen, im Geiste ange-
Trang 21wiesen wird, so wird das Denken überhaupt zu etwasden anderen geistigen Bestimmungen Untergeordne-tem gemacht Von unseren Empfindungen, Trieben,Interessen sagen wir nicht wohl, daß sie uns dienen,sondern sie gelten als selbständige Kräfte und Mäch-
te, so daß wir dies selbst sind, so zu empfinden, dies
zu begehren und zu wollen, in dies unser Interesse zulegen Aber wieder kann es vielmehr unser Bewußt-sein werden, daß wir im Dienste unserer Gefühle,Triebe, Leidenschaften, Interessen, ohnehin von Ge-wohnheiten stehen, als daß wir sie im Besitz haben,noch weniger, daß sie bei unserer innigen Einheit mitihnen uns als Mittel dienen Dergleichen Bestimmun-gen des Gemüts und Geistes zeigen sich uns bald als
besondere im Gegensatze gegen die Allgemeinheit,
als die wir uns bewußt werden, in der wir unsere heit haben, und [wir] halten dafür, in diesen Beson-derheiten vielmehr befangen zu sein, von ihnen be-herrscht zu werden Sonach können wir dann viel we-niger dafür halten, daß die Denkformen, die sichdurch alle unsere Vorstellungen – diese seien bloßtheoretisch oder enthalten einen Stoff, der der Empfin-dung, dem Triebe, dem Willen angehört – hindurch-ziehen, uns dienen, daß wir sie und sie nicht vielmehr
Frei-uns im Besitz haben; was ist Frei-uns übrig gegen sie, wie sollen wir, ich mich als das Allgemeinere über sie
hinausstellen, sie, die selbst das Allgemeine als
Trang 22sol-ches sind? Wenn wir uns in eine Empfindung, Zweck,Interesse legen und uns darin beschränkt, unfrei füh-len, so ist der Ort, in den wir [uns] daraus heraus- und
in die Freiheit zurückzuziehen vermögen, dieser Ortder Gewißheit seiner selbst, der reinen Abstraktion,
des Denkens Oder ebenso, wenn wir von den Dingen sprechen wollen, so nennen wir die Natur oder das
Wesen derselben ihren Begriff, und dieser ist nur für
das Denken; von den Begriffen der Dinge aber werdenwir noch viel weniger sagen, daß wir sie beherrschenoder daß die Denkbestimmungen, von denen sie derKomplex sind, uns dienen; im Gegenteil muß sichunser Denken nach ihnen beschränken, und unsereWillkür oder Freiheit soll sie nicht nach sich zurich-ten wollen Insofern also das subjektive Denken unsereigenstes, innerlichstes Tun ist und der objektive Be-griff der Dinge die Sache selbst ausmacht, so könnenwir aus jenem Tun nicht heraus sein, nicht über dem-selben stehen, und ebensowenig können wir über dieNatur der Dinge hinaus Von der letzteren Bestim-mung jedoch können wir absehen; sie fällt mit der er-steren insofern zusammen, da sie eine Beziehung un-serer Gedanken auf die Sache, aber nur etwas Leeresergäbe, weil die Sache damit als Regel für unsere Be-griffe aufgestellt werden würde, aber eben die Sachefür uns nichts anderes als unsere Begriffe von ihr seinkann Wenn die kritische Philosophie das Verhältnis
Trang 23dieser drei terminorum so versteht, daß wir die
Ge-danken zwischen uns und die Sachen als Mitte
stel-len in dem Sinne, daß diese Mitte uns von den
Sa-chen vielmehr abschließt, statt uns mit denselben
zu-sammenzuschließen, so ist dieser Ansicht die einfacheBemerkung entgegenzusetzen, daß eben diese Sachen,die jenseits unserer und jenseits der sich auf sie bezie-henden Gedanken auf dem anderen Extreme stehensollen, selbst Gedankendinge und, als ganz unbe-
stimmte, nur ein Gedankending, – das sogenannte
Ding-an-sich der leeren Abstraktion selbst sind
Doch dies mag für den Gesichtspunkt genügen, auswelchem das Verhältnis verschwindet, nach welchemdie Denkbestimmungen nur als zum Gebrauch und alsMittel genommen werden; wichtiger ist das weiterdamit Zusammenhängende, nach welchem sie als äu-ßere Formen gefaßt zu werden pflegen – Die uns alleVorstellungen, Zwecke, Interessen und Handlungendurchwirkende Tätigkeit des Denkens ist, wie gesagt,bewußtlos geschäftig (die natürliche Logik); wasunser Bewußtsein vor sich hat, ist der Inhalt, die Ge-genstände der Vorstellungen, das, womit das Interesseerfüllt ist; die Denkbestimmungen gelten nach diesem
Verhältnis als Formen, die nur an dem Gehalt, nicht
der Gehalt selbst seien Wenn es aber an dem ist, wasvorhin angegeben worden und was sonst im allgemei-
nen zugestanden wird, daß die Natur, das
Trang 24eigentümli-che Wesen, das wahrhaft Bleibende und Substantielle
bei der Mannigfaltigkeit und Zufälligkeit des
Erschei-nens und der vorübergehenden Äußerung der Begriff der Sache, das in ihr selbst Allgemeine ist, wie jedes
menschliche Individuum, [ob]zwar ein unendlich gentümliches, das Prius aller seiner Eigentümlichkeit
ei-darin, Mensch zu sein, in sich hat, wie jedes einzelne Tier das Prius, Tier zu sein, so wäre nicht zu sagen,
was, wenn diese Grundlage aus dem mit noch so fachen sonstigen Prädikaten Ausgerüsteten wegge-nommen würde, ob sie gleich wie die anderen ein Prä-dikat genannt werden kann, – was so ein Individuumnoch sein sollte Die unerläßliche Grundlage, der Be-griff, das Allgemeine, das der Gedanke, insofern mannur von der Vorstellung bei dem Worte »Gedanke«
viel-abstrahieren kann, selbst ist, kann nicht nur als eine gleichgültige Form, die an einem Inhalte sei, angese-
hen werden Aber diese Gedanken aller natürlichen
und geistigen Dinge, selbst der substantielle Inhalt,
sind noch ein solcher, der vielfache Bestimmtheitenenthält und noch den Unterschied einer Seele undeines Leibes, des Begriffs und einer relativen Realität
an ihm hat; die tiefere Grundlage ist die Seele fürsich, der reine Begriff, der das Innerste der Gegen-stände, ihr einfacher Lebenspuls, wie selbst des sub-
jektiven Denkens derselben ist Diese logische Natur,
die den Geist beseelt, in ihm treibt und wirkt, zum
Trang 25Bewußtsein zu bringen, dies ist die Aufgabe Das stinktartige Tun unterscheidet sich von dem intelli-genten und freien Tun dadurch überhaupt, daß diesesmit Bewußtsein geschieht; indem der Inhalt des Trei-benden heraus aus der unmittelbaren Einheit mit demSubjekte zur Gegenständlichkeit vor dieses gebrachtist, beginnt die Freiheit des Geistes, der in dem in-stinktweisen Wirken des Denkens, befangen in denBanden seiner Kategorien, in einen unendlich man-nigfachen Stoff zersplittert ist In diesem Netze schür-zen sich hin und wieder festere Knoten, welche dieAnhalts- und Richtungspunkte seines Lebens und Be-wußtseins sind, sie verdanken ihre Festigkeit undMacht eben dem, daß sie, vor das Bewußtsein ge-bracht, an und für sich seiende Begriffe seiner Wesen-heit sind Der wichtigste Punkt für die Natur des Gei-
in-stes ist das Verhältnis nicht nur dessen, was er an
sich ist, zu dem, was er wirklich ist, sondern dessen,
als was er sich weiß, dieses Sichwissen ist darum,
weil er wesentlich Bewußtsein [ist]
Grundbestim-mung seiner Wirklichkeit Diese Kategorien, die nur
instinktmäßig als Triebe wirksam sind und zunächstvereinzelt, damit veränderlich und sich verwirrend indas Bewußtsein des Geistes gebracht [sind] und ihm
so eine vereinzelte und unsichere Wirklichkeit ren, zu reinigen und ihn damit in ihnen zur Freiheitund Wahrheit zu erheben, dies ist also das höhere lo-
Trang 26gewäh-gische Geschäft.
Was wir als Anfang der Wissenschaft, dessenhoher Wert für sich und zugleich als Bedingung derwahrhaften Erkenntnis vorhin anerkannt worden ist,angaben, die Begriffe und die Momente des Begriffsüberhaupt, die Denkbestimmungen zunächst als For-men, die von dem Stoffe verschieden und nur an ihmseien, zu behandeln, dies gibt sich sogleich an sichselbst als ein zur Wahrheit, die als Gegenstand undZweck der Logik angegeben wird, unangemessenesVerhalten kund Denn so als bloße Formen, als ver-schieden von dem Inhalte, werden sie in einer Bestim-mung stehend angenommen, die sie zu endlichenstempelt und die Wahrheit, die in sich unendlich ist,
zu fassen unfähig macht Mag das Wahre sonst, inwelcher Rücksicht es sei, wieder mit Beschränkungund Endlichkeit vergesellschaftet sein, – dies ist dieSeite seiner Negation, seiner Unwahrheit und Unwirk-lichkeit, eben seines Endes, nicht der Affirmation,welche es als Wahres ist Gegen die Kahlheit der bloßformellen Kategorien hat der Instinkt der gesundenVernunft sich endlich so erstarkt gefühlt, daß er ihreKenntnis mit Verachtung dem Gebiete einer Schullo-gik und Schulmetaphysik überläßt, zugleich mit derMißachtung des Wertes, den schon das Bewußtseindieser Fäden für sich hat, und mit der Bewußtlosig-keit, in dem instinktartigen Tun natürlicher Logik,
Trang 27noch mehr in dem reflektierten Verwerfen der nis und Erkenntnis der Denkbestimmungen selbst, imDienste des ungereinigten und damit unfreien Den-kens gefangen zu sein Die einfädle Grundbestim-mung oder gemeinschaftliche Formbestimmung der
Kennt-Sammlung solcher Formen ist die Identität, die als
Gesetz, als A = A, als Satz des Widerspruchs in derLogik dieser Sammlung behauptet wird Die gesundeVernunft hat ihre Ehrerbietung vor der Schule, die imBesitze solcher Gesetze der Wahrheit [ist] und in dersie noch immer so fortgeführt werden, so sehr verlo-ren, daß sie dieselbe darob verlacht und einen Men-schen, der nach solchen Gesetzen wahrhaft zu spre-chen weiß: »die Pflanze ist eine – Pflanze«, »die Wis-
senschaft ist – die Wissenschaft« und so fort ins
Un-endliche, für unerträglich hält Über die Formeln
auch, welche die Regeln des Schließens [angeben],das in der Tat ein Hauptgebrauch des Verstandes ist,hat sich – so ungerecht es ist zu verkennen, daß sieihr Feld in der Erkenntnis haben, worin sie geltenmüssen, und zugleich, daß sie wesentliches Materialfür das Denken der Vernunft sind – das ebenso ge-rechte Bewußtsein festgesetzt, daß sie gleichgültigeMittel wenigstens ebensosehr des Irrtums und der So-phisterei sind und, wie man auch sonst die Wahrheitbestimmen mag, für die höhere, z.B die religiöseWahrheit unbrauchbar sind, – daß sie überhaupt nur
Trang 28eine Richtigkeit der Erkenntnisse, nicht die Wahrheitbetreffen.
Die Unvollständigkeit dieser Weise, das Denken zubetrachten, welche die Wahrheit auf der Seite läßt, istallein dadurch zu ergänzen, daß nicht bloß das, waszur äußeren Form gerechnet zu werden pflegt, sondernder Inhalt mit in die denkende Betrachtung gezogenwird Es zeigt sich von selbst bald, daß, was in dernächsten gewöhnlichsten Reflexion als Inhalt von derForm geschieden wird, in der Tat nicht formlos, nichtbestimmungslos in sich sein soll – so wäre er nur dasLeere, etwa die Abstraktion des Dings-an-sich –, daß
er vielmehr Form in ihm selbst, ja durch sie allein seelung und Gehalt hat und daß sie selbst es ist, dienur in den Schein eines Inhalts sowie damit auch inden Schein eines an diesem Scheine Äußerlichen um-schlägt Mit dieser Einführung des Inhalts in die logi-
Be-sche Betrachtung sind es nicht die Dinge, sondern die
Sache, der Begriff der Dinge, welcher Gegenstand
wird Hierbei kann man aber auch daran erinnert den, daß es eine Menge Begriffe, eine Menge Sachen
wer-gibt Wodurch aber diese Menge beschränkt wird, ist
teils vorhin gesagt worden, daß der Begriff als
Gedan-ke überhaupt, als Allgemeines, die unermeßliche breviatur gegen die Einzelheit der Dinge, wie sie [in]ihre[r] Menge dem unbestimmten Anschauen und
Ab-Vorstellen vorschweben, ist; teils aber ist ein Begriff
Trang 29sogleich erstens der Begriff an ihm selbst, und dieser ist nur einer und ist die substantielle Grundlage; fürs andere aber ist er wohl ein bestimmter Begriff, welche
Bestimmtheit an ihm das ist, was als Inhalt erscheint;die Bestimmtheit des Begriffs aber ist eine Formbe-stimmung dieser substantiellen Einheit, ein Moment
der Form als Totalität, des Begriffes selbst, der die
Grundlage der bestimmten Begriffe ist Dieser wirdnicht sinnlich angeschaut oder vorgestellt; er ist nur
Gegenstand, Produkt und Inhalt des Denkens und die
an und für sich seiende Sache, der Logos, die nunft dessen, was ist, die Wahrheit dessen, was denNamen der Dinge führt; am wenigsten ist es derLogos, was außerhalb der logischen Wissenschaft ge-lassen werden soll Es muß darum nicht ein Beliebensein, ihn in die Wissenschaft hereinzuziehen oder ihndraußen zu lassen Wenn die Denkbestimmungen,welche nur äußerliche Formen sind, wahrhaft an ihnenselbst betrachtet werden, kann nur ihre Endlichkeitund die Unwahrheit ihres Für-sich-sein-Sollens und,als ihre Wahrheit, der Begriff hervorgehen Daherwird die logische Wissenschaft, indem sie die Denk-bestimmungen, die überhaupt unseren Geist instinkt-artig und bewußtlos durchziehen und, selbst indem sie
Ver-in die Sprache hereVer-intreten, ungegenständlich, achtet bleiben, abhandelt, auch die Rekonstruktionderjenigen sein, welche durch die Reflexion herausge-
Trang 30unbe-hoben und von ihr als subjektive, an dem Stoff undGehalt äußere Formen fixiert sind.
Die Darstellung keines Gegenstandes wäre an undfür sich fähig, so streng ganz immanent plastisch zusein als die der Entwicklung des Denkens in seinerNotwendigkeit; keiner führte so sehr diese Forderungmit sich; seine Wissenschaft müßte darin auch dieMathematik übertreffen, denn kein Gegenstand hat inihm selbst diese Freiheit und Unabhängigkeit SolcherVortrag erforderte, wie dies in seiner Art in demGange der mathematischen Konsequenz, vorhandenist, daß bei keiner Stufe der Entwicklung eine Denk-bestimmung und Reflexion vorkäme, die nicht in die-ser Stufe unmittelbar hervorgeht und aus den vorher-gehenden in sie herübergekommen ist Allein auf sol-che abstrakte Vollkommenheit der Darstellung mußfreilich im allgemeinen Verzicht getan werden; schonindem die Wissenschaft mit dem rein Einfachen, hier-mit dem Allgemeinsten und Leersten anfangen muß,ließe der Vortrag nur eben diese selbst ganz einfachenAusdrücke des Einfachen ohne allen weiteren Zusatzirgendeines Wortes zu; – was der Sache nach stattfin-den dürfte, wären negierende Reflexionen, die das ab-zuhalten und zu entfernen sich bemühten, was sonstdie Vorstellung oder ein ungeregeltes Denken einmi-schen könnte Solche Einfälle in den einfachen imma-nenten Gang der Entwicklung sind jedoch für sich zu-
Trang 31fällig, und die Bemühung, sie abzuwehren, wird somitselbst mit dieser Zufälligkeit behaftet; ohnehin ist es
vergeblich, allen solchen Einfällen, eben weil sie
außer der Sache liegen, begegnen zu wollen, und nigstens wäre Unvollständigkeit das, was hierbei fürdie systematische Befriedigung verlangt würde Aberdie eigentümliche Unruhe und Zerstreuung unseresmodernen Bewußtseins läßt es nicht anders zu, alsgleichfalls mehr oder weniger auf naheliegende Refle-xionen und Einfälle Rücksicht zu nehmen Ein plasti-scher Vortrag erfordert dann auch einen plastischenSinn des Aufnehmens und Verstehens; aber solcheplastische Jünglinge und Männer, so ruhig mit der
we-Selbstverleugnung eigener Reflexionen und Einfälle, womit das Selbstdenken sich zu erweisen ungeduldig
ist, nur der Sache folgende Zuhörer, wie sie Platondichtet, würden in einem modernen Dialoge nicht auf-gestellt werden können; noch weniger dürfte auf sol-che Leser gezählt werden Im Gegenteil haben sichmir zu häufig und zu heftig solche Gegner gezeigt,welche nicht die einfache Reflexion machen mochten,daß ihre Einfälle und Einwürfe Kategorien enthalten,welche Voraussetzungen sind und selbst erst der Kri-tik bedürfen, ehe sie gebraucht werden Die Bewußt-losigkeit hierüber geht unglaublich weit; sie machtdas Grundmißverständnis, das üble, d.h ungebildeteBenehmen, bei einer Kategorie, die betrachtet wird,
Trang 32etwas Anderes zu denken und nicht diese Kategorie
selbst Diese Bewußtlosigkeit ist um so weniger zu
rechtfertigen, als solches Anderes andere
Denkbe-stimmungen und Begriffe sind, in einem Systeme derLogik aber eben diese anderen Kategorien gleichfallsihre Stelle müssen gefunden haben und daselbst fürsich der Betrachtung werden unterworfen sein Amauffallendsten ist dies in der überwiegenden Mengevon Einwürfen und Angriffen auf die ersten Begriffe
oder Sätze der Logik, das Sein und Nichts und das
Werden, als welches, selbst eine einfache
Bestim-mung, wohl unbestritten – die einfachste Analysezeigt dies – jene beiden Bestimmungen als Momenteenthält Die Gründlichkeit scheint zu erfordern, denAnfang als den Grund, worauf alles gebaut sei, allemvoraus zu untersuchen, ja nicht weiterzugehen, als bis
er sich fest erwiesen hat, im Gegenteil vielmehr, wenndies nicht der Fall ist, alles noch Folgende zu verwer-fen Diese Gründlichkeit hat zugleich den Vorteil, diegrößte Erleichterung für das Denkgeschäft zu gewäh-ren; sie hat die ganze Entwicklung in diesen Keimeingeschlossen vor sich und hält sich für mit allemfertig, wenn sie mit diesem fertig ist, der das Leichte-ste zum Abtun ist, denn er ist das Einfachste, das Ein-fädle selbst; es ist die geringe Arbeit, die erforderlichist, wodurch sich diese so selbstzufriedene Gründlich-keit wesentlich empfiehlt Diese Beschränkung auf
Trang 33das Einfache läßt der Willkür des Denkens, das fürsich nicht einfach bleiben will, sondern seine Refle-xionen darüber anbringt, freien Spielraum Mit dem
guten Rechte, sich zuerst nur mit dem Prinzip zu schäftigen und damit sich auf das Weitere nicht ein-
be-zulassen, tut diese Gründlichkeit in ihrem Geschäfte
selbst das Gegenteil hiervon, vielmehr das Weitere, d.
i andere Kategorien, als nur das Prinzip ist, andereVoraussetzungen und Vorurteile herbeizubringen.Solche Voraussetzungen, daß die Unendlichkeit ver-schieden von der Endlichkeit, der Inhalt etwas anderesals die Form, das Innere ein anderes als das Äußere,die Vermittlung ebenso nicht die Unmittelbarkeit sei,als ob einer dergleichen nicht wüßte, werden zugleichbelehrungsweise vorgebracht und nicht sowohl bewie-sen als erzählt und versichert In solchem Belehren alsBenehmen liegt – man kann es nicht anders nennen –eine Albernheit; der Sache nach aber teils das Unbe-rechtigte, dergleichen nur vorauszusetzen und gerade-
zu anzunehmen, teils aber noch mehr die heit, daß es das Bedürfnis und Geschäft des logischenDenkens ist, eben dies zu untersuchen, ob denn so einEndliches ohne Unendlichkeit etwas Wahres ist,ebenso [ob] solche abstrakte Unendlichkeit, ferner einformloser Inhalt und eine inhaltslose Form, so ein In-neres für sich, das keine Äußerung hat, eine Äußer-
Unwissen-lichkeit ohne InnerUnwissen-lichkeit usf etwas Wahres, ebenso
Trang 34etwas Wirkliches ist – Aber diese Bildung und Zucht
des Denkens, durch welche ein plastisches Verhaltendesselben bewirkt und die Ungeduld der einfallendenReflexion überwunden würde, wird allein durch dasWeitergehen, das Studium und die Produktion derganzen Entwicklung verschafft
Bei der Erwähnung Platonischer Darstellung kann,wer ein selbständiges Gebäude philosophischer Wis-senschaft in modernen Zeiten neu aufzuführen arbei-tet, an die Erzählung erinnert werden, daß Platonseine Bücher über den Staat siebenmal umgearbeitethabe Die Erinnerung hieran, eine Vergleichung, inso-fern sie eine solche in sich zu schließen schiene, dürf-
te nur um so mehr bis zu dem Wunsche treiben, daßfür ein Werk, das, als der modernen Welt angehörig,ein tieferes Prinzip, einen schwereren Gegenstand undein Material von reicherem Umfang zur Verarbeitungvor sich hat, die freie Muße, es siebenundsiebzigmaldurchzuarbeiten, gewährt gewesen wäre So abermußte der Verfasser, indem er es im Angesicht derGröße der Aufgabe betrachtet, sich mit dem begnü-gen, was es hat werden mögen, unter den Umständeneiner äußerlichen Notwendigkeit, der unabwendbarenZerstreuung durch die Größe und Vielseitigkeit derZeitinteressen, sogar unter dem Zweifel, ob der lauteLärm des Tages und die betäubende Geschwätzigkeitder Einbildung, die auf denselben sich zu beschränken
Trang 35eitel ist, noch Raum für die Teilnahme an der schaftslosen Stille der nur denkenden Erkenntnis offenlasse.
leiden-Berlin, den 7 November 1831
Trang 36Allgemeiner Begriff der Logik
Es fühlt sich bei keiner Wissenschaft stärker dasBedürfnis, ohne vorangehende Reflexionen von derSache selbst anzufangen, als bei der logischen Wis-senschaft In jeder anderen ist der Gegenstand, den siebehandelt, und die wissenschaftliche Methode vonein-ander unterschieden; so wie auch der Inhalt nichteinen absoluten Anfang macht, sondern von anderenBegriffen abhängt und um sich herum mit anderemStoffe zusammenhängt Diesen Wissenschaften wird
es daher zugegeben, von ihrem Boden und dessen sammenhang sowie von der Methode nur lemmati-scher Weise zu sprechen, die als bekannt und ange-nommen vorausgesetzten Formen von Definitionenund dergleichen ohne weiteres anzuwenden und sichder gewöhnlichen Art des Räsonnements zur Festset-zung ihrer allgemeinen Begriffe und Grundbestim-mungen zu bedienen
Zu-Die Logik dagegen kann keine dieser Formen derReflexion oder Regeln und Gesetze des Denkens vor-aussetzen, denn sie machen einen Teil ihres Inhaltsselbst aus und haben erst innerhalb ihrer begründet zuwerden Nicht nur aber die Angabe der wissenschaft-
Trang 37lichen Methode, sondern auch der Begriff selbst der
Wissenschaft überhaupt gehört zu ihrem Inhalte, und
zwar macht er ihr letztes Resultat aus; was sie ist,kann sie daher nicht voraussagen, sondern ihre ganzeAbhandlung bringt dies Wissen von ihr selbst erst alsihr Letztes und als ihre Vollendung hervor Gleich-
falls ihr Gegenstand, das Denken oder bestimmter das
begreifende Denken, wird wesentlich innerhalb ihrer
abgehandelt; der Begriff desselben erzeugt sich inihrem Verlaufe und kann somit nicht vorausgeschicktwerden Was daher in dieser Einleitung vorausge-schickt wird, hat nicht den Zweck, den Begriff derLogik etwa zu begründen oder den Inhalt und die Me-thode derselben zum voraus wissenschaftlich zu recht-fertigen, sondern durch einige Erläuterungen und Re-flexionen in räsonierendem und historischem Sinneden Gesichtspunkt, aus welchem diese Wissenschaft
zu betrachten ist, der Vorstellung näherzubringen
Wenn die Logik als die Wissenschaft des Denkens
im allgemeinen angenommen wird, so wird dabei
ver-standen, daß dies Denken die bloße Form einer kenntnis ausmache, daß die Logik von allem Inhalte abstrahiere und das sogenannte zweite Bestandstück, das zu einer Erkenntnis gehöre, die Materie, anders-
Er-woher gegeben werden müsse, daß somit die Logik,als von welcher diese Materie ganz und gar unabhän-gig sei, nur die formalen Bedingungen wahrhafter Er-
Trang 38kenntnis angeben, nicht aber reale Wahrheit selbst
enthalten, noch auch nur der Weg zu realer Wahrheit
sein könne, weil gerade das Wesentliche der heit, der Inhalt, außer ihr liege
Wahr-Fürs erste aber ist es schon ungeschickt zu sagen,
daß die Logik von allem Inhalte abstrahiere, daß sie
nur die Regeln des Denkens lehre, ohne auf das dachte sich einzulassen und auf dessen BeschaffenheitRücksicht nehmen zu können Denn da das Denkenund die Regeln des Denkens ihr Gegenstand sein sol-len, so hat sie ja unmittelbar daran ihren eigentümli-chen Inhalt; sie hat daran auch jenes zweite Bestand-stück der Erkenntnis, eine Materie, um deren Beschaf-fenheit sie sich bekümmert
Ge-Allein zweitens sind überhaupt die Vorstellungen,
auf denen der Begriff der Logik bisher beruhte, teilsbereits untergegangen, teils ist es Zeit, daß sie voll-ends verschwinden, daß der Standpunkt dieser Wis-senschaft höher gefaßt werde und daß sie eine völligveränderte Gestalt gewinne
Der bisherige Begriff der Logik beruht auf der imgewöhnlichen Bewußtsein ein für allemal vorausge-
setzten Trennung des Inhalts der Erkenntnis und der
Form derselben, oder der Wahrheit und der heit Es wird erstens vorausgesetzt, daß der Stoff des
Gewiß-Erkennens als eine fertige Welt außerhalb des kens an und für sich vorhanden, daß das Denken für
Trang 39Den-sich leer sei, als eine Form äußerlich zu jener Materiehinzutrete, sich damit erfülle, erst daran einen Inhaltgewinne und dadurch ein reales Erkennen werde.
Alsdann stehen diese beiden Bestandteile (denn siesollen das Verhältnis von Bestandteilen haben, unddas Erkennen wird aus ihnen mechanischer- oderhöchstens chemischerweise zusammengesetzt) in die-ser Rangordnung gegeneinander, daß das Objekt einfür sich Vollendetes, Fertiges sei, das des Denkens zuseiner Wirklichkeit vollkommen entbehren könne,dahingegen das Denken etwas Mangelhaftes sei, dassich erst an einem Stoffe zu vervollständigen, undzwar als eine weiche unbestimmte Form sich seinerMaterie angemessen zu machen habe Wahrheit ist dieÜbereinstimmung des Denkens mit dem Gegenstande,und es soll, um diese Übereinstimmung hervorzubrin-gen – denn sie ist nicht an und für sich vorhanden –,das Denken nach dem Gegenstande sich fügen undbequemen
Drittens, indem die Verschiedenheit der Materie
und der Form, des Gegenstandes und des Denkensnicht in jener nebligen Unbestimmtheit gelassen, son-dern bestimmter genommen wird, so ist jede eine vonder anderen geschiedene Sphäre Das Denken kommtdaher in seinem Empfangen und Formieren des Stoffsnicht über sich hinaus, sein Empfangen und sich nachihm Bequemen bleibt eine Modifikation seiner selbst,
Trang 40es wird dadurch nicht zu seinem Anderen; und dasselbstbewußte Bestimmen gehört ohnedies nur ihman; es kommt also auch in seiner Beziehung auf denGegenstand nicht aus sich heraus zu dem Gegenstan-de: dieser bleibt als ein Ding an sich schlechthin einJenseits des Denkens.
Diese Ansichten über das Verhältnis des Subjektsund Objekts zueinander drücken die Bestimmungenaus, welche die Natur unseres gewöhnlichen, des er-scheinenden Bewußtseins ausmachen; aber diese Vor-urteile, in die Vernunft übertragen, als ob in ihr das-selbe Verhältnis stattfinde, als ob dieses Verhältnis anund für sich Wahrheit habe, so sind sie die Irrtümer,deren durch alle Teile des geistigen und natürlichenUniversums durchgeführte Widerlegung die Philoso-phie ist oder die vielmehr, weil sie den Eingang in diePhilosophie versperren, vor derselben abzulegen sind.Die ältere Metaphysik hatte in dieser Rücksichteinen höheren Begriff von dem Denken, als in derneueren Zeit gang und gäbe geworden ist Jene legtenämlich zugrunde, daß das, was durchs Denken vonund an den Dingen erkannt werde, das allein an ihnenwahrhaft Wahre sei, somit nicht sie in ihrer Unmittel-barkeit, sondern sie erst in die Form des Denkens er-hoben, als Gedachte Diese Metaphysik hielt somitdafür, daß das Denken und die Bestimmungen desDenkens nicht ein den Gegenständen Fremdes, son-