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Mitt. Zool. Ges. Braunau, Austria Vol 7-0271-0292

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Das ist sogar zu erwarten und auch für den Teilbe-reich der Salzachmündung schon ausgearbeitet worden REICHHOLF 1986.- Warum sich die Veränderun-gen aber gerade so und nicht an-ders voll

Trang 1

MITT ZOOL GES BRAUNAU Bd 7, Nr 4:271 -292 Braunau a.l., Oktober 2000 ISSN 0250-3603

Veränderungen in Vorkommen und Häufigkeit der Brutvögel

am unteren Inn :

I Abnahmen und Verluste seit 1960

von JOSEF H REICHHOLF

1 Vorbemerkung

Am Dienstag, den 1 März 1960

("Morgens um 7.4o Uhr") beginnen in

meinem "Omithologischen

Tage-buch" die regelmäßigen und

syste-matischen Aufzeichnungen zum

Vorkommen der Vögel am unteren

Inn, Niederbayern Notizen hatte ich

mir schon ein Jahr früher gemacht,

aber diese betreffen

Beobachtun-gen, die noch nicht dem konkreten

Ziel folgten, die Vogelwelt am

unte-ren Inn zu erfassen und ihre

Verän-derungen und Entwicklungen zu

verfolgen Deshalb schrieb ich auch

in der ersten zusammenfassenden

Veröffentlichung (REICHHOLF 1966):

"Der Verfasser untersuchte in den

Jahren 1960 bis 1965 dieses Gebiet

mit besonderer Berücksichtigung

der "Wasservögel" Der weitaus

größte Teil des Materials wurde am

Innstausee Egglfing-Obemberg in

678 Exkursionen gesammelt." Das

waren mehr als 100 Exkursionen pro

Jahr und damit eine so hohe

Fre-quenz von Kontrollen und

Erhebun-gen, dass wesentliche

Gegebenhei-ten kaum übersehen worden seinkonnten Die etwa auch zu dieserZeit einsetzende Beobachtungstä-tigkeit von GEORG ERLINGER, KARL POINTNER und WOLFGANG WINDSPER-GER, die sich auf das flussaufwärtsanschließende Gebiet des Innstau-sees Ering-Frauenstein konzentrierte,aber von der Salzachmündung bisReichersberg reichte, gewährleiste-

te eine entsprechende Einordnungder Befunde vom Egglfinger Innstau-see und rundete den damaligenKenntnisstand ab Immerhin konnteich in der Veröffentlichung von 1966bereits auf die stattliche Zahl von1.000 Exkursionen insgesamt verwei-sen!

Vier Jahrzehnte später, aus derRückschau betrachtet und getra-gen von der Erfahrung, die selbstgemacht wurde in diesem gutenDritteljahrhundert zur Dynamik derVogelwelt am unteren Inn, mag eslohnend erscheinen, einige der Ver-änderungen, die sich in dieser Zeit-spanne ergeben haben, aus der

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Zusammenschau zu interpretieren.

Es ist nichts Neues, dass sich in der

Vogeiwelt eines Gebietes

Verände-rungen vollziehen Das ist sogar zu

erwarten und auch für den

Teilbe-reich der Salzachmündung schon

ausgearbeitet worden (REICHHOLF

1986).- Warum sich die

Veränderun-gen aber gerade so und nicht

an-ders vollzogen haben, ist eine weit

schwierigere Frage Meistens wird

sie nur mit Spekulationen

beantwor-tet

Auch in dieser Rückschau wird

manches spekulativ bleiben

müs-sen, weil es an entsprechenden

Un-tersuchungsergebnissen mangelt,

die unabhängig von der Vogelwelt

und ihren Veränderungen

erarbei-tet worden sind Aber

Übereinstim-mung in den Trends oder in den

Er-gebnissen bei unterschiedlichen

Arten können zumindest starke

Hin-weise auf die gemeinsame Ursache

vermitteln und zu weiteren schungen anregen Es ist schon auf-schlussreich genug, feststellen zukönnen, dass diese oder jene Ent-wicklung eine echte Veränderungund nicht bloß eine (weitgehendbedeutungslose) Fluktuation dar-stellt Zumindest kann so ein Ergebnis

Nachfor-zu weiterem Nachdenken, vielleichtsogar zu genaueren Nachforschun-gen anregen

Ein "Wechsel", wie er geradebeim kalendarischen Übergangvom 20 ins 21 Jahrhundert und vom

2 ins 3 Jahrtausend vollzogen wird,bietet sich in besonderer Weise füreine derartige Rückschau an DieZeitspanne eines DritteljahrhundertsAbstand ist auf jeden Fall groß ge-nug für eine solche Bilanzierung.Und schließlich ist für einen einzel-nen Menschen eine persönlicheRückschau über eine Spanne von 40Jahren allemal reizvoll

2 Vorgehensweise

Grundlage für die Übersicht

bil-den die unveröffentlichten

ornitho-logischen Tagebücher für die

bei-den Jahre 1960 und 1961 sowie tiie

davor, 1959, gefertigten Notizen

Zu-sammenfassende Angaben zu den

Wasservögeln (im weitesten Sinne)

finden sich in REICHHOLF (1966); einen

Überblick zur Verbreitung gibt die

Untersuchung "Rasterkartierung der

Brutvögel im südostbayerischen

Inn-tal" (REICHHOLF 1978) Sie liegt

ziem-lich genau in der Mitte des

behan-delten Zeitraums und beinhaltet

noch Hinweise zu Arten, die

zwi-schenzeitlich als Brutvögel ganz

ver-schwunden sind Hier sollen aber

zunächst nur jene Befunde aus denfrühen 60er-Jahren ausgewertetwerden, die von den heutigen Ver-hältnissen (an der Wende vom 20.zum 21 Jahrhundert) klar abwei-chen und für die sich ausschließenlässt, dass es sich vielleicht doch nur

um Schwankungen handelt gedessen werden aus dem Ge-samtspektrum der Arten nur einigeherausgegriffen und sehr einseitigeigentlich nur die Abnahmen undRückgänge behandelt Die "Zuge-winne", Neuansiedlungen und aus-geprägten Zunahmen sollen eineranderen Ausarbeitung vorbehaltenbleiben

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Infol-3 Das Untersuchungsgebiet

1960, im Alter von 15 Jahren,

be-stand für mich nur die Möglichkeit,

mit dem Fahrrad zum

Vogelbeob-achten zu fahren Entsprechend

war der Aktionsradius eingeengt

Die Notizen von 1960 und 1961

be-ziehen sich daher auf die

Umge-bung von Aigen am Inn,

insbeson-dere auf den Innstausee

Egglfing-Obemberg (im Wesentlichen die

bayerische Seite) und die

zugehöri-gen Auen sowie auf den Schulweg

nach Pocking Die Befunde

betref-fen daher lediglich einen

Teilbe-reich des später umfassend

ornitho-logisch bearbeiteten "unteren Inn"und werden auch hinsichtlich dergegenwärtigen Situation auf diesenTeilbereich bezogen Nur in weni-gen Fällen erschien es angebracht,den Bogen etwas weiter zu span-nen (Simbach und Reichersberg).Darauf wird verwiesen Wo keinenäheren, präzisierenderen Ortsan-gaben erfolgen, bezieht sich derVergleich auf den Innstausee Eggl-fing-Obernberg und die Auen bay-erischerseits sowie auf die Flur umAigen am Inn Die Vergleichbarkeitist somit gewährleistet

4 Veränderungen in der Vogelwelt

4.1 Allgemeines

Sinnvollerweise wird zwischen

den Brut- und Gastvögeln zu

unter-scheiden sein, weil deren

Vorkom-men und Häufigkeit entweder direkt

(Brutvögel) die ökologischen

Ver-hältnisse im Gebiet spiegeln, oder

indirekt (Durchzügler, Wintergäste),

weil deren Häufigkeitsänderungen

auch von Änderungen in ihren,

un-ter Umständen recht fernliegenden

Brutgebieten beeinflusst sein können

und daher unmittelbar (und ohne

nähere Prüfung) kein "Indikator" für

das betrachtete Gebiet sind Anders

verhält es sich jedoch mit

Über-sommerern oder mit im Gebiet

mausernden Arten (insbesondere

Enten) Da die Zuteilung der Arten in

die eine oder in die andere rie durch zu viele Übergänge undUnklarheiten erschwert ist, wird hierder andere, einfachere Weg ge-wählt: Die Arten werden getrenntfür sich behandelt und erst in derzusammenfassenden Diskussion wirdversucht, Gemeinsamkeiten und Ur-sachen zu ermitteln und herauszu-arbeiten Unzureichende Erfassungoder möglicherweise in dieser An-fangszeit noch vorhandene Bestim-mungsschwierigkeiten sind jedochausgeklammert worden Nur solcheBeobachtungen und Befunde wur-den verwertet, die auch der kriti-schen Rückschau standhalten

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Katego-4.2 Die Vogelarten

Haubentaucher

Podiceps cristatus

Ein bis zwei Brutpaare bei den

Aufhauser Inseln waren 1960 und

1961 vorhanden und noch

jahre-lang normal, bis der Rückgang

ein-setzte, der zum völligen

Verschwin-den in diesem Bereich führte

Ge-genwärtig brüten Haubentaucher

am Stausee Egglfing-Obernberg nur

noch einzeln und unregelmäßig

Zwergtaucher

Tochybaptus ruficollis

Überall an den Altwässern und

sogar in den Sickergräben kamen

Zwergtaucher, seit der Kindheit uns

schon als "Duckentchen" bekannt,

als Brutvögel vor Nach den

Hinwei-sen in den Notizbüchern von 1960

und 1961 clürften allein im

Aube-reich von Egglfing bis Aufhausen

wenigstens 20 Paare gebrütet

ha-ben Heute brütet der Zwertaucher

in diesem Gebiet, wenn überhaupt

noch, nur unregelmäßig an den

größeren Altwässeren

(Kalkofen-lacke, Weißer Berg, in manchen

Jahren an der Dammlacke am

Rand der Aufhauser Au)

Graureiher

Ardeo cinerea

Durchschnittlich etwa 12

Grau-reiher waren vor Beginn der Brutzeit

im (zeitigen) Frühjahr am Egglfinger

Stausee zu beobachten Gern

hiel-ten sich die Reiher damals am Rand

der Felder nahe der Quelle des

Ke-selbaches zwischen Aigen und

Auf-hausen auf Vermutlich brüteten sie

damals auf der österreichischen

Seite in der Mühlheimer Au oder am

Urfahrer Altwasser, wo sich später

eine Kolonie (wieder) etablierte, als

der Graureiher Vollschonung erhieltund nicht mehr bejagt werden durf-

te Gegenwärtig brüten keineGraureiher mehr in diesem Bereichund die "guten Jahre" scheinen fürdiese Art vorüber zu sein

Zwergdommel

Ixobrychus minutus

Noch war die Reichersberger Aunicht eingestaut, in der die Zwerg-dommeln dann Ende der 60er und

in den 70er-Jahren zeitweise in keren Kolonien in beachtlichen Zah-len brüteten, aber die Art war mirgleich von Anfang an bestens ver-traut brütete sie doch sogar an dervon uns eifrig, meistens schon abMitte Mai zum Baden benutzten

lok-"Badelacke" im Inselgebiet von hausen 1960/61 gab es allein in die-sem Bereich wenigstens 5 Brut-paare; dazu weitere an den Altwäs-sern in den Innauen zwischen Auf-hausen und Egglfing 1964 stellte ichschon mindestens 52 Brutpaare fürden unteren Inn fest, aber ihre Zahlsollte, dank der Entwicklungen inder Reichersberger Au und an derSalzachmündung noch weiter an-steigen und sich im Maximum zuBeginn der 70er-Jahre fast verdrei-fachen Heute fehlt die Art als Brut-vogel vollständig und wird auchkaum mehr beobachtet

Auf-Stockente

Anas platyrhynchos

Für die damalige Zeit vor 40 ren am bedeutendsten und auffal-lendsten war nicht der Brutbestand,der zwischenzeitlich kräftig ange-stiegen war, aber nie richtig umfas-send erfasst worden ist, sondernvielmehr die Ansammlung von Mau-

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Jah-sererpeln im Sommer an den Inseln

bei Aufhausen Dort notierte ich am

31 Juli 1961 etwa 5.000

Mauserer-pel Die (hoch)sommerlichen

Stock-entenscharen waren damals

ty-pisch; in den letzten Jahrzehnten

waren sie jedoch weitestgehend

verschwunden Der Rückgang der

Mausererpel bei der Stockente

be-läuft sich größenordnungmäßig auf

90 bis 95 % Ende der 90er-Jahre war

ein Mausererpelbestand von einem

Zehntel des anfänglichen schon ein

Ausnahmewert!

Löffelente

Anas clypeoto

Löffelenten kamen in den frühen

60er-Jahren an mehreren Stellen in

den - noch als Seggenwiesen

ge-nutzten - Altwässern der Innauen

vor 1961 gelang mir dort am 6 Juli

der erste Brutnachweise in der

Irchinger Au (REICHHOLF 1966), dem

weitere folgten Gegenwärtig brütet

die Löffelente in diesem Bereich,

wie wohl am ganzen unteren Inn,

nicht mehr

Tafelente

Aythyo ferina

Aus den Brutnachweisen von

1961 bis 1964 ging hervor, dass am

unteren Inn damals über 100

erfolg-reiche Brüten pro Jahr stattfanden

und die Tafelente als "häufigste

Brutentenart" einzustufen war Der

Bestand ist heute auf ein Zehntel

zu-rückgegangen und im Bereich des

Egglfinger Stausees kommen nur

noch einzelne Brüten, auf den

Alt-wässern bloß ausnahmsweise

wel-che vor 1961 hatte ich hier 44

jun-geführende $ notiert!

Zu den Zugzeiten kam die

Ta-felente vor allem im Herbst, aber

auch während des Frühjahrszuges

zu Tausenden an den Egglfinger

Stausee Die Höchstwerte stiegen bisauf 8.500 im Dezember 1964 an Siesind auf ein Zwanzigstel abgesunken(REICHHOLF 1994)

Moorente

Aythya nyroca

In den frühen 60er-Jahren ließensich Moorenten einzeln oder in klei-nen Gruppen noch regelmäßig be-obachten Von 1960 bis 1965 hatteich 25 Feststellungen (bis zu 4 Moor-enten gleichzeitig) zusammengetra-gen Heute ist die Art eine großeRarität und zur Brutzeit überhauptnicht mehr anzutreffen

Trang 6

überregionalen Charakter haben

musste, weisen die konkreten

Beob-achtungsdaten von 1961 dennoch

ebenso klar darauf hin, wie gut die

Inseln und Altwässer am Egglfinger

Stausee damals von Wasserrallen

besiedelt waren Sie mussten

folg-lich auch ein geeigneter

Lebens-raum dafür gewesen sein: Im

Früh-jahr/Frühsommer 1961 stellte ich in

etwa der Hälfte der tatsächlich

da-maligen Vorkommen mindestens 15

Wasserrallenreviere fest Wenn aber

allein an den Altwässern und Inseln

des Egglfinger Stausees (bayerische

Seite) von einem Brutbestand von

etwa 30 Wasserrallenpaaren in

je-ner Zeit auszugehen war, mussten

am ganzen unteren Inn wohl weit

über 100 Brutpaare dieser Art

vor-handen gewesen sein Daraus

er-gibt sich ein

größenordnungsmäßi-ger Rückgang auf ein Zehntel oder

weniger!

Kleines Sumpfhuhn

Ponona parva

Die sichere Feststellung am 22

April 1961 im von Gelben Teichrosen

bedeckten Ostteil des "Weißer Berg"

genannten Altwassers in der

Irchin-ger Au und mehrere weitere

Beob-achtungen oder Ruffeststellungen

zur Brutzeit legen zumindest die

An-nahme nahe, dass die Art damals

(in geringer Zahl) Brutvogel

gewe-sen sein könnte Sie ist mit Sicherheit

gegenwärtig das nicht mehr und

kommt auch nur noch selten zu den

Zugzeiten vor, obwohl die Intensität

der Beobachtungen gesteigert und

die optische Qualität der

Beobach-tungsinstrumente ganz wesentlich

verbessert worden sind

Vornehm-lich im August war es durchaus

nor-mal, in der Abenddämmerung an

Schilfrändern mit frei gewordenem,

noch feuchtem Schlick Kleine

Sumpfhühner bei der

Nahrungssu-che beobachten zu können Manbrauchte sich nur dazu "anzusetzen"

Seeadler

Haliaeetus a/b/c/7/a

All die Jahre, von J. MERGENTHALERschon seit den 50er-Jahren nach-gewiesen, war und ist der Seeadlerregelmäßiger Wintergast am unte-ren Inn Die Tendenz war sogar zu-nehmend Aber die Beobachtun-gen vom Beginn der 60er-Jahreweichen von diesem Grundmusterdeutlich ab: 1 immaturer Seeadlerhielt sich am 29 Mai 1960 amEgglfinger Stausee auf und ein wei-terer am 26 September 1960 Beidesind nicht den Überwinterern zuzu-rechnen Aber woher mögen siegekommen sein?

Schreiadler

Aquilo pomarina

Am 18 Juni 1960 notierte ich nen Schreiadler bei den Inseln desEgglfinger Stausees Er kam von denösterreichischen Auen her Das istmitten in der Brutzeit gewesen undauch die nächste Notiz vom 30 Juli

ei-1960 im selben Bereich kann dazugerechnet werden Ob es sich beidem am 17 August 1960 festgestell-ten Adler um einen Schrei- oder

Schelladler Aqu/7a clanga

gehan-delt hatte, lässt sich nicht mehr konstruieren Den nächsten Schrei-adler notierte ich bereits wieder am

re-15 April 1961 Ob die Art damalsnoch in der weiteren Umgebungbrütete? Jedenfalls ist sie seither ver-schwunden und auch überregionalstark rückläufig im westlichen Teildes Areals geworden

Aquila sp.

Am 7 Juli 1961, also nicht nur an

"unpassender Stelle", sondern auch

Trang 7

zu "unpassender Zeit" notierte ich

einen sehr großen Adler, den ich als

Steinadler glaubte bestimmen zu

können, nahe dem Egglfinger

Stau-see Normalerweise ist es müßig,

über unsichere Beobachtungen zu

diskutieren oder gar zu schreiben

Doch hierbei handelt es sich um

eine Ausnahme: Erstens kannte ich

damals die kleineren Adler durch

die Beobachtungen von

Schreiad-lern gut genug, um sogleich den

starken Unterschied gesehen zu

ha-ben Auch mit dem Seeadler war

ich schon vertraut Die Zuordnung

zum "Steinadler" erfolgte daher wohl

in erster Linie nach dem

Ausschluss-prinzip Dabei zog ich eine andere

Möglichkeit gar nicht in Betracht,

die ein Jahrzehnt später durch

Ab-schuss eindeutig belegt worden ist:

Kaiseradler Aquilo heliaco Ein

sol-cher war ganz in der Nähe des

Eggltinger Stausees 1973 in ein auf

Füchse gestelltes Fangeisen geraten

und daraufhin vom Jäger

er-schossen worden Der Adler war

präpariert worden (vgl. HIRSCH,

POINTNER & REICHHOLF 1973) Es wäre

somit durchaus möglich, dass der

vermeintliche Steinadler ein

Kaiser-adler gewesen war, von dem

weite-re Nachweise aus Oberösterweite-reich

vorlagen Seither ist keine derartige

Beobachtung mehr gemacht

wor-den

Schlangenadler

Circaeius gallicus

Auch die Beobachtung dieser

Greifvogelart zur Mittsommerzeit

er-scheint bemerkenswert und lässt

sich gut in das allgemeine Bild vom

Rückgang des Schlangenadlers

(REICHHOLF 1988) einfügen: Am 17

Juni 1961 hielt sich ein adulter

Schlangenadler in der Aufhauser Au

am Egglfinger Stausee auf Damals

waren die Dämme noch sehr reich

im Auwald außerhalb des Dammes,

wo kaum jahreszeitlich bedingteWasserstandsschwankungen auftra-ten Gegenwärtig wissen wir nur,weil entsprechende genauere Un-tersuchungen noch nicht gemachtworden sind, dass die Art nur nochspärlicher, sehr lokaler Brutvogel ist.Der Bestand ist mit Sicherheit aufweniger als ein Zehntel zurückge-gangen

Bläßhuhn

Fulico otro

Ähnliches, wie für das Teichhuhn,jedoch nicht in ganz so großem Aus-maß, gilt auch für das Bläßhuhn Vor

40 Jahren war jedes Altwasser, nurdie ganz kleinen ausgenommen,besiedelt und allein die Irchinger Auwies wenigstens 50 Brutpaare auf.Auch an den Inseln, zumal im Be-reich der Lacken bei Aufhausen,gab es überall Brutvorkommen; 10und mehr an den Aufhauser Lak-ken Heute kommen nur noch ver-einzelt Brüten vor und zahlreicheAltwässer sind nicht mehr besiedelt

An den größten, der Kalkofenlacke,dem Auspitz und dem Weißen Berg,waren in den 90er-Jahren nur nochetwa 5 Brutpaare festzustellen DasAusmaß des Rückgangs lässt sichauf wenigstens 80 % abschätzen

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Vane//us vane//us

Der Rückgang des Kiebitzes im

niederbayerischen Inntal ist bereits

ausführlich dargestellt worden

(REICHHOLF 1996) Der Brutbestand

auf den Feldern zwischen Aigen

und Aufhausen ist praktisch

erlo-schen Im gesamten

niederbayeri-schen Inntal gibt es nur noch

Rest-bestände in kleiner Brutpaarzahl;

der Rückgang beläuft sich auf mehr

als 90 % Viele ehemalige

Vorkom-men sind gänzlich erloschen

Rebhuhn

Perdix perdix

Als ich 1960 die ersten Notizen

zum Vorkommen von Rebhühnern

machte, handelte es sich um eine

noch so häufige Art im Inntal, dass

ich nur besondere Vorkommen

regi-strierte So etwa: 2 April 1960: 3

Paare am»Damm auf 500 m

zwi-schen Aufhausen und Aigen oder

am 4 August 1960 ein "Volk" von 25

bis 30 Rebhühnern am Waldrand

bei Irching Brachte zunächst der

extreme Kältewinter 1962/63 starke

Verluste, so führten anschließend

die Auswirkungen der

Flurbereini-gungen, denen vor allem das

ur-sprünglich sehr dichte Netzwerk von

Ackerrainen zum Opfer fiel, zum

an-haltenden

Bestandszusammen-bruch, von dem sich das Rebhuhn

nicht wieder erholen konnte, weil

inzwischen die Effekte der

Überdün-gung (Eutrophierung) als massive

Hemmnisse mit hinzukamen Auch

die jahrweise nicht bewirtschafteten

Ackerflächen haben bislang keine

Tendenzwende mit sich gebracht

Die Rebhühner sind selten

geblie-ben; ihr Bestand auf weniger als ein

Zehntel des früheren zu Beginn der

Treibjagd-Ergeb-100 abgeschossenen Fasanen (80 %und mehr Hähne!) an einem Nach-mittag belegen ebenso wie meineNotizen "sehr häufig" auf den Fel-dern am Aurand oder "viele Fasane"die damalige Häufigkeit Auch da-von ist nur noch wenig übrig geblie-ben Am Aurand zwischen Aigenund Egglfing können seit Jahren,günstige Beobachtungsbedingun-gen vorausgesetzt, kaum mehr als

10 bis 15 Fasane insgesamt achtet werden Dies würde grö-ßenordnungsmäßig bedeuten, dassder Fasanenbestand um wenigstens

beob-90 %, vielleicht sogar um mehr als 95

% in diesen 40 Jahren gen ist Allein ein solcher unscharferBefund zeigt, wie wichtig es ist, auch

zurückgegan-"häufige" Arten zu erfassen (unternachvollziehbaren Bedingungen fürspätere Vergleichszählungen).Nach wenigen Jahrzehnten kannalles schon ganz anders sein! FürTeilstücke habe ich von 1971, alsoein Jahrzehnt später, solche Zählun-gen: So waren am 2 April 1971frühmorgens um 6.40 Uhr (störungs-frei) am Aurand zwischen der Kalk-

ofenlacke und Egglfing 7 d und 25

9 Setzt man etwa ein nes Geschlechterverhältnis im Spät-herbst davor während der Treib-jagdzeit voraus, so könnten auf die-sem Teilstück etwa 15 Hähne ge-schossen worden sein, was insge-samt auf das Revier bezogen viel-leicht um die 40 ergeben würde

ausgegliche-1971 wäre der Fasanenbestandsomit noch etwa knapp halb sohoch wie ein Jahrzehnt davor ge-wesen

Trang 9

Streptopelia turtur

Ohne danach gesucht oder

be-sonders darauf geachtet gehabt zu

haben, notierte ich Anfang der

60er-Jahre die Turteltauben "häufig";

vor allem am den Dämmen und auf

den Lichtungen (Schlägen) in der

Au Mit Sicherheit dürfte es 1960 und

1961 allein im Auwald- und

Damm-bereich zwischen Egglfing und

Auf-hausen 15 bis 20 Brutpaare vo*n

Tur-teltauben gegeben haben Heute

kommt die Art nur noch vereinzelt

und unregelmäßig, im engeren

Pocking, aber schon 1958 bis 1960

kamen sie auch in Aigen als

Brut-vögel vor In den ornithologischen

Tagebüchern bildet die Notiz von 2

Türkentauben im Nachbargarten in

Aigen am 1 März 1960 überhaupt

den ersten Eintrag Und am 30

Ok-tober 1960 zählte ich dort die ganz

außergewöhnlich große Anzahl von

41 Türkentauben Die Bestände

stie-gen weiter an und die Türkentaube

breitete sich über das ganze untere

Inntal aus, jedoch eng an die Dörfer

und Städtchen gebunden

(REICH-HOLF 1972) Unmerklich zunächst,

aber dann doch deutlicher

wer-dend, fingen die Bestände aber

auch wieder an rückläufig zu

wer-den Ende der 90er-Jahre war die

Türkentaube zwar immer noch im

Dorf (Aigen) Brutvogel, aber in

deut-lich geringerer Zahl als vor 40

Jah-ren Wenngleich der Rückgang

nicht "dramatisch" ist, so bewegt er

sich doch in einem Bereich, der

deutlich unter der Hälfte des

frühe-ren Bestandes liegt Wahrscheinlich(auch hierzu mangelt es an ge-naueren Bestandserhebungen)pendelt er um etwa ein Drittel desBestandes der frühen 60er-Jahreund bei einem Fünftel des Höchst-bestandes Anfang der 70er-Jahre.Auf solche Rückgänge bei invasivenArten wird zu wenig geachtet

Ziegenmelker

Caprimulgus europaeus

Am 4 August 1960 beobachteteich abends um 20.20 Uhr am Nord-ostrand des Riedenburger Forstes

am Rand eines aufgegebenenFlugfeldes einen Ziegenmelker aus-giebig Die örtlichen Jäger gabenmir dazu an, dass sie diesen Vogel,den sie nicht kannten, den ganzenSommer über "öfters und auch infrüheren Jahren" gesehen hätten.Vielleicht hatte es sich um ein Rest-vorkommen aus der nicht ohneGrund so genannten "PockingerHeide" gehandelt Längst ist abermangels geeigneter Biotope an einBrutvorkommen des Ziegenmelkers

im Bereich des unteren Inn nichtmehr zu denken Sehr selten einmalwird die Art zur Zugzeit (W. SAGE) aufden Aufschüttungsflächen von Kiesbei Bergham an der Salzachmün-dung) beobachtet

Wiedehopf

Upupo epops

Aus meiner Kindheit kann ichmich noch daran erinnern, dass derWiedehopf in den Kopfweiden amBach zwischen dem Dorfrand vonAigen und Talham (hinter unseremHaus) brütete Noch am 16 Juli 1961sah ich einen Wiedehopf am Au-rand bei Irching mit "brutverdäch-tigem Verhalten" und wiederummeinte ein Jäger, der Wiedehopfwürde in der damals noch recht

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lichten Au mit vielen offenen

Boden-stellen brüten und die Viehweiden

am Aurand aufsuchen

Abgesehen vom immer noch

ei-nigermaßen regelmäßigen

Auftre-ten zu den ZugzeiAuftre-ten ist der

Wiede-hopf inzwischen aus dem unteren

Inntal gänzlich verschwunden und

an ein erneutes Brüten ist vorerst

nicht zu denken

Steinkauz

Athene noctua

Am 26 Juli 1960 beobachtete ich

ausgiebig bei Talham nahe dem

Aurand einen Steinkauz in einer

ausgedehnten Obstwiese; also dem

typischen Brutbiotop Auch in der

Folgezeit, bis in die 70er-Jahre,

be-stand Brutverdacht, doch war nie

gründlich nach

Steinkauzvorkom-men gesucht worden Gegenwärtig

kommt die Art zumindest im Bereich

Aigen - Eg^glfinger Stausee bis

Auf-hauser Inseln nicht mehr vor, aber

die Chancen andernorts im Tal des

unteren Inn scheinen wieder

günsti-ger zu werden Möglicherweise

brü-tet der Steinkauz nicht mehr im

Ge-biet

Haubenlerche

Golehda cristata

Die längst verschwundene

Hau-benlerche kam 1961 sowohl in

Pock-ing (altes Stadion) als auch am

(westlichen) Dorfrand von Aigen

vor, wo ich am 25 Juli einen

Altvo-gel mit einem Jungen beobachtete

Praktisch unbemerkt ist die Art

weit-hin verschwunden

Feldlerche

Alouda arvensis

Anfang der 60er-Jahre waren

Feldlerchen so häufig und praktisch

überall auf den Fluren vom

unmit-telbaren Rand der Dörfer gen bis zu den Waldstücken anzu-treffen, dass Erhebungen zu ihrerHäufigkeit gar nicht durchgeführtworden sind Dieser Befund ist weitentfernt von den Gegebenheitender 90er-Jahre Die Feldlerchekommt im engeren Gebiet nur nochvereinzelt vor; 1999 nur in 3 - 4 sin-genden Männchen zwischenEgglfing, Aigen und Aufhausen DerRückgang beträgt über 80 %

angefan-Baumpieper

Anthus triviales

Auch dieser einstens recht

häufi-ge Singvohäufi-gel fehlt nun weithin Inden 60er-Jahren kam er vor allem

an den Inndämmen und am Randvon Lichtungen im Auwald vor, wo

im engeren Gebiet wenigstens 10singende tf anzutreffen waren Seitfast 20 Jahren fehlt die Art hier völlig

Brachpieper

Anthus campestris

Die einzige Feststellung datiertvom 23 April 1960; ein Brutvorkom-men war auch damals schon rechtunwahrscheinlich Aber seither kamdie Art auch auf dem Zug nichtmehr vor

Schafstelze

Mofac///a flova

Schafstelzengruppen undschwärme gehörten in den 60er-Jahren zu den typischen Beobach-tungen an den Inndämmen im Aprilund Mai Die damals noch häufigvon Schafen beweideten oderdurch Mahd kurzrasig gehaltenenDämme wurden auf dem Frühjahrs-zug offenbar gern von dieser Artaufgesucht Häufig, vor allem An-fang Mai, waren andere Rassen mitvertreten, darunter vornehmlich die

Trang 11

Nordische Schafstelze Motocillo

flova thunbergi Die Schwärme

umfassten 10 bis mehr als 30

Schaf-stelzen Auf den Feldern brütete die

mitteleuropäische Rasse Anfang der

60er-Jahre noch da und dort, vor

allem, wenn Viehweiden

angrenz-ten Heute fehlt die Schafstelze als

Brutvogel und auch die Scharen im

Frühjahr sind so gut wie

ausgeblie-ben

Drosselrohrsänger

Acrocepholus orundinaceus

Für die frühen 60er-Jahre hatte

ich einen Bestand von etwa 55

Brutpaaren ermittelt (REICHHOLF

1966) Neben 5 - 8 singenden d bei

den Aufhauser Inseln kamen

Dros-selrohrsänger auch an allen

größe-ren Schilfkomplexen in der Irchinger

und Aufhauser Au vor; 1961 etwa 18

singende d Davon sind insgesamt

nur noch 2 (-3) in den späten 90ern

übrig geblieben! Der

Drosselrohr-sänger ist gegenwärtig seltener als

der Rohrschwirl Locustello

luscinioi-des am unteren Inn.

Teichrohrsänger

Acrocepholus scirpoceus

Von den sicher "mehr als 200

Brutpaaren" der frühen 60er-Jahre

dürften gegenwärtig kaum mehr als

25 übrig geblieben sein Sogar in

den vergleichsweise großen und

damals vom Teichrohrsänger dicht

besiedelten Schilfbeständen bei

den Aufhauser Inseln liegen aus den

letzten Jahren nur noch

Feststellun-gen von weniFeststellun-gen sinFeststellun-genden

Männchen vor: 1998 etwa 4 - 5

Daraus ergibt sich gleichfalls ein

Feldschwirl

Locustello noevio

Zwar immer noch vorkommend,aber sehr selten geworden, zähltder Feldschwirl auch zu jener Grup-

pe von Kleinvögeln, deren gang und Verschwinden kaum be-merkt worden ist In den 60er-Jahrenhörte ich die singenden Feldschwir-

Rück-le von Ende April bis in den Sommerhinein häufig; mehr als 20 singende

d allein im engeren

Beobachtungs-gebiet Damals gab es mehrereStellen, an denen ich omithologischInteressierten von einem Platz ausden Gesang aller drei Schwirlartenvorführen konnte Der Rückgangdürfte größenordnungsmäßig auchbei etwa 90 % liegen

Ngày đăng: 03/11/2018, 17:24

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