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Cách thức phát triển kỹ năng giao tiếp liên văn hóa cho học sinh việt nam học tiếng đức

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Außerdem enthält der Praxisteil eine ausführliche Analyse des Schüleraustausches 2016 zwischen der Fremdsprachenoberschule Hanoi und dem Gymnasium Hamburg, wobei auch einige Methoden des

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VIETNAM NATIONALE UNIVERSITÄT HANOI

FREMDSPRACHENHOCHSCHULE ABTEILUNG FÜR POSTGRADUIERTENSTUDIUM

ĐỖ CẨM VÂN

MÖGLICHKEITEN ZUR FÖRDERUNG DER INTERKULTURELLEN KOMPETENZ FÜR VIETNAMESISCHE

DEUTSCHSCHÜLER

CÁCH THỨC PHÁT TRIỂN KỸ NĂNG GIAO TIẾP LIÊN VĂN HÓA

CHO HỌC SINH VIỆT NAM HỌC TIẾNG ĐỨC

MASTERARBEIT

Fachrichtung: Germanistik

HANOI – 2017

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VIETNAM NATIONALE UNIVERSITÄT HANOI

FREMDSPRACHENHOCHSCHULE ABTEILUNG FÜR POSTGRADUIERTENSTUDIUM

ĐỖ CẨM VÂN

MÖGLICHKEITEN ZUR FÖRDERUNG DER INTERKULTURELLEN KOMPETENZ FÜR VIETNAMESISCHE

DEUTSCHSCHÜLER

CÁCH THỨC PHÁT TRIỂN KỸ NĂNG GIAO TIẾP LIÊN VĂN HÓA

CHO HỌC SINH VIỆT NAM HỌC TIẾNG ĐỨC

MASTERARBEIT

Fachrichtung: Germanistik Gutachterin: Dr Dörte Lütvogt

HANOI – 2017

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Eidesstattliche Erklärung

Hiermit erkläre ich an Eides statt, dass ich die vorliegende Masterarbeit selbstständig angefertigt und keine andere Literatur als die angegebene benutzt habe

Đỗ Cẩm Vân

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Danksagung

Zum Gelingen dieser vorliegenden Arbeit möchte ich meiner Gutachterin – Frau Dr Dörte Lütvogt – meinen größten Dank ausdrücken Ich bedanke mich bei ihr ganz herzlich für ihre hilfreichen Ratschläge Ohne ihre Unterstützung hätte ich diese Herausforderung nicht meistern können

Außerdem habe ich meinen Schülern zu verdanken, dass sie aktiv an der Umfrage der empirischen Untersuchung teilgenommen haben

Meine Eltern habe mich mein ganzes Leben lang unterstützt und mir die Konzentration auf diese Arbeit ermöglicht Dafür bin ich ihr sehr dankbar

Zuletzt bin ich der Hochschule für Sprachen und Vietnam nationale Universität Hanoi

zu Dank verpflichtet, die mir die Gelegenheit ermöglicht hat, diese Arbeit fertigzustellen

Herzlichen Dank!

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Kurze Zusammenfassung

Die folgende Arbeit handelt von den „Möglichkeiten zur Förderung der

interkulturellen Kompetenz für vietnamesische Deutschschüler“ Im Zeitalter der

Globalisierung „ist die Welt kleiner“ geworden und interkulturelle Kompetenz spielt eine wichtige Rolle In dieser Arbeit soll es um die Frage gehen, was interkulturelle Kompetenz bedeutet und wie sie gefördert werden kann Im praktischen Teil der Arbeit sollen zunächst Aufgaben dargestellt und analysiert werden, mit denen die vietnamesischen Deutschschüler ihre interkulturelle Kompetenz entwickeln können Außerdem enthält der Praxisteil eine ausführliche Analyse des Schüleraustausches

2016 zwischen der Fremdsprachenoberschule Hanoi und dem Gymnasium Hamburg, wobei auch einige Methoden des Trainings interkultureller Kompetenz für die vietnamesischen Austauschschüler vor, während und nach der Reise dargestellt werden sollen

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2.2.1 Definitionen interkultureller Kompetenz 20 2.2.2 Modelle interkultureller Kompetenz 23 2.2.2.1 Byrams Modell interkultureller Kompetenz 24 2.2.2.2 Lernspirale „interkulturelle Kompetenz“ 28 2.2.2.3 Listenmodelle interkultureller Kompetenz 32 2.2.3 Kritik am Begriff der interkulturellen Kompetenz 36 2.2.4 Training interkultureller Kompetenz 38 2.2.4.1 Lernziele des Trainings interkultureller Kompetenz 39

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2.2.4.2.4 Critical Incident 46 2.2.4.3 Schwierigkeiten beim Training interkultureller Kompetenz 47

3.1 Deutschlerner an der Fremdsprachenoberschule Hanoi 48 3.1.1 Schüler/innen an der Fremdsprachenoberschule Hanoi 48 3.1.2 Auswahl der didaktischen Methoden

3.2 Beispiele für Aufgabenformate zur Förderung

interkultureller Kompetenz aus dem Lehrwerk Studio d A1 50

3.3.2 Drei Phasen des Schüleraustauschs 65

3.3.3.5 Brief an den Nachfolger schreiben –

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1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

„Die Welt wird immer kleiner und man weiß heute mehr über andere Menschen und Länder als früher.“ (Ammann 1995, S.79)

Im Zeitalter der Globalisierung „ist die Welt kleiner“ geworden und interkulturelle Kommunikation spielt eine wichtige Rolle Man kommuniziert miteinander, arbeitet zusammen und lernt Menschen aus verschiedenen Länder der ganzen Welt kennen Jedes Land hat eine eigene Kultur Es gibt oft Konflikte in der Kommunikation zwischen Angehörigen unterschiedlicher Kulturen Deshalb erscheint ‚interkulturelle Kommunikation‘ als ein besonderes und neues Fach, das die meisten Menschen brauchen Dieses Fach ist noch fremd in Vietnam und es gibt noch wenig Möglichkeiten, es an einer Schule oder an einer Universität zu studieren Trotzdem wissen die meisten schon, wie wichtig ‚interkulturelle Kommunikation‘ in der heutigen globalisierten Welt ist, und viele Leute versuchen, ihre interkulturelle Kompetenz zu verbessern In dieser Arbeit soll es um die Frage gehen, was interkulturelle Kompetenz bedeutet und wie sie gefördert werden kann

Die Gesellschaft entwickelt sich schnell wegen der Globalisierung Menschen aus unterschiedlichen Ländern kommunizieren aus vielen unterschiedlichen Gründen miteinander, z B weil sie miteinander befreundet sein, zusammenarbeiten, eine Berufschance im Ausland finden oder einfach eine neue Kultur kennenlernen möchten Deshalb braucht man interkulturelle Kompetenzen

Ich arbeite an der Fremdsprachenoberschule Hanoi Dort werden Fremdsprachen als Hauptfächer unterrichtet Neben vielen bekannten Fremdsprachen in Vietnam wie Englisch, Französisch, Japanisch, Russisch und Chinesisch ist Deutsch auch eine beliebte Wahl für viele Schüler, die später in Deutschland studieren möchten Jedes Jahr wird ein Austauschprogramm für die vietnamesischen Deutschschüler durchgeführt Die Schüler der Fremdsprachenoberschule Hanoi sind sehr aktiv und verfügen über eine gute Lernfähigkeit Ihre Vorteile sind die gute Beherrschung der Fremdsprachen und die Selbständigkeit Die meisten Schüler hatten schon vor dem

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Austausch die Chance, ins Ausland zu fahren oder mit Ausländern zu kommunizieren Aus diesem Grund hatte ich am Anfang keine Sorgen, dass sie einen Kulturschock oder allgemeine Probleme in Deutschland haben, wenn wir einen Schüleraustausch machen Im Gegensatz zu meinen Annahmen hatten die Schüler aber viele Schwierigkeiten bei der Kommunikation Obwohl sie gute und sehr aktive Schüler sind, waren sie doch mit vielen ungewöhnlichen Problemen konfrontiert Ich glaube, dass sie wirklich interkulturelle Kompetenzen entwickeln müssen, weil fast alle Schüler diese später brauchen werden, wenn sie mit den Deutschen kommunizieren Vielleicht denken viele Schüler sofort, dass sie keine interkulturellen Kompetenzen brauchen, wenn sie nur in Vietnam bleiben Das ist aber falsch Interkulturelle Kompetenzen sind selbst dann notwendig, wenn sie nicht ins Ausland fahren Wegen der oben genannten Gründe trifft man auch in Vietnam oft mit Ausländern zusammen, vielleicht Deutschen oder auch Menschen aus anderen Ländern Obwohl man „Andere Länder, andere Sitten“ sagen kann, haben die meisten Kulturen auch Gemeinsamkeiten Wir können auf unsere Erfahrungen bei der Kommunikation mit den Deutschen aufbauen, um auch andere Kulturen schnell kennenzulernen Aus diesem Grund finde ich das Fach ‚Interkulturelle Kommunikation‘ und besonders den Erwerb von interkulturellen Kompetenzen in der Schule sehr wichtig In meiner Masterarbeit geht es um das Thema „Möglichkeiten zur Förderung der interkulturellen Kompetenz für vietnamesische Deutschschüler“

1.2 Fragestellung

In dieser Masterarbeit wird versucht, Antworten auf folgende Fragen zu finden:

 Wie wichtig ist interkulturelle Kompetenz für Deutschlerner? Was bedeuten interkulturelle Kommunikation im Allgemeinen sowie interkulturelle Kompetenz im Besonderen?

 Wie kann interkulturelle Kompetenz bei vietnamesischen Deutschschülern gefördert werden?

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 Wie sieht ein Schüleraustausch zwischen Schulen in Vietnam und in Deutschland aus? Was sollen die Lehrkräfte vor dem Austausch, während des Austauschs und nach dem Austausch machen?

1.3 Aufbau der Arbeit

Die Zielsetzung dieser Arbeit ist, dass man gut versteht, was ‚interkulturelle Kommunikation‘ und was ‚interkulturelle Kompetenz‘ ist Diese Begriffe sind nicht neu in vielen Ländern, aber noch neu in Vietnam Es gibt noch wenig Forschung darüber und die meisten haben wenig Erfahrung mit diesen Begriffen Aus der Zielsetzung ergibt sich folgende Gliederung der Arbeit: Nach Problemstellung, Zielsetzung und Untersuchungsmethoden im ersten Kapitel folgt im zweiten Kapitel die Darstellung der Fachbegriffe

‚Kultur‘ ist der erste Begriff, den man verstehen muss Es gibt schon eine Übersetzung für das Wort ‚Kultur‘, aber ob man genau weiß, was ‚Kultur‘ bedeutet Neben den Begriff ‚Kultur‘ werden ‚interkulturelle Kommunikation‘ und

‚interkulturelle Kompetenz‘ definiert und analysiert

Nebenbei gibt es noch Kritik daran und sehr unterschiedliche Meinungen vieler Forscher In den theoretischen Kapiteln wird nicht nur die Wichtigkeit der interkulturellen Kompetenzen dargestellt, sondern auch die Kritik daran Man weiß wahrscheinlich schon, welche Rolle interkulturelle Kompetenz spielt Aber wie man diese Fähigkeit erlernen kann, ist noch eine offene Frage, die ich gern erforschen möchte Die unterschiedlichen Meinungen hierzu sollen dargestellt und verglichen werden

Im praktischen Teil der Arbeit sollen zunächst Aufgaben dargestellt und analysiert werden, mit denen die vietnamesischen Deutschschüler ihre interkulturelle

Kompetenz entwickeln können Diese Aufgaben stammen aus dem Lehrwerk Studio

d A1 An der Fremdsprachenoberschule im Jahrgang 2016/2017 wurde das Lehrwerk Studio d A1 verwendet und die Schüler, die an dem Austausch 2016 teilgenommen

haben, haben mit diesem Lehrwerk gearbeitet Es ist deshalb sinnvoller, wenn man direkt die Aufgaben in diesem Lehrwerk als Materialien für Förderung

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interkultureller Kompetenz nimmt Außerdem enthält der Praxisteil eine ausführliche Analyse des Schüleraustausches 2016 zwischen der Fremdsprachenoberschule Hanoi und dem Albrecht-Thaer-Gymnasium Hamburg, wobei auch einige Methoden des Trainings interkultureller Kompetenz für die vietnamesischen Austauschschüler vor, während und nach der Reise dargestellt werden sollen

Abschließend sollen einige Schlussfolgerungen gezogen werden

1.4 Forschungsmethoden

Als Material der theoretischen Untersuchung dienen vor allem folgende Titel:

Einwanderungsgesellschaft von Auernheimer (2001), Interkulturelle kommunikative Kompetenz von Freitag-Hild (2010), Interkulturelle Kommunikation von Lüsebrink

(2005), Interkulturelle Kommunikation von Heringer (2014), Interkulturelle

Kompetenz – Konzepte und Praxis des Unterrichts von Laurenz Volkmann/ Klaus

Stierstorfer/ Wolfgang Gehring (2002) Außerdem ist das Buch Interkulturelle

Kompetenz in Schule und Weiterbildung von Tobias Ringeisen, Petra Buchwald und

Christine Schwarzer (2008) eine wichtige Quelle für meine theoretischen Grundlagen Diese Quellen enthalten viele unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen zum Thema ‚interkulturelle Kompetenz‘, die in ihrer Heterogenität dargestellt werden sollen

Wissenschaftliche Beiträge aus Vietnam gibt es zu diesem Thema bislang sehr wenige, weil in Vietnam interkulturelle Kommunikation noch nicht genau erforscht wird Trotzdem gibt es darüber einige gute Aufsätze von den vietnamesischen Sprachforschern Außerdem werden in der vorliegenden Arbeit auch

englischsprachige Quellen verwendet, z B A Model of Intercultural Communication

Competence von Spitzberg, B H (2000)

In der vorliegenden Arbeit werden unterschiedliche Begriffe, die in einem engen Zusammenhang mit interkultureller Kompetenz stehen, dargestellt und verglichen: z

B Begriffe interkultureller Kommunikation, Kulturbegriffe, Identität, Kulturstandards und Stereotype Meine theoretische Grundlage werden von

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unterschiedlichen Wissenschaftlern genommen Die Beispiele werden auch gern dazu hinzugefügt und untersucht Durch der Verdeutlichung dieser Begriffe kann man danach das interkulturelle Kompetenz übersichtlich erkennen und findet später für sich selbst eine passende Lehr- und Lernmethode, mit denen man seine interkulturelle Komptenz entwickeln kann

In der praktischen Untersuchung werden Zielgruppe und Zielsetzung zuerst ausgewählt und es gibt noch die Begründung dazu Aufgaben des interkulturellen Lernens werden dann vorgeschlagen In den nächsten Teil wird der Schüleraustausch

2016 zwischen Fremdsprachenoberschule Hanoi und Albrecht-Thaer-Gymnasium Hamburg analysiert Ich werde unterschiedliche Methode des interkulturelles Lehren und Lernen untersuchen Die Methoden können auch miteinander verglichen wurden, damit man passende Aufgaben für seine Schüler findet

2 Theoretische Grundlage

2.1 Interkulturelle Kommunikation

2.1.1 Begriffe interkultureller Kommunikation

Interkulturelle Kommunikation geschieht in der Kommunikation, wenn zwei oder mehr Personen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund unter Unterstützung der Sprache unmittelbar miteinander kommunizieren Sie beginnt mit der unterschiedlichen Wahrnehmung der Gesprächsteilnehmer Ein Beispiel für eine interkulturelle Begegnung nennt Broszinsky-Schwabe: „Ein deutscher Tourist begegnet in Afrika am Strand einem Mann, dessen wettergegerbtes Gesicht und langer Bart den Schluss nahe legt, dies sei ein alter Mann Er ist aber tatsächlich erst

ca 50 Jahre alt, d h er erscheint nur alt Auf die Frage, wie weit das Hotel entfernt ist, gibt er zu verstehen, dass es nahe sei Der Tourist muss über eine Stunde lang

laufen, war er als weit wahrnimmt Die unterschiedliche Wahrnehmung von Raum

und Zeit in Afrika und in Europa führt zu unterschiedlichen verbalen Äußerungen von Nähe und Ferne Nicht nur die Wahrnehmung, sondern auch die Interpretation

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der Botschaften ist kulturabhängig, wie das Beispiel der Entfernung zeigt.“ (Broszinsky-Schwabe, 2011, S 35f)

In der wissenschaftlichen Diskussion ist die Definition des Begriffs Interkulturelle Kommunikation noch nicht einheitlich Die grundlegendste Unterscheidung ist dabei die zwischen einem engen Begriff und einem weiten Begriff von Interkultureller Kommunikation (vgl Erll/Gymnich, 2007, S 77-79)

Der enge Begriff beschäftigt sich mit der unmittelbaren Kommunikation zwischen den Gesprächsteilnehmern verschiedener Kulturen: „Die Forschung zu interkultureller Kommunikation im engeren Sinne beschäftigt sich mit den Kommunikationsmustern, Strategien zur Verständnissicherung und interkulturellen Missverständnissen, die bei der Face-to-Face Kommunikation zwischen Angehörigen verschiedener Kulturen auftreten können.“ (Erll/Gymnich, 2007, S 77) Der Linguist Hinnenkamp verwendet diesen engen Begriff für all jene

„Kommunikationsformen, die die Menschen im internationalen Kontakt zum Ausdruck bringen – also zunächst einmal der ganze Bereich der verbalen, vokalen, nonverbalen, paraverbalen und ausdrucksmäßigen Kommunikation“ (Hinnenkamp,

1994, S 5)

Der weite Begriff von interkultureller Kommunikation beinhaltet „neben der interpersonalen Interaktion auch die Ebene der mediatisierten Interkulturellen Kommunikation in ihren verschiedenen Facetten“ (Lüsebrink, 2005, S 8) D.h ausgehend von einem weiten Begriff von interkultureller Kommunikation sind auch

„die medialen Darstellungsformen Interkultureller Kommunikation in Film, Fernsehen, Radio, Internet und anderen Medien, die Formen der alltagsweltlichen Interkulturellen Kommunikation gleichermaßen darstellen, stilisieren und prägen, sowie die interkulturelle Ausbreitung von Kommunikationstechnologie und -medien“ (Erll/Gymnich, 2007, S 78)

Die zwei Begriffe von interkultureller Kommunikation werden in der folgenden Tabelle zusammengefasst:

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Tabelle 1: Begriffe von interkultureller Kommunikation (Erll/Gymnich, 2007, S 78)

Face-to-Face Kommunikation Mediatisierte Kommunikation

Gespräche zwischen Angehörigen

Der Schwerpunkt dieser Arbeit, sowohl im theoretischen als auch im praktischen Teil, liegt auf dem engen Begriff, der Face-to-Face-Kommunikation Aber wann und unter welchen Voraussetzungen nennt man eine Face-to-Face-Kommunikation interkulturelle Kommunikation? Laut Erll/Gymnich tritt interkulturelle Kommunikation in Gesprächen zwischen Angehörigen unterschiedlicher Kulturen auf, d h die Gesprächsteilnehmer müssen unterschiedliche Kulturen besitzen Es ist nur noch nicht klar, was eigentlich mit „unterschiedliche Kulturen“ hier gemeint ist,

ob „unterschiedliche Kulturen“ unterschiedliche Nationen bedeuten? Oder sind darunter auch die kulturellen Unterschiede zwischen den verschiedenen Kommunikationsgemeinschaften innerhalb eines Landes oder einer Nationalität zu verstehen? Kann z B ein Gespräch zwischen Männern und Frauen als eine interkulturelle Kommunikation verstanden werden? Nach Knapp sind Kommunikationsgemeinschaften „[…] soziale Gruppen, die durch regelmäßige und häufige sprachliche Interaktion charakterisiert sind und die sich durch ihre – vor allem sprachlichen – Symbolsysteme und kommunikativen Praktiken von anderen solcher Gemeinschaften unterscheiden […]“ (Karlfried Knapp, 2004, S 415) Jeder Mensch gehört mehreren unterschiedlichen Kommunikationsgemeinschaften (Familie, Altersgruppe, soziale Schicht, Berufsgruppe, Verein, politische Gruppierung, lokale Gemeinschaft, ethnische Gruppe, regionale Gemeinschaft, Nation usw.) gleichzeitig

an (vgl (Broszinsky-Schwabe, 2011, S 44f.) Menschen aus unterschiedlichen Kommunikationsgemeinschaften haben wahrscheinlich auch unterschiedliche

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„Kulturen“ wie z B unterschiedliche Religionen, Gedanken, Hobbys, usw Somit stellt sich die Frage, ob jede Kommunikation zwischen Angehörigen verschiedener Kommunikationsgemeinschaften bereits ,interkulturelle Kommunikation‘ ist: Kann man die Kommunikation zwischen Männer und Frauen als interkulturelle Kommunikation bezeichnen? Oder die zwischen Eltern und ihre Kindern, zwischen Lehrern und Schülern, zwischen einem Nordvietnamesen und einem Südvietnamesen usw.?

Eigentlich ist die Kommunikation der unterschiedlichen Gemeinschaften laut einigen Wissenschaftlern keine interkulturelle Kommunikation Laut Maletzke unterscheidet

‚Interkulturelle Kommunikation‘ sich vor allem durch das Kriterium einer gefühlten Fremdheit von anderen Formen der Kommunikation: „Maletzke schlägt vor, von Interkultureller Interaktion und Kommunikation zu sprechen, ‚wenn die Begegnungspartner verschiedenen Kulturen angehören und wenn sich die Partner der Tatsache bewusst sind, daß der jeweils andere ,anders‘ ist, wenn man sich also gegenseitig als ,fremd‘ erlebt‘“ (Maletzke 1996, zit nach Lüsebrink 2012, S 7) Und laut Bruck werden als „interkulturell […] alle Beziehungen verstanden, in denen die Beteiligten nicht ausschließlich auf ihre eigenen Kodes, Konventionen, Einstellun-gen und Verhaltensformen zurückgreifen, sondern in denen andere Kodes, Konventionen, Einstellungen und Alltagsverhaltensweisen erfahren werden Dabei werden diese als fremd erlebt und/oder definiert“ (Bruck 1994, zit nach Lüsebrink

2012, S 7) In den zitierten Passagen wird ,Fremdheit‘ zu dem Kriterium erhoben, durch das sich interkulturelle Kommunikation von normaler Kommunikation unterscheidet Aber dieses Kriterium ist noch nicht ausreichend, da es – aufgrund der Gedanken, des Alters, der Lebensweise – oft auch Missverständnisse zwischen Männern und Frauen, Eltern und Kindern, Lehrern und Schülern, Nordvietnamesen und Südvietnamesen, usw gibt Dies ist gewissermaßen die ‚kleine Fremdheit‘, wenn Menschen unterschiedlicher Kommunikationsgemeinschaften miteinander sprechen Aus diesem Grund ist das Kriterium der ,Fremdheit‘ zwar beachtenswert, aber noch nicht genügend

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Laut Karlfried Knapp ist ‚interkulturelle Kommunikation‘ aufgrund des Kriteriums der Sprache von anderen Formen der Kommunikation zu unterscheiden:

„Interkulturelle Kominunikation‘ ist […] interpersonale Interaktion zwischen Angehörigen unterschiedlicher Kommunikationsgemeinschaften, die hinsichtlich der ihren Mitgliedern jeweils gemeinsamen Wissensbestände und Formen sprachlichen Handelns differieren Solche Unterschiede bestehen auch schon zwischen Kommunikationsgemeinschaften innerhalb einer national oder ethnisch definierten Gesellschaft Insofern unterscheidet sich interkulturelle Kommunikation nicht prinzipiell von intrakultureller Kommunikation Ein wesentliches Charakteristikum von interkultureller Kommunikation ist jedoch damit gegeben, dass sich einer der Kommunikationspartner normalerweise einer Sprache oder Varietät bedienen muss, die nicht seine eigene ist.“ (Knapp 2004, S 415)

Auch aus Sicht von Erll/Gymnich liegt es nahe, „interkulturelle Kommunikation mit einer Verwendung von Fremdsprachen in Verbindung zu bringen“ (Erll/Gymnich,

2007, S 79) Außerdem zitieren Erll/Gymnich die Meinung von Claus Ehrhardt, dass die Verwendung von Fremdsprachen ein grundlegendes Kriterium für die Definition von interkultureller Kommunikation ist: „Offensichtlich ist die Verwendung von Fremdsprachen charakteristisch (vielleicht sogar das relevanteste Charakteristikum) für Situationen, von denen man sagt, dass in ihnen IKK stattfindet“ (Ehrhardt 2003, zit nach Erll/Gymnich 2007, S 79) Erll/Gymnich betonen aber, dass interkulturelle Kommunikation auch dann schon gegeben ist, wenn die Gesprächspartner unterschiedliche Varietäten einer Sprache sprechen (vgl Erll/Gymnich 2007, S 80) Ein wesentliches Kriterium, um interkulturelle Kommunikation von normaler Kommunikation zu unterscheiden, ist also der Gebrauch von Fremdsprachen oder von unterschiedlichen Varietäten einer Sprache Dieses Kriterium passt sehr gut zu meiner Arbeit, weil es hier um die Kommunikation zwischen Vietnamesen, nämlich vietnamesischen Schülern, und Deutschen geht Für die vietnamesischen Schüler ist Deutsch natürlich eine Fremdsprache und die Kommunikation zwischen ihnen und den Deutschen ist eine interkulturelle Kommunikation

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2.1.2 Kultur

2.1.2.1 Was ist Kultur?

Laut Karlfried Knapp wird Kultur als „ein Bestand an Symbolen und Praktiken verstanden, durch den ein zwischen Mitgliedern einer Gruppe geteiltes Wissen an Standards des Glaubens, Deutens und Handeln in der sozialen Interaktion manifest gemacht.“ (Karlfried Knapp, 2004, S 414) In diesem Kontext ist Kultur eine große Vielfalt an Symbolen und Praktiken eines Volks oder einer Gruppe Die Symbole und Praktiken jedes Volkes und jeder Gruppe sind anders und von Bedeutung für deren Identität Durch die soziale Kommunikation der Mitglieder kann man die Unterschiede zwischen verschiedene Völkern oder Gruppen gut bemerken Es stellt sich hier die Frage, was genau Identität in der interkulturellen Begegnung ist Diese Frage wird im nächsten Kapitel behandelt

Bei dem Begriff „Kultur“ kann man an viele unterschiedliche Sachen denken Das kann Kultur beim Essen, beim Anziehen, beim Kommunikationsverhalten, beim persönlichen Denken und Handeln sein Z B kann in Vietnam der Wasserbüffel ein Symbol für Kultur sein, weil man sehr oft Wasserbüffel in vietnamesischen Filmen, Dokumentarfilmen über Vietnam, Zeitungen oder Bildern sieht Im Vergleich zu anderen Ländern z B in Asien oder in Europa ist es ein besonderes Merkmal, das man in solchen Ländern nicht kennt Ein anderes Beispiel im Zusammenhang mit dem Kommunikationsverhalten: In Vietnam ist normalerweise der Chef die wichtigste Person, die Angestellten müssen sich ihrem Chef gegenüber immer vorsichtig verhalten und dürfen nur selten ihre eigene Meinung in einer Diskussion äußern

Eine andere Definition für Kultur wurde von der UNESCO im Jahr 2001 in der 31 Generalkonferenz herausgegeben Diese Definition wird von Röbke zitiert: „Kultur sollte als Gesamtheit der unverwechselbaren geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Eigenschaften angesehen werden, die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen, und sie umfasst über Kunst und Literatur hinaus auch

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Lebensformen, Formen des Zusammenlebens, Wertesysteme, Traditionen und Überzeugungen.“ (UNESCO 2001, zit nach Röbke, 1993, S 55)

Im Allgemeinen bedeutet Kultur also eine große Vielfalt an Symbolen und Praktiken eines Volks oder einer Gruppe, durch die sich ein Volk oder eine Gruppe von anderen unterscheidet

2.1.2.2 Kulturbegriffe

Lüsebrink unterscheidet drei unterschiedliche grundlegende Kulturbegriffe im Bereich Kulturwissenschaft: der intellektuell-ästhetische Kulturbegriff, der materielle Kulturbegriff und der anthropologische Kulturbegriff (vgl Lüsebrink,

2008, S 10)

Der intellektuell-ästhetische Kulturbegriff umfasst die Bedeutungen der Wörter

„Intellekt“ und „Ästhetik“, d h hier werden unter Kultur Aspekte wie „Bildung“ und

„Kunst“ verstanden (vgl Lüsebrink, S 10)

Der materielle Kulturbegriff bezieht sich auf den agrarwirtschaftlichen Begriff,

weil das Wort „Kultur“ seinen Ursprung im lateinischen „cultura“, d h „colere“ (= bebauen) Dies ist die älteste Bedeutung des Wortes „Kultur“ (vgl Poerner, 2009, S 6)

Der anthropologische Kulturbegriff wird von Poerner oder Altmayer auch als

erweiterter Kulturbegriff bezeichnet (vgl Poerner, 2009, S 7; Altmeyer, 2004, S 82) Der umfasst die kollektiven Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungsmuster einer Gesellschaft (vgl Lüsebrink, 2008, S 10) Geert Hofstede definiert Kultur im anthropologischen Sinn als „ein kollektives Phänomen, da man sie zumindest teilweise mit Menschen teilt, die im selben sozialen Umfeld leben oder lebten, d h dort, wo diese Kultur erlernt wurde Sie ist die kollektive Programmierung des Geistes, die die Mitglieder einer Gruppe oder Kategorie von Menschen von einer anderen unterscheidet“ (Hofstede, 1993, S 19)

80-Alexander Thomas ist der Meinung von Hofstede und bezeichnet Kultur als ein kollektives „Orientierungssystem“ Nach Thomas ist Kultur „ein universelles, für eine Gesellschaft, Organisation und Gruppe aber sehr typisches Orientierungssystem

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Dieses Orientierungssystem wird aus spezifischen Symbolen gebildet und in der jeweiligen Gesellschaft usw tradiert Es beeinflusst das Wahrnehmen, Denken, Werten und Handeln aller Mitglieder und definiert deren Zugehörigkeit zur Gesellschaft Kultur als Orientierungssystem strukturiert ein für die sich der Gesellschaft zugehörig fühlenden Individuen spezifisches Handlungsfeld und schafft somit die Voraussetzung zur Entwicklung eigenständiger Formen der Umweltbewältigung“ (Thomas 1993, S 380)

Claus Altmayer (2004, S 78ff) unterscheidet nur zwischen einem traditionellen und einem erweiterten Kulturbegriff Unter Kultur im Sinne des traditionellen

Kulturbegriffs ist alles zu verstehen, was Gegenstand der Kunstwissenschaften (Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft, Musikwissenschaft usw.) ist Der traditionelle Kulturbegriff hat also die gleichen Merkmale wie der intellektuell-ästhetische Kulturbegriff bei Lüsebrink, und der erweiterte Kulturbegriff ist dem anthropologischem Kulturbegriff ähnlich D h., die älteste Bedeutung von Kultur,

„Agricultura“, wird in diesem Fall nicht erwähnt

Im Bereich Kommunikation gibt der amerikanische Anthropologe Gary Ferraro seine Auffassung: Kultur ist „everything that people have, think and do as members of society“ (zit nach Broszinsky-Schwabe, 2011, S 69) D h die Kultur beinhaltet drei Komponenten: materielle Objekte; Ideen (Wissen), Werte, Haltungen; Verhaltensmuster Die Definition von Ferraro ist auch dem erweiterten Kulturbegriff zuzurechnen

Yousefi/Braun (2011, S 13) nennen in Anlehnung an den Soziologen Andreas Reckwitz vier verschiedene Kulturbegriffe, nämlich „normative Kulturkonzepte“,

„totalitätsorientierte Kulturkonzepte“ (die dem erweiterten Kulturbegriff zuzurechnen sind), „differenzierungstheoretische Kulturkonzepte“ (die dem intellektuell-ästhetischen bzw traditionellen Kulturbegriff entsprechen) und

„bedeutungs- und wissensorientierte Kulturkonzepte“ (die ebenfalls dem erweiterten Kulturbegriff zuzurechnen sind)

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Der normative Kulturbegriff ist laut Yousefi/Braun (2011, S 13) „ein nach festen Regeln beurteilendes und wertendes Konzept Es setzt einen Lebensentwurf nach idealistischen Prinzipien voraus, der einen universalistischen Anspruch erheben kann, es aber nicht muss.“ Der normative Kulturbegriff bezieht sich auf die Lebensweise, die Art des gesellschaftlichen Zusammenlebens: Die Lebensweise einer Gesellschaft bzw einer Gruppe wird entweder als ‚zivilisiert‘ bzw ‚kultiviert‘ oder als ,primitiv‘ (,barbarisch‘, ,kulturlos‘) bewertet Wenn es Konflikte zwischen Angehörigen unterschiedlicher Kulturen gibt, passiert es sehr leicht, dass die Konfliktparteien auf diesen normativen Kulturbegriff zurückgreifen und das Verhalten der jeweils anderen Seite als ,unzivilisiert‘, ‚primitiv‘, ‚barbarisch‘ etc abwerten

Bezüglich des erweiterten bzw anthropologischen Kulturbegriffs unterscheiden Yousefi/Braun in Anlehnung an Reckwitz zwischen einem totalitätsorientierten und einem bedeutungsorientierten Kulturbegriff Den totalitätsorientierten Kulturbegriff definieren sie folgendermaßen: „Der totalitätsorientierte Kulturbegriff ist ein regionalisierendes und nationalisierendes Konzept, das die spezifische Lebensform eines Kollektivs in einer bestimmten historischen Epoche in den Vordergrund stellt und nach dem Kulturen wie Kugeln, die aufeinanderprallen und ohne Bezug zueinander sind, aufgefasst werden.“ (Yousefi/Braun 2011, S 16) Wenn von ,der deutschen Kultur‘, ,der vietnamesischen Kultur‘, ,der islamischen Kultur‘ oder von ,kulturellen Unterschieden‘ gesprochen wird, liegt fast immer dieser Kulturbegriff zugrunde Das Konzept der ‚Kulturstandards‘ (vgl Abschnitt 1.4) basiert ebenfalls auf diesem Kulturbegriff Und dementsprechend ist auch die Praxis der IKK-Seminare und -Trainings von diesem Kulturbegriff geprägt

Dieser totalitätsorientierte Kulturbegriff ist aber sehr problematisch Zu seinen führenden Kritikern gehört Claus Altmayer, der dazu schreibt:

„Dieser Begriff von ‚Kultur‛, der vielen Diskussionen über Interkulturalität und interkulturelles Lernen zugrunde liegt, ist nach meiner Auffassung im Hinblick auf die Landeskunde und den Fremdsprachenunterricht unzeitgemäß, untauglich und

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gefährlich Unzeitgemäß, weil wir in Zeiten der globalen Vernetzung die Bedeutung ethnischer und nationaler Kategorien nicht mehr so völlig einseitig in den Vordergrund stellen sollten, wie es von diesem Verständnis von ‚Kultur‛ suggeriert wird; untauglich, weil der Begriff eine Homogenität ethnisch-nationaler Gesellschaften nach innen unterstellt, die es so wahrscheinlich noch nie gegeben hat, die aber für hochkomplexe moderne Industriegesellschaften mit ihren zunehmend hybrid werdenden Identitätsangeboten mit Sicherheit nicht mehr angemessen ist; und gefährlich, weil der Begriff mit Pauschalisierungen auf ethisch-nationaler Ebene arbeitet, die sich weder strukturell noch inhaltlich von Stereotypen und Klischees unterscheiden lassen, die aber solchen Stereotypen eine pseudowissenschaftliche Legitimation verleihen und Lerner zum Denken in stereotypisierenden und pauschalisierenden Kategorien ermuntern.“ (Altmayer 2007, S 18 f.)

Claus Altmayer favorisiert daher einen bedeutungsorientierten Kulturbegriff, wie er

u a von dem Ethnologen Clifford Geertz geprägt wurde (vgl Altmayer 2017, S 19) Nach diesem bedeutungs- und wissensorientierten Kulturverständnis (vgl Yousefi/Braun 2011, S 21) ist ,Kultur‘ ein Vorrat an Mustern, an Bedeutungsressourcen, auf die Menschen zurückgreifen, um Situationen deuten zu können Mit einem Satz wie z B ‚Morgen um 15 Uhr haben wir eine Arbeitsbesprechung‘ wird ein gemeinsames (?) Wissen zum Sinn und den typischen Abläufen einer Arbeitsbesprechung aktiviert Dies heißt aber nicht, dass sich alle Beteiligten an die Muster halten müssen bzw wollen bzw werden

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es für den Begriff ‚Kultur‘ keine einheitliche Definition gibt Es ist aber deutlich geworden, dass für den Bereich der Interkulturellen Kommunikation der anthropologische Kulturbegriff, der auch erweiterter Kulturbegriff genannt wird, grundlegend ist Hierbei wird zumeist mit einem totalitätsorientierten Kulturbegriff operiert, nach dem die kollektiven Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungsmuster der jeweiligen Gesellschaft(en) das Wahrnehmen, Denken, Werten und Handeln aller Gesprächsteilnehmer in einer interkulturellen Kommunikation beeinflussen

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2.1.3 Was ist Identität?

Die Identität hat drei Ebenen: „die personale Identität, die soziale Identität und die kulturelle Identität Ebenso könnte man Identität nach personaler und Gruppenidentität (Wir-Gruppen) zuordnen.“ (Broszinsky-Schwabe, 2011, S 43)

Zur personalen Identität gehört all das, was ein menschliches Individuum von

anderen Individuen unterscheidet, hier geht es um Geschlecht, Alter, Größe, Hautfarbe, Haarfarbe, Gewicht, Körper, Auftreten, usw Die personale Identität beeinflusst die Wahrnehmung des Gesprächspartners oder der Gesprächspartnerin in der ersten Kommunikation (vgl Broszinsky-Schwabe, 2011, S 44) Das erste Auftreten von unserem Gesprächspartner entscheidet wahrscheinlich, ob wir überhaupt mit ihm kommunizieren möchten Alles Seelische und Körperliche, was

zu einem Menschen gehört, wird personale Identität genannt

Gruppenidentität wird auch Soziale Identität (Wir-Gruppen) oder Kollektive

Identität genannt und bedeutet „eine Übereinstimmung bzw Identifizierung eines Menschen mit einer sozialen Gruppe Er teilt deren Ziele, Wertvorstellungen, Symbole und Verhaltenweisen“ (Broszinsky-Schwabe, 2011, S 44) Jeder Mensch gehört zu unterschiedlichen Identitätskreisen Laut Broszinsky-Schwabe (2011, S 44f) sind dies:

 politische Partei, Vereinigung oder Bewegung

 Verein (Kleingartenverein, Tierschutzverein etc.), Freizeitgemeinschaft (Sport etc.)

 Lokale Gemeinschaft (Stadtteil, Kietz, Dorf etc.)

 ethnische Gruppe

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 Regionale Gemeinschaft (Küstenbewohner, Bergbauern, Bundesländer)

 Nation (Zugehörigkeit und evt Identifizierung mit einer Heimat-Nation)“ Aus dieser Liste wird erkennbar, dass in fast jeder Kommunikation zwischen Menschen nicht nur unterschiedliche personale Identitäten, sondern auch unterschiedliche Gruppenidentitäten aufeinandertreffen Wie oben erwähnt, liegt die diesbezügliche Besonderheit von interkultureller Kommunikation lediglich darin, dass hier Menschen miteinander kommunizieren, die unterschiedliche Muttersprachen sprechen oder sich unterschiedlicher Varietäten einer Sprache bedienen

Arnd Uhle hat in seiner bedeutenden Münchner Habilitationsschrift Freiheitlicher Verfassungsstaat und kulturelle Identität (2006) die folgende Definition gegeben:

„Unter kultureller Identität wird die Gesamtheit der kulturell geprägten Werte samt der daraus resultierenden Weltsichten und Denkweisen sowie der ebenfalls kulturell geprägten Verhaltens- und Lebensweisen verstanden, die das Eigenbild einer Kulturgemeinschaft – namentlich einer Nation – prägen Die so verstandene kulturelle Identität wird sowohl durch Elemente der Zugehörigkeit zu einem (übergeordneten) Kulturkreis als auch durch Elemente der Zugehörigkeit zu der individuellen Kultur der betreffenden Gemeinschaft bestimmt.“ (Arnd Uhle, zit nach Scholz 2008, S 35)

2.1.4 Kulturstandards und Stereotype

Ein im Bereich der interkulturellen Kommunikation sehr populäres, aber auch vielkritisiertes Konzept ist das von dem Psychologen Alexander Thomas entwickelte Konzept der Kulturstandards Markowsky/Thomas (1995) definieren den Begriff der Kulturstandards folgendermaßen: „Diejenigen Werte, Normen, Regeln und Einstellungen in einer Kultur, die sich gerade im zwischenmenschlichen Bereich umfassend auf Wahrnehmung, Denken, Urteilen und Handeln ihrer Mitglieder auswirken, werden als zentrale Kulturstandards bezeichnet Kulturstandards sind also die spezifischen Spielregeln des gesellschaftlichen Lebens in einer Kultur.“ (Markowsky/ Thomas 1995, S 7, zit nach Heringer 2014, S 190)

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Laut Thomas (1991) sind Kulturstandards „für Gruppen, Organisationen und Nationen typische Orientierungsmaßstäbe des Wahrnehmens, Denkens und Handelns So wie ein Standard angibt, wie ein Gegenstand normalerweise beschaffen

zu sein hat, wie ein häufig vorkommendes Ereignis normalerweise abläuft, so legt ein Kulturstandard den Maßstab dafür fest, wie Mitglieder einer bestimmten Kultur sich

zu verhalten haben.“ (Thomas 1991, S 5, zit nach Heringer 2014, S 202)

Wie in beiden Definitionen zum Ausdruck kommt, sind Kulturstandards alle Werte, Normen, Regeln und Einstellungen, die sich in der sozialen Interaktion der Mitglieder der Gruppe auf deren Wahrnehmung, Denken, Urteilen und Handeln auswirken Sylvia Schroll-Machl beschreibt einige nach Auffassung der Autorin zentrale deutsche ‚Kulturstandards‘ (vgl Schroll-Machl, 2003, S 72-89):

Sachorientierung: Die Deutschen reden direkt und sachorientiert Sie können sich

ihre eigene Meinung zu einem Problem deutlich vorstellen

Wertschätzung von Strukturen und Regeln: Die Deutschen brauchen eine große

Menge Regeln, Vorschriften und Gesetze, damit man seine Qualität verbessert Die Deutschen möchten immer die Beste erreichen Sie suchen nicht nach Schuldigen, sondern immer nach einer konkreten Lösung

Zeitplanung: Die Deutschen brauchen einen genauen langfristigen Plan Man

möchte sein Leben gut kontrollieren, mit Hilfe von einer Planung Mit einer Planung kann man zuerst seine Arbeit und auch seine Zeit organisieren, zum zweiten kann man die unerwarteten Probleme vermeiden oder verringern Am wichtigsten ist es, dass man dadurch sein Ziel erreicht

Internalisierte Kontrolle: Die Deutschen fühlen sich für ihre Arbeit verantwortlich

Man hat eine starke Identifikation mit der eigenen beruflichen Tätigkeit Die Kollegen müssen zuverlässig sein Außerdem erwarten die Deutschen immer, dass ihre Kollegen schnell die eigenen Aufgaben erledigen Wenn die Deutschen ihre Aufgaben nicht so gut schaffen, sind sie auch mit sich selbst unzufrieden Es geht um die persönliche Autonomie

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Trennung von Persönlichkeits- und Lebensbereichen: Deutsche unterscheiden

sehr klar zwischen ihrem Berufsleben und ihrem Privatleben Im Beruf kann man sachorientiert, pünktlich, direkt, engagiert arbeiten Aber das Privatleben ist vom Berufsleben getrennt Jeder Mensch hat zwei Seiten und kann im Beruf sachorientiert,

im Privatleben hingegen sehr beziehungsorientiert sein

Schwacher Kontext: Laut Schroll-Machl „pflegen Deutsche einen Kommunikationsstil großer Direktheit und Explizitheit: Sie formulieren das, was ihnen wichtig ist, mit Worten und benennen die Sachverhalte dabei ungeschminkt und offen.“

Eigentlich sind die oben genannten Kulturstandards nicht typisch für alle Deutsche Trotzdem können sie in manchen Fällen hilfreich sein, wenn man gar keine Vorstellung oder keine Kenntnisse über Deutsche und Deutschland hat Kulturstandards können einem Neuling eine erste, grobe Orientierungshilfe bieten, ihn für Unterschiede sensibilisieren und in manchen Situationen zu einem besseren Verständnis der Reaktionen des anderskulturellen Gesprächspartners beitragen Sobald sie allerdings blind für die innere Heterogenität von Gesellschaften bzw blind für individuelle Differenzen machen, werden sie gefährlich Laut Claus Altmayer sind Kulturstandards „Pauschalisierungen auf ethnisch-nationaler Ebene“, „die sich weder inhaltlich noch strukturell von Stereotypen und Klischees unterscheiden lassen“ (Altmayer 2007, S 19)

Auch Hans Jürgen Heringer formuliert in seiner Darstellung ‚deutscher Kulturstandards‘ (Heringer 2014, S 186-196) kritische Einwände gegen das Konzept der Kulturstandards Aus Heringers Sicht sind die bei der Ermittlung von Kulturstandards angewandten Verfahren nicht klar (ebd., S 190); es ist nicht klar, wie man von den Einzelbeobachtungen zu den Generalisierungen kommt (ebd., S 191) und auch die Annahme von der Homogenität der jeweiligen ‚Kultur‘ ist fragwürdig (ebd., S 191) Aus Heringers Sicht sind die ‚Kulturstandards‘ letztlich

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nicht mehr als „Sammlungen von Stereotypen“ (ebd., S 202).1 Deshalb warnt Heringer (ebd., S 193) vor deren unreflektiertem Gebrauch: „Kulturstandards bleiben – selbst wenn sie real wären – gegenüber der hohen Differenziertheit einer Kultur doch bescheiden Sie mögen für eine erste Sensibilisierung taugen Aber Vorsicht!“

Diese Fragwürdigkeit des Konzepts der Kulturstandards veranschaulicht Heringer am Beispiel der deutschen Kulturstandards, die von Markowsky/Thomas (1995) aus

amerikanischer Perspektive formuliert wurden Ein Beispiel hierfür ist der

vermeintliche deutsche Kulturstandard „Autoritätsdenken“: Die Amerikaner meinten, dass Deutsche aus historischen Gründen immer gehorchen, besonders die Beamten Heringer (2014, S 196) ist anderer Meinung Er meint, dass die Deutschen Autoritäten kritisch gegenüberstehen und stellt die Frage, ob die Amerikaner so viel Wissen über deutsche Geschichte haben

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Kulturstandards zwar für Unterschiede sensibilisieren und als erste Orientierungshilfe dienen können, dass sie aber trotzdem mit großer Vorsicht zu handhaben sind, da der Weg vom Kulturstandard zum Stereotyp nicht weit ist

2.2 Interkulturelle Kompetenz

Interkulturelle Kompetenz wird in Zeiten zunehmender internationaler Zusammenarbeit und Globalisierung als Schlüsselkompetenz des 21 Jahrhunderts betrachtet Sie wird in zahlreichen sowohl wissenschaftlichen als auch nicht-wissenschaftlichen Diskursen thematisiert, wie z B in der Wirtschaft, Politik, Migrationsforschung und in der Fremdsprachendidaktik Die Entwicklung interkultureller Kompetenz ist als eine langfristige Aufgabe im Bildungswesen zu betrachten Aus Sicht von schulischen Lehrkräften wäre es hilfreich, die verschiedenen Ansätze zusammenzufassen Das Ziel müsste eine Systematisierung

1 Den Begriff Stereotyp erläutert Heringer (2014, S 198) folgendermaßen: „Stereotypen werden landläufig

in generalisierenden Meinungen über andere Nationalitäten oder in geschlechtsspezifischen Rollenklischee gesehen Wer etwas als Stereotyp identifiziert, verurteilt es gewöhnlich als ungehörige Rede- und

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der großen Vielfalt an Begriffen, Definitionen und Modellen sein, damit andere Lehrkräfte die Entwicklung interkultureller Kompetenz gezielt fördern können

In dieser Studie wird die Frage nach den Möglichkeiten der Förderung interkultureller Kompetenz mit Blick auf den Schwerpunkt „Deutschunterricht“ bzw „Fremd-sprachenunterricht“ im weiteren Sinne untersucht

2.2.1 Definitionen interkultureller Kompetenz

Der Begriff der Kompetenz wird allgemein als Synonym für „im Handeln aktualisierbare Handlungsdisposition“ definiert und kann kognitive, emotionale, motivationale und soziale Aspekte umfassen Handlungsbezug meint, dass Kompetenzen anforderungsbezogen sind (die Kenntnis des Anforderungsprofils ist notwendig), was für Merkmale der Intelligenz weniger gilt (Wirtz, 2014)

„Interkulturell“ kann laut Schäfer (2012, S 48) mit „zwischen den Kulturen“ übersetzt werden Lüsebrink (2003, S 64) stellt fest, dass „die andere [ ] Kultur nicht mehr aus einer Art distanzierter Aquariumsperspektive betrachtet wird, sondern im Zusammenhang mit anderen Kulturen und vor allem der eigenen Gesellschaft und Kultur.“ Der Begriff „interkulturell“ bezieht sich also auf die konkrete Beziehung zwischen den eigenen kulturellen Erfahrungen und dem zielsprachlichen Leben

„Interkulturelle Kompetenz“ wird definiert als „die Fähigkeit zum Ausgleich und zum Überwinden von Missverständnissen und Problemen, die sich ergeben, wenn Individuen aus unterschiedlichen Kulturkreisen miteinander Kontakt haben“ (Häcker

& Knischewski, 2006, S 1) Es geht dabei nicht nur um eine spezifische fremde Kultur, sondern auch um „die Förderung von Fähigkeiten und Kompetenzen, sprachunspezifisch mit Menschen der anderen Kultur in Kontakt zu treten, deren Sprache und Kultur zu verstehen und dem Fremden mit möglichst wenig Vorurteilen gegenüber zu treten“ (Schäfer, 2012, S 50) Noch konkreter wird interkulturelle Kompetenz verstanden als „Fähigkeit, kulturelle Bedingungen und Einflussfaktoren

im Wahrnehmen, Urteilen, Empfinden und Handeln bei sich selbst und bei anderen Personen zu erfassen, zu respektieren, zu würdigen und produktiv zu nutzen im Sinne einer wechselseitigen Anpassung, von Toleranz gegenüber Inkompatibilitäten und

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einer Entwicklung zu synergieträchtigen Formen der Zusammenarbeit, des Zusammenlebens und handlungswirksamer Orientierungsmuster in Bezug auf Weltinterpretation und Weltgestaltung.“ (Thomas, 2003, S 143)

„Interkulturelle Kompetenz setzt die Fähigkeit voraus, die Perspektive zu wechseln, d.h das eigene Referenz-, Werte- oder Verständnissystem zu verändern, zu relativieren, zu erweitern oder zu verallgemeinern Interkulturelle Kompetenz bedeutet, dass die Agierenden in der Lage sind, sich flexibel an neue interkulturelle Situationen, d h an neue Formen von Kommunikation und Kooperation, andere Weltsichten, Lebensweisen, Normen und Werte (im Gegensatz zu unkritischem Akzeptieren und schlichtem Reproduzieren) anzupassen.“ (Bertelsmann Stiftung und Fondazione Cariplo, 2008, S 11)

Laut Haß (vgl 2006, S 70f) umfasst interkulturelle Kompetenz die folgenden Aspekte:

„1 Neugierde und Offenheit für andere Kulturen

2 die Bereitschaft, sich mit Fremden auseinanderzusetzen und auf Fremde zuzugehen

3 die Fähigkeit, fremdes sprachliches und nicht-sprachliches Verhalten wahrzunehmen

4 die Fähigkeit, Fremdes und Eigenes kritisch in Beziehung zu setzen (Perspektivenwechsel und Perspektivenkoordination) sowie dabei Fremdes zu akzeptieren oder zu tolerieren

5 die Bereitschaft, die eigene Position neu zu überdenken“

Laut dem Schweizer Betriebswirtschaftler Jean-Paul Thommen (2002) ist interkulturelle Kompetenz eine Form von sozialer Kompetenz, wobei Letztere die für

„monokulturelle Interaktion“ notwendige Kompetenz ist Soziale Kompetenz wird definiert als „ein Komplex von Fähigkeiten, die dazu dienen, in Kommunikations- und Interaktionssituationen entsprechend den Bedürfnissen der Beteiligten Realitätskontrolle zu übernehmen und effektiv zu handeln“ (Wirtz, 2014) Vor diesem Hintergrund kann interkulturelle Kompetenz als eine Form der

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Sozialkompetenz betrachtet werden, die sich auf die Interaktionsfähigkeit in einem nicht-monokulturellen Umfeld bezieht:

„Als sozial kompetent kann eine Person bezeichnet werden, die in der Zusammenarbeit mit Individuen aus einer fremden Kultur deren spezifische Konzepte der Wahrnehmung, des Denkens, des Fühlens und des Handelns erfasst und mit diesen umzugehen versteht“ (Thommen 2002, S 424 zitiert in: Kumbruck, C./Derboven, V., 2005, S 6)

Es geht hier darum, dass man nicht nur die sozialen Regeln der eigenen Kultur zugrunde legen soll, sondern dass man sich aus der Sicht einer fremden Kultur sozial verhalten muss Dies zeigt die Wichtigkeit des Erwerbens von landeskundlichen Kenntnissen über fremde Kulturen Dadurch wird man sich der kulturellen Unterschiede bewusst und kann in interkulturellen Kontexten angemessene Verhaltensmuster entwickeln

Ringeisen (2008, S 67) weist darauf hin, dass gerade im Bildungswesen ein weiterer Begriff von interkultureller Kompetenz nötig ist, wo Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft und Schüler mit unterschiedlichen Arten von Migrationshintergrund oftmals gemeinsam in einer Klasse lernen: „Der Begriff Interkulturelle Kompetenz ist im Bildungswesen im Vergleich zur Anwendung im interkulturellen Austausch bzw bi- oder multinationalen Kontakt sicherlich diskussionswürdig Im Umgang mit Menschen mit Migrationshintergrund der ersten bis inzwischen zur dritten Generation entstehen andere Konstellationen als in der Begegnung von Menschen mit eindeutiger definiertem kulturellem Hintergrund Kultur ist mehr als nur nationale Herkunft, auch soziokulturelle Unterschiede, Alter, Geschlecht, sexuelle Orientierung u.a können zu Kulturkonflikten führen Die Frage der Fremdeinordnung dieser Schüler durch Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft oder der Ursprungsgesellschaft weist z.B auf ein spezielles Themenfeld hin In der Reflektion der multikulturellen Gesellschaft und der Arbeit an interkulturellen Themen muss der Begriff interkulturelle Kompetenz gerade im Bildungsbereich

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weiter gedacht werden und darf nicht in zu engem, nationenbezogenem Denken verbleiben.“

Aus diesem Grund muss die Arbeit an interkulturellen Themen im Bildungsbereich weiter erforscht werden In Bezug auf die Definition interkultureller Kompetenz ist die derzeitige Situation trotz vieler Definitionsbemühungen noch sehr unübersichtlich

2.2.2 Modelle interkultureller Kompetenz

Weil es noch keine einheitliche Definition für interkulturelle Kompetenz gibt, existieren zahlreiche Modelle Eine Übersicht über insgesamt 22 Modelle interkultureller Kommunikationskompetenz stellen Spitzberg und Changnon (2009)

vor Sie unterscheiden hierbei fünf Arten von Modellen und zwar „compositional,

co-orientational, developmental, adaptional und causal process models“ (Spitzberg

u Changnon 2009, S 10, vgl auch Bolten, 2006) Der erste Modelltyp,

Listenmodelle [compositional models], zeigt die zahlreichen Faktoren interkultureller Kompetenz (Aspekte aus den Bereichen Einstellungen [attitudes], Fertigkeiten [skills], Wissen [knowlegde] und Verhalten [behaviours]) in Listenform auf Es

werden in diesem Modelltyp keine Beziehungen zwischen den Einzelfaktoren

hergestellt Bei Strukturmodellen [co-orientational models] wird dargestellt, wie

Kommunikation bei interkulturellen Interaktionen stattfindet Spitzberg und

Changnon definieren drittens Entwicklungsmodelle [developmental models] als

Modelle, welche die Entwicklungsstufen beschreiben, in denen interkulturelle Kompetenz erworben wird Als vierten Modelltyp stellen sie Akkulturationsmodelle

[adaptional models] vor, welche zeigen, wie Individuen sich und ihre Einstellungen,

ihr Verständnis und ihr Verhalten bei interkulturellen Begegnungen anpassen Beim

fünften Modelltyp Prozessmodelle [causal process models] werden die Beziehungen

der Einzelkomponenten bzw der Einzelfaktoren interkultureller Kompetenz untereinander ausdrücklich aufgezeigt

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2.2.2.1 Byrams Modell interkultureller Kompetenz

Byrams Modell interkultureller Kompetenz (1997) ist im Kontext schulischen Fremdsprachenlernens wegweisend und wurde entsprechend breit rezipiert Es wurde für den Fremdsprachenunterricht entwickelt, passt aber auch allgemein zu pädagogischen Zielen der Persönlichkeitsentwicklung und der politischen Bildung bzw des globalen Lernens Laut Spitzberg und Changnon (2009, S.10) gehört es zu

den co-orientational models

Abbildung 1: Byrams Modell interkultureller Kompetenz (Byram, 1997, S 73)

Byram stellt interkulturelle Kompetenz als eine Konstruktion mehrerer eng verbundener Faktoren dar Seine Strukturierung interkultureller kommunikativer

Kompetenz in fünf Bereiche [savoirs] wurde in ihrer Form dem Gemeinsamen

europäischen Referenzrahmen (GeR) zugrunde gelegt Byram integriert

„interkulturelle Kompetenz“ als einen Baustein in sein übergeordnetes Konstrukt der interkulturellen kommunikativen Kompetenz, zu welcher er außerdem die linguistische und soziolinguistische Kompetenz sowie die Diskurskompetenz zählt

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D h Laut Byram beinhaltet interkulturelle kommunikative Kompetenz interkulturelle Kompetenz und kommunikative Kompetenz Zu kommunikativen Kompetenz gehören die linguistische Kompetenz, die soziolinguistische Kompetenz und die Diskurskompetenz

Kommunikative Kompetenz wird von Ulrich Zeuner nach einer Definition von Canale und Swain (1980) zusammengefasst und gliedert sich in folgende Bereiche:

 „grammatische Kompetenz, d h die Beherrschung von Wortschatz, Satzgrammatik, Wortbildungsregeln, Aussprache, Orthographie usw., also Elemente des sprachlichen Codes;

 soziolinguistische Kompetenz, d h wie Sprecher Äußerungen in unterschiedlichen situativen und kulturellen Kontexten produzieren und verstehen, wobei Faktoren wie der soziale Status der Gesprächsteilhaber, die Rollenverhältnisse zwischen ihnen, das Ziel der Interaktion und die Situationsangemessenheit der Äußerungen in Bedeutung und Form eine Rolle spielen

 Diskurskompetenz, d h wie Sprecher es schaffen, beim Sprechen und Verstehen grammatische Formen und Bedeutungen miteinander zu verbinden, damit Texte und Diskurse entstehen und

 strategische Kompetenz, also die Beherrschung derjenigen verbalen und nonverbalen Kommunikationsstrategien, die Sprecher verwenden, wenn die Kommunikation zwischen den am Gespräch Beteiligten zusammengebrochen ist, z B wegen mangelnder Kompetenz in einem der anderen Kompetenzgebiete.“ (Zeuner, 2009, zit nach House, 1996, S 36)

Das Lernziel der interkulturellen kommunikativen Kompetenz beinhaltet neben dem erfolgreichen Austausch von Informationen auch „den Aufbau und Erhalt interkultureller Beziehungen zwischen Menschen unterschiedlicher kultureller

Herkunft“ (Freitag-Hild, 2010, S 121) Damit wird ein Einheimischer [native

speaker] zu einem interkulturellen Menschen [intercultural speaker] Interkulturelle

Menschen sind Personen, die nicht in festen Normen denken, sondern die „sich

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flexibel mit wechselnden Situationen und Personen auseinandersetzen und die eigenen Positionen und Wissensbestände ggf [ ] hinterfragen und [ ] modifizieren oder auch [ ] revidieren“ (Schmenk, 2010, S 118)

Byrams Modell interkultureller Kompetenz umfasst die folgenden fünf

Komponenten: Wissen [knowlegde/ savoirs], Einstellungen und Haltungen [attitudes/

savoir être], die Fertigkeit/ Fähigkeit, Kulturen zu interpretieren und in einem

interkulturellen Zusammenhang zu verstehen [skills/ savoir comprendre], die Fertigkeit/ Fähigkeit, selbstständig Neues über andere Kulturen zu lernen [skills/

savoir apprendre/ faire], und zum Schluss ein kritisches Bewusstsein über die

Gesellschaft und deren Werte und Verhaltensweisen [education/ savoir s’engager]

Abbildung 2: Teilkompetenzen interkultureller Kompetenz (Byram, 1997, S 34)

Im Bereich attitudes/ savoir être fokussiert Byram (vgl Byram, 1997, S 34ff) die

Entwicklung von Einstellungen und Haltungen von Individuen Hierzu zählen Aspekte wie Neugierde, Offenheit und die Bereitschaft, eigene Überzeugungen zu relativieren: Man muss Neugierde auf Fremdes, Offenheit gegenüber der fremden Sprache, fremden Mitsprechern und fremden Kulturen haben Außerdem braucht man noch die Bereitschaft, sich auf fremde Situationen einzulassen und muss versuchen, sich in die den Anderen hineinzuversetzen, um die andere Lebensart zu verstehen und

zu akzeptieren Lehrende müssen hierzu passende Methoden für Schüler im Unterricht finden Sie können ein Assoziogramm (brainstorming) oder visuelle Materialien benutzen, um die Neugierde der Lernenden zu entwickeln Die Texte

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über das Leben von Schülern unterschiedlicher Kulturen oder solche, die von ausländischen Schülern geschrieben werden, sind auch gut für Schüler, um andere Kulturen besser zu verstehen

Eine weitere Komponente interkultureller Kompetenz in Byrams Modell ist Wissen

[knowlegde/ savoirs] (vgl Byram, 1997, S 51ff) Im Bereich Wissen geht es um

Kenntnisse über historische und zeitgenössische Ereignisse der Zielkultur, Kenntnisse über wirtschaftliche Beziehungen mit anderen Ländern, Kenntnisse über Tourismus, Geografie, Landeskunde usw., Kenntnisse über soziale Regeln, damit man unerwartete Missverständnisse vermeiden kann, wenn man mit Menschen der Zielkultur kommuniziert Es gilt also, die Unterschiede zwischen zwei Kulturen zu erkennen, nämlich soziale Unterschiede, Unterschiede in den Bereichen Schulsystem, Politik, usw Dabei geht es vor allem darum, wie die Angehörigen der zwei Kulturen übereinander denken und wie sie sich wahrnehmen Die gegenseitige Wahrnehmung beeinflusst dann die Kommunikation von Gesprächsteilnehmern, die aus zwei unterschiedlichen Kulturen kommen Um den Unterricht interessanter zu machen können Lehrende den Schülern Filme oder Videoclips über die Zielkultur zeigen, Stereotype oder Klischees sind auch ein gutes Thema im Unterricht In einer interkulturellen Kommunikation geschehen sehr oft Klischees (Vorurteile), d h man bewertet seinen Gesprächspartner schon dann, wenn man ihn noch nicht genau versteht Deshalb kann das die Kommunikation beeinflussen Wenn Lehrer diese Klischees vorher im Unterricht nennen und erklären, können die Lernenden sie verstehen und in der interkulturellen Kommunikation toleranter sein werden Die Vorurteile kann der Lehrer selbst von den Lernenden sammeln oder fragen, was die Lernenden über andere Nationen denken oder von ihnen erwarten

Die nächste Komponente ist skill of interpreting and relating (savoir comprendre) Byram beschreibt skill of interpreting and relating als die Fertigkeit/ Fähigkeit,

Dokumente und Ereignisse der anderen Kultur zu interpretieren (vgl Byram, 1997,

S 52) Durch den Vergleich mit den eigenkulturellen Erfahrungen werden die Missverständnisse vermieden und man kann auch die Unterschiede zwei Kulturen

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besser verstehen Die skills of interpreting and relating sind notwendig, um ein

spezielles Dokument oder eine Verhaltensweise verstehen und interpretieren können (vgl Byram, 1997, S 35ff) Schüler arbeiten mit authentischen Texten, sie analysieren und interpretieren, um einen Perspektivenwechsel zu erreichen Kreatives Schreiben kann auch eine gute Methode sein, z B Schüler schreiben selbst ein neues Ende für einen Roman oder einen Text Sie analysieren die Handlung im Text aus Sicht der unterschiedlichen Figuren oder simulieren die Situation im Text Am Ende erfahren die Schüler eine Situation aus verschiedenen kulturellen Gesichtspunkten

Der vierte Lernbereich skills of discovery and interaction lässt sich umschreiben mit

der Fertigkeit/ Fähigkeit, immer neue Kenntnisse zu erwerben, sowie Fähigkeiten zur Bewältigung realer Kommunikation und Interaktion einzusetzen (vgl Byram, 1997,

S 52f) Die folgenden Methoden können dabei helfen, diese Fähigkeit zu entwickeln: E-Mails unterschiedlicher kultureller Angehörigen vergleichen, Face-to-Face- und virtuelle Begegnungsprojekte, chatten, Schüleraustausch, ethnographische Beobachtungsaufgaben (Unterschiede zwischen unterschiedlicher Kulturen erkennen), kulturelle Missverständnisse erkennen und Lösungen finden, Critical Incidents

Der fünfte Lernbereich critical cultural awareness/ education/ savoir s’engager wird

definiert als die Fähigkeit zu einer kritischen Diskussion mit kulturellen Ansichten der eigenen und der fremden Kultur (vgl Byram, 1997, S 53f) Für Byram ist dieser Lernbereich zentral: „Das reflexive Moment, d.h also die Fähigkeit, die eigenen kulturellen Werte und Normen zu relativieren und kritisch zu hinterfragen, gehört für Byram zu den zentralen Fähigkeiten eines interkulturellen Sprechers“ (Freitag-Hild

2010, S 122)

2.2.2.2 Lernspirale „interkulturelle Kompetenz“

Deardorff definiert interkulturelle Kompetenz als „die Kompetenz, auf Grundlage bestimmter Haltungen und Einstellungen sowie besonderer Handlung- und Reflexionsfähigkeiten in interkulturellen Situationen effektiv und angemessen zu interagieren“ (Bertelsmann Stiftung, 2006, S 5, in Zusammenarbeit mit Deardoff)

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Der Ablauf interkultureller Prozesse kann durch eine Lernspirale besonders gut visualisiert werden Sie zeigt deutlich, dass es sich hier um einen fortwährenden Prozess handelt, der mehrere Dimensionen berührt und sich spiralförmig entwickelt Der Prozess betrifft die vier folgende Ebenen: 1 Motivation (Haltungen und Einstellungen), 2 Handlungskompetenz, 3 Reflexionskompetenz als interne und 4 Interaktionskompetenz als externe Wirkung

Abbildung 3: Lernspirale „interkultureller Kompetenz“ (Bertelsmann Stiftung 2006)

Der Aspekt Motivation umfasst die zwei folgenden Punkte: Wertschätzung von Vielfalt und Ambiguitätstoleranz Die Wertschätzung von Vielfalt wird als Offenheit für Neues und Respekt vor allen Kulturen verstanden (vgl Bertelsmann Stiftung,

2006, S 5) Außer den genannten Eigenschaften werden auch Neugierde und Entdeckergeist (Ambiguitätstoleranz) als Grundlage für interkulturelle Kompetenz

angesehen Die Haltungen und Einstellungen entsprechen den attitudes im Modell

von Byram (vgl Kapitel 2.2)

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Der Begriff Ambiguität stammt aus dem Lateinischen (lat ambiguitas = Doppelsinn) und bedeutet Mehrdeutigkeit Ambiguitätstoleranz bezeichnet dabei vereinfacht die Fähigkeit, „Vieldeutigkeit und Unsicherheit zur Kenntnis zu nehmen und ertragen zu können“ (Häcker/Stapf 2004, S 33)

Die Handlungskompetenz lässt sich folgendermaßen umschreiben: umfassendes kulturelles Wissen, Kommunikationsfähigkeit und Konfliktlösungsfähigkeit Diesem

Aspekt entsprechen in Byrams Modell Merkmale der zwei Komponenten knowlegde und skills of discovery and interaction (vgl Kapitel 2.2)

Zur Reflexionskompetenz gehören Empathiefähigkeit sowie die Relativierung von Referenzrahmen Um die Reflexionskompetenz zu verstehen muss man zuerst nochmals die Definition interkultureller Kompetenz schauen, die von Bertelsmann Stiftung und Fondazione Cariplo gegeben wurden (vgl Kapitel 2.1) „Das bedeutet auf der einen Seite, dass die eigene kulturelle Weltsicht und Lebensweise nicht absolut gesetzt, sondern reflektiert wird und dass ein so genannter kulturell relativistischer Blickwinkel eingenommen wird Auf der anderen Seite kann diese Reflexion zu einer neuen, emotionalen Bewertung fremder Kommunikations- und Kooperationsformen, anderer Weltsichten, Lebensweisen, Normen und Werte führen, so dass kulturell Neues auf der kognitiven und emotionalen Ebene akzeptiert und Ablehnung, Verteidigung oder Angst vor dem Fremden vermindert werden Dies ist die Voraussetzung für die Entwicklung von Empathie und für das Vermögen, die Aspekte, die auf der emotionalen und kognitiven Ebene als fremde Verhaltensweise wahrgenommen werden, in das eigene Verhaltensrepertoire oder Handlungspotential aufzunehmen.“ (Bertelsmann Stiftung und Fondazione Cariplo, 2008, S 11)

Der amerikanische Kulturanthropologe Edward T Hall (1950) betonte, dass „das vermittelte Wissen über fremde Kulturen nicht ausreicht, wenn man nicht im Stande ist, seine eigene kulturelle Herkunft zu reflektieren.“ (vgl Otten 2009, S 45, zit nach Matthias Faß, 2014, S 7) „Reflexionskompetenz beinhaltet, dass die eigenen Ansichten und Einstellungen zu hinterfragen (reflektieren) und nicht als allein geltend und gesetzt zu sehen sind“ (Boecker 2010, zit nach Faß 2014, S 7) „Auf die

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eigene Kultur bezogen bedeutet dies, wie bei den kognitiven Kompetenzen beschrieben, sich nicht nur mit subkultureller Fremdheit zu beschäftigen, sondern auch normale, alltägliche Situationen kritisch zu beäugen und damit zu reflektieren“ (Zenk 2011, zit nach Faß 2014, S 7)

Der letzte Aspekt ist die konstruktive Interaktion, die Vermeidung von Regelverletzungen und Zielerreichung umfasst „Interkulturelle Kompetenz im hier

verstandenen Sinne führt als externes Ergebnis zu konstruktiver, weil angemessener und effektiver Kommunikation der beteiligten Akteure in interkulturellen

Situationen.“ (Bertelsmann Stiftung und Fondazione Cariplo, 2008, S 8)

„Angemessene Interaktion heißt, dass zentrale Aspekte der kulturellen Identität,

maßgebliche Einstellungen und Normen, die von den Beteiligten als positiv bewertet werden, (bewusst oder unbewusst) nicht soweit verletzt werden, dass die wechselseitige Anerkennung gefährdet und gravierende Disharmonien erzeugt werden Positiv gewendet bedeutet dies, dass Menschen jene Symbole verwenden und Verhaltensweisen zeigen, die im gegebenen Kontext erwartet werden.“ (Bertelsmann Stiftung und Fondazione Cariplo, 2008, S 8)

Dies ist so zu verstehen, dass man sich selbst dann, wenn man interkulturelle Kompetenz besitzt, nicht völlig sicher sein kann, dass man frei von sozialen Konflikten bleibt Trotzdem können sich Menschen unterschiedlicher Kulturen vielleicht sensibler wahrnehmen, und sich gut handeln „In diesem Sinne schließt interkulturelle Kompetenz die Fähigkeit ein, mögliche und tatsächliche Konflikte in einem frühen Stadium der Interaktion zu erkennen und konstruktiv mit ihnen umzugehen.“ (Bertelsmann Stiftung und Fondazione Cariplo, 2008, S 8)

Die Definition von effektiver Kommunikation lautet: „Eine effektive Interaktion

impliziert, dass die Agierenden ihre positiv bewerteten individuellen und kollektiven, verhandelten und/oder relationalen Ziele tatsächlich erreichen.“ (Bertelsmann Stiftung und Fondazione Cariplo, 2008, S 8) Das wird schon sehr deutlich von Bertelsmann Stiftung erklärt: „In Bezug auf das Kriterium der effektiven Interaktion sollte darauf hingewiesen werden, dass es interkulturelle Kompetenz dem Bereich

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zweckorientierten, rationalen Handelns zuordnet An zahlreichen Beispielen aus unserem Alltagsleben ist jedoch erkennbar, dass unsere Handlungen nicht immer auf das Erreichen persönlicher Ziele ausgerichtet sind bzw einer aufgabenbezogenen Bestimmung entsprechen Zum Beispiel kann Zufriedenheit in einer Beziehung ein gemeinsames Ziel sein, dass man versucht, durch Kommunikation mit anderen zu erreichen.“ (Bertelsmann Stiftung und Fondazione Cariplo, 2008, S 8)

Durch die Abbildung oben kann man deutlich sehen, dass jede interkulturelle Interaktion wieder auf die zugrunde liegende Kompetenzen und Haltungen zurückwirkt

2.2.2.3 Listenmodelle interkultureller Kompetenz

Obwohl viele unterschiedliche Modelle dargestellt wurden, hat sich wegen der Multidisziplinarität sowie der fundamentalen Uneinigkeit in der Definition von interkultureller Kompetenz „bislang kein Modell als unisono akzeptiertes“ durchsetzen können (vgl Bolten 2006, S 63) Die meisten Modelle beinhalten psychologische Aspekte, Weltwissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten der Menschen und aus diesem Grund lassen sie sich auch nicht kurz und knapp beschreiben Laut Bolten umfasst interkulturelle Kompetenz drei Komponenten: die affektive/emotionale Dimension, die kognitive Dimension und die verhaltensbezogene/konative/praxische Dimension Beschreibungen der drei Komponenten finden sich in der nachfolgende Tabelle

Tabelle 2: Komponentenmodell interkultureller Kompetenz (nach Bolten 2006, S 63)

Kognitive Dimension Affektive/emotionale

Dimension

Verhaltensbezogene/ konative/praxische Dimension

Stress- Kommunikationswille und -bereitschaft i.S der initiierenden Praxis der Teilmerkmale der affektiven Dimension

Ngày đăng: 16/03/2021, 08:03

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