ZUSAMMENFASSUNG Titel der Arbeit: Ein Vergleich der deutschen und der vietnamesischen Kultur am Beispiel der Erzählweise des deutschen Märchen Aschenputtel und des vietnamesischen Märch
Trang 1FREMDSPRACHENHOCHSCHULE DER NATIONALUNIVERSITÄT HANOI
FAKULTÄT FÜR DEUTSCHE SPRACHE UND KULTUR
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Bachelorarbeit
EIN VERGLEICH DER DEUTSCHEN UND DER VIETNAMESISCHEN KULTUR AM BEISPIEL DER ERZÄHLWEISE DES DEUTSCHEN MÄRCHEN ASCHENPUTTEL UND DES VIETNAMESISCHEN
MÄRCHEN TAM CAM
Namen : Nguyen Cuc Phuong Geburtsdatum : 13.08.1998 Jahrgang : QH.2016
Betreuerin : Dr Jennifer Gronau
Deutschland, 08.06.2020
Unterschrift der Betreuerin
HANOI – 05 2020
Trang 2TRƯỜNG ĐẠI HỌC NGOẠI NGỮ - ĐẠI HỌC QUỐC GIA HÀ NỘI
KHOA NGÔN NGỮ VÀ VĂN HÓA ĐỨC
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KHÓA LUẬN TỐT NGHIỆP
SO SÁNH VĂN HÓA VIỆT NAM VÀ VĂN HÓA ĐỨC THÔNG TRUYỆN CỔ TÍCH ĐỨC (CÔ BÉ LỌ LEM) VÀ TRUYỆN
CỔ TÍCH VIỆT NAM (TẤM CÁM)
Họ và tên : Nguyễn Cúc Phương Ngày sinh : 13.08.1998
Khóa : QH.2016 Giáo viên hướng dẫn : Ts Jennifer Gronau
HÀ NỘI – 05 2020
Trang 4DANKSAGUNG
Mein hauptsächlicher Dank gilt meiner Betreuerin Prof Jennifer Gronau für ihre kritischen wie hilfreichen Anregungen während des gesamten Betreuungszeitraums Ohne die Unterstützung meiner Betreuerin wäre mir das Schreiben dieser Abschlussarbeit in dieser Form nicht möglich gewesen Dafür möchte ich an dieser Stelle Danke sagen
Mit dieser Seite möchte ich mich auch bei meinen Kollegen bedanken, die auf unterschiedliche Art und Weise zum Gelingen dieser Arbeit beigetragen haben Bedanken möchte ich mich ebenfalls bei M.A Mirjam Herklozt, denn sie hat
in ihrem Seminar „Wissenschaftliches Arbeit” mein Interesse an das Thema meiner Forschungsarbeit geweckt
Trang 5ZUSAMMENFASSUNG
Titel der Arbeit: Ein Vergleich der deutschen und der vietnamesischen Kultur
am Beispiel der Erzählweise des deutschen Märchen Aschenputtel und des vietnamesischen Märchen Tam Cam
Name des/der Studierenden: Nguyen, Cuc Phuong
Betreuer/in: Dr Jennifer Gronau
Anmerkung:
Die Kultur wird zwar unter verschiedenen litararischen Textsorten dargestellt, aber Textsorte Märchen ist besonders Denn die Leser können einfach bei dieser Textsorte die neuen Kulturkenntnisse mit einfachen Wörten kennenlernen Aus diesem Grund entscheide ich mich, meine Forschungsarbeit zu diesem Thema zu verfassen
Die Arbeit beschäftigt sich mit folgenden Fragen: Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen dem deutschen Märchen „Aschenputtel“ und dem vietnamesischen Märchen „Tam Cam“?; Welche kulturell bedingten Unterschiede beider Märchen können identifiziert werden?; Verändern die kulturell bedingten Unterschiede der jeweiligen Fassung die Botschaft der Geschichte?
Um die Antworten der vorliegenden Fragen zu finden, werden drei Forschungsmethode: Rechecher, Analyse und Vergleich verwendet
Zum Schluss erhalte ich die folgenden Ergebnisse Zuerst sind Aschenputtel und Tam Cam zwei erfolgreiche Märchen aus der deutschen und der vietnamesischen Kultur Sie reflektieren die Probleme jeder Gesellschaft Obwohl Aschenputtel und Tam Cam ein gemeinsames Motiv haben, werden einige Einzelheiten aufgrund der unterschiedlichen Kulturen in den jeweilligen Fassungen verändert Die Unterschiede beziehen sich auf Stereotype, Glaube, Tradition sowie die Religion in den jeweiligen Gesellschaften Außerdem führen die Unterschiede in der Kultur zu der Änderung in einigen Details jeweiliger Fassung, aber die Botschaft in beiden Geschichten wird behalten
Hanoi– 05 2019
Trang 6INHALTVERZEICHNIS
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS 1
EINLEITUNG 1
1 Themenwahl 1
2 Forschungsgegenstand 1
3 Forschungsfragen 2
4 Forschungsziele 2
5 Forschungsmethoden 3
6 Forschungsaufbau 3
HAUPTTEIL 4
1 Theoretische Grundlage 4
1.1 Definition und Merkmale der Textsorte „Märchen“ 4
1.2 Kultur durch Märchen 8
1.2.1 Der Begriff „Kultur“ 8
1.2.2 Die Beziehung zwischen Kultur und Literatur 10
2 Überblick über ,,Aschenputtel“ und ,,Tam Cam“ 13
2.1 Hintergrund und Zusammenfassung des deutschen Märchens (Aschenputtel) 13
2.1.1 Der Hintergrund des Aschenputtel Märchen 13
2.1.2 Die Zusammenfassung des Aschenputtel Märchens 14
2.2 Hintergrund und Zusammenfassung des vietnamesischen Märchens (Tam Cam) 15
2.2.1 Der Hintergrund des Tam Cam Märchens 15
2.2.2 Die Zusammenfassung des Tam Cam Märchen 15
3 Analyse 17
3.1 Details in ,,Aschenputtel“ 17
3.1.1 Der Ausgangspunkt 17
3.1.2 Der Titel „Aschenputtel“ 18
3.1.3 Die Symbolik aus die Aussage der Stiefmutter 19
Trang 73.1.4 Die schweren Arbeiten im Haus 20
3.1.5 Die Helferfunktion 21
3.1.6 Die Bedeutung der gestellten Aufgabe der Stiefmutter 23
3.1.7 Die Flucht der Hauptfigur 23
3.1.8 Die Schlüssel zum Glück 23
3.1.9 Das Ende der Geschichte 24
3.1.10 Die Botschaften der Geschichte 25
3.2 Details in ,,Tam Cam“ 26
3.2.1 Der Titel „Tam Cam” 26
3.2.2 Der Ausgangspunkt 26
3.2.3.Die Haushaltsarbeiten Tams 27
3.2.4.Die Bedeutung des Reis„ in der vietnamesischen Kultur (durch die gestellte Aufgabe von der Stiefmutter) 29
3.2.5.Die Helferfunktion 29
3.2.6 Die Schlüssel zum Glück 30
3.2.7 Die Wiedergeburt von Tam 31
3.2.8 Das Ende 33
3.2.9 Die Botschaften der Geschichte 33
4 Vergleich 34
4.1 Gemeinsamkeiten zwischen ,,Aschenputtel“ und ,,Tam Cam” 34
4.2 Unterschiede zwischen ,,Aschenputtel“ und ,,Tam Cam” 36
FAZIT 41
LITERATURVERZEICHNIS 43
Trang 8ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
Trang 9EINLEITUNG
1 Themenwahl
Die Deutschlernenden wollen nicht nur Deutsch fließend beherrschen, sondern auch die deutsche Kultur kennenlernen Märchen sind ein nützlicher Kanal, dadurch werden vielfältige kulturelle Aspekte wie Bräuche, Traditionen, Gewohnheiten, usw dargestellt Nach jedem Märchen, jeder Figur oder jedem Detail findet man immer die Bedeutungen Auf der Welt entstanden Märchen früh durch mündliche Tradierung und betrachten das Erzählen von sagenhaften Geschichten und Märchen als ,,Grundbedürfnis“ des menschlichen Lebens Märchen sind trotz gleicher Themen in verschiedenen Kulturen anders formuliert, darum wird diese Arbeit die Erklärungen unterschiedlicher Formulierungen geben, insbesondere vietnamesische und deutsche Fassung Der Vergleich basiert auf der Differenz zwischen asiatischer und europäischer Kultur, nämlich ist, dass vietnamesische Märchen die asiatische Kultur vertreten und deutsche Märchen die europäische Kultur verkörpern Gleichzeitig gilt diese Forschungsarbeit als Wissenszusammenfassung über Kulturen Darüber hinaus gibt es bisher nicht wenige Forschungen der deutschen und vietnamesischen Kultur, allerdings beschäftigt dieses Thema einen neuen und spezifischen Aspekt der Kultur Ein anderer Grund für meine Themenwahl ist, dass die Studierenden im Rahmen des Studienprogramms auch deutsche Kultur studieren, deswegen bildet diese Forschungsarbeit sinnvolles Material, um den Lernenden mehr Kenntnisse über die deutsche Kultur zu vermitteln
2 Forschungsgegenstand
Die Auswahl des Forschungsgegenstandes beruht auf drei Kriterien Zuerst müssen vietnamesische und deutsche Märchen ein gleiches Motiv haben, damit der Vergleich stark verdeutlicht wird Es ist auch wichtig, dass jedes Märchen über typische Kultureigenschaften verfügt, um diese Forschungsarbeit zu unterstützen Popularität beider Märchen ist ein wesentliches Element für die Wahl des Forschungsgegenstandes, damit die Leser mit ihren Grundkenntnissen einfacher
Trang 10deutsche und vietnamesische Märchen vergleichen können Aus diesen Gründen
werden Aschenputtel (KHM21 – Kinder-und Hausmärchen gesammelt durch die Brüder Grimm 1857) und ein der beliebten Märchen in Vietnam, benannt Tam Cam, ausgewählt Die volkstümlichen Geschichten Aschenputtel und Tam Cam besitzen
gleiches Motiv sowie überliefern jedoch typische kulturelle Werten des jeweiligen Landes
3 Forschungsfragen
Im Rahmen der Forschungsarbeit werden drei folgende Hauptfragen antwortet:
- Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen Aschenputtel und Tam Cam?
- Welche kulturell bedingten Unterschiede beider Märchen können identifiziert werden?
- Verändern die kulturell bedingten Unterschiede der jeweiliger Fassung die Botschaft der Geschichte?
4 Forschungsziele
Diese Forschungsarbeit wird mit drei Zielen geschrieben Zuerst mit der Hoffnung, dass die Arbeit die Begeisterung Studierender und Studieninteressierter für spannende Themen beim Deutschlernen wecken soll Außerdem konzentriert meine Forschungsarbeit sich auf die Interpretation der typischen kulturellen
Merkmale in Aschenputtel und Tam Cam Dadurch werden die Gemeinsamkeiten
und Unterschiede in der deutschen und der vietnamesischen Kultur aufgewiesen Vor allem möchte diese Forschungsarbeit das Wissen über deutsche und vietnamesische Kultur durch Ergebnisse bieten Es ist unbestreitbar, dass die Kultur durch viele Kanals sich zu übermitteln lässt Einer davon ist die Märchen, die genau die kulturelle Merkmalen einer Region beschreibt Zusätzlich hat die große Zahl der Kinder, Jugendlichen und sogar Erwachsenen das massive Interesse an die Märchen Aus diesem Grund möchte die Forscherin die deutsche und vietnamesische Kultur bei der Analyse der Textsorte Märchen im Kopf der Leser schnell bringen
Trang 115 Forschungsmethoden
Um diese Forschung zu verfassen, benutze ich drei Forschungsmethoden
Am Anfang wurden vielfältige Bücher und Quellen über Märchen im Internet gelesen Und dann wird die Recherche, Analyse und der Vergleich durchgeführt
Am Ende der Arbeit sollen die Ergebnisse ausgewertet werden
6 Forschungsaufbau
Diese Forschungsarbeit besteht aus vier Hauptteilen Der Anfang der Arbeit wird die theoretische Grundlage von allgemeine bis bestimmte und konkrete aufgewiesen, die wichtig für alle Teilen dahinter ist Zum zweiten Teil beschäftigt die Forschungsarbeit mit dem Überblick über Aschenputtel und Tam Cam, damit die Leser die Grundinformationen über die beiden Märchen erfassen können Im nächsten Teil bekommen die hervorhebenden Details der beiden Märchen ausführlich interpretiert Am Ende werden die Ähnlichkeiten und Unterschiede in beiden Geschichten unter kulturelle Aspekte zusammengefasst und erläutert
Trang 12HAUPTTEIL
1 Theoretische Grundlage
1.1 Definition und Merkmale der Textsorte „Märchen“
Nach unterschiedlichen Forschungen über die Textsorte Märchen wird eine
für diese Arbeit gültige Definition des Begriffs Märchen formuliert
Nach Neuhaus1 stammt das deutsche Wort „Märchen“ von „Märe“, aus dem Althochdeutschen „mari“, das die Bedeutung ‚Kunde„, ‚Erzählung„ oder
‚Gerücht„ hat Der Begriff ist ein Diminutiv Es geht bei dem Märchen um eine kleine Erzählung wunderbaren Inhalts, in der kein Anspruch an Geschichtlichkeit und Heilgeschichtlichkeit, die im Mittelalter als sehr wichtig angesehen wurden, gestellt wird In Frankreich kamen die ersten so genannten französischen Feen- und morgenländischen Märchen zum Vorschein, an denen sich weitere europäische Erzählweisen orientierten In Deutschland verstärkte der Erfolg der Sammlung von Grimm und Bechstein und die Dichtungen (und Theorien) der deutschen Romantiker und Andersens das Prestige von Märchen im 18 Jahrhundert Durch
den Erfolg der Sammlung von Grimm erzielte der Begriff Märchen große Wirkung
auf den deutschsprachigen Raum
Zu der Definition des Märchens hat Max Lüthi2 auch geschrieben, dass die
Verkleinerungsformen „Märchen“ früh einer Bedeutungsverschlechterung
unterlagen und erfundene, auf unwahre Geschichten bezeichnen
Wesselski3 sagte auch über die Definition des Märchens: „ Das Märchen ist eine Kunstform der Erzählung, die neben Gemeinschaftsmotiven auch in einer die Entwicklung der Handlung bestimmenden Weise Wundermotive verwendet.“
In Duden Literatur Basiswissen4 heißt es schon: ,, Märchen sind kürzere, aus der mündlichen Volkstradition aller Völker überlieferte Prosaerzählungen Im Gegensatz zu den Sagen, die ein tatsächliches Geschehen aufgreifen, sind Märchen frei erfunden Man unterscheidet Volksmärchen und Kunstmärchen." Die Textsorte
1 Vgl Neuhaus, Stefan: Märchen, Tübingen und Basel, Deuschland: A Franke Verlag , 2017, S 2
2 Vgl Lüthi, Max: Märchen, Stuttgart, Deutschland: Merzler Verlag , 1990, S.5
3 Vgl Albert, Wesselski: Deutsche Märchen vor Grimm, München, Deutschland: Brünn, 1943, S.104
4
Duden Basiswissen Schule: Literatur, 2 Auflage Mannheim-Leipzig- Wien-Zürich: Dudenverlag, S.93f
Trang 13Märchen lässt sich in Volksmärchen und Kunstmärchen untergliedern laut dem
als Sammelbegriff in der Literatur verwendet sowie synonym für Volksmärchen
gebraucht Sowohl Aschenputtel, eines der berühmtesten Märchen aus der Sammlung Kinder- und Hausmärchen, als auch Tam Cam, eines der beliebtesten
Märchen in Vietnam, gehören zu den Volksmärchen Deswegen werden in dieser Forschungsarbeit die Definition sowie die Merkmale von Volksmärchen verwendet
Im Unterschied zur anderen Textsorten wie die Sage und die Legende besitzt
das Märchen, insbesonders Volksmärchen, typische Merkmale Die Zielgruppe
dieser Textsorte waren ursprünglich Erwachsene, aber die Geschichten sind bei Kindern aufgrund ihrer einfachen Erzählstrukturen und Worte bei Kindern besonders beliebt Darunter werden die ausführlichen Merkmale der Gattung Märchen benannt:
1 Das erste Merkmal liegt im Handlungsverlauf, der in fast allen Märchen gleich ist Max Lüthi7 hat betont: „Das allgemeinste Schema, das dem europäischen Volksmärchen zugrunde liegt, ist: Schwierigkeiten und ihre Bewältigung Kampf/ Sieg, Aufgabe/ Lösung sind Kernvorgänge des Märchengeschehens In diesem Schema, hinter dem das allgemein menschliche Erwartung/ Erfüllung steht, ist der gute Ausgang, den man als Charakteristikum des Märchen zu nennen pflegt, eingeschlossen.“ Fast alle Märchen neigen zu ein Happy End: Das Gute ,,gewinnt“ und das Böse ,,verliert“ „Das Märchen ist eine Liebesgeschichte mit Hindernissen,
Trang 14die ihren Abschluß in der endgültigen Vereinigung des Paares findet“ (Walter A
Berendsohn, Grundformen volkstümlicher Erzählerkunst in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, 1921 [21968], S 29f., 35)
2 Die Orte, die Zeit und die Namen der Figuren im Märchen sind
normalerweise unbestimmt Stefan Neuhaus sagte: ,,Das Geschehen ist ort- und zeitlos, alle entsprechenden Angaben sind so allgemein, dass man nicht rekonstruieren kann, wann und wo es sich zuträgt.“ 8Zu diesem Punkt schrieb Andre Jolles9 auch, dass die Örtlichkeit „in einem fernen Lande, weit, weit von hier" liege, die Zeit „lange lange her" sei; oder der Ort nirgends und überall sei, die Zeit
nie und immer
3 Märchen neigen immer zum Happy End, mit der die Erwartungen und die Wünschen von Menschen über glückliches Leben mit Gerechtigkeit erfüllt werden
4 Anders als die Figuren in anderen Textsorten tragen die Figuren im Märchen keine Namen, sondern sie werden nur mit allgemeinen Benennungen wie Prinz,König, Königin, Königstochter, Königssohn, Zwerg, Hexe, usw bezeichnet Besonders werden die Figuren in fast allen Märchen in großem Kontrast erstellt, wie zum Beispiel der/die Gute und der/die Böse oder der/die Arme und der/die Reiche, die den Charakter der Figuren abbilden, sind typisch im Märchen Einerseits verkörpern die guten Figuren immer bestimmte Tugenden; andererseits besitzen die Kontrastfiguren gegenteilige Laster Daneben betrachtet ist der Held eine der wichtigsten Figuren im Märchen, auf die alle andere Figuren bezogen sind
Über die Eigenschaften des Helden führte Bettelheim in Kinder brauchen Märchen
aus, dass der Held entweder höchster oder niedrigster Herkunft hat, entweder die gute, fließige Person oder die wunderschöne Königstochter, entweder weiblich oder männlich ist.10 Interessant ist hier, dass die Heldinnen in einigen beliebten Märchen wie Schneewittchen, Aschenputtel oder Rotkäppchen die Namen tragen, die die Merkmale der Hauptfiguren bezeichnen
8
Neuhaus, Stefan: Märchen Tübingen und Basel: A Franke Verlag 2017, S.7
9
Jolles, Andre, Einfache Formen: Legende, Sage, Mythe, Rätsel, Spruch, Kasus, Memorabile, Märchen, Witz
Tübingen: Max Niemeyer Verlag 1968, S.244
10
Bettelheim, Bruno: Kinder brauchen Märchen München: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH, 1997, S.15-16
Trang 155 Gemeinsame Formel gilt als ein Merkmal des Märchens Die meisten Märchen beginnen mit typischen Einführungsformeln: „es war einmal“; „in einem schönen Königreich, vor Zeiten waren ein König und eine Königin“ und beenden mit typischen Schlussformel: „und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie glücklich noch heute“
6 Es ist auffällig, dass die Helfer, eine wichtige Nebenfigur, in den meisten Märchen vorkommt und zu der außermenschlichen Welt gehört.11
Diese Nebenfigur hilf den Helden dabei, im Kampf gegen Gegner zu gewinnen Die Helfer treten nur momentan in Erscheinung, wenn dies notwendig ist Ein gutes Beispiel dafür ist der Helfer, ein weißer Mann, in der Geschichte von Tam Cam Der Mann schickte die Spatzen, um der Heldin zu helfen
7 Ein unbedingtes Merkmal des Märchens ist die Phantasie; es geschehen magische Dinge, die zu einem bestimmten Zweck in bestimmten Situationen entstehen In der Fabel können Tiere und Pflanzen sprechen oder handeln wie Menschen und verfügen über Zauberkräfte, um die Helden oder Heldinnen zu unterstützen Neben den Fabelwesen spielen die wunderlichen Dinge mit übernatürlicher Eigenschaft, wie der Siebenmeilenstiefel, der wunderbare Spiegel, die Wunderlampe oder der fliegende Teppich, eine wichtige Rolle Im Märchen treten auch die „magische Zahlen“ mit besonderen Bedeutungen wie drei, sieben, neun, zwölf und dreizehn auf
8 Vor allem tragen Märchen immer pädagogische Botschaften in sich „Die Botschaft der Märchen kommt offenbar den Wünschen, Bedürfnissen, Hoffnungen oder Ängsten der Menschen entgegen.“12 Durch die Botschaften von Märchen lernen die Leser sowohl wie man ein guter Mensch werden kann als auch wie man Aufgaben und Probleme, wie sie in den Geschichten thematisiert werden, lösen kann Obwohl die Ereignisse in den Märchen phantasievoll sind, sind die Situationen nah an der Wirklichkeit und die Leser könnten ähnliche Erfahrungen machen
Trang 169 Einige Literaturwissenschaftler vertreten die Ansicht, dass das Märchen als „Erziehungsbuch“ fungieren soll, wie zum Beispiel: Rose Marie Feyen (Märchen -erlebte und gelebte Erziehung, Bonn, 2011)13 Die Gefühle, das Handeln und das Denken von Kindern werden nicht nur durch Erwachsene in der Familie durch die Erziehung beeinflusst, sondern auch durch Geschichten wie zum Beispiel Märchen Im Alltagsleben lesen, hören und schauen die Kinder oft Märchen, deswegen prägt diese Gattung unbewusst die Kinderwahrnehmung Durch die Handlungen der Figuren unterstützen Märchen die Kinder bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit und unterstützen sie dabei, einen objektiven Blick auf die Welt zu
gewinnen Bruno Bettelheim schrieb auch: „Das Märchen unterhält das Kind, klärt
es über sein Inneres auf und fördert seine Persönlichkeitsentwicklung“14 Mit dem inneren Konflikt können die Leser das Gute und das Böse im Leben identifizieren Dadurch stärkt es sein Selbstbewusstsein und formt seine Moralvorstellungen Dem
Autor ging es auch darum: „ […] dem Kind dabei zu helfen, einen Sinn im Leben zu finden Das Kind muss in seiner Entwicklung lernen, sich selbst immer besser zu verstehen; dann vermag es auch andere zu verstehen und schließlich befriedigende und sinnvolle Beziehungen mit ihnen herzustellen.“15 Schließlich wird betont, dass Märchen sich positiv in vielerlei Hinsicht auf das Kind auswirken Vor allem soll das Kind die Charaktereigenschaften wie Schönheit und Hässlichkeit, Fleiß und Faulheit, Neid, Neugier und Hochmut erkennen und verstehen Abgesehen davon werden dem Kind auch Lösungswege für Problemsituationen in seinem Leben geliefert Außerdem wird durch die Identifizierung zwischen Guten und Bösen dem Kind auch gezeigt, was Gerechtigkeit ist
1.2 Kultur durch Märchen
1.2.1 Der Begriff „Kultur“
Bevor der pädagogische Aspekt beleuchtet wird, soll zunächst auf den
Begriff der „Kultur“ eingegangen werden
13 Feyen, Rose Marie: Märchen -erlebte und gelebte Erziehung, 2011, Bonn
14 Bettelheim, Bruno: Kinder brauchen Märchen München: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH, 1997, S.12
15
Bettelheim, Bruno: Kinder brauchen Märchen München: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH, 1997, S.9
Trang 17Obwohl der Begriff der Kultur oft in der Literatur erwähnt wird, ist es schwierig, „Kultur“ genau zu definieren Es gibt zahlreiche Antworten von verschiedenen Autoren auf die Frage „was ist Kultur?” Im Duden wird die
Definition auf „die Gesamtheit der geistigen, künstlerischen und wissenschaftlichen Leistungen, die ein Volk und /oder eine Epoche charakterisieren“ beschränkt
(Duden) Aber in dieser Forschungsarbeit wird die Definition von Lourdes16 in
Landeskunde und interkulturelles Lernen verwendet, weil die fast alle wichtigen
Aspekte der Kultur umfasst Dadurch können die Leser deutlichen Überblick über
Kultur haben Insgesamt fasst Lourdes den Begriff Kultur in drei Punkte:
„Kultur prägt Menschen umfassend“
„Kultur umfasst das Handeln, Wahrnehmen, Denken, Fühlen und Bewerten von Menschen So ist es zum Beispiel weitgehend kulturell geprägt, ob wir bei einem Igel „süß“ oder „lecker“ denken, und in welchen Situationen wir Eifersucht fühlen Dabei gleicht Kultur einem Eisberg: Der größte Teil ist unsichtbar, d h die kulturelle Prägung ist weitergehend unbewusst Finden wir eine geringe körperliche Distanz zu Unbekannten befremdend, so ist uns meist nicht bewusst, dass unsere Bewertungen kulturell geprägt sind und die Distanz für andere angenehm und normal sein kann.“
„Es gibt keine Nationalkulturen“
„Kultur wird in Gruppen durch soziale Interaktion und Anpassung erworben Welche Musik oder Freizeitaktivitäten wir mögen, hängt mehr vom direkten Umfeld ab als von der Nationalität Es gibt keine homogenen National- oder ethnischen Kulturen, aber es gibt nationale Stereotype Sie dienen der Orientierung im Kontakt mit anderen Kulturen Sie können nützlich sein, weil sie Anhaltspunkte zum Verstehen und Handeln geben Für einen ersten Kontakt ist es gut zu wissen, dass sich Deutsche oft per Handschlag begrüßen Bei näheren Kontakten kann man dann situations- und gruppenspezifische sowie individuelle Varianten erkennen.“
16 Ros, Lourdes (2016): Landeskunde und interkulturelles Lernen In: Brinitzer, M; Hantschel, H.-J.;
Kroemer, S.; Möller-Frorath, M.; Ros, L (Hrsg.): DaF unterrichten Basiswissen Didaktik Deutsch als Fremd- und Zweitsprache Stuttgart: Klett S 98
Trang 18„Kultur entwickeln sich ständig weiter“
„Kulturen haben einerseits eine statische, konservierende Tendenz, andererseits sind sie dynamisch und entwickeln sich ständig weiter Wenn wir z.B unsere moralischen Überzeugungen oder Ess- und Kleidungsgewohnheiten mit denen unserer Großeltern vergleich, gibt es oft nur weniger Übereinstimmungen Auch durch Migration verändert sich Kultur ständig, sowohl die der Zuwanderer als auch die der Zuwanderungsländer [ ] “
Kurz gesagt, Kultur stellt die Gesellschaftsform dar, d.h das Handeln, Denken, Fühlen und Bewerten von Menschen von jeder Gruppe sind anders Dieser Unterschied macht die verschiedenen Kulturen aus Außerdem verändert sich die Kultur einerseits im Laufe der Zeit, andererseits werden die traditionellen Werte noch bewahrt
1.2.2 Die Beziehung zwischen Kultur und Literatur
Kultur und Literatur haben eine herausragende Bedeutung für die Gesellschaft und nehmen engen Bezug aufeinander Jedes literarische Werk besitzt auch einen kulturellen Wert Phan Ngoc, ein vietnamesischer Übersetzer, Linguist und Kulturforscher hebt hervor, dass jedes Land immer enge Beziehung zwischen Kultur und Literatur hat Literatur gilt als eine der nützlichen Mittel, um die Kultur
zu bezeichnen Wenn Literatur die Funktion hätte, das Leben von Menschen zu reflektieren, könnte sie nicht direkt reflektieren, sondern durch kulturelle "Prismen", durch den "Filter" kultureller Werte
Die Epik, die Lyrik und die Dramatik gehören zu den drei literarischen Großgattungen Während Lyrik Gedichte aller Art mit Strophen, Versen, Reimen, rhetorischen Mitteln umfasst und Dramatik den Dialog und Monolog im literarischen Text beinhaltet, wird Epik auch erzählende Literatur genannt und umfasst Erzählungen in Vers- oder Prosaform wie Legende, Sage, Roman, Novelle usw Besonders ist das Märchen eine kleine Form der Epik, in dem Elemente der realen und magischen Welt miteinander verwoben werden Diese literarische Textsorte beschreibt genauer als andere das menschliche Leben und die Natur Seit frühester Zeit gibt es schon diese Textsorte Märchen und es wird als ein kollektives
Trang 19Gedächtnis und Träger menschlicher Werte betrachtet: „Literarische Texte besitzen generell einen großen Interpretationsspielraum So wird beim interkulturellen Lesen von Märchen ein „imaginativer Freiraum“ eröffnet, in den der Rezipient seine kulturelle Lebenserfahrung einbringen und davon seine Interpretation ableiten kann Werden Beschreibungen von Ereignissen und Handlungen in eine andere Kultur übertragen [ ].“17, d.h indem die Leser Märchen eines Landes oder einer Religion lesen, können sie einen Überblick, sogar ein Verständnis für ihre Kultur erhalten Bettina Hurrelmann und Karin Richter18 vertreten die Ansicht, dass das Märchen als ein Feld des Austauschs zwischen verschiedenen Kulturen dient
Es verhält sich so, Werte der Gesellschaft durch Märchen widergespiegelt wurden Von Land zu Land und von Region zu Region wurden Märchen anders konstruiert, weil die Gesellschaft und die Kultur unterschiedlich sind Die Veränderung ist beeinflusst von drei Hauptfaktoren: soziale, kulturelle und historische Faktoren
Sozialer Faktor: Eine Gesellschaft ist von einer Gruppe, die gemeinsamen
Wahrnehmungen, Denken, und Bewertung über eine Frage haben, geschafft Jeder Einzelne in der Gesellschaft ist für die folgenden Rollen verantwortlich.19
• Altersrolle: Kind, Jugendlicher, Erwachsener etc
• Geschlechterrollen: Mann, Frau
• Ausbildungsrollen: Grundschüler, Hauptschüler, Realschüler, Azubi, Studierende etc
• Berufsrollen: Polizist, Bäcker, Arzt, Sekretär, Psychologe etc
• Rollen im Privatleben: Vater/Mutter, Sohn/ Tochter, Freund, Ehepartner, Vereinsmitglied etc
Basierend auf der Rolle in der Gesellschaft werden die Beziehungen zwischen Figuren und der Kontext festgestellt Es gibt immer die Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen, deswegen entstehen immer die
17 Zhang, Yehong: Erzählung, Kognition und Kultur: Eine Untersuchung interkultureller Verstehensmuster
am Beispiel von Märchenlektüren, S.14
18
Erlinger, Hans Dieter: Karin Richter Bettina Hurrelmann (Hg.): Kinderliteratur im Unterricht Theorien
und Modelle zur Kinder- und Jugendliteratur im pädagogisch-didaktischen Kontext, S.7
19
Dieter, Frey Hrsg: Die Psychologie der Märchen: 41 Märchen wissenschaftlich analysiert- und was wir
heute aus ihnen lernen können Springer Verlag S.272
Trang 20Märchenversionen Denn Märchen reflektieren die Denkweise bei der Sprache einer Gesellschaft
Kultureller Faktor: Um den kulturellen Einfluss auf Märchenversionen zu
verdeutlichen, wird die kulturellen Bedingungen zuerst genannt Die jeweilige Region besitzt unterschiedliche Kultur, durch die Eigenschaften der Gruppe
repräsentiert wird Die Kultur erscheint in der Textsorte Märchen durch:
Beim Vergleich zwischen dem deutschen Märchen Dornröschen und einer
vietnamesischen Version von Chu Thu Phuong „Người đẹp ngủ trong rừng“ wird dieser Punkt erklärt Im Dornröschen schrieb der Autor: ,,Da trug sich zu, als die
Königin einmal im Bade saß, daß ein Frosch aus dem Wasser ans Land kroch
[ ].“, aber in vietnamesischer Version erzählte der Autor: „Thế rồi một lần, khi
hoàng hậu đang tắm, có một con cóc (Kröte) nhảy khỏi mặt nước [ ]” (Chu Thu
Phuong 2005: 32)21 Es führt dazu, dass diese Veränderung kulturelle Bedeutung bringt In vietnamesischer Kultur ist die Kröte ein Symbol im Märchen, weil sie oft ein göttliches Element hat, damit die Magie und Irrealität im Märchen betont wurden
20
Roth, Klaus Begegnung mit dem Wunderin Märchen, Sagen und Legenden: Märchen als Brücke
für Menschen und Kulturen Königsfurt-Urania Verlag 2011, S.101.
21 Chu, Thu Phuong (2015): 10 truyện cổ tích hay nhất Grimm: Người đẹp ngủ trong rừng, S.32
Trang 21Historischer Faktor: Im Laufe der Zeit verändert sich die Literatur immer,
besonders bei der Textsorte Märchen Nguyen Thi Ngoc Lan haltet dafür, dass in jedem Zeitalter neue Anforderungen an das Bewusstsein und spiegeln die reale Welt wieder entstehe, in der Menschen neue Innovationen habe, die sich an soziale Situationen und ästhetische Bedürfnisse anpasse Dies führe zu einem ständigen Wandel der Volksmärchen im Allgemeinen und der Märchen im Besonderen.22
Zusammenfassend ist folgendes zu sagen:
Märchen sind ein Spiegeln der Kultur in einer Gesellschaft, in der fast alle kulturellen Elemente wie Bräuche, Traditionen, Kunst, usw erscheinen Deswegen gilt das Märchen als ein wesentlicher Teil der Volkskultur Durch ihre einfachen Sprachen und Strukturen bilden Märchen eine Brücke, die zwei oder mehre Kulturen verbinden
Tatsächlich verändert sich das Märchen immer, weil Kultur instabil ist, d.h sie nehmen immer neue Elemente aus ausländischen Kulturen auf Nguyen Thi Ngoc Lan betont, dass der Prozess des kulturellen Austauschs auch Anlass für die Entwicklung und Veränderung von Märchen ist Das Ziel des Wandels ist die Anpassung mit menschlichen Anforderungen in jeweiligen Zeit, Ort und Kultur.23Aber Märchen trotz der Kulturveränderung immer ihre Grundwerte der eigenen Kultur bewahren kann, die von Generation zu Generation vermitteln
2 Überblick über ,, Aschenputtel“ und ,, Tam Cam“
2.1 Hintergrund und Zusammenfassung des deutschen Märchens (Aschenputtel)
2.1.1 Der Hintergrund des Aschenputtel Märchen
Eines der erfolgreichsten Märchen in Deutschland ist Aschenputtel, das von den Gebrüdern Grimm schriftlich festgehalten wurde Das Aschenputtel-Motiv entsteht mit unterschiedlichen Namen in verschiedenen Ländern, zum Beispiel
Aschenputtel in Deutschland, Cendrillon in Französisch Cenerentola in Italienisch,
Trang 22oder Soluschka in Russland Die erste schriftliche Fassung hat ihren Ursprung im
neunten Jahrhundert in China24 und danach wurden einige Details aus dem Original
im Laufe der Zeit verändert Die deutsche Fassung wurde von den Brüdern Grimm verschriftlicht und erstmals 1812 veröffentlicht 1857 erschien eine andere einfache Version von Aschenputtel, die uns überliefert wurde und heute vorliegt
2.1.2 Die Zusammenfassung des Aschenputtel Märchens
In diesem Märchen geht es um ein Mädchen, dessen Mutter stirbt und dessen Vater wieder heiratete
Die Töchter der neuen Stiefmutter verdrängten das Mädchen in die Küche und betrachteten Aschenputtel als Küchenmagd Sie durfte nur einen grauen Kittel und Schuhe aus Holz tragen und musste in der Küche neben dem Herd schlafen Weil dieser Platz von Asche bedeckt war und das Mädchen immer dreckig war, bekam sie den Namen „Aschenputtel“
Der Vater ging auf Reisen und brachte seinen Töchtern Geschenke ihrer Wahl mit Anders als die Wünsche der Stiefschwestern, die sich schöne Kleider und Perlen wünschten, wollte Aschenputtel nur einen Zweig, den sie auf das Grab ihrer Mutter pflanzte Jeden Tag ging sie zu dem Grab um zu weinen und zu beten Irgendwann hatte sie einen Wunsch, den sie von den weißen Vöglein erfüllt bekommen sollte
Der König veranstaltete ein drei Tage langes Fest und alle Jungfrauen des Landes waren eingeladen, damit sich der Sohn des Königs eine Braut suchen konnte Aschenputtel bat ihrer Stiefmutter darum, auch zu dem Fest gehen zu dürfen Aber die Stiefmutter gab ihr auf, Linsen aus der Asche zu lesen Obwohl sie die schwierigen zugewiesenen Aufgaben ihrer Stiefmutter mit Hilfe der Tauben und anderer Vögel löste, durfte sie das Fest nicht besuchen
Aschenputtel war sehr traurig und ging zu dem Grab ihrer Mutter Dort erhielt sie dreimal prächtige Kleider und hübsche Pantoffeln, in denen sie heimlich auf das Fest des Königs ging Als sie auf das Fest kam, wurde sie weder von ihren Stiefschwestern noch ihrer Stiefmutter erkannt Ihre bemerkenswerte Schönheit zog
24
Vgl Geiser, Julia: Aschenputtel von den Brüdern Grimm: Entstehungsgeschichte und Analyse, 2015, S.5
Trang 23sofort das Augenmerk des Prinzen auf sich Den ganzen Abend mochte der Prinz nur mit ihr tanzen und er wollte das Mädchen nach Hause bringen, aber Aschenputtel entwischte ihm Als sie zum dritten Mal heimlich von dem Fest fliehen wollte, verlor sie einen gläsernen Pantoffel auf den Treppen Der Prinz fand ihn und wollte mit dem Pantoffel die schöne Tänzerin finden Die Frau, die in den Pantoffel passte, sollte seine Braut werden Beide Stiefschwestern probierten den Schuh an und eine Tochter der Stiefmutter schnitt sich die Zehen ab, um in den Schuh zu passen Danach nahm der Prinz sie auf das Schloss, weil er dachte, dass sie die richtige Tänzerin sei Als die beiden am Grab von Aschenputtels Mutter vorbei ritten, erkannte der Prinz allerdings die falsche Wahl durch den Ruf der Vögel Zuletzt probierte Aschenputtel den Schuh an und natürlich passte ihr der Schuh wie angegossen Nachdem die Richtige gefunden worden war, wurde die Hochzeit des Prinzen und Aschenputtel organisiert Bei dieser Hochzeit pickten die Tauben beiden Stiefschwestern jeweils eine Auge aus Die Blindheit war die Bestrafung für ihre Bosheit und Falschheit25
2.2 Hintergrund und Zusammenfassung des vietnamesischen Märchens (Tam Cam)
2.2.1 Der Hintergrund des Tam Cam Märchens
Ein erfolgreiches vietnamesisches Märchen ist Tam Cam, das auch zu dem Aschenputtel-Motiv gehört Das Märchen wurde vor tausenden Jahren mündlich erzählt Wegen der mündlichen Tradierung gibt es vielen Varianten dieses Märchens, die in Abhängigkeit von Zeit und Ort erzählt wurden Aber die Fassung von Nguyen Ngoc Phan und die Fassung von Nguyen Dong Chi, die vor 30 Jahren veröffentlicht wurden, sind populär und heutzutage überliefert Früher kennen die Vietnamesen die älteren Aufzeichnungen von Do Than (1907), A Landes (1886) und G Jeanneau (1886)
2.2.2 Die Zusammenfassung des Tam Cam Märchen
Das Märchen Tam Cam handelt von der Konflikt zwischen das Mädchen Tam und ihre Stiefmutter und Stiefschwester Tam war sanftmütig, nett und fleißig
25 Brüder Grimm: KHM 21 Kinder- und Hausmärchen, S.126
Trang 24Weil Tams Vater früh starb, musste sie bei ihrer Stiefmutter und ihrer Stiefschwester Cam wohnen Tam wurde von Cam und ihrer Mutter immer grausam und unfair behandelt und musste alle Haushaltsarbeit erledigen Wegen der Schönheit von Tam wurde die Eifersucht der Stiefmutter und Stiefschwester gegenüber Tam im Laufe der Zeit immer größer Deshalb versuchten sie immer, Tam Schaden zuzufügen
Eines Tages gab die Stiefmutter Tam und Cam jeweils einen Korb, damit Tam und Cam am Fluss die kleinen Garnelen fingen Wer mehr kleine Garnelen fing, bekommt ein rotes Tuch von der Stiefmutter In der Hoffnung, zum ersten Mal etwas Schönes zu tragen, arbeitete Tam sehr fleißig, um so viele Garnelen wie möglich zu fangen Da Cam den ganzen Nachmittag am Flussufer entlang wanderte, stellte sie fest, dass ihr Korb noch leer war Dadurch betrog Cam ihrer älteren Schwester, um alle Garnelen aus Tams Korb zu nehmen Es gab nur noch einen Fisch in Tams Korb Tam heftig weinte und bekam die Unterstützung von einem weißen Mann Nach dem Vorschlag des weißen Manns futterte Tam den Fisch täglich mit Reis und betrachtete Tam den Fisch als ein enger Freund Unglücklicherweise wurde der einzige Freund Tams von der Stiefmutter getötet Als Tam ihren Fisch nicht mehr finden konnte, brach es ihr Herz so sehr Tam weinte und der weiße Mann erschien noch mal und gab ihr den Vorschlag, die Gräten des Fisches in vier separaten Gläsern unter jeder Ecke ihres Bettes zu begraben
Es gab über die große Feier, die der König abhalten wird Tam freute sich darauf, zum Fest teilzunehmen Cam und Ihre Mutter bereitete viele schöne Kleidungen vor, um am Ball zu gehen Damit Tam zur Feier nicht kommen konnte, mischte ihre Stiefmutter zwei große Körbe mit Rohreis und Reis zusammen und forderte sie auf, Rohreis und Reis zu sortieren Unter den Tränen bewältigte Tam die Aufgabe von der Stiefmutter, weil sie wusste dass, sie niemals diese Aufgabe ausführen konnte, um den Ball einzuholen Plötzlich kam der weiße Mann vor und bracht er die Spatzen mit, um Tam zu helfen In kurzer Zeit sortierten die Spatzen das Rohreis und Reis, aber Tam konnte nicht sofort zum Fest gehen, denn sie hatte
Trang 25kein Kleid und sie sah schlecht aus Damals grub Tam die vier Gläser aus, die sie unter den Ecken ihres Bettes vergrub Sie war sehr überraschend, dass die Gläser in die prächtigen Kleidungen, die Schuhe mit Blumenstick und ein schöner Streitwagen sich verwandelten Tam zog mich das schöne Kleid schnell an und ritt den Streitwagen schnell zu den Palasttüren Als Tam die Brücke überquerte, fiel sie unglücklich ins Wasser einen Schuh Der Schuh floss den Fluss entlang zum Palast und einer der Soldaten fand ihn und brachte ihn zum König Der König befahlt:
„Wer in den Schuh passt, wird seine Frau“ Obwohl alle Frauen im Dorf den Schuh
anprobierten, auch Cam und ihre Mutter, passte nur Tam in den Schuh, deshalb war Tam die Königin
Am Jahrestag des Todes des Vaters bat Tam den König um Erlaubnis, ihr Haus besuchen zu dürfen Tam kletterte auf einen Betelnussbaum, folgend auf die Nachfrage der Stiefmutter Als Tam auf den Baum kletterte, hackte die böse Stiefmutter den Baum mit einer Axt, dadurch fiel Tam herunter und starb Dann nahm die Stiefmutter Tams Kleidung für Cam und brachte Cam in den Palast, damit Cam ihre ältere Schwester als Königin austauschen sollte
Seitdem betrat Cam in den Palast, verwandelte Tam sich wiederholt in einen wunderschönen Pirol - einen schönen Vogel, einen Baum, einen Webstuhl und schließlich in eine goldene Frucht, um die Tochter der alten Dame zu werden Dank der Betelstücke erkannte der König sofort seine Frau Am Ende kehrte Tam zurück,
um Königin zu sein Im Gegensatz ist der Tod der Stiefmutter und Cam Bestrafung für ihre Bosheit
3 Analyse
In diesem Kapitel werden einige auffallende Details basierend auf der
Merkmale der Textsorte Märchen und Kultur durch Märchen (Artikel 2.2) erläutert
Trang 26eines Elternteils Anlass für eine Wiederheirat und für die Gründung einer Stieffamilie.“26 In der komplizierten Beziehung zwischen den Stiefeltern und dem Stiefkind, eine der Familienformen bekannt in vielen Ländern und auch in Deutschland, entsteht oft Konfliktpotential Zum einen möchten die Kinder die Loyalität mit ihren Eltern behalten und eine neue Person als ihren Vater oder ihre Mutter ablehnen27; zum anderen hat ein Teil der Stiefeltern, besonders die Stiefmutter, oft negative Gefühle den Kindern aus erster Ehe gegenüber In Aschenputtel stammt der Konflikt von den negativen Gefühlen der Stiefmutter und der Stiefschwester Aschenputtel gegenüber Gleichzeitig handelt diese Geschichte von der Geschwisterrivalität, die oft in der Familie vorkommt Bruno Bettelheim
behauptet „Kein anderes Märchen zeigt so deutlich wie die Aschenputtelgeschichten die inneren Erlebnisse des kleinen Kindes, das schwer unter der Geschwisterrivalität zu leiden hat, wenn es sich von seinen Brüdern und Schwestern hoffnungslos verstoßen fühlt.“ 28 Diese Rivalität wird schon in der Bibel dokumentiert, sowohl mit Kain und Abel als auch unter den Brüdern Josephs.29 Das Mädchen Aschenputtel wird von der Stiefschwester erniedrigt und gedemütigt Die Geschwister erniedrigen Aschenputtel nicht nur, sondern die Stiefmutter schafft auch Hindernisse in ihrem Leben
3.1.2 Der Titel „Aschenputtel“
Ein besonderes Detail, das sowohl den Namen des Mädchens begründet als auch der Geschichte ihren Namen verleiht ist, dass dem Mädchen die schönen Kleider weggenommen werden und sie neben dem Herd in der Asche schlafen muss Die schönen Kleider, die von den bösen Schwestern weggenommen wurden, sind ein Zeichen dafür, dass ihr altes, schönes Leben vorbei ist Der Schlafplatz in der Asche hat auch eine Bedeutung „Asche“ ist schmutzig, arm und schutzlos Asche ist der verbrannte Überrest von etwas nicht mehr existierendem Sie symbolisiert somit den Tod und das Vergangene und es ist demnach sehr passend,