Im Pschyrembel ist für eine Komplikation folgende Definition aufgeführt: „Das Auftreten eines Ereignisses oder Umstandes, der ein bestehendes Krankheitsbild ungünstig beeinflusst.“ D
Trang 4in der Traumatologie
Herausgegeben von Karl-Klaus Dittel Kuno Weise Mit Beiträgen von
K.-K Dittel
C Eingartner M.-R Felenda
K Ulsenheimer
K Weise
776 Abbildungen
11 Tabellen
Trang 5Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese
Pub-likation in der Deutschen Nationalbibliographie;
detaillierte bibliographische Daten sind im
Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar
Kapitel 2 erschien in der Zeitschrift Arzt und
Krankenhaus (Heft 9/2001) unter dem Titel
„Risk-Management als juristische Qualitätssicherung“
Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung
des Hansischen Verlagskontors H Scheffler, Lübeck
© 2003 Georg Thieme Verlag
Zeichnungen: Andrea Schnitzler, Bad Soden
Umschlaggestaltung: Thieme Verlagsgruppe
Umschlaggrafik: Martina Berge, Erbach
Satz: Ziegler und Müller, Kirchentellinsfurt
Druck: Druckerei Grammlich, Pliezhausen
ISBN 3-13-129161-3 1 2 3 4 5 6
insbesondere was Behandlung und medikamentöseTherapie anbelangt Soweit in diesem Werk eine Dosie-rung oder eine Applikation erwähnt wird, darf der Leserzwar darauf vertrauen, dass Autoren, Herausgeber undVerlag große Sorgfalt darauf verwandt haben, dass diese
Angabe dem Wissensstand bei Fertigstellung des kes entspricht.
Wer-Für Angaben über Dosierungsanweisungen und plikationsformen kann vom Verlag jedoch keine Gewähr
Ap-übernommen werden Jeder Benutzer ist angehalten,
durch sorgfältige Prüfung der Beipackzettel der deten Präparate und gegebenenfalls nach Konsultationeines Spezialisten festzustellen, ob die dort gegebeneEmpfehlung für Dosierungen oder die Beachtung vonKontraindikationen gegenüber der Angabe in diesemBuch abweicht Eine solche Prüfung ist besonders wich-tig bei selten verwendeten Präparaten oder solchen, die
verwen-neu auf den Markt gebracht worden sind Jede rung oder Applikation erfolgt auf eigene Gefahr des Benutzers Autoren und Verlag appellieren an jeden Be-
Dosie-nutzer, ihm etwa auffallende Ungenauigkeiten dem lag mitzuteilen
Ver-Geschützte Warennamen (Warenzeichen) werden
nicht besonders kenntlich gemacht Aus dem Fehlen
ei-nes solchen Hinweises kann also nicht geschlossen den, dass es sich um einen freien Warennamen handelt.Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urhe-berrechtlich geschützt Jede Verwertung außerhalb derengen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zu-stimmung des Verlages unzulässig und strafbar Das giltinsbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen,Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verar-beitung in elektronischen Systemen
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Trang 6Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie
der Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Schnarrenbergstraße 95D-72076 Tübingen
V
Trang 7Die unfallchirurgische Behandlung wird – wie alle
the-rapeutischen Maßnahmen in der Medizin – durch
Über-prüfung und Erforschung der pathophysiologischen,
biochemischen und biomechanischen Grundlagen
stän-dig weiterentwickelt und verbessert Diese Maxime hat
die Unfall- und Wiederherstellungschirurgie am Ende
des vergangenen und zu Beginn dieses Jahrhunderts
geprägt und zu beachtlichen Fortschritten und
Ergebnis-sen geführt Was vordem noch Wunschtraum von
Ärz-ten und PatienÄrz-ten war, ist heute in vieler Hinsicht
Reali-tät geworden
Angesichts dieser unbestreitbaren Erfolge bedarf es
bei den ständig diffiziler werdenden
Behandlungs-techniken, aber auch weiterhin auftretenden
Komplika-tionen und Fehlleistungen einer kritischen Vorsorge,
gründlichen Beachtung und eines konsequenten
Mana-gements
Von dem bekannten französischen Chirurgen Judet
stammt der Satz:
„Erfahrung heißt, aus Fehlern lernen.“
Die Autoren dieses Buches, meine früheren Schüler und
Mitarbeiter, Prof Dr K.-K Dittel und Prof Dr K Weise,
haben sich der aktuellen Thematik des
„Komplikations-managements“ angenommen und in mühsamer
Klein-arbeit die Komplikationsmöglichkeiten – geordnet nach
Primärdiagnose und -therapie – bearbeitet
Für den noch weniger Erfahrenen ist diese Art derFort- und Weiterbildung – die auch weltweit im Rah-men der praktischen Kursveranstaltungen (case discus-sions, fireside-sessions etc.) immer mehr Praxis und An-erkennung findet, bisher in der Literatur allerdings we-nig Niederschlag gefunden hat – wertvoll und in seinerArt und Aufmachung wegweisend
Die Lektüre und das Studium der einschlägigen undinstruktiven Bilder dient der Vermeidung sowie einerzeitgemäßen Behandlung von Komplikationen und da-mit nicht zuletzt unserer ureigenen ärztlichen Aufgabe.Den Autoren gebührt Dank und Anerkennung: demBuch darf man schon heute eine weite Verbreitungwünschen!
Tübingen, August 2003
em Prof Dr med Dr h c mult Siegfried Weller
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Trang 8Goe-Komplikationen im Rahmen des osteosynthetischen
Managements sind unangenehm und belastend für
Pa-tient und Arzt Da die Mehrzahl der Fehlschläge nach
Osteosynthesen primär auf mechanische und
verfah-renstechnische Ursachen zurückgeführt werden
kön-nen, lassen sich die Gründe des Versagens
vordergrün-dig meistens einfach erklären Diese zunächst einseitige
Betrachtungsweise wird der Gesamtproblematik im
Rahmen der operativen Frakturenbehandlung jedoch
nicht in vollem Umfang gerecht, stellt der Knochen doch
eine lebende Struktur dar, die ihre eigenen
Gesetzmä-ßigkeiten beinhaltet
Der Erfolg eines operativen Eingriffs wird aber auch
durch den Patienten und das Nachbehandlungsregime
richtungsweisend beeinflusst Jede Fehleranalyse hat
alle Aspekte zu berücksichtigen, um durch die
Schluss-folgerungen ein Komplikationsmanagement zu
gewähr-leisten, welches eine weitere Optimierung der
Behand-lungskonzepte ermöglicht Diese Forderung dient nicht
nur dem Patientenschutz, sie ist auch aus forensischen
Gründen für den Eigenschutz des Behandlers von
größ-ter Bedeutung und muss ebenso selbstverständlich sein
wie eine regelmäßige und effiziente Weiterbildung
Ein Problem der besonderen Art bietet die
Weiterent-wicklung bereits bewährter Behandlungskonzepte und
in noch entscheidenderem Maße die Einführung
inno-vativer Verfahren Die Komplikationsrate, primär
basie-rend auf der jeweiligen Lernkurve und sekundär
be-gründet durch Indikationsausweitungen, polarisiert sich
konträr zur Erwartungshaltung des Patienten, der aus
seiner Sicht einerseits überhöhte Maßstäbe an die
Be-handlungsergebnisse stellt, andererseits aber von
Inno-vationen nicht ausgeschlossen werden möchte Im
Ver-laufe eines Jahrzehnts hat sich das aktuelle
Behand-lungsmanagement infolge solcher Innovationen in
ent-scheidenden Punkten gewandelt Basierend auf einem
erweiterten Frakturverständnis, neu entwickelter
Im-plantate und atraumatischer Operationstechniken hat
sich ein nachhaltiger Trend zu biologischeren und damit
verstärkt weichteilorientierten Behandlungsstrategien
entwickelt
Die kasuistische Darstellung häufiger nen in Wort und Bild, zu gleichen Teilen projiziert aufdie obere und untere Extremität, soll dazu beitragen,grundlegende Strategien für deren Bewältigung aufzu-zeigen Einschränkend ist hervorzuheben, dass die indi-viduelle Situation der einzelnen Komplikation Beson-derheiten aufweist, die erkannt und spezifisch behan-delt werden müssen Der allgemeine Teil inklusive desjuristischen Notfallkoffers ist als eine Art Überblick derwesentlichen Komplikationsmöglichkeiten im Sinne ei-ner Systematik bzw als Checkliste bei Eintreten einesungünstigen Behandlungsverlaufes gedacht
Komplikatio-Der Unfallchirurg ist gefordert, im Rahmen der plikationsanalyse und des nachfolgenden Komplika-tionsmanagements einen Lernprozess zu durchlaufen,der Häufungen derselben Komplikation in der Zukunftvermeiden sollte Letztendlich werden wir diesbezüg-lich auch an unserer Glaubwürdigkeit gemessen Quali-tätskontrollmechanismen sind unabdingbar, jedoch darfniemals vergessen werden, dass der Patient dabei nichtGefahr laufen darf, in den Hintergrund zu geraten Somöge dieses Buch dazu beitragen, im Interesse unsererPatienten Schwachstellen aufzuzeigen, um die Behand-lungsergebnisse zukünftig noch weiter zu verbessern
Kom-Stuttgart, August 2003 Tübingen, August 2003
VII
Trang 91 Klavikula, SC- und AC-Gelenk · · · 54
1.1 Klavikula – Pseudarthrose nach
Volkmann-4.7 Verzögerte Frakturheilung · · · 106
4.8 Posttraumatische Instabilität · · · 108
4.9 Reluxation · · · 110
4.10 Fortbestehende luxation · · · 112
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Trang 111 Grundlagen und Prinzipien
des Komplikationsmanagements
Einleitung
In den Berufsordnungen der Ärztekammern steht
nie-dergeschrieben, dass die Berufsausübung mit
Gewissen-haftigkeit nach den Geboten der ärztlichen Ethik
erfol-gen muss Die Erhaltung und Wiederherstellung der
Ge-sundheit des anvertrauten Patienten als das wesentliche
Gebot des Handelns und das Handeln nach den Geboten
der Menschlichkeit sind unabdingbar Diese
Grundvor-aussetzungen für eine ordnungsgemäße
Berufsaus-übung sind nicht nur für den primären operativen
Ein-griff von elementarer Bedeutung, sondern sie haben
ei-nen noch höheren Stellenwert beim Auftreten einer
Komplikation Die Auseinandersetzung mit
Komplika-tionen gehört zu den schwierigsten und wichtigsten
Be-reichen der Medizin, weil die Ursachenanalyse jeweils
fallbezogen völlig unterschiedliche Ansätze erforderlich
macht und unter den jeweils speziellen Gegebenheiten
situationsgerechte Verhaltensweisen erfordert
Im Pschyrembel ist für eine Komplikation folgende
Definition aufgeführt:
„Das Auftreten eines Ereignisses oder Umstandes, der
ein bestehendes Krankheitsbild ungünstig beeinflusst.“
Der Duden beschreibt eine Komplikation als:
„Die Verschlimmerung einer Krankheit durch einen
un-vorhergesehenen Umstand.“
Die Definition der Komplikation wird an beiden Stellen
zunächst einmal rein deskriptiv dargestellt, ohne jeden
Bezug auf einen möglichen Kausalzusammenhang
Letztendlich besteht das Auftreten einer Komplikation
zunächst einmal in einer Verschlimmerung eines
Befun-des im Gegensatz zum erwarteten komplikationsfreien
Verlauf, beispielsweise dann, wenn sich nach
konserva-tiver oder operakonserva-tiver Behandlung einer Tibiafraktur ein
Kompartmentsyndrom entwickelt Bei jeder
auftreten-den Komplikation wird die grundsätzliche Frage zu
be-antworten sein, ob es sich um einen Krankheitsverlauf
handelt, der sich schicksalhaft und unabhängig von der
ärztlichen Handlungsweise entwickelt hat und somit
keinerlei Indiz für ein schuldhaftes Verhalten vorliegt,
oder ob durch die Behandlung oder die Unterlassung
ei-ner Behandlung ein Verschuldungsprinzip vorliegt
Bereits 1972 hat S Weller hinsichtlich der
Vermei-dung technischer Fehler bei der operativen Behandlung
von Frakturen wiederholt Stellung bezogen:
„Die Mehrzahl der Misserfolge nach operativer gung eines Knochenbruches sind auf technische Fehlleis- tungen zurückzuführen Diese Tatsache unterstreicht im- mer wieder die Bedeutung, welche einer genauen Beach- tung der operativen Prinzipien zukommt.
Versor-Die Osteosynthese eines Knochenbruches erfordert nicht nur ein mechanisches Denken, sondern auch die Berück- sichtigung biologischer Faktoren Das bedeutet, sich da- rüber im Klaren zu sein, dass der Knochen im Gegensatz zum toten Material der Techniker (Holz, Eisen usw.) ein le- bendes Gewebe darstellt, welches laufenden Stoffwechsel- und Umbauvorgängen unterworfen ist Und noch ein Fak- tor erschwert unsere Situation bzw unterscheidet unser Substrat von dem eines Technikers, nämlich, dass der Kno- chen zur Erhaltung und Wiederherstellung seiner biome- chanischen Einheit auf seine Hülle, d h seinen Weichteil- mantel mit der Blutversorgung, angewiesen ist Wird diese Einheit durch die verletzende Kraft von außen oder innen oder – was im Zusammenhang mit dem vorbestehenden Thema besonders wichtig ist – durch unzweckmäßige the- rapeutische Maßnahmen bei der Osteosynthese gestört bzw zerstört, dann ist dadurch zwangsläufig die Knochen- bruchheilung infrage gestellt.
Neben den Fehlern bei der technischen Durchführung ner Osteosynthese spielen somit die Nachteile, welche durch einen ungünstigen Zugang mit oft zu ausgedehnter Entblößung des Frakturbereiches entstehen, eine wichtige Rolle Heilungsverzögerungen, sekundäre Instabilitäten infolge avitaler Fragmente und ausgedehnten Nekrosen ganzer Knochenabschnitte können Ursache eines Misser- folgs sein So ist auch ein postoperatives Röntgenbild mit einwandfrei eingebauten Metallimplantaten noch kein absoluter Beweis für eine technisch perfekt durchgeführte Operation.“
ei-Vertrauensbildende Maßnahmen müssen bereits bei derersten ambulanten Vorstellung erfolgen Sie können dasweitere Prozedere entscheidend beeinflussen Bei un-fallchirurgischen Notfällen ist eine klare situationsange-messene Information des Patienten geeignet, im Vorfelddurch Kompetenz Überzeugungsarbeit zu leisten unddamit die Zuversicht zu erhalten, die für den betroffenen
Patienten von besonderer Bedeutung ist Das tionsmanagement beginnt somit bereits präoperativ!
Komplika-Das Komplikationsmanagement ist aber keine bahnstraße, sondern ein Netzwerk von Faktoren, die alleEinfluss auf den Verlauf nehmen können, der eine Kor-rektur erforderlich macht Komplikationsmanagementbeginnt somit zwar präoperativ, bedeutet jedoch gleich-zeitig eine fortlaufende perioperative und postoperativeEinflussnahme auf den Verlauf und den erwünschten
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Trang 12Ausgang Die Interaktion des Operationserfolgs hängt
aber nicht nur vom Operateur und der
Operationsindi-kation ab, sondern in entscheidendem Maße auch von
der primären Verletzungsschwere, der Compliance des
Patienten und der Qualität der Nachbehandlung Jeder
Einzelfaktor kann das Ergebnis und den weiteren Verlauf
entscheidend beeinflussen, im positiven wie im
negati-ven Sinne Es ist deshalb zwingend, alle Einzelfaktoren
zu berücksichtigen, ihre gegenseitige Wechselwirkung
zu beachten und eine entsprechende Dokumentation
durchzuführen
Eine bekannte Tatsache ist, dass jede atypische
Wen-de im postoperativen Verlauf Wen-den Patienten in seiner
oh-nehin angespannten Gemütslage zusätzlich belastet
Dies bedeutet, dass eine besondere Verantwortung des
Behandlers darin besteht, die Ängste des Patienten ernst
zu nehmen und ihm das Gefühl zu vermitteln, dass sich
der Arzt seine Sorgen zumindest gedanklich zu eigen
macht Diese im Regelfall eine tiefe Vertrauensbasis
bil-dende Maßnahme wird nicht nur die Einsicht in ggf
er-forderliche korrigierende operative Eingriffe positiv
be-einflussen, sondern sie kann auch effizient verhindern,
dass ungerechtfertigte und unbedachte
Beschuldigun-Die überwiegende Zahl unserer Patienten ist heutesehr umfangreich darüber informiert, was nach schwe-ren Verletzungen durch effiziente diagnostische undtherapeutische Maßnahmen zu erreichen ist Dies bein-haltet nachfolgend die Konsequenz, dass sehr hoheMaßstäbe, aber auch vielfach überhöhte Maßstäbe andie Behandlungsergebnisse gestellt werden Die Erwar-tungshaltung des einzelnen Patienten kann dabei auchunangenehme Folgeerscheinungen beinhalten Viele Pa-tienten sind heute nicht mehr bereit, selbst unter un-günstigsten lokalen Umständen, unbefriedigende Folge-zustände automatisch als schicksalhaft zu akzeptieren.Trotz aller Fortschritte unter technologischen, material-technischen und praktischen Gesichtspunkten sind vieleoperative Verfahren jedoch noch andererseits verbesse-rungswürdig und die Aufgabe der kommenden Jahremuss es sein, die bisher unbeantworteten Fragen sorg-fältig zu klären und die richtigen Antworten darauf zufinden
1982 hat S Weller die Wertigkeit seiner gen auch unter diesem Aspekt noch einmal brillant for-muliert Sie haben an Aktualität nichts verloren undstellen die Basis für jede erfolgreiche Arbeit am Kno-
Tabelle 1.1 Aktuelles Therapiemanagement in der
Unfallchi-rurgie aufgrund eines modifizierten Frakturverstndnisses,
neu-er Implantatentwicklungen und atraumatischneu-er Opneu-erationsvneu-er-
Operationsver-fahren
Was hat sich gendert?
" gedankliche Neuorientierung
– so viel Stabilitt wie nçtig
– so wenig Implantat wie mçglich
– keine iatrogene Fragmentdevastierung
– berbrckende Osteosynthesen
– keine Behinderung der Bruchheilung
– Osteosynthesen mit biologischer Absttzung
Was hat sich gendert?
Abb 1.1 a, b Doppelplattenosteosynthese an Tibia und Fibula
wegen geschlossener kompletter distaler Unterschenkelfraktur.Ausgedehnter posttraumatischer Weichteilschaden mit Haut-nekrosen (AO-Klassifikation: 43 A2-2)
Trang 13Präoperative Aufklärungsmodalitäten
Seit etwa einem Jahrhundert geht die Jurisprudenz
da-von aus, dass jeder in die körperliche Integrität des
Pa-tienten durchgeführte ärztliche Eingriff nur dann
legiti-miert ist, wenn eine wirksame Einwilligung des
betrof-fenen Patienten vorliegt und wenn der Eingriff nach
den allgemeingültigen Regeln der ärztlichen Kunst
er-folgte Eine rechtswirksame Einwilligung kann nur
vor-liegen, wenn der Patient vorher durch den Arzt über die
Art des Eingriffes umfassend aufgeklärt wurde
einge-schlossen der erforderlichen Hinweise auf sich daraus
möglicherweise ergebende Komplikationen Die
Aufklä-rung im Hinblick auf die Tragweite eines speziellen
Ein-griffes muss sich daher darauf beziehen,
Erfahrungswer-te mitzuErfahrungswer-teilen, welche Folgen das UnErfahrungswer-terlassen eines
ope-rativen Eingriffes unter Umständen mit negativen
Fol-gen für den Patienten hat, so dass dieser abwäFol-gend
ent-scheiden kann, ob er das Risiko einer Erkrankung gegen
das Risiko einer Behandlung auf sich nehmen möchte
oder nicht Grundsätzlich sollte der Arzt seinen
Patien-ten bei der Entscheidung beraPatien-tend überzeugen, wenn
ein operativer Eingriff notwendig erscheint, ihn aber
grundsätzlich nicht zu einem solchen Eingriff
überre-den In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, dass
mögliche und häufige Risiken angesprochen und
darge-stellt und nicht verharmlost werden Hierbei kann es
leicht zu einer Verletzung der Aufklärungspflicht
kom-men, wenn bekannte Operationsrisiken bagatellisiert
oder gar verschwiegen werden In diesem
Zusammen-hang muss auch erwähnt werden, dass der Umfang der
Aufklärung in direkter Abhängigkeit von der
Dringlich-keit eines Eingriffes oder eines Notfalleingriffes ist Je
zwingender eine Maßnahme sofort durchzuführen ist,
um Schaden vom Patienten zu wenden, desto geringer
sind die Anforderungen des Gesetzgebers, speziell
be-züglich der Risikoaufklärung neben der Aufklärung
hin-sichtlich diagnostischer oder therapeutischer
Maßnah-men Ein wichtiger Punkt ist auch die Aufklärung durch
sog „Aufklärungs- und Anamnesebögen“, die zwar für
die Erhebung bestimmter Fragestellungen aus der
Kran-kenanamnese von Wichtigkeit sind, die aber bezüglich
den Anforderungen an die Patientenaufklärung
keines-falls das persönliche ärztliche Gespräch mit dem
Patien-ten ersetzen können LetzPatien-tendlich kann ein
Aufklä-rungsbogen lediglich der vorbereitenden Information
gelten und ersetzt niemals die Notwendigkeit eines
bila-teralen Gespräches zwischen Arzt und Patient
Das Aufklärungsgespräch unter 4 Augen muss
recht-zeitig vor einem geplanten operativen Eingriff erfolgen
Vorteilhaft ist es, bereits bei der ersten ambulanten
Vor-stellung ein solches persönliches Gespräch zu führen,
damit der Patient genügend Zeit hat, über die geplanten
Maßnahmen ausreichend nachzudenken und sich dann
nach reiflicher Überlegung entscheiden zu können
Die-se Möglichkeit besteht natürlich bei notfallmäßigen
Ein-griffen nicht, bei denen die Operationsindikation
viel-fach nur wenige Stunden vor der Operation gestellt
wird Je früher die Aufklärung erfolgt, desto besser Bei
Aufklärungen am Vorabend einer Operation kann
erfah-rungsgemäß davon ausgegangen werden, dass der
Pa-tient bei kleineren Operationen genügend Zeit hat, umdie Kosten, den Nutzen und mögliche Risiken gegenei-nander abzuwägen Dies betrifft nicht nur die geplanteOperation, sondern auch die Anästhesieverfahren.Die Wirksamkeit einer Risikoaufklärung kurz vor ei-nem größeren Eingriff wird daran gemessen werden, obunter den spezifischen Gegebenheiten der betreffendePatient noch ausreichend Zeit hatte, sich innerlich frei
zu entscheiden Die heutige Rechtsprechung geht davonaus, dass eine Risikoaufklärung nicht zu akzeptieren ist,wenn dem Patienten dazu nicht die Möglichkeit einge-räumt wurde Im Zweifel ist es empfehlenswert, den Pa-tienten nochmals zu fragen, ob er für seine Entschei-dung weitere Zeit braucht, andererseits muss aber auchder explizite Wunsch des Patienten Berücksichtigungfinden, einen operativen Eingriff möglichst rasch durch-zuführen, auch wenn die Aufklärung im juristischen Sin-
ne als verspätet angesehen werden muss Das stimmungsrecht des Patienten hat auch in diesem Fallgleichen Vorrang Da die Anforderungen der Rechtspre-chung an eine zeitgerechte und korrekte Aufklärungsehr hoch sind, gehört die Beachtung dieser Prinzipiengleichermaßen zum Komplikationsmanagement, umvon Anfang an einen sog „Entscheidungskonflikt“ erstgar nicht entstehen zu lassen Letztendlich ist die Quali-tät der Aufklärung als zentrale vertrauensbildende Maß-nahme einzustufen, mit der bereits bei der ersten ambu-lanten Untersuchung begonnen werden sollte
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Trang 14wohl für den betreffenden Patienten als auch den
be-handelnden Arzt, und damit gleichzeitig zentraler
Pfei-ler für ein gutes Arzt-Patienten-Verhältnis Jede
Kompli-kation hat ihre eigenen Besonderheiten in Verbindung
mit der jeweils spezifischen Problematik der Verletzung
Im Umgang damit sind ärztliche, forensische und
ge-setzliche Aspekte zu berücksichtigen, wobei das
Kom-plikationsmanagement dazu beitragen muss, zukünftig
komplikationsträchtige Verläufe durch geeignete
Maß-nahmen zu verhindern oder zumindest zahlenmäßig zu
reduzieren, soweit dies aus der Natur der Sache heraus
überhaupt möglich ist
Ein 6-Punkte-Management kann im Falle einer
Kom-plikation dazu beitragen, erforderliche Verbesserungen
zu erkennen, rasch umzusetzen und damit effizient zu
4 Ausschaltung von Schwachstellen und Umsetzung
erkannter Verbesserungsnotwendigkeiten bezüglich
Die vorausgehenden Empfehlungen aus diesem
6-Punk-te-Plan beziehen ihre Aktualität aus den besonderen
Osteosyntheseproblemen unter den Aspekten der
dring-lichen Therapiestrategie beim aufgetretenen Infekt
Un-abhängig davon, ob es sich um einen Frühinfekt, einen
akuten Spätinfekt oder einen chronischen Spätinfekt
handelt, die Auswirkungen der posttraumatischen oder
Fehleranalyse von Osteosynthesekomplikationen:
1 Fehleinschätzung der primären Verletzungssituation,
2 Nichtbeachtung biologischer, biomechanischer undlogistischer Prinzipien (Instabilität der Osteosynthe-
se, sekundäre Weichteilschädigung, unvollständigesDébridement),
3 insuffiziente postoperative Überwachung und terbehandlung,
Wei-4 ungünstige Patienten-Compliance
Murphys Gesetz: “If anything can go wrong, it will!”
Die Ursachen für das Gesamtspektrum aller denkbarenund möglichen Komplikationen in der operativen Kno-chenbruchbehandlung liegen fast immer in einem mul-tifaktoriellen Geschehen begründet Die Missachtunggrundsätzlicher Voraussetzungen für einen komplika-tionsfreien Verlauf ist umso häufiger nachweisbar, je ge-nauer die Ursachenanalyse erfolgt
Stufenmanagement zur Komplikationsvermeidung:
"differenzierte Traumaklassifikation (Polytrauma –Kombinationsverletzung – solitäre Läsion),
"systematisierte Frakturklassifikation (eingeschlossendie Klassifikation des begleitenden Weichteilscha-dens),
"Spektrum des notfallmäßigen Managements,
"situationsangepasste, bedarfsgerechte sen,
Osteosynthe-a) primär: Fixateur, Nagel, Platte (und in allen nationen),
Kombi-b) postprimär (nach primär konservativem hen),
Vorge-"Revisionseingriffe (Knochen/Weichteile),a) geplant,
b) nicht geplant (second look, Etappendébridement,Weichteilsanierung, Verfahrenswechsel),
Logistische berlegungen im Rahmen des allgemeinen Komplikationsmanagements 5
operativeBehandlungsmaßnahmen+Nachbehandlung
ErgebnisOperateur Indikation
Abb 1.2 Interaktion des Operationserfolgs.
Tabelle 1.2 Komplikationsursachen und ihre Folgen
Folgen
1 Osteitis nach Osteosynthese
2 gestçrte Knochenbruchheilung bzw bildung nach Osteosynthese
Pseudarthrosen-3 Implantatversagen
4 Refraktur nach Osteosynthese und Metallentfernung
Trang 15Komplikationsformen und -definitionen
Im Rahmen der operativen Knochenbruchbehandlung
ist eine zeitgerechte ungestörte Frakturheilung von
ei-ner nicht zeitgerechten und damit verzögerten oder
ge-störten Frakturheilung abzugrenzen Während im
Ideal-fall ein ungestörter Verlauf auf einer anatomiegerechten
Rekonstruktion, einer zeitgerechten Konsolidierung und
einem guten funktionellen Ergebnis beruht, zeigen die
gestörten Verläufe meist keine anatomiegerechte
knö-cherne Konsolidierung auf der Basis ihrer verzögerten
oder fehlenden Knochenbruchheilung auf
Bei einer bereits eingetretenen knöchernen
Konsoli-dierung einer Fraktur in nicht anatomiegerechter
Stel-lung kann es sich um eine Achsabweichung, eine
Tor-sionsabweichung, eine Längenabweichung oder um eine
verbleibende Gelenkinkongruenz handeln Im Regelfall
wird sich bei entsprechender Fehlstellung die Indikation
für eine Korrektur ergeben, die in diesen Fällen meist
unter günstigeren Voraussetzungen möglich ist als bei
noch nicht abgeschlossener Frakturheilung Gegenüber
den bereits knöchern konsolidierten Frakturen müssen
diejenigen mit verzögerter oder fehlender
Konsolidie-rung differenziert werden, wobei die Problematik einer
anatomischen oder nichtanatomiegerechten Stellung
unter den Gesichtspunkten der Korrektur von
unterge-ordneter Bedeutung sind Die Ursachen bestehen fast
ausschließlich in einem multifaktoriellen Geschehen
oder Hintergrund, sei es eine primäre mangelhafte
Sta-bilität, unzureichende biologische Voraussetzungen
oder ein aufgetretener Infekt Auch Fragmentnekrosen
oder Implantatversagen können parallel laufend eine
atrophische oder hypertrophe Pseudarthrose ursächlich
mit beeinflussen
Die Ursachen, die einen verzögerten, nicht
zufrie-denstellenden Verlauf aufweisen, können
verletzungs-bezogen, verfahrensbezogen oder personenbezogen
sein Während bei den verletzungsbezogenen Ursachen
aufgrund einer komplexen Frakturform, dem Ausmaß
des begleitenden Weichteilschadens und zusätzlicher
Begleitverletzungen meistens eine schicksalhafte
Kom-ponente im Vordergrund steht, trifft dies auf die
verfah-rensbezogenen und personenbezogenen
Komplikatio-nen weniger zu Sie könKomplikatio-nen durch eine insuffiziente
Diagnostik, einer unvollständigen Untersuchung oder
Röntgendokumentation, einer falschen
Indikationsstel-lung oder einer fehlerhaften Osteosynthese begründet
sein Aber auch die Maßnahmen im Rahmen der
Nach-behandlung können entscheidenden Einfluss auf den
Zeitrahmen und das Endergebnis nehmen Schließlich
können verletzungsunabhängig langjährige Vor- und
Begleiterkrankungen mit dadurch verlaufsbedingten
Ir-ritationen die Qualität der Compliance des Patienten
entscheidend beeinflussen
Das gesamte Komplikationsmanagement sowohl vor
der vollständigen knöchernen Konsolidierung als auch
nach stattgehabter knöcherner Konsolidierung erfordert
geradlinige Überlegungen, konsequente Umsetzung der
therapeutischen Notwendigkeiten und engmaschige
Verlaufskontrollen, um jederzeit den Erforderlichkeiten
entsprechend aktuell reagieren zu können
Im Rahmen des Komplikationsmanagements müssengenerell geplante von nicht geplanten Eingriffen unter-schieden werden Auch der Status vor oder nach voll-ständiger knöcherner Konsolidierung ist von erheblicherBedeutung, da in diesem Zusammenhang die Begriffe
„Sekundärosteosynthese“, „Korrekturosteosynthese“und „Reosteosynthese“ einer genauen Begriffsbestim-mung bedürfen Im Regelfall wird bei einer Sekundär-osteosynthese das Erstimplantat belassen, da meistenskeine Stellungskorrektur erforderlich ist, so dass mit ei-nem additiven Zweitimplantat oder einer Sekundär-osteosynthese am zweiten Knochen die notwendigenKorrekturmaßnahmen ausreichend sind Bei der Korrek-turosteosynthese hingegen wird im Regelfall eine Stel-lungskorrektur erforderlich sein, wobei das Erstimplan-tat entweder durch ein identisches Verfahren ersetztwird oder ein kompletter Verfahrenswechsel erfolgt.Der Begriff „Reosteosynthese“ bezieht sich auf den Sta-tus nach erfolgter knöcherner Konsolidierung, wobei fo-kale oder parafokale Frakturen im Rahmen von erneuten
Tabelle 1.3 Algorithmus der Komplikation – Frakturheilung
ungestçrt " anatomiegerechte Rekonstruktion
" zeitgerechte knçcherne Konsolidierung
" gutes funktionelles Ergebnisgestçrt " knçcherne Konsolidierung bei nicht
anatomiegerechter Stellung– Achsenabweichung– Torsionsabweichung– Lngenabweichung– Gelenkinkongruenz
" verzçgerte knçcherne Konsolidierungbei anatomischer oder nicht anatomie-gerechter Stellung
– mangelhafte Stabilitt– fehlende Biologie– Infekt
" fehlende knçcherne Konsolidierungbei anatomischer oder nicht anatomie-gerechter Stellung
– atrophe oder hypertrophePseudarthrose
– Infekt– Fragmentnekrose– Implantatversagen
Tabelle 1.4 Algorithmus der Komplikation – Ursachen
bezogen
verletzungs-komplexe Frakturform, Weichteilschaden,Begleitverletzungen
bezogen
verfahrens-insuffiziente Diagnostik, falsche tion, fehlerhafte Osteosynthese,Nachbehandlungsregime, Infekt imVerlauf (iatrogene Schdigung)personen-
Indika-bezogen
verletzungsunabhngige Vor- undBegleiterkrankungen, Compliance desPatienten, verlaufsbedingte Irritationen
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Trang 16adäquaten Traumata zu berücksichtigen sind Auch die
Spätinfektion kann eine solche Maßnahme erforderlich
machen, wenn gleichzeitig die Gefahr einer Refraktur
besteht Davon unabhängig sind selbstverständlich die
erforderlichen Maßnahmen zur Behandlung des Infekts
zu berücksichtigen
Komplikationen können sowohl intraoperativ als
auch postoperativ auftreten Konsequenterweise
ermög-licht ein korrektes Behandlungskonzept eine Korrektur
oder eine Behebung einer intraoperativen Komplikation
unmittelbar nach deren Auftreten durch Veränderung
oder Erweiterung des Osteosyntheseverfahrens oder
durch erforderliche adjuvante Maßnahmen Mit der
gleichen Konsequenz müssen auch postoperative
Kom-plikationen angegangen werden, um den
frühestmög-lichst günstigsten Zeitpunkt für erforderliche
Korrektu-ren auszunützen und damit auch unter juristischen
Ge-sichtspunkten dem „Nihil nocere“ zu folgen
Infekt bei liegendem Implantat
Trotz ständiger Verbesserungen in den klinischen
Ver-sorgungsstrategien ist die Infektion immer noch die am
meisten gefürchteste Komplikation in der operativen
Frakturenbehandlung Die Qualität der
Indikationsstel-lung und das operative Geschick des Unfallchirurgen
be-einflussen auch unter Infektbedingungen die
Heilungs-dauer und damit das Rehabilitationsergebnis in
ent-scheidender Weise Als prädisponierender Faktor für
die Entstehung eines Infekts ist an erster Stelle die
Mul-timorbidität des alten Menschen zu berücksichtigen
Kombination aus Weichteil- und Knochendestruktionals charakteristisch für den Infektablauf Berücksichti-gung finden Dementsprechend hat auch die Therapie
an diesen 3 zentralen wichtigen Punkten anzusetzen, inder Entlastung des Verhaltes, einer Verbesserung derStabilität und einem ausreichenden Débridement anWeichteilgewebe und Knochen Nur durch eine rechtzei-tige und umfassende Revision kann der Übergang in ei-
ne chronisch-rezidivierende Infektform vermieden den
wer-Der Infekt bei einliegendem Marknagel stellt denOperateur vor eine besonders schwierige Aufgabe, dadie intramedulläre Infektion die Ausbreitung des Infektssehr begünstigen kann Den Prinzipien der Infektchirur-gie entsprechend kann durch eine erneute Markraum-aufbohrung ein radikales Débridement erreicht undgleichzeitig durch den Abrasionseffekt einer Revaskula-risation neue Chancen eröffnet werden Neben derHerdsanierung sind die erneute Schaffung einer stabilenOsteosynthese und die Verbesserung der Vaskularitätauf klinischer Erfahrung basierende Prinzipien jederOsteitistherapie
Bei einer akuten Infektion ist die Beachtung der folgenden Empfehlungen dringlich anzuraten:
nach-"Infektsanierung mit Aufhebung der tion, radikales Débridement, ggf mit Implantationvon lokalen Antibiotika-Trägern und ausreichenderDrainagesituation
Weichteilreten-"Bei stabiler Fraktursituation Belassen des tes in situ bis zur definitiv abgeschlossenen Fraktur-heilung
Implanta-"Schaffung eines soliden und gut vaskularisiertenHaut- und Weichteildefektverschlusses, ggf durch
Infekt bei liegendem Implantat 7
Tabelle 1.5 Algorithmus der Komplikation – Management
Vor vollstndiger knçcherner Konsolidierung (geplant und nicht geplant)
1 Sekundrosteosynthese Erstimplantat verbleibt
(ohne Stellungskorrektur) " additives Zweitimplantat am gleichen Knochen
" postprimre Osteosynthese am 2 Knochen
2 Korrekturosteosynthese Unterteilung
(mit Stellungskorrektur) " primr: nach konservativer Vorbehandlung
" sekundr: nach operativer VorbehandlungErstimplantat wird ersetzt
"Verwendung eines gleichen Implantates (identisches Verfahren)
"Verwendung eines anderen Implantates (Verfahrenswechsel)
Nach vollstndiger knçcherner Konsolidierung (nicht geplant)
3 Reosteosynthese " fokale Frakturen (Umbau-, Nekrosefraktur)
" parafokale Frakturen (Stress-, Dystrophiefraktur)
" erneutes adquates Trauma
Trang 17"Rechtzeitige erneute Revision am Knochen oder an
den Weichteilen ist eine Conditio sine qua non, wenn
die Klinik ein Infektrezidiv erkennen lässt
"Die Prognose basiert auf der Radikalität der
OP-Tech-nik mit der in der Vitalität geschädigtes Gewebe
ent-fernt wird, ggf auch durch ein sog
Etappen-Débride-ment
Die Therapie jedes Infekts sollte standardisiert und
sta-dienadaptiert durchgeführt werden und in spezieller
Weise alle Besonderheiten des Einzelfalles
berücksichti-gen Hierbei muss relevanten Grunderkrankungen
be-sondere Beachtung gelten Schließlich sind bezüglich
des Verlaufes wiederholte engmaschige
Kontrollunter-suchungen unabdingbar
Aufgrund pathologischer Reaktionen am Knochen
und an den Weichteilen durch implantatspezifische
Me-talle sind biomechanische und metallurgische
Problem-stellungen möglich Dies bedeutet, dass bei der Wahl des
Implantats auch an immunologische Aspekte der
Osteo-synthese gedacht werden muss Insbesondere ist zu
be-rücksichtigen, dass mögliche Zusammenhänge
zwi-schen Komplikationen nach Osteosynthesen und
aller-gischen Reaktionen bestehen Die standardmäßigen
Osteosyntheseimplantate aus Cro/Ni/Mo unterliegen in
gewissem Umfang der Korrosion Insbesondere Nickel
gehört zu den Metallen, die eine Allergie vom
verzöger-ten Typ verursachen können Durch epidemiologische
Untersuchungen wurden postoperative Komplikationen
objektiviert nach Osteosynthesen mit Implantaten aus
diesem Material bei manifester Allergie gegen Nickel
Die pathophysiologischen Abläufe können aufgrund
ei-ner reduzierten osteogenen Aktivität zur vorzeitigen
Implantatlockerung führen mit daraus resultierender
verzögerter Knochenbruchheilung oder einer Infektion
als schwerwiegende postoperative Komplikation
Kommt es zu einer solchen allergischen Reaktion bei
präoperativ leerer Anamnese, insbesondere auch dann,
wenn die Metallallergie eine klinische Manifestation
mit reaktiven Hautveränderungen aufweist, so muss
das primär implantierte Osteosynthesematerial entfernt
werden und eine Korrekturosteosynthese z B mit einem
Titanimplantat erfolgen In diesen Fällen ist sonst nicht
mit einer Knochenbruchheilung zu rechnen Da diese
Al-lergisierungen im Zunehmen begriffen sind, resultieren
in erweitertem Umfang versicherungsrechtliche
Proble-me und ggf Haftungsansprüche Zumindest die
anam-nestische Abklärung bietet einen gewissen Schutz vor
ungerechtfertigten Ansprüchen, da bei frischen
Fraktu-ren eine präoperative diffeFraktu-renzierte Abklärung
unmög-lich ist
Gelenkinfektion
Bezüglich der Therapie haben heute nach wie vor die
of-fenen Verfahren mit Arthrotomie und Synovektomie
ih-re Wertigkeit, wenngleich sich im vergangenen
Jahr-zehnt auch ein Wandel vollzogen hat hinsichtlich
mini-malinvasiver Verfahrensweisen Grundsätzlich stellt
je-de Gelenkinfektion einen akuten Notfall dar, je-der eine
schnellstmögliche Behandlung erforderlich macht, dennauch heute noch sind foudroyante Verläufe, die in eineSepsis hineinführen können oder die schlimmstenfallsletal ausgehen können, trotz aller modernen Antibiotikamöglich Hauptsächlich sind 2 Ursachen einer Gelenkin-fektion zu differenzieren, einerseits können intern indu-zierte hämatogene Infekte bei bestehendem Fokus, an-dererseits extern induzierte Infekte dazu führen Ist be-reits der Infekt an sich häufig die Ursache dafür, dass es
zu haftungsrechtlichen Konsequenzen kommen kann,
so muss der verspätete Therapiebeginn mit daraus licherweise resultierenden weiteren Komplikationenerst recht zu juristischen Konsequenzen zwischen Pa-tient und Arzt führen
mög-Jeder akut aufgetretene Gelenkinfekt, sei er nun matogener, posttraumatischer oder auch iatrogener Ge-nese, stellt eine ernsthafte Bedrohung für das betroffeneGelenk dar Am häufigsten sind das Kniegelenk und dasSchultergelenk befallen, wobei in der Mehrzahl der Fälleeine Infektion mit Staphylokokken vorliegt Daraus re-sultiert die Forderung einer notfallmäßigen stadien-adaptierten Therapie, da die Prognose entscheidend da-von abhängt, welcher Zeitablauf zwischen Infektbeginnund erster therapeutischer Maßnahme vergangen ist.Bereits bei dem Verdacht auf eine Gelenkinfektionsind die nachfolgenden laborchemischen Untersuchun-gen durchzuführen:
hä-Kleines Blutbild, ggf Differenzialblutbild kungsgeschwindigkeit und C-reaktives Protein (CRP),zur Keimgewinnung ergibt sich die Indikation für eineGelenkpunktion, um bereits präoperativ eine möglichstfrühzeitige bakteriologische Diagnose zu erhalten.Der Erfolg der primären operativen Maßnahmenscheint im Wesentlichen vom Spüleffekt abhängig zusein Die Anlage von Spül-Saug-Drainagen wird in letz-ter Zeit vielfach als obsolet eingestuft, da aufgrund derguten Möglichkeit der arthroskopischen Spülung angeb-lich keine Vorteile mehr zu erzielen sind Nach erfolgterSynovektomie, sei sie nun arthroskopisch oder offen er-folgt, hat eine für 1 – 2 Tage eingelegte Spül-Saug-Drai-nage jedoch den Vorteil, dass ein längerdauernder Spül-effekt verbleibt, mit dem Restnekrosen entfernt werdenkönnen, wobei die Spül-Saug-Drainage nach diesemZeitraum in eine einfache Drainage umgewandelt wer-den kann Der Spüleffekt kann außerdem durch Einsatzder Jet-Lavage nicht nur bei den extraartikulären Revi-sionen, sondern auch intraartikulär Vorteile bringen.Nach mechanischer Spülung des Gelenks, sorgfältigemDébridement und Nekrektomie muss das betreffendeGelenk wieder geschlossen werden, da eine offeneWundbehandlung nachvollziehbare Nachteile beinhal-tet Eine frühzeitige funktionelle Nachbehandlung 2 Ta-
Blutsen-ge nach der Gelenkrevision kann dazu beitraBlutsen-gen, dass
ei-ne postoperative Bewegungseinschränkung keiei-ne ßeren Ausmaße annimmt Im postoperativen Verlaufmuss eine engmaschige klinische und laborchemischeKontrolle erfolgen Bereits der Verdacht auf ein Infektre-zidiv erfordert eine ebenso dringliche Indikation zu ei-ner erneuten Revision
grö-Als äußerst vorteilhaft hat sich eine frühe rapeutische Nachbehandlung auch unter adjuvanterVerwendung von Motorbewegungsschienen erwiesen
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Trang 18Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich hierbei nach
dem Verlauf respektive der Rückbildung der
entzündli-chen Veränderungen zu richten Parallel dazu muss eine
i v Antibiose über mindestens 1 Woche erfolgen, um
ei-nen gezielten Effekt zu erreichen und auch nach
Abklin-gen der akuten Symptomatik muss die Antibiose
zumin-dest noch oral weitere 2 Wochen fortgesetzt werden
Ein Hauptproblem der hämatogenen Infektion
be-steht darin, dass vorzugsweise Patienten im hohen Alter
oder mit stark reduziertem Allgemeinzustand betroffen
sind, wobei bestehende Vorerkrankungen generell als
Symptomatik dafür anzusehen sind, dass die Prognose
dadurch bereits ungünstig beeinflusst werden kann
Die Wahrscheinlichkeit durch Revisionsmaßnahmen
ein gutes Ergebnis zu erreichen, ist umso größer, je
ra-scher die Behandlung nach einem postoperativen Infekt
einsetzt Trotz korrekt durchgeführter Maßnahmen im
Rahmen des postoperativen
Komplikationsmanaments kann jedoch nur in ganz seltenen Fällen damit
ge-rechnet werden, dass das ideale Therapieziel der
„Resti-tutio ad Integrum“ erreicht wird In den meisten Fällen
muss mit Dauerfolgen gerechnet werden, die in
Bewe-gungseinschränkungen des betroffenen Gelenks,
chro-nischen Synovialitiden und fortschreitenden
arthroti-schen Veränderungen aufgrund von
entzündungsbe-dingten Knorpelschädigungen münden
Rekonstruktive Verfahren
bei Frakturheilungsstörungen
Korrektureingriffe nach
fehlverheilten Frakturen
Korrektureingriffe am Skelettsystem – vordergründig an
den langen Röhrenknochen – nach fehlverheilten
Frak-turen sind aufwendige und technisch schwierige
Opera-tionen Die objektivierbaren Beschwerden ebenso wie
die funktionellen Behinderungen hängen im
Wesentli-chen von der Lokalisation und dem Ausmaß der
Inkon-gruenz ab Bei Fehlstellungen an der unteren Extremität
muss die Entwicklung einer schweren Arthrose
befürch-tet werden, sofern Achsfehlstellungen einen Winkel von
108 überschreiten Die Indikation zur Korrektur
orien-tiert sich jedoch nicht nach dem Beschwerdebild oder
einer radiologisch sichtbaren Arthroseentwicklung,
son-dern sie hat auch vielfach kosmetische Gesichtspunkte
zu berücksichtigen Der Entschluss, welche operative
Therapie am erfolgversprechendsten ist, hat sich nach
der Lokalisation und der Art der Fehlstellung und dem
Ausmaß bereits vorhandener Sekundärschäden zu
rich-ten Allerdings muss auch die Lebenserwartung des
Pa-währleistet ist Am Femur kann wegen der günstigerenWeichteildeckung eine Korrekturosteotomie subtro-chantär oder suprakondylär im metaphysären BereichVorteile aufweisen, auch wenn die Ursache der Fehlstel-lung in der diaphysären Region lokalisiert ist Der grund-sätzliche Vorteil einer metaphysären Osteotomie liegt ineiner günstig einzustufenden Knochenheilung durchbreit aufliegende spongiöse Osteotomieflächen beigleichzeitiger Kompression
Korrektureingriffe mittels Plattenosteosynthese und Marknagel
Hauptindikationen zu posttraumatischen griffen mittels Plattenosteosynthesen stellen die asepti-sche verzögerte knöcherne Heilung, die manifestePseudarthrose, die fehlverheilte Fraktur bzw Kombina-tionsbefunde aus Fehlstellung und verzögerter knöcher-ner Konsolidierung dar Je komplexer sich der klinischeBefund darstellt und je gelenknäher die Korrektur er-folgt, desto besser bietet sich die Platte zur korrektivenStabilisierung und frühfunktionellen Nachbehandlungan
Korrekturein-Ist es nach einer Osteosynthese in einem Zeitraumvon 6 Monaten zu keiner soliden knöchernen Konsoli-dierung der Fraktur gekommen, so spricht man von ei-ner Pseudarthrose Dies bedeutet, dass ohne weiteretherapeutische Maßnahmen aufgrund allgemeiner kli-nischer Erfahrung mit keiner zukünftigen knöchernenKonsolidierung mehr zu rechnen ist Die Pseudarthrosenlassen sich in aseptische Pseudarthrosen, Defektpseud-arthrosen sowie infizierte Pseudarthrosen oder im un-günstigsten Fall in Infekt-/Defektpseudarthrosen eintei-len Die Ursachen dafür stellen ein breites Spektrum dar.Wohl am häufigsten liegt ihre Ursache in einer fehler-haften Indikation vergesellschaftet mit einer insuffi-zienten Operationstechnik Eine Fragmentdistraktionmit fehlender Kompression im Bruchspalt oder Weich-teilinterpositionen können den direkten Kontakt derBruchflächen zueinander vermindern oder verhindernund damit einer Pseudarthrose Vorschub leisten Auchungenügende Repositionsstellungen oder verbliebeneKnochendefekte bei gleichzeitig unterdimensioniertemImplantat können für die Ursachenentstehung relevantsein Während an der oberen Extremität zur Behandlungder Pseudarthrose die Druckplattenosteosynthese einegute Möglichkeit darstellt, die manifeste Pseudarthrosezur Ausheilung zu bringen, ist der Marknagel an der un-teren Extremität, wann immer möglich, das Implantatder Wahl Erlaubt die Fraktursituation jedoch keineMarknagelung, so stellt die Plattenosteosynthese auchheute noch eine gute Alternative dar, auch im Zusam-menhang mit einer Spongiosaplastik oder einer additi-
Rekonstruktive Verfahren bei Frakturheilungsstçrungen 9
Trang 19spielsweise bei einer Umnagelung der Fall ist Die
klini-sche Erfahrung zeigt, dass die Plattenosteosynthese an
der Tibia mit einer globalen Komplikationsrate unter
Einbeziehung aller möglichen Komplikationen mit ca
30% belastet ist, wohingegen die
Marknagelosteosyn-these unter gleichen Kriterien lediglich eine
Gesamt-komplikationsrate zeigt, die bei 10% liegt
Ursache für Implantatversager sind neben operativen
Problemen und technischen Fehlern die Probleme der
Qualität des Implantatlagers, Indikationsfehler für die
Platte oder den Nagel sowie Implantatlockerungen
durch Überbeanspruchungen des Implantatlagers bei
primären oder sekundären Knochendefekten oder ein
inadäquates postoperatives Nachbehandlungsregime,
wobei auch die Patienten-Compliance Einfluss nimmt
Die weitaus größte Zahl posttraumatischer
Deformi-täten, aber auch pseudarthrotisch vorliegender
ehemali-ger Frakturzonen im Übergangsbereich zwischen
Meta-physe und DiaMeta-physe oder im direkten Bereich der
Dia-physe, können in Kombination mit einem
intramedullä-ren Kraftträger durch eine Verriegelungsnagelung
zu-verlässig stabilisiert werden Die Marknagelung ist
hier-bei ideal einzusetzen zur Korrektur von Rotations- und
Achsenfehlern, ebenso wie zur Korrektur von
Verkür-zungen und damit zur Verlängerungsosteotomie Um
ei-nen optimalen Erfolg jeder Korrekturmaßnahme zu
ge-währleisten, sind eine exakte präoperative Planung und
die Wahl des geeigneten Implantats erfolgsabhängig
Hierbei darf nicht vergessen werden, dass die
Rekonst-ruktionseingriffe am distalen Femur ebenso wie an der
distalen Tibia bei frakturbedingten Fehlstellungen
schwierige Eingriffe sind zur Wiederherstellung der
knöchernen Stabilität dieses Skelettabschnittes
Funk-tionelle und morphologische Folgeschäden lassen sich
nur dann vermeiden oder in ihrer Progredienz zeitlich
günstig beeinflussen, wenn eine korrekte
Wiederher-stellung anatomischer Verhältnisse gelingt
DieKomplikationenderMarknagelungbeiEtagenfrak-turen der Tibia bedürfen einer besonders sorgfältigen
In-dikationsstellung Die präzise Durchführung der
Korrek-turosteosynthese ist der zentrale Punkt zur Beseitigung
der im Rahmen des Ersteingriffes entstandenen
Kompli-kationen und der Vermeidung zusätzlicher
intraopera-
tiverSekundärkomplikationen.DiesekönnenineinerDis-traktion einer der Frakturen bei kompletten
Unterschen-kelfrakturen, in der Entstehung eines Rotationsfehlers
oder in einem Kompartmentsyndrom begründet sein,
da viele Komplikationen als Folge einer Marknagelung
unter schwierigen Bedingungen auftreten
Das 1940 erstmalig in Berlin von Küntscher stellte Prinzip der Marknagelosteosynthese zur Versor-gung von diaphysären Frakturen von Femur und der Ti-
vorge-bia ist heute in verschiedenen Modifikationen das
Stan-dardverfahren der Osteosynthesetechnik Durch dieKombination von Marknagel und dynamischer bzw sta-tischer Verriegelung wurde die Indikationsbreite derNagelung an Femur und Tibia bereits zu Beginn der 70erJahre auf das 2 – 5 Schaftsechstel erweitert Unverän-dert bestand die Gefahr der Beschädigung der endos-talen Vaskularität durch den Bohrvorgang in der Mark-höhle und seine Folgen für die Knochenbruchheilung
im Sinne der Bruchheilungsstörung aufgrund der Gefahravitaler Teilnekrosen der Schaftkortikalis und einer da-mit erhöhten Infektionsgefahr Daher stellten II8– III8 of-fene Frakturen mit begleitendem schwerem Weichteil-schaden mit ihrer resultierenden Schädigung der peri-ostalen Blutversorgung die Aufbohrung zunehmend in-frage Für diese Frakturformen wurden der unaufge-bohrte Femurnagel (UFN) und der unaufgebohrte Tibia-nagel (UTN) als vorteilhafte Implantate entwickelt, dieeine geringere Schädigung der endostalen Durchblutungund damit eine schnellere Vaskularisierung induzierenmit Reduktion der Komplikationsraten Femur- und Ti-bianägel in unaufgebohrter Technik werden heute vonzahlreichen Herstellern angeboten
Konzepte zur plastischen Defektdeckung
am Unterschenkel
Weichteildefekte
Ansprüche an eine solide Defektdeckung sind:
"Verbesserte Schutzfunktion vor Infektionen,
"Verbesserung der Durchblutung tieferliegenderStrukturen,
"Vorbereitung geplanter rekonstruktiverMaßnahmen am Knochen,
"Schaffung einer belastungsfähigenWeichteildeckung,
"Verhinderung von Kontrakturen und instabilenNarben
Nicht nur Haut- und Weichteildefekte, sondern auchKnochendefekte stellen am traumatisierten Unterschen-kel vielfältige Probleme in der rekonstruktiven Chirurgiedar So spielen die Defektgröße, die fehlende und zu sub-
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Trang 20stituierende Gewebeart, aber auch die Durchblutung
ei-ne wesentliche Rolle Alter und Allgemeinzustand des
Patienten sowie das Ausmaß des Traumas können die
Notwendigkeit chirurgisch-rekonstruktiver
Maßnah-men zu unterschiedlichen Zeitpunkten ergeben Sie
werden vielfach bereits bei der Erstversorgung, im
se-kundären postoperativen Verlauf, aber in vielen Fällen
auch Jahre nach dem Unfallereignis notwendig Aus
die-sem Grunde sollten bereits bei der Erstversorgung
Über-legungen hinsichtlich möglicher Komplikationen und
evtl erforderlicher weiterer operativer Maßnahmen
er-folgen, da sich dies vorteilhaft auf den weiteren Verlauf
für den Patienten auswirken kann
So bedarf die Entscheidung, welcher Art der
Rekonst-ruktion im Einzelfall der Vorzug zu geben ist, einer
diffe-renzierten Strategie und umfassenden Überlegungen
Während bei isolierten Hautdefekten die einfache
Spalt-haut- oder Vollhauttransplantation die Methode der
Wahl ist, sind freiliegende tiefere Strukturen meist nur
mit größerem Aufwand mit einer adäquaten soliden
Weichteildeckung zu versorgen An lokalen
Lappenplas-tiken stehen kutane, fasziokutane, myokutane und reine
Muskellappen zur Verfügung, wobei die
Einsatzmög-lichkeiten bei weiter distal gelegenen
Defektlokalisatio-nen erfahrungsgemäß eingeschränkt sind Eine
beson-dere Beachtung bei der Durchführung einer lokalen
Lap-penplastik im Rahmen traumatologischer
Defektbildun-gen muss eine mögliche Mitschädigung der
umgeben-den Weichteile durch Quetschung oder Décollement
be-inhalten Eine ausreichende Durchblutung, nicht nur der
betreffenden Extremität, sondern auch des zu
trans-plantierenden Gewebeanteiles muss adäquat gesichert
sein, um keine zusätzliche Schädigung der Extremität
zu bewirken Hier hat sich ein zwei- oder mehrzeitiges
Vorgehen als effizient erwiesen, da im Verlauf eine
mehrfache Beurteilung der lokalen Gewebsstrukturen
möglich ist Größere Defekte mit freiliegendem Knochen
oder Sehnen lassen sich teilweise nur schwierig oder
überhaupt nicht mit lokalen Lappenplastiken decken
Die Entwicklung der Mikrochirurgie begann vor 30
Jahren Aus den unmittelbaren Möglichkeiten der
Mik-Wann immer eine Infektion vorliegt, muss zunächsteine vollständige und radikale Infektsanierung erfolgen,
um die Voraussetzungen für einen mikrovaskulären webstransfer zu schaffen
Ge-Hierbei hat sich zur Defektdeckung eine tive Leiter bewährt, die eine Differenzierung von einfachbis schwierig als Stufenleiter anbietet
rekonstruk-Knochendefekte
Für die Behandlung aseptischer und septischer traumatischer Knochendefekte stehen einerseits dieSpongiosaplastik und andererseits der Segmenttrans-port jeweils in Verbindung mit einem begleitendenosteosynthetischen Verfahren zur Verfügung Bei derEntscheidung, welches therapeutische Verfahren imEinzelfall die besten Aussichten auf eine möglichst ra-sche Ausheilung des Defekts beinhaltet, müssen sowohldie Vor- als auch die Nachteile beider Verfahren Berück-sichtigung finden
post-Die Vorteile der Spongiosaplastik bestehen darin,dass sie ein relativ einfaches, auch mehrfach durchführ-bares und ein relativ zeitsparendes und komplikations-armes Verfahren darstellt Begleitend ist entweder eineFixateur-externe-Osteosynthese oder sind interne Stabi-lisierungsmaßnahmen Voraussetzung
Der Nachteil der Spongiosaplastik besteht darin, dasssie für längere Defekte eher ungeeignet erscheint, da dieMenge der Spongiosa begrenzt und ihre Qualität für einkomplikationsfreies Einheilen häufig gemindert ist DieGefahr einer Refraktur muss adäquate Berücksichtigungfinden und bei Belassen des Implantats in situ sind Kor-rekturen nur in begrenztem Umfang möglich
Die Vorteile des Segmenttransports liegen vor allemdarin, dass auch längere Defekte sehr gut zu überbrü-cken sind, dass aufgrund des Prinzips sich auch überlängere Strecken der Knochen neu bildet und ein gutesRemodelling im Regelfall zu erwarten ist Außerdemkönnen zusätzliche Korrekturen leichter durchgeführtwerden
Die Nachteile des Segmenttransports liegen in seinendifferenzierten, zeitaufwendigen und komplikations-trächtigen Verläufen Er kann in der Regel nur einmaldurchgeführt werden Außerdem müssen die lokalenKallus- und Andockprobleme in Betracht gezogen wer-den
Die Rekonstruktion langstreckiger Schaftdefekte istsowohl für den Patienten als auch den Operateur einlangwieriges und anspruchsvolles Therapiemanage-ment, das für beide gleichermaßen große Belastungenbeinhaltet Das Therapieziel rechtfertigt wiederholteund aufwendige Operationen in der Absicht, für den Pa-tienten ein akzeptables Ergebnis mit belastungsstabiler
Rekonstruktive Verfahren bei Frakturheilungsstçrungen 11
Tabelle 1.6 „Stufenleiter“ zur Defektdeckung
einfach direkter primrer oder sekundrer
Wund-verschluss, sekundre Hauttransplantation(Mesh-graft-Verfahren)
anspruchs-voll
konventionelle ortsstndige und lappenplastiken (Expanderlappenplastik,kutane, faszio- und myokutane Lappen-plastiken)
Fern-schwierig freies Transplantat mit mikrochirurgischer
Gefßanastomosierung
Trang 21das Prozedere Grundvoraussetzungen für einen
prob-lemfreien Verlauf sind auch hier die Schaffung einer
so-liden Stabilität und eine gute Vaskularität des
Implan-tat- oder Transportlagers
Die Pro- und Kontraindikation beider Verfahren lässt
sich auf einen einfachen Nenner bringen:
Indikation zur Spongiosaplastik Günstig bei
Defekt-bildungen < 3 cm, vorwiegend an der Tibia, bei stabiler
Fibula und einer guten Weichteilsituation Auch
gelenk-nahe Rekonstruktionen sind durch die spongiösen
Strukturen gut geeignet
Indikation zum Segmenttransport Dieser bietet sich
bei Defekten > 3 cm an, wobei auch zusätzliche
Defekt-bildungen an der Fibula nicht hinderlich sind Er bietet
sich außerdem bei gelenkfernen Defekten an, auch unter
Berücksichtigung schlechter Weichteilverhältnisse
Kor-rekturerfordernisse lassen sich günstig durchführen
Zur Infektsanierung und zum Defektstreckenaufbau bei
posttraumatischen Pseudarthrosen oder ausgedehnten
knöchernen Substanzdefekten steht mit der
Kallusdi-straktion ein wirksames Therapiekonzept zur
Verfü-gung, das als „knochenbildendes“ Verfahren
wesentli-che Vorteile gegenüber den gebräuchliwesentli-chen „knowesentli-chen-
„knochen-verbrauchenden“ Verfahrensweisen durch
umfangrei-che Spongiosaplastiken aufweist Um eine rasumfangrei-che
Wie-derherstellung der knöchernen Kontinuität zu
errei-chen, muss eine Sanierung des Weichteilmantels erfolgt
sein und eine Resektion sämtlicher devitalisierter und
infizierter Knochenareale Eine Verkleinerung der
In-fekthöhle kann durch eine initiale Verkürzung der
Extre-mität nach Resektion sämtlicher infizierter
Knochen-areale erreicht werden, wobei in der
Nachbehandlungs-phase mittels Kallusdistraktion der Wiederaufbau eines
radiologisch vollwertigen und belastungsstabilen
Röh-renknochens angestrebt wird Nur dieser kann die
bio-mechanischen Anforderungen, die an eine vollbelastete
Extremität gestellt sind, gewährleisten Für diese
zeit-lich aufwendige Maßnahme können sowohl der
Ring-fixateur als auch die Transportsysteme der AO
erfolg-reich eingesetzt werden Nach Sanierung
posttraumati-scher oder postinfektiöser Defekte erfolgt die
Kortikoto-mie mit einer kontinuierlichen Distraktion bis zur
Do-ckingphase Der Segmenttransport stellt ein sehr zientes Verfahren dar für die Überbrückung großer De-fektzonen und ist häufig die einzige Möglichkeit, einenExtremitätenerhalt zu gewährleisten Die Geschichteder Distraktionsosteogenese (nach Ilizarov stimuliertdie langsame Distraktion des Osteotomiespaltes durchkontinuierlichen Zug die Knochenneubildung) ist eineErfolgsgeschichte, die als bewährtes Verfahren für dieWiederherstellung von Form und Funktion der langenRöhrenknochen steht
effi-Refraktur
Die Problematik der Refrakturen ist ein äußerst schichtiges Geschehen, welches ätiologisch vielfachnicht befriedigend zu erklären ist Unter einer klassi-schen Refraktur versteht man eine erneute Bruchbil-dung im Bereich einer primär konsolidierten Frakturzo-
viel-ne Die Definition der Refraktur wird in der Literaturauch heute noch sehr uneinheitlich dargestellt So wer-den für Refrakturzonen folgende Begriffe verwendet:
Definition der Refraktur
Eine Refraktur ist eine traumatisch bedingte nuität in einem Knochenabschnitt, in dem schon eineprimäre konsolidierte Fraktur, die adäquat versorgt wur-
Diskonti-de, und die ursächlich an der neuerlichen Fraktur ligt ist, stattgefunden hat (Grob u Magerl 1987).Von einer Refraktur sprechen wir, wenn zuvor eineFraktur im gesunden Knochen vorgelegen hatte und die-
betei-se Fraktur nach Abschluss der Behandlung als baut angesehen worden war, bzw im Falle einer operati-ven Frakturbehandlung die Implantate entfernt wordenwaren oder es zu einer neuerlichen Kontinuitätsdurch-trennung ohne adäquates Trauma im alten Frakturbe-reich gekommen ist (Kessler u Schweiberer 1988).Alle Definitionen beinhalten den Versuch, die multi-faktorielle Ätiologie der Refraktur zu definieren Der pri-mär objektivierbare Faktor dabei ist das morphologischeErscheinungsbild einer erneuten Fraktur, die sich auf-grund der Röntgenaufnahmen leicht diagnostizierenlässt Die Literaturangaben über die Häufigkeit der Re-frakturen differieren aufgrund unterschiedlicher Eintei-lungskriterien zwischen 2 und 15%
durchge-Nach Grob u Magerl lassen sich die Refrakturen in 2Hauptgruppen unterteilen Sie unterscheiden einerseitssog „fokale Refrakturen“, wozu die Frakturen zählen, dieidentisch mit der primären Frakturlokalisation sind, an-dererseits die „parafokalen Refrakturen“, bei denen dieSekundärfraktur nicht identisch mit der primären Frak-turlokalisation ist, die jedoch im gleichen Knochenab-
Tabelle 1.7 Differenzialindikation zur Spongiosaplastik und
zum Segmenttransport bei knçchernen Defektzonen im
Schaft-bereich
Spongiosaplastik und Segmenttransport –
pro und contra Indikation zur
Spongiosaplastik Indikation zum Segmenttransport
" Defektgrçße < 3 cm " Defektgrçße > 3 cm
" bei guten
Weichteilen
" bei schlechtenWeichteilen
" gelenknahe Defektlage " gelenkferne Defektlage
" keine
Korrektur-notwendigkeit
" Korrekturnotwendigkeit
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Trang 22schnitt lokalisiert sind Die im Bereich der Primärfraktur
lokalisierten Refrakturzonen können aufgrund einer
Umbaustörung, aufgrund eines gestörten
Heilungsver-laufes im Rahmen einer lokalen Durchblutungsstörung
oder durch lokale Strukturdefizite bedingt sein
Insbe-sondere die Problematik des dritten Fragmentes kann
Hauptursache für eine Refraktur darstellen, wenn sich
radiologisch eine scheinbar sicher knöchern
konsoli-dierte Fraktur darstellt Die Nichtbeachtung der
indika-torischen Grenzen von Platten- und
Nagelosteosynthe-sen und die Missachtung biomechanischer Prinzipien
können Verläufe nach sich ziehen, die zu einer
verzöger-ten Bruchheilung oder zu einer späteren
Pseudarthro-senbildung führen Beide Befunde sind insbesondere
dann von Bedeutung, wenn radiologisch eine knöcherne
Konsolidierung vorzuliegen scheint, die aber durch
Kno-chenstrukturveränderungen kaschiert werden kann,
beispielsweise auf der Basis einer Osteoporose mit
Rare-fizierung der Knochenbälkchenstruktur in der
ehemali-gen Frakturzone, aber auch beim Befund einer
eburni-sierten Frakturzone mit radiologisch sichtbaren
Struk-turverdichtungen
Bei den fokalen Refrakturen wird vordergründig und
ursächlich eine persistierende Schwachstelle
angenom-men Bei den sog „Umbaufrakturen“ hat die Erstfraktur
noch nicht die volle Stabilität erreicht Gestörte
Kno-chenbruchheilung oder eine Strukturinsuffizienz des
Knochens können weitere Faktoren darstellen, die sich
begünstigend auf eine Refraktur auswirken Auch eine
Fehleinschätzung der Frakturheilung im Röntgenbild
mit frühzeitiger Vollbelastung oder fehlender
Patien-ten-Compliance können mitverantwortlich zeichnen
Bei den parafokalen Refrakturen liegt vielfach ein
adäquates neues Trauma vor, wobei die Nähe zur
Erst-verletzung zufällig gegeben ist Die Differenzialdiagnose
ist schwierig, da eine verbliebene lokale
Strukturinsuffi-zienz (Inaktivitätsosteoporose) oder andere
Stressfakto-ren (Schraubenkanäle nach entferntem Implantat) die
Hauptursache darstellen können Der Zeitraum
zwi-schen Erstfraktur und Refraktur spielt für die Definition
keine Rolle, sofern die Erstfraktur zum Zeitpunkt der
Re-fraktur als klinisch geheilt angesehen wurde
Die Ursachenklärung der Refrakturen sollte bereitsunter Einbeziehung der Primärtherapie der Erstfrakturerfolgen Insuffiziente Osteosynthesetechniken, dieFehleinschätzung der notwendigen Nachbehandlung,
zu frühe Vollbelastung, frühzeitige Metallentfernung inVerbindung mit einem erneuten Trauma ergeben diediskutorischen Rahmenbedingungen bei der Ursachen-forschung nach eingetretener Refraktur Probleme kön-nen auch aufgrund der Röntgentechnik auftreten, wenn
in situ befindliche Osteosynthesematerialien eine
exak-te Beurexak-teilung der lokalen Situation unmöglich machenoder wenn eine hypertrophe Kallusbildung zu einer fal-schen Interpretation der Lokalsituation führt Ein weite-res Problem liegt in der Tatsache begründet, dass nachder Metallentfernung auf eine nochmalige Röntgenkon-trolle verzichtet wird Diese sollte aber insbesondere imSchaftbereich, sowohl nach Platten- als auch nach Mark-nagelosteosynthesen eine Conditio sine qua non darstel-len, da sie eine spätere Erklärung der Refraktur erleich-tern kann In diesem Zusammenhang muss aber auchder adäquate Zeitpunkt der Metallentfernung erwähntwerden, da bei zu früher Metallentfernung die Gefahreiner Refraktur zweifelsohne erhöht sein kann Schließ-lich ist die Patienten-Compliance nach erfolgter Metall-entfernung gleichermaßen verlaufsbedeutend, was eineAufklärung über die erforderlichen Verhaltensweisenbeinhalten sollte
Trang 232 Risk-Management als juristische Qualittssicherung
Schadensprävention bei den
rechtlich geprägten Fehlerquellen
Qualitätssicherung wurde und wird in den
Krankenhäu-sern von jeher praktiziert, um auf breiter Basis eine dem
jeweiligen Leistungsstand der Medizin entsprechende
ärztliche Versorgung des Patienten zu gewährleisten
und die Patientenzufriedenheit kontinuierlich zu
ver-bessern Dazu gehört vor allem auch die Stärkung der
Transparenz, der Kommunikation und Kooperation der
Mitarbeiter, der einzelnen Kliniken, Abteilungen,
Insti-tute und anderer Einrichtungen untereinander und
mit-einander Entsprechend ihrer Zielsetzung geht es der
Qualitätssicherung deshalb auch um die frühe
Erken-nung von Gefahren für den Patienten im Krankenhaus
und damit um die Vermeidung von Haftungsrisiken für
die im Krankenhaus Tätigen, also einerseits um den
„Schutz des Patienten“, andererseits aber auch um die
„Sicherung des Arztes vor den forensischen
Konsequen-zen seines Handelns“ (Weißauer 2000)
Interne und externe Qualitätssicherung,
Selbstkon-trolle und FremdkonSelbstkon-trolle, Selbstbewertung und
Fremd-bewertung der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität
lassen aber einen ganz wesentlichen Teilbereich,
näm-lich die rechtnäm-lichen Vorgaben bei der
Krankenbehand-lung, gänzlich oder weitgehend unbeachtet, wie die
KTQ-Konzepte sehr deutlich machen, bei denen die
Be-griffe „Recht“ oder „Juristen“ u a nicht auftauchen Hier
setzt das sog Risk-Management als Ergänzung einer
systematischen präventiven Qualitätssicherung in der
Medizin an, indem von außen her die spezifisch
recht-lich geprägten Krankenhaus- und Behandlungsrisiken
vor dem Hintergrund einer ausufernden
Arzthaftungs-judikatur und der Verrechtlichung der Medizin in den
Blick genommen werden Risk-Management zielt auf
Schadensprävention, auf die Vermeidung individueller
und organisatorischer Mängel, insbesondere im Bereich
der sog Schnittstellen, auf die Beseitigung von
Fehler-quellen im Bereich der Arbeitsteilung, der Aufklärung
und Dokumentation, auf die fehlende Umsetzung
ge-setzlicher Vorgaben im Bereich der Gerätesicherheit
und auf das mit vielen Unsicherheiten durchsetzte Feld
des „Verhaltens nach einem Zwischenfall“ ab Dabei geht
es beim Risk-Management immer um eine ganz
be-stimmte, vorbeugend-juristische Perspektive, nämlich
nicht abzuwarten, bis ein Schadensfall infolge eines
Be-handlungs-, Aufklärungs-, Organisations-,
Dokumenta-tionsmangels oder Gerätefehlers eintritt, sondern die
aus rechtlicher Sicht im Krankenhausbetrieb
vorhande-nen Schwachstellen aktiv anzugehen, um Schäden zu
vermeiden, jedenfalls aber zu reduzieren Insofern ist
das Risk-Management als juristische Qualitätssicherung
integraler Bestandteil der medizinischen rung, eine notwendige Ergänzung derselben, aber keinErsatz (Ulsenheimer 1998)
Qualitätssiche-Anstelle immer nur zu reagieren, nachdem etwaspassiert ist, verfolgt das Risk-Management das Ziel,Schadensprophylaxe zu betreiben, damit nichts oder zu-mindest weniger „passiert“ Denn die rechtlichen Risi-ken, die in einem Krankenhaus vorhanden sind, könnenexistenzbedrohend sein, auch wenn sie versichert sind,
da Schadensfälle Ruf und Ansehen eines ganzes kenhauses in der Öffentlichkeit gravierend beeinträchti-gen und sich damit im Konkurrenzkampf der Kranken-häuser untereinander auf die Akzeptanz, die Patienten-zahl und damit die wirtschaftliche Situation verheerendauswirken können Die medizinischen Leistungen kön-nen noch so gut sein, die Verwaltung noch so effektivwirtschaften – Dokumentations- und Aufklärungsmän-gel können zu Klagen und Prozessniederlagen führenund damit Erfolge im Bereich der Krankenbehandlungoder der Unternehmensführung mit einem Schlag zu-nichte machen Jedes Krankenhaus und jeder Arzt istdeshalb gut beraten, der Haftungssituation seine beson-dere Aufmerksamkeit zu widmen und sich nicht in eingleichmütiges Hinnehmen der Prämiensteigerungen fürdie Krankenhaus- bzw Arzthaftpflichtversicherung oder
Kran-in Schuldzuweisungen und Kritik an den „praxisfernen“und „überstrengen“ Sorgfaltsanforderungen der Juristen
zu flüchten Sorglosigkeit bei der Einschätzung des ko- und Haftungspotenzials ist umso weniger ange-bracht, als bekanntlich die Zahl der Zivil- und Strafver-fahren gegen Ärzte in den letzten beiden Jahrzehntendramatisch zugenommen hat und, wenn nicht alle Zei-chen trügen, durch die Regressansprüche der Kranken-kassen und entsprechende Beratung der Patienten wei-ter zunehmen werden
Risi-Bekämpfung der spezifischen normativen Haftungsursachen
Abhilfe kann hier nur ein neues präventives Konzeptschaffen, das der Haftungsexplosion im Heilwesenbe-reich den Boden entzieht, indem es das „Übel an derWurzel packt“, also soweit wie möglich die Ursachendieser Entwicklung beseitigt und damit den Patientenweniger Angriffsflächen, weniger Einwirkungsmöglich-keiten, weniger Grund zum Klagen bietet
Dabei liegt auf der Hand, dass die allgemeinen schaftlichen und medizinischen Gründe für die „Hoch-konjunktur der Arzthaftung“ von Ärzten und Kranken-häusern nicht steuerbar sind, d h.: Das übersteigerteAnspruchsdenken vieler Patienten, die zunehmende Ar-
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Trang 24beitsteilung im Krankenhaus bei der
Patientenbehand-lung, das geschwundene Vertrauensverhältnis zwischen
Arzt und Patient, die Anonymität der Großkliniken, die
Fortschritte der Medizin, die Rechtsschutzversicherung
vieler Patienten, die anwaltliche Beratung, die
An-schwärzung von Kollegen, unzureichende oder gar
fal-sche Sachverständigengutachten, Personalknappheit
und extreme zeitliche Beanspruchung aller im
Kranken-haus Tätigen, überzogene Aufklärungsanforderungen,
Beweiserleichterungen zugunsten des Patienten im
Arzthaftungsprozess, um nur die wesentlichsten
Ursa-chen in diesem Zusammenhang zu nennen, sind für
Krankenhäuser und Ärzte nicht beeinflussbar Dagegen
können durch ein aktives Risk-Management die
haf-tungsspezifischen, klinikinternen Gefahrenquellen für
Ärzte, Pflegekräfte und Verwaltungsdirektoren
aufge-deckt und im Rahmen der finanziellen, personellen,
ap-parativen und organisatorischen Möglichkeiten
ausge-merzt bzw gesenkt werden Aus Fehlern und
Beinahe-schäden lernen, heißt die ebenso simple wie
wirkungs-volle Devise, Behandlungsfehler, Aufklärungsfehler,
Or-ganisationsfehler, Dokumentationsmängel und
Geräte-fehler zu eliminieren
Dabei muss man sich allerdings im Klaren darüber
sein, dass der Risk-Management-Ansatz auf dem Feld
der Behandlungsfehler nur bedingt greifen kann,
näm-lich durch Hinweise auf Leitlinien, eine Steigerung des
Risikobewusstseins, durch Hervorhebung der
Bedeu-tung von mehr Kontrolle, AnleiBedeu-tung und schriftlicher
Fi-xierung (z B interdisziplinärer Absprachen oder des
Leistungsstandards), durch Betonung der Fortbildung,
durch Unterweisung und Schulung des Personals bei
neuen Techniken, durch eine Förderung der
Vertrauens-beziehung zwischen Arzt und Pflegekraft einerseits und
zum Patienten andererseits Risk-Management bedeutet
dabei keine fachliche Überprüfung von Verwaltung,
Ärz-teschaft und Pflegekräften im Krankenhaus, sondern im
Behandlungsbereich nur die Überprüfung, ob aus
typi-schen Fehlern die gebotenen Konsequenzen gezogen,
wiederkehrende Schadensursachen (etwa
Verbrennun-gen, Lagerungsschäden, wiederholte Verletzung des
N accessorius, Häufung von Dekubitus-Geschwüren
u a.) beseitigt und aus „gerade noch einmal gut
gegan-genen“ Komplikationen die nötigen Einsichten, Lehren
und Informationen für alle im Krankenhaus Tätigen
ge-wonnen wurden
Unmittelbar prägenden Einfluss gewinnt das
Risk-Management dagegen überall dort, wo die
Schadens-quellen normativ, d h durch generelle Forderungen
und Einzelfallaussagen der Judikatur geprägt sind Dazu
gehören vor allem die Krankenhausorganisation, die
ärztliche Zusammenarbeit, die apparative und
personel-le Ausstattung, der Verwaltungs- und Abteilungsaufbau,
die sog Schnittstellen (z B Abgrenzung ärztlicher und
Pflegekräfte sichtbar gemacht und gleichzeitig eine
Fül-le rechtlicher Anforderungen als Lehr- und Lernmaterialformuliert, das in die Praxis umgesetzt werden muss
Dazu ist der Sachverstand von Arzthaftungsspezialistenerforderlich, die ihr Expertenwissen und ihre Erfahrun-gen von außen her an Verwaltung, Ärzte und Pflegekräf-
te herantragen, um die beschriebenen spezifisch lich induzierten Krankenhaus- und Behandlungsrisiken
recht-zu erfassen und durch entsprechende Maßnahmen inden Griff zu bekommen Nur eine solche juristische Qua-litätssicherung kann in Verbindung mit einem sinnvol-len Qualitätsmanagement die jeweils notwendigen Kor-rekturen in der Gesundheitsversorgung bewirken unddie „Haftungsspirale“ zurückdrehen
Das Dreieck Recht – Medizin – Organisation als Grundlage des Risk-Management-Konzepts
Welches Risk-Management-Konzept im Einzelnen zurAnwendung gelangt, ist demgegenüber eine zweitrangi-
ge Frage und hängt angesichts der Vielfalt der Probleme,der Verschiedenartigkeit der Krankenhäuser sowie derbeteiligten Personen weitgehend von subjektiven Präfe-renzen ab Entscheidend ist nur, dass ein echtes Risk-Management durchgeführt wird, und d h.: Im Zentrummüssen die Rechtsprechung und Rechtsvorschriften ste-hen, die der Krankenhausverwaltung, den Ärzten undPflegekräften gleichsam als Spiegel vorgehalten werden,
um sich daran als verbindlicher Richtschnur zu ren
orientie-Weil es um die Schnittstellen zwischen Recht, zin und Organisation geht, sollte das Risk-Management-Team aus einem Juristen, einem Mediziner und einemOrganisationsspezialisten bestehen Für ihr Vorgehen
Medi-hat sich in der Praxis ein 5-Stufen-Modell bewährt.
1 Stufe: das Informationsgespräch
In diesem ersten Abschnitt wird das Konzept von seinen Wurzeln her und in seiner Zielset-zung dargestellt, ein „Problembewusstsein“ geschaffenund für Offenheit, Vertrauen und Kommunikation unter-einander geworben, um ohne Angst vor Kritik, dem Ein-geständnis eines Fehlers oder rechtlichen Konsequenzenüber Zwischenfälle, Komplikationen und Misserfolgesprechen zu können Mit Recht ist seitens der Ärzte, Pfle-gekräfte und Verwaltungsangestellten Skepsis ange-bracht, denn die von außen kommenden Dienstleisterstehen Schlange: Wirtschaftliche Berater (Unterneh-
Risk-Management-1 Stufe: das Informationsgesprch 15
Trang 25Abteilungsspitze ist, sondern alle im Krankenhaus
Be-schäftigten angeht und deshalb ein Umdenken
voraus-setzt: Psychologische Hemmnisse im Miteinander
müs-sen abgebaut, die innere Bereitschaft aller im
Kranken-haus Verantwortlichen, nicht nur der Ärzte, sondern
auch des Pflegedienstes und der Verwaltung, zur
Aufga-be von Vorurteilen und VorAufga-behalten muss vorhanden
sein, um in gemeinsamen Bemühungen die u U
existen-ziell bedrohlichen Haftungsrisiken aufzuspüren und zu
vermeiden
Die Mitglieder des Risk-Management-Teams
kom-men deshalb nicht als „Kontrolleure mit erhobenem
Zei-gefinger“ und nicht als „Besserwisser“, sondern als
kom-petente Fachleute, die beraten, unterstützen und
absi-chern wollen Wer sich für das
Risk-Management-Kon-zept entscheidet, entscheidet sich deshalb für eine
ob-jektive Beurteilung, der Kritik und Tadel ebenso fremd
sind wie Lob und Auszeichnung Es geht nicht um ein
„gutes“ oder „schlechtes“ Bild der Verwaltung bzw einer
einzelnen Abteilung, nicht um ein „gutes“ oder
„schlech-tes“ Abschneiden bei der juristischen Risikoanalyse,
sondern um eine rechtliche Standortbestimmung vor
dem Hintergrund der zahllosen juristischen Vorgaben,
um die Wahrnehmung der Chance, in diesem Labyrinth
rechtlicher „Fußangeln“ eventuelle Schwachstellen
auf-zufinden, vorhandene Defizite anzusprechen und sich
ihrer ohne konkreten Haftungsfall zu entledigen
2 Stufe: die Risikoanalyse
Die zweite Phase des Risk-Managements besteht aus
Be-sichtigungen im Krankenhaus und Interviews mit der
Verwaltungsleitung, der Pflegedienstleitung und der
Leitung einzelner Kliniken bzw Abteilungen Die
Be-sichtigungen betreffen u a die Intensivstation, den
Kreißsaal, die Notaufnahme, das Archiv, die Technik,
um einige wichtige Bereiche zu nennen Die Interviews
erfolgen schwerpunktmäßig in den haftungsträchtigen
Fachgebieten, also der Geburtshilfe/Gynäkologie, der
Chirurgie und der Anästhesie, wobei insbesondere
fol-gende Sachkomplexe abgefragt werden:
"Vorhandensein eines umfassenden
Organisationssta-tuts für das Krankenhaus, in dem die Funktionsträger,
die Kompetenzen und Entscheidungsvorbehalte,
Zu-ständigkeiten und Vertretungen, Aufgaben und
Kon-trollpflichten klar geregelt sind
"Organisation der Patientenaufklärung und der
Doku-mentation,
"Dienstanweisung für das Verhältnis der
Entschei-dungsträger im Krankenhaus zur Industrie,
"Einhaltung des Facharztstandards,
"Einsatz von AiP im Nacht- und Bereitschaftsdienst
sowie im Kreißsaal und in der Notaufnahme,
"Einsatz übermüdeter Ärzte,
"Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes,
"Überwachung genehmigter Nebentätigkeiten
bei Rückwirkungen auf die Ruhephasen,
"personelle Unterbesetzung,
"Prüfung der Qualifikation der Mitarbeiter,
"Kontrolle der Aus- und Fortbildung,
"Kompetenzabsprachen verschiedener Fachgebiete imhorizontalen Bereich,
"Kooperation mit anderen Kliniken, Auslagerung stimmter Aufgaben an externe Leistungserbringerbzw Übernahme zusätzlicher Aufgaben seitens desKrankenhauses für niedergelassene Ärzte und andereKliniken,
be-"Aufklärungsprobleme (Organisation der Aufklärungdurch Dienstanweisungen, Sammlung einschlägigerEntscheidungen zur ärztlichen Aufklärungspflicht,Umfang der Aufklärung, Aufklärung über eingriffs-spezifische Risiken, über Behandlungsalternativen,Aufklärung mittels Formulare, Zeitpunkt und Zeit-dauer der Aufklärung bei stationären, ambulantenund diagnostischen Eingriffen, Aufklärung bei Kin-dern, bei Jugendlichen (14 – 18 Jahre), geistig desori-entierten Personen, Aufklärung bei nicht deutsch-sprachigen Patienten, Verzicht auf Aufklärung,Grundaufklärung, Abhängigkeit des Aufklärungsum-fangs von der medizinischen Indikation und der zurVerfügung stehenden Zeit u a.),
"Anordnung und Durchführung intramuskulärer undintravenöser Spritzen, Abgrenzung der ärztlichenund pflegerischen Verantwortlichkeiten, Aufklärungdes Patienten vor Spritzen, Thromboseprophylaxeund Medikation,
"Dokumentationspflichten (Regelung der tationspflicht durch Dienstanweisung, Führung derKrankenblattunterlagen, Erstellen der Operations-pläne, Fertigung zeitgerechter Operationsberichte,rechtzeitige Abfassung und Versendung der Arztbrie-
Dokumen-fe, Auffindbarkeit der Röntgenaufnahmen u a., vierung, Beachtung datenschutzrechtlicher Bestim-mungen und der ärztlichen Schweigepflicht, Doku-mentation durch Urkunden oder Computer),
Archi-"Abgleich ärztlicher und pflegerischer tion,
Dokumenta-"Wiederholung und schriftliche Bestätigung mündlicherteilter Anordnungen,
"Gerätefehler und Gerätesicherheit
(Gerätebeauftrag-te, Schulung, Einweisung, Dokumentation, Auswahl,Bereitstellung und Wartung von Geräten, Führungdes Gerätebuchs u a.),
"ambulantes Operieren: apparative und personelleVoraussetzungen, Aufklärung, postoperative Betreu-ung des nach Hause entlassenen Patienten,
"Durchführung und Kontrolle von ten,
Hygienevorschrif-"Verhalten nach Zwischenfällen („Wenn der walt kommt“ …),
Staatsan-"Kenntnis der einschlägigen AWMF-Leitlinien desFachgebiets, Anwendung bzw Begründung ihrerNichtbeachtung
Der Zustand der Organisation eines Krankenhausesmuss dessen Standard entsprechen, d h eine Universi-tätsklinik muss höheren Ansprüchen genügen als ein
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Aus Dittel, K.-K., K Weise: Komplikationsmanagement in der Traumatologie (ISBN 9783131291615) © 2003 Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart
Trang 26kommunales Krankenhaus Immer aber bleibt zu
beach-ten: Die Anforderungen der Haftungsrechtsprechung an
den Organisationsbereich sind streng, zumal sie aus der
Sicht ex-post gestellt werden und man im Nachhinein
bekanntlich immer „schlauer“ ist (Steffen 1999) Daher
wundert es nicht, dass gerade die
Organisationspflich-ten in den letzOrganisationspflich-ten Jahren für die Arzt- und
Krankenhaus-haftung immer bedeutsamer geworden sind und gerade
deshalb die sorgfältige Komplikationsvermeidung auf
diesem Feld viel Positives bewirken kann Die
Empfeh-lungen und Stellungnahmen der jeweiligen
wissen-schaftlichen Fachgesellschaften und Berufsverbände
ge-ben hier wertvolle Hilfestellung für Fragen und
gleich-zeitig für Abhilfemaßnahmen Außerdem bringen
viel-fach die Gesprächspartner von sich aus Mängel bzw
Probleme im organisatorischen Umfeld zur Sprache, so
dass das Expertenteam mitunter nur schon vorhandene
Vorschläge oder Überlegungen übernehmen muss und
eigene Empfehlungen sofort auf fruchtbaren Boden
fal-len
3 Stufe: der Risikobericht
Die Auswertung der Einzelbefragungen und sonstigen
Erhebungen im Krankenhaus bildet die dritte Phase des
juristischen Risk-Managements Dieser Bericht ist
na-türlich eine „Momentaufnahme“ und ganz davon
ab-hängig, ob die gestellten Fragen wahrheitsgemäß bzw
zutreffend beantwortet wurden, ist also weniger
„Analy-se“ als vielmehr Beschreibung eines Ist-Zustandes Da
dieser Bericht nur die haftungsrelevanten
Schwachstel-len enthält, ist manche Verärgerung, Enttäuschung oder
Unzufriedenheit verständlich, wenn die Abteilung ein
mehr oder weniger großes juristisches Risikopotenzial
aufweist In der Sache selbst aber sind solche
Unmuts-äußerungen oder gar eine Anti-Haltung gegenüber dem
Risk-Management-Projekt sachlich verfehlt Denn es
geht bei der Schadensprävention, wie eingangs erwähnt,
nicht um Bewertung und Gütesiegel, Prämierung von
Leistungen und – sei es positive oder negative – Kritik,
sondern um die nüchterne Darstellung mehr oder
weni-ger bedeutsamer Schwachstellen aus rechtlicher Sicht
Dies darf daher nicht zu „Irritationen“ oder gar
An-feindungen gegenüber dem externen Expertenteam
füh-ren, sondern muss als Chance begriffen werden, die
me-dizinische Qualität der Krankenbehandlung noch zu
ver-bessern bzw juristisch unangreifbar zu machen, indem
man die rechtlichen Anforderungen der Gesetze,
Verord-nungen oder Rechtsprechung einhält Diese sind als
Fak-ten vorgegeben und können weder vom Krankenhaus
noch von den Ärzten noch von den Pflegekräften oder
den Experten verändert oder übersehen werden Hinzu
kommt, dass die juristischen „Schwachstellen“ ein sehr
eine Überforderung der Verantwortungsträger und ihrerMitarbeiter vermieden werden Deshalb müssen kurz-,mittel- und langfristige Maßnahmen ebenso unterschie-den werden wie solche, die sofort und nahezu kosten-neutral erfolgen oder aber erst nach einer gewissen Zeitmit erheblichem Zeitaufwand und unter Einsatz be-trächtlicher finanzieller Mittel verwirklicht werdenkönnen So wäre etwa die Einstellung weiterer Ärzte ineiner Abteilung und die Änderung der Organisation inder Zusammenarbeit zwischen 2 oder mehreren Klini-ken eine zumindest mittelfristige und auch kosteninten-sive Maßnahme, während der Umbau eines OP oder derEinbau einer Klimaanlage nur langfristig und mit gro-ßem finanziellem Aufwand verwirklicht werden kann
Dagegen wären die Beschaffung geeigneter formulare für bestimmte Eingriffe, das Vermerken desZeitpunkts und der Dauer des Aufklärungsgesprächs,das Abzeichnen ärztlicher Anordnungen bei Visiten oderdie Ausstellung sog „Spritzenscheine“ zum Befähi-gungsnachweis für diejenigen Schwestern, die intrave-nöse Spritzen geben dürfen, wichtige haftungssenkendeSchritte, die bei entsprechendem Engagement und Be-reitschaft zum Wandel sofort und ohne ins Gewicht fal-lende Mehrkosten möglich sind Immer aber sollte manbedenken, dass große Schäden oft kleine Ursachen ha-ben und daraus sich nicht nur Schadensersatzansprü-che, sondern auch Strafverfahren entwickeln können –mit meist großer Publizität und persönlicher Betroffen-heit
Aufklärungs-Der Risikobericht ist eine auf Vertrauen beruhendeund deshalb auch vertrauliche Darstellung des jeweili-gen Krankenhauses und seiner Abteilungen Es mussdeshalb sichergestellt werden, dass der Risikoberichtsorgfältig verwahrt und vor dem Zugriff Dritter ge-schützt ist Dies bedeutet zum einen, dass keine Infor-mationen über den Inhalt des Berichts an die Presse ge-hen, und zum anderen, dass die Ausführungen der Ex-perten auch nicht für etwaige gerichts- oder staatsan-waltschaftliche Ermittlungsverfahren verwertbar seindürfen
4 Stufe: die praktische Umsetzung
Nach dem Vorliegen des Risikoberichts beginnt die
vier-te Phase des Risk-Managements, in der es um die sche Umsetzung der notwendigen Abhilfemaßnahmenund Verbesserungsvorschläge geht Ebenso wie die me-dizinische Qualitätssicherung ist das Risk-Managementkeine singuläre Maßnahme, sondern eine Dauereinrich-tung, ein Anstoß zur Weiterentwicklung, der – in die Zu-kunft gerichtet – Risikoprävention bewirken will unddeshalb Korrekturen, Ergänzungen, Neuerungen be-dingt Die durch die Risikoanalyse aufgeworfenen Prob-
prakti-4 Stufe: die praktische Umsetzung 17
Trang 27für Punkt anzugehen, die Bewältigung der gestellten
Aufgaben trotz des „Diktats der leeren Kassen“ möglich
ist
Wie das Krankenhaus dabei vorgeht, ist individuell
verschieden Sinnvoll erscheint z B die
Institutionalisie-rung eines Risk-Managers bzw einer entsprechenden
Kommission im Haus, die – mit der nötigen Sachkunde,
Kompetenz und dem erforderlichen Vertrauen
ausge-stattet – die Durchführung der
Verbesserungsmaßnah-men überwachen, die erforderlichen Anstöße zur
Risi-kominimierung geben und begleitend Vorträge und
Workshops zu den einschlägigen haftungsrelevanten
ju-ristischen Themen arrangieren, Dienstanweisungen
aus-arbeiten oder Entwürfe für Absprachen zur
interdiszipli-nären Zusammenarbeit vorlegen soll Alle diese
Aufga-ben können nur Schritt für Schritt, teilweise auch nur
unter Heranziehung auswärtiger Fachleute, mit
Zähig-keit und Energie, vielleicht auch nur durch Einstellung
zusätzlichen Personals gelöst werden
Auch hier ist wieder das Miteinander aller im
Kran-kenhaus Tätigen gefragt Denn wenngleich die
Beseiti-gung einer Gefahrenquelle oder die Notwendigkeit, aus
einem Haftungsfall Konsequenzen zu ziehen, natürlich
in erster Linie Sache desjenigen ist, in dessen
Verantwor-tungsbereich dies fällt, so geht es doch beim
Risk-Mana-gement um Schutz und Sicherheit des Patienten und
da-mit eine Aufgabe, die nach der Rechtsprechung stets
Vorrang vor allen anderen Aspekten hat und daher jeder
im Rahmen der Krankenbehandlung Tätige als seine
ur-eigene, wichtigste Angelegenheit begreifen muss Da
das Risk-Management-Konzept alle angeht, da jeder aus
dem Risikobericht für sich und seine Mitarbeiter Lehren
ziehen und mitentscheiden sollte, welche
Abhilfemaß-nahmen, Änderungen, Umschichtungen und – vielleicht
schmerzhaften – Einschnitte nötig sind, darf der Bericht
nicht als Druckmittel zur Begleichung „alter
Rechnun-gen“ zwischen Verwaltung, Pflegedienstleitung und
Chefärzten missbraucht werden Das
Risk-Manage-ment-Konzept würde dadurch in fataler Weise in sein
Gegenteil verkehrt und statt Vertrauen und Offenheit
bei den gemeinsamen Bemühungen um
Schadensprä-vention haftungsfördernde Konfrontation und Unruhe
geschaffen
5 Stufe: die Kontrolle des Vollzuges
Etwa 1 – 2 Jahre nach dem Schlussgespräch und damit
dem Beginn der praktischen Umsetzung folgt als fünfte
und letzte Phase die Kontrolle und Überprüfung des
„Vollzuges“, d h eine genaue Synopse der festgestellten
Schwachstellen einerseits und der zu ihrer Beseitigung
bzw Verbesserung getroffenen Maßnahmen seits Bis wann diese vorgenommen sein müssen, solltevon Anfang an in einem verbindlichen Zeitrahmen vor-gegeben werden Denn anderenfalls besteht die Gefahr,dass zwar viele Daten gesammelt und diskutiert, aberschlussendlich die Vorschläge und Ideen nicht verwirk-licht werden Ebenso wenig wie die medizinische darfdie juristische Qualitätssicherung zu reinem Aktionis-mus und Bürokratismus führen „Risikopolitik“ mussTeil der Gesamtstrategie des Krankenhauses sein, durchumfassende, konkrete Qualitätssicherungsmaßnahmen
anderer-zu weniger Schäden, weniger Haftung, niedrigeren mien für die Haftungspflichtversicherung, zu einer bes-seren Partnerschaft zwischen den im Krankenhaus Täti-gen und ihren Patienten und damit letztlich zu einemRückgang des spezifischen Haftungspotenzials von Arztund Krankenhaus zu gelangen Die amerikanischen Er-fahrungen, die auf einem Zeitraum von über 10 Jahrenberuhen, zeigen überdeutlich, dass dies durch ein kon-trolliertes juristisches Risk-Management als Ergänzungder medizinischen Qualitätssicherung zum Nutzen desKrankenhauses, der Ärzte, der Pflegekräfte und der Pa-tienten möglich ist (Oehlert u Ulsenheimer 1999) DerErfolg des Risk-Managements war in den USA so offen-kundig und durchschlagend, dass seine Verwirklichungheutzutage nicht nur eine Selbstverständlichkeit, son-dern eine Grundvoraussetzung ist, ohne die keine Ver-sicherungsgesellschaft eine Police zeichnet Es bleibt zuhoffen, dass sich eine ähnlich positive Entwicklung auchbei uns vollzieht
Qualitäts-Ulsenheimer K Qualitätssicherung und Risk-Management inGynäkologie und Geburtshilfe Zentralbl Gynäkol 1998;120: 593 – 597
Weißauer W In: Ekkernkamp A, Scheibe O (Hrsg) management in der Medizin VIII, 1 Landsberg: ecomed:2000
Qualitäts-Quelle: Dieses Kapitel erschien in der Zeitschrift Arzt
und Krankenhaus (Heft 9/2001) unter dem Titel Management als juristische Qualitätssicherung“ DerAbdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung desHansischen Verlagskontors H Scheffler, Lübeck
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Trang 283 Weichteile
Wundheilungsstörung
Traumatisch oder iatrogen entstandene Wunden heilen
nach den Grundsätzen der Physiologie Man kann einen
normalen Ablauf der Wundheilung von einem gestörten
Verlauf unterscheiden
Primäre Wundheilung
Unter primärer Wundheilung versteht man einen
ra-schen Heilungsprozess einer Wunde mit weitgehender
Restitutio ad Integrum durch minimale
Bindegewebs-neubildung, d h Narbenbildung
Voraussetzungen für eine primäre Wundheilung sind
gute Durchblutungsverhältnisse, adaptierte
Wundrän-der und ein geringes Infektionsrisiko InsbesonWundrän-dere bei
elektiven operativen Eingriffen bedeutet eine primäre
Wundheilung das etablierte Ziel Deshalb sind vor jedem
operativen Eingriff ideale Bedingungen herzustellen und
die Operationsindikation unter diesen Gesichtspunkten
zu treffen
Sekundäre Wundheilung
Eine sekundäre Wundheilung erfolgt bei
auseinander-liegenden Wundrändern Diese sind entweder primär
durch fehlenden Wundverschluss oder sekundär durch
Durchblutungsstörungen im Bereich des Wundrandes
infolge von Gewebsquetschung, Schwellung oder
arte-rieller Verschlusskrankheit entstanden Nach
gleicharti-gen Mechanismen führen die Folgleicharti-gen einer
Wundinfek-tion zu einer Störung der Wundheilung Nach längerem
Heilungsverlauf kommt es über eine Auffüllung des
Ge-websdefekts mit Granulationsgewebe zur Ausbildung
einer Narbe Die Reepithelialisierung erfolgt immer
vom Rand ausgehend Während der Latenzphase kommt
es zuerst zur Exsudation, dann zur Resorption In der
an-schließenden Proliferationsphase erfolgt die
Regenera-tion über eine Kollagenneubildung, um schließlich
wäh-rend der Reparationsphase in das Narbenstadium
über-zugehen
direkt über dem Knochen, z B die Knöchelregion oderder Fuß sind bevorzugt betroffen Sollten in diesen Re-gionen zudem Implantate direkt unter der Haut einge-bracht sein, können sich folgenreiche weitere Komplika-tionen entwickeln Erste Zeichen der sich anbahnendenWundrandnekrose sind blutgefüllte Spannungsblasen
am Rand der Hautwunde Ursachen der rose sind lokalisierte Durchblutungsstörungen durchtraumatisiertes, gequetschtes Gewebe, starke Schwel-lung durch Hämatom oder Gewebsödem Iatrogene Fak-toren begünstigen die Entstehung, wobei zusätzlicheTraumatisierung durch Nahttechnik, falscher Opera-tionszeitpunkt, ungünstiger Operationszugang undSchnittführung eine bedeutende Rolle spielen Bei einersich anbahnenden Wundrandnekrose ist bei Nachweiseiner subkutanen Hämatombildung die Hämatomaus-räumung umgehend vorzunehmen Aufgrund der verzö-gerten Wundheilung sollte das Nahtmaterial in diesenBereichen solange belassen werden, bis keine Wundde-hiszenz mehr auftreten kann und die schwellungsbe-dingte Spannung sich weitgehend rückgebildet hat Grö-ßere und tiefere Wundrandnekrosen werden im Stadi-
Wundrandnek-um der definitiven Demarkierung nach trockener handlung exzidiert und die differenzierten Methodender Defektdeckung angewandt
Vorbe-Spannungsblasen
Durch posttraumatische Gewebsschwellung infolge ner Einblutung oder eines Gewebsödems entstehen imVerletzungsareal oder Wundbereich bzw parafokal mitexsudativer Flüssigkeit und/oder Blut gefüllte Hautbla-sen Es liegt eine Durchblutungsstörung der Haut vor,die zur Kapillarwandschädigung mit Permeabilitätsstei-gerung führt Die Spannungsblase zeigt eine kritischeDurchblutungsstörung der Haut an und ist der Indikatorfür eine drohende oberflächliche oder tiefe Hautnekro-
ei-se Die Eröffnung der Spannungsblase und Abtragungder Blasenwand ist zur Infektionsprophylaxe sinnvoll
Intensive abschwellende Maßnahmen sind erforderlich,
um eine progrediente Gewebsnekrose zu verhindern
Hautinzisionen für einen Operationszugang sollten imBereich von Spannungsblasen vermieden werden, dasie nahezu immer zu Wundrandnekrosen führen
Trang 29Der Begriff Ulkus bedeutet eine schlecht bzw nicht
hei-lende Wunde Diese kann als Folge einer Hautnekrose
entstehen Der prolongierte Verlauf einer sekundären
Wundheilung wird durch verschiedene Faktoren
auf-rechterhalten Der Heilungsprozess eines Ulkus ist somit
abhängig von der Beseitigung dieser auslösenden
Fakto-ren und der Behandlung einer begleitenden Infektion/
Keimbesiedelung Fibrinbeläge auf Granulationsgewebe
und Reste von Gewebsnekrosen sind ein günstiger
Nähr-boden für eine Keimbesiedelung Eine schlecht heilende
Wunde entsteht auch durch trophische Störungen der
Haut auf der Grundlage arterieller oder venöser
Durch-blutungsstörungen
Eine diagnostische Abklärung der
Durchblutungssi-tuation ist erforderlich Hypertrophe Granulationen
und Granulationspilze können auf eine in den tiefen
Weichteilen oder Knochen liegende Abszesshöhle mit
einem ausführenden Fistelgang hinweisen
Zur Lokalbehandlung stehen diverse antiseptische
Lösungen, antibiotikahaltige und fibrinolytische Salben
und Gele, sowie hydrokolloidale Trägerformationen zur
Verfügung
Dekubitalulkus
Minderdurchblutete Gewebsregionen sind durch Druck
der Auflagefläche gefährdet Prädilektionsstellen sind
die Gesäßregion und die Fersenregion bei bettlägerigen
Patienten, bei Patienten mit Paresen, insbesondere
Quer-schnittlähmung Bei Kenntnis gefährdeter Patienten
sind prophylaktische Maßnahmen von entscheidender
Bedeutung Auf eine gute Abpolsterung von
Gipsverbän-den an Gipsverbän-den disponierten Stellen ist besonders zu achten
Die Behandlung umfasst konservative lokale
Maßnah-men und operative Eingriffe Subtile Nekrektomien und
plastische Defektdeckungen sind im Rahmen eines
meist langwierigen Heilverlaufs notwendig
Weichteildefekt
Weichteildefekte sind primär durch traumatische
Ge-webszerstörung oder sekundär durch Gewebsnekrosen
bei Vaskularisationsstörungen verursacht Es werden
oberflächliche und tiefe Weichteildefekte
unterschie-den, wobei in der Tiefe liegende Gewebsdefekte auch
bei intakten Hautverhältnissen entstehen können
Gro-ße tiefliegende Weichteildefekte können durch
ausge-dehnte Muskelnekrosen auch bei einem
Kompartment-syndrom entstehen
Oberflächliche und tiefe Hautdefekte
Oberflächliche und kleine Hautdefekte können unter
entsprechenden konservativen
Wundbehandlungsmaß-nahmen (Konditionierung) spontan ausheilen
Große oberflächliche und tiefe bis zur Faszie
reichen-de Haut- und Unterhautgewebsreichen-defekte entstehen meist
nach Décollementverletzungen Sie bedürfen in der gel einer operativen Defektdeckung durch Hauttrans-plantation
Re-Tiefe Weichteilgewebsdefekte
Tiefgreifende Gewebsdefekte nach Zerstörung von kelgewebe führen nicht selten zu freiliegenden Kno-chen- oder Gelenkstrukturen oder Sehnen Die Behand-lungsmöglichkeiten sind lokalisationsabhängig und anden individuellen Verhältnissen im Einzelfall auszurich-ten Gewebsdefekte können meist nur durch lokale Ver-schiebelappen oder freie Gewebstransfers verschlossenwerden Auch hier wird zunächst eine Wundkonditio-nierung mit operativer Nekrektomie und lokaler Wund-behandlung erforderlich Das Prinzip der Vakuumversie-gelung hat sich zur Wundkonditionierung in diesen Fäl-len bewährt
Mus-Die Grundprinzipien der Weichteildefektsanierungsind:
"spontane Sekundärheilung,
"Sekundärnaht, dynamische Naht,
"Deckung mit Spalthaut oder Vollhaut,
"Weichteildistraktion implantation),
(Gewebsexpander-"lokale gestielte Lappenplastik,
"freier mikrovaskulärer Gewebstransfer(Fernlappenplastik),
– kutan,– fasziokutan,– myokutan,– reine Muskellappen,– kombinierte Verfahren
Die Wiederherstellung der Funktion steht primär vorder Wiederherstellung der Kosmetik Gleichzeitig vor-liegende instabile sowie auch nichtdislozierte, schein-bar stabile Frakturen müssen bei vorhandenen Weich-teildefekten mit einer stabilen Osteosynthese, im Rah-men der Erstversorgung am besten mit einem Fixateurexterne behandelt werden
Weichteilinfektion
Posttraumatische und postoperative Weichteilinfektion
Ursache einer posttraumatischen oder postoperativenWeichteilinfektion sind schwere Weichteiltraumatisie-rungen mit Durchblutungsstörung und Gewebsnekro-sen, Hämatome und Wundtaschen sowie Verletzungenmit kontaminiertem Material, belassene Fremdkörperund mangelnde Operationshygiene Die Art und Viru-lenz der Erreger bestimmt das Auftreten und Ausmaßsowie die Form der Infektion Es werden pyogene, putri-
de und anaerobe Infektionen unterschieden Weiterhin
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Trang 30erfolgt eine Differenzierung hinsichtlich des
Erreger-spektrums und Infektionsausmaßes
Eine Kolonisation (Anwesenheit von Erregern auf der
Haut, Schleimhaut, in offenen Wunden) ohne klinische
Symptome ist definitionsgemäß keine Infektion
Postoperative Wundinfektionen sind Infektionen, die
innerhalb von 30 Tagen, bei einliegenden Implantaten
innerhalb von einem Jahr nach einer Operation
auftre-ten Der kulturelle Nachweis eines Mikroorganismus
aus steril entnommenem Wundsekret oder aus dem
Wundabstrich bzw Körperhöhlenflüssigkeit oder einer
Gewebskultur ist erforderlich
Das Vorliegen klinischer Infektionszeichen ist
obli-gat Eine spontane oder bewusste Eröffnung der Wunde
mit eitriger Sekretion bestätigt das Vorliegen einer
post-traumatischen oder postoperativen Wundinfektion
Die Diagnostik einer Weichteilinfektion orientiert
sich zunächst an den klassischen klinischen
Entzün-dungszeichen Laborchemische Parameter umfassen in
erster Linie den CRP-Wert, Leukozytose BSG-Werte sind
primär von untergeordneter Bedeutung
Bei Verdacht oder Vorliegen einer Weichteilinfektion
ist die frühzeitige Diagnosesicherung von großer
Bedeu-tung
Bezüglich des therapeutischen Vorgehens wird bei
Vorliegen klinischer Infektionszeichen eine
Differenzie-les (Knochen oder Gelenk) ist eine sche Untersuchung hilfreich
kernspintomographi-Eine bakteriologische Untersuchung von terial oder Punktionsmaterial kann bei akuten Infektio-nen in Form eines Direktausstriches mit GramfärbungHinweise für grampositive oder gramnegative bakteriel-
Abstrichma-le Infektionen geben Nach endgültigem Vorliegen desErgebnisses mit Erregernachweis und der Resistenzprü-fung werden die entsprechenden Antibiotika eingesetzt
Unter nosokomialer Infektion wird eine Infektion standen, die während eines Krankenhausaufenthalteserworben wurde, auch wenn sie erst nach Entlassungevident wird Es dürfen keine Hinweise vorhanden sein,dass die Infektion bereits vor Krankenhausaufnahmebestand oder in der Inkubationsphase war
ver-Der häufigste Erreger bei exogenen traumatischenund iatrogenen oder endogenen postoperativen Wund-infektionen ist Staphylococcus aureus MRSA/ORSA-In-fektionen unterscheiden sich im Krankheitsbild nichtvon anderen Staphylokokken-Erkrankungen Sie weiseneine erhöhte Resistenz gegenüber Methicillin bzw Oxa-cillin auf und damit gegen alle anderen Penicilline undCephalosporine Kommen weitere Resistenzen, z B ge-gen Aminoglykoside hinzu, dann kann lediglich auf 1bis 2 Reserveantibiotika zurückgegriffen werden Diewichtigste Maßnahme, um eine Weiterverbreitung vonMRSA zu unterbinden, ist die Unterbrechung von Infekt-ketten Hier sind definierte hygienische Maßnahmenmit entsprechender Isolierung des Patienten erforder-lich Ein klinikspezifischer Hygieneplan wird von derHygienekommission aufgestellt
Die Behandlung der Weichteilinfektionen umfasst kale Wundbehandlungsmaßnahmen und eine systemi-sche Antibiotikabehandlung Das Auftreten einer post-traumatischen oder postoperativen Wundinfektionstellt im Allgemeinen eine dringliche Indikation zu eineroperativen Revision dar Das Vorgehen richtet sich nachden individuellen Gegebenheiten
lo-Débridement
Das chirurgische Débridement geht auf P J Desault(1744 – 1795) zurück Sämtliche Verunreinigungen, kon-taminiertes und avitales Gewebe werden entfernt undeine offene Wundbehandlung durchgeführt Angesichtsder heutigen Möglichkeiten der Weichteilrekonstruk-tion ist ein radikales Débridement anzustreben Ein stu-fenweises Débridement kann bei ausgedehnten Weich-teilverletzungen bei fraglicher Beurteilbarkeit der Ge-websvitalität sinnvoll sein
Wiederholte Gewebslavagen und der Einsatz der sierenden Jet-Lavage sind vorteilhaft Ein Anibiotikazu-satz zur Spülflüssigkeit bringt keinen zusätzlichen Nut-
Die oberflchliche Infektion beschrnkt sich auf die Haut
und das Unterhautfettgewebe Sie ist nach oberflchlichen
Verletzungen oder oberflchlichen operativen Eingriffen
mçglich, bei denen keine tieferen Strukturen erçffnet
wurden Bei tiefer reichenden Verletzungen oder nach
operativen Eingriffen im Bereich der Knochen und Gelenke
ist die Differenzierung hinsichtlich der Infektionstiefe bzw
der Infektion tieferer Strukturen oftmals schwierig
A2
Tiefe Wundinfektion
Bei der tiefen Weichteilinfektion ist die gesamte Wunde
einschließlich der tiefsten Strukturen und Wundtaschen
infiziert
A3
Infektion von Kçrperhçhlen und Organen
im Operationsgebiet
Infektionen dieser Gruppe erfassen Organe und
Kçrper-hçhlen, die whrend einer Operation erçffnet oder an denen
manipuliert wurde Knochen- und Gelenkinfektionen sind
dieser Gruppe zuzuordnen
Trang 31Hypertrophe Narbe
Die hypertrophe Narbe beschränkt sich auf den
ur-sprünglichen Wundbereich Sie wird nach Monaten
blasser, flacht ab und bildet sich spontan zurück
Narbenkeloid
Beim Narbenkeloid liegt eine krankhaft gesteigerte
Bin-degewebswucherung nicht genau bekannter Ätiologie
vor Genetische chromosomale Faktoren werden
disku-tiert Die Ausdehnung geht über die ursprüngliche
Nar-benregion hinaus Ohne Trauma entsteht kein Keloid Im
Keloid wurde eine gesteigerte Produktion von
Glukopro-teinen festgestellt Prädispositionen für das Auftreten
ei-nes Narbenkeloids sind die Tiefe des Gewebstraumas,
die Traumatisierung der Wundränder, die
Wundspan-nung und familiäre und rassistische Anlagen Bei
Ju-gendlichen kommt es häufiger zum Auftreten eines
Ke-loids Keloide können zu Kontrakturen führen, Keloide
kommen nur in pigmentierten Regionen vor, sie sind
dunkler als die Umgebung Histologisch wird ein
wach-sendes Keloid vom ruhenden Keloid unterschieden
Die Behandlung besteht in einer Röntgenbestrahlung
bei frischen Keloiden, intrakutanen
Hydrokortison-In-jektionen oder einer Laserabtragung Die Exzision wird
bei alten Keloiden empfohlen
Eine Möglichkeit der Prophylaxe besteht in einer
atraumatischen Wundbehandlung Hautinzisionen
sol-len parallel zu den Langer-Spaltlinien verlaufen
Narbenkontrakturen und funktionsbehindernde
Nar-ben erfordern eine differenzierte Behandlung
Kompres-sionsbehandlung, plastisch-chirurgische Eingriffe mit
den Möglichkeiten der Expanderimplantation werden
angewandt
Gefäßkomplikationen
Intraoperative Blutung
Bei großen operativen Eingriffen in Regionen, in denen
ohne Blutsperre gearbeitet werden muss, ist auch bei
sorgfältiger Blutstillung ein mehr oder weniger großer
Blutverlust nicht zu vermeiden Krankheitsbedingte
oder medikamentös bedingte Gerinnungsstörungen
sind präoperativ abzuklären, sofern zeitlich möglich, zu
behandeln und bei der Indikationsstellung zu
berück-sichtigen
Nicht vorhersehbare intraoperative Blutungen treten
bei iatrogener Verletzung größerer Gefäße auf Bei
Kenntnis der anatomischen Verhältnisse und
entspre-chender Wahl des operativen Zugangs können diese
Komplikationen minimiert werden Bei risikoreichen
Eingriffen ist der intraoperative Einsatz
fremdblutspa-render Maßnahmen z B Cellsaver, maschinelle
Auto-transfusion (MAT) empfehlenswert Die präoperative
Planung muss den zu erwartenden Blutverlust sichtigen und eine entsprechende Anzahl von Blutkon-serven bereitgestellt werden Bei geplanten Wahlein-griffen ist eine Eigenblutspende in Betracht zu ziehen
berück-Nachblutung
Unter Nachblutung versteht man eine postoperativ terbestehende Blutung oder nach Beendigung der Ope-ration einsetzende Blutung Frühe Nachblutungen sinddurch gefüllte Redondrainageflaschen und/oder durchpostoperative Kreislaufinstabilität, bzw Hb-Abfall er-kennbar Die Indikation zu einer operativen Revision istvon verschiedenen Faktoren, insbesondere der Art desEingriffes und der Lokalisation abhängig Nachblutun-gen nach Eingriffen in der Beckenregion und Hüftregionsind oft durch diffusen Blutverlust aus spongiösen knö-chernen Strukturen bedingt und oft nur durch lokaleTamponaden beherrschbar Nur in seltenen Fällen soll-ten Redondrainageflaschen temporär abgeklemmt wer-den, um einen weiteren Blutverlust zu reduzieren EineKompressionsbehandlung von außen ist riskant undkann zu schwerwiegenden Durchblutungsstörungen imBereich der gesamten Extremität oder lokalen Durch-blutungsstörungen im Wundbereich mit Wundrand-nekrosen führen
wei-Postoperatives Hämatom/Serom
Die Entstehung eines postoperativen Hämatoms istdurch eine unmittelbare postoperative oder sekundäreinsetzende langsame Nachblutung zu erklären Präfor-mierte Gewebstaschen, unzureichend fördernde Redon-drainagen, lokalisierte und generalisierte Gerinnungs-störungen sind Ursachen Postoperative Hämatome sindnach Eingriffen mit Weichteildevastierung und an be-stimmten Lokalisationen häufiger zu erwarten Die ana-tomisch bedingte Möglichkeit einer spontanen Vertei-lung und zur Resorption des Blutergusses ist von Bedeu-tung
In der Frühphase liegt gelegentlich ein Hämatom auskoagulierten Blutmassen vor In späteren Phasen kommt
es insbesondere bei Eingriffen im Gelenkbereich zurAusbildung eines Seroms Einige Serome entstehendurch gesteigerte Produktion von Gelenkflüssigkeit ausder Gelenkschleimhaut oder Sekretion aus Schleimbeu-telgewebe mit Verteilung in Gewebstaschen und Wund-höhlen Auch alte Hämatome führen zur Ausbildung ei-ner abgekapselten flüssigkeitsgefüllten Gewebshöhle,wie sie auch nach Décollementverletzungen beobachtetwerden Zur Diagnostik von postoperativen Hämatomenoder Seromen wird die Sonographie großzügig einge-setzt
In der Traumatologie ist eine frühzeitige operativeAusräumung eines postoperativen Hämatoms obligat.Die Indikation zur operativen Revision hat Dringlich-keitscharakter Die rechtzeitige Revision ist ein wesent-licher Faktor zur Verhütung von Wundheilungsstörun-gen und Infektionen Nur bei kleineren subkutan gelege-nen Hämatomen oder Seromen ist eine Punktion unter
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Trang 32sterilen Kautelen unter Anlage eines anschließenden
moderaten Kompressionsverbandes möglich
Durchblutungsstörung
Unter Durchblutungsstörung wird eine Störung der
arte-riellen Blutversorgung vornehmlich im
Extremitätenbe-reich verstanden
Wird nach einem Trauma eine periphere Störung der
arteriellen Durchblutung festgestellt, muss eine
vorbe-stehende arterielle Verschlusskrankheit von einer
verlet-zungsbedingten Schädigung der Blutversorgung
abge-grenzt werden Intraoperativ eingetretene oder
unmittel-bar postoperativ festgestellte Durchblutungsstörungen
können durch eine iatrogene Gefäßschädigung oder eine
arterielle Thrombose/Embolie bedingt sein Eine
soforti-ge angiographische Abklärung und soforti-gefäßchirurgische
In-tervention ist unabdingbar
Auch traumatisch bedingte akute
Durchblutungsstö-rungen erfordern nach doppler-sonographischer
Diag-nostik eine angiographische Abklärung und eine
soforti-ge soforti-gefäßchirurgische Rekonstruktion
Thrombose und Embolie
Seit Virchow sind die Basisfaktoren für die Entstehung
einer Thrombose bekannt Der Gefäßwandfaktor, der
Zirkulationsfaktor sowie der Humoralfaktor haben sich
gerade beim Extremitätentrauma verwirklicht
Gefäß-wandzerstörung durch Trauma und Verlangsamung des
Blutstroms durch Immobilisierung und traumabedingte
Störungen der Blutgerinnung ergeben insbesondere bei
Vorliegen zusätzlicher individueller Risikofaktoren ein
erhebliches Thrombembolierisiko Immobilisierende
und abschnürende Verbände sind zusätzliche
Risikofak-toren
Der Verdacht einer tiefen Beinvenenthrombose ergibt
sich aus der klinischen Symptomatik Die Diagnose wird
durch weiterführende Diagnostik bestätigt
Laborche-misch kann eine D-Dimeren-Untersuchung im Blut
durchgeführt werden Der D-Dimeren-Test weist eine
Spezifität von 75% auf Die Duplex-Sonographie und
ggf eine Phlebographie sind zur Sicherung der Diagnose
und für die Einleitung der Therapie ausschlaggebend
Eine wesentliche Bedeutung hat die
Thrombosepro-phylaxe, die heutzutage bei stationären Patienten
grundsätzlich mit Ausnahme beim
Schädel-Hirn-Trau-ma durchgeführt wird
Die Thrombembolieprophylaxe bei Risikopatienten,
nach Beckenverletzungen oder operierten
Gefäßverlet-zungen erfolgt während der primären
Immobilisations-nach Hüftoperationen und großen Knieoperationenwird eine postoperative Thromboseprophylaxe für min-destens 4 Wochen angeraten
Die Behandlung der nachgewiesenen thrombose wird etagenabhängig durchgeführt
Beinvenen-(Tab 3.2).
Insbesondere bei unfraktioniertem Heparin muss dieNebenwirkung einer heparininduzierten Thrombopenie(HIT) bedacht werden Regelmäßige Thrombozyten-zahl-Kontrollen sind erforderlich
Die Dauer der oralen Antikoagulanzienbehandlungbeträgt mindestens 3 Monate, vor dem Absetzen wirdeine Kontrollphlebographie empfohlen
Die Lungenembolie ist eine Folgekomplikation einervenösen Thrombose EKG und Lungenperfusionsszinti-graphie dienen dem Nachweis Zum Nachweis einer ver-ursachenden Beinvenenthrombose wird eine Phlebogra-phie des prädisponierten Beines oder beider Beine emp-fohlen Befundentsprechend erfolgt die Therapie ZurVermeidung einer Infarktpneumonie wird eine Antibio-tikagabe notwendig Die operative Embolektomie derLungenarterien (Trendelenburg-Operation) wird seltenerfolgreich durchgeführt
Kompartmentsyndrom
Ursachen eines Kompartmentsyndroms sind
Weichteil-Thrombose und Embolie 23
Etage II und III (Unterschenkel und Kniekehle/
Oberschenkel bis unterhalb Leiste)
Fakultativimmobilisation fr eine Woche, Heparinperfusoroder zugelassenes niedermolekulares Heparin s c.,
berlappender Beginn mit oralem Antikoagulanz,evtl Thrombolyse, Kompressionsstrumpfhose
Etage IV (Becken)
Immobilisation fr eine Woche, Heparinperfusor, lappender Beginn mit oralem Antikoagulanz, Indikationzur vençsen Thrombolysetherapie, postoperativ jedocherst nach 12 Tagen mçglich, alternativ kann eine operativeThrombektomie erwogen werden Kompressionsstrumpf-hose
Trang 33ber-Die gesteigerten Druckverhältnisse können durch die
Druckmessung innerhalb eines Kompartments
be-stimmt werden Bei Druckwerten von über 30 mm Hg
spricht man von einem drohenden
Kompartmentsyn-drom, bei Werten über 40 mm Hg liegt ein manifestes
Kompartmentsyndrom vor
Beim manifesten Kompartmentsyndrom zeigen sich
klinisch neben einer schmerzhaften Spannung der
Regi-on zunächst Sensibilitätsstörungen im
Ausbreitungsge-biet des in der Loge verlaufenden Nervs, gleichzeitig
bahnt sich die motorische Störung der Logenmuskulatur
an
Entscheidend ist das rechtzeitige Erkennen durch
kontinuierliches Überprüfen der Symptomatik bei
ent-sprechenden Verletzungen Häufige
Verletzungskonstel-lationen sind offene und geschlossene
Unterschenkel-schaftmehrfragmentfrakturen im proximalen und
mitt-leren Drittel Spätfolgen sind bleibende Nervenschäden
und ischämische Muskelkontrakturen
Die frühzeitige, ggf prophylaktische
Dermatofaszio-tomie im Rahmen der primären Frakturversorgung ist
dringlich, d h notfallmäßig durchzuführen Die
Derma-tofasziotomie muss zur vollständigen Entlastung der
be-troffenen Kompartimente führen, wobei sämtliche
Kompartimente der Region gespalten werden müssen
Gleichzeitig muss eine adäquate Stabilisierung der
be-gleitenden Frakturen erfolgen
Nervenkomplikationen
Intraoperative Nervenschädigungen
Intraoperative Nervenschädigungen sind iatrogen
verur-sachte teilweise oder komplette Durchtrennungen von
Nerven oder durch Druck entstandene Nervenläsionen
Intraoperative iatrogene Nervendurchtrennungen
kön-nen bei Kenntnis der Anatomie unter Berücksichtigung
der empfohlenen operativen Standardzugangswege
und sorgfältiger Präparation vermieden werden Bei
dennoch aufgetretener Läsion ist die sofortige
mikrochi-rurgische Nervennaht notwendig
Eine postoperative Aufklärung des Patienten über diestattgehabte Verletzung ist obligat Intraoperativ ent-standene Nervendruckläsionen sind erst postoperativerkennbar Häufige Lokalisationen sind bei entsprechen-den Verletzungen die Läsion des Nervus radialis beiHumerusschaftfrakturen und des N peroneus bei Unter-schenkelfrakturen In der Hüftregion sind der N femora-lis und der N ischiadicus gefährdet Ursachen sind Ha-kendruck bei mangelndem weichteilschonendem Vor-gehen und Manipulationen bei der Frakturreposition.Dispositioniert sind adipöse und kachektische Patien-ten
Postoperative Nervenschädigungen
Postoperative Nervenschädigungen sind Druckläsionendurch Gipsverbände und Orthesen, Lagerung und/oderSchwellungen sowie Hämatombildung im Operations-gebiet
Eine exakte präoperative Untersuchung und mentation der neurologischen Verhältnisse ist von be-sonderer Bedeutung Insbesondere, wenn eine Opera-tion nicht sofort durchgeführt wird, besteht die Mög-lichkeit, dass sich der neurologische Befund währendder präoperativen Phase ändert Eine nochmalige un-mittelbar präoperative Befundkontrolle und Dokumen-tation beim noch wachen Patienten ist obligat
Doku-Nach jeder Operation ist unmittelbar und in ßigen Abständen eine Kontrolluntersuchung und Doku-mentation der neurologischen Parameter (Sensibilitätund Motorik) erforderlich
regelmä-Bei postoperativ festgestellten neurologischen ziten ist eine exakte neurologische Untersuchung mitDokumentation durch einen Facharzt notwendig ImZweifelsfall bezüglich der Abgrenzung einer unerkann-ten intraoperativen Nervendurchtrennung ist eine früh-zeitige operative Exploration empfehlenswert Sonogra-phische, auch kernspintomographische Untersuchun-gen können Hinweise auf regionäre Hämatombildungengeben
Defi-Die Aufklärung des Patienten über den Befund, dieUrsache und den Verlauf, die Behandlungsmöglichkei-ten sowie die Prognose ist erforderlich
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Trang 344 Knochen
Bei der Behandlung von Knochenbrüchen ist eine
Viel-zahl unterschiedlicher Komplikationsmöglichkeiten
be-kannt Sowohl die konservative Frakturenbehandlung
als auch die operative Osteosynthese von
Knochenbrü-chen kann unerwünschte Nebenwirkungen bis zum
Therapieversagen nach sich ziehen Bei konservativem
Behandlungsregime sind Komplikationen am ehesten
mit der Technik bzw dem Management der
Immobili-sierung verknüpft, d h dass Sekundärschäden wie
Druckstellen bzw Nerven- oder Gefäßläsionen Folgen
unsachgerechter Gipsbehandlung und bleibende
Ach-senfehler Auswirkung unzureichender Reposition bzw
Retention sind
Die operative Knochenbruchbehandlung bietet die
Möglichkeit intra- und postoperativer Komplikationen,
wobei letztere in Früh- und Spätkomplikationen
diffe-renziert werden können Derartige Komplikationen
rei-chen von der inkompletten oder fehlerhaften Reposition
über Schwierigkeiten mit dem Implantat bis zur
verzö-gerten Knochenbruchheilung, Pseudarthrosenbildung
und/oder Infektion Langzeitauswirkungen können
Funktionsbeeinträchtigungen und eingeschränkte
Be-lastbarkeit der betroffenen Skelettabschnitte sein
Ins-besondere das Auftreten einer Infektion und deren
ver-zögerte bzw insuffiziente Behandlung führen zu
deletä-ren Folgeschäden bis hin zur Gebrauchsunfähigkeit oder
gar zum Verlust einer Extremität
Eine weitere Komplikation der
Knochenbruchbe-handlung ist das Verbleiben von Achsen- und
Torsions-abweichungen Diese können entweder primär im
Rah-men der Erstosteosynthese entstehen, in Fällen
unzurei-chender Osteosynthese und verzögerter
Knochenbruch-heilung sind Achsenabweichungen auch sekundär
mög-lich Achsen- und Torsionsabweichungen haben zudem
eine große forensische Bedeutung
Grundsätzlich muss das Ziel jeglicher Art von
Kno-chenbruchbehandlung das Vermeiden von
Komplikatio-nen und damit eine Strategie der Anwendung
präventi-ver Maßnahmen sein Bei eingetretener Komplikation
ist zur Beherrschung derselben ein unmittelbar
durch-zuführendes und angepasstes
Komplikationsmanage-ment hilfreich, welches zum einen
Behandlungsstrate-gien zur Verbesserung bzw Beseitigung der lokalen
Probleme, aber auch ein festgelegtes Programm in
Hin-blick auf die Aufklärung und Führung des Patienten
so-Komplikationen bei konservativer Knochenbruchbehandlung
Die konservative Knochenbruchbehandlung ist falls frei von Komplikationen, weswegen in vielen Fällenein operativer Eingriff trotz der mit diesem bzw derAnästhesie verbundenen möglichen unerwünschtenNebenwirkungen vorzuziehen ist Unerwünschte Ne-benwirkungen konservativer Therapie sind vor allemAuswirkungen längerer Immobilisierung, die man unter
keines-dem Sammelbegriff der sog Frakturkrankheit
subsu-miert Diese Entität beinhaltet eine auf mangelnder anspruchung basierende Folgeerscheinung von Sekun-därschäden an Knochen, Knorpel, Muskulatur, Sehnenund Bändern Manifestation dieser auch als Dystrophiebezeichneten Schäden sind die Demineralisation desKnochens, die infolge Minderernährung stattfindendeRarefizierung des hyalinen Gelenkknorpels, ein mehroder weniger ausgeprägter Rückgang des Muskelvolu-mens sowie die Schrumpfung und Verkürzung bzw
Be-Kontraktur von Sehnen und Bändern Der Sinn ver Knochenbruchbehandlung leitet sich neben der inder Regel besseren Reposition und sichereren Retentionaus der Prävention dieser Frakturkrankheit durch dieMöglichkeiten frühzeitiger krankengymnastischer undergotherapeutischer Begleit- und Nachbehandlung ab
operati-Ist eine Fraktur grundsätzlich zur konservativen pie geeignet, muss entschieden werden, ob nach Abwä-gung möglicher Folgen der Immobilisierung im Ver-gleich zu den Komplikationsmöglichkeiten operativerOsteosynthese ersterer der Vorzug zu geben ist Für die-sen Fall muss das Prinzip gelten, dass die Ruhigstellung
Thera-so lang wie nötig, aber auch Thera-so kurz wie möglich nehmen ist Sämtliche Gelenke, die nicht von einem im-mobilisierenden Verband eingeschlossen sind, müssenregelmäßig bewegt werden (Beispiel: Fingergelenke so-wie Ellenbogen- und Schultergelenk beim Unterarmgipswegen distaler Radiusfraktur) In vielen Fällen könnenanfänglich ruhiggestellte Gelenke frühzeitig zur Bewe-gungstherapie freigegeben werden (Beispiel: Oberarm-schaftspiralfraktur im mittleren Drittel, anfänglich imDesault-Verband, nach 2 – 3 Wochen im Brace mit Frei-gabe des Schulter- und Ellenbogengelenks behandelt)
vorzu-Lokale Komplikationen konservativ behandelter und
Trang 35Komplikationen sind Druckstellen über dem Olekranon
oder den Epikondylen am distalen Humerus, aber auch
solche am Fibulaköpfchen und der Malleolengabel
Ins-besondere am Fibulaköpfchen können lokaler Druck
durch einen Gipsverband bzw dessen Rand am
Unter-schenkel eine Peronäusläsion verursachen, wobei diese
Gefahr bei zusätzlicher Hochlagerung der Extremität
auf einer Schiene bzw beim bewusstlosen Patienten
noch größer ist Präventive Maßnahmen sind die
ausrei-chende Polsterung des Gipses, das Aufbiegen von
Gips-rändern und die Aufklärung sowie engmaschige
Über-wachung eines Patienten
Ein zu enger Gipsverband kann in Kombination mit
zunehmender Schwellung speziell im akuten Stadium
der Behandlung zu Durchblutungsstörungen bzw zur
Förderung der Ausbildung eines
Kompartmentsyn-droms führen Präventive Maßnahmen sind das
prophy-laktische Spalten eines Gipsverbandes (bis auf den
letz-ten Faden) und wiederum Aufklärung und
Überwa-chung Beim drohenden Kompartmentsyndrom sollte
auf die Gipsruhigstellung möglichst verzichtet und
fall-weise eine operative Behandlung vorgezogen werden
Komplikationen der Extensionsbehandlung sind
ent-weder direkt mit der Insertion des Kirschner-Drahtes
oder Steinmann-Nagels, in einigen Fällen aber auch mit
dem Zweck eines Streckverbandes, d h der
Frakturrepo-sition verbunden Zu ersterer Problematik zählen die
fehlerhafte Positionierung des Drahtes oder Nagels mit
der Gefahr einer Nerven- oder Gefäßläsion, z B bei den
kniegelenknahen Extensionen Des Weiteren kann es zu
Pin-Tract-Infektionen bei längerer Liegedauer eines
Ex-tensionsdrahtes kommen In solchen Fällen muss dieser
umgehend neu platziert oder definitiv entfernt werden
Die angestrebte Funktion eines Streckverbandes wird
dann gestört, wenn der Zug nicht wirksam werden kann
Dies ist regelmäßig dann der Fall, wenn z B an der
unte-ren Extremität durch ein nicht angehobenes Fußende
des Bettes oder das Anstoßen des Fußes an der unteren
Bettbegrenzung ein „Gegengewicht“ des Körpers nicht
zum Zuge kommt Bei zu hohem Zuggewicht besteht
die Möglichkeit, dass z B bei einer Azetabulumfraktur
der Hüftkopf aus der Pfanne luxiert bzw dass am
Knie-gelenk über eine Tibiakopfdrahtextension
Gewebsschä-den am Kapsel-Band-Apparat gesetzt werGewebsschä-den
Eine der schwerwiegendsten Komplikationen der
konservativen Frakturbehandlung ist das Verbleiben
oder sekundäre Auftreten von Achsen- bzw
Torsionsab-weichungen in einem immobilisierenden Verband In
diesem Zusammenhang sind insbesondere letztere von
funktioneller, aber auch forensischer Bedeutung Die
Ur-sachen liegen in mangelhafter Überprüfung und
Kon-trolle des Repositionsergebnisses sowie in nicht mehr
ausreichend stabilisierenden Gipsverbänden
Gleiches gilt für Achsabweichungen im
Varus-Valgus-Sinne sowie der Ante- und Rekurvation Präventive
Maßnahmen sind die exakte Überprüfung des primären
Repositionsergebnisses sowie die fortlaufende Kontrolle
der Retention insbesondere in der Frühphase der
Be-handlung Zudem kann über rechtzeitige Gipswechsel
oder das sog Keilen eines Gipses eine Achsabweichung
vermieden oder korrigiert werden Sollte sich das
Repo-sitionsergebnis mit den Mitteln der konservativen
Frak-turenbehandlung nicht halten lassen, ist ein wechsel zur operativen Therapie zu erwägen
Verfahrens-Häufigere Nachrepositionen sind insbesondere beimerwachsenen Patienten zu vermeiden, da daraus nichtselten die Entwicklung einer Algodystrophie resultiert.Die Frage des Verfahrenswechsels zur operativen Os-teosynthese gilt grundsätzlich auch bei Frakturen imWachstumsalter, vor allem bei älteren Kindern undJugendlichen Bei Frakturen, die von vornherein zurSekundärdislokation neigen, wie z B die distale Radius-extensionsfraktur mit dorsaler Trümmerzone beim Er-wachsenen oder die subtrochantäre Femurfraktur beimKind, sollte eine primäre operative Therapie erwogenwerden
Komplikationen bei operativer Knochenbruchbehandlung
Intraoperative Komplikationen
Diese umfassen Schwierigkeiten mit dem Implantat nerseits sowie mit dem Knochen bzw der Fraktur ande-rerseits Darüber hinaus kann es zu Sekundärschäden anden Weichteilen oder an spezifischen Strukturen wieNerven und Gefäßen kommen
ei-Nicht sachgerechte Repositionsversuche hinterlassenbleibende Fehlstellungen oder zusätzliche Läsionen imFrakturbereich wie z B die Denudierung oder Deperios-tierung des Knochens oder gar eine Sekundärfraktur Umsolche Folgeerscheinungen zu vermeiden, sind indirekteRepositionstechniken beschrieben, die Manipulationen
im Frakturbereich minimieren und damit keine
relevan-te Störung der lokalen Vaskularität oder eine Weirelevan-terungder Fraktur bedingen Neben dem alten Prinzip von Zugund Gegenzug sind Repositionstechniken mittels spe-zieller Instrumente wie dem Distraktor oder einerSchanz-Schraube mit Jakobsfutter (sog „Joy-Stick“)wichtige Tricks, um eine schonende und zugleich opti-male Reposition zu gewährleisten Gerade bei Mehrfrag-mentfrakturen im diaphysären Anteil langer Röhren-knochen ist die dreidimensionale Repositionsmöglich-keit mittels Distraktor, d h die instrumentell gestützteEinrichtung eines Bruches in allen 3 Ebenen des Raumesinklusive der Rotation, ein besonderer Vorteil Die Re-tention kann damit bis zur definitiven Fixation durcheine intra- oder extramedulläre Osteosynthese zuverläs-sig gehalten werden Ein „Joy-Stick“ ist z B bei inter-oder subtrochantären Femurfrakturen oder bei derKalkaneusfraktur in der Lage, größere Fragmente zu re-ponieren, ohne, wie bei offener Einrichtung, ein breitesFreiliegen des Frakturbereiches zu benötigen ÜberStichinzisionen eingebrachte Repositionszangen odersolche mit spezieller Technik (z B am Becken) ermögli-chen eine indirekte Reposition auch solcher Fragmente,welche zur Einrichtung einen erheblichen Kraftaufwanderfordern Einfache Tricks zur Überprüfung der Rotation,wie z B die Verwendung des Kabels für die Elektroko-agulation bei intramedullären Osteosynthesen langerRöhrenknochen, die bekanntermaßen zu Achsen- undTorsionsabweichungen neigen, lassen gröbere Fehlstel-
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Trang 36lungen vermeiden Spezielle Landmarks wie die Spina
iliaca anterior superior, die Kniescheibenmitte und die
2 Zwischenzehenfalte sind Grundlage für die
Beurtei-lung Eine weitere Hilfe bei der Marknagelung ist das
sterile Abdecken der gesunden kontralateralen
Extremi-tät für einen Seitenvergleich
Bei der Platzierung und Fixation aller Implantate
können intraoperative Komplikationen ganz
unter-schiedlicher Art auftreten Die einwandfreie Montage
des Osteosynthesematerials unter Wahrung des
Reposi-tionsergebnisses und in korrekter Positionierung zum
zu stabilisierenden Knochen ist oberstes Gebot Bei
int-ramedullären Osteosynthesen ist der richtige
Inser-tionspunkt des Nagels von überragender Bedeutung
Abweichungen davon können zu Sekundärfrakturen,
Perforationen und/oder Fehlstellungen führen Typische
Beispiele dafür sind Frakturen im suprakondylären
Be-reich bei der retrograden Nagelung der Humerusfraktur,
das Auflaufen eines Femurnagels bei antegradem
Zu-gang auf die Gegenkortikalis wegen zu weit lateral
ge-wähltem Eintrittspunkt oder die Schenkelhalsfraktur
bzw Hüftkopfnekrose bei medial gelegener Insertion
Die Malposition des distalen Femurnagels im Rahmen
der retrograden intramedullären Stabilisierung infolge
zu weit ventral oder dorsal gelegenem Zugang oder die
Sekundärfraktur bzw Perforation der Tibia mit
sekun-därer Fehlstellung bei deren intramedullären
Stabilisie-rung sind weitere Schwierigkeiten Die falsche
Dimen-sionierung eines Marknagels bezüglich Länge und
Durchmesser kann Anlass zu intraoperativen
Komplika-tionen geben Ein zu kurzer Marknagel bietet bei
proxi-malen oder distalen Frakturen keine ausreichende
Stabi-lität, ein zu dünner Nagel wirkt sich in gleicher Weise
aus Bei zu dickem Durchmesser des Nagels können
Schaftsprengungen auftreten, alternativ kann es zum
Verklemmen des Nagels mit Schwierigkeiten für dessen
definitive Positionierung oder beim Zurückschlagen des
Nagels kommen Während des Einschlagens eines
Na-gels in einen festen Knochen mit engem Markraum
be-steht die Gefahr der Frakturdiastase, speziell bei
Quer-und kurzen Schrägbrüchen Wird eine Nagelung in
auf-gebohrter Technik durchgeführt, drohen der
Hitzescha-den im endostalen Bereich sowie eine
Sekundärdisloka-tion von Fragmenten Ein zu langer Marknagel bietet die
Möglichkeit der Perforation in das angrenzende Gelenk
Im Falle freihändigen Einbringens von
Verriegelungs-schrauben können diese den Nagel verfehlen, was selbst
bei Verwendung eines Zielbügels in seltenen Fällen
vor-kommt
Um Komplikationen bei der intramedullären
Stabili-sierung zu vermeiden, bedarf es zunächst einer exakten
Operationsplanung, welche die Weite des Markraumes,
die Lokalisation und Konstellation der Fraktur und
da-mit eine Vorauswahl des geeigneten Implantats
einbe-die kontralaterale Extremität als „Vorbild“ für Länge undRotation steril mit abzudecken Das akribische Festlegendes Eintrittspunktes sowie die Ausarbeitung desselben
z B bei der retrograden Humerusnagelung sind weiterepräventive Maßnahmen bezüglich intraoperativer Kom-plikationen Durch exakte Längen- und Dickenbestim-mung des Marknagels im Rahmen der Planung, etwasschwieriger bei der unaufgebohrten Technik, könnenUnter- oder Überdimensionierungen zuverlässig ver-mieden werden Unterstützend wirken der Distraktoroder ein schon anliegender Fixateur externe, in Einzel-fällen auch „Joy-Sticks“, die Länge, Achse und Rotationwährend der Marknagelung zuverlässig halten BeiTrümmerzonen soll im Falle unaufgebohrter Technikder Nagel vorsichtig über diese hinaus und in das distaleFragment eingeführt werden Bei Aufbohrung ist derBohrer ohne Umdrehungen über die Trümmerzone bis
in das distale Fragment vorzuschieben Sollte sich derNagel bei engem Markraum verklemmen, besteht dieMöglichkeit, als Ultima Ratio erforderlichenfalls durchLängsosteotomie die Spannung wegzunehmen Das Ein-bringen der Verriegelungsschrauben muss in beidenEbenen mittels Durchleuchtungskontrolle exakt über-prüft werden
Komplikationen der Verriegelung sind die tion der Schrauben oder Bolzen, deren Unter- oder Über-dimensionierung bzw die Läsion benachbarter Struktu-ren beim Bohren Darüber hinaus kann es zu Abbrüchenvon Bohrerspitzen beim Auflaufen auf den Nagel, zu Ein-brechen der Kortikalis beim Eindrehen der Schraubenund zu mangelhaftem Halt im osteoporotischen Kno-chen kommen Bei speziellen Implantaten, für die dasdiesseitige Bohrloch aufgebohrt werden muss, entste-hen im Unterlassungsfall nicht selten längsverlaufendefissurale Frakturen
Fehlposi-Intraoperative Komplikationen bei der synthese können mit einer mangelhaften Konturierungund der Folge des Abstehens vom Knochen, einem Klaf-fen des gegenüberliegenden Anteiles des Frakturspaltesbei fehlendem Vorbiegen und einer Weichteilirritationüber einem prominenten Implantat verknüpft sein BeiKrümmungen des Knochens wie z B am distalen Femurbesteht bei Verwendung gerader Platten die Gefahr desÜberstandes mit der Unmöglichkeit, am proximalenPlattenende Schrauben zu platzieren Zu groß dimensio-nierte Platten schädigen die Durchblutung durch Druckauf das Periost bzw die Kortikalis, bei zu kurzen Plattenkann die erreichte Stabilität unzureichend sein Zu langePlatten in Gelenknähe geben zu lokalen Irritationen An-lass Die Positionierung einer Platte am falschen anato-mischen Ort führt dazu, dass die durch das Implantat
Plattenosteo-zu neutralisierenden Kräfte nur unPlattenosteo-zureichend gen werden können, was Instabilität und Implantatver-sagen mit Verzögerung der Knochenbruchheilung nach
aufgefan-Komplikationen bei operativer Knochenbruchbehandlung 27
Trang 37nen wie z B am Azetabulum können Schrauben das
Ge-lenk kompromittieren und damit zum mechanischen
Hindernis werden Der Überstand von Schraubgewinde
an Gelenken, z B bei Plattenosteosynthesen am
Hume-ruskopf und am Ellenbogen (Trochlea, Olekranon) oder
am Sprunggelenk, führt gleichfalls zu mechanischer
Irri-tation Eine Massierung von Schrauben in einem
trau-matisch geschädigten Knochenareal hat eine weitere
Devaskularisation und damit eine Beeinträchtigung der
Knochenbruchheilung zur Folge
Speziell am osteoporotischen Knochen kann der Halt
eines Schraubgewindes unzureichend sein Beim Bohren
oder Gewindeschneiden besteht die Möglichkeit des
Ausbrechens gegenüberliegender Kortikalisanteile
Durch Auflaufen einer maschinell eingebrachten
Schraube auf die Gegenkortikalis mit Verfehlen des
vor-gebohrten Loches kommt es zur Zerstörung des
Schraubgewindes mit möglicher Schädigung und
Se-kundärfraktur Schrauben, die durch einen Frakturspalt
geführt werden, entwickeln eine Sperrwirkung, wenn
kein Gleitloch gebohrt ist Beim Bohren der Löcher und
beim Gewindeschneiden sowie beim Einbringen der
Schrauben entsteht Hitze, die den Knochen schädigen
kann Besonders bei hartem Knochen bzw kräftiger
Kor-tikalis muss daher eine fortlaufende Kühlung durch
Spülflüssigkeit erfolgen
Eine weitere intraoperative Komplikation bei
Platten-osteosynthesen von Quer- und kurzen Schrägfrakturen
ist die unzureichende interfragmentäre Kompression
Durch zu großen Abstand der Fragmentenden und
feh-lende Fragmentabstützung entstehen Instabilität und
eine Verzögerung der Frakturheilung Dadurch besteht
die Gefahr der Plattenlockerung/des Plattenbruches
oder der Entwicklung einer Pseudarthrose
Komplikationen bei der Anlage eines Fixateur
exter-ne haben meist mit der unsachgemäßen Insertion der
Schanz-Schrauben oder Steinmann-Nägel zu tun
Gefah-ren liegen in der Schädigung von Nerven, Gefäßen,
Mus-kulatur, Sehnen und Bändern Beispiele hierfür sind der
N radialis am Oberarm, die Muskulatur am
Oberschen-kel bzw das dorsale Gefäß-Nerven-Bündel in Höhe des
Schienbeinkopfes Beim Bohren der Schrauben- oder
Nagellöcher entstehen häufig Hitzeschäden, die zur
Ausbildung von Ringsequestern und zu möglichen
Pin-Tract-Infektionen führen können Instabile Montagen
geben zur Redislokation und zum Verlust der Fixation
Anlass Zu nahe an einer Fraktur gelegene Schrauben
oder Nägel können leicht ausbrechen oder zum
Versa-gen der Montage führen
Postoperative Komplikationen
Postoperative Komplikationen in der
Frakturenbehand-lung haben insbesondere mit einer Verzögerung oder
dem Nichteintreten der Knochenbruchheilung, nicht
selten in Kombination mit einer Wundheilungsstörung
oder Infektion zu tun Ursachen hierfür sind eine
gestör-te Biologie oder die unzureichende Stabilität, meist aber
eine Kombination dieser beiden Faktoren bzw eine
Un-ausgewogenheit in deren Verhältnis zueinander
Bezüg-lich der Gründe für eine Knochenheilungsstörung
diffe-renziert man zwischen den durch das Trauma lösten Ursachen und solchen, die in der iatrogenen Ma-
ausge-nipulation begründet sind Auf der Seite der Biologie ist
es der traumatisch bedingte Vaskularitätsschaden, derdie knöcherne Heilung kompromittiert, wobei nicht nurdie Vaskularität eines Knochens, sondern ebenso dieje-nige der Weichteile von elementarer Bedeutung ist Diedurch eine operative Maßnahme zum traumatischenVaskularitätsschaden hinzugefügte iatrogene Beein-trächtigung der Durchblutung pfropft sich zusätzlichauf, so dass jegliches Osteosyntheseverfahren vor allemauf die größtmögliche Schonung des Gewebes abzielenmuss
Auf der anderen Seite ist das für den individuellen
Charakter der Fraktur erforderliche Ausmaß an tät wesentliche Grundlage für den Erfolg der Osteosyn-
Stabili-these Das im Einzelfall notwendige Maß an Stabilität ner Osteosynthese ist durchaus unterschiedlich, je nach-dem, ob es sich um eine Quer- oder kurze Schrägfrakturoder um eine langstreckige Trümmerfraktur im diaphy-sären Bereich handelt So ist z B bei einer Vorderarm-schaftquerfraktur das Erreichen absoluter Stabilitätdurch interfragmentäre Kompression mittels Platten-osteosynthesen im Interesse der Übungstherapie undder angestrebten direkten Knochenbruchheilung ohneKallusbildung und mit perfektem Remodeling ange-strebtes Ziel Voraussetzung ist aber auch in diesen Fäl-len eine möglichst gute Vaskularität an den Fragment-enden, damit die Heilung ungestört vonstatten gehenkann Dagegen ist eine Mehrfragment-/Trümmerfraktur
ei-z B im distalen Femurschaftbereich eine gute tion für eine eingeschobene Überbrückungsplatte odereine intramedulläre Osteosynthese, die die einzelnenFragmente im Rahmen der Wiederherstellung von Ach-
Indika-se und Rotation nur ausrichtet Bei relativer Stabilität imFrakturbereich kommt es, den ausreichenden Erhalt derVaskularität vorausgesetzt, zu einer zeitgerechten knö-chernen Überbrückung im Sinne der indirekten Fraktur-heilung mit ausgeprägter Kallusbildung Es ist also diebereits angesprochene Balance zwischen Biologie undStabilität, welche durch das im Einzelfall gewählteOsteosyntheseverfahren garantiert werden muss, wobeidie Waagschale sich durchaus ein wenig zur einen oderzur anderen Seite neigen, aber kein völliges Übergewichthaben darf
Verzögerte Knochenbruchheilung und Pseudarthrose
Definitionsgemäß spricht man von einer verzögertenKnochenbruchheilung, wenn innerhalb von 4 Monatennach einer Fraktur keine knöcherne Durchbauung einge-treten ist Bleibt auch nach 6 Monaten eine Fraktur-heilung aus, handelt es sich um eine Pseudarthrose.Letztere kann in verschiedenen Erscheinungsformenauftreten, wobei deren Phänotyp im Wesentlichen vonder jeweiligen biologischen Situation im Bruchbereichabhängt
Die verzögerte Knochenbruchheilung droht dann,
wenn durch das Trauma ein ausgeprägterer
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Trang 38schaden oder eine stärkere Deperiostierung verursacht
wurden Während indirekte Frakturmechanismen in
der Regel keine Beeinträchtigung der Frakturheilung
zur Folge haben, sind direkte Traumen durch
Schädi-gung des Weichteilmantels und der periostalen wie
en-dostalen Durchblutung diesbezüglich deutlich mehr
ge-fährdet Insbesondere offene Frakturen im Rahmen von
Rasanztraumen (typisches Beispiel: offene
Unterschen-kelfraktur als Stoßstangenverletzung beim
Zweiradfah-rer) mit Zerstörung des Integumentes über dem
Bruch-bereich und der Deperiostierung des Knochens gehören
in diese Kategorie Kommt dann durch eine
unsachge-mäße Erstversorgung noch ein iatrogen bedingter
Weichteilschaden mit einer weiteren Entblößung des
Knochens hinzu, ist eine Störung der Frakturheilung
vor-programmiert
Wichtigste präventive Maßnahme in Bezug auf eine
Knochenheilungsstörung ist die Bewahrung oder
Wie-derherstellung der lokalen Durchblutung, sei es durch
eine den Frakturbereich möglichst schonende
Osteosyn-these (Fixateur externe, eingeschobene Platte,
Markna-gelung in unaufgebohrter Technik) und/oder eine
eben-solche Primärbehandlung der Weichteile (Débridement,
offene Wundbehandlung, Kompartmentspaltung usw.),
wobei in Fällen besonders schwerer Weichteilläsion
lo-kale bzw Fernlappenplastiken zur örtlichen Sanierung
dienen können
Zeichnet sich bei den Röntgenkontrollen eine
Verzö-gerung der Frakturheilung ab, müssen frühzeitige
Ge-genmaßnahmen ergriffen werden, die von ganz
unter-schiedlicher Natur sein können Bei der intramedullären
Stabilisierung einer Quer- oder kurzen Schrägfraktur mit
statischer Verriegelung kann die einfache
Dynamisie-rung durch Entfernung der statischen
Verriegelungs-schraube ausreichen, um bei Vollbelastung eine
Erhö-hung der interfragmentären Kompression und dadurch
eine Begünstigung der Knochenbruchheilung zu
erzie-len Bei Störungen der Biologie im Sinne eines
Vaskulari-tätsschadens, speziell im Fall knöcherner Defekte, ist
ei-ne autogeei-ne Spongiosaplastik das Mittel der Wahl
Be-steht z B nach einer Marknagelung radiologisch ein
Hinweis, dass durch zu viel Fragmentbewegung zwar
ei-ne gute Kallusbildung, aber keiei-ne zeitgerechte
Durch-bauung möglich ist, kann durch Einbringen einer
rota-tionsstabilisierenden kleinen Platte über den
Fraktur-bereich hinweg in Verbindung mit einer Dekortikation
eine Beförderung der Heilungsvorgänge erreicht
wer-den Etwas aufwendiger ist ein Verfahrenswechsel bei
der Osteosynthese, z B das Austauschen eines
Markna-gels in ungebohrter Technik gegen einen solchen mit
Aufbohrung, was bei entsprechend schonender
Vorge-hensweise zu einer Beschleunigung der Heilung führt
(osteogenetische Potenz des Bohrmehls) Gelegentlich
kann auch ein Wechsel von der Plattenosteosynthese
rung Letzteres soll den Übergang zur Pseudarthrose oderein mögliches Implantatversagen vermeiden helfen
Die Differenzierung der verschiedenen
Erscheinungs-formen einer Pseudarthrose basiert im Wesentlichen auf
ihrer Genese Die Differenzierung der Pseudarthrosenwird in nachstehender Form vorgenommen:
1 Atrophe Pseudarthrose Diese Form ist
charakteri-siert durch eine Vaskularitätsstörung an den enden, so dass die physiologischen Vorgänge der Bruch-heilung mit Kallusbildung unterbleiben Im Röntgenbildsind abgerundete, sklerosierte Fragmentenden zu sehen,die keinerlei reparative Tendenz erkennen lassen Beob-achtet werden atrophe Pseudarthrosen vor allem beiFrakturen mit schwerem Weichteilschaden und starkerDeperiostierung des Knochens, z B bei offener Fraktur
Fragment-an Ober- und Unterschenkel Häufig kommt noch einemangelhafte Stabilität der Osteosynthese hinzu Als Be-handlungsmaßnahme dient die autogene Spongiosa-plastik evtl in Kombination mit einer Reosteosyntheseoder die Resektion der Fragmentenden mit Überbrü-ckung durch autogenen Knochen, bei größeren Defektenkommen aufwendigere Techniken wie ein Segment-transport mit Kallusdistraktion infrage
2 Hypertrophe Pseudarthrose Diese Art einer
Pseud-arthrose ist gekennzeichnet von eher überschießendenHeilungsbestrebungen mit ausgeprägter Kallusbildungbei ungestörten Vaskularitätsverhältnissen HäufigsteUrsache dafür ist eine nicht ausreichende Stabilität imFrakturbereich, z B nach intramedullärer Stabilisierungmetaphysennaher Femur- und Tibiafrakturen Infolge zustarker Unruhe im Frakturbereich gelingt die Überbrü-ckung des Bruchspaltes nicht Im Röntgenbild sind vitaleFragmentenden und eine sichtbare Kallusbildung fest-zustellen Die adäquate Therapie macht sich die guteBiologie zunutze und stellt im Wesentlichen auf die Er-höhung der Stabilität ab, bewerkstelligt durch die näm-lichen Maßnahmen, wie sie bei der Behandlung der ver-zögerten Knochenbruchheilung bereits dargestellt wur-den Insgesamt ist diese Pseudarthroseform gegenüberder atrophen die wesentlich gutmütigere und daherdurch vergleichsweise einfachere Maßnahmen zu be-handeln
3 Defektpseudarthrose (mit oder ohne Infekt) Das
Ausbleiben der Frakturheilung ist in diesen Fällen durcheinen entweder traumatischen Knochenverlust oderdurch sekundäre Defektsituationen aufgrund entzünd-lich bedingter Sequestrierung ausgelöst Diese Verhält-nisse stellen hohe Anforderungen an eine erfolgreicheTherapie Es gilt, die örtliche Durchblutungsstörungebenso wie die Defektstrecke durch körpereigenes Kno-chengewebe oder durch eine der Segmenttransport-
Verzçgerte Knochenbruchheilung und Pseudarthrose 29
Trang 39Der Knocheninfekt
Akute oder chronische Knocheninfektionen bzw
Ostei-tiden gehören zu den folgenreichsten und bezüglich der
Dauer der Behandlung langwierigsten Komplikationen
in der Frakturenbehandlung Definitionsgemäß heilt
ei-ne Osteitis ein Leben lang nie vollständig aus, sondern
kann allenfalls in einen Ruhezustand überführt werden
Mit den heutigen Resektionsverfahren und dem
sekun-dären Wiederaufbau des Knochens ist allerdings eine
vollständige Sanierung möglich
Die Ursachen von Knocheninfektionen sind mit
Prob-lemen der Weichteile verknüpft, in denen meist eine
Wundheilungsstörung mit nachfolgendem Infekt auf
den Knochen übergeht Infolge der Vaskularitätsstörung
und der verzögerten Revaskularisation besteht im
Ver-letzungsbereich ein idealer Nährboden für eine
Keimbe-siedelung und -vermehrung Dabei haben weniger die
im Rahmen des Unfallgeschehens inokulierten Keime
Bedeutung, sondern vielmehr die im Hospital
erworbe-nen
Neben der traumatischen Gewebsschädigung sind
die iatrogenen Manipulationen entscheidend für die
Auslösung eines Infekts Rüde Repositionsmanöver, ein
mangelhaftes Débridement an Weichteilen und
Kno-chen mit Belassen von minderdurchblutetem Gewebe,
schlechte Weichteilbehandlung und eine weitere
Depe-riostierung von Fragmenten gehören zu den
auslösen-den Momenten Es ist zu berücksichtigen, dass sich die
„Einzahlungen“ auf dem Konto der gestörten Biologie,
d h die traumatische und iatrogene Einflussgröße,
sum-mieren bzw potenzieren und so zur Ausbildung eines
Infekts beitragen
Der Knocheninfekt wird nach verschiedenen
Krite-rien eingeteilt und klassifiziert Zunächst unterscheidet
man die posttraumatische von der postoperativen
Os-teitis, was ein Hinweis auf die überwiegende Ursache
ist In Hinblick auf den Schweregrad und das Stadium
kann man die oberflächliche, d h die beginnende
In-fektion, z B im Bereich einer extramedullären
Osteo-synthese, von der tiefen Infektion, der eigentlichen
Osteitis unterscheiden Eine weitere Differenzierung ist
diejenige nach dem Grad der Akuität, indem man die
akute von der chronischen Osteitis abtrennt Eine
be-sonders wichtige Unterscheidung ist diejenige der
dro-henden von der manifesten Infektion, wobei gerade
erstere von besonderer Relevanz ist Diese
Differenzie-rung zielt darauf ab, dass die Früherkennung eines
In-fekts mit notfallmäßiger operativer Revision
entschei-dend für den weiteren Verlauf, insbesondere für das
Ver-meiden irreversibler Schäden, sein kann Deswegen
ge-hört die Früherkennung der Infektkomplikation zu den
verantwortungsvollsten Aufgaben des Chirurgen
Die Diagnostik der Knocheninfektion umfasst ein
ganzes Arsenal von klinischen, laborchemischen,
sono-graphischen, radiologischen und nuklearmedizinischen
Untersuchungsmethoden Von herausragender
Bedeu-tung ist zunächst die klinische Diagnostik, welche die
Standardkriterien des Infekts mit Rubor, Dolor, Calor
und Tumor einbezieht Regelmäßige postoperative
Wundkontrollen, die Aufzeichnungen der
Temperatur-kurve und die subjektiven Angaben des Patienten sen die Aufmerksamkeit des Chirurgen auf die Möglich-keit eines beginnenden bzw drohenden Infektes lenken.Bei entsprechendem Verdacht können Labortests wieCRP und Blutbild mit Bestimmung der Leukozytenzahlweitere Hinweise geben, wohingegen die BKS im Früh-stadium eines Infekts keine entscheidenden Hinweiseliefert Die Sonographie im Wundbereich vermag Flüs-sigkeitsansammlungen aufzudecken, wobei Hämatose-rome einen idealen Nährboden für eine Keimvermeh-rung darstellen und deswegen frühestmöglich aufzude-cken sowie aufzuräumen sind Auch CT und MRT sind inder Lage, Hämatome und Serome erkennen zu lassen,stellen aber deutlich aufwendigere Untersuchungsme-thoden dar Bei fortbestehenden diagnostischen Zwei-feln kann die Anfertigung eines Leukozytenszinti-gramms helfen, welches Anreicherungen im betroffenenGebiet erkennen und von deren Ausmaß auf die Ausbil-dung einer Infektion schließen lässt
müs-Die Therapiemaßnahmen bei Knocheninfektion
hängen entscheidend von der Akuität, dem Ausmaßund der Tiefe des Geschehens, von der Art und Lokalisa-tion der Fraktur, deren Heilungszustand, der Art eineseinliegenden Implantats und vor allem vom Zustand
der Weichteile und des Knochens ab Bei akuter tion gilt grundsätzlich die Maxime, dass der Revisions-
Infek-eingriff so früh wie möglich, am besten notfallmäßig
er-folgen sollte In Fällen eines drohenden Infektes
be-steht grundsätzlich die Möglichkeit der engmaschigenklinischen und laborchemischen Kontrolle In Zweifels-fällen bzw bei anhaltenden Zeichen eines Reizzustan-des ist es besser, eher einmal mehr als einmal zu wenig
zu revidieren Die Revision umfasst nach Abstrichnahmezunächst eine mechanische Reinigung mit Entfernungallen nekrotischen und infizierten Gewebes, eine aus-giebige Spülung z B mit Jet-Lavage und bei einem ein-liegenden Implantat die Überprüfung von dessen Stabi-lität Bei höhergradigem Infekt und einliegendem Im-plantat (z B Markraumphlegmone nach intramedullä-rer Stabilisierung, Plattenlagerinfekt) ist es ratsam, eine
ME vorzunehmen, um jegliches Fremdmaterial aus dembetroffenen Gebiet zu beseitigen Im Falle einer Infekti-
on ist ein solches Implantat dazu geeignet, das dungsgeschehen zu unterhalten und die Sanierungsbe-mühungen zu stören Nur bei Low-Grade-Infektionenund früher Revision ist es ratsam, ein stabiles Implantat
Entzün-zu belassen, wobei eine Dauersaugdrainage im Sinneder kontrollierten Fistel bis zur abgeschlossenen Frak-turheilung erhalten wird Die Metallentfernung erfolgt
in solchen Fällen zum frühestmöglichen Zeitpunkt.Muss ein Implantat bei akutem Infekt und noch nichtvollständigem knöchernen Durchbau entfernt werden,ist ein Verfahrenswechsel zum Fixateur externe erfor-derlich In Fällen intramedullärer Stabilisierung wirdder Nagel extrahiert, der Markraum einmal aufgebohrtund mehrfach gespült Die einzulegende Drainage bleibtals Überlaufdrainage ohne Sog, um keinen zu hohenBlutverlust zu provozieren Die Schanz-Schrauben fürden Fixateur externe werden außerhalb des Infektberei-ches platziert Bei einliegender Platte wird in ähnlicherWeise vorgegangen, wobei die meist größere Wundenach Débridement und Spülung mit Vorteil durch die
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Trang 40Einlage von Vacuseal mit oder ohne
Versiegelungstech-nik behandelt und bei Second- und Third-Looks im
Sin-ne serieller RevisioSin-nen saniert werden kann Bei
Vorhan-densein größerer Wundhöhlen kann auch die temporäre
oder dauerhafte Einlage eines Lokalantibiotikums in
Form einer Septopal-Kugelkette hilfreich sein Die
par-enterale Verabreichung eines Antibiotikums richtet sich
nach dem Antibiogramm und sollte ebenso hochdosiert
wie zeitlich bemessen verordnet werden Wenn durch
den Infekt bzw nach Revision und Débridement
knö-cherne Defekte verbleiben, die keine spontane
Knochen-heilung erwarten lassen, müssen die bereits
beschriebe-nen „biologischen“ Unterstützungsmaßnahmen wie die
autogene Spongiosatransplantation (kleiner Defekt)
oder ein Segmenttransport (großer Defekt) zur
Anwen-dung kommen
Beim chronischen Infekt sind eine exakte
Bestands-aufnahme der Situation und das Erstellen eines darauf
fußenden Therapieplanes unabdingbar Meist gelingt es
erst bei einer umfänglichen Revision, das Ausmaß der
Gewebsschädigung bzw den Grad der Infektion
festzu-stellen Das primäre Débridement zielt auf eine
vollstän-dige und kompromisslose Beseitigung allen
nekroti-schen und infizierten Gewebes ab, wobei die dadurch
entstehenden auch größeren Weichteil- und
Knochen-defekte aufgrund der heute zur Verfügung stehenden
Sanierungstechniken kein unlösbares Problem
darstel-len Lediglich unverzichtbare Strukturen wie Nerven
und Blutgefäße bzw Sehnen und Bänder werden weitest
möglich verschont Das zu erstellende
Behandlungskon-zept fokussiert zunächst auf die Weichteilsanierung,
de-ren Aufwand vom Ausmaß des Defekts abhängt Die
Pa-lette möglicher Sanierungsmaßnahmen erstreckt sich
von der offenen Wundbehandlung mit einem
Hauter-satzmaterial über die Wundreinigung mittels
Vakuum-Versiegelungstechnik und nachfolgender
Spalthaut-deckung über lokale Lappenplastiken (z B
Gastrokne-mius-, Soleuslappenplastik am Unterschenkel usw.) bis
hin zum freien Gewebstransfer (z B
M.-latissimus-dor-si-Lappen) Der in vielen Fällen nach der Revision
be-trächtliche Knochendefekt bedarf rekonstruktiver
Ein-griffe, entweder als autogene Spongiosaplastik oder als
Segmenttransport Nicht selten sind bei großen
Defekt-strecken zur definitiven Ausheilung eine zusätzliche
Spongiosaplastik und eine additive interne
Stabilisie-rung, wie z B eine überbrückende
Plattenosteosynthe-se, erforderlich
Refraktur
Darunter versteht man definitionsgemäß das Eintreten
einer Fraktur in einem schon abgeheilten ehemaligen
gung Bei der Reosteosynthese muss die Vaskularität imFrakturbereich exakt geprüft und fallweise eine Resek-tion minderdurchbluteter Areale mit sekundärem Wie-deraufbau vorgenommen werden
Implantatversagen
Darunter versteht man die Auslockerung oder einenBruch des Osteosynthesematerials, welche jedoch nichtdurch mangelhafte Qualität des Implantats verursachtwerden Vielmehr handelt es sich um eine unphysiologi-sche Belastung des Metalls aufgrund fortbestehenderInstabilität im Frakturbereich, welche auf eine verzöger-
te oder ausbleibende Knochenbruchheilung führen ist Infolge Wechselbiegebelastung kommt eszum „Dicker-Draht-Effekt“, d h., dass durch zyklischesHin- und Herbiegen eine Materialermüdung zustandekommt, was schließlich zum Metallbruch führt Das frü-
zurückzu-he Erkennen einer solczurückzu-hen Gefahr bei verzögerter chenbruchheilung und die Durchführung präventiverMaßnahmen zur Förderung des knöchernen Durchbaushelfen, eine derartige Komplikation zu vermeiden Istein Implantatversagen eingetreten, bedarf es einer um-gehenden Reosteosynthese mit zusätzlichen, die „Biolo-gie“ fördernden Maßnahmen
Kno-Instrumentversagen
Diese Komplikation basiert regelmäßig auf einem sachgemäßen Umgang mit Instrumentarien Abgebro-chene Bohrer, Gewindeschneider und Schrauben müs-sen am ehesten auf eine mangelhafte Insertionstechnikwie zu schräges Bohren oder das Auftreffen auf ein Hin-dernis, z B ein anderes Metall zurückgeführt werden
un-Ein ausgeschlagener Imbus z B bei Titanschraubenkann zu einer erheblichen Erschwernis der Metallentfer-nung führen Mit einem speziellen Instrumentenset fürabgebrochene oder ausgeschlagene Schrauben sind die-
se Situationen zu beherrschen Die Entfernung längereinliegender oder stark verklemmter Marknägel führthäufig zu Beschädigungen des Ausschlaginstrumenta-riums, so dass als Ultima Ratio gelegentlich eine Längs-osteotomie des Knochens erforderlich wird
Metallallergie und Metallose
Edelstahllegierungen aus Chrom, Kobalt, Nickel und lybdän sind Werkstoffe für herkömmliche Implantate
Mo-Metallallergie und Metallose 31