Überblick Die vorliegende Arbeit versteht sich als eine Untersuchung des Gebrauchs der erweiterten Nominalphrase in gesprochener und geschriebener Wissenschaftssprache.. Für eine vollstä
Trang 1NATIONALUNIVERSITÄT HANOI
FREMDSPRACHENHOCHSCHULE FAKULTÄT POST-GRADUIERTE
NGUYỄN THÙY LINH
GEBRAUCH DER ERWEITERTEN NOMINALPHRASEN IN
GESPROCHENER UND GESCHRIEBENER
Hanoi – 2018
Trang 2NATIONALUNIVERSITÄT HANOI
FREMDSPRACHENHOCHSCHULE FAKULTÄT POST-GRADUIERTE
NGUYỄN THÙY LINH
GEBRAUCH DER ERWEITERTEN NOMINALPHRASEN IN
GESPROCHENER UND GESCHRIEBENER
Hanoi – 2018
Trang 3Erklärung
Hiermit erkläre ich an Eides statt, dass ich vorliegende Diplomarbeit selbstständig angefertigt und keine andere Literatur als die angegebenen benutzt habe Alle Stellen, die wörtlich oder sinngemäß aus Veröffentlichungen oder anderen Quellen entnommen sind, sind als solche kenntlich gemacht
Ort, Datum Unterschrift
Trang 4Danksagung
An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei allen bedanken, die mich bei der Anfertigung dieser Arbeit in den vergangenen Monaten mit Rat und Tat unterstützt haben
Meiner Gutachterin, Dr Dang, Thi Thu Hien, danke ich für ihre vielfältigen thematischen Anregungen und für die wissenschaftliche Unterstützung
Auch Dr Le TuyetNga, Dr Le HoaiAn sei für ihre konstruktiven Vorschläge gedankt
Dr Fandrych und den KollegInnen am Herder-Institut (Universität Leipzig) danke ich für die wertvolle Unterstützung während meines wissenschaftlichen Aufenthalts in Deutschland
Meinen FreundInnen und KollegInnen danke ich herzlich für die Hilfe bei der Materialienrecherche, das kritische Korrekturlesen der Arbeit und ihren konstruktiven Vorschläge
Mein ganz besonderer Dank gilt abschließend meinen Eltern, die mir stets helfend zur Seite standen
Trang 5Überblick
Die vorliegende Arbeit versteht sich als eine Untersuchung des Gebrauchs der erweiterten Nominalphrase in gesprochener und geschriebener Wissenschaftssprache Um der Forschungsfrage in der vorliegenden Arbeit nachzugehen, bedient sich die Arbeit der korpuslinguistischen Forschungsmethode
Die Theorie beruht auf die wissenschaftlicher Erklärung Heringersvon
Nominalphrasen unter dem Aspekt der Verständlichkeit (2001), nebenbei
auch auf dem theoretischen Konzept Webers des erweiterten Partizipialattributs(1971), das sehr eng mit erweiterten Nominalphrase verbunden ist Mündliche und schriftliche Wissenschaftsprache mit ihren spezifischen Merkmalen sind dabei ein wichtiges Thema in meiner Arbeit Nach den betrachteten theoretischen Teilen wird es dann beabsichtigt, anhand der Korpora die Parameter hinsichtlich der erweiterten Nominalphrase in beiden gesprochenen und geschriebenen Medienzu untersuchen
Trang 6Inhaltverzeichnis
Überblick
Abkürzungen
Abbildungen / Tabellen
I Einleitung 1
1.Forschungsgegenstand und Forschungsstand 1
2.Problemstellung und Zielsetzung 1
3.Methodisches Vorgehen, Aufbau und Datengrundlage der Arbeit 2
II.Theoretische Grundlagen zur Untersuchung der Nominalphrase 5
1.Nominalphrase 5
1.1.Struktur der Nominalphrase 5
1.2.Struktur von erweitertenNominalphrasen: 7
1.2.1.Linkserweiterung 7
1.2.2.Rechtserweiterungen 12
1.2.2.1 Nominale Attribute 12
1.2.2.1.1.Genitiv-Attribute 12
1.2.2.1.2.Präpositionalattribute 14
1.2.2.2.Relativsatz 20
2.Erweiterte Partizipialattribute 21
2.1.Zum Begriff„Attribut“ und zur Funktion von erweiterten Attributen 22 2.2.Was ist ein erweitertes Partizipialattribut? 26
2.3.Erweiterungen 27
2.3.1.Akkusativische Erweiterungen 28
2.3.1.1.Dativische Erweiterungen 28
2.3.2.Präpositionale Erweiterungen 29
2.3.3.Adverbiale Erweiterungen 29
Trang 72.4.Die komplexen Strukturen des erweiterten PA 32
2.4.1.Koordination der erweiterten PA 32
2.4.2.Koordination der Erweiterungen 34
2.4.3.Mehrgliederige Erweiterungen 35
2.4.4.Attribute der Erweiterngen 36
2.4.5.Verschachtelung von erweiterten PA 37
3.Nominalstil in der Wissenschaftssprache 40
3.1.“Ökonomie als ein Gebot der Wissenschaftssprache” 41
3.2.Erweiterte Nominalphrase als Merkmal der Wissenschaftssprache 43
3.3.Mündliche und schriftliche Wissenschaftsprache mit ihren spezifischen Merkmalen 44
III.Empirische Untersuchung 46
1.Methodisches Vorgehen 46
2 Ergebnisse 53
2.1 Häufigkeit und Umfang der erweiterten NP 53
2.2 Umfang der Erweitungen pro erweiterten Nominalgruppe 55
2.3 Attributhierarchie 57
2.4 Anzahl der erweiterten Partizipialattribute und der Relatisätze 62
2.5 Die strukturelle Komplexität von erw.PA in gesprochenen wissenschaftlichen Texten 66
3 Zusammenfassung 77
Quellenverzeichnis 84
Literaturverzeichnis 86 Anhang
Trang 8Abkürzungen
PA bzw
erw
Partizipialattribut beziehungsweise erweitert
NP
NG
PI PII wiss
ca
z.B
Nominalphrase Nominalgruppe Partizip Präsens Partizip Präteritum wissenschaftlich circa
zum Beispiel
Trang 9Abbildung / Tabelle Seite
Tabelle 1 relative Häufigkeit der erweiterten Nominalgruppe
wiss.Texte und der geschriebenen wiss Texte 62
Tabelle 7 relative Häufigkeit der erweiterten PA in
Abbildung 2 Attributtypen in den gesprochenen wiss
Tabelle 11 Die strukturelle Komplexität des erweiterten PA in
Tabelle 12 Die strukturelle Komplexität des erweiterten PA
Tabelle 13 Zusammenfasung des Gebrauchs des erweiterten
Tabelle 14 Zusammenfassung der Ergebnisse 78
Trang 10I Einleitung
1 Forschungsgegenstand und Forschungsstand
Im Rahmen meiner Masterarbeit beschäftige ich mich mit dem Nominalphrasen-Phänomen in gesprochener und geschriebener Wissenschaftssprache Für eine vollständige Beschreibung des Phänomens in gesprochener und geschriebener Wissenschaftssprache ist es darum notwendig, die Gegenstände einzeln, in erweiterten Nominalphrasen in der Wissenschaftssprache und die mündliche und schriftliche Wissenschaftsprache mit ihren spezifischen Merkmalen ausreichend zu berücksichtigen.Aber zuerst werden allgemeine Kenntnisse der Nominalphrase und ihre Struktur in dieser Arbeit betrachtet Eingehende Überlegungen zur empirischen Erfassung der oberen Forschungsgegenstände sind nach meinem Kenntnisstand kaum vorhanden Deswegen stelle ich einleitend die Untersuchungsgegenstände der vorliegenden Arbeit dar
2 Problemstellung und Zielsetzung
Dass der Nominalstil ein grammatisches Merkmal der deutschen Wissenschaftssprache darstellt, ist in der Forschungsliteratur mehrfach bestätigt (Eroms 2008, vgl Czicza/Hennig et al 2012, Czicza/Hennig 2011)
Es liegen allerdings erst wenige Arbeiten vor, die sich der Untersuchung der erweiterten Nominalphrase in gesprochener und geschriebener Wissenschaftssprache widmen
Viele Forschungsarbeiten beschränken sich lediglich auf die Erforschung des Gebrauchs der erweiterten Nominalphrase in geschriebenen Wissenschaftstexten Eine eingehende Untersuchung des Gebrauchs der
Trang 11erweiterten Nominalphrase in gesprochenen Wissenschaftstexten ist jedoch als ein klares Forschungsdesiderat anzusehen
Gesprochene Wissenschaftssprache und geschriebene Wissenschaftssprache besitzen unterschiedliche kommunikative Bedingungen und insofern sind syntaktische Strukturen gesprochener Äußerungen und geschriebener Äußerungen unterschiedlich (Koch/ Oesterreicher 1985) Es stellt sich infolgedessen die Frage, ob und inwiefern es Unterschiede im Gebrauch von erweiterten Nominalphrasen zwischen gesprochenen und geschriebenen wissenschaftlichen Texten gibt
Für eine vollständige Antwort auf diese Frage ist es daher notwendig, konkrete Untersuchungsparameter für den Vergleich der Verwendung dieser Konstruktion in den gesprochenen und geschriebenen Texten herauszuarbeiten Auf solche Untersuchungsparameter und die damit verbundenen Fragen und Desiderate werde ich während meiner Ausführungen hinweisen
3 Methodisches Vorgehen, Aufbau und Datengrundlage der Arbeit
Die Arbeit gliedert sich in drei Kapitel Im Kapitel I/Einleitung werden der Forschungsgegenstand, der Forschungsstand,die Problemstellung, die Zielsetzung, das methodische Vorgehen, der Aufbau und die Datengrundlage der Arbeit vorgestellt
Kapitel II stellt die theoretischen Grundlagen der Arbeit dar Den theoretischen Ausgang für methodische Überlegungen zur Erarbeitung der Fragen, die mit den genannten Zielen verbunden sind, bietet Heringers Theorie von Nominalphrasen unter dem Aspekt der Verständlichkeit (2001) Die Darstellung der Theorie erfolgt im ersten Teil des Kapitels In diesem Teil geht es grundsätzlich um die Definition, Funktion von Nominalphrasen
Trang 12und die Struktur von erweiterten Nominalphrasen Weiterhin kommen die Beschreibungen des komplexen Partizipialattributs in deutschen Grammatiken
im Teil 2 vor Es handelt sich hierbei um die theoretischen Konzepte in Bezug auf erweiterte Partizipialattribute Hierzu ist ein theoretisches Konzept erforderlich, das die komplexen Strukturen des erweiterten Partizipialattributsbeinhaltet Dieser Teil stützt sich hauptsächlich auf die Arbeit Webers (1971) Im dritten Teil dieses Kapitels wird der Nominalstil in der Wissenschaftssprache im Hinblick auf erweiterte Nominalphrasen untersucht Dieser Teil beschäftigt sich zuerst mit den kleineren Teilen:„Ökonomie als ein Gebot der Wissenschaftssprache“
(Teil 1) gefolgt von „Erweiterte Nominalphrase als Merkmal der Wissenschaftssprache“ (Teil 2) Da der Gegendstand der vorliegenden Arbeit den Gebrauch von Nominalphrasen in gesprochenen und geschriebenen wissenschaftlichen Texten ist, wird anschließend die Darstellung mündlicher und schriftlicher Wissenschaftsprache mit ihren spezifischen Merkmalen im letzten Teilvorgenommen (Teil 3)
Die empirische Untersuchung erfolgt in Kapitel III Es beginnt mit Überlegungen zum methodischen Vorgehen bei der Erfassung grammatischer Struktur der erweiterten Nominalphrase und der erweiterten Partizipialattribute (Teil 1) Wie noch gezeigt wird, werden die Analyseparameter herausgearbeitet (Teil 2) Dabei werden Überlegungen zur Anwendung der fesgelegten Parameter zur Ermittlung von erweiterten Nominalphrasen und von erweiterten Partizipialattributen durchgeführt Zur einer vollständigen Erfassung der Verwendung der erweiterten Nominalphrase, stelle ich gesprochene und geschriebene Korpora her und berücksichtige diese anschließend in der empirischen Untersuchung Die
Trang 13Forschungsanalyse von Korpusdaten basiert auf die Theorie im Kapitel II und die ausgearbeitete Zählweise der erweiterten Nominalphrase und des erweiterten Partizipialattributs im ersten Teil dieses Kapitels Der Korpus gesprochener wissenschaftlicher Texte und der Korpus geschriebener wissenschaftlicher Texte werden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt Eine ausführliche Darstellung der beiden Kopora befindet sich in meiner Arbeit im ersten Teil des dritten Kapitels Der letzte Teil des Kapitels gibt einen zusammenfassenden Überblick über die Ergebnisse der Untersuchung Es steht außer Frage, dass die oben genannte Gliederung der Arbeit ihrer Zielsetzung entsprechen soll
Trang 14II.Theoretische Grundlagen zur Untersuchung der Nominalphrase
Ziel des vorliegenden Kapitels ist es, ein theoretisches Konzept zur Untersuchung der Nominalphrase zu erarbeiten Dazu werden aus Webers Verständnis vom erweiterten Partizipialattribut und dessen komplexen Strukturen, die als nebenbei komplexe Einbettungen in die Nominalphrase betrachtet werden, abgeleitet (Teil 2) Da die vorliegende Arbeit die Komplexität der Nominalphrase in gesprochener und geschriebener Wissenschaftssprache untersucht, stellt sich die Frage, wie ein Nominalstil der Wissensschaftssprache durch erweiterte Nominalphrasen präzisiert werden kann Die Behandlung dieser Frage stellt den Gegenstand des dritten Teils dar
1.Nominalphrase
Im Duden-Wörterbuch (2009, S.797) weist Nominalphrase auf ein Substantiv, eine Substantivierung oder ein Pronomen hin Dieser Terminus wird darüber hinaus in der Arbeit Dürscheids (2010, S.67) „Substantiv- und Pronominalgruppen“ zusammengefasst, in der Arbeit von Fabricius-Hansens (2010,S.222)„Determinativphrase“, in Studien Pohls (2007, S.405)
„Substantivgruppe (SG)“ oder „nominalen Strukturen“ genannt
1.1.Struktur der Nominalphrase
Eine einfache Nominalphrase(NP) mit einem Substantiv als Kern1 hat folgende schematische Struktur:
1
Außer „Kern” verwendet Eisenberg (1998, S.239) in seiner Arbeit auch den Ausdruck „Kopf“ (nach Pohl
2007, S.405)
Trang 15Artikel Substantiv
Beispiel:(1) Die notwendige Änderung des Gesetzes
In der Nominalgruppe befinden sich neben Substantiven auch Pronomen, die als Kern angesehen werden Wenn der Kern der NPein Pronomen ist, kann nur die Rechtserweiterung berücksichtigt werden, weil das Pronomen die Bedeutung der Qualität (1.Frage) und der Identität (2.Frage) ausdrückt Der Bezug auf die erste (1) und zweite (2) Frage, wird im Folgenden erläutert:
Funktion von Linkserweiterung und Rechtserweiterung
Die Hauptfunktion von Nominalphrasen bezieht sich bei Heringer (2001, S.193) auf Referenzgegenstände der Kommunikation Um die Beziehung richtig zu begreifen, gibt eine NP die Antwort auf drei Fragen:
Die erste Frage bezieht sich auf die Qualität Von welcher Art ist der Gegenstandund welche Eigenschaften hat er?
Die zweite Frage ist hinsichtlich der Identität:
Welcher Gegenstand der jeweiligen Art ist gemeint?
Schließlich bezieht sich die dritte Frage auf die Quantität:
Wie viel Gegenstände der jeweiligen Art sind gemeint?
Die Linkserweiterung stellt den Übergangsbereich von der Identität über die Quantität zur Qualität her Die Rechtserweiterung vermittelt weitere Qualitäten Zusätzliche Aussagen können dem Satz hinzugefügt werden, wobei die Nominalstruktur als eine Gestalt der komprimierten Nominalphrase betrachtet wird, die im Teil 1.2 genau dargestellt wird
Trang 161.2.Struktur von erweitertenNominalphrasen:
1.2.1.Linkserweiterung
Wie in der oben dargestellten Struktur einer NP, kommen zwei Leerbereiche zwischen dem Artikel und dem Substantiv sowie bei dem nach dem Substantiv gebildeten Rahmen vor, die Heringer (2001) „Linkserweiterung“ und „Rechtserweiterung“ nennt
Allgemein wird der linke Bereich einer NPdurch einen relativ großen Besitz von attributiven Adjektiven, von Partizipialattributen, von weiteren Substantiven,die über die Erscheinung der Komposition verfügen, und von
Genitivattributen, die normalerweise nur bei Eigennamen besetzt sind:
Adjektiv:(2) Ein ruhiges Zimmer
Partizipialattribut:(3) Die vergangene Woche
Substantiv:(4) DasSchönheitsideal
Genitivattribut: (5) Klaras Haus
Im Rahmen meiner Arbeit werden insbesondere die Verwendungen der häufig frequentierten Formen in Betracht gezogen, welche das Adjektivattribut und das Partizipialattribut sind
Adjektive, Partizipien und wortgebildete Adjektive werden bei Heringer (2001, S.195f.) unter dem Begriff „attribute Adjektive“ behandelt Was für typische Eigenschaften und Merkmale ein Gegenstand besitzt und auch Wertungen darüber, wird„attribute Adjektive“ genannt Weber (1994, S.140)unterscheidet vier Formen der Linkenserweiterung, nämlich Adjektiv, Partizip I, Partizip II und Gerundiv/ Gerundivum
Adjektiv: (6) Der informative Vortrag
Partizip I: (7) Der kommende Urlaub
Partizip II: (8) Das eingesandte Manuskript
Gerundivum:(9) Die zu lösende Aufgabe
Trang 17Als adjektivische Attribute gebrauchte Partizipien und lexikalisierte Partizipien
Was Partizipien betrifft, unterscheidet Heringer (2001, S.196)zwei grammatische Möglichkeitenvon Partizipien: Eine Form der als adjektivische Attribute gebrauchten Partizipien und eine Form von Lexikalisierung, in der Partizipien
zu Adjektiven geworden sind, wie (sehr) bekannt, gewandt, beliebt, verliebt, verschieden, gesprenkelt usw Es ist zu beachten, manche Partizipien
verfügen über Zweideutigkeiten, wenn sie auf der einen Seite als Adjektiv gegründet sind und auf der anderen Seite Partizipialform des entsprechenden Verbs sind Sie verhalten sich von der Funktion her sowohl wie ein Adjektiv als auch wie ein Partizip Helbig/Buscha (1998, S.588) stellt in diesem Fall fest, dass die richtige Bedeutung von Partizipien aus dem Sinnzusammenhang erschloßen werden soll Nach der Untersuchung und der Auswertung von einem breit angelegten Korpus Webers (1971, S.213, nach Dang 2004, S.10) ist der Anteil lexikalisierter Partzipien klein und trägt ca 12% der durch einen adjektivischen Kern erweiterten Attribute bei
Die detailierte Erläuterung der Besonderheiten der lexikalisierten Partizipien
im Sinne von Weber (1971, S.159ff., nach Dang 2004, S.9) wird im Folgenden beschrieben:
Das Partizip verfügt über eine andere Valenzeigenschaft2 und andere Bedeutung als das entsprechende Verb
(9) Eine in vielen Bereichen des Lebens erfahrene Lehrerin
Die Lehrerin ist in vielen Bereichen des Lebens erfahren
*Eine Lehrerin erfährt in vielen Bereichen des Lebens
Trang 18(10) Einefür das Studium bedeutende Rolle
Eine Rolle ist für das Studium bedeutend
*Die Rolle bedeutet für das Studium
Die Erweiterung durch Graduierung oder durch Gradadverbien liegt im Bereich des Möglichen
(11) die markierteste Form
(12) wegen relativ entwickelter Flexionsmorphologie
Die Verbindung mit Angaben und Ergänzungen zu einem Kompositum ist berechtigt
(13) die kleinste bedeutungsunterscheidende Einheit
(14) von einem handgeschriebenen Lernerprodukt
(15) einer formfokussierten Steuerung vom Perfekt
Die Negation ist durch das Präfix „un-“ gekenzeichnet Diese Form der Lexikalisierung findet sich lediglich beim Partizip II :
(16) im ungesteuerten L2-Erwerb verschiedener Sprachen
(17) unmarkierte Kategorien
Wortgebildete Adjektive
Zu den attributiven Adjektiven gehören, wie oben schon erwähnt, wortgebildete Adjektive, die aus Ableitung und Komposition bestehen (Heringer 2001, S.195) Die wesentlichen Bildungsweisen sind Substantiv + Adjektiv, Verb + Adjektiv und besonders häufig Adjektiv + Adjektiv
(18)Adjektiv + Adjektiv:hochfrequenten(sehr hohe Schwingungszahl) (19)Substantiv + Adjektiv:blutrot (rot wie Blut)
(20)Verb + Adjektiv:lernfähig (kann lernen)
Trang 19Adjektivhäufungen
In der Wirklichkeit treten sehr häufig in den Leerbereich des Substantivs mehrere attributive Adjektive gleichzeitig ein, aber ihre Bedeutung ist nicht einfach zu erkennen Heringer (ebd S.197)unterscheidet bei solchen Adjektivhäufungen drei Fälle:
Adjektive zählen zu verschiedenen semantischen Kategorien und besetzen verschiedene Zonen Sie haben eine bestimmte Reihenfolge: Die referenzbezogenen Adjektive befinden sich weiter links, die charakterisierenden Adjektive stehen am weitesten rechts und die quantifizierenden Adjektive habeneine Sonderstellung (keine Flexion)
die genannten zwei wasserdichten Tasschenlampen
Gebrauchfrequenz der quantifizierenden Adjektive ist nach Herringer (ebd S.197) am höchsten Darüber hinaus sammelt der Autor Beispiele für die übrigen Arten Adjektiv:
Referenzbezogene
Adjektive
folgend, genannt, vorder, hinter, nebenstehend, letzter, angegeben, früher, derartig, ander, solch, sonstig, erst, zweit
Quantifizierende
Adjektive
gesamt, ganz, beide, wenig, viel, drei, vier, zahlreich, einzig, mehrere
Trang 20 die Verbindung zwischen Adjektiven kann mit oder ohne explizite Konjunktionen, getrennt durch ein Komma, vorkommen Die folgenden Belege sind im geschriebenen Korpus vorzufinden:
mit expliziten Konjunktionen:
(21)starke und schwache Formen- Text 3
(22)grundmopheme beziehungsweise lexikalische Morpheme- Text
3
ohne explizite Konjunktionen (durch Komma):
(23)sehr seltene, wahrscheinlich unbekannte Wörter- Text 5
(24)besondere, weniger häufig auftretende Beziehungen- Text 4
ohne explizite Konjunktionen und ohne Komma:
(25)eine weitere qualitative Analyse- Text 1
Eine Eigenschaft der meisten Adjektiveist Graduierung und Modifikation der Adjektivbedeutung:
Graduierungen werden durch grammatikalisierte Komparation und
auch zusätzliche Adverbien wie sehr, fast, allzu, geradezu, besonders, ungemein, ziemlich, überaus usw durchgeführt
(26)mehr bedingungsbezeichnende und einschränkende Relationen- Text 1 (27)eine nahezu identische Anzahl an Diskursmarkern- Text 1
(28)eine sehr hohe Validität- Text 5
Der Aspekt der Modifikation ist komplizierter: Adjektive können durch vorangestellte Adjektive modifiziert werden Die modifizierenden Adjektive sind nicht flektiert Bei der Modifikation handelt es sich um eine Unterordnung „Man darf sie nicht verwechseln mit Adjektivketten oder Adjektivkoordinationen, bei denen sich alle Adjektive auf das Substantiv beziehen“ (Heringer 2001, S.203) Die Modifikation, die von Heringer (ebd.)
Trang 21„dieses Ungetüm” genannt wird, ist als eine Erweiterung der Erweiterung betrachtet:
(29) die Analyse der linguistisch relevanten Aspekte von Argumentation- Text
in der Lage, die Referenz zu konkretisieren
Rechtserweiterung sind nach Heringer (2001, S.211) nominale Attribute, in denen es Genitiv-Attribute, Präposition-Attribute und Apposition (nicht häufig) gibt, und Relativsatz
1.2.2.1 Nominale Attribute
1.2.2.1.1.Genitiv-Attribute
Wie im Teil 1.2.1 beschrieben, können sich Genitiv-Attribute links von dem Kern in artikellosen Nominalphrasen befinden, vor allem bei Eigennamen, aber auch rechts von dem Kopf befinden Die folgenden Belege sind aus dem
geschriebenen Korpus:
(31) der Prozentsatz nicht-trochäischer Formen- Text 5
(32) die sprachliche Verwendung der formalen Eigenschaften der Argumentation- Text 1
Trang 22(33) Die Schreibung der Wörter und ihrer Bausteine, der Morpheme-
Text 4
und häufig nach festen präpositionalen Fügungen wie an Stelle, unter Einbeziehung, auf Grund, in Anbetracht, und nach Mengenangaben wie eine Menge, eine Gruppe, ein Teil, eine Auswahl, ein Stück usw.(Heringer 2001,
S.213f.)
(34) diese Stelle des Gedichtes
(35) der Gruppe der Kausalsätze
Die genitivischen Attribute bezeichnen nur die grammatische Eigenschaft Die semantische Eigenschaft wird je nach Kontext als Besitzverhältnis oder
Explikation interpretiert
(36) die Schulbücher des Schülers → der Schüler hat Schulbücher
→ Besitzverhältnis
(37) das Schreiben einer Seminararbeit→ Explikation
Das Genitiv-Attribut kann das versteckte Subjekt beim übergeordneten Verbalsubstantiv sein:
(38) die Beschreibung des Sprechers
→ [DerSprecher] beschreibt etwas
Es kann das versteckte Objekt beim übergeordneten Verbalsubstantiv sein:
(39) Die Wiedergabe des Phonems
→ Jemand gibt [das Phonem] wieder
(40) Die Überprüfung dieser Hypothese
→ Jemand überprüft [diese Hypothese]
Subjekt
Objekt
Objekt
Trang 23(41) Hinzufügen bestimmter onomasiologischer Merkmale
→ Jemand fügt [bestimmte onomasiologische Merkmale] hinzu
1.2.2.1.2.Präpositionalattribute
Hierfür lassen sich folgende Beispiele nennen:
(42) Ausfüllung unter Angabevon Gründen
(43) Diskussion über einige Grundlagenfür argumentative Texte
Es ist unbezweifelbar, dass dank des Vorhandenseins der Präpositionen die semantische Beziehungbei den präpositionalenAttributendeutlicher als die bei genitivischen Attributen zeigt Auffällig ist, dass die stark grammatisierte
Präposition von, die ähnlich wie ein Genitiv wirkt und zur Mehrdeutlichkeit
führen kann
(44) Das Schleifen von Rädern sollte vermieden werden
→ Die Räder schleifen
→ Jemand schleift die Räder
Dabei bedarf es in diesem Teil der Bestimmung der Präpositionalphrase als Attribut/ Präpositionalattribut und der Präpositionalphrase als selbstständiges Supplement3
Präpositionalphrasen verfügen über unterschiedliche Funktionen: Sie können die Rolle des selbstständigen Supplementsoder die Rolle des Attributs in einem Supplement spielen und dadurch wird der Bedeutungsunterschied dargestellt Die folgende Tabelle ist ein Vergleich zwischen Präpositionalphrase als selbstständiges Supplement und Präpositionalphrase als Attribut in einem Supplement(Heringer 2001, S.216f.), zum besseren Verständnis der Festlegung eines Präpositionalattributs:
3
Der Terminus „Supplement“ hängt mit freier Angabe zusammen (Graefen/ Liedke-Göbel 2008, S.185) Angaben sind Elemente, die als Zusatz im Satz gegeben oder weggelassen werden können und die als nicht notwendige Glieder angenommen (Schenkel 1792, 41ff., nach Dang 2004, S.15)
Objekt
Trang 24Bei der Untersuchung der Nominalphrase bewirkt ihre Betrachtung, mit mehren nominalen Attributen, auf Rezipienten des Deutschen offensichtlich viele Verständnisprobleme, denn man muss beim Hören und Lesen bestimmen, was das untergeordnete Substantiv unter vielen anderen Substantiven ist und welche die Zuordnung und die Unterordnung in einer mehren Attribute umfassenden Nominalphrase ist Diese haben nämlich unterschiedliche Bedeutungen Heringer (2001, S.220) unterscheidet zwei
Präpositionalphraseals
selbstständiges Supplement
Präpositionalphraseals Attribut in
einem Supplement
kann allein das Vorfeld besetzen
z.B.: [Für das einzelne Produkt] ist
Sorgfalt zu Beginn der Erntesaison
geboten (Präposition-Supplement)
Deutung: das Supplement
bezieht sich auf das Prädikat oder
den ganzen Satz
→ Es ist das Produkt, an dem Sorgfalt
zu Beginn der Erntesaison geboten ist
Deutung: Das Attribut bezieht
sich auf sein Bezugsnomen
→ Es ist die Erntesaison für das einzelne Produkt, in dem Sorgfalt geboten ist (Attribut-Deutung)
Trang 25Möglichkeiten: Die geschachtelte Unterordnung und die serielle Unterordnung Vergleicht man zwei Unterordnungsmöglichkeiten, ist die geschachtelte Unterordnung viel komplizierter als die serielle Unterordnung
wieder andere Erweiterungen: Besprechung enthält von dem Programm, von dem Programm enthält für die erste Klasse, für die erste Klasse enthält selbst wieder bei meiner Tochter
Aber zu den größten Zuordnungsschwierigkeiten gehört die Mischung beider oben aufgeführten Möglichkeiten nach Heringer (ebd.) Dadurch kann man beim Lesen oder Hören, wegen der Schwierigkeit beim Verstehen, die dann auch zu großen Zuordnungschwierigkeiten führt, schnell die Orientierung verlieren Dies lässt sich leicht durch das folgende Beispiel aus dem geschriebenen Korpus erklären:
Trang 26(47)
ein Vergleich [zwischen deutschsprachigen und chinesischsprachigen Fachtexten] [[in Bezug] [auf
formale Eigenschaften] [der Argumentation] [in der Wissenschaftssprache]]- Text 1
Wegen der großen Zuordnungsschwierigkeiten und der Schwierigkeit beim Verstehen gibt Heringer (ebd S.221) Tipps fürs Feststellen der Zugehörigkeit der Nominalphrasen in Attribut-Konstruktionen, damit man die Zuordnungen bei komplexen Rechtserweiterungen richtig bestimmen kann:
1 Man sollte auf den präpositionalen Anschluss des Substantives wie
Zusammenhang von , Einteilung in , Erfüllung durch , Sorgfaltspflicht für usw achten Das Vorhandensein von den Präpositionen hilft den Lesern
oder Hörern zu bestimmen, zu welchem Substantiv die untergeordnete Nominalphrase gehört Die folgenden Beispiele aus dem geschriebenen Korpus können dies verdeutlichen:
(48) erfolgte erhöhte Aufmerksamkeit [für lokale und individuelle Einflussfaktoren] [auf den wissenschaftlichen Schreibprozess] - Text 6 (49) detaillierten Annahmen [zur Realisierung] [von Textsorten] [durch Schreibende] - Text 6
(50) das Verhältnis [von Theorie und Empirie] - Text 1
(51) Verknüpfung [zwischen Claim und Prämisse auf der Satzebene] Text1
-(52) Unterschiede [zwischen arrivierten und jungen WissenschaftlerInnen] - Text 6
Trang 27(53) die gleiche Relation [zwischen einem Nukleus und mehreren Satelliten] - Text 6
Im Folgenden sind noch ein paar Beispiele über den präpositionalen Anschluß von Substantiven von Heringer (ebd S.223):
Bedingung
Trang 282 Man soll auf die semantische Kategorie des Attributs wie Zeitbezeichnung, Vorgangsbezeichnung, Zustandsbezeichnung, Gegenstandsbezeichnung, Personenbezeichnung achten Die jeweilige Deutung zeigt sich bei der Umformulierung in typischen ergänzbaren Verben
(54) Medikamente zur oralen Anwendung
→ Medikamente, die der oralen Anwendung dienen (Zweck)
(55) Der giftige Stoff in Abgasen
→ Der giftige Stoff, der sich in Abgasen befindet (Ort)
(56) das Gas aus dem Luftballon
→ das Gas, das aus dem Luftballon kommt (Herkunft/ Quelle)
(57) Kontrolle durch Umfrage
→ Kontrolle wird durch Umfrage durchgeführt (Instrument/ Mittel)
3 Attribut-Konstruktionen sind sehr selten durch andere Satzteileunterbrochen Komplement4 oder Supplement sind hingegen durch andere Satzteile unterbrochen
(58) Man renoviert endlich das alte Haus [am Marktplatz]
Das alte Haus [am Marktplatz] wird endlich renoviert
* Das alte Hauswird endlich [am Marktplatz] renoviert
(59) Relationen der Argumentation [auf der Satzebene] und Konsequenzen der Argumentation [auf der Textebene] werden analysiert
4
Der Terminus „Komplement“ hängt mit Ergänzung zusammen (Graefen/ Liedke-Göbel 2008, S.185) Ergänzungen sind Einheiten, die die vom Verb geöffneten Stellen besetzen und die als notwendige Glieder angenommen (Schenkel 1792, 41ff., zitiert nach Dang 2004, S.15)
Attribut
Trang 29Relationen der Argumentation werden [auf der Satzebene] analysiert und Konsequenzen der Argumentation werden [auf der Textebene] analysiert
1.2.2.2.Relativsatz
Relativsätze oder Nebensätze sind “Teile von Nominalphrase und grammatisch wie inhaltlich bezogen auf das Kernwort der Nominalphrase, sie sind satzförmige Rechtserweiterungen der Nominalphrase“ (Heringer ebd S.225) Aus dem geschriebenen Korpus sind zwei Beipsiele dafür:
(60) Stammformen sind in beiden Flexionsklassen die des Präsens und
des Präteritums, [dessen Vokal bei starken Verben umlautet: du st/sag-e-st, du kam-st/käm-e-st.]- Text 3
sag-(61) innerhalb des Sprachsystems eine graphische Ebene annehmen, die
in hierarchisch abgestuften Beziehungen zu den anderen Ebenen des Sprachsystems steht- Text 4
Neben den satzförmigen Attributen gibt es laut Heringer(ebd S.233) noch
W-Sätze, die als satzförmige Attribute mit wo, wohin, weshalb,wie, was
beginnen:
(62) Die Kleinstadt, wohin in umgezogen bin, gefällt mir sehr gut
(63) In dem letzten Monat, wo es der Wirtschaft gut ging, hat man die Renten weiter erhöht
(64) Man hat den alten Supermarkt umgebaut, worüber sich meine Eltern sehr aufgeregt haben
(65) Er rief gestern plötzlich an, was ich nie erwartet hatte
Im Vergleich zu anderen alternativen Attribut-Formen werden Relativsätze nach Heringer(ebd S.233) in Bezug auf Grammatik umständlicher gesehen
In der folgenden Tabelle wird eine Zusammenfassung sowie ein Vergleich zwischen Relativsätzen und Attributen gemacht:
Komplement
Komplement
Trang 30 sich entfernen können
auf Kongruenz achten
besser verständlich
z.B.: die Mengenlehre Kantors
implizite Formen
Nominalphrasen
eng beim Bezugswort bleiben
auf festen Anschluß achten
2.Erweiterte Partizipialattribute
Ein erweitertes Partizipialattribut befindet sich im Bereich zwischen dem Artikel und dem Substantiv5 und wird in Bezug auf die Grammatiksphänome wie Genus, Kasus und Nummerusmit dem Artikel und dem Nomen der Nominalphrase in Einklang gebracht Wegen dieser Übereinstimmung wird ein erweitertes Partizipialattribut zu der Nominalphrase zusammengeschnürt
„Der Zusammenhalt des Artikels, des Nomens und des Attributs innerhalb der Nominalphrase ist somit gesichert“ (Heringer 1995, S.225, zitiert nach Dang
2004, S.5) Ausschlaggebend kann dieses integrierte Vorfeld der Nominalphrase im Deutschen kompliziert strukturiert sein Deswegen soll diese Konstruktion ausführlich erläutert werden
Teil2 widmet sich den Fragen, was ein Attribut ist und was für Funktion ein erweitertes Attribut hat (Teil 2.1), was ein erweitertes Partizipialattribut ist (Teil 2.2) Welche Erweiterungen ein erweitertes Partizipialattribut nach Webers Theorie (1971, nach Dang 2004) besitzt, ist der Gegenstand des Teils
5
Jede Nominalphrase besteht aus einem Nomen als Kern und einem Artikel Der Bereich zwischen dem Kernnomen und dem Artikel wird als das Vorfeld und der nach dem Kernnomen als das Nachfeld bezeichnet (Engler 1996, S.603, nach Dang 2004, S.1)
Trang 312.3 Bei dem Kapitel handelt es sich um vier Erweiterungen: akkusativisch, dativisch, präpositional und adverbial In dem anschließenden Teil erfolgt die Ermittlung der komplexen Strukturen des erweiterten Partizipialattributs
2.1.Zum Begriff„Attribut“ und zur Funktion von erweiterten Attributen
In seiner Arbeit hat Schmidt (1996) festgehalten, dass Nominalphrase als eine komplexe syntaktische Struktur des Deutsches (im Vergleich mit anderen Sprachen) betrachtet wird, weil „bei zunehmender Komplexität von Nominalgruppen auch syntaktisch komplikative Strukturen (Attribuierungskomplikationen) entstehen können” (Schmidt 1996, S.173) Deswegen ist es notwendig, den Attributbegriff klar zu machen
Der Attributbegriff wird im Bereich der Grammatik unterschiedlich aufgefasst In den grammatischen Fachbegriffen, in grammis 2.0 vom Institut für Deutsche Sprache, wird der Begriff „Attribut“ wie folgt definiert: „Als Attribute bezeichnen wir alle Erweiterungen der minimalen (nicht weiter reduzierbaren) Nominalphrase“6
Eroms (2000, S.37) spricht von
„Formentypen“, die „unter den Satzgliedern liegt, genauer, die nominale Teile genauer bestimmen“ In diesem Zusammenhang stellt Burkhardt (2012, S.194) fest, dass der Attributbegriff „noch keine allgemein akzeptierte Definition gefunden“ hat Aber trotz allerAuseinandersetzungen besteht Übereinstimmung darüber, dass “die Beifügung zum Substantiv als Kern der Kategorie Attribut anzusehen ist“ (Burkhardt, ebd.) „Auch aus diesem Grunde ist die der Tradition folgende Konzeption der Attribute als
“adnominale Bestimmungen” (Paul 1975: 139ff., zitiert nach Burkhardt, ebd.) und als „Gliedteile in Nominalphrasen“ (Duden Grammatik 2009, S.800) Was die Funktion erweiterter Attribute anbelangt, so räumt Benes (1981, S.203, zitiert nach Kretzenbacher 1991, S.129) ein, dass „eine besonders
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http://hypermedia.ids-mannheim.de/call/public/termwb.ansicht?v_app=g&v_id=39&v_wort=Attribut (Zugriff: 15.4.2018)
Trang 32effektive Strategie textueller Kondensation [] die Attribution [ist], da das Attribut als ‚degradiertes Prädikat‟ aufgefaßt werden kann” Nach Burkhardt (2012, S.194) sind Attribute „als je nach den kommunikativen Erfordernissen freiwillig beigegebene Zutaten des Sprechers/Schreibers, die dazu dienen, die nominalen Kerne von Satzgliedern oder Satzgliedteilen zu spezifizieren und
zu konkretisieren“
Besonders strittig ist, ob außer Substantiven und Pronomen noch weitere Wortarten, wie zum Beispiel Adverbien oder Adjektive, von Attributen modifiziert werden können (Fuhrhop/Thierhoff2005, S.308, nach Schlömer
2014, S.1f.) Denn der Gegenstand der vorliegenden Arbeit sind die Nominalgruppen.Daher werden innerhalb einer Nominalphrase vorkommende Attribute als Erweiterungen von Nominalgruppen berücksichtigt
„Typisch für Wissenschaftstexte sind oft umfangeicher Nominalklammern, die sich häufig am „Kondensationskern” eines Verbalnomens (etwas seltener auch eines Adjektivnomens) als anteponierte oder postponierte Attributketten7anlagern” (Kretzerbacher 1991, S.129) Ihm zufolge könne eine Nominalphrase durch unterschiedliche Verschachtelungen von Attributen der linken Seite und der rechten Seite erweitert werden und somit zu einer Kette von beziehungsreichen Abhängigkeitsstrukturen führen
Eine postpoinierte Attributekette liegt im rechten Feld einer Nominalgruppe und ist nach Burkhardt (2012, S.196) möglich:
Trang 33(3) Ich komme am Samstag, am 24 April
(4) Der Papst als Oberhaupt der katholischen Kirche wandt sich an
Regierenden
Postnominales Genitivattribut:(5)die Zufriedenheit der Studentin dieser Uni
Präpositionalattribut:
- Präpositionalgefüge: (6) Die Mädchen in Müchen sind sehr schön
- Adverbien: (7) Das Seminar heute war langweilig
- Adverbien mit Satzteilkonjuntion: (8) Ein Seminar wie gesternfindet
nicht alle Tage satt
präpositionalobjektähnliches Attribut:
(9) die Hoffnung auf die große Liebe
(10) der Wunsch nach Frieden
(11) negativer Einfluss auf die Sitten und Gebräucher
(12) Absendung des Antrages an das Wohnungsamt
Trang 34Eine anteponierte Attributkette ist im linken Feld einer Nominalgruppe nach Burkhardt (2012, S.196) möglich:
adjektivisches Attribut:(18) der fleißige Student
pränominales Genitivattribut:(19) Herrn Schmidts Haus
Parttizipaltribut:(20) vier in der Nähe spielenden Kinder
(21) Die vor einem Woche stattgefundene Prüfung undGerundivattribut:(22) der hier vorzustellende Vorschlag
Aber “häufig steht in anteponierten Attributketten vor dem Kondensationskern ein Partizip oder Adjektiv” (Kretzerbacher 1991, S.129) und kann mit mehr als zwei Attributen in hierarchischen und auch parallelen Ordnung vermehrt werden „Bei der Erweiterung und Verbindung von anteponierten Attributketten entstehen allerdings schnell außerordentlich komplexe Gebilde, die syntaktisch nicht mehr einfach zu entschlüsseln sind (vgl ebd.: 204 und Schwanzer 1981: 226 f.)“ (zitiert nach Kretzerbacher
1991, S.129)
Eine Mischform findet sich bisher meines Wissens die Nominalgruppen, die sowohl Linksorientierung (pränukleare Attribute) als auch Rechtsorientierung (postnukleare Attribute) erfordern können Ergänzend ist hier aber „eine spezifische Strukturmöglichkeit, die das Deutsche von verschiedenen anderen europäischen Sprachen relativ deutlich unterscheidet: Die Möglichkeit, sowohl im pränuklearen, wie auch im postnuklearen Bereich noch Verschachtelungen einzufügen, die häufig in Form von erweiterten Partizipial- oder auch Adjektivphrasen auftreten“(Fandrych 2011, S.1) und darum lohnt es sich, die Erscheinung und die Rolle von kompliziert informativen Einbettungen in eine Attributskette zu untersuchen
Im Rahmen meiner Masterarbeit konzentriere ich mich nur auf ein effizientes Verfahren der textuellen Kondensation, nämlich erweiterte Partizipialattribute
Trang 352.2.Was ist ein erweitertes Partizipialattribut?
Das Partizipialattribut (PA) wird von Weber (1971, S.9, nach Dang 2004, S.4) als „Fügungen“ aufgefasst, in denen ein attributives Partizip durch Nominalphrasen, Präpositionalgefüge oder Adverbien erweitert wird
Jedes erweiterte Partizipialattribut besteht aus einem Partizip, das hier mit Weber (1971, S.149, nach Dang, ebd.) als Kern bezeichnet wird, und den hinzufügenden Teilen als Erweiterungen des erweiterten Partizipialattributs Eine im pränominalen Bereich ein erweitertes Partizipialattribut umfassende Nominalgruppe besitzt folgende Struktur:
Artikel Erweiterungen Partizip(Kern) Nomen
Was die Kerntypen anbelangt, werden in Dangs Forschungsarbeit (2015, S.3) die allgemeine Formen eines Partizipialattributs in gängigen Grammatiken des Deutschen erwähnt, wobei der Kern durch drei Formen des PA realisiert wird: Partizip I (PI), Partizip II (PII) und Gerundiv (auch Modalpartizip genannt)
Dafür lassen sich ein paar Beispiele nennen:
(23) Die in einem alten Keller gefundeneVase
(24) Die sich daran anschließende Diskussion
(25) Die schwer zu beantwortende Frage
Erweiterung Partizip
IIung
Erweiterung Erweiterung Partizip
Erweiterung Gerundiv
Trang 36Die Flexion attributiver Partizipien wird von Artikel und Nomen geregelt und dadurch wird die Attributivbeziehung zu dem übergeordneten Nomen kenntlich angezeigt
Was die Funktion eines PA betrifft, kommt eine wesentliche Aufgabe des Partizipialattributs in Fandrychs Arbeit (2011, S.7) zum Ausdruck: „Eine weitere wichtige Funktion (passivischer) erweiterter Partizipialattribute ist die Einbettung komplexerer Merkmale, die der intensiven Charakterisierung, manchmal auch der räumlichen oder anderweitigen Einordnung der Bezugsnomina dienen“
2.3.Erweiterungen
Die bisher wichtigste Arbeit, die sich mit erweiterten Attribut befasst, ist die von Weber (1971) Nach Weber (1971, S.150, nach Dang 2004, S.19) sind vier folgende formale Klassen von Ergänzung (E) oder Angaben (A)des
erweiterten Attributs zu unterscheiden:
E/A2: Akkusativische Erweiterungen
(26) Die oft das Angebot übersteigenden Nachfrage
E/A3: Dativische Erweiterungen
(27) Den ihr gebührenden Platz
E/A5: Präpositionale Erweiterungen
(28) Das von mir geschlossene Fenster
E/A0: Adverbiale Erweiterungen
(29) Das sofort ausströmende Gas
Neben der vier oben Erweiterungstypen stellt Weber (ebd S.196) noch zwei nur selten gebrauchte Erweiterungstypen: Gleichsetzungsakkusativ oder -nominativ und genitivische Erweiterungen vor
Trang 37Gleichsetzungsakkusativ: (30) Der mich einen Angeber schimpfende Mann Gleichsetzungsnominativ: (31) Mein Arzt gewordener Sohn
Genitivische Ergänzung: (32) Der der Genehmigung bedürfende
Krankenbesuch
Genitivische Angabe: (33) Das in einer Woche aufgebrauchte Geld
In den folgenden Abschnitten werden die vier wichtigsten Erweiterungstypen detailliert dargestellt Die Erklärung basiert auf den Darstellungen von Weber (ebd S.178ff., nach Dang 2004, S.20ff.) Zur Illustration der verschiedenen Erweiterungstypen sollen viele Beispiele und auch vielzählige Zitate aus dem geschriebenen Korpus für die eigene empirische Untersuchung entnommen werden
2.3.1.Akkusativische Erweiterungen
Akkusativische Ergänzungen treten nur vor dem Partizip I auf Reflexive und reziproke Pronomen vor dem Partizip I sind auch als akkusativische Ergänzungen mitgerechnet Die Akkusativergänzungen vor dem Adjektiv
beschreiben quantitative Beziehung
(34) im Vergleich mit muttersprachlich Spanisch sprechenden Studenten- Text 1
Akkusativangaben zeigen temporale Bedeutung:
(35) die den ganzen Tag beschlossene Tür
2.3.1.1.Dativische Erweiterungen
Dativergänzungen finden sich bei allen attributiven Kerntypen:
PI: (36) der meinem Vater gehörende Hubschrauber
PII: (37) Der dem Opfer gegenübergestellte vermeintliche Täter Gerundivum:(38) Der dem Kind zu verschenkende Laptop
Dativangaben existieren selten
Trang 382.3.2.Präpositionale Erweiterungen
Präpositionale Ergänzungen sind vor allen attributiven Kerntypen vorhanden:
PI: (39) Die vom Singularstamm abhängenden Faktoren- Text 5 PII: (40) der auf ein Visum verzichtete Mann
Gerundivum:(41) alle zu Taxifahrern auszubildenden Personen
Es ist zu bemerken, dass präpositionale Phrasen in Funktionsverbgefügen und
mit den Partikeln wie oder als gebildete Phrasen nach Weber (ebd 181, nach
Dang 2004, S.22) in präpositionale Ergänzungen mit einbezogen werden
- Funktionsverbgefüge:
(42) des zur Verfügung stehenden Raumes- Text 4
- Ergänzungen mit als:
(43) Den aktuell als gesichert geltenden Wissensbeständen- Text 2 (44) Dieser als morphematisches Prinzip bezeichnete Bezug- Text 4
Präpositionale Angaben kommen auch vor jedem Kern des erweiterten Attributs zum Vorschein
PI: (45) den auf ihrer Basis entstehenden Arbeiten- Text 6
PII:(46) den im Seminar gestellten Textsortenvorgaben- Text 6
Gerundivum:(47) dem im Folgenden vorzustellenden Experiment- Text 5
2.3.3.Adverbiale Erweiterungen
Adverbiale Erweiterungen sind Erweiterungen, die „unmittelbar vom Kern des erweiterten Attributs abhängen und die nicht mit Deklinationsmorphemen oder Präpositionen verbunden sind“ Weber (ebd 185, nach Dang 2004, S.23ff.) Weber unterscheidet drei Klassen adverbialer Ergänzungen und vier Klassen adverbialer Angaben
Trang 39Adverbiale Ergänzungen
Weber (ebd., nach Dang 2004, S.24) unterscheidet drei Gruppen von adverbialen Ergänzungen:
- Artergänzungen sind prädikative Adjektive, die von Verben wie werden,
scheinen oder machen, nennen abhängen
(48) Die lustiger gewordene Religionsstunde
- Deiktische und anaphorische Ergänzungen sind Pronominaladverbien,
die die gleiche syntaktische Rolle wie präpositionale Ergänzungen übernehmen Durch sie werden Gegenstände und Sachverhalte nicht direkt genannt, sondern „im Rahmen eines durch das jeweilige Sprechereignis gegebenen Bezugsystems“ gezeigt (Heger, zitiert nach Weber 1971, S.187, zitiert nach Dang 2004, S.24):
(49) den daraus resultierenden verschiedenen dominanten Textfunktionen- Text 6
(50) zwei einander nicht überlappenden Textteilen- Text 6
(51) die damit zusammenhängenden Kommunikationstechnik
- Selbstständige Gefügeteile sind „Präpositionalgefüge, die auch im Infinitiv
nicht mit dem Verb zusammengeschrieben werden und doch ohne eigene Gliedprägung sind„wie z.B zugute, zustande usw (Duden 1966, S.530, zitiert nach Weber 1971, S.187, zitiert nach Dang 2004, S.24)
(52) unmittelbar aufeinandertreffenden Schwa-Silben- Text 5
Adverbiale Angaben
- Artangaben sind Adverbien, die ein Merkmal des vom Prädikat
angegebenen Geschehens zeigen
(53) empirisch arbeitender Sprachwissenschaftler- Text1
(54) objektiv gegebene Faktoren- Text 6
Trang 40- Anaphorische und deiktische Angaben:
(55) Die so festgesetzte Norm- Text 4
(56) Die oben dargestellten deutschen Diskursmarker- Text 1
- Zeitangaben sind Adverbien, die „die Dauer, die Häufigkeit und die
Zeitstufe des vom Prädikat bezeichneten Sachverhalts angeben oder präzisieren.“ (Weber 1971, S.191, nach Dang 2004, S.24f.)
(57) die früher dominierende, stark phonographisch orientierte
Auffassung- Text 4
(58) des stets schwach flektierten Genitivs- Text 3
- Modalangaben bezeichnen die Einschätzung oder emotionale Einstellung
des Sprechenden, der im Verhalten mit dem vom Prädikat angegeben
Geschehen ist wie zum Beispielleider, vielleicht, sicher usw Mitgezählt wird auch das Negationspartikel nicht
(59) eine relativautonome sprachliche Systemkomponente mit eigener
Funktion und Struktur- Text 4
(60) ein eigentlich mündliches Produkt
(61) zweifellos enthält die deutsche Flexion sowohl beim Nomen als
auch beim Verrb zahlreiche irreguläre Formen und nicht motivierte
Flexionsklassen- Text 3
Neben den oben genannten adverbialen Ergänzungen und Angaben sind noch die Gradadverbien als adverbiale Erweiterungen betrachtet, obwohl sie weder Angaben noch Ergänzungen sind Weber (1971, S.194, nach Dang 2004, S 25) definiert sie als Adverbien, „die von Adjektiven abhängig sind, unmittelbar vor diesen stehen, keinen Gliedwert haben und nicht permutiert werden können.“