Es überrascht vermutlich viele, die etwas mit dem Fach „G erm anistik“ im allgemeinen und mit dem Gebiet “ Deutsch als Frem dsprache“ im besonderen zu tun haben, daß die deutsche Sprache
Trang 2Zur Entwicklung eines Teilciirriculuins für den Sprachunterricht im Grundstudium in der Sektion
"Deutsche Sprache” - Frenidsprachenhochschule Hanoi,
Trang 3Ich m öchte Herrn Prof Dr Gerhard N euner für seine sorgfältige fachliche B etreuung und Frau Stefanie N euner für ihre unerm üdliche 1 lilfe m einen aufrichtigen Dank aussprechen.Mein herzlicher Dank gilt auch dem K A A D , vor allem dem Asienreferat für die finanzielle Unterstützung.
Trang 4I N H A L T
K inlcitiin g
Teil I Ü b er b lick über das Stiidimii ¡ 1 1 1 der Sektion „D eutsche S p r a c h e “ H anoi, Vietnam 1 H istorische A n g a b en über die S e k t i o n
2 S tu d ien b czo g cn e Fa k to ren
2.1 L ernzeit
2.2 L e r n in h a ll
2.3 P rüfungsordnung und angestrebler Abschluß
3 Die d e u tsch e Sprache mit vietnam esischen S t u d e n t e n
3.1 B esch reib u n g der Z ielgruppc .
3.1.1 A lle r u n d H e r k u n f t
3.1.2 Frem dsprachenkenntnissc der S t u d e n te n
3.1.3 Lcrnverlmlten der S t u d e n t e n
3.2 Interesse d e r Dcutschstiidicrcndcn an der Sprache und Deutschland 3.2.1 Lernm otivation der S tu d ie re n d e n
3.2.2 Deulschlandbilder bei den Studierenden
4 A u sb ild u n g sn iv ea u und LclireiTiihi iingcn der L e l n l m i f l c der Sektion 5 L e lm v c r k e im G r u n d s tu d iu m
I eil II Ü berlegungen zur Entw icklung eines T eilcurriculum s für den S prachun terricht im G ru ndstu diu m 1 Definition dos Begriffs „ C u rr ic u lu m “ .
1.1 Das v o rlie g en d e Curriculum für das G rundstudium im Fach Deutsch -F rem dsprnchcnliochschule H anoi, V ietn a m
1.1.1 Institutionelle L n lw ic k lu n g s p rin z ip ie n
1.1.2 Zielsetzung und Abschluß
1.1.3 Lehrplan für den Sprachunterricht im Fach D eutsch
1.2 Beispiele aus einigen Curricula in anderen Ländern zum Vergleich
1.3 A llg em ein e A u sw ertun gen der S p ra ch k o m p ctcn z der Studierenden
1.3.1 I heorelisehc G ründe liir die Durchführung des T e s t e s
1.3.2 Darstellung des T e s le rg c b n is e s
1
3
4
4
4
6
7
7
7
9
9 13 13 15 18
20
23
25 25 25 26 29 32 32 32
Trang 51.3.2.1 I l ö r v c r s te h e n 33
1.3.2.2 I cscvcisichen 34
1.3.2.3 C iram m atikstruktur 34
1.3.3 Spezifische Schwierigkeiten dir die Studierenden im gesam ten l e s t 35
1.3.4 A usw ertungen der Sprcch- und Schreiblahigkcit der S tu d e n te n 35
1.3.4.1 S prechnihigkeit 35
1.3.4.2 Schreibfahigkeit 38
1.4 Fehleranalyse und -U rsach en 39
2 T heoretische Überlegungen zur G estaltung eines neuen T e ilc u r r ic u lu in s 48
.3 Einige K ahm cnh cd iiigu ngcn für das neue T c ilc iir r ic iilu m 50
3.1 Allgem eine L e r n z ie le 50
3.1.1 LernzieldeHnition und neue Zielsetzungen des I;rcm d s p ra c h e n u n lc rric h ts 50
3.1.2 Lernziele für die vietnam esischen D c utschsludcnten 51
3.2 Spezifische A n fo rd eru n g en an die S t u d i e r e n d e n 62
3.2.1 Sprachsystem bezogenc A n fo r d e r u n g e n 62
3.2.2 Fertigkeitsbezogene A nforderungen 63
3.2.3 Autonom es L e r n e n 65
3.2.4 Inlcrkullurelles L e r n e n 71
.3.3 Didaktische Überlegungen zur Untei r ieh tsv o rb creitu n g 75
(Am Beispiel des Spreeliuntcrrielits) 4 Z u sa m m e n fa s s u n g .79
Anhang
Literaturverzeichnis
Trang 6rciNLRITIINC :
Das T he m a „ C u r ric u lu m e n lw ic k lu n g “ für den Frcm dsprachenunterricht im allgemeinen und für den D eutsch u n te rric h t im besonderen hat in den vergangenen Jahren eine erhebliche B e deutung in d e r F rem dsprachendidaktik und -m ethodik gewonnen Traditionell w urde tler G e g e n s ta n d der C urriculum entw icklung bzw -Forschung oft fTir die europäischen Länder, in d e n e n Frem dsprachen als die zw eitw ichtigste Sprache nach der
M uttersprache bezeichnet w erden, untersucht Im Gebiet „Deutsch als Frem dsprache“ haben die D ida ktike r in der ve rg a n g e n e n Zeit auch damit angefangen, das Lehren und Lernen der d e u tsc h e n Sprache in z ielsprachenfernen Ländern, z.B in Asien, zu erforschen Vor ihnen eröffnet sich ein neu zu e n tdeckendes Gebiet, in dem viele Ü berraschungen und interessante P u n k te erw artet w erden
In der vorliegenden Arbeit w urde versucht, sich mit dem Thema „ C urriculum entw icklung“
am Beispiel von V ietnam , w o die de utsc he Sprache l a g für l a g im m er m ehr Lerner anzieht, zu beschäftigen Die g e s a m te A rbeit wird hauptsächlich in zwei große Teile mit verschiedenen kleineren A b sc h n itte n g e g l i e d e r t :
1 Ü b erb lick ü b er das S tu d iu m in der Sektion „ D eu tsch e S p r a c h e “ Hanoi,
V ietnam
Dieser A b sc h n itt w urde am A n fa n g der Arbeit cingeführt, weil er die sogenannten
„m ittelbaren und s ubjektiven Faktoren“ für die G estaltung eines Curriculums beinhaltet In diesem A bsc hnitt w ird den Lesern u.a darüber berichtet, seit wann und
w arum die d e u tsc h e S pra che in der Sektion „D eutsche S prache“ der Fre m d sp ra c h e n h o c h s c h u lc Hanoi untcrrichtct wird D aneben enthält er auch zahlreiche Inform ationen über die Zielgruppe, die sich mit dieser Sprache beschäftigt und über die Lehrkräfte bzw die verw endeten Lehrw erke im Deutschunterricht
S p r a c h u n tc r r ic lit im G ru n d s tu d iu m
Dieser Teil bestellt aus einer theoretischen sowie einer praktischen Analyse, die
u nm ittelbar die E n tw ic k lu n g eines C urriculum s für den Deutschunterricht beeinflussen Es geht in diese m Teil zw ar nur um ein Teilcurriculum , d.h ein
C urriculum für den S prachunterricht, in dem die vier wichtigen Fertigkeiten für den f'rc m d sp ra c h en e rw c rb (S p re c h e n , Lescverstchen, Schreiben, I Iörverstehen) in den
M ittelpunkt gesetzt werden Zu den behandelten Bestandteilen gehören z.B der
Trang 7Sprachsland der Lerngruppc, die Lernzielbestim m ung und die entsprechenden
A nforderungen an die I,einer elc
Diese Arbeit zielt in erster Linie d a ra u f ab, einige grundlegende Überlegungen zur Entwicklung eines Curriculum fiir den Unterricht Deutsch als Frem dsprache in Vietnam anzustellen und legt desw egen kein vollständiges Curriculum vor Sic konzentriert sich nur auf die wichtigsten Faktoren, die eventuell Vorschläge bzw A nregungen für die Deutschlehrer in Vietnam bringen könnten Die Arbeit um faßt auch einen A nhang, in dem Beispiele wie z.B ein Sprachlest für Studenten, einige Aufsätze der D eutschstudierenden
im zw eiten Sem ester oder Vorschläge a u f U nterrichtsvorbereitung etc abgebildet werden, dam it die im vorderen Icil vorgcstclltc Situation des Lehrcns und Lernens der deutschen Sprache in Vietnam veranschaulicht werden kann
Trang 8Es überrascht vermutlich viele, die etwas mit dem Fach „G erm anistik“ im allgemeinen und mit dem Gebiet “ Deutsch als Frem dsprache“ im besonderen zu tun haben, daß die deutsche Sprache bereits seit den 50er Jahren in Vietnam unterrichtet und gelernt wird.
Z usam m en mit der w achsenden Zahl der vietnam esischen Studenten, die ftlr ein Studium
in der ehem aligen DDR vorgesehen waren, w urde 1966 die Sektion „G erm anistik“ an der Hochschule für Frem dsprachen Hanoi gegründet Nach 10 Jahren selbständiger Existenz wurde sic 1978 als Fachbereich Deutsch in der Sektion für Europäische Sprachen derselben H ochschule integriert Nach dem Fall der Berliner M auer 1989 und dem
Z usam m enbruch des Ostblocks wurde die Sektion Itir Europäische Sprachen aufgelöst und die Deutschlehrerinnen standen vor der A ufgabe, die Sektion „D eutsche S prache“ wieder
zu gründen und das traditionelle Deutschlchren sow ie - le r n e n in Vietnam nicht unterbrechen zu lassen Bis 1990 haben in der Sektion „D eutsche S prache“ der Hochschule für Frem dsprachen Hanoi über 25.000 V ietnam esen eine Deutschintensiv - Ausbildung gem acht Dazu zählen auch 40 D iplome „D eutsche Sprache“ ftir Deutschlehrer,
D olm etscher und Übersetzer
Seil 1991 konzentriert sich die Sektion als das größte Zentrum der deutschen Sprache im ganzen Fand a u f die A usbildung von Deutschlehrern, Dolm etschern und Übersetzern, die ihr Studium mit einem Diplom abschließen
Um über die Existenz und die A ufgabe der Sektion „D eutsche Sprache“ klarer informieren
zu können, wird im folgenden T'cil je d e r einzelne Funkt erläutert, dam it m an einen deutlichen Überblick über die deutsche Sprache in Vietnam bekom m en kann Die einzelnen Funkle haben keine andere Funklion als eine Einleitung für den wichtigsten Teil dieser Arbeit Diese nachkom m enden Erläuterungen dienen als G rundlage Air die
Ü berlegungen, wie ein T c ilc u n ie u lu m Itir den Deutschunterricht im G rundstudium , das
Trang 9bisher nur a u f Vietnam esisch entwickelt worden ist, a u f Deutsch gut und angemessen gestaltet werden kann Dabei sollen folgende Faktoren besonders bcachlet werden:
a Die Analyse der sludienbezogenen Faktoren des vorhandenen Curriculum s und
b die ziclgruppenbezogenen Merkmale
2 S t u d i c n f o e z o g e n c F a k t o r e n
2.1 L e r n z e i t
Wie es vorher schon erw ähnt wurde, konzentriert sich die Sektion „D eutsche Sprache“ in Hanoi - V ie tn a m seit 1991 a u f die Ausbildung der Deutschlehrer, D olm etscher und Übersetzer, die alle die gleiche Studienzeit von vier Jahren absolvieren müssen Nach dem Abitur können sich die Abiturienten um eine Zulassung an der H ochschule bewerben
V orausgesetzt werden aber keine Dcutschkcnntnisse, weil Deutsch in keiner O berschule in Vietnam unterrichtet wird, sondern das Bestehen der A ufna hm e prüfung in drei Fächern Literatur, M athem atik und einer ausgcw ählten Frem dsprache (z.B Englisch, Französisch oder Russisch), ln anderen Sektionen (z.B Sektion für Russische oder Französische Sprache) haben die Studienanfänger einen leichteren Start in das Studium , weil sie vorher
a u f der O berschule schon Sprachkenntnissc in Russisch oder Französisch erw orben haben Deshalb können diese gleich am A nla ng des G rundstudium s neben sprachpraktischen Stunden auch sprachsystem bezogene Fächer studieren Im G egensatz dazu m üssen die Deutschlernenden unbedingt einen Vorkurs Deutsch nehm en, sehr intensiv mit 20 Stunden pro W oche Es gibt für sie keine andere Wahl, weil sic das Studium wie ihre
K om m ilitonen der anderen Sektionen abschließen müssen Diese Situation ist
w ahrscheinlich für andere D cutschlerncnde in anderen Ländern oder aus dem vertrauten Kullurkreis nicht leicht zu begreifen T rotz ungünstiger Lernbedingungen arbeiten die vietnam esischen D e u t s c h l a n d ' im m er Tag für l a g hart llir ihr Studium Wie ihre Studienleislungcn aussehen, wird in nächsten Kapiteln genauer behandelt
2 2 L er ni nl ii ii t
Das g esam te Studium in der Sektion „D eutsche S prache“ um faßt einen Vorkurs und sieben Sem ester, und wird in zwei Stufen unterteilt : Grund- und I Iauptstudium D eswegen sind die Lerninhalte je d e r Phase unterschiedlich Es existiert an vietnam esischen Hochschulen
im allgem einen und an der Hochschule für Frem dsprachen im besonderen noch keine freie
Trang 102.3 P r ü f u n g s o r d n u n g mu l ¡ i n g c s t r e h f c r A b s c h l u ß
Da das L ehrprogram m der Sektion von der I loeliscluilleitung bestim m t und überprüft wird, hat es auch die gleiche Prüfungsordnung wie das der anderen Sektionen V oraussetzungen lür die Prüfungskandidaten sind z.B wie folgt voi geschrieben :
1 Kr d a rf nicht m ehr als 30% der gesam ten Unterrichtsstunden versäumen
2 Kr m uß alle Hausarbeiten sowie H ausaufgaben erledigen (mit möglichst ständiger
Kontrolle der Lehrperson)
Im G rundstudium haben die Studierenden nach je d e m Sem ester eine offizielle Prüfung abzulegen, deren T he m en und Inhalte von Lehrern ausgew ählt und von der Abteilung lur
A usbildung der I lochschule geprüft und gestem pelt werden Die N o te n g e b u n g übernehm en die Deutschlehrer in der Sektion und sic wird w ieder von der gleichen Abteilung aufgelistet Die Prüfungen sollen im G rundstudium sowohl aus einem m ündlichen als auch aus einem schriftlichen feil bestehen Im Ilauptstudium haben die Lehrer das Recht aul ihr Lehrfach, d.h sie können die Prüfung oder Klausur in ihrem Fach selbst organisieren und danach der Abteilung für Ausbildung milteilen, w ann die Prüfung stattfindcn soll und wann die Noten bekanntgegeben werden dürfen
A m Kndc des Studium s m üssen die Studierenden, die alle einzelnen Prüfungen und Klausuren während des Studium s bestanden haben, das Staatsexamen machen Sic m üssen das Kxamen in 3 Fächern ablegen, nämlich in Sprachw issenschaft, Ü bersetzen und Dolm etschen ( Deutsch - Vietnam esisch und Vietnam esisch - Deutsch) Das endgültige Krgebnis des 4jährigen Studium s wird aus den Noten des S taatsexam ens und den N oten des ganzen Studium s im durchschnittlichen Verhältnis 1:1 bewertet
W enn die Studierenden der Sektion Deutsche Sprache das S taatsexam en mit Erfolg bestanden haben, erhalten sie das Diplom der Deutschen Sprache, das von dem Hochschulrektors im Nam en des M inisterium s für Erziehung und A usbildung ausgestellt wird Mit dem Diplom - Zeugnis können sic sich im Prinzip, j e nach W unsch oder Bedürfnis, um einen Job erwerben A ber a u f dem beschränkten A rbeitsm arkt ist es nicht einfach, mit einem einzigen Zeugnis in der jetz ig e n wirtschaftlichen Situation in Vietnam einen Arbeitsplatz zu bekom m en Die A bsolventen sollen während ihren I Iauptstudiums noch K enntnisse in einer oder zwei anderen Frem dsprachen, die im Vergleich mit Deutsch
m ehr verlangt wird wie Knglisch oder Französisch, erwerben Erst danach können sie einen sicheren W eg zu ihrer zukünftigen Berufskarriere linden
Trang 11„Deutsche Sprache“ sind norm alerw eisc „frischgcbackcne“ Abiturienten, die sofort mit dem Studium anfangen wollen Wenn sic das ganze Studium ununterbrochen und problemlos durchfuhren, können sic schon mit 22 ihr A bschlußzeugnis in der Hand haben Wenn m an das ßxa m e n sa ltc r der V ietnam esen mit dem der westlichen Studierenden vergleicht, ist ein sehr großer Abstand zu sehen W enn man Deutschland als Beispiel nimmt, sind
„deutsche Hochschulabsolventen nach einem durchschnittlich 7 Jahre dauernden 1 Studium mit knapp 28 Jahren fast 5 Jahre älter als Jungakadem iker in G roßbritanien und J apan“ (Dicht, „K arriere“ ,1992, 222)
Die Ursachen dafür liegen sowohl im Schulsystem als auch bei Professoren und Studierenden selbst, hat man so in dem selben Artikel fcstgelegt A u f die Frage :„W as wäre besser, w enn m an das Studium m öglichst schnell oder m öglichst langsam abschließt ?“ wird nicht e instim m ig geantwortet Für die meisten vietnam esischen Studenten ist es sinnvoller, ihr Studium schnell abzuschließen, weil sie denken, daß sic danach früher als die anderen in die Konkurrenz in den Arbcitsm arkt eintreten können O b m an während eines vier Jahre dauernden Studium s schon ausreichende Kenntnisse erw orben hat, bleibt ' noch offen Nach vielen G esprächen mit den Absolventen, die Deutsch an der Hochschule für Frem dsprachen Hanoi gelernt haben, kann allgemein z u sam m engefaßt werden: Die meisten sind nicht ganz zufrieden mit ihren Deutschkcnntnissen und fühlen sich nicht sicher, wenn sic bei der Arbeit mit Deutschen ins G espräch oder in Kontakt kommen
M anche hätten sich auch gew ünscht, noch länger an der I lochschule zu bleiben oder eine
W eilerausbildung m achen, dam it sic ihre deutsche Sprache verbessern könnten
Die unterschiedliche lokale Herkunft der Studierenden in unserer Sektion trägt auch zu einer Vielfalt der F e rngew ohnheit und Lernfähigkeiten der Studenten in der Sektion Sie kom m en nicht nur aus der Hauptstadt Hanoi, wo sich seit deren Fnlstclnm g ein Zentrum
Trang 12für Kultur, W irtschaft und gesellschaftliche Aktivitäten gebildet hat, sondern auch aus vielen kleinen Städten und Dörfern In Vietnam herrschen imm er noch die Vorurteile, daß alles aus der Großstadt imm er besser ist als das aus der Provinz, aber es stim mt nur ein einigen Bereichen, ln der Wirklichkeit, hier beim Studium , haben die Studenten deutlich gezeigt, daß die I Icrkunft nichts mit den Leistungen im Studium 7.11 tun hat.
Die Studenten aus kleinen Orten oder Städten verlugen nicht über gute Lernbedingungen und Lcrmnaterialicn Besonders lernen sic Frem dsprachen a u f der Oberschule nur mit sozusagen „altm odischen“ Lehrbüchern und haben nicht im m er Chance, andere Medien im Frcmdsprachenunlcrricht kennenzulernen und zu benutzen Hin Beispiel aus einer
O berschule, die nur 80km nördlich von Hanoi entfernt liegt, wo Frem dsprachen besonders gut berücksichtigt und unterrichtet werden : A ußer gew öhnlichen M edien wie l'afel und Lchrbücher können die Schüler sehr selten einen Kassettenrecorder benutzen Ein Unterricht mit Video bleibt im m er noch ein Traum für die Lehrer sowie Schüler in dieser Stadt, die als das „Nördliche T o r“ der Hauptstadt genannt wird T rotzdem nim m t die Zahl der Abiturienten aus dieser Region, die den 1 lochschulzugang erreicht haben, ständig zu Das zeigt, daß die Vorurteile über die sogenannte „geographische Herkunft“ der Studierenden jeder G rundlage entbehren
Über die soziale Herkunft der Deulschlcrncnden in der Sektion „D eutsche S prache“ gibt es noch folgendes zu berichten Z usam m en mit der Einführung der Marktwillschaft in
V ietnam hat sich das Ausbildungssystem deutlich geändert und gleichzeitig viele andere Probleme mit sich gebracht W ährend man vor den 90er Jahren kostenlos studieren konnte,
m uß je d e r je tz t Studiengebühren bezahlen Das durchschnittliche Studiengebühr im Monat beträgt ca 100.000 dong (V ietnam esische W ährungseinheit) und wird um gerechnct in ca
DM 15 Lin m ittelm äßiges E inkom m en ist dagegen nicht m ehr als DM 60 pro Monat Es entsteht deshalb eine neue Last Für die Familien, die niedriges Einkom m en haben, besonders für die Baucrnläm ilicn Es bestellt bis jetzt noch keine offizielle Statistik über die Zahl der Studierenden, die aus einer Bauern- oder Beam tenfam ilie stam m en Trotzdem kann man erkennen, daß die Studierenden an den Universitäten oder Hochschulen meist in Beam ten- oder w ohlhabenden Familien geboren sind Jobben während des Studium s war vor einigen Jahren noch kein wichtiges Them a lür Studenten Z ur Zeit stürm en sie nach dem Unterricht in A rbeitsvcrm ilthm gsbüros, um a u f jed e n Fall einen Job, sogar einen schlecht bezahlten zu suchen.- Solche Faktoren haben desw egen große A usw irkungen a u f ihr Studium und ihre Studienleistungcn
Trang 133 1 2 F r c m d s p r a c l i e n k e m i t n i s s c d e r S t u d i e r e n d e n
Da die A ufnahm eprüfung an der Frem dsprachenhochsehulc Grundkenntnisse in wenigstens einer Frem dsprache verlangt, beginnt niemand das Studium in der Sektion Deutsche Sprache mit Null - Frcm dsprachcnkennlnisscn W enn man die Liste der Studienanfänger durchsicht, kann man erkennen, daß die Zahl der Studierenden mit Fnglisehkcnntnissen den ersten Platz einnim m t Allein im Studiengang 1998 - 2000 haben
75 Studenten die Zulassung für die A usbildung bekom m en (offizielle Angabe) Davon sind :
65 % mit Englisehkenntnisscn
20 % mit Französischkenntnissen
20 % mit Russischkenntnissen
5% mit Deutschkenntnissen und Sonstige
I);i die englische Sprache überall eine dom inierende B edeutung hat, wird sic in fast allen
O berschulen in Vietnam gelehrt bzw gelernt Deshalb versteht sich die große Zahl der Studienbewerber, die die A ufna hm e prüfung in Englisch geschrieben haben, von selbst Trotz der vorhandenen Fremdsprachcnkenntnis.se bedeutet es nicht, daß sich die Studienanfänger schnell das Lernen an der H ochschule aneignen können Im traditionellen Trontnluntem eht in der Obcrscluilc wird im m er großer W erl a u f die schriftliche Ebene und nicht a u f die m ündliche gelegt Deshalb m üssen sic sich an der H ochschule für Frem dsprachen Hanoi, wo sic studieren, mit der Entwicklung der m ündlichen K om petenz von Anfang an beschäftigen, um mit dem späteren k om m unikativen Unterricht zurechtkom m en zu können
3 1 3 L e r n v e r l i a l t e n d e r S t u d e n t e n
Die Art und Weise, wie man eine Frem dsprache lernt, hängt nicht nur von den M ethoden der Lehrperson und von Lehrwerken, in denen L ehrm ethoden sowie Lernstrategien in verschiedenen Ü bungs- und A ufgaben formen um gesetzt sind, sondern auch sehr stark von den persönlichen Eigenschaften der Lernenden ab Der eine Lerner bevorzugt vielleicht kognitive Strategien und ein anderer etw a eine andere, suggestopädische Strategie Man hat die Lcrnstilc der Frem dsprachcnlcrncndcn in drei unterschiedliche Kategorien geteilt, nämlich die visuelle, die auditive und die kinästhctischc Ob der Lerner eine visuelle
Trang 14auditive oder kinästhetische Strategie beim Lernprozeß benutzt, hat auch mit seinen persönlichen Ligenschaften zu tun (vgl Ehrmann, 1996, 59-63).
In diesem Kapitel w erden besonders die Lcrnslilc sowie L crngew ohnheitcn der vietnamesischen Deutschlcrnendcn erläutert aufgrund eigener Erfahrungen und einiger exemplarischer Beweise, denn dies sind wichtige Elemente, die die Leistungen der Lerner beeinllussen und davon ausgehend soll bei der Curriculum gestallung a u f solche Elemente geachtet werden, um entsprechende M ethoden oder Lcrnziele einsetzen zu können
Wegen des starken Einllusses der traditionellen Lehrmethoden im I’ronlalunteiricht läßt sich behaupten, daß die vietnam esischen Frem dsprachen- bzw Deutschlerner meist den visuellen Stil bevorzugen oder daran gew öhnt sind, d.h „den sprachlichen Input lieber lesen und schreiben als hören und sprechen“ (I luneke/Steinig, 1997) Der Mangel an auditiven Lernm aterialien wie Kassettenrecordern, T onbänden, Videos etc hat dazu geführt, daß die Deutschlerner nicht viel mit authentischen Hörtexten üben können Die Chance, mit deutschen Nativespeakern ins Gespräch zu kom m en, ist gering Diese Gründe beeinflussen sehr stark die Lernw eise und - Strategien der Deutschstudenten Und in der
l a t haben diejenigen, die m ehr mit der visuellen Strategie arbeiten, oft bessere Leistungen
im Schreiben und Leseverstehen als im Sprechen und I lörverstehen Dies läßt sich durch , einen A uszug aus dem Notenspiegel der Studierenden im zweiten Sem ester Deutsch offensichtlich beweisen (s.u.):
( I ist die schlechteste Note, 10 die beste )
Die Zahl der Studenten, die durch den Test im Sprechen oder I lörverstehen durchfallen, ist normalcrweisc höher als die derer, die die Tests für Leseverstehen und Schreiben nicht bestehen Selbstverständlich gibt es noch andere objektive oder subjektive Gründe, die die Leistungen der Studenten bestim m en können, die an dieser Stelle nicht behandelt werden sollen
Die Stärken der vietnam esischen Studenten werden im M em orieren, im Beharren und Behalten gesehen, die mit den Stärken der chinesischen Studenten vergleichbar sind (vgl Mitschian, 1991, 35) Wenn man sich lange mit den Dculschstudcnten in Vietnam
Trang 15beschäftigt, kann man festste!len, daß bei den meisten stets Lcrnbcreitschaft lind besonderer Fleiß vorhanden sind Diese haben einen starken Willen, m öglichst gute Ergebnisse im Studium 7.11 erzielen.
Eine typische Lernstrategic von den vietnamesischen Frem dsprachenlernenden d a rf nicht übersehen werden : das Ausw endiglernen, das sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich bringt Ein konkretes Beispiel ist das Ausw endiglernen des deutschen W ortschatzes Für die Ferner, die neue W örter im Glossar nicht isoliert, sondern mit bestim m ten Kontexten oder in bestim m ten Situationen lernen, ist das A usw endiglernen ein großer Erfolg Das traditionelle A usw endiglernen ist zw ar eine der Stärken der vietnamesischen Deutschstudenten, das aber selten ein sogenanntes kreatives Lernen fordert und dazu Führt, daß die Studenten oft die einzelnen W örter eines Satzes oder Textes verstehen, aber nicht den Zusam m enhang, den Sinn
Die meisten Studierenden lernen neue W örter mit dem vorhandenen Glossar, wo die
W ortgleichungcn in der M uttersprache (V ietnam esisch) und Frem dsprache (Deutsch) aulgcschrieben werden Dieses altm odische I’aar-A ssoziationenlernen wird heule noch , sehr oll benutzt und die Folge ist, daß die Ferner nach einigen L e k tio n e n 'n ic h t m ehr imstande sind, die gelernten W örter abzurufen Es liegt ebenfalls daran, daß eine Einführung der neuen W örter in einer situativen oder them atischen Einbettung (vgl Arendt, 1992, 79) viel Zeit von den Dcutsclilchrenden erfordert und seilen im Unterricht präsentiert wird Im Deutschunterricht wird norm alerw eise auch nicht darüber diskutiert, wie man sich den W ortschatz einer Frem dsprache am bestens einprägen und welche Lernstratcgien oder - techniken m an dabei verw enden kann
Eine andere G ew ohnheit der D e u t s c h l a n d - in Vietnam ist, daß sie stark vom Lehrbuch abhängig sind Die Lektionen sowie Ü bungen oder A ufgaben w erden meist passiv bearbeitet, ohne daß sic beim Lernprozeß kreativ und flexibel nachdenken Es liegt einerseits daran, daß sie bis jetz t nur das Lehrwerk „ Themen neu“ zur V erfügung haben,
in dein sich nicht so viele Ü bungen oder A ufgaben formen finden, die die Kreativität der Lernenden fordern Da die Studierenden in unserer Sektion eine große Stundenzahl Dcutscluintcrricht pro W oche haben, werden die A rbeitsbücher häufig vernachlässigt und viele Dinge, die sic im Lehrbuch gelernt haben, w erden desw egen nicht oft w iederholt und angewandt
Die Tendenz, die deutsche G ram m atik im M ittelpunkt zu setzen, ist im m er noch groß bei
lden F eh len d e n und Fernenden Die meiste Zeit des Unterrichts wird für die Einübung der
Trang 16gram m atischen Phänom ene verw endet und es bleibt nicht m ehr viel Zeit übrig für das Üben anderer Fertigkeiten G ram m atische Übungen sind bei den Studenten sehr beliebt, und als ich dort mein Praktikum machte, kamen Beschwerden, daß sie nicht so viele gram m atische Übungen 7,11111 Üben hätten Die Bevorzugung der deutschen G ram m atik halt auch zum A usw endiglernen gram m atischer Definitionen, Übersichten und sogar abstrakten Wortlisten an Viele Studenten sind davon überzeugt, daß sie die deutsche Sprache, nur richtig beherrschen, wenn sie ständig die gram m atischen Strukturen pauken und anhand von W örterbüchern lernen Die meisten haben desw egen oft bessere Noten in Gramm atik.
Die Spontanität beim Sprechen bleibt im m er noch ein sehr schw ieriges Problem für viele Frem dsprachenlerner in Vietnam Von der Schule an haben sie sich daran gewöhnt, der Lehrperson zuzuhören und nur sprechen, wenn sie gefragt werden Das spontane Sprechen ohne Erlaubnis des Lehrers w urde in der Schule m anchm al als frech und ungehorsam bezeichnet Deshalb bringen die Studierenden diese G ew ohnheit auch in den Deutschunterricht mit Ebenso fehlt einigen die Fälligkeit, persönliche M einungen oder spontane Gefühlsäußerungen auszudrücken Die meisten können ihre H em m ungen nicht abbauen, weil sic teils Angst davor haben, Fehler zu m achen und dadurch „das Gesicht“ (ein wichtiges Element der Eigenschaften der V ietnam esen) vor den K om m ilitonen zu verlieren Die Furcht vor G esichtsverlust verbietet nicht nur unkontrolliertes Verhalten, sondern verhindert vor allem, bei Nichtverstehen nachzufragen oder kritische
B em erkungen zum Lehrer zu äußern Nicht wenige Studenten m öchten lieber allein arbeiten und verzichten darauf, mit anderen K om m ilitonen zusam m en zu lernen, weil sie der M einung sind, daß die anderen auch die gleichen Fehler wie sic selbst machen Es ist sehr wichtig, wie die Lehrperson mit solchen Fällen um geht und den U nterricht gestalten und leiten kann, damit sie den Lernenden dabei hilft, spontan und aktiv am
U nterrichtsgeschehen teilzunehm cn
Die obengenannten typischen Lerngew ohnheilen der Dcutschlcrnendcn sind zum Teil von den Charakteren der Vietnam esen selbst und zum Teil von Lehrbüchern oder der Lehrperson abhängig Nicht zuletzt werden die traditionellen Unterrichtsform en wie z.B Vor- oder N achlesen, Ü bersetzungen bzw Sem antisierung neuer W örter in der
M uttersprache für das Verhalten der vietnam esischen Deutschstudenlen verantwortlich gemacht
Es w äre ideal, wenn alle diese G ew ohnheiten besonders berücksichtigt w erden könnten, damit die vietnam esischen F rcm dsprachcnlcrncr deren Vorteile bzw Nachteile erkennen
Trang 17und darüber hinaus einen besseren W eg für das Frem dsprachenlcrnen, oder genauer das Lernen der d eutschen Sprache finden können.
3 2 I n t e r e s s e d e r D c u t s c h s t u d i e r e n d e n an d e r S p r a c h e u n d
D e u t s c h l a n d
Der Grund da liir, warum die S tudienanfänger in der Sektion Deutsche Sprache Hanoi a u f die Idee, Deutsch zu lernen, gekom m en sind, und was sic schon von dem fernen Deutschland aus eigenen Erfahrungen oder aus Büchern in der Schule gelernt haben, ist selbstverständlich bei je d e m unterschiedlich Aus einer kleinen Befragung mit den Studenten und m ehreren persönlichen G esprächen sind verschiedene G ründe genannt worden sind, die w ahrscheinlich nicht den G ründen anderer Deutschlernenden in anderen Ländern ähneln Der folgende Teil wird teilweise verdeutlichen, wie groß das Interesse der vietnamesischen Studierenden an D eutschland, deutscher Sprache und deutschen
M enschen ist
3.2.1 L e r n n i o t i v a t i o n d e r S t u d i e r e n d e n
„W er Spaß an etwas hat, w e r etwas unbedingt erreichen m öchte, der hat gute
Clianccn, zum Ziel zu k o m m en “ (I luncke/Steinig, 1997,12)
Diese A ussage trifft in der Wirklichkeit nicht nur für das Lernen einer Fremdsprache, sondern auch liir verschiedene Lernbcreiche zu
Der Spaß am Deutschlernen oder anders gesagt: die M otivation zu dem Erwerb der deutschen Sprache spielt eine bedeutende Rolle lur viele vietnam esische Studenten, die anfangen wollen, diese Sprache zu lernen W enn man z.B unseren Studierenden in der Sektion die Frage „W aru m lernen Sie Dcutsch ?“ stellt, b ekom m t m an verschiedene interessante, aber gleicherm aßen überraschende Antw orten darauf Die M otivationen bei den Lernenden sind nicht gleich und sic könnten in zwei kleinere G ruppen wie folgt unterteilt werden :
1 G ru p p e mit iiistrunicntcllcr M otivation
Unter „instrum cntcllc M otivation“ wird wie folgt verstanden :
„Ein Lcrner, dem es um schulischen Erfolg oder seine berufliche
Karriere geht, ist instrumentcll m otiviert“ (I luncke/Steinig, 1997, 13)
Trang 18Und wie sieht diese M otivation bei den Dciitschlcrncnden in Vietnam aus?
Viele Studenten haben diese Sprache ausgew ählt, weil sie der M einung sind, daß mit der deutschen Sprache wenig K onkurrenz a u f dem Arbeilsm arkt bestellt und die Chance, eine Arbeitsstelle in einer deutschen Firma oder einem V ertrclungsbüro 7.u bekom m en, größer ist Z usam m en mit der Welle der ausländischen Investoren in Vietnam steigt auch die Tendenz, lieber mit ausländischen U nternehm ern zusam m enzuarbeiten, als in einem staatlichen Betrieb flir einen „I lungerlohn“ zu arbeiten Frem dsprachen w erden Tag für Tag m ehr verlangt, deshalb versteht sich die Antwort m ehrerer Studierenden von selbst
„Ich m öchte später eine gute Arbeitsstelle haben“
Bei einigen anderen Studenten ist die M otivation noch klarer und deutlicher Sie haben sich vorher schon ein festes Ziel gesetzt, nach dem Studium mit ihren erworbenen, Deutsehkennlnissen nach Deutschland zu fahren, nicht nur um die Kultur oder die
M enschen kennenzulernen, sondern auch um günstige berufliche Aussichten zu suchen Für diese G ruppe der Studierenden scheint die Möglichkeit verwirklichbar, weil sie bereits Bekannte in Deutschland als Stützpunkt haben und ihnen versprochen wurde, eine Einladung zu dem für sic als „ T rau m la n d “ geltenden Land zu bekom m en Deshalb dürfen sich diese Studenten berechtigte H offnungen a u f eine sich anschließende Ausreise machen
2 G ru p p e mit integrativer M otivation
J e d e r F rcnK lspra chcnlc rncr,
„der S ym pathie für die Kultur der Zielsprache em pfindet oder sich sogar m it ihr
identifizieren, ist integrativ m otiviert.“ (H u n e k c /S te in ig J 997, 13)
Nach dem M otivationskonzept wird integrative M otivation als in positivem
Z u sa m m e n h an g mit dem Lernerfolg stehen gesehen (vgl Rösler, 1994, 29) Diese
M otivation trifft in der W irklichkeit für eine bestim m te G ruppe der Deutschlernenden in der Sektion „D eutsche Sprache“ in Vietnam zu Der Spaß am D eutschlernen, die Sym pathie für die deutsche Kultur und das Bestreben nach K ontaktaufnahm en mit den Deutschen waren wichtige Ziele flir diese Gruppe, als sie sich für die deutsche Sprache entschieden haben Sie versuchen sozusagen zu jeder Zeit und an je d e m Ort, Kontakte zum Zielsprachenland a ufzunehm en, obwohl die M öglichkeiten meist nur in Büchern oder bei den Lehrenden zu finden sind Im Vergleich zu anderen Lerntypen mit anderen Lernm otiven erreichen diese Studenten oft die besten Leistungen beim Lernen und streben jedoc h einen höheren Grad frem dsprachlicher K om petenz an
Trang 19з 2 2 D en tschhi ml bi l i l e r bei d e n S t u d i e r e n d e n
Obwohl die deutsche Sprachc bereits seit vielen Jahren in Vietnam unterrichtet wird und die Beziehung zwischen Vietnam lind Deutschland eine lange Tradition hat, k#»nn m an aus dieser Tatsache nicht hundertprozentig behaupten, daß alle V ietnam esen im Allgemeinen über genaue Vorstellungen von Deutschland sowie dessen Kultur und Mentalitäten vertilgen Diejenigen V ietnam esen, die schon mal in Deutschland waren (sowohl Rir die Arbeit als auch Rir das Studium ) haben zum Teil ein Stück der deutschen Kultur nach Vietnam zurückgebracht, das aber nicht besonders ausgeprägt ist Für die vietnamesischen Deutschlerncr ist es tatsächlich nicht einfach, viele Informationen bzw Erkenntnisse über das Zielsprachenland zu erwerben Der wichtigste W eg für sie zum Kennenlernen des Zielsprachcnlandes Deutschland sowie dessen Kultur und M enschen findet sich nirgendwo anders als in Lehrbüchern und über die Lehrpersonen Der Landeskundeunterricht, in dem verschiedene landeskundliche Informationen vermittelt werden oder die landeskundliche
V ermittlung in den Lehrwerken können nur als „erlebbare Landeskunde“(vgl Hackи.a., 1998,5) bezeichnet werden Es besteht für die Lernenden keine M öglichkeit, sogenannte unm ittelbare Begegnungen zu dem Zielsprachenland w ahrzunehm en Um sich der deutschen Kultur und der deutschen Mentalität nähern zu können, m üssen die Lehrenden und Lernenden das deutsche Lernumfeld selbst konstruieren Im Vergleich zu den Lernern anderer Frem dsprachen an derselben H ochschule wie Englisch oder Chinesisch haben die Deutschlernenden seilen eine Chance, dem Zielsprachenland außer über den Unterricht zu begegnen Trotz aller Schwierigkeiten versuchten die Studierenden
in unserer Sektion immer, sich selbst die Deutschlandbilder zu „ m alen“ , mit Zuhifenahm e von Büchern, Lehrern, Presse o d e r aus eigenen Erfahrungen aus dem Lebensraum Es wäre auch Für die Deutschen sehr interessant, zu erfahren, wie sich die vietnamesischen Studenten Deutschland bzw die Deutschen vorstellen, was sie im Unterricht und zum kleinen Teil im Lebensraum erw orben haben und ob es überhaupt V orurteile oder Stereotypen über das deutsche Volk gibt Die folgenden Darstellungen w erden aus eigenen Erfahrungen und aus einer kleinen U m frage mit den Deutschlernenden in Vietnam zusam m engefaßt Es wird sich dabei a u f 2 wichtige Fragen konzentriert und zwar:
1) W elche Vorstellungen von Deutschland haben die Studenten und 2) W ie sind diese Vorstellungen entstanden ?
Im Deutschunterricht in der Sektion „D eutsche Sprache“ Hanoi beschäftigen sich die Studenten im G rundstudium mit dem Lehrwerk „Them en neu“ (II Aufderstraße u.a.,
Trang 201()92), in dem eine große M enge von landeskundlichen Informationen vermittelt wird Aus dem Lehrbuch können die Studenten beispielsweise die geographischen A ngaben über Deutschland, das A lltagsleben der Deutschen, deren A rbeitswelt oder Freizcits- besehäfligungen kennenlernen Man könnte sagen, daß das Bild von Deutschland im diesem Lehrwerk ziemlich um fangreich und vollständig, bis a u f einige Kleinigkeiten, präsentiert wird Die Lernenden haben dadurch die M öglichkeit, einen Überblick über das Land und die M enschen zu schaffen Nicht zulallig erfahren die Studenten, daß die Deutschen z.B viel Bier trinken, 150 I pro Person pro Jahr und Bier ein beliebtes Getränk
in Deutschland ist (vgl A ufderslraße 1992, 42)
Oiler sie sind an „Irokesen“ (vgl Aufderslraße, 1993, 17) so interessiert, daß sie mir während des Unterrichts die Frage gestellt haben, ob ein Junge mit der Irokesenfriseur oft
in Deutschland zu scheu isl Aus mehreren Leselexlcn im Lehrbuch haben sie auch erfahren, daß die Deutschen im m er noch „W eltm eister im Reisen“ sind, oder daß es zur Zeit noch viele A rbeitslose gibt etc Die bekannten N am en der berühm ten Personen in Deutschland wie z.B Helm ut Kohl, Heinrich Heine, G oethe lernten die Lerner im Lehrbuch kennen und sind ihnen deshalb nicht mehr fremd T rotzdem m uß zugegeben werden, daß in einem Lehrwerk nicht die gesam te Kultur und alle Facetten der deutschen Mentalität enthalten sein können Ls mangelt z.B an der Darstellung von verschiedenen alltäglichen Verhaltensweisen der Deutschen oder an genauen D arstellungen der deutschen
l eiertage, für die sich die Studierenden interessieren, z 13 W eihnachten, Adventszeit, Ostern etc Diese Kenntnisse können die die vietnam esischen Deutschlernenden außerhalb des Unterrichts nicht leicht erw erben, denn sic haben nicht genügend andere Materialien zum Nachlesen oder zum Nachschlagen
Unsere Lehrkräfte haben sich sehr darum bemüht, viele fehlende landeskundliche Informationen über Deutschland im Unterricht über Medien wie Radio, Videokassetten, Bilder etc zu ergänzen Alle B em ühungen haben nur das einzige Ziel, den Studierenden eine globale Vorstellung von Deutschland zu geben und den offenen Z uga ng zur deutschen Kultur sowie Zivilisation zu bewirken
Die D eutschstudiercndcn in Vietnam können m anchm al V orstellungen von Deutschland auch durch die Erzählungen von Verwandten, die schon einmal in der ehem aligen DDR oder in der heutigen BRD gew esen sind, machen Es gibt m anchm al G elegenheiten, mit Deutschen oder m it der deutschen Kultur in Kontakt zu treten, denn von den Deutschen, die fiir eine bestim m te Zeit in Vietnam bleiben, werden viele kulturelle Aktivitäten
Trang 21angebolcn Ein paar Mal im Jahr können die Deulschlernendcn in Vielnam die deutschen
U nternehm er oder W issenschaftler lreffen, deutsche Filme sehen oder B ücher bekomm en All dies hat einen Beitrag dazu geleistet, das Wissen der Studenten über das Land, die Sprache und die M enschen in einem entfernten Kontinent 7.11 bereichern Die Eröffnung des Goethe - Instituts nach einer langen V erhandlung in Hanoi hat „frischen W ind“ nach Vietnam gebracht und diese Institution läl.U eine große M enge Lern- und Lehrmaterialien für den Unterricht Deutsch als Frem dsprache in Vietnam an die Lernenden liefern
W as wissen die D eutschstudenten in Vietnam genauer über die Deutschen oder deutsche Eigenschaften ? A u f diese Frage kom m en selbstverständlich verschiedene Antworten Die meisten sind der M einung, daß Deutschland ein hochentw ickeltes Land ist und alles, was als „M ade in G e rm a n y “ gekennzeichnet wird, kennen die Vietnam esen gut Und in Gedanken vieler Dcutschlcrnendc sind die Deutschen im m er mit Begriffen wie
„reich“ , „m o d e rn “ etc verbunden Im folgenden wird das Ergebnis einer Um frage*, die von 20 Studenten in der Sektion durchgefiilirt wurde, mit dem Titel „V ietnam esen über
D eutsche“ dargestcllt, dam it genauer verdeutlicht w erden kann, was die Vietnam esen über die Deutschen denken
( * Das Muster des Fragebogens wurde aus dem Lehrbuch „Deutsch aktiv“ IR (Neuner u.a., 1987) genommen.)
Trang 22ln der oberen Tabelle wird zum Teil verdeutlicht, daß die vietnam esischen Studenten zumeist sehr positive Einstellungen gegenüber den Deutschen haben Sie halten die Deutschen z.H lür „fleißig“ , „zuverlässig“ , und „geistreich“ und nur w enige finden die Menschen im Ziclsprachenland „intolerant“ und „kleinlich“ T rotzdem kann man Icststcllen, daß bei den D cutschstudenten in Vietnam keine klaren Stereotypen von Deutschland und von den Deutschen existieren Im allgemeinen haben die Vietnamesen jedoch einige Vorurteile über das deutsche Volk, die wahrscheinlich aus eigenen Erfahrungen mit den Deutschen oder zum feil aus den Unterschieden zwischen beiden Kulturen entstanden Die deutschen M änner werden z.B von den V ietnam esen für
„sparsam “ oder extrem „geizig“ gehalten, weil sic z.B im Restaurant mit einer Frau die Rechnung getrennt bezahlen Für die Deutschen gilt das als ein norm ales Verhalten Die Vietnam esen dagegen finden es kom isch, weil sie in einer Kultur leben, in der die M änner inoffiziell dafür verpflichtet sind, Rechnungen im Restaurant oder andersw o zu übernehm en, sonst wäre es für sie keine elegante M ännerhandlung Es sollte im Frenidspraclienuntcrricht sehr d a ra u f geachtet werden, wie die Lehrpersonen die landeskundlichen oder kulturellen Aspekte des Zielsprachenlandes an die Lernenden
w cilcrgcbcn, dam it das Bild des Ziclsprachcnlandes sow ie dessen M enschen nicht einseitig und oberflächlich von den Lernenden gebildet und m itgenom m en wird
4 A u s b i l d u n g s m v e n i i u n d L e l i r c r f s i h r u n g e n d e r L e h r k r ä f t e d e r S e k t i o n
Im G egensatz zu vielen Deutsch - A bteilungen zahlreicher Ländern, in denen Deutsch unterrichtet wird, gehört die Sektion deutsche Sprache Hanoi, Vietnam zu einer der seltenen, in der die Studierenden nicht von Lehrkräften mit Germ anistik - Ausbildung ausgcbildct werden Da es anfänglich bei der G ründung der Sektion nur einen Germanisten gab, der jetzt schon im Ruhestand ist, wurden D iplom -T echniker oder Naturw issenschaftler, die in der ehem aligen DDR an der Uni oder H ochschule studiert haben, als Deutschlehrer eingestellt Die Generation von diesen Deutschlehrern ist schon
20 bis 27 Jahre als Deutschlehrer in der Sektion tätig Seit 1995 w urden neue Absolventen der Sektion auch als Lehrerinnen eingestellt, um den voraussichtlichen M a n g e l an Lehrkräften in Deutsch zu decken Heute arbeiten in der Sektion D eutsche Sprache 14 Lektoren, davon ein Dipl Ingenieur mit dem D eutschlchrerzcugnis der Leipziger
D eutschlchrerzcugnis - Hochschulabschluß der Hochschule für Frem dsprachen Hanoi und
Trang 23vier junge A bsolventen unserer Sektion als D eutschlehrerinnen Eine Liste von
D eutschlehrerinnen mit deren akadem ischem Grad und Studiendalen wird als visuelle Darstellung der Situation der Lehrkräfte der Sektion gezeigt (s.u.):
Obwohl die Deutschlehrerinnen in der Sektion keine richtige Germ anistik - A usbildung in Deutschland und nicht alle eine pädagogische Ausbildung gem acht haben, haben sie sich jedoch sehr darum bemüht, sich selbst zu qualifizieren Die Lehrerschaft der Sektion verfügt über sehr gute Deutschkenntnisse, die sie sich w ährend des A ufenthaltes in Deutschland und im Selbststudium erw orben haben Mit Erfahrungen und großer Leidenschaft für die deutsche Sprache haben sie viel dazu beigetragen, hunderte Deutschlcrncndcn mit guten bis sehr guten Deutschkenntnissen auszubilden und darüber hinaus die deutsche Sprache in Vietnam T ag lür T ag zu einer der meist gelernten Frem dsprachen zu entwickeln
Trang 245 L e h r w e r k e im G r u n d s t u d i u m
Über die Rolle der l.cluw erke im F r e iiu ls p n id ie m m le m d il wurde schon gesagt, cliiß sie eine cntschcklcnđe Rolle bei der Vermittlung einer Frem dsprache spielen Es wird auch beluuiplcl, tlaß das Lelu wcik das l Intel ric’lilsgcscliclicn bis 7.11 82 % und damit stärker als
;illc anderen Faktoren (vgl Ọ u c t/, 1976) beeinflußt M;m könnte sich allerdings nicht VOI stellen, daß jem a n d eine ITemđspniclic ohne l.clirwcik gut lernen könnte Ivin gutes Lehrwerk versichert nomialcrwei.se bessere Erfolge als ein sclilcclitcs Für den Unterricht Dcutsch iils Frem dsprache werden seil vielen Jahren verschiedene Lehrw erke konzipiert lind a u f dein Markt erschienen, so tl;iß die Lehrenden sowie Lernenden vor einer großen Auswahl stellen (icmcinsiim mit tlcr Entstellung V(1I1 neuen I)nF-l ,clu w elken entwickelte sich auch die Lehrwerk-Kritik, mit dem Zweck, nach den sogenannten „guten Lehrw erken“ 7.U suchen
Wegen großer H ntienum g zum /iel.spmclicnlniKÌ liỉihcn die ! -ehrenden in Vietnam leider nicht genug Materialien über [,cluw crkaiinlysc oder Lelirwerkklitik zur Vcriiigung Deshalb bleibt die Suche nach einem passenden Lehrwerk, die den vietnamesischen Dciilschlerncm beim Studium am besten helfen kann, noch offen Die A usw ahl beschränkt sich aus verschiedenen Gründen mir a u f einige w enige Lehrwerke, die in drei
G enerationen cingetcill w erden können :
Vor 1991 w urde der Deutschunterricht in Hanoi, Vietnam von allen Lehrwerken dominiert, die aus der ehem aligen DDR cingcliefcrt wurden Darunter gab cs u.a „D eutsch Intensiv“ oder „Deutsch K o m p lex “ , mit denen viele G enerationen der Dculschlcrnciulcn in Vietnam gearbeitet haben Im Vergleich 7.11 den neuen Lehrw erken, in denen die
K om m im ikationskom pclcnz der I,einer als übergeordnetes Ziel berücksichtigt wird, fehlt
es in allen Lehrwerken an einigen wichtigen Kom ponenten lind zw ar Z.B der pragm atischen und der iIitcrkiillurcllen Kom ponente Die darin angebotenen ü b lin g s- und Auf gaben formen sind zumeist stark gesteuert 1111(1 geben den Lernenden deshalb wenige Anlässe, kreativ mul unabhängig mit der Sprnelic 111117,ugclien
Zur zw eiten Generation der D al'-L cliiw elke, die im D eutschunterricht in der Sektion verwendet w urden, gehörte eins Lehrwerk „ T h e m e n “ mit drei Münden, das die Studierenden VOM 1992 bis 1996 ihircligciii heile! hüben Das Will' auch das erste D aF-L ehrw erk aus der BRI) eins im Deulsclumfcniclil in Vietnam eingesetzt wurde Dieses Lehrwerk gehört zu tlcu sogenannten komimmikítỉÌYTii l.chnverken «Ulf dem L);iF - Markt Dieses Lehrwerk
Trang 25wurde optisch bunt und sehr attraktiv mit verschiedenen alltäglichen I hem en aus Deutschland gestallct damit die I,einenden durch solche T hem en bestim m te Vorstellungen
ü b e r Deutschland gewinnen können Die g r o ß e Menge von Übungen, die die E inübung von den vier Fertigkeiten des Frcm dsprachcncrw crbs zum Ziel haben, unterstützen die Ferner auch dabei, sich mit der deutschen Sprache vertraut zu machen Trotzdem m uß gesagt werden, daß die (¡ram m atikdarstellung im I.chrwcrk den Lernprozeß der Vietnam esen teilweise erschwert, weil sie viele neue Termini enthält und die Präsentation der deutschen Satzbaupläne in Tabellen form die F e inenden oft verwirrt A ußerdem sind die T exte im Lehrbuch m anchm al Für die vietnam esischen Lerncr zu kom plex, denn es gibt norm alcrw cisc einen enorm en W ortschatz und gleichzeitig kom plizierte Gram m atik-
Struktu ren.
Das neu cingcliihrte Lehrwerk „Them en neu“ war das Ergebnis einer Diskussion der Lehrkräfte in der Sektion W ährend man in anderen Ländern a u f dieses Lehrw erk schon verzichtet hat, gilt cs Für vietnam esische Dcutschlcrner noch als neu und wird bisher als
I lauptlehrwerk im Sprachunterricht im Grundstudium , und zw ar für die beiden ersten Sem ester eingesetzt
Das Lehrwerk „T hem en neu“ hat im Vergleich zu dem alten „ T h e m e n “ zw ar neue
G cstaltungsform cn, verschiedene authentische Texte und Ü bungslbrm e n, die a u f die Entw icklung der sprachlichen K om petenz der Lerncr große A usw irkungen haben Das Bedürfnis nach dem Kennenlernen des Ziclsprachenlandes der vietnam esischen Deutsch- studierenden w urde durch große M enge an landeskundlichen Inform ationen zum Teil befriedigt Daneben kom m en in dem selben Lehrwerk doch einige Punkte vor, die den Lernenden in Vietnam Schwierigkeiten bereiten, u.a w ieder die unklare Gram m aiik- darstellung, die in der G ram m atikübersicht zusam m engefaßt ist, oder die Ü bungen, die oft nicht progressiv angelegt sind, oder ungenaue A ufgabenanw eisungen, die in manchen Fällen zur V erwirrung führen können etc
Für die Studierenden im dritten und vierten Sem ester des G rundstudium s stellt das
Fe h rw e rk „ W eg e “ (I I I.Tetzcli u.a., 1992) zur Verfügung, das ein höheres Sprachniveau der Studenten verlangt Die Them en im Buch sind zw ar nicht neu, aber die langen Texte mit wissenschaftlichen oder abstrakten Sätzen kosten den Studierenden viel Zeit und Mühe Hier in diesem Fehrw erk öffnen die Ih cm c n den Fernenden einen Zugang zu
m ehreren Bereichen, in denen nicht nur Sprachkcnntnisse, sondern auch Fachkcnntnisse z.B in Physik, C hem ie oder M eteorologie etc vorausgesetzt werden
Trang 26Zur Zeit sind die Lehrkräfte in Vietnam imm er noch a u f der Suche nach anderen Lehrwerken, die besonders gut lür die Deutschlerner in Vietnam geeignet sind, damit sowohl der Lehrer als auch der Lerner möglichst beste Leistungen im Deutschunterricht erreichen kann.
Z usam m enfassend stellen alle Punkte in diesem Kapitel, die schon behandelt worden sind wie z.B : die Zielgruppe, die Situation der deutschen Sprache, Lehrw erke im Unterricht etc als die Einleitung bzw G rundlage ftir die folgenden Kapitel dar, in denen das
H auptproblem , nämlich Überlegungen zur Entwicklung eines lernerorientierten und lcrnzieloricntierten Teilcurriculum s ftlr den Sprachunterricht in der Sektion Deutsche
S prache Hanoi bearbeitet wird Dabei sollten diese scheinbar nebengeordneten Faktoren nicht vernachlässigt werden
Trang 27„lernzielorientierlen Lehrplänen im engeren Sinne, der alle inhaltlichen Größen des Lchrcns und Lernens wie Fächerkanon, Ziele und Inhalte um faßt“
(Z im m erm ann, 1977,49-50)
Im Curriculum im weiteren Sinne handelt cs sich auch um einen
„lernzielorientierlen Lehrplan, der über alle inhaltlichen und m ethodische
Voraussetzungen und Entscheidungen, die das Unterrichtsverfahren bestimm en wie Ziele, Inhalte, Bedingungen, Verfahren, Medien und Erfolgskontrolle möglichst präzise Angaben m acht“ (Z im m erm ann, 1977,50)
Im sprachlichem C urriculum werden die Lernzicle im M ittelpunkt gesetzt, die im engen
Z u s a m m e n h an g mit anderen Faktoren wie M ethoden, Formen der Feststellung der Ergebnisse des Unterrichts stehen (vgl Z im m erm ann in Bausch, 1995,137) Viele Curricula für den Frcmdsprachcininlcrricht legen großen W ert a u f Fernziele, dam it sich die Fernenden und F ein en d e n einer Frem dsprache bewußt m achen, was sie während des ganzen F ernprozeß beachten sollen, um die vorher gesetzten Ziele erreichen zu können
Ebenso w ichtig wie die Fcrnziclbcstim num g sollen in einem fremdsprachlichen Curriculum m ethodische Prinzipien vorhanden sein, die als Basis für die G estaltung des Frem dsprachcnuntcrrichls gesehen werden
1 Der Begriff "Curriculum" im Allgemeinen ist bereits von den Pädagogen und Wissenschaften nach mehreren Hinsichten definiert, die aber zu einer Übereinstimmung (Iber den Inhalt und die Struktur des Curriculums gekommen sind, und wird gleichzeitig vom dem l.ehrplan wegen dessen inhaltlichen und strukturierten I Imfnngs unterscheidet.
Trang 28Die m cthodischcn Prinzipien belassen sich nämlicli mit folgenden Faktoren :
I le a r n c r - c c n t r c i ln e s s : Der Frcimlspraclicnlemcr, nicht der Lehrer, stellt im Mittelpunkt des UntciTÌchls Er soll 7.11 den Aktivitäten oder Lcrninhalten motiviert werden Er soll mich seine eigene Erfahrungen, Gellihle oder Wcllvvissen in den Unterricht bringen Ein lerncroricnlierler Unterricht hiIÍÌ dem Lcrncr, in seinem Lernprozeß aktiv zu handeln
t process-oricntntiou : Der Lernprozeß wird genauso wichtig wie sein Produkt, in diesem
Sinne die Sprache, bezeichnet W ährend des Lernprozesses soll der Lerner mehrere Lemteclinikcn bzw -mcthoilen kcnncnlcrnen und beherrschen, um das endgültige Ziel : Fremdsprache zu beherrschen, zu erreichen
+ tnsk-based Icarning : das iibergreifende Ziel des Fiem dsprachenunterrichts ist die
kom m unikative Kom petenz Die Lem inhalte des Unterrichts sollen sich a u f Sprechakten begründen, die die Lerncr in realen Situationen amvciulcn können Das licißt : D em Lerner sollen wichtige G ram m atikstrukturen und nötiger W ortschatz gelehrt werden, die er in einer bestim m ten Situation braucht Deshalb sollen die Lerninhalte aus m öglichst
authentischen T exten bestellen Die Lernaktiviläten sollen auch in konkreten 'und
authentischen K ontexten gestaltet werden (vgl Miliistry o f Education Singapore, 1997)
In den Ländern, wo die deutsche Sprache an den H ochschulen und Universitäten unterrichtet wird, haben sie normalerwci.se bestim m te Curricula für den Deutschunterricht zur Verfügung, in (Jenen genaue Zielsetzungen, A nforderungen an Studierende, Lem inhalte oder Fernkontrollen beschrieben werden, ln Vietnam hat die Sektion
„D eutsche S prache“ bis jetz t noch kein eigenes C urriculum a u f D eutsch für den Deutschunterricht entwickelt A us diesem Grund ist es auch problem atisch, hier den Bcgrifl „C urriculum “ im richtigen Sinne 7.U benutzen Das vorhandene C urriculum wurde
a u f V ietnam esisch gestaltet, beinhaltet aber nicht genügend M erkm ale eines richtigen
C urriculum s Der Inhalt von diesem curricularcn A usbiklungsprogram m wird im Folgenden aus dem vietnam esischen Exem plar übersetzt, lim die einzelnen Punkte deutlich tlarzuslellcn
Trang 29b Fachliche G rundlagen des Curriculum der Sektion „D eutsche Sprache“
Das C urriculum w urde aufgrund eines Tcilstudium -Systcm s, d.h nicht nach dem Studienjahr, sondern nach Sem estern, gestaltet Fs soll den Fernenden erm öglichen, mit Hilfe der Fehrperson, seinen Lehrplan selbst 7,11 machen
Curricula aus thailändischen Hochschulen und aus einigen H ochschulen in der BRD wurden 7,11111 Vergleich herangezogen
Im Curriculum Für das Fach Deutsch w urde dam it gerechnet, daß die Studierenden nach dem G rundstudium j e nach Bedürfnis ihr Fach oder 7,11 anderen Hochschulen < wechseln können, die aber in V erbindung mit der H ochschule für Fremdsprachen Hanoi stehen und das glcichc A usbildungssystem haben
Trang 30Diejenigen, die parallel eine /.weile Fremdsprache lernen oder ein berufsorientiertes Praktikum während des Studium s m achen, bekom m en darüber eine Bescheinigung, die als das G rundstudium - Abschlußzeugnis anerkannt wird.
Die Studierenden, die im Fach Deutsch besonders begabt sind, können das Studium frühzeitig beenden und die restliche Zeit für das Frlcrnen einer anderen Fremdsprache verwenden
Trang 31Die Stundenzahl für die E inübung je d e r einzelnen Fertigkeit im Deutschunterricht und das verw endete Lehrwerk wird wie folgt aufgcteilt :
Ei ste Phase :
1 Semester : 300 Stunden = 20 Stunden / W oche
2 Semester : 300 Stunden = 20 Stunden / W oche
Trang 323.Semester : 300 Stunden = 19 S t u n d e n /W o c h e
lester : 375 Stunden = 20 S tu n d e n /1 W oche
Neben den deutschen Lehrwerken wie z B „ W eg e “ , „H ören Sic m al“ etc stehen den Lehrern und Studenten in der Sektion verschiedene sogenannte interne Materialien-
s a m m hm gen, die von den Lehrern selbst gesam m elt wurden, zur V erfügung, u.a
„Leseverstehen II-V“ , „I lörverstehen Il-V “ usw Diese internen Lehrm aterialien haben das Ziel, die Studenten a u f bestim m te Lcrninhalte zu orientieren und dadurch den Lernprozeß
zu erleichtern Sic helfen den Studenten auch sehr dabei, sich a u f die nachfolgenden Lcrninhalte in je d e m Unterricht vorzubcrcitcn und unterstützen sie beim Selbststudium
Trang 331.2 B e i s p i e l e a u s e i n i g e n C u r r i c u l a in a n d e r e n L ä n d e r n z u m V e r g l e i c h
IJm U nterschiede bzw G em einsam keiten in dem I lochschulausbikkingssystem im Fach Deutsch zwischen verschiedenen Ländern hervorzuheben, werden Curricula aus China, Mali und der Slowakischen Republik, in denen auch viele wichtige Bedingungen eines Curriculums für den Deutschunterricht berücksichtigt werden, zum Vergleich herangezogen Die Curricula Für das Fach Deutsch iii Mali und in der slowakischen Republik wurden hier ausgew ählt, weil sic für andere Ziclgruppe entw ickelt wurden Die Studienanfänger, die dort die deutsche Sprache studieren wollen, haben bereits die Grundkenntnisse im Deutschen a u f der Oberschule erw orben Der tabellarische Vergleich unten zielt d a ra u f ab, zu zeigen, a u f w elche Punkte je d e s Curriculum aus einem Land Wert legt und ob es zwischen den Curricula überhaupt gem einsam e H auptpunkte gibt (s.u.):
Minder
Unionen
Itrdingiiiigeii
Ziclgruppe Studicnnn Dinger
mit O-Dculschkcuntnisscn
Siiidicnan Ringer mit O-l )culschkcnnlnisscn
StudicnauRtngcr mit Deutsehkenntnissen
Studienanfänger mit Deutschkenntnissen
Zielsetzung -1'rutsche Sprnchc (jut
beherrschen (nach dein
- Höhere Anfofderungen in
4 Fertigkeiten -Anforderungen in sprachlichen soziokulturcllen Kenntnissen
- Sprachprnklischc
1 thnngen mit 4 l-crtig- keiten ( ( ¡rundstwliuin) -Vertiefung der Inhalte
im (irundstudium ;
- bcrurspraklische Qualifizierung
- ausreichendes Sprach- II.Ausdrucksvermögen ;
- Kenntnisse in der dt ( ¡egcinvarlsprache;
- produktive Beherrschung des Sprnclimaterials
Dcutscldclucr fllr Sekundarstufe 1- und II
Trang 34Vietnam noch nicht imstande, die deutsche Sprache a u f dem gleichen Niveau wie die slow akischen Studenten zu studieren, weil ihnen anfängliche D eutschkenntnisse fehlen.
Hs wird in der Tabelle zugleich gezeigt, daß sich die A usbildung im Fach Deutsch in der Slowakei an der A usbildung der Deutschlehrer orientiert Deshalb sollen die Studenten im Ilauplstiidium mit der bcrufspraktischen Q ualifizierung anfangen Im Fach Deutsch der ITemdsprachcnhoehscluile Hanoi, Vietnam werden auch Deutschlehrer ausgebildet', die aber kein Unterrichtspraktikum oder pädagogische Fächer während des Studium machen müssen
Die zukünftigen Deutschlehrer ¡11 Mali haben die gleiche Studienzeit wie die vietnam esischen D eutschsludenten Sic haben aber während des Studium s noch die
M öglichkeit, Kenntnisse in der deutschen G egenw artssprache zu erwerben
Die Situation der chinesischen Deutschlernenden an den Hochschulen liegt den vietnam esischen näher, weil auch sic mit N ull-D eulschkenntnissen m it dem Studium anfangen Für sie w erden noch optim ale Fernziele und A nforderungen gesetzt, die ihre angestrebte Sprachflihigkeit beschreiben Sic sollen z.B am Ende des Grundstudium s einen G rundw ortschatz von ca 2.600 W örtern produktiv beherrschen und darüber hinaus über einen W ortschatz von ca 1000 W örtern passiv verfügen etc Diese präzise
E ernziclbestim m ung findet sich im C urriculum der F rem dsprachenhochschule Hanoi nicht
W enn m an die Stundenzahl für den Deutschunterricht an den Hochschulen in C hina mit der ill der Sektion „Deutsche Sprache“ I lanoi, Vietnam vergleicht, müssen die Studierenden in Vietnam im G rundstudium mit 20 Stunden pro W oche intensiverarbeiten Aus d e m asiatischen Raum m öchte ich auch ein paar H auptpunkte aus zwei Curricula, nämlich aus M alaysia und Singapur zum Vergleich heranziehen Die beiden Curricula sind
z w a r für die S ekundärschulen konzipiert, die aber auch wichtige Faktoren eines frem dsprachlichen Curriculum s beinhalten
Das C urriculum Deutsch als Frem dsprache in Sekundärschulen in M alaysia legt z.B Wert
a u f die kom m unikative K om petenz, das übergreifende ziel des Frem dsprachenlem ens Dazu gehören andere Teilkom petenzen wie z.B :
c o m petcnce 0 11 a linguistic Icvel
- c o m petcnce 0 11 a socio - linguistic level
- c o m petcnce 0 11 the level o f cultural interaction and cross-cultural understanding
- com p c ten c e in language learning strategics"
( Ministcry o f Education M alaysia/Gocthc-Institut Kuala Lam pur, 1998, 7) ,
Trang 35In diesem Curriculum geht cs auch um einige m ethodische Hinweise dir die Lehrer, z.B sie sollen die Schüler in den M ittelpunkt des D eutschunterrichts setzen (learner-
c e n lr e d n e s s ) , den Schüler freie Wahl von Lcrninhnltcn oder Lernorganisation geben etc Andere m ethodische Prinzipien finden sich auch im C urriculum dir Sekundärschulen in Singapur, u.a process - orientation und task - based learning
In beiden Curricula wird sich a u f die Lcrnerautonom ie und verschiedene Lernstrategien bzw - teehniken, beispielsweise m etakognitive Strategien, kom m unikative Strategien, affektive und soziale Strategien, konzentriert
Nach verschiedenen vorgestellten Beispielen ist es wahrscheinlich interessant zu sehen, ob das vorliegende Curriculum mit der abgebildeten Verteilung der G esam tstundenzahl in
je d e m Sem ester dir die Studenten im Fach Deutsch der H ochschule dir Frem dsprachen Hanoi optimal ist und ob sic sich dem intensiven Lerntempo anpassen können, wird das Ergebnis aus einem fest in drei Bereichen : 1 lörverstchen, Leseverstehen und >
G ram m atikstruktur untersucht
Trang 361.3 A l l g e m e i n e A u s w e r t u n g e n d e r S p r a c h k o n i p e t e n z d e r S t u d i e r e n d e n
1.3.1 T h e o r e t i s c h e G r ü n d e f ü r d i e D u r c h f ü h r u n g d e s T e s t e s
Den Sprachsland der I;rcimlspmclichlcrncr 7,11 bestim m en übernim m t eine entscheidende Rolle im Rahm en des Frcm dsprachenuntcrriehts im engeren Sinne und eines sprachlichen Curriculum s im weiteren Hin C urriculum für den Sprachunterricht soll, wie gezeigt verschiedene A ngaben über den Sprachsland der Keiner, die Lernziele, m ethodische Lernschritte und auch die Art und Weise der Lernkontrollen enthalten (vgl
A lbers/Bolten,1996,7) Alle einzelnen A ngaben dienen dazu, der Lehrperson und dem Lcrncr einer Frem dsprache dabei zu helfen, den Frem dsprachenunterricht so gut wie möglich zu gestalten und durchzuliihren, dam it bestim m te Lernziele erreicht werden können T esten oder Prüfen im Unterricht sind Mittel, um den Sprachstand der Lerner festzustellen Aus diesem Grunde haben Tests und Prüfungen im D eutschunterricht eine gleich wichtige Funktion, ohne die m an sc hw e r bestim m en kann, ob ein Lerner deutsche Sprachkenntnisse schon erw orben hat oder nicht In diesem Sinne w urde für die Studierenden in der Sektion „Deutsche Sp ra ch e “ ein Test entw ickelt, um festzustellen, in wieweit sie sich der Zielsetzung des vorliegenden C urriculum s „D eutsche Sprache gut beherrschen“ nähern Darüber hinaus kann das Ergebnis des festes ein guter A nsatz für die Gestaltung eines neuen Teilcurriculum s sein, dem sich diese Arbeit widmet Die Lernziele, die für die Entw icklung der sprachlichen K om petenz der vietnamesischen
D eutschlernenden geeignet sind, m üssen einerseits aufgrund des Sprachstands definiert werden D avon ausgehend können angem essene Anforderungen an die Lernenden gestellt werden
M angels an anfänglichen D cutschkennlnisscn entwickelt hat Im Prinzip wird darauf
Trang 37gezielt, daß die Studenten nach dem Durcliarbcilcii tles Lehrwerks „T hem en neu“ das Niveau des Zertifikats Deutsch erreichen sollen Deshalb wurde der gesam te Test a u s d e m Testhefl des Zertifikats Deutsch „Mit Lrl'olg /.um Zertifikat“ (Liehheim /Storch,1996) ausgewählt, der dem Sprachstand der Studenten m öglicherw eise am besten paßt Der
Inhalt des Tests (A uszüge) wird im A n h an g A dieser Arbeit abgebildet.
1.3.2.1 I l ö r v e r s i e h e n
a V o r b e r e i t u n g u n d D u r c h f ü h r u n g
Der im 'Testlieft angebotene Modclltcst II I lörvcrstchcn besteht aus zwei Teilen (Teil A und Teil B) Da cs viel Zeit erforderte, w urde nur der Teil B des M odelllestes genom m en und durchgeführt Im Test bekamen die Studenten fünf kurze Texte zum selektiven Hören Das selektive Hören haben die Studierenden bereits im vorigen Sem ester kennengelernt
Zu fünf kurzen llörtexten bekamen sie fünf kleine Aufgaben Nach dem zw eiten Hören hatten die Studenten in je d e r kleinen A ufgabe eine richtige Antwort zu wählen, die sie in
je d e m entsprechenden I lörtext gehört haben Der llörtext um faßte sowohl authentische als auch im S prachlabor aufgenom m ene kleine Texte, bot den Studenten aber keinen neuen Wortschatz Der Ilörversiehen - l e s t w urde von 29 Studenten am Beginn des zweiten Sem esters und nicht im Sprachlabor, sondern im Klassenraum durchgeführt
Die A ufgabenform „ankreuzen“ wurde im ersten Studienjahr sehr oft geübt und bereitete den Studierenden keine Schwierigkeiten
b E r g e b n i s
Von den 29 Studenten, die den Test m itgem acht haben, hat niem and alle fünf richtigen
Anl wol len angekreuzl
Ca 38 % wählten 4 richtige Lösungen
Ca 31 % wählten 3 richtige Lösungen
Ca 17 % wählten 2 richtige Lösungen
Insgesamt kann m an sagen, daß 69% der Studenten die Hälfte der Lösungen richtig ankreuzten Linige hallen Problem e beim W ählen, weil die angegebenen Informationen in
je d e r kleinen A ufgabe scheinbar ähnlich formuliert wurden, so daß es erschw ert war, die richtige A ntw ort zu finden und anzukrcuz.cn
Trang 381.3.2.2 L c s c v e r s t e h e n
a V o r b e r e i t u n g u n d D u r c h f ü h r u n g
Der Lescverslelienstest wurde dem gleichen Testhefl e ntnom m en und die Studierenden hatten insgesamt 30 Minuten 7.11111 Lesen und 7,11111 Linsen der A ufgaben zum Text Die Aufgaben form war Multiple - C hoicc - Test, d.h sic m ußten für je d e kleine Aufgabe eine richtige Antwort aus vier vorgegebenen Lösungen markieren Der geforderte Lesestil war selektiv und die Studenten bekam en 1 I kleine Aufgaben 7.11111 Text Der Test fand im Klassenraum statt und w urde von 29 Studenten gemacht
b E r g e b n i s
Keiner von den 29 Studenten kreuzten alle richtige Lösungen (11) an
21 % davon wählten 9-10 richtige Lösungen
b E r g e b n i s
28 Studenten haben an dem fest mit 60 A ufgaben teilgenom m en und das Ergebnis war wie f o l g t :
29 % der Studenten wählten 40 bis m ehr als 40 von 60 richtigen Lösungen
53% - - - 30 bis m ehr als 3 0
-1 8 % - - - w eniger als 30
Trang 39-Zusam m cnfassend haben 82 % der Studenten die 1 liilIle der A ufgaben n e b lig gelöst Das zeigt, daß die Gram m atikilbungen im Unterricht gute Leistungen in diesem fest gebracht haben.
1.3.3 S p e z i f i s c h e S c h w i e r i g k e i t e n f ü r d i e S t u d i e r e n d e n im g e s a m t e n T e s t
Ls m uß festgestellt werden, daß fast alle Studenten keine Problem e mit dem W ortschatz in dem l est hatten Obw ohl sic kein W örterbuch zum Nachschlagen halten, kam keine Frage nach neuen W örtern vor Die m eisten Hindernisse, die ihre Leistungen m öglich beeinflußt haben, lagen ihrer M einung nach daran :
daß sic noch nicht daran gew ohnt waren, den Fest innerhalb einer beschränkten Zeit zu schreiben Ls entstand Zeitdruck
daß der G ram m atikstruktur - Test einen neue 'festform bot, die sic noch nicht ofl geübt haben
daß cs bei den Aufgaben im Hör- und L e s e v e r s te h e n - l e s t ähnliche Formulierungen gab Die Studenten waren nicht ganz vertraut mit sogenannten „W örterfallen“ und konnten deshalb den „versteckten“ Unterschied zw ischen den einzelnen A ntworten nicht erkennen
daß sic einige gram m atische P hänom ene nicht gut beherrschen wie z.B : Konjunktiv
II, Partizip Perfekt oder Partikel
Mir eine große Zahl der Studenten w ar das I lörverstehen eine schwierige Fertigkeit und sie hatten aus diesem Grunde ofl schlechtere Leistungen als in anderen Die meisten Studenten bevorzugen nach wie vor den G ram m atiktest, weil sie oft Rückm eldungen
b e k o m m e n und in m anchen Fällen sic auch selbst Fehler e rkennen können
1.3.4 A u s w e r t u n g e n d e r S p r e c h - u n d S c h r c i b f ä h i g k e i t d e r S t u d e n t e n
1.3.4.1 S p r e c h Fälligkeit d e r S t u d e n t e n
In diesem feil w erden m ehrere Punkte, die im Z u sa m m e n h an g mit dem Sprechunterricht bzw Sprechfahigkeit der Studenten in der Sektion „D eutsche S prache“ stehen, nacheinander behandelt, u.a w elche Rolle das Sprechen im Frem dsprachenunterricht sow ie im Deutschunterricht in Vietnam hat, w om it die Studierenden die Sprechfertigkeit üben können, wie gut sie sprechen und ob cs viele Slörfaktoren, die die Sprechfahigkeit der Studenten beeinflussen, gibt
Trang 40Zunächst soll a u f die Funktion oder Rolle des Sprachunterrichts im Frcmdsprachenunlerrieht cingegangcn w e rd e n 2 Das Sprechen als Ziel Fertigkeit beeinflußt und bestim m t die kom m unikative K om petenz des Frem dsprachen- oder genauer Deutsehlerncnden (vgl N e uf-M ünkcl/R oland, 1994,10) Dieser Ansatz wurde schon in vielen neuen D a F-Fchrw erkcn, in denen der kom m unikative Ansatz besonders beachtet wird, um gesetzt Dort bcTmden sich viele Sprechübungen, die dem globalen Fernziel des Unterrichts Deutsch als Frem dsprache, kom m unikative K om petenz der Ferner zu entwickeln, dienen.
In dem Fehrplan litr den spraehpraktischen Unterricht in der Sektion „D eutsche Sprache“
in Hanoi, Vietnam wird für je d e Feil Fertigkeit des D eutschunterrichts die gleiche Stundenzahl vorgesehen, damit nicht eine TeiHeiligkeit bevorzugt wird, sondern alle Fertigkeiten den gleichen Werl erhallen
Doch am A nfang des G rundstudium s, zw ar im Vorkurs und im ersten Sem ester w erden die Fertigkeiten nicht isoliert und getrennt cingcliihrt und geübt Der U nterrichtsablauf ist hundertprozentig von dem Lehrwerk „T hem en neu“ abhängig und die Studierenden können in j ed e m einzelnen Unterricht gleichzeitig Fesen, Schreiben, Sprechen oder Hören üben D eshalb ist die Zeit Für S prechübung genauso um fangreich wie die für andere Übungen Im Lehrwerk „Them en neu“ werden verschiedene Ü bungen, die speziell die Fertigkeit Sprechen aufbauen sollen, angeboten (ca 3 0 % der Ü bungen und A ufgaben aller Arten sind Sprechübungen)
Die meisten Sprechübungen in „T hem en neu“ sind sehr stark gesteuert, d.h die Lerner
m üssen nur die vorliegenden M uster im Lehrbuch nachsprechen, die einerseits den Studenten den Vorteil bringen, w eniger Fehler beim Üben zu m achen und richtig Deutsch sprechen zu können A nderseits können diese Ü bungen die Studenten daran hindern, gelernte Dialoge oder Sprcchsituationcn weiter zu entw ickeln und dam it kreativ
um zugehen Im A nha ng werden auch einige Ü bungsform en Für den Sprechunterricht aus dem Lehrwerk „T hem en neu“ ausgcw ähll, um die obige A ussage zu bestätigen (s
A n h a n g B ).
Wie gut können die dcutschlcrneiulen Studenten in der Sektion „D eutsche S prache“ nach
7 Uber die Rolle der Fertigkeit Sprechen im Fremdsprachenunterricht bzw im Deutschunterricht wurde und wird von vielen Lehrern behauptet, daß diese Fertigkeit, zusammen mit der Fertigkeit I lören immer die übergeordnete Rolle im Unterricht spielt Die Sprachwissenschaftler unterscheiden dann zwischen der Ziellertigkeit und der Mittler Fertigkeit Sprechen Das Sprechen als Ziel Fertigkeit verhilft dem Lerner zu einer kommunikativen Kompetenz Das Sprechen als Mittlcrfcrligkcit dient dazu, Lernerleistungen zu überprüfen, zu kontrollieren und zu korrigieren (vgl Neuf-Münkcl/Roland, I ()94,I0).