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Innovation in der curricularen arbeit im kontext der vietnamesischen berufsbildung das berufsbild als rahmen fur die entwicklung zeitstruktureller ordnungsmittel fur berufsschuke und betrieb

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Tatsächlich bemerkten die meisten Arbeitgeber nicht nur in Vietnam, sondern in der ganzen Welt, dass der Mangel an leistungsfähig ausgebildeten Fachkräften ein großes Hindernis für den I

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Innovation in der curricularen Arbeit im Kontext der vietnamesischen Berufsbildung

Das Berufsbild als Rahmen für die Entwicklung zeitstruktureller Ordnungsmittel für

Berufsschule und Betrieb

Von der Philosophischen Fakultät der Technischen Universität Chemnitz

genehmigte

Dissertation

zur Erlangung des akademischen Grades

doctor philosophiae (Dr phil.)

im Promotionsfach Pädagogik von Herrn Xuan Tien Vo geboren am 20 September 1981 in Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam

Erster Gutachter: Univ.-Prof Dr sc pol habil Volker Bank, Diplomhandelslehrer (Betreuer) Zweiter Gutachter: Prof Dr Ing Andreas Hirsch

Tag der Einreichung: 09.01.2020

Tag der Verteidigung: 24.02.2020

https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:ch1-qucosa2-387333

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Ein weiterer Dank geht an meinen Kollegen, Anja Günther, Britta Maskow und Thomas Kuscher, welche mir besonders im Alltag mir sehr viel geholfen haben Sie haben mir das Gefühl wie in einer Familie gegeben Auch meinen Freunden Ricardo Renatus möchte ich einen besonderen Dank für ihre Freundschaften sagen Diese Unterstützung war für mich sehr wichtig, da ich getrennt von meiner Familie in Vietnam in Deutschland war und mich so nicht isoliert und einsam fühlte

Ein besonders großer Dank geht an dieser Stelle an meine Frau Diem und an meinen Sohn Triet, welche stets an mich glaubten, mir vertrauten und sich mit mir bedingungslos auf diesen

„ungewissen Weg“ begaben Auf diesen haben sie mich beständig und liebevoll begleiteten – ihr seid die wichtigsten Personen in meinem Leben und ohne eure emotionale und verständnisvolle Unterstützung wäre dieses Vorhaben sicherlich nicht ohne weiteres möglich gewesen

Vielen Dank!

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Xuan Tien Vo

Innovation in der curricularen Arbeit im Kontext der vietnamesischen Berufsbildung

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Xuan Tien Vo Innovation in der curricularen Arbeit im Kontext der vietnamesischen Berufsbildung

Das Berufsbild als Rahmen für die Entwicklung zeitstruktureller Ordnungsmittel für

Berufsschule und Betrieb

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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 2

2 Probleme der vietnamesischen Berufsbildung im Kontext von quantitativen und qualitativen Mängeln der Arbeitskräfte 9

2.1 Mängel der qualifizierten Fachkräfte: Zum quantitativen und qualitativen Mangel 9

2.1.1 Definition und Unterscheidung 9

2.1.2 Empirie des aktuellen Fachkräftemangels in Vietnam 9

2.2 Non-formelles und informelles Lernen als Folge des Mangelzustandes – ein unvermeidbarer und wichtiger Teil der vietnamesischen Berufsausbildung 14

2.3 Zur Genese der vietnamesischen Berufsbildung: Zukunft braucht Herkunft - von informellen zu formellen Berufsbildungsmaßnahmen in Vietnam 16

2.4 Zusammenarbeit in vietnamesischen beruflichen Maßnahmen 21

2.5 Umstände der vietnamesischen beruflichen Bildung und gesellschaftliche Einstellungen zu Berufsbildungsmaßnahmen 23

2.6 Wandel in der Berufsbildung in Vietnam – von Veränderungen der Anforderungen an die Fachkräfte zu einem dynamischen System der Berufsbildung 25

2.7 Stand der derzeitigen curricularen Ausgestaltung in beruflicher Bildung in Vietnam 27

2.8 Kritik an der vorhanden curricularen Arbeit in Vietnam und Erklärung von Ursachen für die Abweichung von einem bzw des Fehlens eines Szenarios der Arbeitswelt in den herausgegebenen Curricula 36

3 Curriculare Arbeit aus Sicht eines Modelles und dessen Voraussetzungen 41

3.1 Curriculum - Problemstellung und Kritik 41

3.1.1 Die Natur der Arbeit und die berufliche Ausübung des Belehrens in der Berufsbildung sowie tendenzielle Anforderungen an die Fachkräfte im neuen Entwicklungsstand der vietnamesischen Wirtschaft 45

3.1.2 Vom Robinsohnschen Modell der Bildungsreform zur CURRENT (CURriculum REvision und ENTwicklung) als Revision und Entwicklung der Curricula und deren Voraussetzungen 47

a Das Robinsohnsche Modell – ein Modell für die allgemeine Bildung 47

b Dem Modell zur Orientierung einer gewerblichen Curriculumentwicklung, und Ansatz der Erforschung des impliziten Wissens, wobei die benötigten Qualifikationen eines Berufs festgelegt werden und die Entwicklung von Kompetenzen des Lehrlings durch berufs- und arbeitsorganisationsbezogene Lehrpläne unterstützt wird 50

c Voraussetzungen der curricularen Arbeit: ein Sinnbild der weltanschaulichen Vorentscheidungen und Erhebung der Vermittlungsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt 59

3.2 Berufsbild als grundlegende Information für die curriculare Arbeit und vor allem Ziel der beruflichen Bildung 67

3.2.1 Begriffsklärung: Kompetenz, Qualifikation, Schlüsselqualifikation 67

3.2.2 Das Berufsbild im Sinn der Beruflichkeit: die Bezugnahme zwischen beruflichen Qualifikationen und Kompetenzen sowie als ein Informationsvorrat für die curriculare Arbeit 69

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3.2.3 Berufsbild als Bindeglied zwischen Berufsbildungs- und Beschäftigungssystem und

Verbesserung der Koordinierung beider Lernorte in die curricularer Arbeit 70

3.3 Didaktische Fundierungen der Berufsanalyse 72

3.3.1 Leitfragen zur Analyse der Arbeit in den Betrieben 72

3.3.2 Die Struktur des Wissens als Ziel des Prozesses der Berufsanalyse 75

4 Forschungsmethoden dieser Arbeit: Qualitatives Interview, Inhaltsanalyse und Fragebogenerhebung 84

4.1 Qualitative Interviews als erster Denkansatz der Berufsanalyse 84

4.2 Experteninterview in der Berufsanalyse 85

4.3 Inhaltsanalysen in der Berufsbeschreibung 89

5 Forschungsdurchführung und deren Ergebnisse 91

5.1 Didaktische Überlegungen zur Festlegung von Kriterien für das Interview im Verfahren der Berufsanalyse 91

5.1.1 Fragenkatalog, formuliert aus der Forschungsfrage 91

5.1.2 Festlegen der Kriterien für die Berufsanalyse 94

5.1.3 Auswahl von Instanzen bzw Experten für die Interviews (Auswahleinheit) 95

5.2 Inhaltsanalyse der Interviews zur Festlegung der Informationen, die nützlich für die Entwicklung eines Berufsbildes sind 97

5.3 Berufsbild des CNC-Bedieners in Bezug auf den CNC-Beruf und dessen typische Arbeitsteilung in vietnamesischen Firmen 105

6 Vorstellung eines konzeptionellen Modelles für die Berufsanalyse und die notwendige Koordinierung zwischen beiden Lernorten in der vietnamesischen Berufsbildung 114

6.1 Konzeptionelles Vorgehen bei der Berufsanalyse 114

6.2 Ein konzeptionelles Modell für die Koordinierung zwischen beiden Lernorten in der vietnamesischen Berufsbildung 122

7 Schlussfolgerung 129

8 Literaturverzeichnis 133

9 Anhang 140

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Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Phase der wirtschaftlichen Entwicklung nach Kenichi Ohno (Quelle: Ohno 2010, S.6) 3

Abbildung 2 Struktur des Bedarfs qualifizierter Fachkräfte in Vietnam (Quelle: Mori 2014, S.4) 4

Abbildung 3 Vorgeschlagener Umstellungsprozess der vietnamesischen Berufsbildung (Quelle: Mori 2014, S.5) 5 Abbildung 4 Zustand des Mangels bei Fachkräften in Vietnam aus Sicht der Firmen (Quelle: Die Weltbank 2014, S.53) 10

Abbildung 5 Fachliches Niveau der Facharbeiter, die in Firmen berufstätig sind, geordnet nach den Kategorien der beruflichen Ausbildungsabschlüsse (Quelle: National Institute for Vocational Training 2014, S.25) 11

Abbildung 6 Qualifikationsmangel der Fachkräfte ist aus Sicht der Industrie in Vietnam (Quelle: Die Weltbank 2014, S.52) 12

Abbildung 7 Anzahl des Mangels von Fachkräften nach Professionen (Quelle: Die Weltbank 2014, S.54) 13

Abbildung 8 Anteil der Firmen nach der Angaben von der Größe, die In-house-Training anbieten müssen (Quelle: Die Weltbank 2014, S.114) 14

Abbildung 9 Das vietnamesische berufliche Ausbildungssystem im Zusammenhang mit der allgemeinen Bildung gemäß dem aktuellen Berufsbildungsgesetz (BBiG) im Jahrgang 2015 (eigene Darstellung, vgl Vo 2018a) 18

Abbildung 10 Drei Stufen der vietnamesischen Berufsbildung mit den zuständigen Stellen nach BBiG Vietnams 2015 (eigene Darstellung, nach vietnamesischen Berufsbildungsgesetz 2015) 20

Abbildung 11 Zusammenarbeit zwischen Firmen und beruflichen Institutionen (Quelle: Mori 2009, S.33) 23

Abbildung 12 Laut der Studie von UNFPA, der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen, mit dem Thema ‚Absicht von Jugendlichen aus dem Land in die Stadt zu gehen‘, meisten Jugendlichen aus dem vietnamesischen Land wollen in die große Stadt eingehen, um bessere Berufschance zu suchen Trotzdem sind sie noch nicht ausgebildet (Quelle: Duc Hoang & Hoang Phuong 2017) 26

Abbildung 13 Das Bearbeitungsverlauf der Curricula in den Berufsschulen gemäß Berufsbildungsgesetz Vietnams (Quelle: Vo 2018b) 28

Abbildung 14 Exemplarische Tabelle der Analyse eines Berufes (eigene Darstellung) 29

Abbildung 15 Vorgehen bei der Veröffentlichung eines NQRs in Vietnam nach der Verordnung an Regeln, Prozess der Entwicklung und Vorstellung beruflichen Nationalqualifikationsrahmen (die Entscheidung Nr 09/2008/QĐ-BLĐTBXH, am 27 März 2008 vom Ministerium für Arbeit, Invalide und soziale Angelegenheiten (MoLISA) (eigene Darstellung) 31

Abbildung 16 Wirklichkeit der Arbeitswelt des Berufs mit dem Umgang von CNC-Maschine und dessen Arbeitsverteilung (eigene Darstellung) 40

Abbildung 17 Induktiver Prozess zur Revision und Entwicklung von Curricula (Quelle: Ebeling und et al o.J., S.4) 53

Abbildung 18 Struktur des CNC-Berufs in Vietnam und deren Abstraktion und Generalisierungsgrad (eigene Darstellung) 55

Abbildung 19 Wichtige Kategorien der Berufsanalyse (KURNIA/DITTRICH/ ILHAMDANIAH 2013, S.12) 56

Abbildung 20 Zusammenhang zwischen Arbeitsberuf und Berufswissenschaft (eigene Darstellung) 59

Abbildung 21 Fünf Schritte in der Curriculum-Entwicklung (Quelle: Ebeling, et al o J., S.2) 66

Abbildung 22 Struktur der logischen Entwicklung des Wissens und Könnens bei der Vermittlung eines Berufsbildungsganges (eigene Darstellung) 72

Abbildung 23 Wissensdimensionen und deren Zusammenhang mit dem Handeln in einer Domäne (Quelle: Becker & Spöttl 2008, S.30) 76

Abbildung 24 Die Verteilung des Auftrages zwischen beiden Lernorten in Vermittlung von Kenntnissen und Kompetenzen (eigene Darstellung) 79

Abbildung 25 Arbeitsprozesswissen als Wissen um die Beziehungen zwischen den Elementen eines betrieblichen Handlungssystems, nach ENGESTRÖM 1987 in Anlehnung an Fischer (Quelle: Fischer 2003, Becker&Spöttl 2008, S 111) 80

Abbildung 26 Varianten des Wissens und die Möglichkeiten der Umwandlung von schweigenden und trägen Wissens zu handlungsorientiertem Wissen (eigene Darstellung) 81

Abbildung 27 Deduktiver Prozess des Interviews zur Berufsanalyse (eigene Darstellung) 115

Abbildung 28 exemplarische Codesystem für das Kriterium ‚Kenntnisse‘ (eigene Darstellung) 118

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Abbildung 29 Das Dreieck-Modell der Zusammenarbeit in der vietnamesischen beruflichen Bildung und die zentrale Rolle der curricularen Arbeit (eigene Darstellung) 124 Abbildung 30 Die Einwirkung des Berufsbildes auf die jeweiligen Curricula an den beiden Lernorten (eigene Darstellung) 125 Abbildung 31 Das Konzept von „Tripartite partnership“ in der curricularen Arbeit (eigene Darstellung) 127 Abbildung 32 Das vorgestellte Konzept der Koordinierung zwischen beiden Lernorten durch Berufsbild als Pläne (eigene Darstellung) 128

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Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Zusammenhang und Niveau von Interaktionen zwischen Facharbeiter und den Arbeitsgegenständen der CNC-Berufe (eigene Darstellung) _ 107 Tabelle 2 Darstellung des Berufsbildes CNC-Bediener (eigene Darstellung) 112 Tabelle 3 Codebuch für das Kriterium ‚Kenntnisse’ (eigene Darstellung) _ 120 Tabelle 4 Exemplarische Form zur Darstellung eines Berufsbildes für einen bestimmten Beruf der Industrie (eigene Darstellung) _ 121 Tabelle 5 Die Rahmenbedingungen zur Teilnahme an einer Prüfung zur Anerkennung des Erlangens von

fachlichen Kompetenzen eines Arbeitsnehmers nach dem vietnamesischen Berufsbildungsgesetz 2015 (eigene Darstellung) 126

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1 Einleitung

Seit den achtzigerachtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wandelt sich die Wirtschaft Vietnams von einer vorwiegend landwirtschaftlich ausgerichteten zur wissensbasierten Wirtschaft Dabei entstehen zunehmend Innovationen in der Wirtschaft (vietnamesisch: Đổi Mới) Die vietnamesischen Unternehmen inklusive der Direktinvestitionen (FDI-Firmen – Foreign Direct Investment) benötigten in den Achtziger Jahren bis einschließlich Anfang der 2000er Jahre überwiegend nur unqualifizierte Arbeitskräfte Es mussten nur einfache und repetitive Aufgaben wahrgenommen werden; zumeist in Form von Fließbandarbeit

Gerade in den letzten zehn Jahren jedoch veränderten sich diese Umstände sehr rasch Die vietnamesische Wirtschaft wandelte sich von der vorindustriellen Zeit zur ersten Phase der Industrie, nach Kenichi Ohno (2010, S.6) ‚Agglomeration‘ genannt (also nur einfache Absorption des Kapitaleinsatzes; vgl auch Abbildung 1) Dabei bringen die ausländischen Firmen nicht mehr veraltete Maschinen und Technik nach Vietnam, sondern sie sind jetzt bereit,

in moderne Technik zu investieren Exemplarisch stehen dafür die Namen der Firmen Intel, Bosch, Samsung und weiterer Zudem haben über lange Zeit die inländischen vietnamesischen Firmen nur im Auftrag von ausländischen Kunden bzw Firmen gearbeitet Dabei haben sie unterdessen Erfahrungen, technologisches Wissen sowie Kapital angesammelt Jetzt möchten diese Firmen umfassend ihrerseits in moderne Maschinen sowie Technik investieren und zunehmend an den in hervorgehobener Weise Wertschöpfung erzeugenden Phasen der Produktionskette wie Design, neuen Produktionsformen und ähnlichem partizipieren Deswegen steht Vietnam seit ca 2018 vor dem Übergang von der ‚Agglomeration‘ zur Absorption der Technologie (vgl erneut Abbildung 1)

Dieses beabsichtigte oder bereits betriebene Vorgehen benötigt derweil eine große Anzahl von qualifizierten Facharbeitern, die darauf vorbereitet sind, zukünftig in die Lücke zu stoßen, die dann von ausländischen Experten hinterlassen wird und sie auszufüllen Personelle Vakanzen oder Handlungsräume entstehen dadurch, dass auch die ausländischen Firmen in Vietnam mittlerweile versuchen, die in der Anfangszeit des Auslandsinvestments als Experten arbeitenden ausländischen Fachkräfte zu ersetzen Andererseits können vietnamesische Firmen jetzt, neben der Bearbeitung der Aufträge von ausländischen Kunden, zunehmend an ganzheitlichen Prozessen der Wertschöpfung teilnehmen Sie erreichen dabei die zweite Phase des Industrialisierungsprozesses eines Landes, wie sie von Ohno beschrieben worden ist Teilweise können sie sich dabei mit Design- oder neuer Technologieschöpfung wie eine unterstützende Industrie sogar am Übergang zur dritten Phase etablieren Der Aufstieg der vietnamesischen Industrie auf die zweite Stufe der wirtschaftlichen Entwicklung sowie die

Notwendigkeit, die unsichtbare Barriere des middle-income-trap zu überwinden1, fordert sehr dringend hochqualifizierte und gut ausgebildete Fachkräfte

1 Die Theorie des middle income trap postuliert, dass sich entwickelnde Staaten in Stagnation

gefangenbleiben könnten, sobald der Vorteil niedriger Arbeitskosten durch steigende Arbeitsnachfrage und schließlich durch steigende Löhne verlorengegangen ist, ohne dass sich die Qualität und damit die

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Abbildung 1 Phase der wirtschaftlichen Entwicklung nach Kenichi Ohno (Quelle: Ohno 2010,

computer-z B Produktionsdesigner benötigt

Eine hohe Erklärungskraft speziell mit Blick auf die Entwicklung Vietnams hat die Studie von Junichi Mori JICA Sie wurde veröffentlicht in einem Policy Paper der JICA Vietnam im Oktober 2014 Mori war ehemals Experte im Projekt für ´Human Resource Development of Technicians‘ an der Universität für Industrie von Hanoi Der Grundgedanke wird in einer Pyramidenstruktur dargestellt, die in der folgenden wiedergegeben wird Sie stellt die Entwicklung der Nachfrage nach ausgebildeten qualifizierten Fachkräften für diese nächste Phase der Entwicklung Vietnams zum Industrieland dar Im Zuge dieser Studie wurde der in Japan genutzte Begriff des ‚Monozukuri‘ bekannt, der seither in der Berufsbildungsforschung

in Vietnam berühmt geworden ist Der Begriff ist in Japan schon lange gebräuchlich, findet hier aber in der Prägung von Kenichi Ohno 2010 Anwendung Ohno war erster und bislang einziger japanischer Professor, der über eine längere Zeit die vietnamesische Wirtschaft beforscht hat, seine Studien umfassen den Zeitraum von nicht weniger als zwanzig Jahren

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‚Monozukuri‘ hat die englische Bedeutung: „making things“ Es ist eine Person, die nicht mehr Muskelkraft bzw „rein mechanische Arbeit“ benutzt, sondern sich an produktive geistige Arbeit in der alltäglichen Arbeit gewöhnen muss Das bedeutet, die moderne Arbeit ihren Beschäftigter nicht mehr auf gewöhnlichen Aufträgen fordert, am Arbeitsplatz auszuführen, sondern „die Schaffung von neuen Gütern“ sowie „die Selbstbefruchtung der geistigen Arbeit“ verlangt, bei denen man immer zuvor eine gedankliche Auseinandersetzung mit der Sache

führen muss (vgl auch schon Kerschensteiner 1906) Monozukuri ist mithin „manufacturing

for the primary purpose of achieving customer satisfaction through high quality in the spirit of

a proud and dedicated artisan, rather than just making profits” (Ohno 2010, S.9) Aus diesem Grunde spielt die berufliche Bildung in Vietnam eine sehr relevante Rolle zur Ausbildung qualifizierter Fachkräfte, also „ein starkes Gefühl der Verantwortlichkeit zu wecken, praktische Gestalt angenommen“ erwecken sowie „das produktive Schaffen“ zu fördern (vgl Kerschensteiner 1906, S.24)

Monozukuri ist, wenn man es genau nimmt, keine völlig neue Bezeichnung oder gar begriffliche

Definition des qualifizierten Facharbeiters, denn er ist schon im deutschsprachigen akademischen Raum unter dem Begriff ‚gebildeter Mensch‘ von Kerschensteiner vor knapp über einhundert Jahren dargestellt worden Nach der Kerschensteinerschen Vorstellung soll der qualifizierte Beschäftigte „am Arbeitsprodukt selbst erkennen, wie weit er bei seiner Herstellung sachlich eingestellt war Sich als die Ursache einer vollendeten Arbeit zu erkennen, die einen Wert verwirklicht hat, und damit als Wertträger reiner Sachlichkeit sich zu fühlen und zwar aus eigener Einsicht heraus“ Dafür macht die Berufsbildung verantwortlich, „die Möglichkeit einer vollendeten sachlichen Leistungsfähigkeit“ des beruflichen Abganges zu fördern (Kerschensteiner 1932, S.57)

Sicherlich erkennen die staatlichen Organe schon seit einiger Zeit diese wichtige Rolle der Berufsausbildung Dennoch besteht nach wie vor der Mangel an qualifizierten Fachkräften fort Entsprechende Feststellungen finden sich wiederholt in verschiedenen aktuellen Berichten von der OECD, der Weltbank oder von EuroCham über die vietnamesische berufliche Ausbildung Tatsächlich bemerkten die meisten Arbeitgeber nicht nur in Vietnam, sondern in der ganzen Welt, dass der Mangel an leistungsfähig ausgebildeten Fachkräften ein großes Hindernis für den Investitionsprozess und die Entwicklung einer Firma ist: „20-90% of employers in most of the world’s regions say lack of skills is an obstacle to their growth“(Aring und Goldmark 2013,

Produktion Designer / Ingenieur

Produktion Ingenieur

Techniker/Supervisor

Fließbandarbeit

Fachübergreifende Qualifikation und Längzeiterfahrung

Monozukuri Human Resource

Abbildung 2 Struktur des Bedarfs qualifizierter Fachkräfte in Vietnam (Quelle: Mori 2014, S.4)

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S.1) Obwohl diese Problematik und die Mangelsituation bekannt sind, die sich in Schwellenländern wie Vietnam noch stärker auswirken, hat sich die Situation nur unwesentlich verbessert Wo der Staat in der Berufsbildung eine dominierende Rolle hat und wieder in Form

von supply driven skills development (einem angebotsorientierten Ausbildungssystem also; vgl

auch Abbildung 3) organisiert ist, bleibt lediglich zur Kenntnis zu nehmen, dass die Bereitstellung oder Schaffung von (produktiven) Arbeitsplätzen für die Öffentliche Hand schon immer schwierig war „Governments have never had an easy time creating jobs; traditional policy instruments have always been quite limited and today’s political, environmental, and economic context only make it harder” (Aring und Goldmark 2013, S.1) Am Ende bleibt es dabei, dass der Privatsektor die Quelle ist für die meisten der Arbeitsplätze

Abbildung 3 Vorgeschlagener Umstellungsprozess der vietnamesischen Berufsbildung (Quelle: Mori

2014, S.5)

Was steckt hinter dem Problem? Der Bericht von USAID über die Arbeitskräfte stellte fest, dass „in the majority of developing countries, state sponsored higher education and training systems are notorious for their inability to respond to, or anticipate, market signals” In letzter Zeit wird zudem die berufliche Ausbildung als „poor cousin on the education side of the family” eingeschätzt wird Das passte nahtlos zu den Umständen in der vietnamesischen beruflichen Bildung Es resultiert das Ereignis „projects to improve the workforce tend to ignore the critical role played by employers” (vgl Aring und Goldmark 2013, S.1) Die Praxis in den Industrieländern zeigt sehr klar, dass dieser Mangel nur aufgelöst werden kann, wenn der Industriesektor die Rolle als Nachfrager der Berufsausbildung bewusst ausübt und sich dabei mit Vorgaben an der curricularen Arbeit sowie der Berufsausbildung aktiv beteiligt

Laut des Berichts von USAID ist der Mangel an qualifizierten Fachkräften „a symptom rather than the problem itself“ (Aring und Goldmark 2013, S.1) Die Situation in Vietnam wird auch dadurch deutlicher, wenn man versteht, wie die Vertreter der Industrie feststellen, beispielsweise JICA Vietnam (2014, S.1), dass eine wichtige Ursache der mangelhaft qualifizierten Facharbeiter in der Schwierigkeit liegt, die Anforderungen des Berufes genau zu definieren „The first issue is the difficulty in determining the skills needs of industry The lack

of detailed information on specific skills needs at the occupation level and the dynamic changes

in skills demands make it hard for TVET institutions to grasp the demands of industry when it comes to skilled workers” (vgl Mori 2014) Infolge dieser Problematik wird in einer Art und Weise beiläufig (en passant, non-formell) gelernt, dass das Lernen faktisch „in planvolle Tätigkeiten eingebettet ist, die nicht explizit als Lernen bezeichnet werden“ (CEDEFOP 2011, S.113) Das findet in der Berufsbildung statt als training on the job, ggf etwas stärker

formalisiert unter den Begriff des in house training Letzteres wurde allerdings bereits sehr früh

umgesetzt Ein Beispiel ist die japanische FDI Firma Muto Vietnam, die die Ausbildung zum

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Beruf des Formenbauers (mold-and-die technicians) im Jahr 1998 begonnen hatte (vgl Mori

2009, S.19) Seither wurden vielfältige Modelle der Kooperation in der Berufsausbildung in Vietnam neben der Art des In-house-training sogar in Form von dualen Modellen implementiert

Außerdem stellte sich im Kontext mit der Freizügigkeit der Arbeitnehmer bei der Ausgestaltung von Wirtschaftsunionen wie AEC, EU und die Verwirklichung der NQRs die Frage, wie man einen Beruf über Ländergrenzen hinweg anerkennen kann Das Berufsbild eines bestimmten Berufs sollte als Richtlinie für die Anerkennung sowie als Leitlinie für die Berufsbildung dienen Es würde zugleich die Curriculumarbeit transparenter machen, weil es

 die Rolle eines Orientierungsrahmens für die Curriculumentwicklung spielen kann,

 die Referenz für die Wirksamkeit der beruflichen Ausbildung sein könnte und,

 zur Vereinbarung und Sicherstellung der beruflichen Ausbildungsqualität zwischen Schulen und Betrieben genutzt werden kann

Weiterhin unterstützt das Berufsbild die Fortbildung in einem Beruf, wenn es den Aufstiegsweg

in einer Profession deutlich kennzeichnet Das Berufsbild wird damit zu einem Standard über denjenigen Beruf mit konkreten festgelegten Qualifikationen, wobei die Arbeitnehmer, die in der Berufsschule ausgebildet worden sind, die notwendigen Qualifikationen zur Arbeitswelt mitbringen werden Das Berufsbild hat sicherlich die Funktion einer Garantie der Qualifikation der Berufsbildung durch einen Dritten, z B aber nicht unbedingt den Staat, mit der die Arbeitgeber reibungslos und zweifelsfrei neues Personal einstellen können Das ergibt sich dann, wenn die Qualifikationen der neu angestellten Fachkraft durch eine unabhängige Abschlussprüfung festgestellt worden ist Eine nach dem Berufsbild qualifizierte Fachkraft benötigt nur kurze Zeit, um sich an die neuen Arbeitsbedingungen anzupassen und an die neue Atmosphäre zu gewöhnen

Vor dem hier umrissenen Hintergrund wird mit der nunmehr vorgelegten Dissertationsschrift das Ziel verfolgt, am die Möglichkeiten der zielgerechten Gestaltung beruflichen Lernens zumindest in exemplarischer Form zu entwickeln und vorzustellen Dieses soll am Beispiel der Vorstellung des Berufsbildes eines ‚CNC-Bedieners‘ geschehen, als einen typischen Beruf im CNC-Bereich in Vietnam und als „thematisch Einheit stiftendes Kriterium in der für beide Lernorte geltenden Konfiguration gleicher Bildungsziele“ (vgl Jongebloed 2004, S.34) So soll ein konzeptionelles Vorgehen der Berufsanalyse anhand der phänomenologischen Orientierung

in Rückgriff auf angewandte qualitative Methoden nachgezeichnet werden Damit stellt der Autor ein Konzept vor, mit welchem Stakeholder bzw Interessensgruppen der vietnamesischen Berufsbildung ihre Pläne koordinieren könnten, um die Qualität der curricularen Arbeit und somit auch die Passfähigkeit der Abgänger der Berufsbildung zu verbessern

Mit dieser Arbeit wird der Versuch unternommen, die unvermeidlich unterschiedlichen Konzeptionen und damit verbundenen Interessenlagen der beiden einzubeziehenden Lernorte mithilfe eines gemeinsamen Bezugspunktes aufeinander zu verweisen (vgl auch Bank 2019) Hier soll das, exemplarisch mit Hilfe des Berufsbilds angegangen werden So könnte der Begriff des Berufs in der vietnamesischen Berufsbildung mit Leben gefüllt werden Idealweise kann es eine Grundlage dafür sein, dass die konzeptionelle Zusammenarbeit routiniert wird und

in der Industrie eine gründlich vorbereitete betriebliche Trainingsmaßnahmen umgesetzt werden, die mit einem gezielten Beitrag der Berufsschulen gestützt werden

Es wird der Weg vom ersten Konzipieren der formellen Informationen zu einem Beruf über eine Unterstützung der Koordinierung von Berufsschule und industrieller Ausbildungs- und Tätigkeitspraxis bei der Implementation eines Ausbildungsganges bis schließlich zur erforderlichen Legitimation der notwendigen aktiven Rolle der Industrie in der vietnamesischen Berufsbildung beschrieben Der Schwerpunkt dieser Arbeit fokussiert sich auf die Strategie der

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Berufsanalyse zur Generierung eines Berufsbildes am Beispiel des Berufs „CNC-Techniker“ Dabei wird die Relevanz der Qualifikationsforschung in der vietnamesischen Berufsbildung erörtert

Diese Arbeit gründet elementar auf den von Volker Bank im Beitrag ‚Curriculare Ausgestaltung beruflicher Bildung: Koordination staatlicher, parastaatlicher und privater Akteure durch Pläne‘ (2015) entwickelten Gedanken und entwickelt dieses konzeptionell weiter Außerdem wird die

Arbeit das Prinzip der Komplementarität nach Jongebloed (2004) einbeziehen Da dieses

Prinzip die „Komplementarität von »Erkenntnis« und »Erfahrung« in der Berufsanalyse gewährleistet und somit die organisatorischen Bedingungen der Vermittlung von Theorie und Praxis an beiden Lernorten herbeiführt Dabei sollte eine „komplementäre Kooperation“ zwischen Berufsschule als Ort von „mehr Theorie in Form von Erkenntnis“ und Betrieb als Ermöglicher von „mehr Praxis als Erfahrung“ im beruflichen Bildungssystem eingerichtet werden (ebd., S.35)

Redensartlich gilt, dass ‚kein Meister vom Himmel fällt‘ und neutestamentarisch gilt der Satz, dass man ‚ernten werde, was man sät‘ In diesem Sinne ist es unumgänglich, eine engagierte Teilnahme von Seiten der Industrie an der Gestaltung der vietnamesischen Berufsbildung von Anfang an aufzubauen Dies gilt für das von den Betrieben gemeinsam mit den Berufsschulen

zu formulierende Berufsbild und für das Angebot von Ausbildungsplätzen für die Lehrlinge im Betrieb, um deren Arbeitsfähigkeiten und Fertigkeiten herauszubilden Dadurch erhöht sich ihre Beschäftigungsfähigkeit, mithin ihr Stellenwert auf dem Arbeitsmarkt

Im Zuge ihrer Zielsetzung gilt es im Rahmen dieser Arbeit auch die Frage zu untersuchen, welcher der drei Vorgehensweisen, nämlich der (erziehungs-)ökonomisch-statischen, der sozial-politischen oder der unterrichtstechnologischen im Sinne Saul Robinsohns, eine entscheidende Rolle für die erfolgreiche Umsetzung zukommt und sich positiv auf die Innovationskraft im Bildungssystems auswirkt Allerdings gibt es bereits empirische Erkenntnis hierzu: Das Arbeitsministerium MoLISA, die in Vietnam für Berufsbildung alleinzuständige Institution, hat schon bereits seit Jahren versucht, zwei der obengenannten Ansätze in Vietnam anzuwenden:

 Den sozial-politischen Ansatz durch Maßnahmen wie z B das Herausgeben des Berufsbildungsgesetzes

 den unterrichtstechnologischen Ansatz durch vielfältige Projekte zur Fortbildung von Lehrkräften und Ausbildern in Zusammenarbeit mit der GIZ

Robinsohn hat aber auch gezeigt, dass der relevanteste Ansatz für die Innovation in der curricularen Arbeit der ökonomisch-statische Ansatz ist, der als (also die Teil der sogenannten Bildungsökonomie) verstanden werden kann ist (vgl Robinsohn, 1971, zit n und in Anlehnung von an Blankertz 2000, S.165), der wiederum „die Unergiebigkeit des bildungsökonomischen Ansatzes für die Curriculum-Reform“ konstatiert (Blankertz 2000, S.165) Deswegen wird in dieser Arbeit versucht, ein Konzept zu einer Idee zu skizzieren, in dem Sinne, dass die Berufsausbildung „den Menschen für Lebenssituationen auszustatten habe, dass diese Ausstattung durch Qualifikationen erfolgt und dass die Qualifikationen über Lehrinhalte erworben werden können” (ebd., S.170) Weiterhin geht Robinsohn davon aus, dass

es eine schwerwiegende Aufgabe der Curriculumforschung ist, „Methoden zu finden und anzuwenden, durch welche diese Situationen und die in ihnen geforderten Funktionen, die zu deren Bewältigung notwendigen Qualifikationen und die Bildungsinhalte und Gegenstände, durch welche diese Qualifizierung bewirkt werden soll, in optimaler Objektivierung identifiziert werden können“ (Robinsohn 1971, S.45)

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Robinsohn hat aber auch gezeigt, dass der relevanteste Ansatz für die Innovation in der curricularen Arbeit der ökonomisch-statische Ansatz (also die sogenannte Bildungsökonomie) ist (vgl Robinsohn, 1971, in Anlehnung von Blankertz 2000, S.165) „die Unergiebigkeit des bildungsökonomischen Ansatzes für die Curriculum-Reform“ (Blankertz 2000, S.165) Deswegen wird in dieser Arbeit versucht, ein Konzept zu einer Idee zu skizzieren, in dem Sinne, dass die Berufsausbildung “den Menschen für Lebenssituationen auszustatten habe, dass diese Ausstattung durch Qualifikationen erfolgt und dass die Qualifikationen über Lehrinhalte erworben werden können” (ebd., S.170) Weiterhin geht Robinsohn davon aus, dass es eine schwerwiegende Aufgabe der Curriculumforschung ist, “Methoden zu finden und anzuwenden, durch welche diese Situationen und die in ihnen geforderten Funktionen, die zu deren Bewältigung notwendigen Qualifikationen und die Bildungsinhalte und Gegenstände, durch welche diese Qualifizierung bewirkt werden soll, in optimaler Objektivierung identifiziert werden können“ (Robinsohn 1971, S.45)

Vor dem Hintergrund des bis hier Gesagten ergibt sich die Forschungsfrage Es ist zu überprüfen, wie eine Dokumentation als Informationsquelle oder Referenzwerk erstellt werden könnte, die von der Wirklichkeit der Arbeitswelt ausgeht und hier die notwendigen Informationen generiert, die dann zuerst in der betrieblichen Ausbildung verwendet werden können und danach als Hinweise für die curriculare Arbeit der Berufsschule benutzt werden? Vor diesem Hintergrund wird in dieser Arbeit nach der Behandlung der theoretischen Grundlagen ein konkretes Vorgehen für die Einstellung eines Konzepts in exemplarischer Form vorgestellt werden Dabei kommt der Koordinierung innerhalb der Berufsbildung zwischen Berufsschule und Betrieb auf Basis eines gemeinsamen Anhaltspunkts, dem Berufsbild, eine entscheidende Rolle zu Letztlich geht es darum, sehr handfest dem aktuellen Mangel an Fachkräften in Vietnam zu begegnen Während derzeit die beruflichen Schulen in Vietnam sehr häufig noch ihre ganz und gar unabhängigen Programme abarbeiten, ist dies Teil der auf der Suche nach einem praktisch geeinigten Modell des Zusammenwirkens der Beteiligten als

„prinzipielle Festlegung der zufolge Theoretiker forschen und dann ihre Ergebnisse dem Praktiker zur Anwendung “ geben (Blankertz 2000, S.181)

Im Rahmen dieser Arbeit hat der Autor mit der in der Sozialempirie bewährten Forschungsmethode des qualitativen Interviews in einer vietnamesischen Firma gearbeitet, um ein Berufsbild für den Beruf ‚CNC-Techniker‘ zu entwickeln Dieser Beruf ist eine Beschäftigung, die in vietnamesischen Firmen meistens auf informeller Weise, oft ad hoc ausgebildet worden Bis heute ist diese Tätigkeit noch nicht anerkannt Auf der Grundlage der aus der qualitativen Inhaltsanalyse der Interviews werden Strategien und Vorgehensweisen vorgeschlagen, wie die Befragung der Facharbeiter qualifiziert ausgeführt werden sollte Ein konzeptioneller Vorschlag zu einem allgemeinen Vorgehens wird anhand dieses Beispiels vorgestellt

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2 Probleme der vietnamesischen Berufsbildung im Kontext von quantitativen und qualitativen Mängeln der Arbeitskräfte

2.1 Mängel der qualifizierten Fachkräfte: Zum quantitativen und qualitativen Mangel

2.1.1 Definition und Unterscheidung

Knappheit ist das aktuelle Wort in Berichten über den Zustand der vietnamesischen beruflichen Bildung Es sind maßgeblich zwei unterschiedliche Art und Weisen der Knappheit: Mangel der

Fachkräfte (Vocational Shortages), die noch nie ausgebildet wurden, jedoch schon in die Arbeitswelt eintreten, und der Mangel der schon qualifizierten Fachkräfte (Capable Shortages),

also derjenigen, die schon in den Berufsschulen ausgebildet wurden und diese absolviert haben aber trotzdem noch nicht ausreichend qualifiziert sind Deswegen brauchen sie wahrscheinlich ein adaptiertes Training als Übergang zu ihrem zukünftigen professionellen Leben

Der Mangel der qualifizierten Fachkräfte umfasst auch zwei andere verschiedene Arten des Mangels: quantitativen Mangel (engl Skills Shortage) und fehlende Passung

(Qualifikationslücke, engl Skills Mismatch) Der quantitative Fachkräftemangel betrifft den

Umstand, dass die Industrie Schwierigkeiten hat, eine ausreichende Anzahl qualifizierter Mitarbeiter zu finden Anders erklärt, es besteht eine Ungleichheit zwischen dem Bedürfnis nach gewünschten Arbeitsverhältnissen der Firmen und der Kapazität des Fachkräfteangebotes

auf dem Arbeitsmarkt Demgegenüber geht es bei der Qualifikationslücke (engl Skills Gap,

Skills Mismatch) um qualitative Sachverhalte, wenn Absolventen, die die Berufsschule

absolviert haben, nicht die Erwartungen der fachlichen Qualifikationen vonseiten der Arbeitgeber erfüllen oder nicht gewünschte qualifizierte Fertigkeiten besitzen Darüber hinaus wird bemängelt, dass sie nicht die Bereitschaft besitzen sich am Arbeitsplatz in ihre täglichen Aufgaben selbstständig zu adaptieren (vgl die Weltbank 2014, S.52) Das passiert derzeit fast immer in jeder Firma in Vietnam Als Beispiel sei hier genannt die Duy-Tan Fabrik aus dem Bereich der Kunststoffverarbeitung Die Fachkräfte, die diese Firma für die Tätigkeiten im Formen- und Werkzeugbau benötigt, speziell im Bereich Kunststoffverarbeitung, werden nicht ausgebildet, da dieser Beruf noch nicht anerkannt ist Deswegen muss die Firma durch ein In-house-training den Beruf selbst organisieren

Beides, das Fehlen von anerkannten Berufen und das In-house-training der Firmen, sind derzeit allerdings aktuelle Problempunkte der Berufsbildung in Vietnam

2.1.2 Empirie des aktuellen Fachkräftemangels in Vietnam

In diesem Teil der Arbeit wird dieser Mangel an anerkannten qualifizierten Fachkräften in Vietnam im Detail beschrieben, um den Zwang nach qualifizierten Fachkräften deutlich zu erkennen

Von 2011 bis 2012 wurde in Ho-Chi-Minh-Stadt sowie Hanoi und ihren Umgebungen eine Untersuchung, genannt STEP Employer Survey, durch die Weltbank, durchgeführt Dabei wurde nach den Bedürfnissen und dem Stellenwert der Fertigkeiten von Fachkräften aus Sicht von Firmen gefragt, die der Arbeitgeber von dem Bewerber erwartet sowie welche Chancen bezüglich der Einstellung ihrer Fachkräfte sich daraus ergeben Das Ergebnis der Forschung ergab keine guten Nachrichten Mehr als 80 % der befragten Firmen (siehe Abbildung 4) antworteten, dass die Fachkräfte gegenüber den Erwartungen keine passenden und ausreichenden Qualifikationen zur Verfügung haben Dieser Meldung zufolge mangelte es auf dem vietnamesischen Arbeitsmarkt an Facharbeitern, die mindestens einen dreijährigen Berufsbildungsgang absolviert haben, die nicht nur direkt an Maschinen arbeiten können, sondern auch die Fähigkeiten im Management, im Personaltraining sowie zur Bewältigung komplexer technischer Herausforderungen besitzen “technicians who are skilled at high-precision processing in making metal, plastic parts, molds and dies” (Mori 2009, S.6)

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Abbildung 4 Zustand des Mangels bei Fachkräften in Vietnam aus Sicht der Firmen (Quelle: Die Weltbank 2014, S.53)

In Abbildung 5 werden die bisherigen Umstände des Mangels von ausgebildeten Fachkräften in Vietnam zahlenmäßig deutlich dargestellt Die Mehrheit der Fachkräfte, die in der Firma angestellt wurden, war unqualifiziert 24 % mussten nach der Rekrutierung je nach Bedarf angelernt werden Fast 25 % wurden am Arbeitsplatz ausschließlich informell trainiert, da die Ergebnisse des Trainierens nicht (validiert) anerkannt und zertifiziert worden sind Somit ist ca die Hälfte nur mit informellem Lernen umgegangen Außerdem hatten nur ca 10 Prozent eine Ausbildung in der Primärstufe absolviert

Wegen der Nichtanerkennung des informellen Trainierens entsteht für diese Gruppen von Fachkräften das Risiko der Arbeitslosigkeit, wenn sie dem Alter zwischen 35 und 40 Jahren

nahegekommen Der Grund dafür ist, dass die Firmen nur qualifizierte Fachkräfte benötigte,

die im Arbeitsprozess während des Arbeitsalltags die Lernfähigkeit beweisen, dass sie sich selbst Qualifikationen anlernen können bzw sich in neue unvorhersehbare Herausforderungen der Arbeitswelt adaptieren können Realistisch ist es aber, dass man sich ohne angelernte theoretische Grundlagen für Technik, Maschinen u a nicht so einfach selbst qualifizieren kann Weiterhin wird ab einem Alter von 40 Jahren die körperliche Arbeitsleistung geringer In Vietnam ist das durchschnittliche Alter von unqualifizierten Arbeitern nur 31,2 Jahre und der durchschnittliche im Betrieb gearbeitete Zeitraum nur 6 bis 7 Jahre Damit verbunden ist der

sogenannte Begriff “weiche Entlassung”(vgl Xuan-Thao 2017) Diese weiche Entlassung

betrifft meistens auf die unqualifizierten Arbeiter

Applicants expected wages higher than offered

Applicants lacked required skills

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Abbildung 5 Fachliches Niveau der Facharbeiter, die in Firmen berufstätig sind, geordnet nach den Kategorien der beruflichen Ausbildungsabschlüsse (Quelle: National Institute for Vocational Training

2014, S.25)

Es ergeben sich auch dadurch Hindernisse, wenn die Firma versucht, Fachkräfte zu engagieren,

um die Fabrik einschließlich der Produktionsprozesse auszubauen Generell erhoben die

meisten Firmen ihren nicht erfüllten Anspruch auf qualifizierte Facharbeiter also Monozukuri

als eine Schwierigkeiten bzw ein Hindernis für die Entscheidung zu investieren oder der Anschaffung moderner technischer Ausrüstung an ihrem Standort in Vietnam (vgl Abbildung 6) Aus diesem Grund müssen die Firmen tendenziell In-house-training bzw On-the-job-training anbieten, um diesem Zustand zu begegnen In der Tat sind die Anzahl der ausgebildeten Fachkräfte, die aus den beruflichen Einrichtungen absolviert sind, sehr gering Fast die Hälfte der Fachkräfte ist noch nicht offiziell ausgebildet, laut der Statistik von nationale Institut der beruflichen Bildung Vietnams, die im 2014 erschien, wenn sie in die Arbeitswelt gehen Wegen des Mangels an Fachkräften will die Industrie jetzt sogar ungebildete Neulinge anstellen und demnach direkt am Arbeitsplatz trainieren lassen (vgl Abbildung 5)

24,334

24,856 9,622

Vocational college, College

University and higher

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Abbildung 6 Qualifikationsmangel der Fachkräfte ist aus Sicht der Industrie in Vietnam (Quelle: Die Weltbank 2014, S.52)

Der Zustand ist dramatischer geworden, weil er schon lange Zeit anhält (siehe Abbildung 7) Die Studien von JICA und Weltbank haben gezeigt, dass dieser Zustand von Zeit zurzeit schlimmer geworden sei Die Industrie bedarf immer einer große Anzahl der Monozukuri, wenn sie tendenziell ihren Produktionsprozess von massiver manueller Arbeit oder vom ausschließlichen Bedienen bestimmter Maschinen an immer demselben Arbeitsplatz „perform only standard tasks“ (vgl Mori 2009, S.5), oder „rein mechanische Arbeit“ (vgl Kerschensteiner 1906, S.9)

zu automatisierten Produktionslinien mit großen Anteil der kognitiven und komplexen sowie unständigen Aufgaben „lead the improvement of factory layout, jigs, person-hours, and in-house logistics flows in close cooperation with the production and design departments of an enterprise’s headquarters“ umbauen will und dadurch „initiate and manage the improvement of production operations“ (vgl Mori 2009, S.1) bzw „die Schaffung von neuen Gütern“ und „die Selbstbefruchtung der geistigen Arbeit“ (vgl Kerschensteiner 1906, S.10 & S.13) zu realisieren Dennoch sind die beiden Lernorte der Berufsbildung noch nicht bereit, eine vollständige und nachhaltige Kooperation zu vereinbaren Außerdem hat die Qualifikationsforschung zu den Arbeitsberufen auch nicht das notwendige Augenmerk vom Staat bekommen, um deren Ergebnisse in die curriculare Arbeit einzubringen Dadurch könnte das Berufsbildungssystem bessere und passendere Curricula erarbeiten und so die Erwartungen der Industrie erfüllen zu können Deswegen reklamierten meisten Firmen den Mangel der relevanten Qualifikation ihrer eingestellten Fachkräften laut der Studie der Welt Bank, im Jahr

2012 veröffentlicht worden ist Darüber hatten die Angabe über 80% der befragten Firmen bestätigt, dass ihre rekrutierten Mitarbeiter an der Stelle von Monozukuri bzw Technicians verbrauchten technischen Qualifikationen verfehlen (Abbildung 7)

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Abbildung 7 Anzahl des Mangels von Fachkräften nach Professionen (Quelle: Die Weltbank 2014, S.54)

Dieser Zustand des Mangels zeigt sich noch deutlicher, wenn man ein Benchmarking mit anderen südostasiatischen Ländern ausführt Im Vergleich zu den Philippinen, Indonesien, Thailand und Malaysia sind die Schwierigkeiten der Einstellung von Monozukuri angesichts der japanischen Firmen in Vietnam wahrscheinlich noch größer Zwei von drei der befragten Firmen bestätigten, dass Mangeln an qualifizierten Fachkräften besonders vordringlich geworden ist, als die wirtschaftliche Gemeinschaft der südost-asiatischen Länder Ende 2015 in Kraft getreten ist Im Fall der japanische Firma Sony (vgl Ohno 2009), wurde daraufhin entschieden, die Montage der elektronischen Produkte in Vietnam aufzugeben und diese Produktion in Nachbarländer Vietnams zu verlagern Sie erwarteten dort schneller geeinigtes qualifiziertes Fachpersonal einstellen zu können Dies war ein klares Reagieren auf den beschriebenen Mangelzustand Es kommt dazu zustande, dass meisten Firmen das On-The-Job Training für ihren Fachkräften anbieten müssen Trotzdem müssen sie zu dem Gegenwind zuwenden wegen höheren Kosten, Mangel des Personals sowie Erfahrungen der In-House Trainingsmaßnahme (Abbildung 8)

Craftmens Operators Elementary

WorkersPercent of employers claiming that job applicants lack the

skills required for the job

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Abbildung 8 Anteil der Firmen nach der Angaben von der Größe, die In-house-Training anbieten müssen (Quelle: Die Weltbank 2014, S.114)

2.2 Non-formelles und informelles Lernen als Folge des Mangelzustandes – ein

unvermeidbarer und wichtiger Teil der vietnamesischen Berufsausbildung

Laut CEDEFOP (Centre Européen pour le Dévelopment de la formation Profesionnelle) for the

Development of vocational training) sind non-formelle und informelle berufliche Ausbildung

ist eine Art des Lernens: „das im Alltag, am Arbeitsplatz, im Familienkreis oder in der Freizeit stattfindet Es ist in Bezug auf Lernziele, Lernzeit oder Lernförderung nicht organisiert oder strukturiert Informelles Lernen ist in den meisten Fällen aus Sicht des Lernenden nicht ausdrücklich beabsichtigt.“ (CEDEFOP 2011, S.85) Tatsächlich könnten alle beruflichen

Ausbildungsformen, die außerhalb schulischer Curricula oder staatlicher Richtlinien stattfinden, in non-formelle oder nicht formelle sowie informelle berufliche Ausbildungsart

eingeordnet werden Deswegen wurde z B das Adaptive Training bzw ein Training unter

anderen Namen, wie Anpassungstraining, In-house-training, On-the-job-training, als

funktionale Erziehung (vgl Bank 2005) benannt und als eine nicht institutionalisiert Variante

des informellen Lernens klassifiziert Wobei diese Ausbildungsmaßnahme “in planvolle Tätigkeiten eingebettet ist, die nicht explizit als Lernen bezeichnet werden (in Bezug auf Lernziele, Lernzeit oder Lernförderung), jedoch ein ausgeprägtes „Lernelement“ beinhalten“ (CEDEFOP 2011, S.119) Die Sorge um die ‚funktionale Erziehung‘ nach Bank ist Realität in Vietnam, da die Industrie mit den Fachkräftemangel kämpft und deswegen Trainingsmaßnahmen für die Abgänger der vietnamesischen Berufsbildung anbieten muss, um sie an die Herausforderungen direkt am Arbeitsplatz anzupassen Dennoch streben diese Maßnahmen nicht den Aufbau von beruflichen Kompetenzen des Lehrlings an, sondern übernehmen die einfache Rolle der Anpassung des Neulings an die Arbeitsaufgaben am Arbeitsplatz Diese Art des Lernens passiert allgemein in der vietnamesischen Berufsbildung erst nach dem Abgang von der Berufsschule - also nach der Erstausbildung Die Inhalte der Erstausbildung sind durch staatliche Curricular vorgegeben Die Lehrlinge erwerben ihre Kenntnisse und professionellen Fähigkeiten durch Unterricht zu den Theorien im Klassenraum

und Praxis in den Lehrwerkstätten innerhalb der Berufsschule Haben die Lehrlinge ihre

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Erstausbildung erfolgreich abgeschlossen und worden von einer Firma eingestellt treten sie nicht sofort in die Arbeitswelt ein Zu Beginn müssen sie an einem Anpassungstraining

(adapted training) (vgl Vo 2018) teilnehmen Dieses Training in seiner Art und Weise wird als In-house bzw On-the-job-training bezeichnet Diese Trainingsmaßnahmen werden von den

Firmen direkt nach der Rekrutierung organisiert Dadurch können die Einsteiger fehlende praktische Fähigkeiten und Fertigkeiten direkt am Arbeitsplatz trainieren Diese Form des Trainierens erfolgt in der Art und Weise eines Mentorings, das bedeutet in der Zusammenarbeit von einem erfahrender Begleiter und einem Neuling Das Mentoring bezeichnete somit „die Beratung und Unterstützung eines jungen Menschen bzw eines Neulings, der einer lernenden Gemeinschaft oder Organisation neu beigetreten ist, in sehr unterschiedlicher Form durch eine erfahrene Person – einen ‚Mentor‘, der als Rollenvorbild, Betreuer, Tutor, Coach oder Vertrauensperson fungiert.“ Diese Trainingsmaßnahmen werden für einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten arrangiert (CEDEPOP 2011, S.112)

Anschließend kommt ebenfalls Informelles Lernen vor, wenn diese Art des Lernens, nach Definition von CEDEFOP als „ resulting from daily activities related to work, family or leisure….not organised or structured in terms of objectives, time or learning support…” (CEDEFOP 2011, S.85) gefordert ist Also könnte das Training irgendwie zustande kommen während der Arbeitsvorgänge am Arbeitsplatz nach dem Versuch ein vorhandenes Problem durch eine Lösung zu überwinden Die gewonnenen Kenntnisse und Fertigkeiten, die durch den Prozess der Selbstausbildung gewonnen worden sind, sind selbstverständlich schwer einzuschätzen Allerdings spielt dieser Gewinn eine sehr relevante Rolle für den Aufstieg des Facharbeiters Dazu würde die Firma einen Bewertungsmaßstab brauchen, um ihre Fachkräfte

in demokratischer Weise zu evaluieren sowie den fachlichen Stand eines Mitarbeiters einzustufen bzw einzuordnen Dies verbindet sich natürlich auch direkt mit der Bezahlung sowie der Motivation der Mitarbeiter

In Vietnam sind eigentlich alle Modelle der Berufsbildung, auch das der dualen Berufsbildung

ausprobiert worden Dennoch war die Ausbreitung sowie die Wirkung der angewandten Modelle nicht groß genug Ein Grund war die ungenügende Kapazität der Fabriken, in denen die Maßnahmen verwirklicht worden, sowie deren Zielsetzung, die im Normalfall vom Staat etabliert und imitiert wurden Der Fall von Muto, einer japanischen Firma, ist ein gutes Beispiel Die Firma hat seit 1998 das In-house-training für den Berufsbildungsgang mold-and-die technicians (Techniker für Formen- und Werkzeugbau) angeboten Seitdem wurden 170 Techniker in 6 Trainingskursen ausgebildet Nun erweitert die Firma den Ausbildungsgang auch für Teilnehmer aus anderen Firmen Damit hat die Firma ein Bildungszentrum gegründet Das Zentrum hat zum Ziel, Techniker für Formen- und Werkzeugbau nach japanischen Normen auszubilden, weil der Standard für den Beruf mold-and-die technicians derzeit in Vietnam noch nicht anerkannt gegeben ist (vgl Mori 2009) Im Fall einer deutschen Firma - nämlich Bosch GmbH - ist das vollständige Modell der dualen Berufsausbildung angewendet worden Hier arbeitet der Betrieb mit der staatlichen Berufsschule LILAMA2 zusammen und hat gemeinsam die Berufsbildungsgänge für die Berufe Zerspanungstechniker, Mechatroniker und Elektrotechniker organisiert Bei dieser Kooperation wurden den Lehrlingen die Theorie in der Schule LILAMA2 gelernt und die Praxis unmittelbar am Arbeitsplatz bzw vor Ort in der Firma Bosch geübt (vgl Vo 2018) Die beiden Beispiele der beruflichen Bildungsmaßnahme können

als Erstausbildung bezeichnet werden weil der Einzelne “die allgemeine und/oder berufliche

Bildung im Rahmen des Erstausbildungssystems – in der Regel vor dem Übergang ins Erwerbsleben – erwirbt Die Erstausbildung kann auf allen Ebenen des allgemeinen oder beruflichen Bildungswesens (in Form einer schulischen Vollzeitausbildung oder einer alternierenden Ausbildung) bzw in Form der Lehrlingsausbildung erfolgen.“ (CEDEFOP

2011, S.87) Aber diese Maßnahmen hatten keine Wirkung auf andere vietnamesische Firmen Das durchgeführte Training hat nur den eigenen Bedarf des Betriebs betroffen Eigentlich

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benötigt Vietnam eine andere Lösung, Mori hatte in seiner Bericht schon behauptet, dass ”

…given that in-house training cannot produce a sufficient number of trained workers, good TVET institutions to which enterprises can outsource training are needed.” (vgl Mori 2014, S.20) Anschließend sind tatsächlich noch einige Modelle nach dem sogenannten Clustering-Modell in der vietnamesischen Berufsausbildung (vgl Xiong 2012) zustande gekommen Ein brillantes Beispiel ist der Fall von The Vietnam-Singapore Technical Training Center (VSTTC) Das VSTTC wurde im Jahr 1997 gegründet Zuvor worden in dieser Zeit Trainingskurse mit einer Dauer von 6-Monaten (entspricht 1100 Trainingsstunden) für die Firmen innerhalb der Vietnam-Singapore Industriezone angeboten Ursprünglich zielte das Training des Zentrums inhaltlich direkt auf Anfragen der Firmen Aus diesem Grund aktualisierte das Zentrum die Curricula ständig Bis 2008 erweiterte die berufliche Institution ihre Ausbildungskapazität und bietet seither auch zweijährige Berufsbildungsgänge und dreijährige Berufsbildungsgänge mit Fachhochschulreife an (vgl Ohno 2009) Diese verbindliche Kooperation nach der Art und Weise von Ausbildungszentren innerhalb industrieller Gebiete ist derzeit der überwiegende Trend in Vietnam Fast alle industriellen Terrains in Vietnam haben eigene Ausbildungszentren eingerichtet Diese Vorgehensweise trug unmittelbar zu einem bunten Bild der beruflichen Bildungsmaßnahmen in Vietnam bei Es bezeichnet eine sehr vielfältige aber nicht einheitliche Kooperation in der Durchführung von Trainingsmaßnahmen

Abschließend kann man feststellen, dass Training-on-the-job bzw Lernen am Arbeitsplatz mit dem Anteil von 63,6 % Weit verbreitet ist (vgl MoLISA 2012) Zudem worden unterschiedliche Modelle der Kooperation innerhalb der Berufsbildung neben den obengenannten Beispiele in Vietnam angewendet z B Berufsausbildung im Betrieb oder Berufsausbildung außer Betrieb, also Fortbildung (vgl MoLISA 2012) Jedoch sind alle non-formell oder informell, weil diese Trainingsmaßnahme außerhalb des staatlichen Berufsbildungssystems stattfinden Einzige Ausnahme ist der Fall der Firma Bosch

2.3 Zur Genese der vietnamesischen Berufsbildung: Zukunft braucht Herkunft - von

informellen zu formellen Berufsbildungsmaßnahmen in Vietnam

Ursprünglich hat die vietnamesische Berufsbildung ihren Ausgangspunkt in den Gemeinschaften der Handwerker, die bis zur heutigen Zeit noch vorhanden sind Typisch sind Berufe wie: Tischler, Bronzegießer, Bambeber, Trommelmacher, Sticker, Schmied, Steinmetz, Porzellanhersteller, Weber usw Weiterhin existieren sehr spezielle traditionelle Berufe wie

z B Hornschnitzer, oder Holzlackierer Bei dieser Art von Kunst beschichtet und bemalt der Handwerker Holz mit Lack Besonders ausgebildete Maler benutzen eine spezifische Art von Papier mit den Namen „dó“ Dieses Papier wird ähnlich wie Papyrus hergestellt, ist jedoch nicht aus Papyrus sondern aus einer anderen Art von Pflanzen, die „dó“ genannt werden Die Papiermacher aus den „dó“-Pflanzen stellen einen eigenen Beruf dar Alle diese obengenannten traditionellen Berufe existieren möglicherweise noch bis in moderne Zeit und haben ein identisches Merkmal: Die Vermittlung dieser Berufe erfolgt durch die Art und Weise der funktionalen und situativen Erziehung (Bank 1997, S.19) und findet direkt am Arbeitsplatz oder

im Familienkreis statt

Das Amt für Berufsausbildung von Facharbeitern (Tổng cục đào tạo Công nhân Kỹ thuật)

wurde tatsächlich am 9 Oktober 1969 unter Zuständigkeit des Ministeriums für Arbeit nach Verordnung Nr 2000/CP gegründet Bis zum Jahr 1975 hatte die Demokratische Republik Vietnam in damaligen Nordvietnam 185 Berufsschulen Dazu gehörten in diesem System zwei Universitäten für Berufspädagogik Dies hatten zum Ziel die Lehrkräfte für die Berufsbildung auszubilden

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Im Jahr 1977 wurde das Institut für Berufsbildungsforschung mit dem Ziel gegründet, auf den Gebieten der Berufsbildungswissenschaft zu forschen und die Ergebnisse anzuwenden Daneben wurde am 24 Juni 1978 das Amt für Berufsausbildung von Facharbeitern (Tổng cục đào tạo Công nhân Kỹ thuật) in Amt für Berufsausbildung umbenannt und unter unmittelbarer Zuständigkeit des Rates der Regierung nach der Verordnung Nr 151/CP gestellt Laut der Verordnung Nr 109/CP (CP – Chính phủ: Regierung) ist dieses Amt, im ganzen Land, für die Berufsbildung zuständig und für die beruflichen Bildungsmaßnahmen verantwortlich Anschließend worden extra noch Ausschüsse der Berufsbildung in einigen Provinzen und Städte etabliert Diese Ausschüsse haben den Auftrag lokale Arbeitskräfte auszubilden Das System der Berufsbildung wurde ab diesem Zeitpunkt in Vietnam grundsätzlich neu aufgebaut

Ab 1981 wurde der vollständige Aus-/Umbau des Systems nochmal durchgeführt Das berufliche Bildungssystem umfasst heute fünf Universitäten für Berufsbildung in fünf Städten: Hung-Yen, Nam-Dinh, Vinh, Ho-Chi-Minh-Stadt und Vinh-Long und ein abgestimmtes Netzwerk

Das vietnamesische Berufsbildungssystem ist ein Bestandsteil bzw Subsystem des gesamten Bildungssystems In diesem Subsystem werden den Jugendlichen Berufsbildungsgänge angeboten (siehe Abbildung 9) Als das aktuelle BBiG in Vietnam noch nicht in Kraft war, hatte das dargestellte System noch ein paralleles Subsystem zur Berufsbildung, dennoch unter die Verwaltung von MoET Dies war vor 2015 Dieses Subsystem bot auch Berufsausbildung von der Mittelstufe bis zur Fachhochschulreife an Es gab nur einen Unterschied zwischen beiden Subsystemen der Berufsbildung, je nach der Ausprägung des Verhältnises zwischen Theorie und Praxis:

 50:50 im Subsystem des Ministeriums für Erziehung und Training (MoET) und

 30:70 im Subsystem unter der Zuständigkeit des Ministeriums für Arbeit, Invalde und soziale Angelegenheiten (MoLISA)

Bis Ende 2015 hatte Vietnam insgesamt 1.476 Bildungseinrichtungen Es entspricht 190 Fachhochschulen, 280 Berufsschulen bzw Berufsakademien und 997 Bildungszentren (vgl Nguyen 2016)

Die vietnamesische Berufsbildung ist in 3 Stufen unterteilt (siehe Abbildung 10) und unterliegt der unmittelbaren Zuständigkeit des Ministeriums für Arbeit, Invalide und Soziale Angelegenheiten – MOLISA

Hochschulen (Cao đẳng), Fachhochschulen (Cao đẳng nghề) bieten normalerweise an:

 dreijährige Berufsbildungsgänge mit den Zugangsvoraussetzungen Abitur oder Oberschulabschluss (entspricht Abschluss 12 Klasse) und

 ein- sowie zweijährige Berufsbildungsgänge mit der Zugangsvoraussetzungen Berufsfachschulabschluss Lehrlinge, die den Abschluss der Mittelschule haben, müssen Kenntnisse nachweisen, die dem Abschluss der sekundären Stufe II entsprechen

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Abbildung 9 Das vietnamesische berufliche Ausbildungssystem im Zusammenhang mit der allgemeinen

Bildung gemäß dem aktuellen Berufsbildungsgesetz (BBiG) im Jahrgang 2015 (eigene Darstellung, vgl

Vo 2018a)

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Daneben existieren Berufsschulen (Trường Trung cấp Nghề) Diese Art von Schulen

vermitteln die Theorie im Klassenraum und parallel dazu die Praxis in einer Lehrwerkstatt an der Schule Man könnte dies auch Vollzeit-Berufsschule nennen Diese Art der Schule ist identisch mit deutschen Berufsfachschulen, identifiziert laut der Schulordnung Berufsfachschulen Sachsen 2014 Die Berufsschulen liefern zweijährige Berufsbildungsgänge mit den Zugangsbedingungen: Abitur, Oberschulabschluss oder Abschluss der Mittelschulen Seit 2015 übernahm die Aufsicht die zuständige Stelle für Berufsbildung des MoLISA (wie in dargestellt) Früher stand noch ein paralleles System von Berufsschulen und Fachhochschulen zur Verfügung, welches unter die Verwaltung des Ministeriums für Bildung und Training stand Die unterschiedlichen Merkmale zwischen beiden Systemen liegen nur in den Anteilen zwischen Theorie und Praxis In System von Ministerium für Arbeit, Invalide und soziale Angelegenheit ist normalerweise das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis 30:70 Daneben entspricht diesem Verhältnis zwischen Theorie und Praxis im System von Ministerium für Bildung und Training normalerweise 50:50 Außerdem hat Vietnam einige Berufsakademien, die unter die Verwaltung bzw Zuständigkeit von privaten Firmen oder ausländischen Investoren (das Modell von Clustering) stehen Das bedeutet, dass diese Zentren vollständig durch Investitionen vom Ausland z B Singapur, Deutschland, Vereinigte Staaten usw aufgebaut wurde Nach vietnamesischen Berufsbildungsgesetzt 2015 haben ausländische Firmen mit Direktinvestitionen in Vietnam, und Inlandskonzerne den Freiraum die Art und Weise von Berufsbildungsmaßnahmen selbst festzulegen und auszuführen Dies betrifft das Training in der Primarstufe und Fortbildungsmaßnahmen (Đào tạo thường xuyên) mit einem Zeitraum des Trainings nicht länger als drei Monate Die ausländischen FDI Firmen und Inlandskonzerne können auch mit anderen vietnamesischen Bildungsakademien in der Berufsbildung operieren (vgl Kapitel IV, Abschnitt 51) Dementsprechend könnten sie Lehr- und Lerninhalte selbst auswählen, an den Prozess der Curriculumentwicklung teilnehmen (vgl Kapitel III, Artikel 3, Abschnitt 48 des vietnamesischen Berufsbildungsgesetzes – Luật Giáo dục nghề nghiệp) sowie Bildungskosten als Aufwand in den Produktionskosten des Konzerns einrechnen um sich somit steuerlich zu entlasten

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Abbildung 10 Drei Stufen der vietnamesischen Berufsbildung mit den zuständigen Stellen nach BBiG

Vietnams 2015 (eigene Darstellung, nach vietnamesischen Berufsbildungsgesetz 2015)

oder Kredite)

genügende Anzahl an Modulen oder Krediten (Vollzeit) 1 bis 02 Jahre (hängt

von Berufen ab)

genügende Anzahl an Modulen oder Krediten

Abschluss Prüfung Prüfung Prüfung/Projekt (Vollzeit)

Genügende Anzahl an Modulen oder Krediten (*: mit Abitur)

Abschluss Zertifikate Techniker (Zeugnis) Bachelor oder

Ingenieur für die Praxis

Berufsbildung

* und formelle Berufsbildung

* und formelle Berufsbildung

(Durchlässigkeit gilt nur zwischen 2 Stufe und 3 Stufe)

Schließlich übernehmen die Zentren der Berufsausbildung die Aufgabe, berufliche Bildungsmaßnahmen von den Primarstufen im Zeitraum von 3 bis zu maximal 12 Monaten anzubieten Dementsprechend umfasst diese berufliche Bildungsmaßnahme mindestens 300 Lerneinheiten (vgl Berufsbildungsgesetz Vietnams 2015) Die Zentren stellen zusätzlich noch andere Berufsbildungsmaßnahmen wie Berufsvorbereitung, Berufsorientierung oder Berufsfortbildung bereit

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Das vietnamesische Berufsbildungssystem in seiner dreistufigen Hierarchie ist seit dem Aufbau der Berufsbildungszentren in den Kommunen oder Bezirken relativ vollständig ausgebaut Die Kommunen oder Bezirken verwalten die Zentren und sind somit für Ausbildung in der

Primarstufe verantwortlich Das Ministerium für Arbeit, Invalide und Soziale Angelegenheiten

(MoLISA) spielt die entscheidende Rolle in der Verwaltung des gesamten Systems auch

bezüglich der finanziellen Investitionen und technischen Ausrüstungen der Lehrwerkstätten Beide Bestandteile des beruflichen Bildungsganges Theorien und Praxis werden meistens nur

in der Schule vermittelt

Außerdem kommen Varianten vor, dass sich die Einrichtungen für Berufsbildung in Einheit mit industriellen Zonen oder in Verbindung mit der Firma befinden Dies steht im Zusammenhang mit 206 industriellen Zonen und 14 industriellen Zollfreigebieten mit 2,6 Millionen Beschäftigten in Vietnam (vgl Nguyen 2016) Dennoch sind bis zu 80 % der Arbeiter nicht ausgebildet worden Die meisten von ihnen kommen aus ländlichen Bereichen Darüber hinaus gibt es nun in ganz Vietnam 285 Einrichtungen für Berufsausbildung, die im Zusammenhang mit dem industriellen Sektor gegründet worden sind Innerhalb dieser Anzahl sind nur 28 staatliche Einrichtungen dies entspricht 9,82 % Übrigens sind 257 berufliche Einrichtungen privat, also 90,18 % Ziel dieser Einrichtungen ist es, Arbeitskräfte für Firmen oder für Unternehmen, die sich in industriellen Zonen bzw Bezirke befinden auszubilden Beispiele sind:

 die Fachhochschule Vietnam-Singapur in der Vietnam-Singapur-Industriezone,

 die Fachhochschule Dung-Quat im industriellen Bezirk Dung-Quat,

 die Fachhochschule Chulai-Truonghai im komplexen-wirtschaftlichen-industriellen Bezirk für Kraftfahrzeugmontage und –herstellung Chulai-Truonghai und

 die Fachhochschule Dong-An in der Dong-An-Industriezone (vgl Nguyen 2016)

2.4 Zusammenarbeit in vietnamesischen beruflichen Maßnahmen

Die Zusammenarbeit in beruflichen Bildungsmaßnahmen ist in folgenden Formen organisiert,

wobei die Firmen die Trainingsmaßnahmen maßgeblich gemeinsam mit einer Berufsschule oder einer staatlichen Institution durchführen

- Ungefähr 40 % der Firmen schicken ihre Fachkräfte in die Berufsschule, um Fortbildung durchzuführen oder ein Einstiegstraining zu machen Die meisten dieser Maßnahmen hatten zum Ziel eine Ergänzung der Theorie zu den praktischen Tätigkeiten des Berufs vorzunehmen

- 37,1 % der Firmen haben einen Ausbildungsvertrag mit einer Berufsschule, um ihre Fachkräfte auszubilden

- 28,6 % der Lehrlinge machen Betriebspraktika in der Art und Weise eines

‚Apprenticeship‘ im Betrieb

- Meistens sind die Lehrerinnen der Berufsschulen Hochschulabsolventen, die noch nie

in dem zu lehrenden Beruf entsprechende Erfahrungen gesammelt haben Nur 5,7 % der unterrichtenden Lehrkräfte an den Berufsschulen sind erfahrene Fachkräfte, die wirklich aus der Arbeitswelt kommen und damit für die eigentlichen Arbeitstätigkeiten qualifiziert sind Diese Art des Unterrichtes findet nur in dem Fall statt, wenn staatliche bzw große internationale Konzerne eigene Bildungszentren betreiben Beispiele sind: LILAMA, ein riesiger staatlicher Konzern aus dem Bereich der Entwicklung und

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Produktion von Maschinen und PTSC, ein staatlicher Betrieb aus dem Bereich der Petrolindustrie

- 6 % der Lehrkräfte der Berufsschulen machten eine Fortbildung in der Arbeitswelt eines Konzerns Sonst sind die Lehrerinnen der Berufsschule Hochschulabsolventen – also Ingenieur oder BA und haben noch nie bezügliche Erfahrungen des belehrten Berufs gesammelt (vgl MoLISA 2012)

Die Zusammenarbeit zwischen den Firmen und den Berufsbildungseinrichtungen entstand meistens in Form von Betriebspraktika Das bedeutete, dass die Schule bzw das Zentrum der Berufsbildung ihre Lehrlinge an die Firma schickten, um Praktika in Zeitraum von 2 bis 3 Monaten durchzuführen Laut Interview mit dem Direktor der Firma Duy-Tan-Plastics sagte Herr P., dass die Schulen ihre Schülerinnen einfach an Firma schickten ohne Vorgaben zum Inhalt des Praktikums oder eine konkrete Absicht im Zusammenhang mit dem Aufbau der beruflichen Qualifikation Deswegen könne er nicht wissen, wie er am besten mit diesen Lehrlingen umgehen sollte Aus diesem Grund hat das Betriebspraktikum keinen großen Einfluss auf das Ziel der fachlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten der auszubildenden Lehrlinge

Dies wird deswegen als ein Zustand von inhaltlicher ‚Leerform‘ in der Koordinierung zwischen

beiden Lernorten bezeichnet

Der Inhalt von Abbildung 11 macht deutlich, dass die Zusammenarbeit zwischen Firmen und beruflichen Institutionen bei der Zusammenarbeit in Berufsbildungsmaßnahmen, speziell hinsichtlich der Befragung zu den Bedürfnissen der Betriebe sowie zur Ermutigung der industriellen Seite zur vertieften Teilnahme an der Konzeption der Berufsbildung z B

gemeinsame Teilnahme an curriculare Arbeit, sehr ‚ausgeblendet‘ sind Hieraus ergibt sich

verstärkt die Notwendigkeit der Untersuchung der Bedürfnisse der Arbeitswelt, um Informationen über die Nachfrage der Industrie zu sammeln Damit könnte eine verbesserte Legitimierung der erstellten Curricula erreicht werden, sowie die Industrie zur Teilnahme und Ausführung von Trainingsmaßnahmen ermutigt werden Dies führt dann auch dazu, dass die Rollen in der Berufsbildung vorteilhaft verteilt werden können Also fordert das vietnamesische Berufsbildungssystem dazu auf: „Die Gestaltung von Berufsbildern und beruflicher Curricula wird durch betriebliche, soziale und gesellschaftliche Vorstellungen über Berufe, aber vor allem auch durch Ergebnisse der Qualifikationsforschung beeinflusst“ (Becker & Spöttl 2008, S.31)

Im Gegensatz dazu entwickeln die Berufsschulen nun ihre Curricula nur nach Ihren Vorstellungen über den Beruf Der curricularen Arbeit der vietnamesischen Berufsbildung fehlt die eigentliche Teilnahme der Industrie und sie ist nicht aus dem Bedürfnis von wirklichen

‚Skills Demand‘ heraus aufgebaut worden Zur Intervention der vietnamesischen Konzerne in der Entwicklung des Curriculum wird trotzdem von staatlicher Seite ermutigt Allerdings ist die Zusammenarbeit zwischen beiden Lernorte der Berufsbildung noch nicht gründlich gestartet und fordert ein Mittel, womit diese gemeinsame Arbeit initiiert werden kann

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Abbildung 11 Zusammenarbeit zwischen Firmen und beruflichen Institutionen (Quelle: Mori 2009, S.33)

Name der berufsbildenden

Schule/ des

Trainingszentrums

Land Unterstützung

durch ausländische Experten

Regelmäßige Treffen mit Ehemaligen

Maßnahmen

Kurzzeit-Anweisung von Unternehmen

Praktika Curriculumrevision

unter Einbeziehung von Unternehmen

Bedarfsanalyse

Qualifikations-Einbindung der Unternehmen in die Leitung der Schule

ᴏ : benutzt als regelmäßige Ansatz oder vollständige Methode

∆ : benutzt als zeitweise Mittel/Methode

- : nicht oder selten benutzt

? : nicht bekannt

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2.5 Umstände der vietnamesischen beruflichen Bildung und gesellschaftliche Einstellungen

zu Berufsbildungsmaßnahmen

Um die Abspaltung der Qualifikation von Fachkräften zwischen der Seite der Anbieter (berufliche Schulen, Ausbildungsinstitutionen) und der Seite der Nachfrage nach Absolventen (Industrie, Firmen) zu verringern, hatte die vietnamesische Regierung einige Lösungen vorgeschlagen und eingeführt Beispiele sind der Aufbau eines neuen Curriculums mit

Unterstützung der GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) für den Beruf des

CNC-Bedieners (Zerspanungstechniker) sowie das Importieren von Curricula aus anderen Ländern (vgl Truyen 2017) usw Damit verbindet das Ministerium die Hoffnung die Qualität der beruflichen Trainingsprogramme bzgl der Bedürfnisse aus dem industriellen Sektor zu verbessern Trotzdem treffen die Absolventen aus den Berufsschulen weiterhin meistens nicht den Bedarf der Industrie Dies wird auch ähnlich in anderen Quellen geäußert Im Bericht der

JICA Vietnam (Japan International Cooperation Agency Vietnam) wird das Problem deutlich

identifiziert Der beschriebene Mangel besteht nicht nur aus dem Grund, dass die beruflichen Institutionen keine fachlich vernünftig ausgebildeten Lehrer haben und mit modernen technischen Mitteln ausgerüstet sind, sondern er wird vielmehr ausgelöst wegen dem Fehlen vernünftiger Informationen über die Bedürfnisse an die Fachkräfte aus dem industriellen Sektor für die curricularer Arbeit “In Vietnam many TVET institutions do not properly understood the skills that industry requires „ (vgl Mori 2014, S.6) Deswegen sind die beruflichen Curricula nicht an den Bedürfnissen aus der Arbeitswelt gespiegelt “the lack of detailed information on specific skills needs at the occupational level and the dynamic changes in skills

demands make it difficult for TVET institutions to grasp the skills demands of industry.“ (ebd.)

Um passend qualifizierte Facharbeiter auszubilden, benötigten die beruflichen Bildungsinstitutionen die Forderungen aus Industrie zum Festlegen der notwendigen Qualifikationen für die Fachkräfte eines konkreten Berufes Diese wertvollen Informationen,

die von Robinsohn „Curriculumermittlung“ genannt wird, gelten als wertschätzende Quelle für

die curriculare Arbeit und damit für die zielführende Entwicklung eines Curriculums Weiterhin befindet sich die berufliche Ausbildung in Vietnam noch in einer anbieterorientierten Form Das bedeutet, dass die Institutionen ihre Lehrlinge angesichts ihres Wissens über den Beruf ausbilden dabei aber nicht auf die vorhandene Nachfrage der Betriebe achten „…Training programs developed without sufficient information about industry skills requirements cause employees or job applicants to have insufficient proficiency, which leads to skills gaps and shortages.“ (ebd.) Die Bedürfnisse der Arbeitswelt sind aus Sicht der staatlichen beruflichen Institutionen weiterhin nicht erfassbar

In der Tat legte der Direktor des vietnamesischen Amtes für Berufsausbildung, laut dem Bericht über die Berufsbildung im Jahrgang 2012, die Strategie der vietnamesischen Fachkräfteentwicklung im Zusammenhang mit der Kooperation mit der industriellen Seite fest, dass die Betriebe zur Teilnahme an der beruflichen Ausbildung aufgerufen sind Darin werden gefordert (vgl Nguyen 2016):

 eine intensive Koordinierung zwischen den beruflichen Ausbildungsinstitutionen und den Firmen herzustellen,

 ein Bündel verschiedener Arten von beruflich betriebsorientierter Aus- und Fortbildung anzubieten,

 den industrielen Sektor zur Ausbildung eigener Fachkräfte im Betrieb zu ermutigen sowie

 die gesetzlichen Grundlagen für die Verantwortung der Betriebe in der Berufsausbildung der Fachkräfte zu schärfen

Zusammenfassend kann man mehrere Schwachstellen der derzeitigen Berufsausbildung in Vietnam benennen Grundsätzlich stimmt die Qualität der in staatlichen Berufsschulen

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ausgebildeten Fachkräfte nicht mit der Nachfrage aus dem industriellen Sektor überein Diese Differenzen betreffen sowohl die beruflichen Fähigkeiten und Fertigkeiten als auch die sozialen Kompetenzen bzw Soft-Skills wie beispielsweise Teamgeist und Selbstständigkeit Zusätzlich ist die Koordinierung einer gemeinsamen Durchführung eines Berufsbildungsganges zwischen dem industriellen Sektor (also Firmen, Betriebe) und den beruflichen Ausbildungsinstitutionen noch nicht realisiert worden Weiterhin gibt es noch keine konzeptionelle Verbindung zwischen beiden Lernorten, in der die Rolle von beiden klar aufgeteilt bzw genannt worden sind Beispielsweise würden die Firmen gern die Rolle als Ort des Aufbaus von benötigter beruflicher Fachkompetenz übernehmen Zugleich würden die Berufsschulen die Rolle des Vermittlers relevanter theoretischer Fachkenntnisse einnehmen (MoLISA 2012, S.12)

Um die Schwachstellen der derzeitigen vietnamesischen Berufsbildung abzubauen, hatte MOLISA folgende Lösungen vorgehabt:

 Aufbau eines National Qualification Framework – NQRs (Nationaler Qualifikationsrahmen) und eines National Vocational Qualification Framework (beruflichen Nationalqualifikationsrahmen) Die Nachfrage nach dem Aufbau dieser nationalen Qualifikationsrahmen entstand im Zusammenhang mit dem in Krafttreten der

Freizügigkeit der Arbeitskräfte zwischen den südost-asiatischen Ländern AEC (Asean Economic Community) Ende 2015 Um diese Nachfrage zu befriedigen, baute Vietnam

zunächst ein Berufsbild (Occupational Profile) auf Dies sollte dienen als

- Leitfaden für den Berufseinstieg von Fachkräften und als Referenz für die Fortschritte des Facharbeiters während seines beruflichen Lebens,

- Grundlage für die Anstellung der Fachkräfte in Firmen, sowie für die Berechnung des Arbeitslohns und

- die Informationsquelle und Grundlage für die curriculare Arbeit der beruflichen Bildungseinrichtungen genutzt werden

 Aufbau einer Politik der Ermutigung zum Engagement der Industrie bei der Erstellung der NQRs

 Schaffung von Stellen auf Probe für den Aufbau sogenannter Prüfungsausschüsse für die

„Messung“ beruflicher Kompetenz oder Qualifikation Der Ausschuss sollte verantwortlich sein für die Festlegung und Verbreitung von Standards der beruflichen Kompetenzen bzw der Qualifikationen des Berufs und informell erworbene Berufsfertigkeiten des Arbeiters durch Prüfungen zu messen und deren Anerkennung mit Hilfe von Zertifikaten durchzuführen

- Diese zuständige Stelle für „Anerkennungsverwaltungen auf Probe“ wurde als sogenanntes Kompetenzzentrum bezeichnet und soll hauptsächlich Prüfungen zur Anerkennung beruflicher Qualifikationen ausführen Dadurch würden die Kompetenzen anerkannt, die die Fachleute bei ihrer alltäglichen übergreifenden Arbeit erlangen Daneben kann dieses Zentrum Zertifikate nach dem beruflichen Nationalqualifikationsrahmen in 5 Stufen ausstellen (MoLISA 2012, S.18)

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2.6 Wandel in der Berufsbildung in Vietnam – von Veränderungen der Anforderungen an die

Fachkräfte zu einem dynamischen System der Berufsbildung

Zur Einführung und zum Verständnis zwei Geschichten, die in einer dynamischen offenen Welt veröffentlicht worden sind Beispielsweise die Geschichte von Caroline in der Zeitung New York Times Caroline hatte eine Ausbildung absolviert Aber sie fand nicht den Job mit dem gewünschten guten Gehalt Aus diesem Grund traf sie die Entscheidung einen Hochschulabschluss zu erwerben und die dazu notwendige Fortbildung mithilfe eines Kredites der amerikanischen Regierung zu finanzieren Nach dem Absolvieren des Lehrgangs hatte sie Schulden in Höhe von zwanzigtausend Dollar Jedoch erhielt sie leider weiterhin nicht den neuen guten Job, da die Stelle auf die sie sich bewarb einen Bachelorabschluss verlangte (vgl Shipler 2004) Der Fall von Caroline entstand hauptsächlich aufgrund von “A full bachelor's degree would have been a door-opening credential, of course, but the associate's degree proved useless” (ebd.)

Die andere Geschichte betrifft einen vietnamesischen Bachelor, welcher schon vor zwei Jahren

einen wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang an einer ‚one of Vietnam’s best universities‘

absolviert hat Diese Geschichte ist möglicherweise noch schlimmer ausgegangen, weil der Betroffene zurzeit als Motorbike-taxi-driver in Hanoi tätig sein muss, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen Es war ihm nicht gelungen eine Stelle in seinem ausgebildeten Bereich zu erhalten “ can’t land jobs in their chosen field, even though the nation’s unemployment rate is just 2, 3 percent“(Nguyen Dieu Tu Uyen 2017)

Schwierigkeiten beim Einstellen passend qualifizierter Fachkräfte stammen oft aus dem

Mangel notwendiger Kompetenzen und sind damit Ursprung von Arbeitslosigkeit oder ergeben

Probleme beim Erwerben einer Arbeitsstelle in Vietnam Dazu hat der Vizedirektor des Instituts

für Arbeitswissenschaften und soziale Angelegenheiten, Herr Luu Quang Tuan, geäußert

“Many graduates lack critical skills such as teamwork and organizational skills to work in companies“ (vgl Nguyen Dieu Tu Uyen 2017) Trotzdem das mehrere politische Entscheidungen

vom Staat schon getroffen worden, z B neue Curriculum aus dem Ausland nach Vietnam geholt worden sind, kommentierte Herr Prof Nguyen Minh Thuyet (ebd.) „ We need to overhaul their

curricula to reduce training of impractical subjects But the progress is still very slow Not much has been done.” Diese Lücken in der benötigten Qualifikation von Absolventen sind in

vielfältiger Art und Weise unter sogenannten ‚Kompetenz‘-Begriffen wie z B Schlüsselkompetenz, Kernkompetenzen, Kernfertigkeiten erfasst worden (vgl Merten 1974) Die Europäische Kommission hat in diesem Zusammenhang auch die folgenden sogenannten Schlüsselkompetenzen im Detail aufgelistet: Kommunikation in der Muttersprache, Kommunikation in Fremdsprachen, mathematische, wissenschaftliche und technologische Kompetenz, Computerkompetenz, Lernkompetenz, zwischenmenschliche, interkulturelle und soziale Kompetenz sowie Bürgerkompetenz, unternehmerische Kompetenz und schließlich kulturelle Ausdrucksfähigkeit (vgl CEDEFOP 2011)

Der Zustand des Fachkräftemangels ist in der vietnamesischen Bildung schon lange Zeit bekannt und anerkannt worden Eine Vielzahl von Forschern haben darüber auf der Tagung

‚Innovation in der beruflichen Bildung mit Orientierung nach Strategie Work-Ready, Practical Learning‘, die am 16 Januar 2017 in Ho-Chi-Minh-Stadt stattfand, gesprochen und beispielsweise die folgenden Maßnahmen vorgeschlagen:

 Innovation in der curricularen Arbeit mit der Orientierung zu beruflichen Ausbildungsgängen mit Curricula nach den Bedürfnissen der industriellen Seite und des Arbeitsmarktes,

 Aufruf zur intensiven Teilnahme von Firmen an Berufsbildung,

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 Schaffen politischer Bedingungen zum Erleichtern des Austauschs und der Erfassung von Rückmeldungen zur Qualität der vietnamesischen Berufsausbildung sowie

 Aufbau eines Konzeptes zur Sammlung von zukünftigen Anforderungen an Arbeitskräfte aus den Firmen, die als Informationsquelle für Innovationen bezüglich der Curricula genutzt werden können (vgl Dinh Nam 2017)

Weiterhin entstand seit Anfang 2000 innerhalb Vietnams der Trend zur Mobilität und

Freizügigkeit In der folgenden Abbildung ist die Mobilität unqualifizierter Arbeitskräfte vom

Land in die großen Städte wie Ho-Chi-Minh-Stadt, Ha-noi, Hai-phong dargestellt Sie verbanden diesen Ortswechsel mit der Hoffnung, einen guten Job finden zu können Diese Abbildung ist das Ergebnis einer Studie von 2015 über die Arbeitskräftemobilität die von UNFPA, United Nations Fund for Population Activities, durchgeführt wurde Dabei ist hervorzuheben, dass mehr als 70 % der Befragten, die vom Land in die Stadt einwandern wollten, bewusst war, dass vielfältige Schwierigkeiten in der Stadt auf sie warten werden (vgl Abbildung 12) In der Studie von UNFPA (United Nations Fund for Population Activities)

wurde die Frage gestellt: Wenn Sie Schwierigkeit in der größeren Stadt vorhersehen, würden

Sie trotzdem in die Stadt umziehen? (vgl Duc Hoang & Hoang Phuong 2017)

Dementsprechend erhöhte diese Mobilität der unqualifizierten Arbeitskräfte den Druck auf das Arbeitsstellenangebot sowie auf den Bedarf von beruflicher Ausbildung durch staatliche Stellen

Abbildung 12 Laut der Studie von UNFPA, der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen, mit dem Thema ‚Absicht von Jugendlichen aus dem Land in die Stadt zu gehen‘, meisten Jugendlichen aus dem vietnamesischen Land wollen in die große Stadt eingehen, um bessere Berufschance zu suchen Trotzdem sind sie noch nicht ausgebildet (Quelle: Duc Hoang & Hoang Phuong 2017)

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Daneben entstand 2013 eine weitere Tendenz im Zusammenhang mit der Verwirklichung der AEC Die Freizügigkeit führte dazu, dass Fachkräfte aus anderen südost-asiatischen Ländern

in Vietnam kamen und hier arbeiten durften Laut der Angabe des Ministeriums für Arbeit, Invalide und Soziales (MoLISA) stieg die Zahl der ausländischen Arbeiter, die in Vietnam tätig sind, in den letzten 10 Jahren deutlich an Sie wuchs von ungefähr 12.600 im Jahr 2004 auf

mehr als 83.500 im Jahr 2015 (vgl Dtinews – Dan-Tri International 2017) Diese Ereignisse

setzten die vietnamesischen Arbeitssuchenden unter weiteren Qualifizierungsdruck, da die meisten der Gastarbeiter besser beruflich ausgebildet bzw qualifiziert worden sind Damit brachte diese Freizügigkeit auch einen vorteilhaften Anstoß für den Wettbewerb bei der Suche nach einer Arbeitsstelle auf dem vietnamesischen Arbeitsmarkt

Es kam nun zu der Einsicht, dass die vietnamesische Berufsbildung eine entscheidende Rolle für die zukünftige Entwicklung dieses Landes besitzt Morten Pristed, Experte im Botschaftsrat der dänischen Botschaft in Hanoi, und Torben Schuster, Seniorberater im dänischen Ministerium für Bildung, legten zudem dar, dass das Wirtschaftswachstum in Vietnam kontinuierlich von ausländischen Direktinvestitionen (FDI – Foreign Direct Investment) und Verbesserung der Arbeitsleistung abhängt Diese beiden Faktoren gewährleisteten und bewahren die kontinuierliche Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit Vietnams Diesen Entwicklungsressourcen stützen sich völlig auf qualifizierte Arbeitskräfte, um neue produzierende Methoden bzw Verfahren zu verstehen und zu entwickeln Morten Pristed und Torben Schuster hatten auch vorgeschlagen, dass sich die Berufsbildungsinstitutionen enger, unmittelbar und systematisch mit der lokalen Industrie verbinden müssen Dieses Kooperieren könnte durch die Gründung einer lokalen professionellen Kammer verwirklicht werden Hier sollten sich Berufsbildungsträger und Firmen regelmäßig treffen können Berufsschulen müssten in ihren Lehrplänen bzw Curricula die Basisbedürfnisse der Industrie beachten und verfolgen (vgl Morten Pristed & Torben Schuster 2017)

In der Tat sind die genannten innovativen Maßnahmen in letzter Zeit beispielsweise im Fachbereich Tourismus schon ausgeführt worden Dies betraf in dieser Branche z B die

zeitliche Erhöhung des praktischen Ausbildungsanteils in der Firma Die beruflichen Bildungsinstitutionen konnten zunächst eigenverantwortlich Betrieb als Lernort aussuchen, die Ausführung des Berufsbildungsgangs koordinieren sowie die learning outcomes des Ausbildungsganges mit den kooperierenden Partnern vereinbaren Die Ausbildungsdauer im Betrieb wurde als Summe der praktizierenden Zeit verstanden und mit nicht weniger als 50 % der gesamten Ausbildungsdauer angesetzt (vgl Hong-Hanh 2017, die Erklärung Nr 469/TB-VPCP von Büro der vietnamesischen Regierung) In Folge dieser Innovationsmaßnahme benötigte das Berufsbildungssystem sehr schnell das Finden eines Konsenses zwischen beiden Lernorten bzgl der Theorien in der Schule und den praktischen Aktivitäten im Betrieb Damit

einhergehend wurde der Zustand der ‚Leerform‘ während der inhaltlichen Koordinierung

zwischen beiden Lernorten aufgelöst

2.7 Stand der derzeitigen curricularen Ausgestaltung in beruflicher Bildung in Vietnam

Laut aktuellen vietnamesischen Berufsbildungsgesetz von 2015, Abschnitt 3 ‚berufliche

Ausbildungsaktivitäten und internationale Kooperation in der Berufsbildung, Unterabschnitt 1 anerkanntes Berufsausbildungsvorgehen‘ Artikel 34 Curriculum, hat der Schulleiter bzw

Direktor der beruflichen Bildungseinrichtung die entscheidende Rolle bei Auswahl und Aufbau

des Curriculums für einen Berufsbildungsgang “ Schulleiter oder Führer der

Berufsbildungsinstitutionen hat das Recht in der Entscheidung des Aussuchens von professionellen Lerninhalten und Aufbaus eines Curriculums sowie dessen Ausführung ” (vgl

Vietnamesische Berufsbildungsgesetz 2015)

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Dementsprechend wird in der Praxis der Prozess der curricularen Arbeit (siehe Abbildung 13) normalerweise vom fachlichen Abteilungsleiter, der für den Studiengang verantwortlich ist, in Gang gesetzt Der Abteilungsleiter sollte zuvor Informationen zu den Bedürfnissen aus den industriellen Konzernen bezüglich des Berufs erfragen und sammeln Auf dieser Basis kann er gemeinsam mit seinen Kollegen der Abteilung beraten und die gesammelten Informationen bearbeiten, um dadurch den Lehrplan bzw das Curriculum für einen bestimmten Lehrgang zu erstellen Das Curriculum wird danach durch die Zusage (vgl Vietnamesisches Berufsbildungsgesetz, Jahrgang 2015) des Rektors der Berufsschule bzw des Direktors des beruflichen Bildungsinstituts in Kraft gesetzt Deswegen ist hiermit der Anhaltspunkt für die

curriculare Arbeit, wobei die Robinsohnsche „Curriculumermittlung“ die entscheidende Rolle

und den größten Einfluss auf die Legitimation eines Lehrplans hat Die Entwicklung eines Curriculums sollte zuerst mit der Erhebung des Bedarfs an ‚Skills Demand‘ des auszubildenden Berufs beginnen und die Erkenntnisse, worauf die Industrie und der Arbeitsmarkt warten, nutzen, um danach das zu erstellende Curriculum näher an die Arbeitswelt zu bringen und so die Qualifikation des Lehrlings bezüglich der zukünftigen Anforderungen der Arbeitswelt zu erreichen Zudem würde dieses so erstellte Curriculum eng zu den Wünschen der Industrie passen Dadurch werden die Absolventen der Berufsbildung eine geeignete Qualifikation erreichen, um sich rasch in die Arbeitswelt zu integrieren und die Firmen müssen nicht die Fortbildung nach der Einstellung ausführen, um den Neuling an den Arbeitsplatz heranzuführen Eine klare und vernünftige Vorstellung über den auszubildenden Beruf leistet somit ein legitimiertes Curriculum, welches sich an der Arbeitswelt orientiert

Abbildung 13 Das Bearbeitungsverlauf der Curricula in den Berufsschulen gemäß Berufsbildungsgesetz Vietnams (Quelle: Vo 2018b)

Im folgenden Teil dieser Arbeit wird der Prozess der Entwicklung eines Berufsbildes (nämlich

NVQ – National Vocational Qualification) vorgestellt Dieser Vorgang ist entsprechend der

Entscheidung Nr 09/2008/QĐ-BLĐTBXH, vom 27 März 2008 des Ministeriums für Arbeit, Invalide und Soziales von der Verordnung an Regeln, Prozess der Entwicklung und Vorstellung

beruflichen Nationalqualifikationsrahmen reguliert Gemäß dieser Entscheidung werden für die

Erarbeitung eines Nationalen Qualifikationsrahmens die Gründung eines Ausschusses und der Einsatz eines Unterausschusses Die Analyse des zu untersuchenden Berufs wird zuerst vom Unterausschuss gestartet Sie kann durch Beobachten des Produktionsprozesses vor Ort, Feldforschung und auch inklusive Befragung ausführlich verwirklicht werden Dazu sind

Aufbau und Vorstellungen zum untergesuchten Beruf in Form eines Entwurfs von mindestens

30 erfahrenen Facharbeitern zu erstellen sowie eventuell die Disposition eines fachlichen

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Alltag des Berufes geschehen werden Es folgt die Analyse der Aufgaben, die der Facharbeiter

in Rahmen des Berufes täglich erfüllen müsste Die Analyse in diesen Schritt wird auch anhand der Befragung von mindesten 30 erfahrenen Facharbeitern realisiert sowie innerhalb der Disposition eines fachlichen Seminars weiterhin vervollständigt Dies ist der zweite Schritt des Prozesses Anschließend erfolgt der dritte Schritt, die Einordung der Aufgaben und Tätigkeiten des Berufes in die Tabelle mit den Stufen von 1 bis 5 des beruflichen Nationalen Qualifikationsrahmens (siehe Abbildung 14) Abschließend erfolgt die Überprüfung durch einen neu berufenen Überprüfungsausschuss Bevor der berufliche nationale Qualifikationsrahmen dem zuständigen Ministerium vorgestellt wird und dieses ihn in Kraft setzt

Abbildung 14 Exemplarische Tabelle der Analyse eines Berufes (eigene Darstellung)

Nr Code der

Aufgabe Berufliche Aufgaben

Niveau der beruflichen Qualifikationen Stufe

DACUM-Methode (Develop A CUrriculuM) ist Diese Analyse eines bestimmten Berufes

wurde geschaffen, um die Curriculumermittlung nach Robinsohn, 1973, zu verwirklichen bzw

anzuerkennen Dieser dargestellte Prozess besitzt im Vergleich zu dem Verfahren der Curriculumentwicklung (siehe Abbildung 13) bei gleichem Ausgangspunkt die Sammlung von

Bedürfnisinformationen der industriellen Seite Damit ist dafür gesorgt, dass das herkömmliche

Curriculum zur Realität der Arbeitswelt passt und sich nicht von den wirklichen Bedürfnissen

der Industrie entfernt Dadurch wird das ‚Profil‘ des Berufes als Bedürfnisermittlung bzw robinsohnschen Curriculumermittlung erzeugt Deswegen erschien das Axiom der curricularen

Arbeit davon Die curriculare Arbeit müsste auf vertraulichen Informationsquellen von

zuverlässiger Anschauung der Arbeitswelt eventuell Berufsbild bzw Nationale

Qualifikationsrahmen basieren Dennoch ist hiermit die Schwachstelle der vietnamesischen Berufsbildung benannt, auch wenn diese Wahrheit bereits von der Industrie und als auch von dem zuständigen Ministerium erkannt wurde Die derzeitige curriculare Arbeit und die Untersuchungen zu einem beruflichen Qualifikationsrahmen in Vietnam sind einfach nur ein politischer Vorstoß (Abbildung 15) geblieben und haben nicht die Ansichten der Industrie beachtet Aus diesem Grund sind alle erstellten beruflichen Qualifikationsrahmen und Curricula staatliche Vermittlungen und nicht mit der Arbeitsweilt assoziiert „ at present the active

participation is mostly by training institutions, whereas the role of enterprises is passive and

dim This results in the fact that the qualification of the national standards on occupational skills

is limited in terms of relevance for labor market In fact, there have been no legal documents stipulating tasks and responsibilities of enterprises with regard to contents related to standards

on occupational standards At the same time, the system of national standards on occupational skills has yet to be enforced in order to deal with labour relationship and employment.” (MoLISA 2012, S.21) und “the lack of detailed information on specific skills needs at the occupational level and the dynamic changes in skills demands make it difficult for TVET institutions to grasp the skills demands of industry.“ (Mori 2014, S.1) Im Fall der

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vietnamesischen Berufsbildung wird jetzt eine Eigeninitiative benötigt, möglicherweise von industrieller Seite, um eine offizielle Ermittlung der Bedürfnisse eines Berufes zu erhalten

„Developing policies and mechanisms for enterprises to enthusiastically involve in developing

skill standards and standards on occupational competence” (MoLISA 2012, S.22) Die

Beschreibung eines Arbeitsberufes sollte von der Industrie und nicht exogen erstellt werden und dabei aus der Arbeitswelt herauskristallisiert werden

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Beobachten vor Ort

forschung

Feld- befragung

Experten-Schritte 2: Zu den Aufgaben des Berufes die Tätigkeiten konkretisieren

mit dem Ergebnis einer Liste der Aktivitäten des Berufes

Fachseminar oder Tagung

befragung

Experten-Fachseminar oder Tagung

befragung

Experten-Schritte 3:

Tabelle der Tätigkeiten des Berufes im Zusammenhang mit NQRs

Überprüfen Überprüfungs-

ausschuss

zuständiges Ministerium (nach

Fachbereich)

Nationaler Qualifikations- rahmen des Berufes

über fertige Skizzen des Berufsentwurfs

Abbildung 15 Vorgehen bei der Veröffentlichung eines NQRs in Vietnam nach der Verordnung an Regeln, Prozess der Entwicklung und Vorstellung beruflichen Nationalqualifikationsrahmen (die Entscheidung Nr 09/2008/QĐ-BLĐTBXH, am 27 März 2008 vom Ministerium für Arbeit, Invalide und soziale Angelegenheiten (MoLISA) (eigene Darstellung)

Ngày đăng: 11/07/2021, 16:11

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