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eBook psychologie psychiatrie auszug der psychotherapeut verlag 2000 die behandlung von borderline personlichkeitsstorungen

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Die haltende Funktion des Teams hingegen dient der Herstellung einer von vornherein nicht traumatisierenden Um-gebung … ,in der dann die übermächtigen Ängste des Patienten gar nicht erst

Trang 1

Jochen Eckert1· Birger Dulz2· Corinna Makowski2

1Psychologisches Institut III der Universität Hamburg

2Klinikum Nord/Ochzenzoll, 4 Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie, Hamburg

Die Behandlung von Borderline-Persönlichkeits-störungen

„Nach anfänglichem Zögern wurde eine kurze Beschreibung der Borderline-Persön-lichkeitsstörung … schließlich doch noch einbezogen,auch hier in der Hoffnung,die Forschung zu stimulieren.“

Hinzuzufügen ist jedoch,dass über

kei-ne Persönlichkeitsstörung so umfang-reiche Forschungsergebnisse vorliegen, wie gerade zur Borderline-Störung

Frühe Arbeiten zur Borderline-Störung

Der Begriff („borderland“) wurde erst-malig von Hughes (1884) – deutlich vor der Prägung des Begriffes Schizophrenie durch Bleuler (1908) in einem Vortrag

im Jahre 1907 – erwähnt Schon Rosse (1890) verwendete „schwarz-weiß“ als Metapher zur Illustrierung der „border-land insanity“ und verwies auf deren fo-rensische Bedeutung,während Moore (1921) die Rolle von Angst bei „borderline mental states“ hervorhob Für die An-wendung einer modifizierten psycho-analytischen Behandlung bei „border-land neuroses and psychoses“ plädierte Clark (1919)

Freud selbst hat den Begriff Bor-derline nicht benutzt,nahm allerdings die Existenz von Grenz- und Mischfäl-len (1925) an,ohne damit aber Border-line-Störungen zu meinen Allerdings würden heute Freuds bzw Breuers (z.B Anna O.,Dora und Emmy v N.),aber auch Kraepelins Hysteriepatientinnen

Die Theorie der Borderline-Störung

Bereits 1681 beschrieb der englische Arzt Thomas Sydenham (1624–1689) in einem Brief an seinen Kollegen Wil-liam Cole hysterische Patientinnen und Patienten,die durch Launenhaf-tigkeit gekennzeichnet seien: Sie wür-den ohne jedes Maß jene lieben,die sie alsbald ohne jeden Grund hassen wür-den; die außerordentliche Aufregung des Geistes dieser Kranken entstünde aus plötzlichen Ausbrüchen von Wut, Schmerz,Angst sowie ähnlichen Emo-tionen (nach Veith 1965) Diese von Sy-denham so charakterisierten Patienten erinnern deutlich an Menschen mit ei-ner Borderline-Persönlichkeitsstörung

Von einer,wie es manchmal heißt,

„neumodischen Erscheinung“ kann

al-so hier nicht die Rede sein Vielmehr liegt die Vermutung nahe,dass es die Diagnose „Borderline“ auch deshalb so schwer hatte,von den Psychiatern ak-zeptiert zu werden,weil sie primär der psychoanalytischen Literatur ent-stammt und dem Grabenkrieg zwi-schen Psychiatrie und Psychoanalyse zum Opfer fiel; daneben spielten si-cherlich aber auch die Borderline-typi-schen Probleme in Therapie und Ge-genübertragung eine Rolle bei der

„schweren Geburt.“ Auch die ICD-10 spiegelt diese Aspekte wider Während die meisten Persönlichkeitsstörungen präzise beschrieben sind,wird die Bor-derline-Persönlichkeitsstörung nur dif-fus-pauschal skizziert; im Vorwort (WHO 1991,S 30) läßt sich die Ursache erahnen:

Übersicht

Psychotherapeut

2000 · 45:271–285 © Springer-Verlag 2000

Zusammenfassung

Bereits 1681 beklagte sich ein englischer

Arzt in einem Brief über Patienten, die ohne

jedes Maß jene lieben, die sie alsbald ohne

jeden Grund hassen würden.Weiterhin seien

plötzliche Ausbrüche von Wut, Schmerz,

Angst oder ähnlichen Emotionen zu

beob-achten

Mit dieser frühen Beschreibung typischer

Borderline-Symptome wird die Darstellung

der Entwicklung der Theorie der

Borderline-Störung von den Anfängen bis heute

einge-leitet.Vor diesem Hintergrund werden der

Stand der Diagnostik und die derzeit

wich-tigen Behandlungskonzepte umrissen, und

zwar die psychodynamischen,

verhaltens-therapeutischen und klientenzentrierten

Ansätze Es wird dargelegt, welche

Antwor-ten es auf die Frage gibt, was das

angemes-sene therapeutische Setting ist,

insbeson-dere mit Blick auf stationäre

Behandlungs-konzepte Die vorliegenden empirischen

Studien bestätigen die Wirksamkeit von

Psychotherapie bei Borderline-Störungen

Die geringe Zahl der Studien belegt aber

auch die Schwierigkeit der empirischen

For-schung in diesem Bereich Der

abschließen-de Ausblick in die Zukunft abschließen-der

Psychothera-pie der

Borderline-Persönlichkeitsstörun-gen prognostiziert eine weitere Zunahme

von Persönlichkeitsstörungen im Spektrum

psychiatrischer Erkrankungen und eine

zu-nehmende Differenzierung des

Behand-lungsangebots bzw Spezialisierung der

Be-handler

Schlüsselwörter

Borderline-Persönlichkeitsstörung ·

Psychotherapie · Wirksamkeit · Setting

Prof Dr Jochen Eckert Psychologisches Institut III der Universität Hamburg,Von-Melle-Park 5, 20146 Hamburg e-mail: jeckert@uni-hamburg.de &/fn-block:&bdy:

Redaktion

C Reimer, Gießen

B Strauß, Jena

Trang 2

J Eckert · B Dulz · C Makowski

The treatment of borderline personality

disorder

Summary

As early as 1681 a physician in England

com-plained already in a letter about patients

who were loving excessively, to hate

inten-sely those same persons soon after without

any obvious reason In addition, they showed

sudden outburts of rage, pain and similar

emotions.This early description of typical

borderline symptoms introduces the account

of the development of the theory of

border-line disorder from its beginnings until today

Before this background the stand of

diagnos-tics and the most important contemporary

treatment concepts such as the

psychody-namic,the behavioural and the client-centered

approaches are presented Answers to the

question, which the adequate therapeutic

setting could be for inpatient treatment

con-cepts, are suggested Present empirical

stu-dies confirm the efficacy of psychotherapy in

borderline disorders.The small number of

these studies shows, however, how difficult it

is to make empirical research in this field For

the future of the psychotherapy of

border-line disorders a further increase in personality

disorders and an increasing differentiation in

the treatment forms and in the

specializa-tion of therapeutic is predicted

Key words

Borderline personality disorder ·

Psychotherapy · Efficacy/efficiency · Setting

sen“ Brust der Mutter (paranoid-schi-zoide Position) Wut werde projiziert, wodurch paranoide Angst vor den bö-sen,vernichtenden Objekten entstehe, das gute Objekt hingegen werde introji-ziert Das Kind halte die guten und bö-sen Anteile durch Aufspaltung der Mut-ter in eine gute und böse Imago ge-trennt,um die ersteren vor den letzte-ren zu schützen Zu diesem Prozess sei insbesondere die projektive Identifizie-rung notwendig Erst in der depressi-ven Position sei die Wahrnehmung der Mutter als ganzes (gutes und böses) Ob-jekt möglich Wenn nun schmerzliche Erfahrungen erfolgten,regrediere das Kind in die paranoid-schizoide

Positi-on zur Vermeidung vPositi-on Ambivalenz und Schuldgefühlen

Die Entwicklung von spezifischen Abwehrmechanismen zur Abwehr von Angst

Winnicott (1978,1992,S 211) postulier-te,dass bei einer unzuverlässigen,nicht haltenden Mutter bzw Umwelt der Säug-ling spezifische Abwehrmechanismen entwickele,er sei „beschäftigt mit der doppelten Aufgabe,das wahre Selbst zu verbergen und sich den Forderungen

zu fügen,die die Welt … an es stellt.“ Dadurch bedingte Verzerrungen lägen bei Borderline-Patienten vor (1965, 1984),gegen die mit der fehlenden Er-fahrung eines Gehaltenwerdens ver-bundene Angst werde die Abwehr mit-tels Desintegration eingesetzt Die Funk-tion des Haltens sei auch für die Bor-derline-Therapie notwendig,zudem solle der Therapeut die tiefe Angst des Patienten kennen und verstehen Win-nicott führte einen „dritte(n) Bereich des menschlichen Lebens“ (1971,1995,

S 11) ein,einen zwischen Innen- und Au-ßenwelt angesiedelten Erlebensbereich

Die Störung des Individuations-prozesses als Grundlage der Borderline-Störung

Für Mahler (1975a,b) ist die Borderline-Störung das Resultat einer Borderline-Störung des Prozesses von Loslösung und Individua-tion in der Wiederannäherungsphase; als deren Folge müsse das Kind auf die Vorstellung von der eigenen Größe und auf die eigene Beteiligung an der All-macht der Eltern verzichten So

entstün-de einerseits Enttäuschung über und

(ebenso wie dessen Psychopathen) wahr-scheinlich zu einem großen Teil als Borderline-Patientinnen diagnostiziert werden (Dulz 2000a; Mentzos 1991;

Stone 1992) Die diagnostische Varianz der Hysterie in jener Zeit läßt sich an-hand von Freuds Schriften belegen: Die Namen seien „zwar alle im Gebrauch, aber ihr Inhalt ist unbestimmt und schwankend“ (1917,S 405) und es ließen sich verschiedene Formen der Hysterie wie „Abwehrhysterie“,„Hypnoidhyste-rie“ (1895,S 288f.) unterscheiden; als neuen und häufigen Typus gebe es die gemischten Neurosen (1898) Auch eine

„ungebundene Angst“ (heute: frei flot-tierende Angst) zählte Freud zu den Symptomen der Hysterie (1917,S 418)

Der „Frage der Grenzfälle“ nahm sich Reich (1925) an,der in „Der trieb-hafte Charakter“ eine nach heutiger Terminologie Borderline-Patientin be-schrieb Auch Fenichel (1931) erwähnte Grenzfälle,denen die „verschrobenen Psychopathen“ und Personen mit einem

„großen Rest von primitivem Narziß-mus“ zuzurechnen seien Deutsch (1934) ging hinsichtlich eines „Typus der Pseu-doaffektivität“ von unecht wirkenden

„Als Ob“-Individuen aus,die der „Inbe-griff der Charakterlosigkeit“ seien,und

„es lohnt der Mühe,diese Sonderlinge

… einzeln einer analytischen Betrach-tung zu unterziehen“,aber „die Wir-kung des analytischen Prozesses ist bei diesen Menschen gleich Null“ (S 325ff.)

Sterns (1938) umfassende und differen-zierte Schrift über die „border line group

of neuroses“ prägte bis heute alle nach-folgenden Ausführungen zur Diagno-stik und (modifiziert-psychoanalyti-scher) Therapie (einschl der Übertra-gung) der Borderline-Persönlichkeits-störung Schmideberg (1947) zog einen Vergleich zwischen Psychopathen und Borderline-Fällen,die weder neurotisch noch psychotisch und stabil in ihrer In-stabilität seien,Hoch und Polatin (1949) postulierten die pseudoneurotische Schizophrenie und Fromm-Reichmann (1954) zählte Borderline-Fälle zu ihren häufigsten Patienten

Die Zeit der Etablierung: Klein, Kernberg, Volkan und andere

Kleins (1946,1962) Theorie von der Teilwahrnehmung der Objekte,also von Teilobjektbeziehungen führte zur An-nahme der Existenz der „guten“ und

Trang 3

„bö-Hass auf die Mutter,andererseits aber

halte das Kind am Bild der guten,völlig

mit ihm verbundenen Mutter fest Das

Kind habe die Objektwelt permanent in

gut und böse aufgespalten und

vertei-dige so das gute Objekt gegen die

Ab-kömmlinge des Aggressionstriebs An

diesen Zustand sei der

Borderline-Pati-ent fixiert

Nach Masterson (1976,1992) – sich

beziehend auf Mahler – habe die Mutter

dem Patienten als Kind in der

Separati-ons- und Individuationsphase die Liebe

entzogen,was eine

Verlassenheitsdepres-sion auslöse Es geht also weniger um

das gute/böse,denn um das

belohnen-de/verlassende Objekt Das Kind

ver-leugne die Trennung und durchlaufe

nicht die Individuation In der

Behand-lung habe der Therapeut als reale

Per-son die Individuation des Patienten zu

unterstützen und ihn mit der

Verleug-nung der Destruktivität seines

patho-logischen Ich zu konfrontieren,damit

sich ein Real-Ich entwickeln könne Die

Durcharbeitung der

Verlassenheitsde-pression führe zur Umwandlung der

gespaltenen

Objektbeziehungs-Teilein-heiten in integrierte EinObjektbeziehungs-Teilein-heiten und des

gespaltenen in ein integriertes Ich

Das Konzept der

Borderline-Organisation

Insbesondere Mahlers

Objektbezie-hungsansatz,aber auch Freuds

Struk-turmodell,Ich-psychologische

Konzep-te und die Objektbeziehungstheorie

syn-thetisierte Kernberg (1967; 1978,1990)

Kernbergs Theorie zur Spaltung

wider-spricht aus Sicht der Säuglingsforschung

Dornes (1993,1995): Der Zustand der

Aufgespaltenheit von Selbst- und

Ob-jektrepräsentanzen werde nicht erst ab

18 Monaten durch Integration

überwun-den,sondern Selbstempfinden und

Ob-jektwahrnehmung seien schon in den

ersten Lebensmonaten einheitlich.Durch

diesen Einwand wird die

Borderline-Theorie Kernbergs nicht erschüttert,

die davon ausgeht,dass die sog

Border-line-Persönlichkeitsorganisation

zwi-schen einem höheren (neurotizwi-schen)

und einem niederen (psychotischen)

Funktionsniveau operiere Die Niveaus

unterschieden sich sowohl in der

Ab-wehr,Ich-Identitätsstörungsausprägung,

Objektbeziehungsgestaltung,Realitäts-prüfung sowie Übertragungsart als

auch in der Reaktion auf Deutungen

Rolle von Traumata bei der Entwicklung der Störungen: Schwer und schwerstge-störte Borderline-Patienten sind fast

al-le realtraumatisiert worden,ohne dass ein monokausaler Zusammenhang be-steht (Paris 2000) Dulz und Jensen (2000) fanden bei 82% der stationär be-handelten Borderline-Patienten körper-liche Misshandlung und/oder sexuellen Missbrauch,unter Einbeziehung schwe-rer Vernachlässigung stieg der Anteil auf 100% Die Daten legen den Schluss nahe,dass derartige Ereignisse um so häufiger und – jedenfalls im subjekti-ven Erleben des Betroffenen – um so drastischer stattgefunden haben,je schwerer die Borderline-Störung ist Die Fülle der inzwischen vorliegen-den empirischen Befunde zur Rolle von Traumatisierungen bei der Entwicklung von Persönlichkeits-Störungen führt auch

zu einer neuen Aktualität von Freuds sog Verführungstheorie (Dulz 2000a) Für Rohde-Dachser (1979,1995) ist die Borderline-Störung angesichts der massiven Kindheitstraumata eine Über-lebensstrategie Die Spaltung der Ob-jektbeziehungen betreffe die Beziehung

zu einem wichtigen Objekt der Kind-heit,das gehasst und gleichzeitig zum Überleben gebraucht wurde

Die Bedeutung von Spaltung und Spaltungsübertragung für die Borderline-Therapie

Von einer sechsstufigen Borderline-Therapie,die im Liegen durchgeführt werde und auf dogmatische Grenzset-zungen verzichte,geht seit Ende der 70er-Jahre Volkan (Volkan u Ast 1992) aus Zentral sei die Entwicklung einer Spaltungsübertragung,andere Formen der Übertragung könne der Patient nicht entwickeln Notwendig sei die therapeutische Regression,damit der Patient die Spaltung aus Abwehr aufge-ben und zur entwicklungsgemäßen Spaltung zurückkehren könne,wo-durch er lerne,Selbst- und Objektre-präsentanzen zu integrieren

Divergierende und integrierende theoretische Ansätze

Adler et al (1983,1994) sehen im Gegen-satz z.B zu Kernberg die Borderline-Störung nicht als diagnostische Entität und bevorzugen als Terminus „schwere sadomasochistische Charakterstörung.“

Insbesondere der Aggressionstrieb sei bei der Borderline-Persönlichkeitsorga-nisation ausgeprägt,die auf der oralen Stufe fixiert sei Das (sadistisch-rigide) Über-Ich sei nicht integriert In der Grenzsetzungen und Strukturierungen einschließenden Therapie seien die hoch-gradig verzerrten negativen Übertra-gungsanteile unverzüglich zu bearbei-ten,genetische Deutungen hingegen – jedenfalls anfangs – zu vermeiden Die interpretative Bearbeitung primitiver Abwehrvorgänge bzw der ihnen ent-sprechenden primitiven Objektbezie-hungen des Patienten stärke das Ich und führe zur Auflösung der Pathologie

Das Konzept des „Containers“

und der „haltenden Funktion“

Bion (1962) entwickelte Kleins Konzept der projektiven Identifizierung weiter als Beziehung zwischen Container (der Mutter) und Contained (das,was das Kind in die Mutter projiziert/verlagert, insbes seine namenlosen Ängste) Im Container gereinigt werde es dann mo-difiziert zurückgegeben In Bions Mo-dell geht es weniger darum,dass die Mutter versorgt,sondern mehr darum, dass sie denkt und versteht Das „Prin-zip Container“ wurde auch auf die the-rapeutische Situation angewendet Zur

„Konkurrenz“ von Bions Container und Winnicotts haltender Funktion meinen Dulz et al (2000,S 496):

„Beim Containing durch das Team geht es …

um die ‚Eliminierung‘ unerwünschter Teile des Selbst,um negative Affekte und hier ins-besondere um das Zentralsymptom der Angst als – wie wir heute wissen – Traumafolge,

um den Preis der projektiven Identifizie-rung mit dem ‚Container‘ (sprich Therapeu-ten) und somit letztlich um den Preis der Forderung nach dem Ausbau eines Borderli-ne-typischen und in der Therapie zu bear-beitenden und zu reduzierenden Abwehr-mechanismus Die haltende Funktion des Teams hingegen dient der Herstellung einer von vornherein nicht traumatisierenden Um-gebung … ,in der dann die übermächtigen Ängste des Patienten gar nicht erst ange-messen sind und … neue Erfahrungen mög-lich werden.“

Die Rolle des Traumas bei der Ausbildung einer Borderline-Störung

Eine wesentliche Ergänzung erfuhren die Theorien zur Ätiologie der Border-line-Störung durch den Nachweis der

Trang 4

Insbesondere existierten keine

spezifi-schen,allen Borderline-Patienten

ge-meinsame entwicklungsbedingte oder

strukturelle Probleme; zwischen

inten-siver Ambivalenz und Spaltung bestehe

kein Unterschied Wie bei allen,so habe

auch bei diesen Patienten die

Verdrän-gung einen entscheidenden Anteil an

der Abwehrstruktur In der Analyse seien

genetische Deutungen schon früh

fruchtbar als Mittel zur

Angstverminde-rung In Abgrenzung auch von

Master-son sei eine Konfrontation mit

regressi-vem Verhalten nicht zu empfehlen

Heigl-Evers et al (1993) verbinden

für ihre

psychoanalytisch-interaktio-nelle Methode u.a Techniken des

Ant-wortens,der Übernahme einer

Hilfs-Ich-Funktion und des Umgangs mit

Af-fekten Angestrebt werde eine

Verände-rung der

Borderline-Objektbeziehun-gen in Richtung auf triadische

Ganzob-jektbeziehungen

Dulz und Schneider (1995,1996)

in-tegrierten für ihren für die stationäre

Borderline-Psychotherapie

entwickel-ten Ansatz Elemente von Ferenczi

(Sym-pathie als Fundament der

therapeuti-schen Beziehung),Winnicott (haltende

Funktion) sowie von Kernberg

(techni-sche Neutralität); das flexible Setting sei

stets dem aktuellen Befinden des

Pati-enten anzupassen mit dem Ziel der

Be-arbeitung von Realtraumata in einer

haltenden,nicht-ängstigenden

Umge-bung durch ein multiprofessionelles

Team Nach Dulz und Schneider,aber

auch Hoffmann (2000) stellt also Angst

den Kernaffekt der Borderline-Störung

dar,für Kernberg (1997) hingegen Wut

und Hass (s hierzu weiter unten)

Diagnostik

Die Diagnose „Borderline-Störung“

wur-de lange Zeit als Verlegenheitsdiagnose

benutzt für Patienten,auf die keine der

klassischen psychiatrischen Diagnosen

zuzutreffen schien Das änderte sich erst

1980 mit der Aufnahme der Diagnose

Borderline-Persönlichkeitsstörung in die

3 Revision des Diagnostischen und

sta-tistischen Manuals psychischer

Störun-gen (DSM) und der Entwicklung

stan-dardisierter bzw halbstanstan-dardisierter

Interviews zur Prüfung der Diagnose

Wenn die

Borderline-Persönlich-keitsstörung auf der Ebene der

Psycho-pathologie diagnostiziert wird,z.B

an-hand von DSM-IV-Kriterien (APA 1994,

terschiedlichen Ergebnissen zu führen Zwischen dem Kernbergschen „Struk-turellen Interview“ und dem eher de-skriptiv konzipierten „Diagnostischen Interview für das Borderlinesyndrom“ (DIB) von Gunderson (1985) wurde eine diagnostische Übereinstimmung bei 71% der Fälle gefunden (Carr et al 1979; Kernberg et al 1981)

Das DIB zeichnet sich durch eine hohe Interraterreliabilität und interna-tionale Verbreitung aus Eine deutsche Übersetzung der revidierten Fassung des DIB findet sich bei Rohde-Dachser (1995,S 225ff.),Hinweise zur Anwen-dung bei Schödlbauer et al (1997)

Psychodynamische Therapiekonzepte

Wie bereits aus der Zusammenstellung der verschiedenen Konzepte der Bor-derline-Störung ersichtlich geworden ist,ergeben sich aus den Unterschieden

in den Auffassungen zur Ätiologie der Borderline-Störung entsprechend un-terschiedliche Therapiekonzepte Den-noch haben sich im Laufe der

Entwick-s unten),dann weist sie eine hohe Ko-morbiditätsrate auf,und zwar sowohl mit anderen Persönlichkeitsstörungen als auch mit anderen psychischen Stö-rungen auf der Achse I des DSM Nach Fiedler (1994,1995) ist die Komorbidität unter den Persönlichkeitsstörungen so hoch,dass es kaum eine persönlichkeits-gestörte Person gebe,die nicht die Kri-terien von mindestens zwei Persönlich-keitsstörungsbildern erfülle

Die Frage der Komorbidität stellt sich nicht,wenn die Diagnose im Kon-text eines psychoanalytischen Konzepts der Borderline-Persönlichkeitsstörung gestellt wird,weil dort,wie oben darge-stellt,die Störung als nosologische Ein-heit mit eigener Ätiologie aufgefaßt wird Die psychoanalytische Diagnostik stützt sich auch auf psychopathologi-sche Merkmale,viel stärker aber auf Strukturmerkmale,z.B auf das Ausmaß der Fähigkeit zur Realitätskontrolle Zur Erfassung dieser Strukturpathologie ent-wickelte Kernberg (1988,1991) das „Struk-turelle Interview“

Dennoch scheinen die beiden dia-gnostischen Zugänge nicht zu völlig

un-DSM-IV: Diagnostische Kriterien für 301.83 (F60.31) Borderline-Persönlichkeitsstörung

Ein tiefgreifendes Muster von Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen, im Selbstbild und in den Affekten sowie von deutlicher Impulsivität Der Beginn liegt im frühen Erwachsenenalter und manifestiert sich in den verschiedenen Lebensbereichen.

Mindestens 5 der folgenden Kriterien müssen erfüllt sein:

1 Verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden.

Beachte: Hier werden keine suizidalen oder selbstverletzenden Handlungen berücksichtigt,

die in Kriterium 5 enthalten sind.

2 Ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist.

3 Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahr-nehmung.

4 Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen (Geldausgaben, Sexualität, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren,„Fressanfälle“).

Beachte: Hier werden keine suizidalen oder selbstverletzenden Handlungen berücksichtigt,

die in Kriterium 5 enthalten sind.

5 Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverlet-zungsverhalten.

6 Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung (z.B hochgradige episodische Dysphorie, Reizbarkeit oder Angst, wobei diese Verstimmungen gewöhnlich einige Stunden und nur selten mehr als einige Tage andauern).

7 Chronische Gefühle von Leere.

8 Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren (z.B häufige Wutausbrüche, andauernde Wut, wiederholte körperliche Auseinandersetzungen).

9 Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.

Trang 5

lung Behandlungsprinzipien für die

Be-handlung von Patienten mit

Border-line-Persönlichkeitsstörungen

herausge-schält,deren Bedeutsamkeit von vielen

psychodynamisch orientierten

Psycho-therapeuten allgemein anerkannt wird

Eine erste Zusammenstellung dieser

therapeutischen Prinzipien geht auf

Rohde-Dachser (1979,1995) zurück Sie

wird ergänzt durch neu entwickelte

Be-handlungsakzente,z.B die

traumazen-trierte Psychotherapie (Reddemann u

Sachsse 2000),und solche,die sich im

stationären Rahmen bewährt haben

(vgl Dulz et al 2000)

Allgemeine Prinzipien des

thera-peutischen Settings bei ambulanter

und stationärer Borderline-Therapie

● Als oberstes Prinzip jeder

Border-line-Therapie wird ein variables

Set-ting angesehen,das den jeweiligen

Be-dürfnissen,Fähigkeiten und Grenzen

des Patienten angepaßt werden muss

● Persönliche Sympathie für den

Pati-enten (stationär: bei zumindest

eini-gen Teammitgliedern)

● Technische Neutralität (jedes

Team-mitglieds) als „väterliche“

Kompo-nente

● Haltende Funktion im Sinne

Win-nicotts (durch das gesamte Team) als

„mütterliche“ Komponente

● Das Agieren des Patienten ist zu

kon-trollieren und zu steuern,ggf durch

deutliche und eindeutige

Grenzset-zungen

● Der Patient sollte umfassend über die

Art seiner Erkrankung und das

ge-wählte Therapiesetting aufgeklärt

wer-den Dazu gehört die Erläuterung

we-sentlicher psychodynamischer

Annah-men über die Entstehung und

Auf-rechterhaltung der Störung sowie ggf

der Gründe für eine Medikation und

eine Aufklärung über Wirkungen und

Nebenwirkungen

Beispielsweise bedeutet es für viele

Pati-enten eine Entlastung,erklärt zu

bekom-men,dass sie unter Trennungen – und

sei-en es nur vorgestellte oder befürchtete –

sehr viel stärker als andere Menschen

lei-den und dass reale oder befürchtete

Tren-nungen häufig Auslöser für heftige

Sym-ptome darstellen,z.B ein Gefühl innerer

Leere auslösen Umgekehrt könnten sie

sich auch fragen,ob ihre plötzlich

aufge-tauchten Suizidgedanken nicht darauf

zu-rückzuführen seien,dass sie fürchten,von

Die positive Übertragung sollte nach Möglichkeit gefördert werden,damit die therapeutische Beziehung eine Stabilisierung erfährt – manchmal auch durch Parteiergreifung für den Patienten

Beispiel einer entsprechenden Therapeu-tenäußerung: „Sicherlich war Ihre Mutter

in der Zeit der Scheidung von Ihrem Vater sehr belastet und hatte gar nicht die Zeit, sich um Sie zu kümmern Dennoch sind Sie von ihr allein gelassen worden und ha-ben sehr darunter gelitten.“

● Eine positive Übertragung sollte nicht gedeutet werden; dieses kann zwar der Entlastung des Therapeuten die-nen,birgt aber die Gefahr eines Rück-zugs des Patienten,der – gewisser-maßen im „Gegenzug“ – seine (Pseu-do-)Autonomie stärken zu müssen meint: unter Umständen auch durch einen Therapieabbruch,der nicht sel-ten allein „Schutz“ vor einer nun doch aufgenommenen intensiven und durch die Deutung vor allem bewusst gewor-denen Beziehung (zum Therapeuten) bietet,sind doch enge Beziehungen bislang primär als traumatisierend und/oder unzuverlässig erlebt worden

● Abgespaltene und inner- wie außer-halb der Therapie agierte negative Übertragungen sollten erkannt und thematisiert werden,wobei es häufig günstig zu sein scheint,diese in der ersten Therapiephase zunächst zu to-lerieren,um dem Patienten das dann zwangsläufig erfolgende Anfluten der Angst bei abruptem Verlust der „be-währten“ Abwehrstrategie zu erspa-ren

● Die Bilder der frühen Bezugsperso-nen sollten mit dem Ziel entzerrt wer-den,dass diese dem Patienten

nun-mehr als Menschen mit Vorzügen und

Schwächen erscheinen (Entdämoni-sierung und Entideali(Entdämoni-sierung)

● Dem Patienten sollte nach Möglich-keit immer wieder bestätigt werden, dass er liebesfähig (und liebenswert) ist Die Verzerrungen,in denen sich seine Liebesbedürfnisse manifestie-ren,sollten bearbeitet und befriedi-gendere Möglichkeiten für die Ver-wirklichung dieser Bedürfnisse ge-funden werden

● Dem Patienten sollte ggf immer wie-der versichert werden,dass die tech-nische Neutralität des Therapeuten keine Ablehnung bedeutet

jemanden verlassen zu werden,den sie sehr mögen.

● In der Regel ist den ohnehin oft wech-selnden Symptomen weniger Auf-merksamkeit zu schenken als der Ich-Struktur und dem aus ihr resultieren-den Verhalten,insbesondere bezüg-lich der Gestaltung von Beziehungen

Allgemeine Prinzipien ambulanter und stationärer Borderline-Therapie

● Die am wenigsten konflikthaften Per-sönlichkeitsbereiche des Patienten werden eruiert,und auf diese erstreckt sich die therapeutische Arbeit in der ersten Therapiephase,um der Selbst-entwertung entgegenzuwirken Erst nach Ausbildung einer tragfähigen Be-ziehung und bereits fortgeschrittener Ich-Strukturierung werden die stärker mit Angst verbundenen Konfliktberei-che untersucht und bearbeitet – dies betrifft die Beziehung zwischen dem Patienten und seinen Eltern,aber auch einen sexuellen Missbrauch und kör-perliche Misshandlung

● Zu Beginn der Therapie sollten in Einzel- und Gruppensitzungen Schwei-gepausen alsbald unterbrochen wer-den Später entwickeln die Patienten mehr Frustrationstoleranz,aber auch dann sollte eine besonders andau-ernde Schweigepause nicht ununter-brochen bleiben,da ansonsten die Angst des Patienten zu- und seine Fä-higkeit zur Introspektion abnimmt

● Zur freien Assoziation wird in der Regel nicht aufgefordert Vielmehr werden die Mitteilungen und Asso-ziationen des Patienten in Richtung eines verbesserten Realitätsbezugs gesteuert Statt der freien Assoziation steht das oft von verzerrten Wahr-nehmungen bestimmte Verhalten des Patienten (bzgl Mitpatienten und Teammitgliedern) im Zentrum der Therapie

● In der Regel sollten keine geneti-schen Deutungen gegeben werden

Statt dessen sollten bevorzugt Deu-tungen vorgenommen werden,die sich insbesondere auf die Abwehr des Patienten beziehen und zu einem verbesserten Realitätsbezug des Pati-enten beitragen können

● Gegebenenfalls muss der Patient mit verleugneten Inhalten und Gefahren nachdrücklich konfrontiert werden

Trang 6

● Gegenübertragungsgefühle sollten

dem Patienten nach Möglichkeit

mit-geteilt,verzerrte Wahrnehmungen der

Person des Therapeuten korrigiert

werden (Heigl-Evers u Ott 1994) Dies

beinhaltet die Beantwortung von

Fra-gen,soweit sie nicht sehr persönliche

Bereiche betreffen und ebenso dem

Fortgang der Therapie dienen Der

Therapeut sollte sich,so Singer (1994,

S 834),als „reale Person“

präsentie-ren Zwischen seinem Verhalten dem

Patienten gegenüber und seinem

Den-ken und Fühlen sollte Kongruenz

be-stehen

● Die unbewusste

Identifikationsphan-tasie,nach der ein Patient häufig alle

seine Beziehungen gestaltet,sollte mit

dem Ziel herausgearbeitet werden,

die Fremdbestimmung durch eine

si-chere eigene Identität zu ersetzen;

hierdurch verlieren

Abwehrmechanis-men wie projektive Identifizierung,

primitive Idealisierung,Entwertung

und Omnipotenzgefühl an Bedeutung

● Bei der Bearbeitung realtraumatischer

Erlebnisse ist ein Investigieren zu

ver-meiden Statt dessen sollte stets das,

was der Patient berichtet,ernst

ge-nommen werden Das wesentliche

Kri-terium sind die subjektiven

Erinne-rungen des Patienten und die damit

verbundenen Gefühle Auch abstrus

erscheinende Berichte über

Trauma-tisierungen sollten nicht zu

Widerle-gungsversuchen und

Argumentatio-nen auf dem Boden eigener

Anschau-ungen Anlaß geben,sondern als

ver-schlüsselter Ausdruck früheren

Erle-bens angesehen werden Die

Trau-matherapie (s auch Reddemann u

Sachsse 2000) kann auch genetische

Deutungen und freies Assoziieren

be-inhalten Ein solches,den Patienten

sehr belastendes Vorgehen soll

Spe-zialisten vorbehalten bleiben,um den

Patienten (Induktion eines Suizids)

nicht zu gefährden

Natürlich sind nicht alle Interventionen

auf der Grundlage der aufgeführten

The-rapieprinzipien bei jedem Patienten und

zu jedem Zeitpunkt der Behandlung

sinnvoll Welche der Prinzipien das

the-rapeutische Handeln bestimmen sollte,

ist abhängig vom aktuellen Zustand des

Patienten („variables Setting“) Bei

ei-nem Borderline-Patienten mit

psycho-tischer Symptomatik beispielsweise

un-bewusste Identifikationsphantasien

her-Angstreduktion gelingt,wird der Bor-derline-Patient zur Aufnahme einer the-rapeutischen Beziehung in der Lage sein und eine Therapie durchhalten können, während der es zwangsläufig immer wieder zu einem Anfluten der Angst kommen wird Gerade um

Realtrauma-ta bearbeiten zu können,muss die Be-ziehung zwischen Therapeut und Pati-enten stabil und jedenfalls einigerma-ßen entängstigt sein

Die manualisierte psycho-dynamische Therapie der Borderline-Störung

Als eine neuere Entwicklung ist der Versuch zu erwähnen,die psychodyna-mische Therapie von Borderlinepati-enten als lern- und lehrbar zu manuali-sieren (Clarkin et al 1999; Dammann

et al 2000a) Mit diesem Schritt wird auch versucht,den Anforderungen der Psychotherapieforschung gerecht zu werden

Das Manual zur übertragungsfokus-sierten Psychotherapie (TFP=Transfer-ence Focused Psychotherapy) beschreibt wesentliche Elemente des therapeuti-schen Vorgehens,z.B Diagnostik,Be-stimmung von Therapiezielen,Merk-male des Therapieprozesses,Therapie-techniken (u.a Klärung,Konfrontation, Deutung),Therapiephasen (Kontrakt-phase,Eingangs-,Mittel- und Schluss-phase der Behandlung),Umgang mit besonderen Problemsituationen (z.B Suizidalität und Selbstverletzung,Ver-tragsbruch,Kontakt mit anderen The-rapeuten,Medikation,Telefonieren mit dem Therapeuten) Das Durchlaufen der Kontraktphase dient gerade auch der Beziehungsaufnahme,und die so entstandenen Verträge – das muß be-tont werden – sind gegenseitige Verein-barungen und also auch für die Thera-peuten bindend,die den Kontrakt mit ihrem Patienten nicht seltener als diese brechen

Sofern es möglich war,sind für

die-se einzelnen Elemente Regeln aufge-stellt worden,deren Umsetzung unter-schiedlich schwierig ist Eine einfache Regel lautet,dass bei längerer Abwesen-heit des Therapeuten,besonders im er-sten Behandlungsjahr,ein Ersatzthera-peut zur Verfügung stehen sollte Eine komplizierte Regel besteht in der kor-rekten Erfüllung der vier zentralen,auf-einander aufbauenden Therapieziele So

ausarbeiten zu wollen,brächte eine kon-traproduktive Überforderung und mög-licherweise eine Dekompensation mit sich

Welches Gewicht die einzelnen The-rapieprinzipien in einer Behandlung zu-gewiesen bekommen,hängt natürlich auch von dem therapietheoretischen Kontext ab,innerhalb dessen die Be-handlung erfolgt So spielt das Prinzip der haltenden Funktion im Sinne Win-nicotts in der übertragungsfokussier-ten Psychotherapie (s unübertragungsfokussier-ten) eine eher untergeordnete Rolle,in einer Gesprächs-psychotherapie (s unten) aber die zen-trale Unterschiedliche Auffassungen gibt

es auch zu der für die therapeutische Haltung (Gegenübertragung) relevan-ten Frage,ob Angst oder Aggression bzw

welche Beziehung zwischen beiden die zentrale Funktion in der Ausbildung der Psychodynamik und Symptomatik der Borderline-Störung haben (vgl

auch Biermann-Ratjen u Eckert 1999)

Zur Rolle der Angst

in der Borderline-Therapie

Auf der Grundlage therapeutischer Er-fahrungen im stationären Rahmen und

in Abgrenzung von der Kernbergschen Therapiekonzeption (Kernberg et al

1993) haben Dulz (2000b) und Hoff-mann (2000) die Reduktion der Angst von Borderline-Patienten zur Leitlinie therapeutischen Handelns erhoben Im Hinblick auf den therapeutischen Um-gang mit der Angst der Borderline-Pati-enten schließt sich Hoffmann (S 235) der Auffassung Mastersons (1976,1992) an:

„Die Kunst der Therapie basiert in einzigar-tiger Weise auf der Fähigkeit,während des ganzen Behandlungsverlaufs von Moment

zu Moment zu beurteilen,wieviel Konfron-tation der Patient aushalten kann,damit der Fortschritt anhält,ohne daß gleichzeitig

sei-ne Angst so ansteigt,daß die Behandlung abbrechen muß Es geht darum,die Tren-nungsangst gegen die Stärke der Übertra-gungsbeziehung zu titrieren.“

Auch Eagle (1988,S 175) postuliert,dass

in der Behandlung früher Traumata „die heilsamen therapeutischen Wirkungen nicht in erster Linie auf der Beseitigung von Entwicklungsdefiziten und struk-turellen Defekten beruhen,sondern dar-auf,daß sie die Auswirkungen der un-realistischen Ängste und ungelösten Konflikte abmildern…“ Erst wenn eine

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ist als Ziel 1 die Definition der

„domi-nierenden Objektbeziehung“ zu leisten

Diese Definition soll in vier Schritten

erfolgen Aber bereits der erste Schritt,

nämlich die Erfahrung zu tolerieren,

dass der Patient im Therapeuten

je-manden sieht,der voller

undurchsichti-ger und im Zweifel bösartiundurchsichti-ger Motive

steckt,kann für manche Therapeuten

eine zu hohe Hürde darstellen

Das Vorgehen stellt große

Anforde-rungen an Therapeuten und Patienten,

da es auf supportives Verhalten des

Thera-peuten,z.B Trost und

Ermutigung,ver-zichtet und vielmehr

versucht,Aggressi-vität und selbstschädigendes Verhalten

zum Fokus der Behandlung zu machen

Aus klinischer Sicht liegt die

An-nahme nahe,dass mit der TFP (aber

auch der DBT,hierzu s unten)

behan-delbare Borderline-Störungen – zu

nen-nen ist u.a die notwendige

Kontraktfä-higkeit – nicht zu schwer sein dürfen,

soll die Therapie erfolgreich

abgeschlos-sen werden können Die gerade

anlau-fende Beforschung der TFP wird

hof-fentlich dazu beitragen,auch die

weit-gehend offene Frage nach der Indikation

für diese Behandlung zu klären Die

Kla-ge über den ManKla-gel an empirisch

über-prüften Indikationskriterien gilt auch

für andere therapeutische

Behandlungs-ansätze

Wann ist welches

therapeutische Setting indiziert?

In der Praxis der psychodynamischen

Borderline-Therapie wurden in

Abhän-gigkeit von der Schwere der Störung

ver-schiedene therapeutische

Behandlungs-konzepte und Settings entwickelt (vgl

Kernberg et al 2000),die spezifische

Kenntnisse voraussetzen Dazu wurden

folgende Indikationsregeln aufgestellt:

● Borderline-Patienten mit ausreichend

stabiler Objektrepräsentanz und

Be-ziehungsfähigkeit sowie geringem

Im-pulskontrollverlust sollten nach

Mög-lichkeit ambulant behandelt werden

Das ambulante Setting sollte die

Mög-lichkeit einer stationären

Krisenbe-handlung mit einschließen,wobei sich

der dann zuständige Stationsarzt als

Teil eines umfassenderen

Behand-lungskonzepts für den Patienten

ver-stehen sollte,d.h ambulanter

Behand-ler und Stationsteam sollten eng

mit-einander kooperieren (Eckert 2000)

Fremdaggressivität so ausgeprägt ist und/oder die Symptomatik so ein-schränkend ist,dass ein Schutz erfor-derlich ist,der mit einer stationären Be-handlung eher als in einem ambulanten Setting gewährt werden kann (Janssen 2000)

Als allgemein anerkannt gilt die Erkenntnis,dass eine stationäre psy-chotherapeutische Behandlung von Pa-tienten mit einer Borderline-Persön-lichkeitsstörung nur in einem Rahmen möglich ist,der speziell auf die Behand-lung dieses Krankheitsbilds eingestellt ist Als wesentliche Bedingungen für

ei-ne stationäre Psychotherapie von Bor-derline-Patienten werden genannt:

● Ein Team von Mitarbeitern,die an der therapeutischen Arbeit mit diesen Patienten interessiert sind und über fundiertes Fachwissen verfügen,das sie in fallbezogener Supervisionsar-beit und kontinuierlicher theoreti-scher Fortbildung weiter ausbauen

● Eine hohe personelle Konstanz im Team und bei der Betreuung der Pati-enten Nach Möglichkeit sollte bei ei-ner notwendigen Verlegung eines Pa-tienten innerhalb der Klinik und auch bei einer Wiederaufnahme derselbe Therapeut zuständig sein Therapeu-tenwechsel können aufgrund der häu-fig mangelhaft ausgeprägten Fähig-keit der Patienten zur Objektreprä-sentanz die typischen Abwehrmecha-nismen beleben und die Störung

„nähren“

● Tägliche patientenbezogene Bespre-chungen („Fallkonferenzen“),so dass jedes Teammitglied jeden Patienten der Station und seinen derzeitigen Status kennt Die engmaschigen Be-sprechungen dienen auch dazu,Team-konflikte,z.B vor allem in Form von Spaltungstendenzen,frühzeitig zu er-kennen und zu bearbeiten

● Formulieren von Therapiezielen für jeden einzelnen Patienten sowie für das Team als „Konzeptbestandteil“

● Zum psychotherapeutischen Behand-lungsangebot einer Borderline-Station sollten neben verbaler Einzel- und Gruppentherapie nach Möglichkeit auch körpertherapeutische Einzel-und Gruppenarbeit gehören,da bei missbrauchten und/oder misshandel-ten Borderline-Patienmisshandel-ten regelmäßig schwere und schwerste Störungen des Körperschemas zu behandeln sind

Ich-strukturell schwer gestörte Bor-derline-Patienten,die folglich außer-ordentlich beziehungsgestört sind und Impulskontrollverluste erleiden, sollten zunächst stationär behandelt werden Auf dem Weg aus der statio-nären in die ambulante Behandlung

sollte nach Möglichkeit eine

speziali-sierte Tagesklinik liegen Wichtig ist

v.a.,dass sich die verschiedenen Be-handlungseinrichtungen als Teil nes Gesamtbehandlungsplanes für ei-nen Patienten verstehen Andernfalls würde die Störung kaschiert bzw u.U

manifestiert werden – aufgrund von Unzulänglichkeiten des Therapiekon-zepts

● Für besonders Ich-schwache Patienten wird eine primär strukturierte Thera-pie (ohne Deuten) mit soziotherapeuti-schen Hilfestellungen empfohlen

● Für delinquente Borderline-Patienten, z.B unter den Sexualstraftätern,sind spezielle Einrichtungen und spezielle Settings erforderlich (Pfäfflin 1997)

Ene empirische Überprüfung dieser Indikationsregeln steht noch aus Das gilt auch für die Beantwortung der Frage,für welche Patienten mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung eine Gruppenpsychotherapie (König u Krei-sche 2000) oder eine Familientherapie (Cierpka u Reich 2000) geeigneter ist als eine Einzelpsychotherapie

Generell ist zu beklagen,dass die Indikationsstellung ausschließlich an-hand der klinischen Erfahrung der The-rapeuten erfolgt bzw erfolgen muss, weil es bisher keine empirisch fundier-ten Indikationskriterien gibt Das hat zur Folge,dass Abbruchraten zwischen 17% und 67% (Dammann et al 2000b) berichtet werden,wobei die Abbruchra-ten im stationären Setting niedriger als

im ambulanten zu sein scheinen

Stationäre Psychotherapie

Die Gründe für eine stationäre

Aufnah-me von Patienten mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung in einer allge-meinpsychiatrischen Klinik sind v.a

Suizidalität und Suizidversuche,soziale Konflikte,Trennungserlebnisse,Depres-sion (Einsamkeit und Isolation) und nicht zuletzt psychotische Erlebnisse (Pfitzer et al 1990) Die Fortführung der stationären Behandlung ist v.a

dann indiziert,wenn die Selbst- oder

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(Dulz u Schneider 1995,1996; Dulz et

al 2000)

● Besteht die Notwendigkeit einer

zu-sätzlichen medikamentösen

Thera-pie,sollten nicht nur eine

ausführli-che Begründung der Maßnahme und

Hinweise über Wirkungen und

Ne-benwirkungen gegeben

werden,son-dern auch psychodynamische

Aspek-te der MedikamenAspek-tengabe

berücksich-tigt werden (Dulz 1997; Dulz u

Ma-kowski 1999)

Zur stationären Behandlung von

Bor-derline-Patienten ist kritisch

anzumer-ken,dass eine empirische Überprüfung

der Therapieprozesse und der

Thera-pieeffekte bisher kaum erfolgt ist In der

weiter unten aufgeführten

Übersichts-arbeit von Perry et al (1999),in der 15

methodisch vertretbare

Therapiestudi-en aus dTherapiestudi-en JahrTherapiestudi-en 1974–1998

Berück-sichtigung gefunden haben,findet sich

nur eine (Liberman u Eckman 1981)

aus dem stationären Bereich

Ein verhaltenstherapeutisches

Konzept

Aus der Verhaltenstherapie hat bisher

v.a ein Konzept zur Behandlung von

Borderline-Persönlichkeitsstörungen

Verbreitung – auch in Deutschland –

gefunden: Die im ambulanten Bereich

entwickelte Dialektisch-behaviorale

The-rapie (DBT) von Marsha Linehan (1987;

Linehan et al 1991) Der Ansatz ist dem

verhaltenstherapeutischen Paradigma

verpflichtet,im Bereich der

experimen-tellen Psychologie gefundene

Gesetz-mäßigkeiten der

Entwicklung,Aufrecht-erhaltung und Veränderung von

Ver-halten systematisch zu nutzen und die

Ergebnisse empirisch zu überprüfen

(Comtois et al 2000) Zum Einsatz

kom-men in erster Linie vier therapeutische

Strategien bzw

Interventionsmetho-den,die in der Regel miteinander

ver-knüpft werden:

1 Training von Kompetenzen: Es

be-inhaltet das Erlernen neuer

Verhal-tensweisen,den Ausbau bereits

vor-handener Fertigkeiten und die

Über-tragung neu erlernter

Verhaltenswei-sen auf geeignete Situationen

2 Exposition: Wird das vorhandene

Ver-mögen zu angemessenen

Verhaltens-weisen durch übermäßige

Emotio-nen (z.B Wut oder Angst) blockiert,

Gefühlen zu erleben; dauerhaftes Ver-mögen zur Lebensfreude) definiert wird

In dieser Zielsetzung unterscheidet sich die DBT nicht von der psychoanalyti-schen (Kernberg et al 1993) oder der klientenzentrierten (Eckert 2000) Bor-derline-Therapie Anders ist jedoch der Weg,den die DBT zur Erreichung die-ser Ziele einschlägt Auf dem Weg dort-hin werden vier Einzelziele unterschie-den,die aus dem spezifischen Störungs-bild von Borderline-Patienten abgelei-tet worden sind und in vier Therapie-stufen erreicht werden sollen:

1 Aufhebung fehlender Verhaltenskon-trolle: Die Bearbeitung erfolgt gestuft

in folgenden Bereichen:

I Reduktion suizidaler und selbstver-letzender Verhaltensweisen

II Reduktion von Verhaltensweisen,die

zu einem Therapieabbruch führen könnten

II Reduktion von Verhaltensweisen,wel-che die Lebensqualität beeinträchti-gen,z.B Drogenkonsum oder wie-derholte stationäre Behandlungen in kurzen Abständen

IV Ersatz fehlangepaßter durch ad-äquate Verhaltensweisen

V Erreichung individueller Therapie-ziele

2 Reduktion posttraumatischer Stress-reaktionen: Das Ziel ist,die Fähigkeit, Emotionen zu erleben und zu verarbei-ten,zu stärken Es wird eine Expositi-onstherapie durchgeführt,wie sie u.a Foa und Rothbaum (1998) vorgeschla-gen haben

3 Verbesserung der Fähigkeit,mit Le-bensproblemen umzugehen: Es geht bei diesem Schritt um Lebensprobleme, die nicht notwendigerweise die Funkti-onsfähigkeit des Patienten beeinträch-tigen,z.B geringes Selbstvertrauen in bestimmten Situationen Allgemeines Ziel dieser Behandlungsstufe ist die He-bung des Selbstwerts

4 Beschäftigung mit dem Gefühl der Unvollkommenheit: Ziel ist es,die Fä-higkeit zu dauerhafter Freude zu ver-bessern

Auf dem Weg zur Erreichung dieser vier Therapieziele geht es um: Steigerung der Kompetenzen,Verbesserung der Moti-vation,Hilfe bei der Verallgemeinerung gelernter Verhaltensänderungen,Struk-turierung des Umfeldes zur Unterstüt-zung therapeutischer Fortschritte

so-wird versucht,das dysfunktionale Ver-halten (z.B VermeidungsverVer-halten) durch eine Exposition zu behandeln

Der Patient wird den Auslösern die-ser Emotionen ausgesetzt

3 Notfallmanagement: Zum Notfallma-nagement wird dann gegriffen,wenn das Umfeld des Patienten dysfunktio-nale Verhaltensweisen verstärkt bzw

das Erlernen funktionaler Verhal-tensweisen verhindert

4 Kognitive Restrukturierung: Interven-tionen mit dem Ziel einer kognitiven Restrukturierung kommen dann zum Einsatz,wenn die Unfähigkeit eines Patienten,eine Veränderung vorzu-nehmen bzw aufrechtzuerhalten auf einem dysfunktionalen Denk- und Überzeugungsmuster beruht

Die Verhaltenstherapie der Borderline-Störung läßt sich am besten als komple-xes Netzwerk verschiedener therapeuti-scher Interventionen beschreiben,de-ren Vielzahl damit begründet wird,dass Borderline-Patienten in der Regel in meh-reren Bereichen gleichzeitig gestörtes Verhalten aufweisen Eine empirisch ge-sicherte Antwort auf die Frage,welche Intervention wann angebracht ist,steht noch aus In der therapeutischen Praxis versucht man durch eine Hierarchisie-rung der Therapieziele das Vorgehen zu strukturieren So haben die Behand-lung von Verhaltensweisen,die das Le-ben des Patienten gefährden oder die

zu einem vorzeitigen Abbruch der The-rapie führen können,stets Vorrang vor der Behandlung anderer Problemfelder

Nach Comtois et al (2000,S 575) kann der Verhaltenstherapeut,der die Dialektische Verhaltenstherapie bei der Behandlung von Borderline-Patienten einsetzt,verglichen werden mit „einem herausragenden Jazzmusiker,bei dem die technische Perfektion im Spiel auf seinem Instrument begleitet wird von einer Fähigkeit,spontan zu improvisie-ren,wenn sich sein Ensemble von dem ursprünglichen Notentext entfernt“

Behandlungsziele und -schritte

in der DBT

Die DBT hat das übergeordnete Thera-pieziel,dem Patienten ein „lebenswer-tes Leben“ zu ermöglichen,das (Com-tois et al 2000) in Form von vier Thera-piezielen (Verhaltenskontrolle; Selbst-achtung; Fähigkeit,ein Spektrum von

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wie Erweiterung der Fähigkeiten und

der Motivation des Therapeuten

(Com-tois et al 2000)

Behandlungsstrategien der DBT

Nicht alle in der DBT eingesetzten

Be-handlungsstrategien sind spezifisch für

die Behandlung von

Borderline-Patien-ten Einige von ihnen verdeutlichen,

warum das therapeutische Konzept

dia-lektisch genannt wird

1 Akzeptanzstrategien

Akzeptanz wird definiert als

„Wahr-Neh-mung der Realität und der eigenen

Stär-ken und Schwächen des Patienten durch

seine Umgebung und nicht

notwendi-gerweise als deren Bestätigung“

(Com-tois et al 2000,S 580)

Die DBT setzt zwei Strategien ein,

um die Akzeptanz des Therapeuten dem

Patienten zu kommunizieren:

„Bestäti-gung“ und „Achtsamkeit“

Bestätigung: „Bestätigung

kommuni-ziert dem Patienten in unzweideutiger

Weise,daß bestimmte

Gedanken,Ge-fühle und Verhaltensweisen sinnvoll

und vollkommen verstehbar sind Der

Therapeut akzeptiert in der

Dialektisch-behavioralen Verhaltenstherapie den

Patienten aktiv und kommuniziert diese

Akzeptanz dem Patienten“ (Comtois et

al 2000,S 580) Bestätigung habe

ver-schiedene Funktionen Die wohl

wich-tigste sei die Festigung der

Therapeut-Patient-Beziehung,sie diene aber auch

zur Erhöhung der Selbstbestätigung

und des Selbstbewußtseins In der DBT

werden sechs Ebenen der Bestätigung

unterschieden:

1 Ebene: Zuhören und Wahrnehmen

2 Ebene: Genaue Wiedergabe

3 Ebene: Artikulation des

Unausge-sprochenen

4 Ebene: Bestätigung bezogen auf die

zugrundeliegenden Ursachen

5 Ebene: Bestätigung bezogen auf die

aktuelle Situation und auf normale

Verhaltensweisen

6 Ebene: Radikale Echtheit

Achtsamkeit: Das Konzept der

Achtsam-keit basiert auf der asiatischen

Meditati-onstechnik des Zen,bei der eine Person

ihr eigenes Verhalten,einschließlich der

Gefühle und Gedanken,genau

beob-achtet Vermieden werden soll durch

echt als auch strategisch sein solle Die Beziehung soll zum einen unterstüt-zend sein,d.h Wärme,Schutz und Be-stätigung vermitteln,und zum anderen Verhaltensänderungen bewirken

Das Ziel der therapeutischen Be-ziehung in der DBT sei eine reale Bezie-hung mit allen ihr innewohnenden na-türlichen Einflussfaktoren: „In der Dia-lektisch-behavioralen Therapie wird

die-se strategische,aber dennoch echte Be-ziehung durch den Kommunikationsstil und durch eine schrittweise Priorität der therapeutischen Beziehung gegen-über anderen hergestellt“ (Comtois et

al 2000,S 590)

Die DBT setzt zwei Kommunikati-onsstile ein:

1 Reziproke Kommunikation mit dem Ziel,Akzeptanz zu stärken: Der The-rapeut betont aus einer zugewandten und verständnisvollen Position her-aus nach Möglichkeit die Gültigkeit dessen,was der Patient sagt

Rezipro-ke Kommunikation zeichnet sich da-durch aus,dass sich der Therapeut

„strategischer Selbstoffenbarungen“ bedient,z.B dem Patienten mitteilt, daß ihn das,was der Patient erlebt hat,auch betroffen macht,oder er läßt den Patienten wissen,dass er sich über dessen Bereitschaft,an einer Ex-positionsgruppe teilzunehmen,freue

2 Konfrontierende Schonungslosigkeit mit dem Ziel,Wandel zu unterstüt-zen: Der Therapeut nimmt bei die-sem Kommunikationsstil gegenüber dem Patienten eine Gegenposition ein:

Er reagiert sachlich und trocken,wenn der Patient intensive Gefühle zeigt, bzw er reagiert engagiert,wenn der Patient sachlich ist

Die Ziele dieses Vorgehens sind: die Aufmerksamkeit des Patienten zu ge-winnen,seine Affektlage zu verän-dern und ihn zu veranlassen,neue Perspektiven in der Problemsicht einzunehmen

Der Patient wird bei dieser Technik nicht „dort abgeholt,wo er sich

gera-de befingera-det“,songera-dern mit gera-den fehlen-den,d.h vom Patienten im Moment

„unterschlagenen“ Aspekten des Pro-blemverhaltens konfrontiert Dazu ein Beispiel für eine Therapeutenäu-ßerung: „Was meinen Sie damit,Sie wollen sich umbringen? Ich dachte, Sie hätten gesagt,dass Sie die Thera-pie nicht abbrechen wollen“ (Com-tois et al 2000,S 591)

diese Position,dass sich die Person von diesem Verhalten weder kontrollieren läßt,noch anstrebt,dieses zu kontrol-lieren

2 Änderungsstrategien Die in der DBT eingesetzten sieben Än-derungsstrategien (Aufklärung,Selbst- monitoring,Verhaltensanalyse/Lösungs-analyse und Fallbeschreibung,Kompe- tenztrainingsstrategien,Expositionsstra-tegien,Management von Einflussfakto-ren,Strategien der kognitiven Umstruk-turierung) werden auch in anderen haltenstherapien und kognitiven Ver-haltenstherapien eingesetzt und aus die-sem Grund hier nicht weiter erläutert

3 Dialektische Strategien Dialektische Strategien beruhen auf dem Prinzip,„scheinbare Gegensätze in der therapeutischen Beziehung und im Le-ben des Patienten aufzulösen“ (Com-tois et al 2000,S 588)

Dieses Prinzip wird für die Be-handlung von Borderline-Patienten als

in hohem Maße relevant angesehen, denn solche Strategien sollen helfen, deren Tendenz zu einer Abwehr durch Spaltung zu überwinden Die spaltende Abwehr führt bekanntlich dazu,dass die Borderline-Patienten das Selbst und die Objekte nach einem rigiden Entwe-der-Oder-Prinzip als „ganz gut“ oder

„ganz böse“ erleben – ohne Zwischen-töne,und ohne die Möglichkeit zu se-hen,dass sich gut und böse nicht ge-genseitig ausschließen

Der DBT-Therapeut weigert sich also,die Position eines „Entweder-Oder“

zu akzeptieren,sondern vertritt die

„Sowohl-Als-Auch“-Position In diesem Sinne könnte z.B eine scheinbar para-doxe Feststellung des DBT-Therapeu-ten lauDBT-Therapeu-ten: „Jeder Tag ist ein guter Tag und das Leben ist voller Leiden“ (Com-tois et al 2000,S 588)

Die therapeutische Beziehung

in der DBT

Wie in anderen Therapieverfahren auch, stelle die therapeutische Beziehung in der DBT einen wesentlichen Faktor der Therapie dar (Linehan 1993)

Die Besonderheit der therapeuti-schen Beziehung in einer DBT bestehe nun darin,dass diese Beziehung sowohl

Trang 10

Wann ist nun welche

Kommunikati-onstechnik therapeutisch günstig? Es

gilt die Regel: Beide

Kommunikati-onstechniken sollten jeweils prompt

und in einem ausgewogenen

Verhält-nis zueinander eingesetzt werden –

zuviel reziproke Kommunikation

füh-re zwar zu einer sichefüh-ren Bindung,

aber eine Entwicklung unterbleibe,

und zuviel konfrontierende

Scho-nungslosigkeit könne zwar viel

bewe-gen,berge aber die Gefahr,dass

Pati-enten sich nicht angenommen oder

verletzt fühlen mit der Folge eines

Behandlungsabbruchs Die von der

Dialektisch-behavioralen Therapie

an-gestrebte therapeutische Beziehung

zeichnet sich ferner dadurch aus,dass

sie vom Therapeuten „priorisiert“

wird,d.h die Beziehung des

Patien-ten zum TherapeuPatien-ten hat Vorrang vor

allen anderen Beziehungen des

Pati-enten Der Therapeut vermeidet es

nach Möglichkeit,auf die anderen

Be-ziehungen des Patienten außerhalb

der Therapie Einfluss zu nehmen

Diese Strategie basiert auf der

Ziel-vorstellung,dass die Patienten lernen

sollen,für ihre Beziehungen

selbstän-dig zu sorgen und eine aktive Rolle in

der Gestaltung von Beziehungen zu

übernehmen Werden

außerthera-peutische Beziehungen Thema in der

Therapie,dann wendet der

Thera-peut in der Regel die

„Patientenkon-sultationsstrategie“ an,d.h er

ver-sucht,„Hilfe zur Selbsthilfe“ zu geben

und direkte Interventionen,z.B

Rat-schläge,zu vermeiden In der Art der

Beziehung,die von

dialektisch-behavi-oralen Therapeuten angestrebt wird,

besteht wohl der augenfälligste

Un-terschied zu anderen

Therapiekon-zepten

So steht die o.g Annahme,in einer

si-cheren (therapeutischen) Bindung

be-stehe die Gefahr,dass weitere

Entwick-lung unterbleibe,z.B in klarem

Wider-spruch zu den Annahmen des

klienten-zentrierten Konzepts (s.u.),wonach sich

Selbstaktualisierung nur auf der

Grund-lage einer sicheren Bindung vollziehen

und damit Veränderungen ermöglichen

kann Die Vorstellungen davon,wie

the-rapeutische Veränderungen bewirkt

wer-den bzw sich entwickeln können,sind

diametral entgegengesetzte:

Dialektisch-behaviorale Therapeuten sind von der

Notwendigkeit überzeugt,Kontrolle

aus-3 Lebensjahr – die altersgemäße Ent-wicklung der Fähigkeit zur Integration der bisher in gut und böse gespaltenen Selbst- und Objektbilder Der Abwehr-mechanismus der Spaltung werde nicht überwunden

Die Wut des Borderline-Patienten wird vor dem Hintergrund dieser An-nahmen als Ausdruck eines Triebent-wicklungsdefizites angesehen (s auch Eckert u.Biermann-Ratjen 2000,S.595f.)

In der Theorie der Gesprächspsycho-therapie,die den Annahmen von Ro-gers bezüglich der Entwicklung eines Selbst bzw Selbstkonzepts (Rogers 1987) folgt, sind Wut und Aggression nicht Ausdruck eines spezifischen Aggressi-onstriebs,sondern eine natürliche Re-aktion auf psychische Bedrohung (Bier-mann-Ratjen u Swildens 1993),d.h Aus-druck eines Selbstentwicklungsdefizits:

„Für den Borderline-Patienten ist Wut bzw Aggression ein nicht in das Selbstkonzept integrierbarer Bestandteil seines Selbsterle-bens,und Wutgefühle oder gar Hass werden als die Existenz des Selbst bedrohend er-lebt“ (Eckert 2000,S 539).

Diese Unterschiede in den Annahmen zur Entwicklung der Borderline-Stö-rung führen auch zu unterschiedlichen therapeutischen Zielsetzungen Bezogen auf das dysfunktionale Wuterleben von Borderline-Patienten ergibt sich für die triebtheoretisch be-gründete Auffassung das therapeutische Ziel,die natürlich vorhandene,aber übermäßige Aggressivität zunächst zu kontrollieren und dann zu reduzieren (Aronson 1989) Aus der selbsttheoreti-schen Auffassung der Genese der Bor-derline-Aggression ergibt sich das the-rapeutische Ziel,dem Patienten die Ver-bindung des Erlebens von Wut mit dem Erleben einer existenziellen Bedrohung des Selbst bewusst zu machen und da-bei das Erleben von Wut als eine natür-liche Reaktion auf eine (auch psychi-sche) Bedrohung verstehbar und damit akzeptierbar zu machen

Seit erkannt wurde,eine wie große Rolle Traumata bei der Entwicklung ei-ner Borderline-Störung spielen (s.oben), ist auch bekannt,dass Borderline-Pati-enten nicht nur fürchten,manipuliert und missbraucht zu werden,sondern dass sie in ihren Beziehungen – auch in den therapeutischen – dem Gesetz des Wiederholungszwangs folgend Gefahr laufen,diese Erfahrungen zu

wiederho-zuüben und Interventionen – an Ziel-vorstellungen orientiert – strategisch einzusetzen Gesprächspsychotherapeu-ten sind davon überzeugt,dass ihre Auf-gabe darin besteht,dem Patienten eine sichere Basis zu bieten,damit sich das dem Patienten innewohnende Entwick-lungspotential (Aktualisierungstendenz) entfalten kann

Klientenzentrierte (gesprächs-psychotherapeutische) Konzepte

Auch in der Gesprächspsychotherapie, die ja wie die Psychoanalyse kein sym-ptomzentriertes Verfahren ist,wurde das therapeutische Vorgehen auf die Besonderheiten der Borderline-Persön-lichkeitsstörung abgestimmt

Die Unterschiede im therapeuti-schen Vorgehen in der Gesprächspsy-chotherapie im Vergleich zu psychody-namischer Psychotherapie und Dialek-tisch-behavioraler Therapie lassen sich

in erster Linie auf Unterschiede in den Annahmen über die Entstehung der Borderlinepersönlichkeitsstörung zu-rückführen Die Unterschiede zwischen DBT und Gesprächspsychotherapie be-züglich der Gestaltung der therapeuti-schen Beziehung wurden bereits skiz-ziert In diesem Zusammenhang ist der Hinweis angebracht,dass die Annah-men zur Genese der Borderline-Stö-rung in der DBT überwiegend implizite sind.Als symptomzentriertes Verfahren identifiziert die DBT dysfunktionale Verhaltensweisen,Gefühle und Gedan-ken und entwickelt Strategien zu ihrer Veränderung: Im Vordergrund steht also das Interesse an der Veränderung von Verhalten und Erleben,nicht aber das an der Identifizierung von deren Quellen

Psychodynamische bzw psycho-analytische und klientenzentrierte Kon-zepte der Borderline-Therapie sind viel stärker von den Annahmen über die Ent-stehung der Störung geprägt Diese un-terscheiden sich jedoch erheblich,z.B

im Hinblick auf die Rolle der Aggression bei der Entwicklung der Störung

Kernberg (1978) vertritt im Rah-men seiner Objektbeziehungstheorie

ei-ne triebtheoretische Annahme: Er geht von einer konstitutionell bedingt unge-wöhnlich intensiven und deshalb nicht phasenadäquat zu bewältigenden prä-genitalen Aggression bei der späteren Borderline-Persönlichkeitsstörung aus

Diese Aggression verhindere – im 2 und

Ngày đăng: 07/09/2020, 09:19

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