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Industrialisierung in der deutschen literatur vom vormärz bis zur jahrhundertwende

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In dieser Arbeit ist es zu sehen, dass sich jede Phase der deutschen Industrialisierung mit typischen literarischen Werken ausmalen lässt.. Im Übrigen war auch die englische Landwirtscha

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NATIONALUNIVERSITÄT HANOI (VNU) FREMDSPRACHENHOCHSCHULE SEKTION FÜR WESTEUROPÄISCHE SPRACHEN UND KULTUREN

INDUSTRIALISIERUNG IN DER DEUTSCHEN

LITERATUR

VOM VORMÄRZ BIS ZUR JAHRHUNDERTWENDE

Gutachterin: Dr Gerhard Jaiser Vorgelegt von: Bui Linh Ha

Jahrgang: QH.2009.F1

HANOI - 2012

Trang 2

ĐẠI HỌC QUỐC GIA HÀ NỘI TRƯỜNG ĐẠI HỌC NGOẠI NGỮ KHOA NGÔN NGỮ VÀ VĂN HÓA PHƯƠNG TÂY

KHÓA LUẬN TỐT NGHIỆP

Công nghiệp hóa trong văn học Đức

Từ trước cách mạng năm 1848 đến cuối thế kỷ 19 / đầu

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Danach wird die Schilderung der Industrialisierung in der deutschen Literatur dargestellt

In dieser Arbeit ist es zu sehen, dass sich jede Phase der deutschen Industrialisierung mit typischen literarischen Werken ausmalen lässt Es lässt sich sagen, dass die literarischen Werke in der Zeit vom Vormärz bis der Jahrhundertwende starken Kritik an die Industrialisierung und seine Folgen üben

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1 Einleitung 1

1.1 Themenauswahl 1

1.2 Zielsetzung 3

1.3 Forschungsmethoden 3

1.4 Aufbau der Arbeit 3

2 Industrialisierung 4

2.1 Zum Begriff Industrialisierung 4

2.2 Historischer Hintergrund 5

2.3 Kennzeichen der Industrialisierung … 11

2.4 Soziale Folgen der Industrialisierung 13

3 Industrialisierung in der deutschen Literatur 19

3.1 Industrialisierung und Literatur im Vormärz (bis um 1850) ……19

3.1.1 „Die schlesischen Weber“ von Heinrich Heine 20 3.1.2 „Das Engelchen“ von Robert Prutz 23 3.1.3 Eisenbahnlyrik und „An den Frühling“ von Nikolaus Lenau ……27

3.2 Industrielle Revolution im Zeitalter des Realismus (1850 – 1880/90) 28

3.2.1 „Die Brück´ am Tay“ von Theodor Fontane 29 3.2.2 „Der Schimmelreiter“ von Theodor Storm 32 3.2.3 „Pfisters Mühle” von Wilhelm Raabe 35 3.3 Literarische Moderne und technisch-industrielle Moderne in der Jahrhundertwende (1880/90 – 1914/18) 39

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3.3.1 „Die Weber“ von Gerhart Hauptmann 40

3.3.2 „Der Gott der Stadt“ von Georg Heym……… 44

4 Fazit und Ausblick 48

Literaturverzeichnis 52

Anhang 56

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1 Einleitung

1.1 Themenauswahl

Seit dem Beginn der Menschheit erleben wir viele außergewöhnliche Ereignisse Aber im Rückblick auf das 19 Jahrhundert ist dieses Jahrhundert vielleicht das Größte seit dem Beginn unserer Zeitrechnung Es wurde von zahlreichen wichtigen historischen Ereignissen geprägt Das damals im Mittelpunkt stehende und einen tiefen Einfluss auf unsere Geschichte habende Ereignis war die Industrialisierung in Europa Es wird für die größte Veränderung in der Geschichte der letzten Jahrhunderte angesehen In Bezug auf sowohl technischen als auch sozialen Aspekten: 100 Jahre nach dem Beginn der Industrialisierung gab es 50.000 Streckenkilometer Eisenbahn in Deutschland1;

in den deutschen Städten schossen neue, moderne Fabriken wie Pilze aus dem Boden; statt Kerzen wurden Glühbirnen zu Hause benutzt

Die Industrialisierung erreichte in der Tat viele Erfolge und brachte viele Neuheiten mit sich, was als eine neue, innovative Ära der Welt und der Menschheit galt Doch die Gefahr unter die Räder zu kommen, ist groß in dieser neuen Zeit Vor den Schattenseiten der Industrialisierung verschließt man allerdings noch die Augen: Trotz des Durchbruches der Industrialisierung zerstörte sie die alten familiären Lebensweisen und rief in ihrer früheren Phase erbärmliche Verhältnisse und soziale Ungerechtigkeit hervor Das Leben veränderte sich damals innerhalb der Gesellschaft drastisch Stickige Luft, verschmutzte Himmel und Flüsse wurden als unvermeidliche Begleiterscheinungen des Aufstiegs hingenommen

Es ist selbstverständlich, dass die neue Zeit auch neue Zwänge geschaffen hat Viele waren auch dieser Meinung So schrieb der Philosoph L Klages im

1 Vgl Hilt 2010 Verfügbar unter

planet-wissen.de/politik_geschichte/wirtschaft_und_finanzen/industrialisierung/index.jsp (aufgerufen am

16.04.2012)

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„Leer ist es auf dem Parnass“ 1913: „Die meisten leben nicht, sondern existieren nur mehr: sei es als Sklaven des Berufs, sei es als Sklaven des Geldes, sei es endlich als Sklaven großstädtischen Zerstreuungstaumels In keiner Zeit noch war die Unzufriedenheit größer und vergiftender.“2

Die Industrialisierung samt ihren Licht- und Schattenseiten werden in vielen Bereichen der Kunst geschildert Die Kunst, die damals ein breites Spektrum der Industrialisierung in Europa näher zum Publikum brachte, ist Literatur Von „The excursion“ (1814) von William Wordsworth,

„Frankenstein“ (1818) von Marry Shelley bis Theodor Fontanes „Die Brück‘ am Tay“ (1879), „Papa Hamlet“ (1889) von Bjarne Peter Holmsen (Pseudonym von Arno Holz und Johannes Schlaf) usw

Die industrielle Welle hat auch einen entscheidenden Einfluss auf Deutschland, nicht nur auf materielle Werte sondern auch auf die ideellen Dies wurde in drei literarischen Epochen zum Ausdruck gebracht: Vor- und Nachmärz (bis um 1850), Realismus (1850 – 1880/90) und in der Jahrhundertwende (1880/90 – 1914/18)

All diese obergenannten Fakten über die Industrialisierung und ihre Wirkungen auf die Literatur wecken in mir ein großes Interesse daran Daher möchte ich dieses Thema tiefer forschen Aus diesem Grund beschäftigt sich diese vorliegende Diplomarbeit mit dem Thema „Industrialisierung in der deutschen Literatur“

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 Erläuterung des Begriffs „Industrialisierung“, seines Ursprungs, seiner Merkmale und seiner Folgen

 Analyse der Wirkungen von der Industrialisierung auf das Leben der Bevölkerung in Deutschland

 Praktische Untersuchung über diese Wirkungen anhand literarischen Werke: „Die schlesischen Weber“ (1844) von Heinrich Heine, „An den Frühling (1838) von Nikolaus Lenau (Eisenbahnlyrik), „Das Engelchen“ (1851) von Robert Prutz, „Die Brück´ am Tay“ (1880) von Theodor Fontane, „Der Schimmelreiter“ (1888) von Theodor Storm, „Pfisters Mühle“ (1884) von Wilhelm Raabe und „Die Weber“ (1894) von Gerhart Hauptmann

1.4 Aufbau der Arbeit

Aus der Zielsetzung ergibt sich folgende Gliederung für die vorliegende Arbeit:

Nach Einleitung im ersten Kapitel folgt im zweiten Kapitel die Industrialisierung zum Allgemeinen (der Begriff, historischer Hintergrund, Kennzeichen, soziale Folgen) Das dritte Kapitel dient die Darlegung des Zusammenhangs zwischen Industrialisierung und deutscher Literatur in verschiedenen Epochen Und Kapitel 4 gibt einen zusammenfassenden Überblick über die Ergebnisse der Untersuchung

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2 Industrialisierung

2.1 Zum Begriff Industrialisierung

Industrialisierung ist ein Prozess, der die Volkswirtschaft umgestaltete, in

der die Agrarwirtschaft (handarbeitsorientierte Tätigkeiten) zur Industriewirtschaft (maschineorientierte Tätigkeiten bzw Massenproduktion in Fabriken) überging 3Mit diesem Begriff bezeichnet man den komplexen Prozess der Umgestaltung der vorindustriellen Wirtschaft, die von geringer Produktivität und tendenzieller Stagnation gekennzeichnet war, in eine Industriewirtschaft mit steigender Produktion, relativ hohem Lebensstandard und anhaltendem Wachstum Dieser Transformationsprozess brachte grundlegende Veränderung der wirtschaftlichen Organisationsformen, der Technologie und der Wirtschaftsstruktur mit sich

In Bezug auf die europäische industrielle Revolution wird

Industrialisierung als historischer Epochenbegriff verwendet „Industrielle

Revolution“ gilt auch als Synonym für Industrialisierung Mit dieser Revolution

ist vor allem die Entwicklung und Forschung in Europa am Ende des 18., besonders aber im 19 Jahrhundert gemeint, die zuerst in England zu beobachten war Danach erreichte sie andere europäische Staaten und dann die USA, wo die industrielle Revolution ihr größtes Ausmaß hatte.4 Es wird zum Ausdruck gebracht, dass diese Entwicklungen in gewaltiger Geschwindigkeit vollzogen wurden, in denen sich die maschinelle Erzeugung von Gütern und Dienstleistungen durchsetzte Aus diesem Grund war damals der Motor der Wirtschaft die industrielle Herstellung von Produkten

Dieser Begriff bezeichnet ebenfalls die soziokulturelle, politische und wirtschaftliche Wandlung der Gesellschaft im Zuge der technischen

3 Vgl Niemann 2009, S.67

4 Vgl Stadt Attendorn/Stadt Achiv Verfügbar unter:

geschichte.attendorn.de/industrialisierung/indus_rev.htm (aufgerufen am 10.02.2012)

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Innovationen und dem Durchbruch des Fabriksystems Ein besonderes Kennzeichen von erfolgreicher Industrialisierung ist die Steigerung vom „Pro-Kopf-Einkommen“ des Bürgers und die Produktivität der Volkswirtschaft Die Industrialisierung liberalisiert auch die Handelsbeschränkungen Weitere wichtige Kennzeichen dieses allgemein definierten Vorganges waren die Umstellungen von biologischen auf mechanischen Antrieb (Dampfmaschine) Das Spinnrad wird durch den Maschinenwebstuhl ersetzt Es gab viele neue technische Verfahren in der Eisenerzeugung und Eisenverarbeitung sowie zahlreiche technische Erfindungen bzw Fortschritte, wie Eisenbahn, Dampfmaschine und Eisenschiff

2.2 Historischer Hintergrund

Der Ursprung der Industrialisierung liegt in England Am Ende des 18

Jahrhunderts (in den 1760er Jahren) während des Viktorianischen Zeitalters begann dieser Prozess Warum gerade in England? Mehrere Gründe können genannt werden, die dazu geführt haben, dass England das Geburtsland der

Industrialisierung ist England war seit langem schon ein vereinigtes Land (vom

Absolutismus befreit) im Gegensatz zu Italien oder Deutschland Daher gab es keine Steuern oder Zölle zwischen verschiedenen Territorien Außerdem besaß das Land auch eine einheitliche Währung Vor allem wurde auch die Gewerbefreiheit auch eingeführt Das heißt Handel war relativ ungestört möglich Mit der britischen Flotte – der größten europäischen Flotte – war England seit dem 17 Jahrhundert die bedeutendste Handelsmacht in Europa Diese außenpolitische Stärke war die Grundvoraussetzung für die dominierende Stellung Englands in den Kriegen des 18 Jahrhunderts Der zweite Grund ist, dass England ein sehr reiches Land war Infolgedessen konnte der Staat Geld in industrielle Fabriken investieren Im Übrigen war auch die englische Landwirtschaft schon weit entwickelt: es wurde produktiv gearbeitet und für die Bevölkerung so viele Lebensmittel hergestellt, dass sich ein guter Teil der

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Menschen auch Gedanken über andere Dinge machen konnten, wie z.B Maschinenherstellung zur Förderung der Landwirtschaft Der dritte Grund bezieht sich auf die wissenschaftlichen und technischen Faktoren Infolge der Aufklärung und der Nachfrage auf dem Markt entwickelten sich Wissenschaft und Technik sehr stark in England Eine erhöhte Anzahl an Patentanmeldung signalisierte eine dynamische Entwicklung Die erste Phase der englischen Industrialisierung hängt mit Eisen- und Baumwollindustrie zusammen Der Staat war damals der weltweit bedeutendste Hersteller von Textilien Daher kamen die meisten Erfindungen und technologischen Neuerungen in der englischen Textilindustrie zum Einsatz Die Schlüsselerfindungen waren die Dampfmaschine und die Verbesserung der Stahlerzeugung Mithilfe des Ausbaus von Kohlebergbau und Eisenproduktion entstanden neue und schnelle Verkehrsmittel wie das Dampfschiff und die Eisenbahn, welche eine äußerst wichtige Rolle für die Infrastruktur in England, und danach in zahlreichen europäischen Staaten, spielten Nicht zuletzt trug der Aufbau einer weltweiten Handelshegemonie zu dem englischen Aufstieg bei Es wird bestimmt, dass Güter aus Europa nur auf englischen Schiffen oder auf Schiffen des Erzeugerlandes nach England importiert werden dürften Daher nahm Außenhandel einen bedeutenden Rang in England ein Diese Faktoren führten in England zu einem rasanten Wirtschaftswachstum und der Entstehung vieler Großstädte Während England im 18 Jahrhundert als die Wiege der Industrialisierung betrachtet wurde, wurde das Land selbst im 19 Jahrhundert als „Werkstatt der Welt“ angesehen

Bis die Industrialisierung dann in Deutschland ankam, hat es relativ lange gedauert Mehr als ein halbes Jahrhundert später war es dann so weit Einer der vielen Gründe dafür ist, dass Deutschland um das 18 Jahrhundert unglaublich viele kleine Territorien hatte Wenn man vom Norden nach Süden reist, musste man hunderte Male Grenzen durchschreiten und dann Zölle bezahlen Aus diesem Grund war Handel in dieser Zeit nur schwer möglich, was eine

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Industrialisierung fast unmöglich machte Hinzu kommt auch noch, dass damals

in Deutschland immer noch der Absolutismus regierte Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekte verhinderten eine fortschreitende Industrialisierung, obwohl sich das Bürgertum schon Mitte des 18 Jahrhunderts immer mehr vom Adel emanzipierte.5 Ein genauer zeitlicher Rahmen der Industrialisierung in Deutschland ist nicht einfach zu bestimmen, da verschiedene Faktoren diesen Ablauf beeinflussten Aber dennoch kann man die Industrialisierung in Deutschland in drei Phasen teilen: erste Phase (1835 – 1849), zweite Phase (1850 – 1870) und dritte Phase (1871 – 1914) Weshalb gerade diese drei Phasen? Es hängt mit mehreren Aspekten zusammen, vor allem politische, gesellschaftliche oder wirtschaftliche Voraussetzungen Die Gründe hierfür waren, unter anderem, die politischen, gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Aspekte

Einer der vielen Faktoren, der die Entstehung der industriellen Revolution

in Deutschland bzw die erste Phase der deutschen Industrialisierung bestimmt, sind die politischen Voraussetzungen Als erstes möchte ich die Bauernbefreiung erwähnen Der Beginn der Preußischen Reformpolitik wurde vom Oktoberedikt

am 9 Oktober 1807 kennzeichnet Dieses von Karl Freiherr vom Stein und Karl August von Hardenberg verfasste Gesetz erklärte alle Bauern in Preußen zu freien Bürgern Der Bauer war jetzt vollberechtiger Staatsbürger Den Bauern wurden nun das Recht auf Selbstentscheidung über ihren Wohnsitz und ihre weiteren Berufsziele eingeräumt.6 Sie wurden aus der herrschaftlichen (feudalen) Abhängigkeit befreit und hatten die Möglichkeit, das von ihnen genutzte Land des Grundherrn als Eigentum zu erwerben Die Abschaffung der traditionellen Verhältnisse erleichterte die Rationalisierung in der Landwirtschaft und damit

5 Vgl Stadt Attendorn/ Stadt Achiv Verfügbar

unter: geschichte.attendorn.de/industrialisierung/indus_deu.htm (aufgerufen am 15.02.2012)

6 Vgl Griesshaber 2010 Verfügbar unter: geschichtsverein-koengen.de/IndRevolution.htm (aufgerufen am 15.02.2012)

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die Erhöhung der Nahrungsmittelproduktion, die durch das Bevölkerungswachstum notwendig wurde.7 Zweitens ging es in der ersten Phase

um die Gewerbefreiheit Durch die Stein-Hardenbergsche Reform wurde die Gewerbefreiheit 1811 in Preußen eingeführt Gewerbefreiheit bedeutete also, dass jeder berechtigt war, ein Gewerbe auszuüben Wer wollte, konnte Art, Umfang und Technik des ausgewählten Gewerbes selbst bestimmen Dies war auch gleichbedeutend damit, dass die Zünfte der Handwerker aufgehoben wurden Auf diese Weise wurden die Bauern, Bürger und Handwerker auch gefördert, ihr Eigentum zu besitzen Neben den politischen Reformen wurde auch ein wirtschaftlicher Aspekt in Betracht gezogen Eine gemeinsame Zollpolitik wurde vom Wiener Kongress (1814/15) als Ziel formuliert aber jedoch erst später realisiert Das Inkrafttreten des Zollvereins am 1 Januar 1834 führte zum Abbau einer Fläche von 425.000 km² umfassenden Zollgrenzen Dies erlaubte die Schaffung eines größeren wirtschaftlichen Binnenmarkts und die Vereinheitlichung ökonomischer Rahmenbedingungen Nach der Bauernbefreiung erzielte die deutsche Landwirtschaft viele Verbesserungen: Die Einführung der Fruchtwechselwirtschaft zur besseren Ausnutzung des Bodens, die Ausweitung der Futterpflanzung und des Kartoffelanbaus, die Verbesserung der Düngung.8 Mit dieser Entwicklung wurde in der deutschen Landwirtschaft auch die maschinelle Ausrüstung wie in vielen anderen Ländern eingeführt, was eine der entscheidenden Prämissen für den Industrialisierungsprozess war Die Steigerung der Produktivität in Landwirtschaft hat eine Verbilligung der Lebenshaltung sowie neue Arbeit auf dem Land zum Ergebnis Dies beeinflusste das Wachstum der Bevölkerung mit Nach vielen Reformen und erzielten Erfolgen verfügte Deutschland jetzt über notwendige Voraussetzungen für eine Industrialisierung, d.h einheitlicher Wirtschaftsraum, entwickelte Landwirtschaft, eine große Menge von Arbeitskräften Im Übrigen hatten die

7 Vgl Walter 2003, S 74

8 Vgl Griesshaber 2010 Verfügbar unter: geschichtsverein-koengen.de/IndRevolution.htm (aufgerufen am 16.02.2012)

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Deutschen dadurch auch Vorteile Sie konnten das Gewissen und die Erfindungen von den Engländern, wie z.B Medizin mit neuer Technik für Kinderkrankheiten, einfach nehmen und dadurch weitere Erfahrungen sammeln

Um das Jahr 1835 begann die Industrialisierung in Deutschland In dieser Zeit begann ein allgemeiner Übergang von der Handarbeit zur Maschinenarbeit, Erleichterung des Handels durch den Zollverein und den Aufschwung des Bankwesens Die erste Phase der deutschen Industrialisierung ist durch den Beginn des Eisenbahnbaus in Deutschland kennzeichnet Am 7 Dezember 1835 wurde die als die erste Eisenbahn in Deutschland angesehene Eisenbahnverbindung Nürnberg – Fürth von der Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft eröffnet Kurz darauf entwickelte sich die Eisenbahnindustrie sehr schnell Der Eisenbahnbau machte einen entscheidenden Beitrag dazu, nicht nur dem deutschen Handel einen Auftrieb zu geben, sondern auch die soziale Situation damals zu verbessern Die Eisenbahnen ermöglichten den Austausch großer Massen lebensnotwendiger Güter zwischen den einzelnen Regionen Beim Bau der Eisenbahn und der Bahnstrecken fanden viele Menschen eine Arbeit, nicht nur in den Großstädten Der Eisenbahnbau rief eine große Nachfrage nach verschiedenen Grundstoffen, besonders Stahl und Kohle hervor Daher wurde Stahl vermehrt hergestellt und mit dem Fabriksystem kam es zur Massenproduktion Dies gab auch der deutschen Schwerindustrie einen Auftrieb Vom März 1848 bis zum Spätsommer 1849 ereignete sich im Deutschen Bund die Märzrevolution, auch die Deutsche Revolution 1848/49 genannt Aber der Versuch, einen demokratischen einheitlichen deutschen Nationalstaat zu schaffen, wurde von preußischen und österreichischen Truppen unterdrückt Nach diesem Ereignis began um 1850 die zweite Phase, die Phase des industriellen Durchbruchs in Deutschland Die Deutsche Revolution 1848/49 führte zur monarchischen Restauration, welche in einem großen Umfang geschah Die von Preußen wirtschaftlich abhängigen kleinen Staaten traten auch

in den Zollverein ein Dies ermöglichte eine größere Ausdehnung und auch

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wachsende Produktivkraft für den Wirtschaftsraum innerhalb der Gebiete des Zollvereins Daher weitete sich auch der freie Handel in den deutschen Staaten aus Von 1850 bis 1870 waren es mehrere Wirtschaftszweige, die den wirtschaftlichen Aufschwung trugen Schon in der ersten Phase der deutschen Industrialisierung entwickelte sich der Eisenbahnbau sehr stark In dieser Phase erreichte der deutsche Eisenbahnbau immer noch größere Erfolge Der Ausbau des Eisenbahnsystems hatte erhebliche Auswirkungen auf die davon abhängigen Industriebereiche wie den Kohlebergbau, die Eisenerzeugung und den Maschinenbau In Deutschland, das noch in den 1840er Jahren weniger Kohle als Frankreich oder sogar Belgien gefördert hatte, ging der industrielle Fortschritt im Bereich der Schwerindustrie in den 1850er und 1860er Jahren unter dem Einfluss des Eisenbahnbaus extrem schnell vonstatten Der Eisenbahnbau stellte den zentralen Teil des schwerindustriellen Komplexes dar, der der Leitsektor der deutschen Industrialisierung war Neben dem Aufschwung der Wirtschaft entwickelten sich auch Technik und Wissenschaft in dieser Phase

In der ersten Phase der Industrialisierung kam die Wissenschaft relativ selten in den Produktionsverfahren vor Es stand in dieser Zeit im Zeichen der bewussten Nachahmung und Übernahme fortschrittender Techniken und Verfahren aus dem Ausland Dabei spielte auch ausländisches Kapital eine wichtige Rolle Es wurden in der zweiten Phase wissenschaftliche Erkenntnisse mehr und mehr durch die Unternehmen eingesetzt, um neue Produkte zu erzeugen und sie auf den Markt zu bringen Außerdem wurde auch die wissenschaftliche Forschung vom Staat gefördert In dieser Periode entwickelte sich auch eine neue Finanzierungsform der Betriebe, Aktiengesellschaft (durch Beteiligungskapital) Der Grund für diese Entwicklung war, dass herkömmliche Finanzierungsformen

in den großen neuen Investitionsbereichen wie Eisenbahnbau nicht mehr ausreichten

1871 ist ein bedeutendes Jahr für Deutschland Am 18.Januar 1871 wurde der deutsche Nationalstaat während des dritten „Reichseinigungskriegs“ in

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Versailles gegründet In diesem Zeitraum trat die deutsche Industrialisierung in eine neue Ära, nämlich die Hochindustrialisierung In der Zeit von der Reichsgründung bis zum Ersten Weltkrieg entwickelte sich Deutschland zum Industriestaat, d.h die Industrie nahm die beherrschende Stellung innerhalb der deutschen Volkswirtschaft ein, so dass von ihr die wirtschaftlichen und die gesellschaftlichen Verhältnisse entscheidend beeinflusst wurden Die ersten beiden Jahrzehnte nach der Reichsgründung wurden durch die Gründerkrise und ihre Folge geprägt Das Erscheinungsbild lässt sich auf allgemeine Punkte reduzieren: eine sprunghafte Ausdehnung der Kapazitäten und der Produktion bis 1873 wurde abgelöst durch eine Periode des Überangebotes und damit der Preissenkungen und infolgedessen der Verlangsamung des wirtschaftlichen Wachstums Trotz der Gründerkrise gab es noch ein langfristiges Wachstum der gewerblichen Wirtschaft bis 1914 und es machte sich in fast allen Bereichen bemerkbar Die Entwicklung der gewerblichen Produktion stand in Abhängigkeit von der Zahl der Beschäftigten und der Entwicklung der Arbeitsproduktivität

2.3 Kennzeichen der Industrialisierung

Bis zur Verbreitung der industriellen Produktion war die Wirtschaft in Europa bis etwa 1750 durch folgende Merkmale geprägt: Arbeit in kleinen Gruppen, aktive Steuerung der Arbeit, handwerkliches Geschick, dezentralisierte Arbeit und geringer Produktionsumfang Nach diesem Zeitraum erschienen viele Veränderung in sowohl der Gesellschaft als auch in der Wirtschaft, was als die Merkmale für Industrialisierung angesehen werden

Nach Buchheim (1997) sind folgende Kennzeichen für die Industrialisierung charakteristisch:

 Institutionalisierung von Wachstum

 Anstieg des Lebensstandards

 Demographischer Übergang

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 Strukturwandel

 Änderung der Bewegungsmuster der Wirtschaft9

Die Industrialisierung führte zuerst zu einer Institutionalisierung des Wachstums Im Vergleich zur vorindustriellen Phase stieg das jährliche Wachstum des Sozialprodukts pro Kopf während der Industrialisierung auf durchschnittlich 1,2 %.10 Wachstum führte einerseits zum ansteigenden Lebensstandard, infolgedessen führte es auch zu damit verbundenen quantitiven und qualitiven Nachfragen Ein Anstieg des allgemein Lebensstandards setzte jedoch voraus, dass die Einkommen nicht zu ungleich verteilt werden Ein Grund für die nicht gleich verteilten Einkommen ist, dass die Unternehmen ihre Investitionen nicht reduzieren sollten Als Folge wurde die Investitionsbereitschaft der Unternehmen aufrechterhalten

Der Industrialisierungsprozess war sehr oft mit dem demographischen Übergang verbunden Dieser in allen Industrieländern zu beobachtende Prozess bezeichnet den Übergang von hoher (vorindustrieller Phase) zu niedrigen Sterbe- und Geburtenraten Es resultiert den veränderten natürlichen Bevölkerungsanstieg

Ein anderes Kennzeichen der Industrialisierung ist der strukturelle Wandel, was nicht nur mit den Veränderungen in der Beschäftigungsstruktur und der Produktionsstruktur gemeint ist, sondern auch mit den Veränderungen in der Exportzusammensetzung und der Verwendung des Sozialprodukts.11 Diese Veränderungen in der Beschäftigungsstruktur orientieren sich um die Senkung der Zahl der Tätigen in Landwirtschaft (primärem Sektor) und um die Steigerung der Zahl der Tätigen in sekundärem Sektor (Industrie zum Beispiel) Dieser

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.soziologie.wiso.uni-Wandel der Wirtschaft hat unmittelbare Auswirkungen auf die Arbeitsstrukturen und damit auf die Qualifikationsentwicklungen

2.4 Soziale Folgen der Industrialisierung

Wie in England betraf die industrielle Revolution in Deutschland nicht nur das Wirtschaftswesen, sondern vor allem auch das Sozialwesen Durch sie veränderten sich die Lebensverhältnisse aller Bevölkerungsgruppen in der Gesellschaft

In der ersten Hälfte des 19 Jahrhunderts (seit 1816) beschleunigte sich das Bevölkerungswachstum Um 1816 lebten im Gebiet des späteren Deutschen Reichs etwa 24 Millionen Menschen, um die Jahrhundertmitte waren es schon

35 Millionen.12 Aber in dieser Zeit gab es noch kein wachsendes Arbeitsplatzangebot dem gegenüber Die ersten Industriestädte waren noch zu klein und zu wenig, um die Unterschichten (80 % der Bevölkerung vom damaligen Deutschen Bund betragend) aufzunehmen Daher bahnte sich eine demographische Katastrophe in den 30er und 40er Jahren in Deutschland an, die

in Teilen Westeuropas schon früher zu beobachten war Und seit dieser Zeit setzte sich in Deutschland der Begriff „Pauperismus“ zur Beschreibung des Phänomens von Bevölkerungswachstum und Verarmung Die Nahrung der Unterschichten bestand auf jeden Fall nur aus Kartoffeln, Brot, Graupen und Kraut Viele landlose Unterschichtenfamilien betrieben Wilderei, Holz- und Getreidediebstahl, um zu überleben In den Städten war die Situation auch nicht besser Auch dort tauchte die Unterschichtenkriminalität und viele Frauen und junge Mädchen aus den Unterschichten wurden in die Prostitution getrieben Der Staat stand dem Pauperismusproblem weitgehend machtlos gegenüber Das in allen deutschen Staaten geltende Heimatrecht verpflichtete die Städte und Gemeinden, die dort geborenen Armen zu unterstützen

12 Vgl Klemm 2007 Verfügbar unter: zeit.de/2007/32/C-Bildungszeit (aufgerufen am 20.02.2012)

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Auch den wenigen frühen Fabrikarbeitern ging es kaum besser Die meisten Industriearbeiterfamilien lebten relativ instabil und konnten nur bei kontinuierlicher Arbeit von den Eltern und manchmal auch den Kindern das Mindesteinkommen erzielen, um ihren kümmerlichen Lebensstandard fristen zu können Aber die Arbeitsbedingungen in den Fabriken waren gar nicht angenehm Strenge Fabrikordnungen dienten der Durchsetzung von Arbeitsdisziplin Neben der Fabrikdisziplin bestand der Lärm und Gestank der Fabrik, die Monotomie der Arbeit Bei Arbeitszeiten waren in der Regel 12 bis

14 und im Extremfall bis zu 16 Stunden 13 Daher musste ein Fabrikarbeiter in den 30er und 40er Jahren sechs Tage in der Woche, die nur aus physisch und psychisch extrem belastender Arbeit und nur kurzem Schlaf bestand, arbeiten Obwohl die Fabrikarbeit für viele junge arbeitsfähige Männer in der Zeit des Pauperismus zumindest das Überleben gewährleistete, gab es sehr viele Aufgaben seitens der Arbeiter aufgrund der unerträglichen Arbeitsbedingungen und der schlechten Arbeitsdisziplin Viele Fabrikarbeiter der ersten Generation entflohen ihren Arbeitsplätzen, sobald sie auch nur die kleinste Chance sahen, auf dem Land wieder Arbeit zu bekommen

Das dunkelste Kapitel dieser Zeit war die Kinderarbeit In den höher entwickelten Gewerberegionen Westdeutschlands fiel es auf, dass viele Kinder der Schulpflicht nicht nachkamen, da sie in Fabriken arbeiten mussten Und ihre Arbeitsbedingungen waren genauso schlecht wie bei den Erwachsenen, nämlich sie mussten vielfach zehn bis zwölf Stunden täglich unter extrem gesundheitsschädlichen Bedingungen arbeiten Gesetzliche Maßnahmen wurden erst seit den 30er Jahren ergriffen, aber es dauerte allerdings die Ausbeutung von Kindern noch bis zum Jahr 1861 in Sachsen. 14 Das preußische „Regulativ über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in Fabriken“ von 1839 bestimmte, dass Kinder frühestens mit neun Jahren in einer Fabriken arbeiten durften, sofern sie

13 Vgl Deutsches historisches Museum.Verfügbar unter:

dhm.de/lemo/html/kaiserreich/innenpolitik/sozialgesetze/index.html (aufgerufen am 21.02.2012)

14 Vgl Kirchhöfer 2009, S 80

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zuvor mindestens drei Jahre lang zu Schule gegangen waren Die tägliche Arbeitszeit der neun- bis sechzehnjährigen Kinder wurde auf zehn Stunden begrenzt Nacht-, Feiertags- und Sonntagsarbeit waren generell untersagt.15

Inwieweit diese gesetzlichen Beschränkungen der Kinderarbeit auch tatsächlich durchgesetzt wurden, ist nur schwer zu beweisen, denn eine Kontrolle der Fabriken durch staatliche Inspektoren existierte noch nicht und auch die Strafen waren sehr gering Nach den offiziellen Zahlen erreichte die industrielle Kinderarbeit in den 40er Jahren ihren Höhepunkt, als etwa 1,5% aller neun- bis vierzehnjährigen Kinder in Preußen in der Industrie beschäftigt waren 1846 waren dies etwas mehr als 30.000 Kinder Fabrikinspektoren zur Überwachung der Arbeitsschutzbestimmungen wurden in den Schwerpunktregionen der Fabrikarbeit von Kindern in Preußen, in den Regierungsbezirken Arnsberg, Düsseldorf und Aachen, erst 1853 eingesetzt16 In den 50er Jahren ging die Fabrikarbeit von Kindern deutlich zurück 1858 waren nur noch etwa 12.500 unter acht bis vierzehn Jahre alte Kinder registriert Damit sank der Anteil der Kinder an der Fabrikarbeiterschaft in Preußen von 6,6 % (1846) auf 3,2 % 17Und erst dann 25 Jahren später, im Jahre 1878, wurde die Einsetzung von Fabrikinspektoren obligatorisch

Auch während der mittleren Jahrzehnte des 19 Jahrhunderts setzte sich das Bevölkerungswachstum in Deutschland weitgehend fort Aber es gab jetzt in dieser Phase ein neues Phänomen: nie zuvor hatten so viele Deutsche ihre Heimat verlassen, und sind nach Übersee ausgewandert Während der 50er Jahre emigrierten rund 1,1 Millionen Menschen aus Deutschland Das wichtigste Auswanderungsziel waren die USA Mehr als 90 % der Auswanderer zog es dorthin.18 Für die Steigerung der Auswandererzahlen nach der gescheiterten

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Revolution von 1848/49 waren auch politische Gründe verantwortlich Manche flohen, weil sie verfolgt wurden, manche gingen, weil sie enttäuscht waren Aber die Hauptursachen der Massenemigration damals waren die sozialen Missstände und die vordringliche wirtschaftliche Not Die Bewohner ganzer Dörfer verkauften ihren Besitzt, um die Überfahrt bezahlen zu können Die Auswanderer entwickelten auch ein eigenes Gewerbe Es entstanden Auswandererzeitungen und Gesellschaften, welche die Informationen über die

„Neue Welt“ verbreiteten Es wurden auch Auswanderer-Agenturen gegründet und es entstanden Schifffahrtslinien, welche sich auf die Überfahrt auswandernder Europäer spezialisierten

Die Weltwirtschaftskrise der späten 50er Jahre und besonders der amerikanische Bürgerkrieg (1861 – 1865) verlangsamten die Auswanderung in den USA In diesen Perioden trat erstmals eine andere Auswanderung in Erscheinung, die Binnenwanderung, denn die Industrialisierung begann seit den 60er Jahren langsam zum ländlichen Bevölkerungsüberschuss zu führen Hunderttausende wanderten zuerst aus dem Umland, später auch aus weit entfernten Gebieten in die entstehenden Industriezentren, etwa in Mittel- und Osteuropa 19

Mit dem Einsetzen der dritten Phase der Industrialisierung begannen die Realeinkommen der Arbeiter langsam zu steigen Charakteristischerweise stiegen aber die Einkommen der Facharbeiter schneller als die der Gehilfen, so dass deren Lage weiterhin heikel blieb Immerhin blieb aber auch den ungelernten Fabrikarbeitern der 50er und 60er Jahre das Schicksal der pauperisierten Unterschichten der Vorgängergeneration erspart Eine Verbesserung ihrer Lage konnte die gewerbliche Lohnarbeiterschaft weder von den Unternehmern noch vom Staat erwarten Die Arbeiter waren auf Selbsthilfemaßnahmen angewiesen, wenn sie höhere Löhne, kürzere

19 Vgl Hubert 1998, S 156

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Arbeitszeiten und bessere Arbeitsbedingungen erreichen wollten Dieser Maßnahmen verwandelte vom spontanen, unkoordinierten und häufig gewaltigen Protest zu geplanten Streik, bis zur Gründung gewerkschaftlicher Organisationen und Parteien

Der Wanderungsdruck in den ländlichen „Überschuss“ – Gebieten hatte nach dem Ende der Amerikaauswanderung nicht nachgelassen Vielmehr schwenkte die Überwanderung nun in eine deutsche Ost-West-Wanderung um Bis zum 1907 hatten knapp 2 Millionen Menschen Ostdeutschland im Zuge der Binnenwanderung verlassen, davon waren jeweils knapp 400.000 nach Berlin und in das Ruhrgebiet eingewandert Ein Großteil der Ruhregebietseinwanderer waren polnisch sprechende deutsche Staatsbürger, so genannte „Ruhrpolen“ Die wichtigste Errungenschaft der Industrialisierung, die auch die Lebenschancen der Unterschichten beeinflusste, war die dauerhafte Abwesenheit von Hunger Zu katastrophalen Erschütterungen der proletarischen Haushaltslage durch Missernten und Viehepidemien, die früher zu den Hungerkatastrophen führten, kam es glücklicherweise nach der Reichsgründung nicht mehr Trotz dieser deutlichen Verbesserung erreichten aber auch die qualifizierten Facharbeiter niemals ein Wohlstandsniveau, das eine gewisse soziale Sicherheit versprach Rund 80 % des Einkommens einer Arbeiterfamilie musste für Nahrung, Wohnung und Kleidung aufgebracht werden Für medizinische Versorgung oder für die Unterstützung arbeitsunfähiger Angehöriger blieb kaum etwas Auch die Bildungschancen und damit die Möglichkeiten für sozialen Aufstieg waren ungleich verteilt Außerdem brachten Arbeitsplatzverlust, Krankheit und besonders das Alter für alle Arbeiter existentielle Unsicherheiten mit sich

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3 Industrialisierung in der deutschen Literatur

Zu Beginn der Industrialisierung in den 30er Jahren des 19 Jahrhunderts stand die deutsche Literatur noch unter dem starken Einfluß der Klassik und Romatik Zu dieser Zeit wurden die sozialen Zusammenhänge in der deutschen Literatur noch nicht intensiv dargestellt; ganz im Gegensatz zur englischen und französischen Literatur, beispielsweise die Romane von Charles Dickens20 oder Eugene Sue21 Aber dennoch begannen allmählich auch deutsche Autoren Interesse an den neuen und historischen Gegebenheiten zu zeigen

20 Vgl Wisch 2006, S 38

21 Vgl Neuhaus 1980, S.26

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3.1 Industrialisierung und Literatur im Vormärz (bis um 1850)

In den 30er und 40er Jahren wurden erstmals Aspekte der Industrialisierung

in der deutschen Literatur dargestellt, besonders eine Darstellung von sozialen Lebenszusammenhängen Vorher setzten sich nur sehr selten Autoren mit technischen Erfindungen und ihren Auswirkungen auf die Lebensverhältnisse auseinander „Die Hinwendung zu Antike und Mittelalter in Klassik und Romantik ließ wenig Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit den industriellen Problemen Erstvertreter der späten Romantik nehmen Notiz von den neuen Gegebenheiten, aber sie bedauern ihre Wesensfremdheit ( ) oder fühlen sich durch Dämonen der Maschine bedroht.“22

Die Technikansiedlung in Deutschland waren zuerst die Textilindustrie und der Bergbau betroffen Und die industrialisierte Technik war das repressive Mittel der Machtausübung von dem konservativen Staat Außerdem führte sie zu wachsender sozialer Not und zahlreichen Protestaktionen im Vormärz gegen Industrialisierung als Folgen Die Reformen sollten mehr demokratische Freiheiten wie Presse- und Meinungsfreiheit und vor allem nationale Einheit bringen und damit zu gesellschaftlichen Veränderungen führen Entsprechend groß war die Enttäuschung unter dem Volk für diese Reformen

3.1.1 „Die schlesischen Weber“ von Heinrich Heine

Einer der berühmten Texten, der sich früh mit dem Thema Industrialisierung beschäftigte, ist „Die schlesischen Weber“ (1844), auch

„Weberlied“, von Heinrich Heine (1797 – 1856) Das Werk enstand in der ersten Phase der deutschen Industrialisierung Es handelte sich hier auf einen großen Wandel in der Gesellschaft mit dem Entstehen von vielen neuen Industriezentren und Fabriken Durch die Einführung der Bauern- und Gewerbefreiheit führte es zur Landflucht in die großen Städte, wo sich die Landflüchtlinge ein besseres

22 Edler 1977, S 205 f

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Leben und eine bessere Arbeit erhofften Aber dennoch wurden sie hier ausgebeutet und bildeten daher eine neue Bevölkerungsschicht – das Proletariat Diese Menschen hatten außerordentlich erbärmliche Lebensverhältnisse und daher war ihre Reaktion auf die Not ein Weberaufstand aufgrund der Industrialisierung gegen die niedrigen Arbeitslöhne und die hohe Arbeitslosigkeit 1844 in Schlesien In diesem Gedicht beschrieb Heine die Situation der Weber zu dieser Zeit und dadurch auch ihre Wut auf die Obrigkeit Das Gedicht gliedert sich in fünf Strophen mit jeweils fünf Verszeilen

In der ersten Strophe wird der Zustand der Weber beschrieben, wie sie am Webstuhl saßen und woben Diese erste Strophe ist die Hinführung zum Thema des Gedichtes Hier tragen die Wörter „düstern“, „Träne“, und „fletschen die Zähne“ zu einer dunklen Stimmung bei den Webern bei Sie haben keine Trauer,

„keine Tränen“ über die Lage in Deutschland, sondern sie sind eher wütend, vielmehr „fletschen“ sie als Reaktion „die Zähne“ Es ist hier deutlich eine aggressive Stimmung unter den Webern zu sehen Die Aggression reicht so weit, dass die Weber Deutschland sein „Leichentuch“ und „hinein den dreifachen Fluch“ weben wollen Dies weist auf den Willen der Weber, gegenüber ihren Ausbeuter zu kämpfen und sie zu Fall zu bringen Dieser dreigeteilte Fluch wird später in den folgenden Strophen konkretisiert Die Strophe endet mit dem Kehrreim beziehungsweise einem Ausruf „Wir weben, wir weben!“

Die nächsten drei Strophen beziehen sich auf die Aufzählung der Flüche, die die Weber verweben Zunächst richtet sich die Wut gegen „de[n] Gott, zu dem wir, [die Weber], gebeten” Die Weber haben sich in der schweren Zeit („in Winterkälte und Hungersnöten“) Hilfe von Gott erwartet Aber Gott lies sie im Stich, sie haben diese Hilfe trotz Gebeten nicht bekommen, sondern sie haben bloß „vergebens gehofft und geharrt“ Aus dieser Ausdrucksweise geht hervor, dass die Weber ihren Glauben an Gott verloren haben Dies wird durch die vierte Verszeile auch deutlich gemacht: „Er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt“

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Diese Aufregung wird abgebrochen und die Weber werden sich wieder ihrer Realität bewusst, „Wir weben, wir weben!“ am Ende der Strophe, sie weben noch immer Die Wiederholung dieses Ausrufs zeigt, dass die Weber wirklich nichts anders tun können, als zu weben Ihre Gefühlsregungen enden immer wieder im Bewusstsein über ihre reale Tätigkeit Daran ist auch zu erkennen, dass die Weber sehr hart arbeiten müssen und die Arbeit auch sehr monoton ist Aber dies ist doch ihr einziger Weg, sich das tägliche Brot nicht nur für sie selbst sondern auch für ihre Familie zu verdienen Der zweite Fluch gilt dem König Friedrich Wilhelm IV, der „König der Reichen“ genannt wird Der König sollte die miserablen Weber hilfen, aber er stürzte die Weber in noch größere Not Er verlangte auf niedrigen Lohn und auch noch höhere Steuern, zog den Webern ihren letzten „Grotschen“ aus der Tasche Der Höhepunkt dieser Ausbeutung ist

im nächsten Vers deutlicher, als sie, die Weber, „wie Hunde erschossen“ wurden Nach diesen Zeilen kommt wieder der Bruch zu „Wir weben, wir weben!“ Der dritte Fluch richtet sich an das Vaterland Aber das „Vaterlande“ hier gilt nicht für Schutz und Loyalität, sondern für „falsch“ Es drückt damit aus, dass das Land die Weber falsche behandelt hat Außerdem ist dieses Land auch nicht mehr schön, sondern es gibt hier nur „Schmach und Schande“ Aus diesen Worten lassen sich die wachsenden Ungerechtigkeit und Unterdrückung

in Deutschland zu ersehen Im nächsten Vers sprechen die Weber von einer Blume, die „früh geknickt“ wird Diese Blume steht symbolisch für jeden Menschen, der in der deutschen Gesellschaft geboren wurde Dieser hatte leider keine Chance, sich frei zu entfalten, seine Meinung offen zu äußern oder etwas gegen den Staat zu sagen Meinungsfreiheit war hier nicht erlaubt und man musste den vorgegebenen Lebensweg, wie eine Maschine, folgen Das vierte Zeil der vierten Strophe gibt dem Leser ein Bild von Deutschland nach der Sicht der Weber: es gibt hier nichts Schönes, sondern nur „Fäulnis“ und „Moder“ Der Einzige, der an diesem Elend „erquick[en]“ kann, ist der Wurm Dieser steht für die Herrschenden beziehungsweise die Unternehmer, die von der

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Industrialisierung profitierten und sich an den durch Industrialisierung verursachten Elend und Schmutz erfreuen konnten Auch diese Strophe schließt mit „Wir weben, wir weben!“

Die letzte Strophe zeigt wieder die Beschäftigung der Weber Dies macht dem Leser klar, dass die Arbeit den Webern eine äußerst wichtige Rolle spielt Trotz des niedrigen Lohns können sie nicht leisten, sich auszuruhen: sie lassen den Webstuhl krachen und müssen „weben emsig Tag und Nacht“ an dem Leichentuch „Altdeutschland[s]“ Dies zeigt auf, dass sich die Weber ein neues und besseres Deutschland wünschen Also sie erhofften sich von einem Neuanfang und besseren Veränderungen Trotzdem weben sie noch weiterhin

„den dreifachen Fluch“ in das Tuch Das heißt, ihre Aggression, die vom Anfang des Gedichtes vorhanden war, bleibt immer noch Und auch dieser Kehrreim

„Wir weben, wir weben!“ betont diesen Sachverhalt und schließt das Gedicht Dieses Gedicht von Heinrich Heine ist ein Beweis dafür, warum seine Schriften damals in Deutschland verboten wurden Er greifte diese Thematik auf,

um die Zustände im industrialisierten Feudalstaat Deutschland zu kritisieren, was die Probleme richtig trafen, also zum Beispiel die sozialen Fragen wie soziale Gerechtigkeit, Eintreten für Meinungsfreiheit und Demokratie, die sich von der Industrialisierung ableiteten

3.1.2 „Das Engelchen“ von Robert Prutz

Robert Prutz gelang in seinem 1851 veröffentlichen Sozialroman „Das Engelchen“ eine Auseinandersetzung mit der neuen durch die Industrialisierung geprägten Lebensform

„Das Engelchen“ wurde von Prutz zwischen 1845 und 1851 geschrieben, in einer Zeit, die durch die Hoffnung auf politische, soziale und gesellschaftliche Reformen geprägt war Aber diese Reformen brachten leider nur Enttäuschung unter dem Volk, darunter auch Prutz

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Vorbild ist Prutz der soziale Roman aus Frankreich, vor allem von Eugene Sue Sues „Die Geheimnisse von Paris“ erschien 1842 und war schnell in Deutschland verbreitet Von dem sozialen Roman leitete Prutz sein eigenes literarisches Konzept ab, er wollte „Stoff, Abenteuer, Verwirklung und Umgebungen, die ihm bekannt sind, ( ) er will Abwechslung, Fülle und Lebendigkeit“23 Prutz nahm an, dass durch Unterhaltungsliteratur auch moralische Werte vermittelt werden können, werde Literatur „Werkzeug zu den höchsten Zwecken“24

Der Roman befindet sich in einem Fabrikdorf, wo die beginnende Industrialisierung in Deutschland einen großen Einfluß hat Und die zentrale Themenstellung bezieht sich auf die Gegenüberstellung von Meistern und Fabrikanten Auf einer Seite stehen die Personen, die die Maschinenarbeit unterstürzen, weil sie von ihr direkt profitieren können, wie der Fabrikant Wolston und seine Frau Auf anderer Seite stehen die Figuren, die unter dem Einsatz von Maschinen direkt leiden, also die ausgebeuteten Arbeiter, wie der Webmeister Werner und seine Familie Diese zwei Charaktertypen stehen für die moderne maschinelle Produktionsweise und für die zunftgeregelte Handwerkstradition

Mit dem engländischen Fabrikbesitzer, Herr Wolston, zeichnete Prutz die Figur einer aufstrebenden, hartherzigen und egoistischen Person Damit entsprach der Autor der Vorstellung von Unternehmen, wie sie in der Literatur

zu dieser Zeit beschrieben wurden Dazu einige Beispiele für die Eigenschaft dieser Figur: Der „herzlose Geldmensch“25 macht alles für seine Karriere Seinen Besitz hat er unrechtmäßig erworben, indem er seine Position als Buchhalter missbrauchte Auch seine Ehen schließt er aus karrieresichernden Motiven Zu seine ersten Frau sagt er „ das beide nur ein Geschäft mit dieser Ehe gemacht

23 Prutz 1851, S 169

24 Ebd., S 398

25 Prutz 1851., S 280

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hätten.“26 Ethisch-moralische Kriterien spielen in seinem Denken keine Rolle Durch die Beschreibung dieser Figur im Roman ist es deutlich, dass der Fabrikant offenkundig keine Rücksicht auf die Gerechtigkeit nimmt: Das Geschäft war „in seinen ´Webermeister Werner´ Händen das Spielwerk eines Knaben, in meinen Händen eine unbesiegbare Waffe, um Reichthum, Macht, Ansehen zu erwerben.“27 Dadurch beschrieb der Autor auch das Pragmatismus der beginnenden Industrialisierung: Die Industrieunternehmen waren letztlich nur die „Waffe“ gegen die Arbeitenden

Im Gegensatz zu dem machthungrigen Fabrikanten ist der unglückliche Webermeister Karl Werner Diese Figur stellt wirklich die Wert der zunftgeregelten Handwerkstradition: Trotz der zunehmenden Industrialisierung, bei der sich alle die Fabrikarbeiter an die Maschinenproduktion assimilieren müssen, hält der Webemeister der traditionellen Webmethode immer Treu Und die bringt ihm sowie seiner Familie viele Schattenseiten ein Da er immer den herkömmlichen Werten festhält, geht es ihm ganz schwer, sich allmählich an die veränderte Lebensbedingungen zu gewöhnen Und sein soziales Elend wird im Roman ganz intensiv und dramatisch geschildert Es gibt sogar eine Szene, wo er sein Herz – sein Leben opfern will:

Da, da, schrie er, indem er das Wams von einander riß, daß die arme, eingedrückt Brust sichtbar ward: Hier ist mein Herz! Ich kann nicht weiter, ich bin müde – da, nehmt! Schneidet mir das Herz aus dem Leib, ich will still halten, und münzt Geld

Mitten in diesen tatsächlichen Konflikten steht Angelica – das

„Engelchen“ Die junge Frau ist, wie der Name schon andeutet, die Person, die von den Konflikten wegen der Einführung der industriegeprägten Technik und der gesellschaftlichen Veränderungen nicht berührt wird So symbolisiert sie

26 Ebd., S 281

27 Ebd., S 302

28 Prutz 1851, S 230

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nicht nur die Tugend, sondern auch die Reinheit und die Unberührtheit Im Roman spielt sie die Rolle, zwischen Generationen und damit auch zwischen den unterschiedlichen Positionen zu vermitteln Das Auftreten vom „Engelchen“ im Roman befindet sich in einer intensiven Situation, „mitten in [der] dichte[n] Masse”29: Auf dem Weg zum Schloß spätabends wird ihre Kutsche von einer Menschenmenge, die mit der Rebellion der Dorfbevölkerung zu tun haben, angehalten Die Figur lässt sich auftreten in einer so unmoralischen Handlung Aber es fällt ihr doch durch diesen Chaos immer noch die Rolle einer Erlöserin aus dem Elend zu Also durch die Armut und den sozialen Verfall scheint ihre

„Anmuth“ immer durch

Eine junge Dame, bleich vor Schreck – aber auch der Schreck hatte die Anmuth dieses lieblichsten Antlitzes nicht verwischen können! Kastanienbraune ocken umringelten in seidener Fülle die zarten Wangen, die dunklen Augen leuchteten sanft wie der Mond, die rothen runden Lippen, wie sie sich öffneten, glichen einer

Angelica wird nicht nur als eine Schönheit von außen dargestellt, sondern sie hat auch viele schöne Eigenschaften Im weiterer Handlung wird eine von ihrer mehreren Tugenden, sich für andere aufzuopfern, beschrieben: Damit ihr Bruder nicht in schwierige Situation geraten muss, ist Angelica „zu jedem Opfer und jeder Entsagung bereit, die nur ihr eigenes Schiksal betraf“31 Obwohl ein Zusammentreffen mit ihren Stiefeleltern überaus bedrückt, hält sie ihre Rückkehr ins Dorf aber für ihre „heilige, edle Pflicht“ Bei der Darstellung von Angelica griff der Autor auf das konservative Weiblichkeitsideal des 19 Jahrhunderts zurück Die Rolle der Frauen im 19 Jahrhundert war in der bürgerlichen Gesellschaft beschränkt Da die Stellung der Frau im öffentlichen Leben über den Mann als Ehepartner, Bruder definiert wurde, war ihre Handlungsfreiheit weitesgehend eingeschränkt Bürgerliche Berufe waren eine

29 Ebd., S 243

30 Prutz 1851, S, 244

31 Ebd., S 273

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Männerdomäne und deswegen blieb der Frau nur der Rückzug aus dem öffentlichen Leben In der Gesellschaft zu der Zeit der Industrialisierung spielte die Frau die Rolle als Wohltäterin, sie müssen die Härte der Industriegesellschaft auszugleichen, indem sie ihre eigenen Bedürfnisse und Willen unterdrücken muss Diese Funktion des Weiblichen wird an der Figur des „Engelchens“ beispielhaft aufgezeigt

Mit einem mehr als 800 Seiten umfassenden Sozial- bzw Fabrikroman malte sich Robert Prutz den gesellschaftlichen Wandel wegen der beginnenden Industrialisierung und seine damit gebundenen Folgen aus Die oben genannten Figuren verkörpern die bezeichnenden zu lösenden Fragen zu dieser Zeit Erstens ist die Gegenüberstellung zwischen dem Fabrikanten Wolston und dem Webmeister Werner, was für den Konflikt zwischen den Industriellen und den Arbeitern, zwischen dem Herrscher und dem Untertan, zwischen der modernen und neuen Produktionsweise und der zunftgeregelten Handwerkstradition Zweitens zu betrachten ist das „Engelchen“ Angelica Durch diese Figur schilderte der Autor die Schwierigkeiten, denen die damaligen Frauen gegenüberstehen mussten Trotz der Härte ihres Lebens konnten sie immer noch ihre Tugend bewahren Sie standen sogar auf und kämpften für ihr Recht, was seit der Mitte des 19 Jahrhunderts in Deutschland entstanden war

3.1.3 Eisenbahnlyrik und „An den Frühling“ von Nikolaus Lenau

Um 1830 entstand Eisenbahnlyrik zu der Zeit von Biedermeier und Vormärz In diesen Eisenbahnliedern fällt also den Versuch der Autoren dieser Zeit, in der Literatur einerseits sich mit wachsender Intensität die technischen-industriellen Veränderungen kreativ auszumalen und anderseits auch an ihrer lange überaus traditionellen Poetisierung festzuhalten

Ngày đăng: 16/03/2021, 09:37

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