VIETNAM NATIONALUNIVERSITÄT, HANOI HOCHSCHULE FÜR SPRACHEN UND INTERNATIONALE STUDIEN ABTEILUNG FÜR POSTGRADUIERTE AUSBILDUNG **************************** TRAN THI NGOC ANH METHODEN BE
Trang 1VIETNAM NATIONALUNIVERSITÄT, HANOI HOCHSCHULE FÜR SPRACHEN UND INTERNATIONALE STUDIEN
ABTEILUNG FÜR POSTGRADUIERTE AUSBILDUNG
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TRAN THI NGOC ANH
METHODEN BEIM ÜBERSETZEN VON PASSIVFORMEN AUS DEM DEUTSCHEN INS VIETNAMESISCHE – EINE EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG
PHƯƠNG THỨC CHUYỂN DỊCH DẠNG THỨC BỊ ĐỘNG TỪ TIẾNG ĐỨC SANG TIẾNG VIỆT
MASTERARBEIT
Studiengang: Deutsche Linguistik Studiengangsnummer: 60220205
HANOI – 2018
Trang 2VIETNAM NATIONALUNIVERSITÄT, HANOI HOCHSCHULE FÜR SPRACHEN UND INTERNATIONALE STUDIEN
ABTEILUNG FÜR POSTGRADUIERTE AUSBILDUNG
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TRAN THI NGOC ANH
METHODEN BEIM ÜBERSETZEN VON PASSIVFORMEN AUS DEM DEUTSCHEN INS VIETNAMESISCHE – EINE EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG
PHƯƠNG THỨC CHUYỂN DỊCH DẠNG THỨC BỊ ĐỘNG TỪ TIẾNG ĐỨC SANG TIẾNG VIỆT
MASTERARBEIT
Studiengang: Deutsche Linguistik Studiengangsnummer: 60220205 Betreuer: Dr Vũ Kim Bảng
HANOI – 2018
Trang 3Die Arbeit war in gleicher oder ähnlicher Fassung noch nicht Bestandteil einer Studien- oder Prüfungsleistung
Hanoi, der 12 Dezember 2018
Tran Thi Ngoc Anh
Trang 4Der größte Dank gilt meinen Eltern, die mich während meines Studiums finanziell unterstützt und darüber hinaus zum Durchhalten motiviert haben
Schließlich danke ich meinen Kolleginnen, Kollegen und meinen Freunden für die guten Gespräche und nützlichen Tipps, die in diese Arbeit eingeflossen sind
Trang 5ZUSAMMENFASSUNG
Die folgende Arbeit behandelt Methoden beim Übersetzen von Passivformen aus
dem Deutschen ins Vietnamesische und ist eine empirische Untersuchung
Ausgangspunkt der Arbeit sind die Theorien des Passivs und des Übersetzens im Allgemeinen Die Passiv- und Passiversatzformen im Deutschen und im Vietnamesischen werden vorgestellt Dem theoretischen Teil folgt die praktische Untersuchung von einem Korpus aus 250 deutschen Passivsätzen Die Häufigkeiten der Passiv- und Passiversatzformen werden untersucht, analysiert und mit der jeweiligen vietnamesischen Übersetzung verglichen, um die folgenden Fragen zu beantworten:
Welche Passivformen im Deutschen und im Vietnamesischen gibt es?
Welche Übersetzungsmethoden benutzt der Übersetzer, um Passivformen aus dem Deutschen ins Vietnamesische zu übertragen?
Welche Faktoren beeinflussen die Wahl des Übersetzers beim Übersetzen?
Trang 6INHALTSVERZEICHNIS
EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNG i
DANKSAGUNG ii
ZUSAMMENFASSUNG iii
INHALTSVERZEICHNIS iv
TABELLENVERZEICHNIS vi
ABBILDUNGEN UND DIAGRAMME vii
EINLEITUNG 1
1 Themenauswahl 1
2 Fragestellung und Zielsetzungen 2
3 Forschungsstand 3
4 Gegenstand der Forschungsarbeit und Material 4
5 Forschungsmethoden und Vorgehensweise 4
6 Gliederung der Arbeit 4
KAPITEL 1 THEORETISCHE GRUNDLAGEN ZUR ÜBERSETZUNG 6
1.1 ZUM BEGRIFF ÜBERSETZEN 6
1.2 DIE ÄQUIVALENZ BEIM ÜBERSETZEN 15
1.2.1 Der Äquivalenzbegriff 16
1.2.2 Typen der Übersetzungsäquivalenz 20
1.3 ÜBERSETZUNGSMETHODEN UND -VERFAHREN 23
1.3.1 Übersetzungsmethoden 23
1.3.2 Übersetzungsverfahren 25
KAPITEL 2 THEORETISCHE GRUNDLAGEN ZUR ÜBERSETZUNG VON DEUTSCHEN PASSIVSÄTZEN INS VIETNAMESISCHE 31
2.1 BEGRIFF DER PASSIVSÄTZE 31
2.1.1 Passivformen, Passivstruktur und Passivsätze 31
2.1.2 Der Ansatz der Passivsätze in der Linguistik 31
2.1.3 Art der Passivsätze in der Sprache 33
Trang 72.2 PASSIVSÄTZE IM DEUTSCHEN 34
2.2.1 Vorgangspassiv 35
2.2.2 Zustandspassiv 42
2.2.3 Passiv-Paraphrasen 44
2.3 PASSIVSÄTZE IM VIETNAMESISCHEN 49
2.3.1 Eigenschaften und Wege zur Identifizierung passiver Sätze im Vietnamesischen 51
2.3.2 Das Subjekt im Passivsatz und seine Bedeutungsrollen 54
2.3.3 Möglichkeiten beim Übersetzen des passiven Satzes vom Deutschen ins Vietnamesische 55
KAPITEL 3 EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG 58
3.1 BESCHREIBUNG DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG 58
3.2 KORPUSANALYSE 59
3.2.1 Quantitative Analyse 59
3.2.2 Typen der Übersetzung 65
3.3 ZUSAMMENFASSUNG 82
LITERATURVERZEICHNIS 85 ANHANG I
Trang 8TABELLENVERZEICHNIS
Tabelle 1: Die Darstellung des Passivs als Umformung aus dem Aktiv mit
den Regularitäten 37
Tabelle 2: Die Zeiten im Vorgangspassiv : 38
Tabelle 3: Das Modalverb in verschieden Zeitformen des Passivs 39
Tabelle 4: Die Zeiten im Zustandspassiv 43
Tabelle 5: Passiversatzformen im deutschen Originaltext 60
Tabelle 6: Vietnamesische Übersetzungen von deutschen Passiv- und Passiversatzformen 61
Tabelle 7: vietnamesische Übersetzungen des deutschen Vorgangspassivs 63
Tabelle 8: Vietnamesische Übersetzung des deutschen Zustandspassivs 63
Tabelle 9: Vietnamesische Übersetzung der Passiversatzformen (Passiv-Paraphrasen) 63
Trang 9ABBILDUNGEN UND DIAGRAMME
Abbildung Übersetzungsprozeduren nach Wolfgang Wilss 26
Diagramm 1 Diagramm 1: Passiv und Passiversatzformen im
deutschen Originaltext
59
Diagramm 2 Diagramm 2: Vietnamesische Übersetzungen von
deutschen Passiv- und Passiversatzformen
61
Trang 10EINLEITUNG
1 Themenauswahl
Der Passivsatz ist eine gebräuchliche grammatikalische Kategorie in den europäischen Sprachen wie dem Deutschen, Russischen, Englischen, Französischen usw Im Vietnamesischen ist der Passivsatz als grammatikalische Kategorie eher außergewöhnlich und löst immer wieder Diskussionen aus Sprachwissenschaftler streiten darüber, ob das Vietnamesische überhaupt eine klar beschreibbare Passivform hat Letztlich hat man sich in der Forschung darauf verständigt, dass es verschiedene Formen oder Ausdrucksmöglichkeiten im Vietnamesischen gibt, die Inhalte in einem passiven Modus beschreiben
Mit der dynamischen und globalen Entwicklung von Wissenschaft, Technik und Kultur nimmt auch die Bedeutung von grenzüberschreitender Kommunikation zu Die Kenntnis von Fremdsprachen wird immer wichtiger Erkenntnisse über Unterschiede im Gebrauch von Sprachmodi helfen, Grundsteine zu legen, die letztlich der harmonischen Interaktion in den internationalen Beziehungen nützen Das Erlernen einer Fremdsprache und ihre Anwendung gehören für eine zunehmende Zahl von Erwachsenen zum Berufsalltag Die Anfertigung von Übersetzungen bedarf trotz der immer besser funktionierenden Algorithmen von Google und anderen Suchmaschinen immer noch der professionellen Bearbeitung durch Menschen Sie wirkt in allen Bereichen der internationalen Beziehungen hinein und trägt als Serviceleistung zur Gesamtentwicklung eines Landes in wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Hinsicht bei
Übersetzern sind Unterschiede zwischen den Sprachen geläufig Sie kennen die Unterschiede und sind in der Lage, Lösungen für die Übersetzung zu liefern Solche Lösungen verdienen gelegentlich eine eingehendere Betrachtung Diese kann im Ergebnis der Übersetzungspraxis eine Rückmeldung vielleicht sogar Hinweise für die zukünftige Übersetzungspraxis geben
Trang 11Vietnamesisch und Deutsch gehören verschiedenen Sprachfamilien an Sie sind sprachgeschichtlich und sprachtypologisch nicht miteinander verwandt Unterschiede zwischen den beiden Sprachen sind daher groß Die Unterschiede in Form und Funktion des Passivs im Deutschen und Vietnamesischen sind ein Phänomen dieser Verschiedenheiten
Das Thema "Methoden beim Übersetzen von Passivformen aus dem Deutschen ins Vietnamesische – eine empirische Untersuchung" habe ich gewählt um in
einem Bereich, der für professionelle Übersetzer, Linguisten und Studenten der deutschen Sprache von Bedeutung ist, einen Beitrag für die theoretische Durchdringung sowie die praktische Anwendung zu liefern
2 Fragestellung und Zielsetzungen
In Bezug auf die Passivformen in den beiden Sprachen könnten viele Fragen gestellt werden Diese Arbeit konzentriert sich auf die drei folgenden Aspekte:
Welche Passivformen im Deutschen und im Vietnamesischen gibt es?
Welche Übersetzungsmethoden benutzt der Übersetzer, um Passivformen aus dem Deutschen ins Vietnamesische zu übertragen?
Welche Faktoren beeinflussen die Wahl des Übersetzers beim Übersetzen?
Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, erstens einen theoretischen Beitrag zu Übersetzungen von Passivformen im Deutschen und Vietnamesischen zu liefern und zweitens, Unterschiede der Passivformen zwischen der vietnamesischen und der deutschen Sprache herauszuarbeiten
Übersetzungsmethoden bei der Übersetzung eines Passivsatzes aus dem Deutschen ins Vietnamesische
Trang 123 Forschungsstand
Passivformen und Passivsätze sind typische grammatikalische Phänomene der indoeuropäischen Sprachen Gemeint ist die grammatikalische Beziehung zwischen dem Verb und anderen grammatischen Elementen wie Subjekt und Objekt Die traditionelle europäische Grammatik basiert jedoch nur auf dem Ausdruck und entscheidet sich dafür, dass Passivformen zum morphologischen Bereich des Verbes gehören
In der modernen Grammatik werden Passivformen im Allgemeinen und passive Sätze in verschiedenen Richtungen wie Universalität, Art, Funktion betrachtet (Nguyen Hong Con, 2004)
Allerdings sind viele Fragen im Zusammenhang mit passiven Sätzen in Sprachen bisher nicht aufgeklärt worden, wie zum Beispiel: Ist das Passiv ein universelles Phänomen oder eine Art des Phänomens? Haben Passivformen oder Passivsätze Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den Sprachen?
Die Autoren wie Bussmann (1990, 564), Helbig/Buscha (1996, 162f) betrachten Passivsätze auf der Basis von Funktionalitäten, semantischen Strukturen und morphologischen Merkmalen
Zu dem gewählten Thema lieferten die folgenden Publikationen eine vorzügliche
Basis für die theoretische Orientierung: Helbig, G./Buscha, J (1996): Deutsche
Grammatik Ein Handbuch für den Ausländerunterricht, ] Koller, W (2004): Einführung in die Übersetzungswissenschaft (7 aktualisierte Aufl.), Duden (1995): Die Grammatik der deutschen Gegenwartsprache Band 4
Im Vietnamesischen ist der passive Satz ein grammatisches Thema, das viel diskutiert ist Einige vietnamesische Gelehrte wie Nguyen Thi Anh (2000), Nguyen Phu Phong (1976) glauben, dass es im Vietnamesischen kein Passiv gibt
Andere Autoren wie Diep Quang Bang, Nguyen Thi Thuan (2000), Nguyen Hong Con (2004), Le Xuan Thai (1995), Hoang Trong Phien (1980) vertreten die Meinung, dass passive Satzstrukturen im Vietnamesischen durch
Prädikatstrukturen, die bị, được mit bestimmten transitiven Verben verwenden,
Trang 13möglich sind, obwohl Vietnamesisch keine Passivform als grammatikalische Kategorie von Verben kennt
4 Gegenstand der Forschungsarbeit und Material
Diese Arbeit untersucht Form und Funktion des deutschen Passivs und dessen Entsprechungen im Vietnamesischen Es geht also um den Transfer der Passivsätze vom Deutschen ins Vietnamesische, nicht umgekehrt Die kontrastive Analyse zwischen dem Deutschen und dem Vietnamesischen weist einen quantitativen und qualitativen Anteil auf und macht Gebrauch von vorgefundenem Material Verwendung findet ein deutscher Gesetztext, nämlich das Hessenrecht von 2010 und seine vietnamesischen Übersetzungen
5 Forschungsmethoden und Vorgehensweise
Analyse und Darstellung sind folgendermaßen angeordnet: Zunächst wird die Beschreibungsmethode dargestellt, um eine Übersicht zur Übersetzung und Übersetzungsäquivalenz zu erklären In diesem Zusammenhang werden deutsche und vietnamesische Passivformen beschrieben Des Weiteren dienen Analyse und Vergleich dazu, Ähnlichkeiten und Unterschiede der Passivformen im Deutschen und Vietnamesischen aufzuzeigen Statistische Angaben ordnen die Beobachtungen
in einen größeren Zusammenhang ein Die Passiv- und Passiversatzformen aus dem Gesetztext Hessenrecht 2010 und die entsprechenden vietnamesischen Übersetzungen werden ausgewählt und in Bezug auf die Klassifizierung in der Duden-Grammatik (2009) klassifiziert Danach wird ein Vergleich zwischen deutschen Passivformen und deren Übersetzungen im Vietnamesischen durchgeführt, um Methoden beim Übersetzen von Passivformen aus dem Deutschen ins Vietnamesische aufzuzeigen
6 Gliederung der Arbeit
Die Arbeit gliedert sich in drei Kapitel:
Kapitel 1 und Kapitel 2 sind die theoretischen Teile, in denen die sprachwissenschaftlichen Grundlagen zum Passiv im Deutschen und
Trang 14Vietnamesischen und die übersetzungstheoretischen Grundlagen dargestellt werden
Kapitel 3 ist die praktische Untersuchung Eine quantitative Zusammenstellung der Ergebnisse schafft den Rahmen für die daran sich anschließenden Einzelbetrachtungen Die ausgewälten Beispiele werden analysiert und in Verbindung mit den Übersetzungsmethoden von Koller und Schreiber gebracht, die als typische Methoden beim Übersetzen gelten, besonders für die Sprachen, die verschiedenen Sprachfamilien angehören
Trang 15KAPITEL 1 THEORETISCHE GRUNDLAGEN ZUR ÜBERSETZUNG
Dieses Kapitel orientiert sich an einer Reihe von Termini aus der Übersetzungstheorie, die einen begrifflichen Rahmen für die weitere Untersuchung bilden Es handelt sich um die Begriffe wie Übersetzen, Übersetzungsäquivalenz, Adäquatheit usw
1.1 ZUM BEGRIFF ÜBERSETZEN
Das Übersetzen hat immer eine wichtige und wesentliche Rolle in der Geschichte der Menschen gespielt, vor allem dann, wenn man aus einer sprachlichen Region in eine weiter entfernte zog, wo bereits andere Siedler traditionell sesshaft waren In der abendländischen Sprachgeschichte verweist man auf den Rhetoriker Cicero (106
- 43 v Chr.) und den Dichter Horaz ( 65 – 8 v Chr.), denen man die Begründung der expliziten Übersetzungstheorie zuschreibt Auf Horaz geht das Topos zurück:
„Nec verbo verbum curabis reddere fidus / interpres“
was sinngemäß bedeutet, dass der Übersetzer nicht sklavisch Wort für Wort übersetzen solle ( Besch u.a., 1998: 214)
In der aktuellen Brockhaus Enzyklopädie (1974-1994, 542f) ist eine andere Beschreibung des Übersetzens vorzustellen:
„1 Computerlinguistik: das Übersetzen eines größeren gesprochenen oder geschriebenen Sprachkomplexes aus einer natürl Sprache (Quellsprache) in eine andere (Zielsprache) mit Hilfe eines Computers Man unterscheidet dabei grunsätzlich zwischen (voll-)automat Maschineller Übersetzung und maschinen- oder computerunterstützter Übersetzung ( )
2 Philologie: schriftliche Form der Vermittlung eines Textes durch Wiedergabe in einer anderen Sprache unter Berücksichtigung bestimmter Äquivalenzforderungen Zu differenzieren sind einerseits die interlinguale (Übersetzung von einer Sprache in eine andere), die intersemiot
Trang 16(Übersetzung von einem Zeichensystem in ein anderes, zum Beispiel vom Text ins Bild) und die intralinguale Übersetzung (Übersetzung von einer Sprachstufe in eine andere, zum Beispiel vom Althochdeutschen ins Neuhochdeutsche, vom Dialekt in die Standard- oder Hochsprache), andererseits umfasst der Oberbegriff die unterschiedlichsten Typen von Übersetzung, zum Beispiel Glossen, Interlinearversion, Übertragung (Bearbeitung), Nachdichtung (Adaption) oder auch Neuvertextung (zum Beispiel Filmsynchronisation) ( )“
In dieser Enzyklopädie wird Übersetzen auf zweierlei Weisen unterschieden Als gemeinsamer Nenner kann kann Übersetzen als eine Wiedergabe der Mitteilung von einer Sprache in eine andere verstehen
Roman Jakobson (1981: 189-198) schreibt:
„Die Bedeutung jedes sprachlichen und nichtsprachlichen Zeichens, liegt in dem Zeichen selbst, keinesfalls aber in einer vorsemiotischen Erfahrung des Bedeuteten Denn das Zeichen ist eine Abstraktion, das wir, um es zu verstehen, im Geist übersetzen müssen „ein anderes, alternatives Zeichen.“
Jakobson unterscheidet drei Arten von Übersetzung: ein unbekanntes Wort erklärt sich nur in seiner Umschreibung innerhalb des lexikalischen Kodes, oder in seiner Übertragung in eine andere Sprache oder in ein anderes, nichtsprachliches Zeichensystem (vgl Spitzmüller, 2008: 2)1
Die Argumentation beginnt mit dem Begriff Bedeutung Für Jakobson ist Bedeutung nicht eine vorgegebene Sache, die bearbeitet oder übersetzt wird, sondern schon die Bedeutung ist eine Übersetzung Wenn die Bedeutung eines Zeichens seine Übersetzung in ein anderes Zeichen ist, ist die Übersetzung die Wiedergabe eines Zeichens in ein anderes Zeichen Wenn die Übersetzung selber ein Zeichen ist, das wieder gedeutet, das heißt übersetzt werden muss, ergibt sich das Bild eines Kreislaufs, der sogenannten Semiose
1
www.spitzmueller.org/docs/fs2008/duermueller-jakobson.pdf: Zugriff am 09.06.2008
Trang 17Diese ganzheitliche Betrachtung der Zeichen spiegelt sich in den drei Arten der Übersetzung wider:
1 Die innersprachliche Übersetzung oder Paraphrase ist eine Wiedergabe sprachlicher Zeichen mittels anderer Zeichen derselben Sprache,
2 die zwischensprachliche Übersetzung oder Übersetzung im eigentlichen Sinne ist eine Wiedergabe sprachlicher Zeichen durch eine andere Sprache, was uns hier vorrangig interessiert
3 die intersemiotische Übersetzung oder Transmutation ist eine Wiedergabe sprachlicher Zeichen durch Zeichen nichtsprachlicher Zeichensysteme wie beispielsweise die Übertragung eines literarischen Textes in einen Film (vgl Spitzmüller, 2008: 03)
Der als Phonetiker zu Weltruhm gelangte Linguist John Cunnison Catford definiert Übersetzen wie folgt:
„Translation is an operation performed on languages: a process of substituting
a text in one language for a text in another
Translation may be defined as follows: the replacement of textual material in one language (source language, SL) by equivalent textual material in another language (target language, TL).“(vgl Catford: 1965, z.n Koller 2004: 90)
Er betrachtet Übersetzen als Substitution des Ausgangssprachenmaterials durch die entsprechende Zielsprache Demnach ist Übersetzen ein Prozess, in dem das Textmaterial in einer Sprache durch gleichwertiges Textmaterial einer anderen Sprache, aber nur in einer vorgegebenen Situation ausgetauscht wird
Aus Sicht des funktionalen Linguisten Catford geht es um das Ersetzen von Textmaterial in einer Sprache (SL) durch gleichlautendes Textmaterial in eine andere Sprache Zwei Begriffe liefern den Schlüssel für sein Verständnis: Textmaterial und Äquivalenz Er redet nicht vom Textganzen, sondern von Material (aus dem Textganzen) Catford unterteilt drei Typen von Übersetzung: in Bezug auf Umfang (volle oder teilweise) Niveau (umfassend oder eingeschränkt) und Rang (freie, wörtliche oder Wort-für-Wort Übersetzung) Äquivalenz unterscheidet er
Trang 18nach textlicher und formaler Äquivalenz Unter der formalen Äquivalenz sind Struktur, Klasse u Ä zu verstehen
Einen anderen Fokus findet man bei dem Romanisten und Textgrammatiker Harald Weinrich Für ihn ist Übersetzen nicht die Substitution von Textmaterial, auch nicht einzelner Wörter Ein Lexikon liefere keine Übersetzungen sondern Übersetzungsvorschläge Für Weinrich gibt es in der Übersetzung keine Synonyme Die Welterfahrung des Übersetzers entscheidet die Auswahl und den Gebrauch der Worte der Zielsprache (vgl Weinrich: 1965, z.n Buschmann 2015: 93-94) Weinrich spricht auch die Unübersetzbarkeit an Die drängt sich dort auf, wo die Wörter unauflöslich eng mit historischen oder kulturellen Praktiken verbunden sind Schlagworte aus der politischen oder juristischen Praxis mögen hier ausreichen, diesen Gedanken nachvollziehbar zu machen: Aufklärung, Demokratie, Wende Die Übersetzbarkeit liegt nicht auf der Ebene der Wörter, sondern des Textes Übersetzen muss deshalb im Kommunikationszusammenhang bestimmt werden Mit dem Phänomen der Unübersetzbarkeit beschäftigt sich auch Werner Winter:
“It seems to me that we may compare the work of a translator with that of an artist who is asked to create an exact replica of a marble statue, but who cannot secure any marble.”2
Auch er macht subjektives Weltwissen zu einer Bezugsgröße für die Übersetzung, die gleichwertig bzw äquivalent ist
,,To translate is to replace the formulation of one interpretation of a segment
of the universe around us and within us by another formulation as equivalent
as possible We speak of translation even within the framework of one single language in the case of stylistic shifts, for instance, when we find ourselves asked to make plain and intelligible a highly esoteric statement we have just made This use of the term is, however, rather marginal, even though the basic characteristics of the process are all present As a rule, we may inject
2 Werner Winter: „Impossibilities of Translations“ https://studfiles.net/preview/2427325/page:2/ : Zugriff am 23.03.2015
Trang 19into our definition the further qualification that translation involves the replacement of an interpretation in one language by another in a second language.“(vgl Winter: 1961, z.n Koller 2004: 91)
Winter ist der Meinung, dass Übersetzen die Ersetzung der Formulierung von Interpretationen von Weltsegmenten durch eine äquivalente Formulierung in der Zielsprache ist Nicht nur der Textbegriff (formulation), sondern auch der Begriff der „Welt“ - also „Weltsegment“ (segment of the universe) machen den Prozess der Übertragung mit gleichwertiger Bedeutung aus Die Welt bezeichnet den Sachverhalt außersprachlicher Art, der im Text zugleich interpretiert wird Dieses Interpretieren wird durch eine Annäherung der Bedeutung festgestellt In der Poesie kommen außerdem Aspekten wie Metrum, Rhythmus, Klang, Position im Satz- und Textgefüge semantische Bedeutung zu Bei Auffächerung solcher semiotischen, grammatischen und ästhetischen und semantischen Aspekte lässt sich die Einsicht allgemein nachvollziehen, dass es eine exakte Übersetzung nicht geben kann:
Languages are systems of arbitrarily selected, but conventionalized signs which serve to convey arbitrarily selected, but conventionalized meanings….If we insert what we just said about languages in general, we can expand this trivial statement into something more meaningful: The system of form and meaning in language A may be similar to that in language B, but is never identical with it This statement has a very simple,
yet very important corollary: There is no completely exact translation…
There are only approximations, and the degree of similarity possible between original and translation depends on the degree of similarity between the systems of form and meaning in the two languages involved 3
Harald Weinrich aber auch Werner Winter haben angemerkt, dass Übersetzen an natürliche Grenzen der Unübersetzbarkeit stößt Damit zeigen sie eine grundsätzliche Grenze auf, die in unserem Zeitalter der maschinell unterstützten
3
W.Winter – ebenda - https://studfiles.net/preview/2427325/page:2/ : Zugriff am 23.03.2015
Trang 20oder gar automatisierten Übersetzung wie eine Mahnung zu verstehen ist, dass der Text in der Zielsprache nicht deckungsgleich sein kann mit dem Text in der Ausgangssprache
Der Vordenker der automatisierten Übersetzung: Anthony G Oettinger schreibt denn auch sinngemäß, dass die Übersetzung eine Umwandlung von Zeichen der einen durch Zeichen eine anderen Sprache zu verstehen ist (vgl Kittel u.a 2007: 346) In diesem Prozess soll die Sinn-Identität bzw die Äquivalenz zwischen Ausgangsprache-Elementen und Zielsprache-Elementen zum Maßstab werden
,,Translating may be defined as the process of transforming signs or representations into other signs or representations If the originals have some significance, we generally require that their images also have the same significance, or, more realistically, as nearly the same significance as we can get Keeping significance invariant is the central problem in translating between natural languages
Interlingual translation can be defined as the replacement of elements of one language, the domain of translation, by equivalent elements of another language, the range.”4
Äquivalenz bei Oettinger bemisst sich daran, ob der Sinn erhalten bleibt Er fordert, dass der Sinn zu wahren ist Nach Oettinger kann der Übersetzungsprozess nur durch ein einfaches Modell umgesetzt werden, bei dem äquivalente Ketten natürlicher Sprachen festgelegt und zugeordnet werden Die Sinnbedeutung in der Zielsprache soll durch die Übersetzung als relativ adäquat erreicht werden „as nearly the same significance as we can get” Faktoren wie Text und Empfänger kann Oettinger vernachlässigen Das blieb in der Forschung nicht unumstritten, zumal Faktoren wie Kontexte, pragmatische und stilistische Darstellungen, die
4 Ana Becla Translation and its importance in learning foreihgn languages at primary schools P 1
Trang 21Oettinger nicht mehr berücksichtigt, für andere Linguisten bis heute auch mit Blick auf den zu erhaltenden Sinn von Bedeutung sind
Die Wertschätzung des Sinns ist auch eine grundlegende Forderung bei den Linguisten Eugene Albert Nida und Charles Russell Taber:
„Translating consists in reproducing in the receptor language the closest natural equivalent of source-language message, first in terms of meaning and secondly in terms of style… Translating must aim primarily at “reproducing the message” To do anything else is essentially false to one´s task as translator.”(vgl Nida/Taber 2003: 12)
Nida und Taber gelten als Begründer der funktional-äquivalenten Übersetzungstheorie Für sie ist Übersetzen die Wiedergabe der Quellensprachnachricht durch die nächste äquivalente Methode in der Zielsprache
in Bezug auf Semantik und Stil Der Übersetzer trägt in erster Linie Verantwortung für den Inhalt und in zweiter Linie für den Stil der Übersetzung des Ausgangtextes Außerdem sollen die Entsprechungen in der Zielsprache nicht nur „closest equivalent”, sondern auch ,,natural equivalent” sein Im Begriff der natürlichen Äquivalenz setzen sie sich von der wortwörtlichen Entsprechung ab und lassen zu, dass der Text in der Zielsprache eine Dynamik ist, die auch in der Zielsprache angelegt ist
Der Sinn der Textverarbeitung auf Wort- wie Satzebene macht also den Kern der Übersetzungstätigkeit aus Dazu gehören auch stilistische Elemente Solch Erkenntnisse finden wir auch bei dem deutschen Wegbereiter der Übersetzungswissenschaft wieder Wolfram Wilss stellt die Übersetzung als einen
Prozess dar, der sich in zwei andere Phasen gliedert: die Verstehensphase, in der
Inhalt und Stil des Ausgangstext analysiert werden, und die Rekonstruktionsphase,
in der die Mitteilungen des Ausgangstextes in den Entsprechungen der Zielsprache
Trang 22Äquivalenzgesichtspunkte wie Kontexte, Orts-/ Zeitbezug, Pragmatik zuberücksichtigen (vgl Wilss 1977: 12, z.n Le Hoai An 2011: 188)
„Übersetzen ist ein Textverarbeitungs- und Textverbalisierungsprozess, der von einem ausgangssprachlichen Text zu einem möglichst äquivalenten zielsprachlichen Text hinüberführt und das inhaltliche und stilistische Verständnis der Textvorlage voraussetzt Übersetzen ist demnach ein in sich gegliederter Vorgang, der zwei Hauptphasen umfasst, eine Verstehensphase,
in der der Übersetzer den ausgangssprachlichen Text auf seine Sinn- und Stilintention hin analysiert, und eine sprachliche Rekonstruktionsphase, in der der Übersetzer den inhaltlich und stilistisch analysierten ausgangssprachlichen Text unter optimaler Berücksichtigung kommunikativer Äquivalenzgesichtspunkte reproduziert.“
Sinn und Stil, Funktion und Form sind jeweils ein Vergleichsgröße (tertium comparationis), die für die Beurteilung einer Übersetzung Anwendung finden Diesen Ansatz von Wolfram Wilss setzen M Vannerem/M Snell-Hornby fort, die Übersetzen ebenfalls als einen zweiphasigen Prozess ansehen Sie beschreiben den Prozess detailliert und gründlich
„Beim Verstehen von Text A geht der Übersetzer von einem vorgegebenen
frame aus, nämlich dem Text und seinen linguistischen Komponenten
Dieser Text nun wurde von einem Autor erstellt, der dabei von seinem eigenen Erfahrungshintergrund, seinem Repertoire an z.T prototypischen Szenen ausging Der Gesamt-frame des Textes (und alle größeren und
kleineren frames innerhalb des Textes) lösen kognitive scenes in der
Vorstellung des Lesers aus.“
„Ausgehend von den erfassten scenes muss er [der Übersetzer] nach passenden frames in der ZS suchen, welche die gewünschten scenes beim
Adressaten der Übersetzung hervorrufen Zu diesem Zweck hat er laufend Entscheidung zu treffen, wobei er auf seine Beherrschung der ZS angewiesen
ist Er muss sich vergewissen, dass die von den scenes aufgerufenen frames
Trang 23auch wirklich adäquat sind für die scenes, die sie aufrufen sollen Wo
beispielsweise der AS-Text in ganz besonderer Weise Expressivität aufweist, also stilistisch markiert ist, sollte er je nach Zweck der Übersetzung versuchen, durch die Mittel der ZS ähnliche Expressivität zu erreichen, oder
an anderer Stelle zu kompensieren In letzter Instanz ist also der frame der
ZS maßgebend für seine Entscheidung.“(vgl Vannerem/Snell-Hornby, z.n Koller 2004: 93)
Aus ihrer Perspektive besteht der Übersetzungsvorgang aus zwei Prozessen, nämlich Verstehensprozess und Übersetzungsprozess In der ersten textverstehenden Phase (Analyse) geht der Übersetzer vom sprachlichen Material (frames) aus Das sprachliche Material hiervon sind Mitteilungen des Ausgangstextes in bestimmtem Kontext zu verstehen Der Übersetzer basiert auf den erfassten Szenen in der Ausgangssprache und sucht dann in der Textprozierenden Phase (Synthese) nach den entsprechenden Rahmen in der Zielsprache In ihrer Definition haben die beiden Wissenschaftler große Aufmerksamkeit auf Übersetzungseinheiten, Übersetzungsmethoden, , die großen Einfluss auf das Übersetzen haben, gelenkt
Der Tübinger Linguist Gerhard Jäger hebt die Begriffe: Äquivalenz und Kommunikation hervor Darin sind die anderen Aspekte wie Form und Stil aufgehoben
„Das Wesen der Translation besteht darin, die Kommunikation zu sichern,
und zwar auf die spezielle, sie von der heterovalenten Sprachmittlung abgrenzenden Weise, dass der kommunikative Wert eines Textes z.B einer Sprache LA bei der Umkodierung in beispielsweise eine Sprache LB erhalten bleibt, so dass LA-Text und LB-Text kommunikativ äquivalent sind Das
Wesen der Translation - wie der Kommunikation überhaupt - liegt somit im
Extralinguistischen, im linguistischen (sprachlichen) Bereich vollzieht sich aber die Translation: Sie ist in ihrer Erscheinungsform ein sprachlicher
Trang 24Prozess, bei dem einem Text einer Sprache LA ein Text einer Sprache LBzugeordnet wird, der dem Text der Sprache LA kommunikativ äquivalent ist.“ (vgl Jäger 1975: 36 z.n Koller 2004: 93)
Die Bewahrung des kommunikativen Werts des Ausgangstextes im Zieltext ist Kernleistung der Übersetzung Äquivalenz der beiden Texte ist kommunikative Äquivalenz (Vgl Hoai An Le, 2011: 9) Was aber ist dann kommunikative Äquivalenz, fragt der Schweizer Linguist Werner Koller
Koller (2004) greift auf diese Diskussion zurück und kommt zu dem Schluss, dass Übersetzen die Übertragung eines Texts oder einer Mitteilung in eine andere Sprache ist Er hält fest, dass die gute Übersetzung Äquivalenzforderungen erfüllen muss, bei denen Aspekte wie Form, Stil, Rhythmus, Äquivalenz in Wörten Sätzen Textteilen, Textganzem Berücksichtigung zu finden haben Ob Übertragung, Wiedergabe, oder Nachdichtung, die Übersetzung ist dann eine adäquate Botschaft aus der Quellsprache, wenn sie dem Sinne entspricht und der kommunikativen Funktion gerecht wird
1.2 DIE ÄQUIVALENZ BEIM ÜBERSETZEN
Übersetzungsäquivalente werden als das zentrale Konzept von jeder Studie über Übersetzung und Übersetzungstheorie betrachtet (Munday 2001; Baker 2005) Savory (1968, z.n Le Hung Tien, 2010: 141-143) hat eine sehr berühmte Liste
Übersetzungsäquivalenten zusammenfasst Hier sind einige Beispiele:
Die Übersetzung muss die Wörter des Originals übersetzen
Die Übersetzung muss die Ideen des Originals übersetzen
Die Übersetzung muss genau so gleich wie das Original sein
Die Übersetzung muss den Stil des Originals widerspiegeln
Die Übersetzung muss den Stil des Übersetzers übertragen
In drei Richtungen wird Übersetzungsäquivalenz diskutiert (vgl Savory 1968, z.n
Le Hung Tien, 2010: 141-143):
Trang 25Die erste Gruppe (Catford, Nida, Koller, Toury) ist der Meinung, dass Äquivalenz die Voraussetzung für die Übersetzung und auch das Ziel der Übersetzung ist Äquivalenz kann man beim Übersetzen erreichen
Snell – Hornby, Gentzler sind der Meinung, dass die Übersetzungsäquivalenz nicht praktikabel ist und die Forschung der Übersetzung behindert
Die dritte Gruppe umfasst Forscher, die in ihren Ansichten neutral sind Der typische Vertreter dieser Gruppe ist Baker Er hält die Äquivalenz für eine nützliche Klassifikation zur Beschreibung und Erforschung von Übersetzungen Es sei unmöglich, eine radikale Äquivalenz in der Übersetzung zu erreichen, aber auf einer gewissen Ebene sei die Äquivalenz immer noch von Übersetzern beim Übersetzen angestrebt und akzeptiert
1.2.1 Der Äquivalenzbegriff
Es gibt viele verschiedene Meinungen über den Ursprung des Äquivalenzbegriffs Bisher besteht keine Einigkeit Wilss (1977: 159, z.n Reiß/Vermeer, 1991:128) hält
aufrecht, dass der Terminus Äquivalenz eine Anleihe bei der mathematischen
Fachsprache ist, wo man von Äquivalenz spricht, „wenn zwischen den Elementen (zweier) Mengen eine umkehrbar eindeutige Zuordnung möglich ist“ Diese Vorstellung lässt aber auch ihre Grenzen erkennen, weil die Übersetzung nur richtig ist, wenn es sich um 1:1-Entsprechungen für alle Elemente eines Ausgangstextes handelt und eine „umkehrbar eindeutige“ Zuordnung der Zieltext-Elemente zu Ausgangstext-Elementen möglich wird Die Übersetzung wird in diesem Fall richtig wie eine Maschine durchgeführt In der Praxis gilt dies Konzept nicht für alle wissenschaftlichen Fachsprachen, insbesondere nicht ? im Bereich der kulturellen Bildung Im Gegensatz zu Wilss Ansicht vertritt Jäger (1968: 37, z.n
Reiß/Vermeer, 1991: 128) die Auffassung, dass Äquivalenz aus der logistischen
Voraussetzungswissenschaft für eine Theorie der bilingualen Translation ist (vgl Reiß/Vermeer, 1991: 128)
Trang 26Um die Gleichheit zwischen Ausgangstext und Zieltext auszudrücken, kann man
andere Begriffe verwenden wie Angemessenheit, Adäquatheit, Gleichwertigkeit,
Entsprechungen
Äquivalenz wird von Kade (1968, z.n Reiß/Vermeer 1991: 126) als die Wahrung der
Invarianz [= Unveränderheit] auf Inhaltsebene bezeichnet Die obige Konzeption zeigt deutlich die Einschränkung, da außerhalb des Inhalts in jedem Text sowohl Form als auch Wirkung sichergestellt werden sollen Güttinger (1963, z.n Reiß/Vermeer 1991: 125) ist dieser Ansicht und betrachtet Äquivalenz als
„leistungsgemäßes Übersetzen“ Nach seiner Meinung muss der Zieltext nicht nur dieselbe Information wie im Ausgangstext, sondern auch dieselbe Wirkung
„leisten“ Er nennt ein Beispiel dazu: Überschreiten der Gleise verboten Auf semantischer Dimension wird der Satz ins Englische wie folgt übersetzt: It ist
forbidden to cross the line Diese Übersetzung hat „dieselbe“ Information im
Ausgangstext erfolgreich vermittelt Die Wirkung konnte sie aber leider nicht
„leisten“, weil man im englischen Alltag einen anderen Ausdruck gebraucht: Don’t
cross the lines
Koller (1972: 114, z.n Reiß/Vermeer 1991: 126) verwendet eine andere
Bezeichnung „Wirkungsgleichheit“ um Äquivalenz auszudrücken Nach Koller
(1992: 200) bezieht sich Übersetzungsäquivalenz auf Sprachvorkommen aus dem Bereich der „Parole“ Das heißt, die Texte und Äußerungen werden immer übersetzt Das Übersetzte übernimmt die Rolle bei der Herstellung der Äquivalenz zwischen Ausgangstexten/Äußerungen und Zieltexten/Äußerungen, nicht zwischen Strukturen und Sätzen zweier Sprachen Dies bedeutet auch, dass beim Übersetzen die kommunikativen Bedingungen ebenso wie der Empfängerbezug immer zu beachten sind, weil sie die Wahrhaftigkeit der Äquivalenz ausmachen
Koller hat den Begriff Äquivalenz nicht nur beleuchtet, sondern auch zu
„Äquivalenzforderungen normativer Art“ auf der Textebene erweitert
Trang 27„Äquivalenz“ ist für ihn keine absolute Forderung, aber sie ist das, was die Übersetzung ausmacht
„Als Übersetzung im eigentlichen Sinn bezeichnen wir nur, was bestimmten Äquivalenzforderungen normativer Art genügt.“ (vgl Koller 1992: 200)
Reiß und Vermeer (1991: 140) kommen aus einer funktionalistischen und handlungsorientierten Linguistik Sie unterscheiden folgendermaßen zwischen Äquivalenz und Adäquatheit Ausgangstext und Zieltext sind adäquat nur dann, wenn der verfolgte Zweck während des Übersetzungsprozesses konsequent beibehalten wird und seine Zeichenwahl in der Zielsprache überordnet wird Ein Text der Ausgangssprache ist mit dem der Zielsprache äquivalent, wenn er innerhalb der jeweiligen Kultur den gleichen kommunikativen Zweck erfüllt
„Äquivalenz ist in unserer Definition Sondersorte von Adäquatheit, nämlich Adäquatheit bei Funktionskonstanz zwischen Ausgangs- und Zieltext“ (vgl Reiß/Vermeer, 1991:140)
Reiß und Vermeer (1991: 141) bezeichnen die „Äquivalenz“ als dynamisch, weil der Ausgangstext zwar einmal geschrieben wurde und somit feststeht, es aber unterschiedliche Übersetzungen von verschiedenen Übersetzern in unterschiedlichen Zeiten und Deutungskontexten geben kann, die dem Ausgangstext (ganz oder teilweise) unterschiedliche Interpretationen verleihen
„Über Äquivalenz zwischen Ausgangs- und Zieltext kann man demnach immer nur unter Bezugnahme auf die Entstehungsbedingungen, einschließlich z B die Entstehungszeit, - also unter Bezugnahme auf die Translations„situation“einer Übersetzung diskutieren.“ (vgl Reiß / Vermeer, 1991: 141)
Nicht nur in der Übersetzungswissenschaft, sondern auch in der kontrastiven Linguistik spielt die Äquivalenz eine große Bedeutung
In der kontrastiven Linguistik betrachtet John Cunnison Catford Äquivalenz mit
Blick auf die textuelle Äquivalenz:
„The discovery of textual equivalents is based on the authority of a competent bilingual informant or translator The SL [ = Source Language]
Trang 28and TL [= Target Language] items rarely have, the same meaning in the linguistic sense; but they can function in the same situation In total translation, SL und TL texts or items are translation equivalents when they
are interchangeable in a given situation This is why translation equivalence
can nearly always be established at sentence is the grammatical unit most directly related to speech-function within a situation.“ (vgl Catford: 1965, z.n Koller 2004: 219)
Catford ist der Auffassung, dass die Autorität eines kompetenten zweisprachigen Informanten oder Übersetzers eine wichtige Rolle bei Textäquivalenten spielt Äquivalenz ist hier nicht als die inhaltliche Gleichheit zu verstehen In der Gesamtübersetzung sind ausgangssprachliche und Zieltexte nur äquivalent, wenn sie in einer bestimmten Situation austauschbar sind
In anderer Ansicht betrachtet House (vgl House: 1997, z.n Stolze 2008: 102) Äquivalenz als die Identitätsrelation zwischen den Texten auf allen linguistischen Ebenen Er stellt zwei zentrale Grundbegriffe, nämlich „overt translation“ and
Nach House (1997, z.n Stolze 2011: 102) kann es beim Übersetzen keine absolute Äquivalenz geben Texte mit einem bestimmten Status in der Ausgangskultur wie zum Beispiel historische gebundene politische Reden oder das Original einer Predigt
Trang 29usw müssten so genau wie möglich nachgezeichnet werden Und die Texte, die in beiden Bereichen den Status eines Originals genießen, könnten mit den Textveränderungen, die trotz gleicher Textfunktion wegen der zielkulturellen und sprachlichen Unterschiede geboten sind, durch den kulturellen Filter übersetzt werden Nach Nord (2009: 24f) ist Äquivalenz ein Begriff, der häufig mit „Treue gegenüber dem Original“ gleichgesetzt wird Allerdings ist die Translationssituation in die Übersetzungstexte einzubeziehen (.)
„Nur wenn diese gegeben und mit den aus der AT-Analyse gewonnenen Informationen über die AT-Situation [Ausgangstext-Situation] vergleichbar sind, könnte eventuell die Herstellung eines äquivalenten oder ‚funktional äquivalenten„ ZT [Zieltext] eine mögliche Translationsaufgabe sein.“
Den dargelegten Anschauungen ist gemeinsam, dass mit „Äquivalenz“ die Gleichwertigkeit bestimmter Aspekte in Text und Übersetzung gemeint ist Mitteilungen der Ausgangstexte auf den verschiedenen Ebenen können deshalb wegen der Verschiedenheiten der Sprachen und Kulturen nicht invariant und nicht alle zugleich äquivalent gehalten werden
1.2.2 Typen der Übersetzungsäquivalenz
Basierend auf verschiedenen Grundlagen, die zu verschiedenen Arten von Übersetzungsäquivalenten führen, gibt es nach Koller (2004: 228) fünf häufige Typen:
1.2.2.1 Denotative Äquivalenz
Zentraler Gegenstand der Beschreibung denotativer Äquivalenz ist die Lexik (Wörter und feste Syntagmen), weil hier die Sprachen am effektivsten produziert werden bzw produziert werden müssen Im lexikalischen Bereich unterscheidet Koller (2004: 228) folgenden Äquivalenztypen:
Eins-zu-eins-Entsprechung
Eins-zu-Eins- Entsprechung ist ein äquivalenter Typ, in dem ein Ausdruck in der Originalsprache nur einen äquivalenten Ausdruck in der Zielsprache hat Diese Art der Äquivalenz tritt normalerweise im Terminologiesystem auf
Trang 30Bsp.: (vn.) Bánh chưng (dt.) Banh Chung/ Chung Kuchen
(vn.) Áo dài (dt) Ao dai
Die Stilschicht (gehoben, dichterisch, umgangssprachlich, normalsprachlich, Slang, vulgär)
Trang 31z.B (1) sterben (normalsprachlich), (2) abkratzen (salopp-umgangssprachlich), (3) krepieren oder verrecken (vulgär), (4) entschlafen und das Zeitliche segnen (gehoben)
Den sozial bedingten Sprachgebrauch (studentensprachlich, Sprache der Arbeiterschicht, Sprache des Bildungsbürgertums)
Die geografische Zuordnung oder Herkunft (überregional, schwäbisch, österreichisch, usw.)
Die stilistische Wirkung (veraltet, modisch, bildhaft, gespreizt, papierdeutsch, anschaulich, euphemistisch)
Die Frequenz (gebräuchlich, wenig gebräuchlich)
Den Anwendungsbereich (gemeinsprachlich, fachsprachlich)
Die Bewertung (positive Bewertung (eines Sachverhalts) zum Beispiel: respektvoll, negative Bewertung zum Beispiel: pietätlos, ironisierende Bewertung)
1.2.2.3 Textnormative Äquivalenz
Textnormative Äquivalenz orientiert sich an textgattungsspezifischen Merkmalen Bei der textnormativen Äquivalenz steht der Text als Ganzes im Mittelpunkt Die sprachlichen Mittel im syntaktischen und lexikalischen Bereich und sogar der Textaufbau werden für unterschiedliche Textgattungen, wie z B Vertragstexte, Gebrauchsanweisung, Geschäftsbriefe oder wissenschaftliche Texte sorgfältig ausgewählt und angewendet, um die Einhaltung bestimmter sprachlichen Normen zu sichern
1.2.2.4 Pragmatische Äquivalenz
Die pragmatische Äquivalenz bedeutet nach Koller die Übertragung in den geistigen und sprachlichen Horizont der Leser der Zielsprache Um Pragmatische Äquivalenz herzustellen, muss der Übersetzer beim Übersetzen sich immer wieder die Frage stellen, in wieweit er in den Text eingreifen darf oder soll
Hierbei besteht sowohl das Risiko, den Leser zu unterschätzen als auch zu überschätzen Die Grenze zwischen Übersetzung und Bearbeitung, zwischen
Trang 32Adaption und Textproduktion impliziert jeweils die Frage danach, wie sehr der Übersetzer subjetive Spuren in der Übersetzung hinterlässt, die den Charakter von Eingriffen haben
1.2.2.5 Formal-ästhetische Äquivalenz
Formal-ästhetische Äquivalenz heißt, dass die in der Zielsprache vorgegebenen Möglichkeiten genutzt werden müssen, um die Analogie der Gestaltung in der Übersetzung herzustellen Koller zählt zu formal-ästhetischer Äquivalenz Faktoren wie Metaphern, Rhythmus, Versformen, Sprachspiel oder stilistische Ausdrucksformen in Syntax und Lexik
1.3 ÜBERSETZUNGSMETHODEN UND -VERFAHREN
Es gibt viele Widersprüche über die Bedeutung dieser beiden Begriffe In einigen wissenschaftlichen Büchern argumentieren die Autoren, dass die beiden Begriffe in Inhalt und Bedeutung völlig identisch sind Im Langenscheidt-Wörterbuch (2010:
1175) bedeutet Verfahren die Art und Weise ≈ Methode, d.h diese zwei Begriffe
haben eine analoge Bedeutung Schreiber (1993:66) hat jedoch eine ganz andere Sichtweise, dass Übersetzungsmethoden als eine allgemeine „Strategie der Übersetzung“, die von Texttyp und Zweck der Übersetzung abhängen, gelten: z.B wörtliche, freie, verfremdende Übersetzung Im Gegensatz dazu betrachtet Schreiber Übersetzungsverfahren als „Techniken der Übersetzung“, die nach einem Dafürhalten vom Sprachen- und Kulturpaar abhängen und sich auf kleinere Textabschnitte beziehen
1.3.1 Übersetzungsmethoden
Basierend auf unterschiedlichen Grundlagen gibt es viele verschiedene Arten und Weisen, um Übersetzungsmethoden zu klassifizieren Schreiber (1993: 66-69) teilt
die Übersetzungsmethoden in drei Hauptkategorien, nämlich Textübersetzung
(verfremdende Übersetzung), Umfeldübersetzung (einbürgernde Übersetzung) und Bearbeitung (Erweiterung, Zusammenfassung, Verbesserung) Jeder Gruppe ordnet
er kleine Kategorien zu, die unterschiedlichen Kriterien entsprechen
Trang 33Nach Schreiber (1993: 67) ist das Unterscheidungskriterium für die beiden Übersetzungsmethoden Textübersetzung und Umfeldübersetzung die ranghöchste Invariante (bzw Invarianzforderung), d.h dasjenige Element, das in der Hierarchie der Invarianzforderung die erste Stelle einnimmt (vgl Koller 1979: 66)
Die potentiellen Invarianten der Übersetzung können in zwei Gruppen eingeteilt
werden: textinterne und textexterne Invarianten Bei Textübersetzungen handelt es
sich um textinterne Invarianten Das heißt, die inhaltlichen und formalen Merkmale
des Ausgangstextes werden im Zieltext erhalten Bei Umfeldübersetzung überprüft
man die Einhaltung der Invarianzforderungen nicht allein durch einen Textvergleich, sondern auch durch sekundäre Quellen (andere Äußerungen des Autors, Untersuchungen zur Rezeptionsgeschichte usw.) Außerdem ist die
„Streuung“ bei der Umfeldübersetzung im Vergleich zur Textübersetzung größer
Bei Umfeldübersetzungen können Faktoren wie Textintention, kulturelle Funktion
oder die Wirkung nicht ignoriert werden
Im Bereich der Textübersetzung sind zwei Untertypen zu unterscheiden: Primat der
Form (formbetonte Übersetzung) und Primat des Inhalts (inhaltsbetonte Übersetzung)
Im Vergleich dazu kann man Umfeldübersetzungen in zwei Hauptmethoden
einteilen: Primat der Intention (intentionsbetonte Übersetzung) und Primat der
Wirkung (wirkungsbetonte Übersetzung)
Die Erörterung zeigt, dass Übersetzung keine einfache Aktivität ist, in der ausgedrückte Information aus einer bestimmten Sprache (Ausgangsprache) in eine andere Sprache (Zielsprache) weitergeleitet wird, sondern dass hier auch kulturelle Werte transportiert werden Neben der Sprachkompetenz sind Kulturkenntnisse für die erfolgreiche Übersetzung unabdingbar Bezogen auf diesen Aspekt der
Kulturarbeit kann man zwei Hauptmethoden unterscheiden: die adaptierende
Übersetzung und die transferierende Übersetzung Bei der adaptierenden
Übersetzung werden Kulturelemente des Ausgangstextes, durch Elemente der Zielsprache-Kultur ersetzt Und bei der transferierenden Übersetzung wird versucht,
Trang 34ausgangskulturspezifische Elemente als solche in die Zielsprache zu transferieren
Je größer die kulturelle Differenz zwischen der Ausgangsprache und Zielsprache ist, desto größer können die Schwierigkeiten beim Übersetzen sein
Im Vergleich zu Schreiber trifft Koller (2004:60) eine Klassifizierung der
Übersetzungsmethoden auf nach zwei Aspekten, nämlich Kulturkontakt und
Sprachkontakt
Zum Kulturkontakt lassen sich zwei Übersetzungsmethoden unterscheiden: die
adaptierende Übersetzung und die transferierende Übersetzung (vgl Koller 2004:
60)
Die adaptierende Übersetzung bezeichnet die Ersetzung der Kulturelemente des Ausgangstextes durch Elemente der Zielultur Dies bedeutet, dass die Übersetzung den Ausgangstext im Zielkontext assimiliert (vgl Koller 2004: 60) Bei der transferierenden Übersetzung versucht der Übersetzer ausgangskulturspezifische Elemente als solche in die Zielsprache zu vermitteln „Schwierigkeiten treten dann auf, wenn die kulturelle Differenz so groß ist, dass beim Zielsprache-Leser die Verstehensvoraussetzungen erst geschaffen werden müssen, um eine adäquate Rezeption zu ermöglichen.“ (vgl Koller 2004: 60)
Im Blick auf Sprachkontakt lassen sich nach Koller (2004: 60) zwei Übersetzungsarten unterscheiden: die sich einpassende Übersetzung (verdeutschende Übersetzung) und die verfremdende Übersetzung Bei der sich einpassenden Übersetzung spielen geltende sprachlich-stilistische Normen eine
Hauptrolle Bei der verfremdenden Übersetzung wird die sprachlich-stilistischen
Strukturen des Ausgangstextes im Zieltext so weitgehend wie möglich beibehalten
1.3.2 Übersetzungsverfahren
Um sprachliche und kulturelle Lücken zwischen der Ausgangssprache und Zielsprache zu schließen, führt Koller (2004: 232) fünf Übersetzungsverfahren mit Beispielen vor:
o Übernahme des Ausgangsprache-Ausdrucks in die Zielsprache:
(Deutsch) Pizza (Vietnamesisch) Pizza
Trang 35o Lehnübersetzung: wörtliche Übersetzung des Ausgangssprache-Ausdrucks in
die Zielsprache (Glied für Glied)
(Englisch) data processing (Deutsch) Datenverarbeitung
o Die Anwendung eines Ausdrucks in der Zielsprache wird mit ähnlicher
Bedeutung gebraucht (die naheliegendste Entsprechung)
(Englisch) public relations (Deutsch) Öffentlichkeitsarbeit/Kontaktpflege
o „Der Ausgangssprache-Ausdruck wird in der Zielsprache umschrieben,
kommentiert oder definiert
(Vietnamesisch) Tet Fest ein Fest, das normalerweise vom 1 Januar bis
zum 3 Januar nach Mondkalender in Vietnam stattfindet
o Adaptation: Ein erfasster Sachverhalt wird mit einem
Ausgangsprache-Ausdruck durch einen Sachverhalt, der im kommunikativen Zusammenhang der Zielsprache eine vergleichbare Funktion bzw einen vergleichbaren
Stellenwert hat, ersetzt
Der englische Burberry wird zum deutschen Lodenmantel
„Übersetzungsverfahren“ sind nach Wilss „Übersetzungsprozeduren“ Er identifiziert sieben Prozeduren
Abbildung 1: Übersetzungsprozeduren nach Wilss (vgl Stolze 2011: 74)
Trang 36Anders als Koller und Wilss klassifiziert Schreiber (1993: 152-153) Übersetzungsverfahren auf der Grundlage der Übersetzungsmethoden in drei
Kategorien, als Verfahren der Textübersetzung, Verfahren der Umfeldübersetzung und Verfahren der interlingualen Bearbeitung Diese drei Verfahren werden weiter
nach verschiedenen Bereichen Wortschatz, Morphosyntax, Semantik, geordnet Im Rahmen dieser Arbeit werden die Übersetzungsverfahren nach diesen Faktoren gerichtet, weil sie auch typisch für die Unterschiede zwischen vietnamesischer Sprache und deutscher Sprache sind
1.3.2.1 Verfahren der Textübersetzung
Wortschatz
Lexikalische Entlehnung: ein sprachlicher Ausdruck der Ausgangsprache wird
vollständig in die Zielsprache übernommen Viele Linguisten meinen, dass die vollständige Übernahme des Ausgangssprache-Elements keine Übersetzung ist Damit ist Nord (1989: 104) auch im Großen und Ganzen einverstanden Sie schreibt:
„Die identische Übernahme des AT [Ausgangstextes] ( ) ist ( ) keine Form der Übersetzung obwohl sie als Übersetzungsverfahren [ ] ohne weiteres zulässig ist (vgl Nord 1989: 104, z.n Schreiber (1993: 217)
(Deutsch) Döner (Vietnamesisch) Doner 5
(Französisch) couteau (Deutsch) Messer (vgl Schreiber, 1993: 217)
Lexikalische Ersetzung: ein Wort/Element des Ausgangstextes wird durch ein
anderes Element im Zieltext ersetzt
(Deutsch) Buch (Vietnamesisch) quyển sách 6
(Deutsch) Tisch (Vietnamesisch) cái bàn 7
Trang 37Eine Verwechslung zwischen Entlehnung und Ersetzung tritt bei Übersetzern noch auf, weil einige von ihnen ein Lehnwort in ihrer Übersetzung benutzen, das aber als eine Wortersetzung betrachtet haben
(Englisch) strike (Deutsch) Streik (vgl Schreiber, 1993: 218 )
Morphosyntax
Wort-für-Wort-Übersetzung: die Faktoren wie Wortstellung, Wortzahl, Wortart
sowie grammatische Bedeutung und syntaktische Konstruktion des Ausgangstextes werden im Zieltext beibehalten
(Deutsch) Ich komme spät! (Vietnamesisch) tôi đến muộn! 8
(Deutsch) Ich liebe dich (Vietnamesisch) Anh yêu em 9
Permutation: die Konstituenten des Ausgangstextes werden im Zieltext umgestellt
(Deutsch) Er hat alle Hausaufgaben gemacht Anh ấy đã làm tất cả các bài tập về
nhà 10
(Deutsch) hat gemacht (Vietnamesisch) đã làm
Expansion versus Reduktion: die Wortzahl wird in der Übersetzung erhöht oder
verringert
(Deutsch) Pfui, schäm dich! (Vietnamesisch) ê, mày không biết xấu hổ à!11
Intrakategoriale Transformation: die grammatische Bedeutung wird bei der Beibehaltung der Wortart und der grammatischen Kategorie verändert
(Französisch) en voyage (Deutsch) auf Reisen (vgl Thome, 1978/81: 312 z.n
Schreiber, 1993:218)
Singularform Pluralform
Transposition: die Wortart wird bei der Beibehaltung des Inhalts verändert
(Deutsch) Mund zu! (Vietnamesisch) câm miệng! 12
Nomen + Präposition Verb
Trang 38Syntaktisch Transformation: die syntaktische Konstruktion im Ausgangstext wird
im Zieltext verändert
(Deutsch) Ich habe gestern Nam, der Hoas Exmann ist, am Bahnhof gesehen
(Vietnamesisch) Hôm qua tôi đã gặp Nam - chồng cũ của Hoa ở nhà ga 13
Im Deutschen ist die Verwendung eines Relativsatzes zu sehen, aber in der Übersetzung benutzt der Übersetzer nur einen Bindestrich, um Informationen zu ergänzen
Semantik
Semantische Entlehnung: ein bestimmter Sachverhalt lässt sich mit den gleichen
Inhaltsmerkmalen wie im Ausgangstext darstellen
(Deutsch) Vorbeugen ist besser als heilen (Vietnamesisch) Phòng bệnh hơn chữa bệnh
(Deutsch) Wenn du Wasser trinkst, vergiss die Quelle nicht (Vietnamesisch) uống nước nhớ nguồn
Modulation: die Änderung der Perspektiven wird durch andere Inhaltsmerkmale
versprachlicht
(Deutsch) Das ist mir Wurst (Vietnamesisch) Tôi thì thế nào cũng được
Explikation/Implikation: Explikation und Implikation beschreiben eine Änderung
des Explikationsgrades
Bei der Explikation wird ein bestimmter Sachverhalt im Zieltext konkreter
beschrieben als im Ausgangstext (vgl Schreiber 1993: 228) Und bei der
Implikation wird ein bestimmter Sachverhalt im Zieltext allgemeiner und abstrakter
ausgedrückt
(Deutsch) bis zur Volljährigkeit (Vietnamesisch) cho đến tuổi vị thành niên
Paratexte: Als Paratexte bezeichnet man die Art und Weise, in der ein
Vorwort, Nachwort, Fußnoten und Anmerkungen aus dem Ausgangstext in die Zielsprache übernommen werden
13
ebenso
Trang 39(Englisch) my uncle was in the I.R.B with Yeats (Deutsch) Mein Onkel war mit Yeats in der I.R.B gewesen (vgl Schreiber 1993:234)
1.3.2.2 Verfahren der Ummfeldübersetzung
Adaption: Ein Text/Element in der Ausgangssprache wird im kommunikativen Zusammenhang der Zielsprache assimiliert
(Deutsch) Man soll den Affen nicht das Klettern lehren (Vietnamesisch) Đừng có dạy mèo trèo cây
In der Übersetzung wird die Katze wegen des Charakters vietnamesischer Kultur und Sprache statt des Affen im Ausgangsprache-Satz benutzt
(deutsch) Er arbeitet wie ein Pferd (Vietnamesisch) Anh ấy làm việc như trâu
(Er arbeitet wie ein Wasserbüffel)
1.3.2.3 Verfahren der interlingualen Bearbeitung
Zusätze/Kürzungen: Unter Zusätzen/ Kürzungen versteht man, dass es um die Erhöhung/ Verringerung/ Veränderung der Informationsmenge beim Übersetzen zwischen Ausgangstext und Zieltext geht
One night I sat by the door of my cave trying to get nearer the mysteries of my
existence, knowing which ist to know God
( ), saß ich eines Nachts am Eingang meiner Höhle und dachte nach (Vgl
Schreiber 1993:312)
Trang 40KAPITEL 2 THEORETISCHE GRUNDLAGEN ZUR ÜBERSETZUNG VON
DEUTSCHEN PASSIVSÄTZEN INS VIETNAMESISCHE
2.1 BEGRIFF DER PASSIVSÄTZE
2.1.1 Passivformen, Passivstruktur und Passivsätze
Wenn man sich auf die Kategorie des Verbs bezieht, bezieht man sich oft auf die aktiven und passiven Formen Der Kontrast zwischen der aktiven Form und der syntaktisch passiven Form wird in der Substitution der Ordnung des Subjekts und der Komplementation ausgedrückt Beim Passiv geht es um die veränderte Rolle von Subjekts und Ergänzung in Bezug auf das Verb
In der deutschen Sprache wird die Grundstruktur der passiven Form aus der Kombination eines Hilfsverbs mit einem Partizip der Vergangenheit eines transitiven Verbs gebildet Es gibt Variationen der deutschen Passivform mit Behzug auf Zeitform oder Zeitangaben Die Unterschiede zwischen den Begriffen
"Passivformen", "passive Struktur" und „Passivsätze“ sind fließend
In der Linguistik redet man von „Struktur“ im allgemeinsten Sinne, um sich auf die interne Organisation jeder grammatischen Einheit zu beziehen, die auf bestimmten Regeln basiert „Struktur“ ist eine Folge von grammatischen Einheiten, die sich miteinander verbinden und eine bestimmte Funktion haben Wörter, Klauseln und Sätze sind beispielsweise funktionell verschiedene grammatische Konstruktionen,
in denen der Satz die größte grammatikalische Einheit einer Sprache ist
2.1.2 Der Ansatz der Passivsätze in der Linguistik
2.1.2.1 Passivsätze in der traditionellen Grammatik
Wegen des Einflusses von Konzepten in Sprachen wie Griechisch oder Latein sehen traditionelle Grammatikschreiber oft den passiven Satz als rein morphologische und beschreibende Kategorie an Sie beschreiben den passiven Satz im Unterschied zum aktiven Satz Allerdings beziehen sich die Forscher bei der Unterscheidung von