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operations management in theorie und praxis aktuelle entwicklungen des industriellen managements

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Die stets überfüllten Lehrveranstaltungen zur Industriebetriebslehre an der Universität Hamburg sind Beleg für die besondere pädagogische Begabung Karl-Werner Hansmanns in der akademisch

Trang 1

Michael Höck, Kai-Ingo Voigt (Hrsg.)

Operations Management in Theorie und Praxis

Trang 2

GABLER EDITION WISSENSCHAFT

Trang 3

Michael Höck, Kai-Ingo Voigt (Hrsg.)

Operations Management

in Theorie und Praxis

Aktuelle Entwicklungen des

Industriellen Managements

Festschrift zum 65 Geburtstag von

Professor Karl-Werner Hansmann

Mit Grußworten von Ph D (Cornell U.) Jörg Dräger und Prof Dr.-Ing habil Monika Auweter-Kurtz

GABLER EDITION WISSENSCHAFT

Trang 4

Bibliografische Information Der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über

<http://dnb.d-nb.de> abrufbar

1 Auflage 2008

Alle Rechte vorbehalten

© Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr Th Gabler | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2008Lektorat: Claudia Jeske

Der Gabler Verlag ist ein Unternehmen von Springer Science+Business Media

www.gabler.de

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt.Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzesist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar Das gilt insbe-sondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und dieEinspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen

Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw in diesemWerk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solcheNamen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachtenwären und daher von jedermann benutzt werden dürften

Umschlaggestaltung: Regine Zimmer, Dipl.-Designerin, Frankfurt/Main

Gedruckt auf säurefreiem und chlorfrei gebleichtem Papier

Printed in Germany

ISBN 978-3-8350-0930-1

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Vorwort der Herausgeber

Am 21 Mai 2008 vollendet Prof Dr Karl-Werner Hansmann sein 65 Lebensjahr Dies ist für seine Freunde, Weggefährten und Schüler Anlass genug, ihn mit der vor-liegenden Festschrift zu ehren und damit zugleich ihre Anerkennung und herzliche Verbundenheit zum Ausdruck zu bringen

Seit Beginn seiner wissenschaftlichen Laufbahn hat sich Karl-Werner Hansmann den vielfältigen Fragestellungen im Bereich der Industriebetriebslehre gewidmet und hier vor allem auf den Gebieten der Produktionsplanung und -steuerung sowie der be-triebswirtschaftlichen Prognose vielbeachtete Beiträge geliefert Sein Lehrbuch „In-dustrielles Management“, mittlerweile in der 8 Auflage, gilt als Standardwerk dieses Faches Die stets überfüllten Lehrveranstaltungen zur Industriebetriebslehre an der Universität Hamburg sind Beleg für die besondere pädagogische Begabung Karl-Werner Hansmanns in der akademischen Lehre, dem es immer auch darum geht, Stoffgebiete zu „entrümpeln“, zu erweitern und auf eindrucksvolle Weise mit den Fa-cetten der Wirtschaftspraxis zu verbinden

Als Wissenschaftler hat er eine besondere Vorliebe für quantitativ-mathematische Problemformulierungen und Lösungsansätze und ist in dieser Hinsicht durch die „Gu-tenberg-Schule“ geprägt, in deren Tradition er steht Seine akademischen Schüler sind ihm für die stete Ermutigung und Ertüchtigung zur eigenständigen wissenschaftlichen Arbeit, für manchen hervorragenden Ratschlag und für den menschlich stets höchst angenehmen, ja freundschaftlichen Umgang zutiefst dankbar

An seinen akademischen Wirkungsstätten hat sich Karl-Werner Hansmann zudem mit großem Engagement der akademischen Selbstverwaltung verpflichtet, so u.a von

1985 bis 1989 als Vizepräsident der Universität der Bundeswehr in Hamburg und von

2003 bis 2007 als Vizepräsident der Universität Hamburg

Nicht zuletzt aufgrund seiner Fähigkeit, Probleme nüchtern zu analysieren und flikte schlichten sowie zu einer konstruktiven Lösung führen zu können, genießt er in-nerhalb der Universität und weit über ihre Grenzen hinaus höchstes Ansehen

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Kon-Das Rahmenthema der vorliegenden Festschrift ist Ausdruck der Spannweite der senschaftlichen Interessen von Karl-Werner Hansmann Die Beiträge präsentieren neuere Ergebnisse zum Innovations- und Produktionsmanagement, zum Dienst-leistungs- und Kostenmanagement sowie zu weiteren Themen, die einen engen Bezug zum Bereich „Operations Management“ aufweisen

wis-Die Autoren und Herausgeber dieser Festschrift gratulieren Karl-Werner Hansmann auf das Herzlichste zu seinem 65 Geburtstag und wünschen ihm für seinen weiteren Einsatz in Forschung und Lehre viel Freude!

Freiberg und Nürnberg im Mai 2008

Michael Höck und Kai-Ingo Voigt

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Jörg Dräger

Ph D (Cornell U.) Jörg Dräger, Wissenschafts- und Forschungssenator, Behörde für Wissenschaft und Forschung, Hamburger Str 37, 22083 Hamburg

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Lieber Herr Professor Hansmann,

zu Ihrem 65 Geburtstag gratuliere ich Ihnen im Namen des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg sehr herzlich und wünsche Ihnen Gesundheit, Glück und Schaf-fenskraft

Ein solcher Geburtstag ist auch ein guter Anlass, um zurück zu schauen: Ihr Leben und Wirken ist eng mit Hamburg verbunden Nach Ihrem Studium der Volks- und Be-triebswirtschaftslehre, der Promotion und der Habilitation an der Universität Hamburg erfolgte der Ruf an die Bundeswehruniversität, wo Sie später als Vizepräsident tätig waren Im Jahr 1993 kehrten Sie an die Universität Hamburg zurück Hier prägten Sie maßgeblich die Entwicklung des Seminars für Industriebetriebslehre und Organisati-

on, dem späteren Institut für Industrielles Management Das Institut ist mittlerweile mit 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einer der größten Lehrstühle der Universität Sein Markenzeichen ist die praxisnahe und internationale Ausbildung Jährlich besu-chen ca 1.000 Studierende die angebotenen Lehrveranstaltungen

Über die Grenzen Hamburgs hinaus sind Sie durch Ihr Lehrbuch „Industrielles gement“, das inzwischen in der 8 Auflage erschienen ist und damit zu den Standard-werken der Industriebetriebslehre gehört, bekannt Außerdem haben Sie sich bereits Ende der neunziger Jahre einen Namen gemacht, weil Sie früh auf die Bedeutung des Umweltschutzes in der Ökonomie hingewiesen haben Der Schwerpunkt Ihrer For-schungsarbeit war und ist die Entwicklung von anwenderorientierten Lösungen für be-triebswirtschaftliche Problemstellungen

Mana-Diese Fähigkeit, konstruktiv und zielführend auf Diskussionen Einfluss zu nehmen, hat Sie auch in Ihrer Position als Vizepräsident der Universität ausgezeichnet Eng ist mit Ihrem Namen beispielsweise die Errichtung des Konfuzius-Instituts verbunden Das in diesem Jahr neu eröffnete Institut wird den wissenschaftlichen Austausch bele-ben und den interkulturellen Dialog zwischen Deutschland und China fördern Sie und Ihre Mitstreiter tragen damit maßgeblich zur weiteren Internationalisierung der Uni-versität Hamburg bei Intensiv begleiteten Sie auch die Zusammenführung der ehema-ligen Universität für Wirtschaft und Politik (HWP) mit der Universität Hamburg Seit über zwei Jahren nun ist das Department Wirtschaft und Politik (DWP) die Nachfol-

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geeinrichtung der HWP und bildet gemeinsam mit den Departments senschaften und Sozialwissenschaften eine leistungsfähige Fakultät Dies sind nur zwei Beispiele Ihres breiten Engagements für die Wissenschaft in Hamburg Die Zu-sammenarbeit mit Ihnen war dabei vertrauensvoll und innovativ, in einer anspruchs-vollen Zeit der großen Veränderungen

Wirtschaftswis-Stets waren Sie um eine enge Verzahnung von Wissenschaft und Industrie bemüht Nicht nur deshalb sind Sie bei namhaften Industrieunternehmen, der Medienwirt-schaft, der Hamburger Handelskammer und der Mittelstandsvereinigung äußerst ge-schätzt Ich persönlich habe Sie erst im Jahr 1999 kennengelernt – ahnungslos, dass ich bereits über andere Beziehungen zu Ihrer Familie verfügte Ihre Frau hat mich auf dem Gymnasium in Mathematik unterrichtet und mein Interesse für mathematische Zusammenhänge geweckt

Sehr geehrter Herr Professor Hansmann, Sie werden Ihr erfolgreiches Wirken am stitut für Industrielles Management noch ein Jahr weiterführen Hierfür wünsche ich Ihnen alles erdenklich Gute und viel Kraft Ich hoffe, dass Sie der Universität aber auch danach gewogen bleiben, denn Menschen, die eine Verbindung von Wissen-schaft und Praxis schaffen, werden immer gebraucht In diesem Sinne wünsche ich Ihnen alles Gute zum Geburtstag,

In-Ihr Jörg Dräger

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Monika Auweter-Kurtz

Prof Dr.-Ing habil Monika Auweter-Kurtz, Präsidentin der Universität, Universität Hamburg, Von-Melle-Park 5, 20146 Hamburg

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XIII

Herr Prof Dr Karl-Werner Hansmann hat sich herausragende Verdienste um die versität Hamburg erworben Diese Verdienste liegen zum einen in seiner beeindru-ckenden wissenschaftlichen Vita begründet und zum anderen in seinem vielfältigen Engagement in der Selbstverwaltung

Uni-Dabei ist Prof Hansmann „seiner Universität“ seit seinen Studientagen verbunden Hansmann studierte in Marburg und Hamburg Volks- und Betriebswirtschaftslehre und promovierte 1972 an der Universität Hamburg zum Dr rer pol mit dem Thema

„Entscheidungsmodelle zur Standortplanung der Industrieunternehmen“

Nach der Habilitation 1977 mit dem Thema „Dynamische Aktienanlageplanung“ wurde er Professor an der Universität Hamburg und 1980 zum ordentlichen Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Industriebetriebslehre an der Universität der Bundeswehr in Hamburg ernannt Hier baute er das in engem Kontakt zur Praxis stehende Institut für Industrielles Management auf und war von 1985 bis 1989 Vize-präsident der Universität der Bundeswehr in Hamburg

Im Jahre 1993 wurde Prof Hansmann Nachfolger von Prof Jacob als Direktor des Seminars für Industriebetriebslehre und Organisation an der Universität Hamburg Das Seminar an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften wurde später in „Institut für Industrielles Management“ umbenannt In acht Büchern und mehr als 50 Aufsät-zen hat er sich vor allem mit Fragestellungen der Produktionsplanung und -steuerung sowie der betriebswirtschaftlichen Prognose auseinandergesetzt Sein Lehrbuch „In-dustrielles Management“, das inzwischen in der 8 Auflage erschienen ist, zählt zu den Standardwerken der Industriebetriebslehre Neben der Forschung und Lehre ist Prof Hansmann als Berater führender Industrieunternehmen tätig

Das Institut für Industrielles Management, unter der Leitung von Prof Hansmann, zählt mit seinen 16 Mitarbeitern heute zu einem der größten Forschungsbereiche unse-rer Universität – eine schon alleine für sich genommen – enorme Leistung

Es ist ein krönender Abschluss seines Engagements in der universitären tung gewesen, als er 2003 zum Vizepräsidenten für die Bereiche Forschung und Inter-nationales sowie das Informationsmanagement (CIO) gewählt wurde

Selbstverwal-In seine Amtszeit als Vizepräsident für Forschung und Selbstverwal-Internationale Angelegenheiten unserer Universität fallen neben der Begleitung der Exzellenzinitiative auch die Be-mühung um die Vertiefung der internationalen Beziehungen und den Beziehungen zu

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den europäischen und außereuropäischen Partnerhochschulen Insbesondere dieses Engagement hat der Universität Hamburg im Ausland zu einem erheblich verbesserten Ansehen verholfen.

In der gemeinsamen Zeit im Präsidium der Universität Hamburg ist es neben der bestreitbaren fachlichen Kompetenz aber immer wieder seine konziliante und verbind-liche Art des Auftretens gewesen, die mich nachhaltig beeindruckt hat Grade zu Be-ginn meiner Amtszeit hat Herr Hansmann es vermocht, viele Konflikte, wenn nicht zu vermeiden, so doch zu schlichten Seine großartige Gabe, Sachverhalte zu analysieren,

un-zu plausibilisieren und – das scheint mir besonders wichtig un-zu sein – Zeit für das genüber, Respekt und ein offenes Ohr mitzubringen, um sodann einen Sachverhalt von mehreren Seiten beleuchten zu können, ist Grund genug für tiefen Dank

Ge-Die Aufgabe einer Würdigung von Prof Hansmanns Fähigkeit, wissenschaftlicheProbleme zu analysieren und zu lösen, müssen im Letzten andere übernehmen, da ich selbst keine Betriebswirtin bin Dennoch möchte ich zwei Dinge hervorheben So wie

es ihm im Präsidium gelungen ist, Positionen zu vermitteln, ohne sie einfach nur geneinander auszuspielen, so versteht er es, Menschen für Forschungsthemen zu be-geistern und zum Staunen zu bringen Seien es seine Untersuchungen zu „Ameisenal-gorithmen“ oder aber zur „Besucherzufriedenheit in der Color-Line Arena“ – Prof Hansmann hat als Botschafter seines Faches und als Botschafter der Universität Vor-bildliches geleistet, wenn es darum geht, den Bürgerinnen und Bürgern Hamburgs zu erklären, was an „ihrer Universität“ eigentlich geforscht wird Die dabei im Laufe der Jahre an seinem Arbeitsbereich entstandene Vernetzung zu Unternehmen, Verbänden und in die Politik dieser Stadt hinein ist aus meiner Sicht wirklich bewundernswert und vorbildlich

ge-Dafür, dass Prof Hansmann sich nun wieder verstärkt seinen Forschungsprojektenwidmen möchte, habe ich großes Verständnis Für einen Forscher scheint mir das der angemessene Abschluss einer fürwahr erfüllten wissenschaftlichen Laufbahn zu sein Für die nun noch anstehenden Projekte wünsche ich ihm persönlich, aber auch im Namen des Präsidiums der Universität viel Erfolg und alles erdenklich Gute Gleich-zeitig möchte ich damit den Wunsch verbinden, dass Prof Hansmann „seiner“ Uni-versität auch künftig gewogen bleiben möge

Prof Dr.-Ing habil Monika Auweter-Kurtz, Präsidentin

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Inhaltsverzeichnis

Zum Einsatz quantitativer Methoden in der betriebswirtschaftlichen

Forschung – Bestandsaufnahme und Perspektiven 1

von Nils Boysen, Claudia Höck, Michael Höck und Christian Ringle

Innovationen im Großhandel 27

von Volker Tschirch

Zur Innovationskraft des Prozessmanagements –

Verdrängt „Exploitation“ „Exploration“? 45

von Michael Gaitanides

Maklereinsatz beim Management von Shared Services 67

von Manfred Layer

Produktionsfeinplanung mit genetischen Algorithmen 91

von Dieter B Preßmar

Commercial Use of Conjoint Analysis 103

von Henrik Sattler and Adriane Hartmann

Auf Veränderungen des Marktes reagieren –

den Produktlebenszyklus umfassend managen 121

von Burkhard Schwenker

Zur Bedeutung der Wahl der „richtigen“ Losgröße 139

von Hartmut Stadtler

Verfahren und Modelle zur Beurteilung von Bürokratiekosten 153

von Lothar Streitferdt und Marco Becker

Flexibilität und Stabilität in der automobilen Supply Chain –

Anforderungen und Lösungsansätze 185

von Kai-Ingo Voigt

Schriftenverzeichnis von Prof Dr K.-W Hansmann 203

Trang 14

Zum Einsatz quantitativer Methoden in der chen Forschung – Bestandsaufnahme und Perspektiven

betriebswirtschaftli-Nils Boysen, Claudia Höck, Michael Höck und Christian Ringle

Universität Hamburg, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Department Wirtschaftswissenschaften, Institut für Industriebetriebslehre und Organisation,

Von-Melle-Park 5, 20146 Hamburg [boysen,claudiahoeck,hoeck,cringle]@econ.uni-hamburg.de

Trang 15

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung .3

2 Datengrundlage und Analysen 4

3 Einsatz von Optimierungsverfahren .8

3.1 Bestandsaufnahme .8

3.2 Einzelbetrachtung der Methoden 11

3.3 Einzelbetrachtung der Funktionsbereiche .12

3.4 Perspektiven .13

4 Einsatz empirischer Analyseverfahren .14

4.1 Bestandsaufnahme .14

4.2 Einzelbetrachtung der Methoden 18

4.3 Einzelbetrachtung der Funktionsbereiche .19

4.4 Perspektiven .21

5 Schlussbetrachtung und Ausblick 22

Trang 16

1 Einleitung

Den Terminus „Forschungsmethode“ definierte Gutenberg (1957, S 610) als „denversachtlichten, gedanklich objektivierten, auf andere Personen übertragbaren und von ihnen – wenigstens grundsätzlich – reproduzierbaren Gang der Gewinnung wissen-schaftlicher Einsichten, also gewissermaßen das Ablösbare an dem doch so individu-ellen Akt der Erkenntnisgewinnung“ Als angewandte Wissenschaft, die sich auf eine Vielzahl von Forschungsdisziplinen stützt, steht die Betriebswirtschaftslehre (BWL) seit jeher vor dem Problem, Modeerscheinungen und wissenschaftlichen Erkenntnis-gewinn voneinander zu trennen Fortlaufend werden in den Unternehmen neue Kon-zepte oder Methoden entwickelt, die im Falle des Erfolges vor allem von den Bera-tungsgesellschaften vermarktet werden Die betriebswirtschaftliche Forschung be-schränkt sich in diesem Zusammenhang meist auf eine qualitative Beschreibung, Klassifikation und/oder Übertragung dieser Konzepte auf andere Anwendungsgebiete Dabei wird zunehmend auch „alter Wein in neuen Schläuchen“ verkauft Hinter der Praxis herzuhinken sowie Zweifel am Erkenntnisfortschritt des Trial-and-Error-Vorgehens mögen Gründe dafür sein, dass in Fachzeitschriften bereits seit den 1950er Jahren verstärkt quantitative Methoden zum Einsatz kommen Quantitative For-schungsmethoden erheben den Anspruch, den Untersuchungsgegenstand möglichst genau zu erfassen und objektive Ergebnisse durch wiederholbare Messungen zu erhal-ten Quantität findet ihren Ausdruck in numerischen Werten, der Angabe von Ausma-ßen oder Verhältnissen sowie in der rigiden Anwendung mathematischer Methoden zur Gewinnung neuer Einsichten

In dieser Tradition hat sich Karl-Werner Hansmann bereits früh mit der Entwicklung

und Anwendung von Optimierungsverfahren sowie statistisch-ökonometrischer

In-strumente in der betrieblichen Praxis beschäftigt (Hansmann 1974, 1980) Die

quanti-tative und zugleich praxisnahe Ausrichtung des wissenschaftlichen Arbeitens lässt sich auf den Anspruch zurückführen, nicht nur eine Formalwissenschaft, sondern pri-mär eine Realwissenschaft zu betreiben Neben dem Theorieentwurf und Konsistenz-überlegungen sollen vor allem Praxisphänomene analysiert und nicht zuletzt betriebs-wirtschaftliche Probleme gelöst werden

Methodologische Fragestellungen nehmen in der betriebswirtschaftlichen Forschung einen breiten Raum ein Vom Methodenstreit zwischen den Antagonisten Mellerowicz und Gutenberg in den 1950er Jahren über den Diskurs der Wissenschaftstheorie in der

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BWL in den 1970ern bis in die heutige Zeit finden sich immer wieder che Auseinandersetzungen um die „richtigen“ Methoden bzw deren „richtige“ An-wendung Ein aktuelles Beispiel hierfür ist die Diskussion um die Sinnhaftigkeit der

wissenschaftli-Erfolgsfaktorenforschung (Nicolai/Kieser, 2002; vgl ebenfalls die Erwiderungen auf

diesen Beitrag) und damit eines Großteils der empirischen betriebswirtschaftlichen Forschung Parallel dazu wird dem Zweig des Operations Research (früher im deut-schen Sprachraum auch als Unternehmensforschung bezeichnet) seit jeher vorgewor-fen, sich vorwiegend mit der Ermittlung unzulässiger Lösungen – sog upper oder lo-wer bounds – für Probleme zu beschäftigen, die in der Praxis gar nicht existieren oder von untergeordneter Bedeutung sind

Auch in diesem Beitrag kann die Frage nach der „richtigen“ Methode bzw deren

„richtigen“ Anwendung nicht beantwortet werden Der weiteren Ausführungen haben vielmehr zum Ziel, die Entwicklungen, den Status quo und die Tendenzen der quanti-tativen BWL im deutsprachigen Raum zusammenzufassen Nach einer Beschreibung des grundlegenden Aufbaus der empirischen Erhebung in Abschnitt 2 sollen die Ent-wicklungen der beiden elementaren Methodengebiete der BWL dargestellt werden Zunächst wird in Abschnitt 3 der Einsatz von Optimierungsverfahren analysiert, um anschließend in Abschnitt 4 empirische Analyseverfahren zu betrachten Den Aufsatz beschließt eine Zusammenfassung in Abschnitt 5

2 Datengrundlage und Analysen

Die vorliegende Untersuchung zum Einsatz quantitativer Methoden in der BWL streckt sich auf die deutschsprachige betriebswirtschaftliche Literatur der letzten 40 Jahre Gegenstand der Analyse sind wissenschaftliche Aufsätze: Eine Zeitschriften-analyse liefert eine relativ gute Orientierung darüber, was als betriebswirtschaftliche

er-Forschung gilt bzw galt (Martin, 1989, S 147) Hierbei geben inhaltsanalytische

Stu-dien auf eine verhältnismäßig einfache Art Aufschluss darüber, welchen

Veränderun-gen die betriebswirtschaftliche Forschung im Zeitablauf unterlag (Merten, 1983,

S 150) Aus der Analyse lassen sich beispielsweise die definitorischen und

wissen-schaftstheoretischen Grundlagen des Faches ableiten (Boysen/Ringle, 2008), die

me-thodologischen Schwerpunkte und Entwicklungen aufdecken (Lüthje, 2003) oder der

Stellenwert der empirischen betriebswirtsdchafltichen Forschung (Hauschildt, 2003;

Martin, 1989) bzw der statistisch-ökonometrische Status quo (Krafft et al 2002)

fest-stellen

Trang 18

Da es bei inhaltsanalytischen Untersuchungen schwer möglich ist, die heit vollständig zu untersuchen, musste für die Studie eine Eingrenzung vorgenom-men werden Aus der Grundgesamtheit aller Ausgaben und Artikel wurde eine Stich-probe gezogen, die hinsichtlich ausgewählter Fragestellungen analysiert wird und von

Grundgesamt-der dann auf die Grundgesamtheit geschlossen wird (Lisch/Kriz, 1978, S 56) Folglich

liegt der Anspruch nicht darin, alle im deutschsprachigen Raum erschienenen triebswirtschaftlichen Periodika in Bezug auf den Einsatz von quantitativen For-schungsmethoden zu untersuchen Es wurden nur die Artikel herangezogen, die in den folgenden Zeitschriften erschienen sind:

S 85), die eine lange Tradition aufweisen So belegt die ZfbF im internationalen king aller betriebswirtschaftlich relevanten Zeitschriften des Verbandes der Hoch-

Ran-schullehrer für Betriebswirtschaft e.V (VHB), dem VHB-JOURQUAL

(Hennig-Thurau/Walsh/Schrader, 2004), im Ranking Allgemeine Betriebswirtschaftslehre

(ABWL) mit 7,767 Punkten den 14 Platz und ist in die Rating-Kategorie B eingestuft Die ZfB und DBW finden sich ebenfalls in der Rating-Kategorie B und belegen mit 7,366 bzw 7,269 Punkten die Plätze 21 und 24 im Teilranking ABWL Damit dienen die drei am höchsten platzierten deutschsprachigen Zeitschriften als Grundlage für die Untersuchung

Betrachtet wurden alle in der Regel monatlich erschienenen Hefte der ZfB und ZfbF über 40 Jahrgänge (von 1965 bis 2004) sowie die sechsmal im Jahr erscheinenden Hefte der DBW über 29 Jahrgänge (von 1977, dem Jahr des Wiedererscheinens nach dem II Weltkrieg, bis 2004) Es wurden ausschließlich die Hauptbeiträge der Zeit-schriften in die Untersuchung einbezogen Die hieraus resultierende, mehr als 5.000 Aufsätze umfassende Datengrundlage dürfte repräsentativ für eine Analyse der Ent-wicklung des Einsatzes quantitativer Methoden in der betriebswirtschaftlichen For-schung sein

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Um die Komplexität einer solchen Analyse zu bewältigen ist zudem die Bildung von

Kategorien notwendig (Lisch/Kriz, 1978, S 69) Die große Vielfalt an Arbeiten der

quantitativen betriebswirtschaftlichen Forschung legte es nahe, eine grundlegende Klassifikation und Aufteilung in Kategorien unterschiedlicher in der Betriebswirt-schaftslehre verwendeter quantitativer Methoden vorzunehmen „Kategorien sind Klassen eines übergeordneten und damit abstrahierenden Klassifikationsschemas, das

demgemäß unter verschiedenen Gesichtspunkten entwickelt werden kann.“ (Merten,

1983, S 148) In einem ersten Schritt erfolgte eine Untergliederung der quantitativen betriebswirtschaftlichen Forschung in die beiden Gebiete der Optimierungsverfahren und der empirischen Forschung

Für diese beiden Analysefelder wurden anschließend jeweils die in Tabelle 1 stellten Methodenklassen gebildet, die der Auswertung der Zeitschriftenartikel zu Grunde lagen In der Regel fiel es nicht schwer, die verwendeten Methoden eindeutig

darge-zu identifizieren, da die Publikationen mehrheitlich ökonomische Fragestellungen und Sachverhalte mit relativ klarem methodologischem Schwerpunkt behandelten In einer Reihe von Veröffentlichungen, insbesondere bei Berücksichtigung mehrerer Verfah-ren, war die Zuordnung weniger einfach In diesen Fällen wurde nach Ermessen der Autoren unter Berücksichtigung des Analyseschwerpunktes im jeweiligen Aufsatz ei-

ne Zuordnung gewählt Entsprechend diesem Vorgehen konnten im Zeitraum von

1965 bis 2004 insgesamt 1.712 Aufsätze auf dem Gebiet der quantitativen wirtschaftlichen Forschung identifiziert und klassifiziert werden

betriebs-Tabelle 1: Auswahl und Klassifizierung der quantitativen Methoden

1 Lineare Programmierung (LP) 1. Clusteranalyse (CLU)

2 Sonstige Standardverfahren der

mathemati-schen Programmierung (SMP) 2. Conjoint-Analyse (CA)

3 Differenzialanalyse (DIFF) 3. Faktorenanalyse (FAK)

4 Heuristische Verfahren (HEU) 4. Häufigkeitsauswertung (HÄU)

5 Stochastik und Simulationen (STO) 5. Hypothesentest (HYP)

6 Sonstiger Einsatz von Optimierungsverfahren

(SON) 6. Kausalanalyse (KAU)

7 Korrelationsanalyse (KOR)

8 Regressionsanalyse (REG)

9 Sonstige Empirische Forschung (SEF)

Die erste Klasse der zu untersuchenden Methoden soll im weitesten Sinne als mierungsverfahren bezeichnet werden Eine detaillierte Kennzeichnung der sechs zu

Trang 20

Opti-Grunde liegenden Methodenklassen erfolgt in Kapitel 3 Ingesamt konnten im suchungszeitraum 872 Aufsätze in der ZfB, ZfbF und DBW identifiziert werden, in denen Optimierungsverfahren zum Einsatz kommen

Unter-Empirische Forschungsarbeit umfasst dagegen den Einsatz statistischer niken in der betriebswirtschaftlichen Forschung Die empirischen Methoden schließen

Analysetech-sowohl deskriptive Analysetechniken (z B Häufigkeitsauswertungen; Schlittgen,

2003) als auch (strukturentdeckende und strukturprüfende) multivariate

Analysever-fahren ein (z.B Conjoint-, Cluster-, Faktor- oder Kausalanalysen; Schlittgen, 2008)

Die Auswertung der ZfB, ZfbF und DBW im Untersuchungszeitraum schließt che empirische Untersuchungen und die jeweils verwendeten statistischen Analyseme-thoden ein Die wichtigsten Analyseverfahren sind in Tabelle 1 ausgewiesen Zahlrei-che weitere, jedoch deutlich weniger häufig eingesetzte Verfahren, wie z B Varianz-analyse, Diskriminanzanalyse oder Multidimensionale Skalierung, sind dem Bereich der sonstigen empirischen Forschung zugeordnet Insgesamt konnte die Zeitschriften-analyse 840 empirische Arbeiten identifizieren

sämtli-Eine weitere Klassifizierung der ausgewerteten Beiträge dient einer differenzierten Analyse der Entwicklung einer Verwendung quantitativer Methoden in den Teilsdis-ziplinen der Betriebswirtschaftslehre Um eine Untergliederung in Hauptkategorien zu erreichen, wurde das Begriffsordnungssystem der ZfB herangezogen:

1 Allgemeine Betriebswirtschaftslehre (ABWL),

8 sonstige spezielle Betriebswirtschaften (SON)

Eine derartige Einteilung kann nicht immer eindeutig sein Daher erfolgte eine ordnung der jeweiligen Publikation in das nach Ermessen der Autoren am besten pas-sende Teilgebiet der Betriebswirtschaftslehre

Ein-Die Gesamtzahl von 1.712 identifizierten Aufsätzen in den untersuchten schriften verdeutlicht die große Bedeutung der quantitativen betriebswirtschaftlichen Forschung Zugleich erlaubt die umfassende Datenbasis eine differenzierte Analyse nach Methodenklassen, Fachrichtungen und Zeitschriften im Zeitverlauf in den beiden folgenden Kapiteln

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Betriebs-(etwa Bamberg/Coenenberg, 1994, S 12 f.) Solche Modelle können rein sprachlicher, grafischer, physikalischer oder auch mathematischer Natur sein (etwa Domsch-

ke/Scholl, 2003, S 30 ff.) Neben der rein sprachlichen Darstellung kommt in der

Be-triebswirtschaftslehre insbesondere mathematischen Modellen eine bedeutende Rolle

zu Durch mathematische Optimierungsmodelle können bestimmte Alternativen der Realität (etwa Handlungs- oder Entscheidungsalternativen) als Variablen kodiert wer-den, um deren Auswirkungen und Zusammenhänge unter Verwendung funktionaler Abhängigkeiten in Restriktionen und einer oder mehrerer Zielfunktionen abbilden zu können

Häufig sind die funktionalen Zusammenhänge eines mathematischen Modells so plex, dass eine gesonderte Modellanalyse vonnöten ist, um aus der Menge aller mögli-chen Modelllösungen eine die jeweilige(n) Zielfunktion(en) extremierende Lösung i-dentifizieren zu können Verfahrensanweisungen, mit deren Hilfe eine entsprechende

kom-Modellanalyse vorgenommen werden kann, bezeichnet man als

Optimierungsverfah-ren Je nach Art der funktionalen Zusammenhänge – so können etwa nicht-lineare

Funktionen oder Verteilungsfunktionen von Variablen zu berücksichtigen sein

(Domschke/Drexl, 2002, S 5 f.) – entstehen ganz unterschiedliche Arten von

Model-len, die jeweils unterschiedliche Arten von Optimierungsverfahren erfordern

Um die Verwendung solcher Optimierungsverfahren in der betriebswirtschaftlichenLiteratur durch eine empirische Erhebung nachzeichnen zu können, sollen die im Fol-genden beschriebenen Klassen von Optimierungsverfahren unterschieden werden:

Lineare Programmierung (LP): Im Rahmen der linearen Programmierung lassen

sich reellwertige Variablen in einen linearen Funktionszusammenhang einbinden Die resultierenden linearen Optimierungsmodelle können mit dem klassischen Simplex-Algorithmus von Dantzig (1966) effizient gelöst werden Da dieser Algorithmus in-klusive zahlreicher Weiterentwicklungen heutzutage in leistungsstarken sog Stan-

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dard-Solvern implementiert ist, reicht es in Wissenschaft und Praxis im Allgemeinen aus, ein entsprechendes Optimierungsmodells für die zu untersuchende Problemstel-lung anzugeben Dementsprechend werden unter der Linearen Programmierung auch wissenschaftliche Arbeiten erfasst, die nicht etwa algorithmische Weiterentwicklun-gen beinhalten, sondern unter Verwendung dieser Algorithmen betriebswirtschaftliche Problemstellungen modellieren

Sonstige exakte Standardverfahren der mathematischen Programmierung (SMP): Neben der linearen Programmierung ist eine stattliche Anzahl von Standard-

verfahren entwickelt worden, um weitere Arten von Optimierungsmodellen lösen zu können Zu nennen sind hier etwa das Branch-and-Bound-Verfahren, die Dynamische

Programmierung, aber auch Verfahren der Graphentheorie (siehe Domschke/Drexl,

2002, S 124 ff., 144 ff und 59 ff.), welche insbesondere für die Lösung (gemischt-) ganzzahliger Optimierungsprobleme verwendet werden Entsprechende algorithmi-sche Entwicklungen finden sich auch für die Nicht-lineare Programmierung

Differenzialanalyse (DIFF): Das klassische Instrumentarium der Marginalanalyse,

deren Wurzeln bis zu Newton und Leibniz zurückgehen, findet auch heute noch große Beachtung (nicht nur) in der betriebswirtschaftlichen Literatur Neben den klassischen Anwendungsgebieten der Losgrößen- und Bestellmengenplanung (Stichworte: EOQ und Newsvendor-Modelle) im Produktionsmanagement findet die Differenzialanalyse quer durch alle betriebswirtschaftlichen Teilgebiete insbesondere im Rahmen von Er-klärungsmodellen Verwendung Für eine grobe Strukturierung der grundlegenden Zu-sammenhänge von Variablen ohne oder mit relativ wenigen Restriktionen erscheint die Differenzialanalyse besonders geeignet

Heuristiken (HEU): Unter Heuristik versteht man ganz allgemein eine methodische

Suche nach Lösungen (Hansmann, 2006, S 27) Heutzutage wird dieser Begriff

je-doch deutlich enger gefasst und meint eher eine methodische Suche, die unter zicht auf eine Optimallösung eine schnelle und möglichst gute Lösung finden soll Mit den Fortschritten in der Computertechnologie und auch den algorithmischen Weiter-entwicklungen steigen parallel auch die Ansprüche der Benutzer, so dass immer kom-plexere Problemstellungen (etwa ganzzahlige, nicht-lineare Optimierungsmodelle mit mehreren Zielsetzungen) gelöst werden sollen Um die resultierenden Optimierungs-modelle in praxisrelevanter Größenordnung lösen zu können, muss häufig aufgrund einer prohibitiv langen Laufzeit auf eine Optimallösung verzichtet werden Für diese Fälle versprechen Heuristische Verfahren einen guten Kompromiss zwischen Laufzeit und Lösungsgüte

Trang 23

Stochastische Optimierung und Simulation (STO): Häufig lassen sich die in

ma-thematische Modelle eingehenden Parameter und deren Zusammenhänge nicht mit cherheit bestimmen bzw prognostizieren Stattdessen kann die Realität lediglich durch Wahrscheinlichkeitsverteilungen angenähert werden Die Modelle sind dann

Si-mit den Methoden der stochastischen Optimierung (etwa Kistner, 1988) zu lösen Sind

die Modelle zu komplex, um tatsächlich eine Optimallösung bestimmen zu können, so steht lediglich das Hilfsmittel der Simulation zur Verfügung, um im Rahmen einer

„what-if“-Analyse die Auswirkungen einer konkreten Konstellation der Daten in nem komplexen System zu erfassen

ei-Als Sammelbecken verbleiben die sonstigen Ansätze (SON) Hierunter fallen etwa

die Warteschlangentheorie (Neumann, 1977), Netzplantechnik (Altrogge, 1996) und die Spieltheorie (siehe Holler/Illing, 2003)

Betrachtet man nun die Anwendung der genannten Optimierungsverfahren in den tersuchten Periodika, so fällt zunächst auf, dass deren Anwendung im Rahmen be-triebswirtschaftlicher Forschung über die Jahrzehnte von großer Bedeutung ist (Ab-bildung 1) Trotz des leichten Rückgangs in den Jahren von 1975 bis 1994 werden Optimierungsverfahren durchschnittlich in über 20 Aufsätzen pro Jahr verwendet, was einen prozentualen Anteil von rund 17 % ausmacht

un-Abbildung 1: Zeitliche Entwicklung der Veröffentlichung von Optimierungsbeiträgen

Quelle: Eigene Darstellung

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Aus Abbildung 1 wird zudem deutlich, dass das Forschungsgebiet des Operations search nach einer Phase des Abschwungs wieder eine Renaissance erlebt Getragen wird diese Entwicklung in Deutschland vor allem durch Veröffentlichungen in der tendenziell marketingorientierte ZfbF, die im VHB-JOURQUAL-Ranking der be-triebswirtschaftlich relevanten Zeitschriften vor der ZfB und DBW liegt Demgegen-über ist die Gesamtzahl der quantitativen Publikationen in der ZfB eher rückläufig

Abbildung 2 stellt die Entwicklung der einzelnen Klassen von Optimierungsverfahren

im Zeitablauf dar In dieser Übersicht wird deutlich, dass die klassische Lineare grammierung (LP) auf dem Rückzug ist Aus einer Gesamtanzahl von 160 Aufsätzen,

Pro-in denen die LPro-ineare Programmierung verwendet wurde, stammen lediglich 8,75% aus der letzten (1995-2004), aber 46,25% aus der ersten (1965-1974) Dekade Genau ent-gegengesetzt verläuft die Entwicklung bei den Heuristiken Hier stammen immerhin 63,16% aller verwendeten heuristischen Verfahren aus den letzten zehn Jahren

Abbildung 2: Verwendung von Optimierungsmethoden im Zeitablauf

Quelle: Eigene Darstellung

Diese Entwicklung deutet daraufhin, dass die untersuchten Problemstellungen mit den Jahren komplexer geworden sind Lineare Zusammenhänge und ausschließlich reelle Variablenwerte stellen meist lediglich eine recht grobe Approximation der Realität dar, so dass es häufig besser erscheint, auf die Optimallösung eines stark vereinfach-

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ten Modells zu verzichten und dafür eine nicht optimale Lösung für ein der Realität näheres Modell zu ermitteln

Im Folgenden soll betrachtet werden, wie sich die Nutzung von den in den einzelnen Funktionsbereichen im Zeitablauf entwickelt hat Traditionell ist der Fokus der Produktionswirtschaft stark an der Anwendung von Optimierungsver-fahren ausgerichtet Diese Ausrichtung besteht auch heute noch, auch wenn der Anteil der Aufsätze aus dem Bereich der Produktionswirtschaft in der letzten Dekade (1995-2004) deutlich auf nur noch 15,77% zurückgegangen ist und die Produktionswirt-schaft ihre Führungsposition in der Anwendung von Optimierungsverfahren damit an den Bereich Finanzierung abtreten musste Ob daraus jedoch ein genereller Trend ab-zulesen ist, oder ob vielmehr die entsprechenden Forschungsarbeiten in die zahlrei-chen Spezialjournale – wie etwa International Journal of Production Research oder IIE Transactions, um nur zwei zu nennen – abgewandert sind, kann an diesen Zahlen nicht abgelesen werden

Optimierungsmetho-Abbildung 3: Anwendung von Optimierungsmethoden nach Funktionsbereichen

Quelle: Eigene Darstellung

Bemerkenswert ist weiterhin die verstärkte Anwendung von Optimierungsverfahren in den traditionell eher qualitativ ausgerichteten Funktionsbereichen Personal und weni-

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ger ausgeprägt auch im Marketing und Rechnungswesen Hier scheint die im Zuge des internationalen Wettbewerbs der Forschung zunehmend quantitative Ausrichtung der BWL übernommen zu werden

3.4 Perspektiven

Zunächst ist als wesentliche Zukunftsperspektive festzuhalten, dass die sierung“ der BWL immer weiter voranschreitet Bereits zu Beginn der 1970er Jahre bemängelte Baumol (1972, S 153), dass „ein Heft einer Fachzeitschrift, dessen Seiten nicht die Pockennarben der Formeln und Symbole tragen, eine Seltenheit“ geworden ist; eine Entwicklung, die sich seitdem noch wesentlich verstärkt hat und vermutlich noch weiter zunehmen wird Einerseits sind die Erfolge quantitativer Forschungsme-thoden sicher unbestritten Ähnlich wie in der Physik, wo erst die „Erfindung“ der In-finitesimalrechnung durch Leibniz und Newton einen Vorstoß in komplexere Bereiche ermöglichte, profitiert auch die BWL von der strikten Analyse der Mathematik Vor dem Hintergrund, dass sich das Erkenntnisobjekt der BWL zunehmend vom einzelnen Betrieb abwendet und den unternehmensübergreifend und international agierenden Wertschöpfungsnetzwerken zuwendet und damit der Betrachtungsgegenstand an Komplexität gewinnt, erscheint das Instrumentarium der Mathematik notwendiger denn je Andererseits sollten Optimierungsverfahren immer Mittel zum Zweck blei-ben Eine BWL, die schon heute in manchen Teilen eher einem Zweig der angewand-ten Mathematik gleicht, und der Mathematik zum Teil eher aus publikationstaktischenErwägungen anwendet wird, erscheint wenig wünschenswert

„Mathemati-Wenn die BWL ausschließlich letzteren Entwicklungspfad nimmt, driftet sie immer weiter von den tatsächlichen Problemen des Wirtschaftsgeschehens ab, denen die BWL als Realwissenschaft verpflichtet ist Im Bereich der Optimierungsverfahren sind jedoch drei Entwicklungen festzustzellen, die auf eine Annäherung von Theorie und Praxis hindeuten:

x Standardsolver: Enorme Fortschritte in der Linearen Programmierung (Dantzig,

1966) erlauben es, mit Standardsoftware, den sog Standardsolvern,

Simplex-Tableaus in noch vor kurzem unvorstellbarer Größenordnung zu lösen (Bixby, 2002,

S 14): „A model that might have taken a year to solve 10 years ago can now be solved in less than 30 seconds.” Damit werden endgültig Probleme in praxisrelevan-ter Größenordnung lösbar Mehr noch, dadurch, dass man mit einem Standardsolver auf der Modellebene bleibt (lediglich das Modell formulieren muss) und kein Wis-

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sen über die im Verborgenen ablaufenden Algorithmen braucht, wird der tung in der Praxis weiter gefördert Zwar sind ähnliche Fortschritte auch in der ganz-zahligen Programmierung (z.B bei den Schnittebenen-Verfahren) erzielt worden, jedoch steigen mit der Leistungsfähigkeit auch die Ansprüche der Anwender Nicht-lineare und Mehr-Ziel-Probleme stellen nach wie vor eine große Herausforderung für Standardsolver dar

Verbrei-x Meta-Heuristiken: In solchen heute noch schwer exakt lösbaren Problemstellungen entfaltet jedoch eine andere Art von Verfahren ihre Stärke: die Meta-Heuristiken

Diese Verfahren – wie etwa Genetische Algorithmen (Schöneburg et al., 1993), Ameisenalgorithmen (Boysen, 2005) oder Tabu Search (Domschke et al., 1996) sind

durch ihre häufig aus der Natur stammenden Analogien leicht verständlich und gleichsweise einfach als Programmcode zu implementieren Durch die stetig an-wachsende Rechnerleistung können mit diesen Methoden auch die genannten (z B nicht-linearen) Problemstellungen in praxisrelevanter Größe und kurzer Zeit gelöst werden, wenn auch zu dem Preis, dass auf eine optimale Lösung verzichtet werden muss

ver-x Advanced Planning Systeme: Nicht zuletzt diese beiden methodischen gen haben in jüngster Zeit durch die sog Advanced Planning Systeme (APS) Einzug

Entwicklun-in die betriebswirtschaftliche Standardsoftware gehalten (etwa Hansmann, 2006,

S 385 ff.), so dass über die methodischen Weiterentwicklungen der Optimierung der Brückenschlag zur Praxis gelungen ist

Diese genannten Entwicklungen werden zukünftig sicherlich durch die schaftliche Forschung weiter vorangetrieben und durch die Praxis, die sich durch stei-genden Wettbewerb immer komplexeren Planungsproblemen gegenübersieht, zuneh-mend adaptiert

betriebswirt-4 Einsatz empirischer Analyseverfahren

4.1 Bestandsaufnahme

Im Gegensatz zur verfahrenstheoretischen Forschung geht der Anwender empirischer Methoden induktiv vor und will auf diese Weise Zusammenhänge aufdecken oder theoretisch vermutete Zusammenhänge empirisch bestätigen Da die Zahl der Erfah-rungsobjekte (Personen, Unternehmen usw.) dabei oftmals sehr groß ist, wird im Re-gelfall aus der Grundgesamtheit eine Stichprobe ausgewählt, anhand der beispielswei-

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se durch Beobachtung oder Befragung die Fragestellungen untersucht werden, sodass anschließend zuverlässige Rückschlüsse auf die Grundgesamtheit ermöglicht werden Folglich basieren empirische Forschungsarbeiten – im Sinne der Bedeutung des Beg-riffs „empirisch“ (d.h auf Erfahrung beruhend) – auf der Verallgemeinerung von Er-kenntnissen, die aus einer (möglichst großen) Zahl von Einzelbeobachtungen gewon-nen werden Sollten keine geeigneten empirischen Daten zur Beantwortung der For-schungsfrage zur Verfügung stehen (Sekundärforschung), muss eine eigene Erhebung durchgeführt werden (Primärforschung) Idealtypischerweise lässt sich der Ablauf ei-nes empirischen Forschungsvorhabens in die folgenden vier Phasen unterteilen (ähn-

lich Meffert, 2000, S 98): 1 Konzeption; 2 Datenerhebung und -erfassung; 3

Aus-wertung und Analyse der Daten; 4 Interpretation und Kommunikation der Ergebnisse

In Abhängigkeit vom Forschungsziel steht für die Phasen 2 und 3 eine Vielzahl von Verfahren zur Verfügung Für die Analyse in diesem Beitrag liegt der Schwerpunkt auf dem Einsatz der Verfahren zur Auswertung und Analyse von empirisch erhobenen

Datensätzen (vgl beispielsweise Meffert, 2000, S 152 ff.; Lehmann/Gupta/Steckel,

1998, S 78 ff.) Um die Verwendung der Verfahren sinnvoll analysieren zu können,

werden die folgenden Methoden bzw Methodengruppen unterschieden (Backhaus et al., 2006; Schlittgen, 2008):

Clusteranalyse (CLU): Mit Hilfe der Clusteranalyse wird eine Vielzahl von

Erfah-rungsobjekten so zu Gruppen (Clustern) zusammengefasst, dass sich die Objekte nerhalb einer Gruppe möglichst ähnlich sind, die Cluster sich aber untereinander mög-lichst stark unterscheiden Zur Überprüfung der Cluster kann die Diskriminanzanalyse herangezogen werden

in-Conjointanalyse (CA): Unter dem Begriff Conjoint-Analyse werden multivariate

Un-tersuchungsansätze erfasst, die den Zusammenhang von empirischen lungen eines Objekts (z B eines Produkts) und dessen Merkmalen aufdecken sollen

Gesamtbeurtei-(Green/Rao, 1971, S 355; Schubert, 1991, S 132) Zentraler Anwendungsbereich

die-ser Methode ist die Konzepterprobung im Rahmen der Neuproduktentwicklung

Faktorenanalyse (FA): Das Ziel der Faktorenanalyse besteht darin, eine Vielzahl von

Variablen auf wenige und wichtige Einflussfaktoren zu reduzieren Sie wird wendet, wenn bei einer Menge von Variablen vermutet wird, dass sie von gemeinsa-men, nicht direkt beobachtbaren Einflussgrößen (latenten Variablen) abhängig sind

ange-Häufigkeitsauswertungen (HÄU): Die Zahl von Beobachtungen, bei denen ein

be-stimmtes Ereignis oder Ergebnis eingetreten ist, wird als Häufigkeit bezeichnet Für

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empirische Forschungszwecke werden sowohl absolute als auch relative Häufigkeiten ermittelt, um eine Aussage darüber treffen zu können, wie wahrscheinlich ein Auftre-ten dieses Ergebnisses/Ereignisses in der Grundgesamtheit ist

Hypothesenprüfung (HYP): Unter einer Hypothese wird die theoretisch fundierte

Annahme zu Ursache-Wirkungsbeziehungen zwischen Variablen verstanden Im Rahmen der Hypothesenprüfung werden auf Basis eines empirisch erhobenen Daten-satzes Annahmen über die Grundgesamtheit im Hinblick auf ihre Übereinstimmung mit den Beobachtungen in der Stichprobe getestet Dazu werden oftmals Gegenhypo-thesen formuliert, die nach den Ergebnissen der Analyse beibehalten oder abgelehnt werden können

Kausalanalyse (KAU): Mit Hilfe der Kausalanalyse (auch:

Strukturgleichungsmo-dell) werden Beziehungen innerhalb eines theoretisch fundierten Hypothesensystems überprüft Methodisch werden bei der Kausalanalyse regressions- und faktoranalyti-sche Ansätze miteinander verknüpft Die Schätzung der Modelle kann mit der Kovari-

anzstrukturanalyse oder der Partial-Least-Squares-Analyse erfolgen (Ringle et al.,

2006)

Korrelationsanalyse (KOR): Ein Korrelationskoeffizient misst die Stärke und die

Richtung des Zusammenhanges zwischen Variablen Eine Korrelationsanalyse soll demzufolge aufdecken, in welchem Ausmaß die Variablen sich gleichmäßig oder ent-gegengesetzt entwickeln; eine Aussage über die Kausalität der Beziehungen ist dabei

allerdings nicht möglich Die Korrelationsanalyse hängt eng mit der

Regressionsana-lyse zusammen (Meffert, 2000, S 167)

Regressionsanalyse (REG): Ziele der Regressionsanalyse sind das Erkennen und die

Analyse der Zusammenhänge zwischen einer (einfache Regression) oder mehreren (multiple Regression) unabhängigen Variablen und einer abhängigen Variablen Dabei ist die Untersuchung sowohl linearer als auch nicht-linearer Zusammenhänge möglich Das Verfahren kann ebenso eingesetzt werden, wenn es Werte der abhängigen Variab-

len zu schätzen oder zu prognostizieren gilt (Backhaus et al., 2006, S 45)

Sonstige empirische Forschung (SEF): Alle verbleibenden Methoden – wie etwa

Chi-Quadrat-Tests, die Diskriminanzanalyse, die Varianzanalyse, die logistische ression und die multidimensionale Skalierung – werden gemeinsam als sonstige empi-rische Forschungsmethoden erfasst (zur detaillierten Kennzeichnung dieser Verfahren

Reg-vgl Backhaus et al., 2006; Schlittgen, 2008)

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In den der Untersuchung zugrunde liegenden 40 Jahrgängen der Zeitschriften ZFB und ZfbF beziehungsweise 32 Jahrgängen der DBW wurden im Sinne der in Kapitel 2 formulierten Kriterien insgesamt 840 wissenschaftliche Aufsätze als Publikationen zur empirischen betriebswirtschaftlichen Forschung identifiziert Davon sind 315 Fach-aufsätze in der ZfB, 300 in der ZfbF und 225 in der DBW erschienen Die zeitliche Entwicklung der Publikationen ist in der folgenden Abbildung zusammengefasst:

Abbildung 4: Zeitliche Entwicklung der Veröffentlichung von empirischen Beiträgen

Quelle: Eigene Darstellung

Die dargestellten Ergebnisse in Abbildung 4 verdeutlichen die wachsende Bedeutung der empirischen Forschung in der Betriebswirtschaft In den betrachteten vier Jahr-zehnten hat sich die Zahl der Publikationen von einem Intervall zum nächsten durch-schnittlich mehr als verdreifacht, zwischen dem ersten und dem zweiten Jahrzehnt so-gar mehr als versechsfacht Seit 1995 wurden in den drei untersuchten Zeitschriften mehr als 35 Aufsätze pro Jahr veröffentlicht, was einem prozentualen Anteil von rund 29% entspricht Diese außerordentlichen Wachstumsraten können zum Teil auf die Berücksichtigung der Veröffentlichungen der DBW seit 1977 zurückgeführt werden; eine nähere Betrachtung zeigt jedoch darüber hinaus, dass sich die Autoren der Bei-träge in der ZfB, aber auch der ZfbF nach 1975 deutlich intensiver mit der empiri-schen Forschung auseinandergesetzt haben

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Die mit Abstand am weitesten verbreitete empirische Forschungsmethode in den trachteten Zeitschriften ist die Häufigkeitsauswertung (40,6% aller betrachteten empi-rischen Forschungsbeiträge) Diese Art der Analyse zählt zu den einfachen (deskripti-ven) Ansätzen Ihr hoher Anteil in den Fachaufsätzen zeigt die Notwendigkeit und den Bedarf, die Forschungsergebnisse mit empirischen, wenn auch einfach strukturierten und analysierten Daten abzusichern Die differenzierte zeitliche Betrachtung der An-wendung von empirischen Methoden zeigt jedoch insbesondere für die letzte Dekade eine neue Entwicklung (vgl Abbildung 5)

be-Abbildung 5: Anwendung empirischer Methoden im Zeitablauf

Quelle: Eigene Darstellung

Danach werden in der betriebswirtschaftlichen Forschung verstärkt höhere, ate Analyseverfahren angewendet Auffallend ist in diesem Zusammenhang vor allem der starke Zuwachs von Beiträgen zur Regressionsanalyse, deren prozentualer Anteil

multivari-an den empirischen Anwendungen sich im letzten Jahrzehnt auf über 22 % verdoppelt hat Die Gründe hierfür liegen zum einen in den untersuchten Fragestellungen, die zu-nehmend eine präzisere Analyse und damit den Einsatz komplexer und leistungsfähi-ger Methoden erfordern Gleichzeitig hat sich aber auch die verfügbare Datenbasis für aufwendigere Untersuchungen verbessert, sei es aus umfangreicheren Erfahrungswer-ten oder aufgrund der ständigen Zunahme der empirischen Erhebungen in quantitati-

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ver sowie qualitativer Hinsicht (Martin, 1989, S 140) Zudem werden Verfahren, wie

zum Beispiel die Conjoint- und die Kausalanalyse, ständig weiterentwickelt, sodass sie mit weniger strengen Restriktionen oder mit verbesserter Software-Unterstützung angewendet werden können Insbesondere steht hier das Bemühen im Mittelpunkt, den Aufwand für die Befragten möglichst gering zu halten, um auch für anspruchsvol-

le Analysetechniken hohe Fallzahlen realisieren zu können und eine hohe Güte und Stabilität der Ergebnisse zu erreichen Nicht zuletzt aus diesem Grunde verlieren ein-zelne komplexe Analyseverfahren, wie beispielsweise die Multidimensionale Skalie-rung (hier unter der sonstigen empirischen Forschung zusammengefasst), wieder an Bedeutung Beachtenswert ist die zeitschriftenspezifische Analyse der Methodenan-wendung Während die ZfB und die ZfbF im Wesentlichen ähnliche Anteile und Ent-wicklungen zeigen, offenbart die DBW einen weit überdurchschnittlichen Anteil von Beiträgen mit Häufigkeitsauswertungen, der über den gesamten Zeitraum bei ca 72 % liegt Es zeigt sich zwar auch für diese Zeitschrift ein langsam fallender Trend, den-noch ist die Anwendung komplexerer Techniken in der DBW immer noch deutlich unterrepräsentiert

Insgesamt ist zu Beginn des 21 Jahrhunderts ein intensiver und breit gefächerter satz von Methoden zur empirischen Forschung zu beobachten, wohingegen der Ein-satz einfacher Analyseinstrumente, wie beispielsweise die Häufigkeitsauswertung oder Korrelationsanalyse, eine rückläufige Tendenz aufweist Die betriebswirtschaftli-che Forschung reagiert demnach auf spezifischer werdende Aufgabenstellungen mit einem differenzierten Einsatz von Forschungsansätzen und schöpft dabei die Band-breite des empirischen Analyseinstrumentariums nahezu vollständig aus Verstärkt wird diese Entwicklung durch die kontinuierliche Ausbreitung der Anwendung empi-rischer Methoden in den verschiedenen Teildisziplinen der Betriebswirtschaftslehre, wie nachfolgend dargestellt wird

Die meisten empirischen Forschungsarbeiten sind dem Marketing zuzuordnen Für

ei-ne Disziplin, deren originäre Aufgabe in der Ausrichtung aller Unterei-nehmensaktivitä-ten an den Kundenbedürfnissen besteht, ist die Kenntnis dieser Bedürfnisse von ele-mentarer Bedeutung und kann zumeist nur über empirische Erhebungen erlangt wer-den Insgesamt sind in den betrachteten Zeitschriften im analysierten Zeitraum 282 Beiträge erschienen, die Fragestellungen des Marketing behandeln, was ungefähr ei-nem Drittel aller empirischen Forschungsarbeiten entspricht Von untergeordneter Be-

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deutung hingegen ist der Bereich Produktion; hier kommen offensichtlich zur wortung der zentralen Forschungsfragen nur in seltenen Fällen empirische Methoden zum Einsatz

Beant-Die nachstehende Abbildung 6 verdeutlicht die Dominanz des Marketings, zeigt aber auch, dass der Anteil der Beiträge an der Gesamtzahl empirischer Forschungsarbeiten

in der letzten betrachteten Dekade trotz einer Steigerung der absoluten Zahl rückläufig gewesen ist:

Abbildung 6: Anwendung empirischer Methoden nach Funktionsbereichen

Quelle: Eigene Darstellung

Diese Entwicklung ist in erster Linie auf die zuletzt deutlich gestiegene Zahl scher Anwendungen im Bereich Finanzwirtschaft zurückzuführen Mit der wachsen-den Bedeutung dieser Disziplin einhergehend nimmt auch der Anteil an den empiri-schen Publikationen zu und lag zwischen 1995 und 2004 bereits bei knapp 15%, wenngleich der Schwerpunkt der quantitativen Anwendungen in der Finanzwirtschaft nach wie vor bei den Optimierungsmethoden liegt

empiri-Die zentralen Erkenntnisse können auch bei einer spezifischen Betrachtung der zelnen Zeitschriften bestätigt werden: In allen drei Zeitschriften ist das Marketing am stärksten vertreten, wobei die Finanzwirtschaft zuletzt überdurchschnittlich hohe Wachstumsraten aufweist Kleinere Unterschiede ergeben sich im Hinblick auf die Bedeutung der übrigen Bereiche So werden beispielsweise in der DBW überdurch-schnittliche viele Beiträge publiziert, die den Themengebieten „Organisation“ oder

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ein-„Sonstige“ zuzuordnen sind Letzteres ist auf die vergleichsweise große Zahl von Veröffentlichungen zur Universitätsausbildung oder zum Hochschulmanagement zu-rückzuführen In der ZFB und in der ZfbF haben dagegen Beiträge aus der Allgemei-nen BWL einen hohen Stellenwert, was allerdings in erster Linie auf die Publikatio-nen im ersten betrachteten Jahrzehnt zurückgeht Da die DBW in diesem Zeitraum noch nicht erschienen ist, fehlt hier der Vergleichsmaßstab Aber auch zwischen 1995 und 2004 fällt der Anteil an Publikationen zur allgemeinen BWL in der DBW deutlich niedriger aus als in den beiden anderen Zeitschriften

4.4 Perspektiven

Empirische Methoden durchdringen in zunehmendem Maße die BWL und bilden die Basis für die Vorbereitung unternehmerischer Entscheidungen und erfolgsorientierter Unternehmenssteuerung In der untersuchten deutschsprachigen Fachliteratur ist diese Entwicklung durch eine kontinuierliche Zunahme entsprechender Publikationen do-kumentiert Die methoden- und kategorienspezifische Analyse hat gezeigt, dass die empirische Forschung sich an die Wandlungen und Anforderungen der Wirtschaft so-wie des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts anpasst Forschungsaktivitä-ten in wachsenden Funktionsbereichen werden ebenso intensiviert wie die Anwen-dung hoch entwickelter und leistungsfähiger Methoden

Mit der Weiterentwicklung der bestehenden Verfahren zur Datenauswertung und -analyse ist davon auszugehen, dass die empirische Forschung auch in Zukunft an Be-deutung gewinnt Dieser Trend wird noch verstärkt durch neue Ansätze in den ande-ren Phasen einer empirischen Analyse, vor allem in der Datenerhebung Hier führt der Einsatz der modernen Informations- und Kommunikationstechnologien zu einer er-heblichen Kosten- und Zeitersparnis bei der Generierung umfangreicher und repräsen-tativer Datensätze Aufgrund der originären Zielsetzung wird dabei das Marketing si-cherlich die dominierende Disziplin in diesem Bereich bleiben Daneben muss sich zeigen, ob die zuletzt überdurchschnittlich stark gestiegene Zahl empirischer Arbeiten aus dem Bereich Finanzierung sich auch im laufenden Jahrzehnt bestätigen lässt Von geringer Relevanz werden die empirischen Verfahren voraussichtlich auch in Zukunft

in den Bereichen Produktion sowie Rechnungswesen und betriebliche Steuerlehre sein Die relativen Anteile der Bereiche Organisation und Personalwirtschaft können auf Basis der vorliegenden Daten nicht eindeutig bewertet werden Hier wären be-reichsinterne Analysen der Anwendungen hilfreich, um einzelne wachsende bzw schrumpfende Unterkategorien identifizieren zu können

Trang 35

5 Schlussbetrachtung und Ausblick

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass quantitative Forschungsmethoden in der BWL auf dem Vormarsch sind Dies gilt vor allem für die empirische Forschung An-dererseits ist zu beobachten, dass die Rigorosität der jüngeren Methoden – sowohl im Bereich der Optimierungsverfahren als auch auf dem Gebiet der empirischen For-schung – die Relevanz der bearbeiteten Fragen und das Gewicht der präsentierten Antworten teilweise in den Hintergrund drängen

Diese Entwicklung war bereits vor längerer Zeit auf dem Gebiet des Operations search, das sich mit der Vorbereitung optimaler Entscheidungen bzw einer zielgerichte-ten Ausgestaltung von Unternehmensprozessen beschäftigt, zu verzeichnen Anwen-dung finden die Methoden des Operations Research überall dort, wo klar abgrenzbare Entscheidungen auf quantitativer Grundlage zu treffen sind, z B bei der Optimierung von Produktionsprogrammen, der Lösung von Kapazitätssteuerungs- und Reihenfolge-problemen, der Gestaltung optimaler Investitions- und Finanzierungsprogramme, Prob-lemen der Lagerhaltung oder der Steuerung von Werbeaktivitäten Durch die Hinwen-dungen zu Heuristiken hat das Operations Research jedoch wieder an Bedeutung für die Unternehmenspraxis gewonnen

Re-Der stark wachsende Bereich der empirischen Forschung umfasst den Einsatz scher Analysetechniken Dabei lassen sich betriebswirtschaftliche Theorien oder Kon-zepte nicht unmittelbar mittels empirischer Daten überprüfen, sondern erst die Konse-quenzen der Theorien sind empirisch überprüfbar (Schanz, 1977, S 69) Statistische Verfahren sind grundlegende Werkzeuge in vielen betriebswirtschaftlichen Anwen-dungsgebieten, sei es, um hinsichtlich eines theoriegeleiteten Empirismus Theorien als Realphänomen bzw ihre Gültigkeit in der betriebswirtschaftlichen Praxis zu überprüfen oder, um (im Umkehrschluss) Zusammenhänge und Phänomene in der Realität als Er-

statisti-kenntnisgrundlage für die theoretische Forschung heranzuziehen (Hauschildt, 2003,

S 22 f.) Gleichwohl ist zu berücksichtigen, dass in der empirischen Forschung - sehen von vereinzelten Laborexperimenten - die in den Theorien unterstellten Idealbe-dingungen nicht herbeigeführt werden Meist wirken verschiedene Gesetzmäßigkeiten simultan aufeinander ein Das macht es schwer, den Erkenntnisstand in der BWL durch empirische Kontrollen zu verbessern Dennoch kann die Geltungsfrage von Hypothesen oder Konzepten, die reichhaltig in der BWL angeboten werden, letzten Endes nur an-hand von Fakten entschieden werden

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Innovationen im Großhandel

Volker Tschirch

Volker Tschirch M.A., Sprecher des Vorstandes, AGA Unternehmensverband handel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V., Kurze Mühren 2, 20095 Hamburg, Tel.: 040/30801–0, Fax: 040/30801–107, volker.tschirch@aga.de, www.aga.de

Trang 40

1 Gibt es gute Gründe für Innovationen? .29

2 Gibt es eine Innovationskultur im deutschen Großhandel? 29

3 Sind Innovationen per se Treiber zur Reduktion von Arbeitslosigkeit

und zur Steigerung des Wirtschaftswachstums? .32

4 Gibt es innovative Geschäftsmodelle für den Großhandel? .34

5 Innovationsstrategien im norddeutschen Groß- und Außenhandel .37

6 Mit welchen Schwierigkeiten ist bei Entwicklung und Einführung

von Innovationen zu rechnen? 40

7 Fazit: Dank innovativer Geschäftsmodelle hat der Großhandel

in Deutschland eine sichere Zukunft .43

Ngày đăng: 28/08/2021, 13:51

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