1. Trang chủ
  2. » Luận Văn - Báo Cáo

04055000039 didaktische potenziale der wendeliteratur am beispiel von jana hensels roman ,,zonenkinder“ zur förderung kulturbezogenen lernens im daf unterricht

105 0 0
Tài liệu đã được kiểm tra trùng lặp

Đang tải... (xem toàn văn)

Tài liệu hạn chế xem trước, để xem đầy đủ mời bạn chọn Tải xuống

THÔNG TIN TÀI LIỆU

Thông tin cơ bản

Tiêu đề Didaktische Potenziale der Wendeliteratur am Beispiel von Jana Hensels Roman „Zonenkinder“ zur Förderung kulturbezogenen Lernens im DAF-Unterricht
Tác giả Truong Hoai Nam
Người hướng dẫn Dr. Lờ Hoài Ân, Dr. Carmen Schier
Trường học Hanoi University of Foreign Studies
Chuyên ngành Germanistik
Thể loại Masterarbeit
Năm xuất bản 2021
Thành phố Hà Nội
Định dạng
Số trang 105
Dung lượng 888,62 KB

Các công cụ chuyển đổi và chỉnh sửa cho tài liệu này

Cấu trúc

  • 1. Einleitung (10)
    • 1.1. Themenwahl, Problemstellung und Themeneingrenzung (10)
    • 1.2. Forschungsstand (11)
    • 1.3. Forschungsfrage und Zielsetzung der Arbeit (12)
    • 1.4. Methodisches Vorgehen (13)
    • 1.5. Aufbau der Arbeit (14)
  • 2. Arbeit mit Literatur im DaF-Unterricht zur Fửrderung kulturbezogenen Lernens . 5 1. Die Arbeit mit Literatur im DaF-Unterricht (14)
    • 2.2. Kulturbezogenes Lernen durch Literatur (17)
  • 3. Wendeliteratur (22)
    • 3.1. Historischer Hintergrund der Wendezeit (22)
      • 3.1.1. Wende und Wiedervereinigung (22)
      • 3.1.2. Die Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit in den nọchsten zwei (25)
    • 3.2. Der Begriff ,,Wendlitaratur“ (30)
    • 3.3. Wendeliteratur und deren Potenziale für das kulturbezogene Lernen im DaF- (41)
  • 4. Die Vermittlung der ausgewọhlten kulturbezogenen Werte im Roman ,,Zonerkinder“ für die vietnamesischen Studierenden (45)
    • 4.1. Auswahl der zu unterrichtenden kulturellen Werte (45)
      • 4.1.1. Ein ĩberblick ỹber vietnamesische Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten . 36 4.1.2. Das Gemeinschaftsgefühl (45)
      • 4.1.3. Die Integration in die offene Welt (51)
  • 5. Der Roman ,,Zonerkinder“ (0)
    • 5.1. Allgemeine Charakterisierung des Romans (53)
    • 5.2. Zusammenfassung des Romans (55)
    • 5.3. Analyse des Romans (58)
  • 6. Unterrichtskonzept (71)
    • 6.1. Ein Vergleich mit dem vietnamesischen Werk ,,Thời xa vắng“ zur Auswahl der für die vietnamesischen Studierenden geeigneten Teilaspekte (71)
    • 6.2. Die Zielgruppe und Lernziele dieses Konzepts (75)
    • 6.3. Unterrichtsplanung (80)

Nội dung

04055000039 didaktische potenziale der wendeliteratur am beispiel von jana hensels roman ,,zonenkinder“ zur förderung kulturbezogenen lernens im daf unterricht

Einleitung

Themenwahl, Problemstellung und Themeneingrenzung

Da Literatur Teil des fremdsprachlichen Deutschunterrichts sein kann, sein sollte und natỹrlich auch ist 1 , ist es heutzutage selbstverstọndlich, Literatur in den Fremdsprachenunterricht zu integrieren und sie als didaktisches Medium zu verwenden, um die Lernenden an eine Sprache heranzuführen Es gibt dem Lehrenden die Mửglichkeit authentisches Material zu benutzen, wobei er bei der sorgfọltigen Auswahl der Literatur, jedes Sprachniveau bedienen kann Deshalb legt diese Arbeit einen groòen Wert auf die Potenziale der kulturbezogenen Aspekte im DaZ-Unterricht Im Rahmen dieser Arbeit konzentriere ich mich auf die vietnamesischen Studierende als Zielgruppe, mit der ich mich gern im Seminar ,,Literatur und Medien“ an der Fremdsprachenhochschule in Hanoi (ULIS) auseinandersetzen mửchte

Am 9 November 2019 feiern die Deutschen 30 Jahre Mauerfall und die Erinnerungen bzw die Ereignisse jener Zeit werden noch einmal abgerufen, besonders bei den ehemaligen DDR-Bürgern Das Geschehen des Mauerfalls beendete die Teilung zwischen Ost- und Westdeutschland sowie die Existenz der DDR-Regierung Das war die Zeit, wo das Konflikt bei den DDR-Bürgern auftrat und sich entwickelte

Zu diesem Anlass werden die zu dem Thema gehửrigen Literatur wieder gesucht und erửrtert Besonders erfreut sich der Roman ,,Zonenkinder“ 2 von der Autorin Jana Hensel einer groòen Beliebtheit bei den im Jahr 2019 lebenden Lesern Mit der Sichtweise von einer DDR-Bürgerin, die ihre Kindheit in DDR verbrachte und das Leben wọhrend und nach der Wende erlebte, hat Jana Hensel nicht nur ihre eigene Geschichte, sondern auch die Geschichte der DDR-Bürger in einer ausführlichen Weise geschildert Das ist einer von vielen Gründen, warum dieser Roman ein gutes Beispiel zum Analysieren des Lebens der DDR-Bürger vor und nach der Wende ist

Auòerdem verstecken sich implizit in diesem Roman viele kulturbezogene Werte, die fỹr die Wendezeit ausgeprọgt sind und die vietnamesischen Studierenden betreffen und daher eine spannende Diskussion anregen kann.

Forschungsstand

Im heutigen Globalisierungskontext rỹckt das kulturbezogene Lernen allmọhlich in den Fokus und es stehen mithin zahlreiche Publikationen zu diesem Bereich zur Verfỹgung Ein bemerkenswertes Beispiel ist die von Haase und Hửller (2017) herausgegebene Publikation „Kulturelles Lernen im DaF/DaZ-Unterricht: Paradigmenwechsel in der Landeskunde“ In dieser Publikation setzten sich die Beitrọge mit den Potenzialen der Anwendung des Konzepts „kulturelles Lernen“ mit konkreten Beispielen in unterschiedlichen Perspektiven im DaF/DaZ-Kontext auseinander Der Zusammenhang zwischen Literatur und Kultur lọsst sich in der heutigen Zeit ebenso viel erửrtern Zu einem der wichtigsten Beitrọge zọhlt die Publikation „Zur Rolle und Funktion der Literatur und des Literarischen in Deutsch als Fremd- und Zweitsprache Forschungsfeld und Forschungsperspektiven der Literaturwissenschaft im Fach“ von Dobstadt und Riedner (2014) In diesem Zuge wird die Literatur im Fremdsprachenunterricht als ein Medium des kulturbezogenen Lernens verwendet

Die Wendeliteratur, insbesondere der Roman „Zonenkinder“ lọsst sich schon in vielen Forschungsarbeiten analysieren und diskutieren Diese Forschungsarbeiten konzentrieren sich auf die literaturwissenschaftliche Analyse, meistens auf den Vergleich eines im Roman „Zonenkinder“ vorkommenden Aspekts mit einem anderen Werk, beispielsweise in der Hausarbeit von Weber (2008), in der „das schửne warme Wir-Gefỹhl“ im Jana Hensels „Zonenkinder“ und im Florian Illies„

„Generation Golf“ miteinander verglichen wird Ein weiteres Beispiel ist die Masterarbeit von Ritzschke (2013), in der „die Erinnerung der verlorenen Generation“ im autobiografischen Schreiben zwischen Jana Hensel und Sabine Rennefanz gegenübergestellt wird

Es lọsst sich sehen, dass es bisher wenige Beitrọge gibt, die sich mit dem Einsatz der Wendeliteratur im kulturbezogenen Unterricht im DaF/DaZ-Kontext beschọftigen Die meisten Beitrọge in diesem Forschungsbereich sind im Mastermodul im Wintersemester 2019/2020 am Herder-Institut zu finden Allerdings gibt es leider keine Beitrọge, die sich auf die vietnamesischen Studierenden als Zielgruppe konzentriert, die sich direkt auf mich bezieht Aus diesem Grund ist dies eine Forschungslücke, mit der ich mich in der vorliegenden Arbeit auseinandersetzen mửchte.

Forschungsfrage und Zielsetzung der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit setzt sich mit den didaktischen Potenzialen der Wendeliteratur am Beispiel von Jana Hensels Roman ,,Zonenkinder“ zur Fửrderung kulturbezogenen Lernens im DaF-Unterricht auseinander Dazu wird die folgende Forschungsfrage gestellt:

- Wie lassen die ausgewọhlten kulturellen Werte sich aus dem Wenderoman ,,Zonenkinder“ herausziehen und inwieweit werden sie im Literaturunterricht für die vietnamesischen Studierenden an der ULIS vermittelt?

Die Beantwortung der gestellten Fragen ist das oberste Ziel dieser Arbeit Um diesen Endzweck zu erreichen, soll in der ersten Linie diese Teilziele festgelegt werden:

- Erstens wird ein ĩberblick ỹber den Stand der aktuellen Diskussion zur Arbeit mit Literatur in DaF-Unterricht dargestellt

- Zweitens setze ich mich kritisch mit der Wendezeit bzw der Wendeliteratur und deren Potenzial für den DaF-Unterricht auseinander

- Drittens lọsst sich zwei ausgewọhlte im Roman vorkommenden kulturbezogenen Werte im Roman ,,Zonenkinder“ ausführlich analysieren und interpretieren Dieser Schritt zielt darauf ab, einen ĩberblick ỹber zwei ausgewọhlte Werte im Leben der ehemaligen DDR-Bürger darzustellen

- Viertens werden didaktische Potenziale für den DaF-Unterricht sowie für

4 vietnamesische Studierende behandelt, um relevante inhaltliche Schlussfolgerungen für das Unterrichtskonzept zu entnehmen

- Zuletzt wird eine konkrete Unterrichtsplanung für zwei kulturbezogene Werte als Beispiel gestaltet.

Methodisches Vorgehen

In der vorliegenden Arbeit werden die folgenden Hauptmethoden verwendet:

- Die Analyse zweier ausgewọhlter kultureller Werte im Roman erfolgt nicht durch reine Literaturwissenschaft fỹr Erzọhltexte, weil der Hauptzweck dieser Arbeit nicht darin besteht, auf die Analyse des Romans tief einzugehen, sondern ihn nur als Forschungstexte zu verwenden, durch die man betrachten kann, in welchen Teilaspekten die ausgewọhlten kulturellen Werte ausgedrỹckt werden Aus diesem Grund sollte dieser Roman am geeignetsten gezielt analysiert werden, um zu sehen, an welchen Textstellen diese kulturellen Werte sich befinden

- Um die Teilaspekte, die von den zwei ausgewọhlten kulturellen Werten durch den Roman Zonenkinder gezeigt werden, auf vietnamesische Lernende anwenden zu kửnnen, muss es geprỹft werden, ob diese Teilaspekte in der vietnamesischen Gesellschaft existieren oder nicht? Um die Beziehung zwischen diesen beiden Seiten herauszufinden, wird in der vorliegenden Arbeit ein Vergleich mit einem vietnamesischen Werk durchgeführt, in dem die Situation der Hauptfigur in einen sozialen Kontext gestellt wird, der dem Kontext der Hauptfigur im Roman ,,Zonenkinder“ fast ọhnlich ist Mit diesem Vergleich sollte es herausgefunden werden, welche Teilaspekte der oben ausgewọhlten kulturellen Aspekte auf vietnamesische Studierende angewandt werden kửnnen

- Schlieòlich, um die durch den oben genannten Vergleich herausgefundene Teilaspekte in einen DaF-Unterricht mit dem kulturbezogenen Lernen einführen zu kửnnen, werden in dieser Arbeit die Altmayerschen Deutungsmuster 3 eingesetzt, um die für die vietnamesischen Studierende relevanten Teilaspekte von den zwei

3 2013: 23ff Mehr dazu siehe Kap 2.2

5 ausgewọhlten kulturellen Aspekten auf vier Ebenen zu analysieren Darauf basierend kann ein Unterricht gestaltet werden, dessen Ziel einfacher erreicht wird.

Aufbau der Arbeit

Die Arbeit besteht aus vier aufeinander bauenden Kapiteln:

- Beginnend mit der Einleitung im ersten Kapitel lọsst sich im zweiten Kapitel die Theorie über die Literatur im DaF-Unterricht und deren Zusammenhang mit dem kulturbezogenen Lernen darstellen

- Kapitel 3 befasst sich mit der Wendezeit bzw der Wendeliteratur, wobei deren Potenzial fỹr den DaF-Unterricht erlọutert werden soll

- Die Analyse der zwei ausgewọhlte Werte im Roman „Zonenkinder“ und deren Vermittlung für die vietnamesischen Studierenden an der ULIS werden im Kapitel 4 vorgestellt

- Das letzte Kapitel schlieòt die Masterarbeit mit den Schlussfolgerungen ab.

Arbeit mit Literatur im DaF-Unterricht zur Fửrderung kulturbezogenen Lernens 5 1 Die Arbeit mit Literatur im DaF-Unterricht

Kulturbezogenes Lernen durch Literatur

Seit lọngerem herrschte der herkửmmliche landeskundliche Ansatz bei der Annọherung an den Kulturbegriff im Fremdsprachenunterricht vor Dazu zọhlen drei wichtigste Ansatzweisen: faktische-, kommunikative-, und interkulturelle Ansọtze 14 Die Kultur nach diesem Verstọndnis wọre bei einem zu vermittelnden ausgewọhlten Thema vor allem daran interessiert, anhand geeigneter Materialien zu zeigen, inwieweit ein ,,angeblicher Fakt“ tatsọchlich hergestellt ist oder ob die Sache also zwischen zweierlei rọumlichen bzw sozialen Trennungen noch so ỹber

9 gravierende Unterschiede verfügt In derartige Richtung bereitet dieser Ansatz die Lerner auf einen effizienten Umgang mit der ,fremden„ Kultur vor, beispielsweise Informationen ỹber ,Sitten und Brọuche„ oder ,Land und Leute„ des ,Zielsprache„ Dieser objektive Sinngebungsprozess beschrọnkt den Begriff von Kultur auf homogenisierend-, national-, ethnisch- und zu definierende soziale Gruppe Gegen diesen Standpunkt lọsst sich der von Altmayer (2013) einwenden Er geht davon aus, dass „[w]ir als Individuen auch nicht nur einer sozialen Gruppe, eben der Nation oder Ethnie, an[gehửren], sondern sehr vielen und teilweise auch sehr verschiedenen; unsere kulturellen Prọgungen und Orientierungen stehen quer zu den hergebrachten Grenzen nationaler oder auch ethnischer Identitọtskonstrukte“ 15

Wir sind im Zeitalter der Globalisierung, in der die Grenzen zwischen Lọndern, Regionen, rọumlich- und sozialen Trennungen allmọhlich verschwommen sind und wird groòer Wert auf die Komplexitọt, Heterogenitọt und Unỹbersichtlichkeit gelegt In diesem Zusammenhang muss erwọhlt werden, dass es sich tatsọchlich bei der Anwendung landeskundlichen Ansatzes mitunter um etwas stereotypische und verallgemeinernde Deutungen, welche man heutzutage zu vermeiden versucht Gefọhrlicherweise sind die verwerflichen althergebrachten Stereotype, die ,,unter dem Deckmantel des Kulturstandartbegriffs mit neuer pseudowissenschaftlicher Dignitọt versieht“ 16 Jeder von uns existiert als ein distinktives Individuum, das über ein Repertoire an Wissen, welches wir durch eigene soziale Erfahrungen erwerben, verfügt Von Geburt an nehmen wir alles wahr, was uns begegnet, schreiben ihm einen bestimmten Sinn zu und ordnen es in unsere Wissensordnung ein Diese selbst hergestellten bzw voraussetzungsvoll geschehenen Deutungen, Sinngebungen oder Einordnungen behalten wir nicht allein für uns selbst, sondern wir haben sie wenigstens zum Teil mit anderen, kommt auch demnach eine gemeinsame Weltdeutung zugrunde, die der sozialen Interaktion in der Wirklichkeit

10 zugrunde liegt Dieses sogenannte geteilte Wissen von einem Individuum zu einem anderen wird eben als Kultur verstanden 17 Das ist der Grund, weshalb ein deutscher DaF-Lehrer beispielsweise mit seinem vietnamesischen Kollegen in gewissem Sinne über mehr Interaktion als mit einem deutschen Fahrer verfügt, zumal dem deutschen Fahrer keine vergleichbaren Erfahrungen sowie Wissensressourcen zur Verfügung stehen, worauf er bei der Sprechhandlung zurückgreifen kann Zurỹckkommend auf den herkửmmlichen Ansatz stellt sich die Frage: „Wọre es trivial, wenn die Interaktion einer Person gegenüber von dem sogenannten ,fremden„ Land, die jedoch gar keine zugeschriebenen Deutungsressourcen zur Verfügung hat, gescheitert ist?“ In diesem Kontext wird der Ansatz des kulturbezogenen Lernens graduell in den Vordergrund gerückt Dieser Ansatz stellt den Fremdsprachenunterricht heraus: An welchem Ziel soll er sich orientieren? An welchen Lehr- und Lernprinzipien kann er sich ausrichten? Nach welchen Kriterien erfolgen die Auswahl und Aufbereitung von Lehr- und Lernmaterialien? Dazu schlọgt Altmayer die Theorie der kulturellen Deutungsmuster fỹr das kulturbezogene Lernen vor und sie ist für die Gestaltung des kulturbezogenen Fremdsprachenunterrichtes in der vorliegenden Arbeit von groòem Belang Sie geht von dem bedeutungsorientierten / wissensorientierten Kulturbegriff aus:

„Kultur erscheint vielmehr nun als jener Komplex von Sinnsystemen oder […] von „symbolischen Ordnungen“, mit denen sich die

Handelnden ihre Wirklichkeit als bedeutungsvoll erschaffen und die in

Form von Wissensordnungen ihr Handeln ermửglichen und einschrọnken.“ (Reckwitz 2000)

Diese Definition von Kultur ist nicht an (ethnischen) Territorien verbunden, sondern an Sprachen und Diskursen Ursprünglich stammt der Begriff

„Deutungsmuster“ aus dem sozialen Konstruktivismus, laut dessen die Wirklichkeit ein Konstrukt von mehreren Deutungsprozessen ist Kulturelle Deutungsmuster sind

11 demnach „das […] gemeinsame Wissen, das uns zur Sinnzuschreibung und somit zur Herstellung einer gemeinsamen Wirklichkeit zur Verfügung steht“ 18

Merkmale von kulturellen Deutungsmustern kửnnte man folgenderweise zusammenfassen:

- in dem musterhaft typisiertes Wissen über bestimmte Erfahrungen enthalten ist;

- das dazu dient, konkrete Erfahrungen und Situationen musterhaft zu deuten und einzuordnen;

- das in Sprache bzw Diskursen gespeichert und überliefert ist;

- das in der alltọglichen Kommunikation implizit und unreflektiert verwendet wird und als allgemein bekannt und selbstverstọndlich gilt 19

Was die Klassifikation der kulturellen Deutungsmuster anbelangt, so lassen sie sich auf vier Ebene verorten 20 :

1 Kategoriale Muster dienen dazu, Menschen zu klassifizieren Das heiòt uns

(die eigene Person) und den Gesprọchspartner in der sozialen Interaktion einzuordnen Dabei kommen unterschiedliche Aspekte eigener und fremder Identitọt, mit der einer verbindet (z.B Geschlecht, Alter, Auto- Heterostereotype usw.), zum Einsatz

2 Topologische Muster dienen dazu, Ordnung im Raum herzustellen und uns im Raum zu orientieren Es beinhaltet sowohl geografische Aspekte (z.B Himmelrichtungen, rọumliche Trennung zwischen Lọndern, Kontinenten usw.) als auch kulturelle Aspekte (z.B Heimat vs Fremde, Stadt vs Land, Osten vs Westen) und nicht zuletzt die klassischen Nationalstereotype, gewissermaòen das Bild von einem bestimmten Ort in einem anderen Ort gehửrt auch hier hin

3 Chronologische Muster dienen dazu, Ordnung in der Zeit herzustellen und

12 uns in Bezug auf zeitliche Verhọltnisse zu orientieren Dieses Muster lọsst sich in zweierlei Arten unterteilen: temporale Muster, die den Zeitablauf gliedern (z.B

Jahreszeiten, Tageszeiten, Tagesablọufe usw.) und mnemologische Muster, die erinnerte Zeit (z.B kulturelles Gedọchtnis oder Erinnerungsorte) reprọsentieren

4 Axiologische Muster dienen dazu, Wertungen vorzunehmen Dazu gehửren sowohl positiv besetzte Konzepte wie Freiheit, Gerechtigkeit, aber auch negative Muster wie Kriminalitọt oder Mỹll

Das Ziel des kulturbezogenen Lernens ist die kulturellen Deutungsmuster in Diskursen zu rekonstruieren und nachvollziehbar für die Lernenden zu machen Es bedeutet nicht über beliebige kulturelle Ereignisse zu sprechen, sondern die Bedeutungen, die sich darin verstecken, zu identifizieren und wọhrend des Fremdsprachenunterrichts zur Diskussion zu bringen

Die Grundlinien fỹr das kulturbezogene Lernen lassen sich folgendermaòen zusammenfassen:

1 Gegenstand ist nicht mehr die ,fremde„ Kultur, sondern die diskursiven Prozesse der Bedeutungszuschreibung und Bedeutungsaushandlung in der fremden Sprache

2 Ziel des kulturbezogenen Lernens ist die Fọhigkeit zur Partizipation an Diskursen in der Fremdsprache und Entwicklung einer global Citizenship

3 Kulturbezogenes Lernen ist ein hochgradig individueller Prozess - das Deutungslernen, das durch die irritierende Erfahrung stattfindet 21

Der enge Zusammenhang zwischen Literatur und Kultur kann man nicht bestreiten, deshalb wird immer wieder im Fremdsprachenunterricht Literatur als ein Medium des kulturbezogenen Lernens verwendet Michael Dobstadt hebt drei Punkte, die innerhalb des Verhọltnisses von Literatur und Kultur entstehen, hervor 22 :

1 Landeskundliche Lesbarkeit Obwohl die Literatur die „Wirklichkeit“ nicht widerspiegelt, sondern schafft eine andere, kann sie trotzdem das Wissen darüber,

13 d.h ỹber Gesellschaft und Kultur erweitern und ergọnzen, und noch dazu bietet sie die Chance, Einsichten in ihre Bedingungen, Konstruiertheit und Perspektivitọt zu gewinnen

2 Literatur und Wissen Seit lange her dient Literatur als Wissensspeicher, inklusive kulturelles Wissen Manchmal geht dieses Verhọltnis auch umgekehrt: man braucht zusọtzliches „kulturelles Hintergrundwissen“ um die Texte zu verstehen Darum wurde von „literarischer Kompetenz“ auch gesprochen, diese Hypothese muss aber überprüft sein

3 Vermittlung kulturbezogener Kompetenzen mit Literatur Dabei geht es vor allem um die symbolische Kompetenz (Kramsch 2006), Literatur wird zum „Text der Kultur“, der eine Menge von Zeichen in sich enthọlt, die interpretiert werden müssen Auf diese Weise analysieren die Lesenden die globale Welt um sich herum, lernen die Konstruiertheit der Kultur wahrzunehmen und zu deuten Symbolische Kompetenz lenkt die Aufmerksamkeit der Lernenden auf morphologische, syntaktische, semantische und diskursbezogene Aspekte der Form des Sprechens.

Wendeliteratur

Historischer Hintergrund der Wendezeit

Die Wendezeit, die als eines der wichtigsten Meilensteine in der deutschen Geschichte vermerkt ist, wurde schon von vielen Autoren mit ihren Perspektiven in vielerlei Bereichen untersucht und niedergeschrieben Ein fruchtiges Beispiel dafür ist die im Jahr 1992 erschienene groòe Publikation ,,Die Gestaltung der deutschen

Einheit Geschichte – Politik- Gesellschaft“ 23 Sie besteht aus zahlreichen Beitrọgen in unterschiedlichen Facetten zum Thema Wende bzw den Weg zur Wiedervereinigung, mithilfe deren ein Versuch im vorliegenden Kapitel unternommen wird, sich einen allumfassenden ĩberblick ỹber den Einigungsprozess zu verschaffen

Mit beiden Weltkriegen verging das 20 Jahrhundert mit tief elenden und schmerzhaften Wunden, die vielerlei abgrundtiefe Umbrüche in der Weltgeschichte herbeiführten In dieser schwierigen Lage musste die Welt im Allgemeinen und Europa im Besonderen neugestaltet werden Dies führte zu der Entstehung unterschiedlicher (über)regionaler Organisationen, die die Welt friedlich am Laufen halten Dazu kam beispielsweise die Etablierung der UNO 24 , um sich um den Frieden zu kỹmmern und die internationalen Drohungen diplomatisch zu lửsen NATO 25 war gegrỹndet, um die militọrische Stọrke zu versichern und nicht zuletzt kam die EWG 26 einige Jahre spọter zustande, um dem wirtschaftlichen Gewinn der Europọischen Union zu dienen 27

Die damalige Weltordnung wurde von den zwei Supermọchten (USA und Sowjet- Union) geprọgt und deren machtpolitische Rivalitọt liegt wesentlich der Auseinandersetzung zwischen liberalkapitalistischen Prinzipien und staatssozialistischen Ideen zugrunde Dass eine friedliche Koexistenz in der ersten Linie in Betracht kommen sollte, zusammen mit den gegensọtzlichen Systemen bildete sich zwangslọufig ein anderer Krieg, nọmlich Kalter Krieg, heraus Dies bestimmte maògeblich das geschichtliche Weltbild bis zum Ende der 80er Jahre Die damalige Bipolaritọt der Welt ordnete die einzelnen Staaten in den entsprechenden Blửcken ein und Europa war auch keine Ausnahme:

,,Beschleunigt durch die kommunistische Machtübernahme in Prag bildeten am 17 Mọrz 1948 Groòbritannien, Frankreich und die

Benelux-Staaten die Westeuropọische Union.`` 28

Ganz stark geprọgt wurde von dieser Tendenz erstreckte sich die Teilung zwangslọufig auf Deutschland als besiegtes Land, vorab auf Besatzungszonen, spọter auf BDR (westlicher Block 1948) und auf DDR (ửstlicher Block in 1949), die

24 United Nations Organisation (1945), auf Deutsch: VN (Vereinte Nationen)

28 Seebacher-Brandt, Brigitte: Die deutsch-deutschen Beziehungen Eine Geschichte von Verlegenheiten In:

Die Gestaltung der Deutschen Einheit Geschichte, Politik, Gesellschaft Jesse / Mitter (Hrsg.) (1992), S 19

15 sich gegenseitig in vielerlei Bereichen ỹberboten Dazu zọhlen nicht nur die Unterschiede in den in Kraft tretenden Gesetzte wie Politik, ệkonomie, Wirtschaft, sondern nicht zuletzt auch auf der gesellschaftlichen bzw kulturellen Ebene, die einen groòen Einfluss auf die Ideologie der Vửlker sogar bis heute ausỹbt, besonders bei den direkt vom Wende-Ereignis betroffenen DDR-Bürgern

Mit dem Bau der Berliner Mauer am 13 Oktober 1963 verschọrfte sich der Konflikt zwischen zwei politischen Ideologien Obwohl sich diese Mauer noch 25 Jahre erstreckt, gibt es immer Zweifel an ihrer Existenz:

„In den achtziger Jahren schlug eine die Quantitọt in eine neue

Qualitọt um: In allen Oststaaten wuchsen wirtschaftliche

Schwierigkeiten zu Krisen, offenbarte sich die politische Stagnation als Ratlosigkeit der Verantwortlichen und verflog die letzte

Glaubwỹrdigkeit der Fỹhrungen ĩberall wurde unỹbersehbar, dass es so nicht weitergehen konnte, irgendetwas musste geschehen“ 29

Mit dem Bau der Berliner Mauer gingen die grundlegenden Gesetze einher, die gegen die Menschenrechte verstieòen und in den Jahren vor dem Mauerfall in allen Lebensbereichen zu extremen Unstimmigkeiten führten Dies führte unweigerlich zu Protesten und gipfelte am 15 Januar 1989 in einer massiven Demonstration „zu

Ehren von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, die vor siebzig Jahren ermordet worden waren.“ 30

Zu der Empửrung ỹber das damalige Staatsregime der DDR trug das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking im Juni 1989 bei Dieses Ereignis verstọrkte die Feindseligkeit des Volkes gegenỹber der gegenwọrtigen Landesregierung 31 Ungefọhr in der Zeit danach, im August und September 1989, war die Migrationswelle aus der DDR stark Sie folgen ihrem Weg durch Tschechoslowakei und dann Asyl nach Ungarn, BRD sowie in andere Lọnder der

Welt Diese Welle trug dazu bei, die Macht des DDR-Staates zu dieser Zeit zu zerstửren

Der Impuls, der schlieòlich zum Fall der Berliner Mauer fỹhrte, geschah in einer humorigen Weise Bei der offiziellen Erklọrung von Gỹnter Schabowski am 9 November 1989 ỹber die Ausreisemachung nur mit Genehmigung ỹberhửrten die Leute den Teil über Genehmigung, was zu einem sofortigen Strom der DDR-Bürger in die BRD führte Der Moment des Mauerfalls war der erste Schritt im Prozess zur Wiedervereinigung Ein Jahr spọter beendete das vereinte Deutschland unweigerlich die Existenz des DDR-Staates 32

3.1.2 Die Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit in den nọchsten zwei Jahrzehnten nach der Wende

Dass die Vereinigung der deutschen Einheit gewissenmaòen von Erfolg gekrửnt war, hinterlieò sie dennoch ausgesprochen augenfọllige Spuren bei den DDR- Bürgern, die durch die Erinnerungen an die historiographische Auseinandersetzung vor der Wende zum Ausdruck gebracht wurden Beruhend auf der grundlegenden Gedọchtnistheorie von Jan und Aleide Assmann (2007) schlọgt Brauer 33 drei Typen von Gedọchtnissen vor, die den Erinnerungen an die DDR-Zeit unterliegen Es ist anzumerken, obwohl es von Assmanns Theorie ausgegangen wird, dass die historischen Erinnerungen ebenfalls ein Teil des kommunikativen Gedọchtnisses sind, die alltọglich ỹber Generationen hinweg ỹberliefert werden, họlt Brauer den Fall der DDR-Erinnerungen nicht fỹr vửllig treffend Dazu konstatiert sie, dass

,,es aufgrund einer unmittelbaren juristischen, wissenschaftlichen und publizistischen Bearbeitung der DDR zu einer raschen Objektivierung der DDR als Geschichte im kulturellen Gedọchtnis 34 kam.`` 35

34 Das kulturelle Gedọchtnis nach Assmann versteht sich als ,,schicksalhafte Ereignisse der Vergangenheit, deren Erinnerung durch kulturelle Formung (Texte, Riten, Denkmọler) und institutionalisierte Kommunikation (Rezitation, Begehung, Betrachtung) wachgehalten wird Wir nennen das Erinnerungsfiguren“ Assmann, Jan: Kollektives Gedọchtnis und kulturelle Identitọt In: ders/Tonio

Hửlscher: Kultur und Gedọchtnis Frankfurt am Main 1998, S 10

Sie schlieòt damit die Rolle des kommunikativen Gedọchtnisses nicht aus, sondern die beiden stehen bis heute nebeneinander und leisten jeweils ihren eigenen Beitrag zur Entstehung der DDR-Erinnerungen nach der Wende Im Zuge der nọchsten zwei Jahrhunderten lọsst sich das der Zeit nach der Wende entsprechende Gedọchtnis in drei kleineren unterteilen, die chronologisch eingeordnet sind:

Gleich nach der Wiedervereinigung kristallisierte sich das Diktaturgedọchtnis heraus Es bestand zu dieser Zeit ein groòes Bedỹrfnis nach der Aufarbeitung des SED-Unrechts bzw der Enthỹllung ỹber die Aktivitọten der Staatssicherheit Zudem entstand zwangslọufig eine erhebliche Menge von Debatten, wobei es sich allerersten um politisches und juristisches System der ehemaligen DDR handelt Zusammen mit dem offenen Zugang zu den auf DDR-System bezogenen Materialien führte dies zu zahlreichen historischen Forschungen Aus diesem Grund wuchs die Erinnerungsfigur Diktatur bei der ostdeutschen Bevửlkerung, ,,die Menschen unterdrückte und eingesperrte und die durch einen friedlichen Widerstand in einer friedlichen Revolution überwunden wurde.“ 36 Diese Figur prọgte die deutsche Kultur (besonders ostdeutsche Kultur) in den 90er Jahren durchaus maògeblich Eckert 37 - ein Kulturpolitiker gab dieser kulturellen Tendenz keinen Namen, aber er stimmte mit ihr in seinem Beitrag vollkommen überein Dazu fỹgte er noch weitere Beispiele hinzu: Gedenkstọtte Berlin- Hohenschửnhausen (1994); Gedenkstọtte Normannenstraòe in dem ehemaligen Ministerium für Staatssicherheit (1990); Stasi-Unterlagen-Archiv (1991) und viele verschiedenen Museen und Denkmọler zur Berliner Mauer

Nach den ersten Jahrzehnten nach der Wiedervereinigung mit voller kritischer Grundstimmung zu der DDR-Erinnerung durch die intensive Offenbarung der DDR-Vergangenheitspolitik, zusammen mit der Enttọuschung ỹber das neue Leben

Der Begriff ,,Wendlitaratur“

,,Literatur ist der Spiegel der Gesellschaft“, so lautet ein bekannter Ausspruch Die Literatur ermửglicht allen sozialen Schichten den Zugang vorab zur Verfỹgungsstellung, anschlieòend zur Rezeption, Distribution und zuletzt zur Produktion Mithin kửnnen alle Epochen der Geschichte auf vielerlei Ebenen veranschaulicht werden Die Wendezeit ist ebenfalls keine Ausnahme Trotz zahlreicher publizierter Werke wurden viele Versuche in den letzten Jahrzehnten durchgeführt, um einen klar umrissenen Begriff „Wendeliteratur“ zu definieren Zum ersten Mal erwọhnt wurde dieser Begriff im Beitrag ,,Schwanengesang auf ein geteiltes Land Der Herbst 1989 und seine Folgen in der Literatur“ von Astrid

Herhoffer und Birgit Liebold 55 Wendeliteratur versteht sich in diesem Sinne als alle Werke, die:

- sich stofflich auf die Zeit der Wende beziehen;

- durch den Wegfall von Zensur, Selbstzensur und Materialforschung (Dokumenten, Stasiakten, usw.)

Die vielzọhligen sowie bereichsỹbergreifenden Themen ,,machen [sic!] einen Gesamtỹberblick unmửglich, zumal das Spektrum vom Gedicht bis zum aufgearbeiteten Treuhand-Bericht reicht […].“ 56 Diese Einordnung der zu Wendeliteratur gehửrigen Werke vertraten ebenfalls auch Frửhling, Meinel und Riha (1996) unter dem Titel ,,Wende-Literatur Bibliografie und Materialien zur

Literatur der Deutschen Einheit“ 57 Ihres Erachtens steht thematisch- stofflicher Bezug auf die Bezeichnung der Deutschen Einheit im Vordergrund und die Kriterien zur Literaturauswahl sind analog zu deren von Herhoffer und Liebold

53 abrufbar unter: http://netzwerk.dritte-generation-ost.de [Stand: 03.11.2020]

54 abrufbar unter: https://zeitenwende-lernportal.de [Stand: 03.11.2020]

55 vgl Herhoffer, Astrid / Liebold, Birgit In: Buch und Bibliothek 45 (1993) 6 / 7; S 587-604, S 587f

57 vgl Frửhling, Jửrg / Meinel, Reinhild / Riha, Karl In: Jửrg Frửhling / Reinhild Meinel / Karl Riha (Hrg.): Wende-Literatur Bibliographie und Materialien zur Literatur der Deutschen Einheit 3., überarbeitete und erweiterte Auflage Frankfurt a.M / Berlin / Bern / Bruxelles / New York / Wien 1999 (Bibliographien zur Literatur- und Mediengeschichte, Band 6); S 7-12

Hier muss auch darauf hingewiesen werden, dass Jửrg, Meinel und Riha ebenfalls auch betonten, ,,daò sie [alle Werke zu jener Zeit] die politischen Verọnderungen thematisieren: authentisch, fiktional oder reflexiv“ 58 Es lọsst sich sehen, dass sich die meisten Autoren in den Jahren gleich nach der Wiedervereinigung dem Thema ,,Wende“ mit durchaus politischen Verọnderungen als Hauptmotiv annọherten Dies sei laut Reinmann 59 dadurch zu erklọren, dass sie - die Autor(inn)en aus der DDR sich zu dieser Zeit in einem ,,gesellschaftlichen Transformationsprozessen“ befanden und jeden Tag ununterbrochen gefordert wurden, sich neu zu orientieren Die hektisch- rasch zunehmende Umwọlzung in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen lieò mithin die DDR-Autoren keine Zeit, ỹber ihre persửnlichen Erlebnisse kurz vor der Wende ọsthetisch zu reflektieren Mit einem Wort - war Literatur am Anfang der Nachwendezeit vollkommen von rein politischen (sowohl alte als auch neue) System geprọgt

Der Begriff ,,Wendeliteratur`` wurde weiterhin in den nọchsten Jahren unter die Lupe genommen Grub 60 griff diesen Begriff in seiner groòen Publikation ỹber die Wendezeit nochmal auf und er stellte 5 Kriterien vor, nach denen ein Werk bewertet werden kửnnen Es ist anzumerken, dass lediglich eins bis zwei Kriterien erfỹllt werden muss, um zu bestimmen, ob es als Wendeliteratur gilt Die Kriterien sind:

1 Thematisch- stofflichen Bezug zur Wende;

2 Erscheinung erst nach dem Wegfall von Publikationsbeschrọnkungen (Zensur, Selbstzensur);

3 Reflexion über das Leben in Deutschland vor und nach der ‚Wende„ aus der Perspektive der Nachwendezeit;

4 Dokumentarische Texte, deren Publikation durch das Ende der DDR erst mửglich wurde, sowie Forschungsberichte ỹber die DDR und Teilbereiche des Lebens in der DDR;

5 Vor 1989 geschriebener Literatur, die die ‚Wende„, etwa durch die explizite oder implizite Thematisierung von Missstọnden in der DDR, ‚vorbereitete„

Es lọsst sich deutlich sehen, dass den Grubs Kriterien zum Teil die von vorherigen Autoren aufgestellten Kriterien zugrunde liegen, werden aber ausführlicher analysiert und systematisiert Durch das erste Kriterium rückt die Wende als historisches Ereignis eher in den Hintergrund und versteht sie sich in diesem Zuge ausschlieòlich als Plot eines Werkes Wegen der neuen Rechtssituation im Bundesland nach der Wiedervereinigung gab es damals die so genannte ,Vereinigungskriminalitọt„ in den ửstlichen Bundeslọndern, mit der viele Autoren für ihre Bücher als Hauptthema verwendeten:

,,es handelt sich meist weniger um eine literarische Verarbeitung der

Wende und der Folgen der deutschen Vereinigung im engeren Sinne als um Kriminalromane mit mehr oder weniger konventionellem Plot vor dem Hintergrund der deutschen Einheit“ 61

Auòer jener Kriminalliteratur zọhlen noch zu diesem Kriterium die historischen Romane, die sich dem Thema „Wende“ in einer allegorischen Weise annọhern und die Texte, in denen der Stellenwert der Wende nicht im Fokus steht, sondern eher als zeitliche Verankerung nur kurz erwọhnt wird 62

Das zweite Kriterium referiert auf die Werke, die in der damaligen DDR geschrieben wurde, erst nach der Vereinigung wegen der (Selbst)Zensur verửffentlicht werden durften Die Literaturzensur in der DDR halten Ernst Wichner und Herbert Wiesner 63 in ihrer Publikation für eine Voraussetzung der Literaturfửrderung und sie gilt als eine kulturpolitische Lenkung in dieser Zeit Manfred Jọger 64 - ein deutscher Politiker - ergọnzt auch dazu, dass die

Anmerkung: Grub greift zudem auch noch die Werke auf, die schon lang vor der Wende niedergeschrieben wurden, durch die Wende einen neuen Stellenwert bekamen Er họlt dennoch diese Werke nicht fỹr Kern der Wendeliteratur und daher werden sie in der vorliegenden Arbeit erwọhnt

64 vgl Vortrag anlọsslich der Ausstellung „Zensur in der DDR“ 1991: zit nach Hửrnigk 1992: 102

Schriftsteller/Innen sich in den Bearbeitung- und Genehmigungsprozess mit hineingenommen werden mussten Dies diente einerseits dem Respekt des Urheberrechts der Autor/Innen, andererseits waren sie eben mit zustọndig fỹr die Zensur ihrer Werke Warum ein Werk zur Verửffentlichung abgelehnt wurde, lagen viele Grỹnde vor Einer der augenfọlligsten davon war, dass dessen Schreiben die Bedingung im ,,realen Sozialismus“ nicht erfüllte und nicht staatstragend und parteilinientreu zu sein schien 65 Aus diesem Grund erschien eine maògebliche Menge von historischen (biografischen) Dokumenten und Romanen, die erst nach dem Untertauchen der DDR-Politik zum Vorschein gebracht wurden und deren Hauptthemen sich meist auf die schlechten Seiten der DDR, beispielsweise Enthüllung, Skandale, Wirtschaftschaos, Supermarktschlachten 66 usw beziehen Die spọtere Erscheinung dieser Publikationen mussten folglich mit einem Vor- oder Nachwort versehen, als Erklọrung fỹr die Zensur zu dienen, wie in einem Nachwort von Biskupek 67 :

,,[…] Beim Schreiben vermutete ich noch, das mein Text erneut nur ein Testballon sein konnte: wie vorsichtig muss ich die Wahrheit sagen, damit sie nicht geschluckt, sondern gedruckt wird […]“

Auch gewonnen wurde vom Wegfall der Publikationsbeschrọnkung zọhlen dabei die Archive, die historische Erkenntnisse über das politische System in der DDR sowie alles, was sich dahinter versteckt, von den Allgemeinen bis zum kleinsten Detail ans Licht brachten Dazu gehửren derartige Textsorten wie Protokolle, Artikel in Zeitschriften, Dokumenten, Briefen, meinte Grub mit dem vierten Kriterium 68 Beim fünften Kriterium handelt es sich um alle vor der Wiedervereinigung geschriebenen Werke, , mit denen die Autor/Innen entweder explizit oder implizit eine Warnung zu einem ,,nicht wiedergutzumachende[n]

Schaden, mit unabsehbaren Folgen“ 69 hinterlieòen, wenn die Situation in der DDR nicht in eine bessere Richtung gelenkt würde Es muss dabei beachtet werden, dass diese Werke durchaus kunstvoll verfasst und durch Schreibstrategien eingebettet wurden, um das Einverstọndnis und die Einfỹhlung bei den Leserinnen und Lesern auszulửsen Dieses Kriterium per se scheiden sich dessen ungeachtet noch die Geister, zumal die zu diesem Kriterium passenden Werke sich nicht auf das Herbstereignis 89/90 beziehen, sondern eher eine reine DDR-Literatur 70 Dieses Argument erschwert eben einerseits den schon genug komplizierten Begriff der Wendeliteratur, stellt sich andererseits eine offene Frage nach der Abgrenzung der Wende- und DDR-Literatur Aus diesem Grund lassen sich diese Werke nicht in diese vorliegende Untersuchung mit einbeziehen

Wọhrend die oben aufgelisteten Kriterien schon von vielen Autoren betrachtet wurden, brachte Grub einen neuen Aspekt in die Diskussion ein Nachdem das neue Deutschland seit der Wende von der Enthüllung des diktatorischen Systems in hohem Maòe ỹberflutet war, ging daraus ein groòes Bedỹrfnis an ,,Bilanz zu ziehen“ hervor Daran beteiligten sich nahezu alle gesellschaftlichen Klassen, von den Schriftsteller/Innen bis hin zu prominenten Menschen beispielsweise Sọngerinnen und Sọngern; Sportlerinnen und Sportlern; Politikerinnen und Politikern usw 71 Die von denen verfassten Autobiografien reichen daher über zahlreiche und vielfọltige Themen, die viele bedeutende Informationen zur Verfỹgung stellen und als ,,Geschichtsbewọltigung nach der 1989 […] ehemaliger

DDR-Autoren“ 72 gelten Es ist hervorzuheben, dass die Autobiografien aufgrund der intensiven Beschọftigung mit der persửnlichen Vergangenheitsbewọltigung eher subjektiv als objektiv sind:

,,Damit aber zieht man den Wahrheitsgehalt jeder Autobiographie in

Zweifel Denn da das Wissen ỹber das eigne Leben so groò ist, dass

Tausende von Seiten damit gefüllt werden konnten, kommt kein autobiographischer Schreiber ohne das Auswahlen aus Er muss, will er sein Leben erzọhlen, die groòen und kleinen Teilchen desselben sondern und wagen, Wichtiges von Unwichtigem trennen, einen Aussonderungsprozeò also vollziehen.“ 73

Wendeliteratur und deren Potenziale für das kulturbezogene Lernen im DaF-

Das kulturbezogene Lernen, dessen Fokus dem geteilten Wissen zwischen den Lernenden und dem zu behandelnden kulturellen Aspekt unterworfen ist, wirft sich die Frage auf, inwiefern die Wendezeit - ein zu Deutschland gehửriges und historisches Phọnomen – das Repertoire an Wissen bei auslọndischen Lernenden auslửsen kann, dadurch die Lernenden im kulturbezogenen Unterricht in die Auseinandersetzung mit den kulturellen Aspekten eingebunden und sie zur Diskussion gebracht werden kửnnen 87 Aus diesem Grund muss in erster Linie beachtet werden, an welche Zielgruppe der Unterricht sich richtet und welches Thema dabei in Frage kommt Weil die vorliegende Arbeit sich lediglich auf DaF- Lernende konzentriert, wọre es demzufolge schlỹssig, eine klare Abgrenzung zwischen DaF und DaZ-Lernende als Zielgruppe zu ziehen

Unter DaZ versteht man die Vermittlung der deutschen Sprache an die Fremdsprachigen im deutschen Sprachraum Die Lernenden kommen in der Regel aus unterschiedlichen Lọndern, leben im deutschsprachigen Raum und haben den unmittelbaren Kontakt zu der Sprache Daher ist der Unterricht ganz heterogen in Bezug auf die Erstsprache, kulturelle Sicht, erworbene Weltkenntnisse usw 88 Das Erlernen der deutschen Sprache findet nicht nur im Unterricht statt, sondern ist in groòem Maòe auch auòerunterrichtlich Die deutsche Sprache lọsst sich nicht von der Muttersprache trennen, sondern ,,sie folgt der Muttersprache hinsichtlich ihrer sozialen und kommunikativen Bedeutung“ 89 Das heiòt in weiterem Sinne, dass alle zu Deutschland gehửrigen Aspekte fỹr sie spỹrbar im engen Umfeld sind und langsam in ihre Wahrnehmung einmỹnden kửnnen

Im Vergleich zu DaZ bezeichnet DaF die Vermittlung der deutschen Sprache an die sprachhomogene Gruppe, die im Ausland leben und über keinen lebensnahen

89 Barkowski 1989: 301, zit nach Zappen-Thomson 2000: 20

Kontakt zu Deutschland verfügen Dabei spielt der Lehrort laut Giersberg 90 eine bedeutende Rolle, nach dem wie und welche von den zu vermittelnden Inhalten eingesetzt werden Da die deutsche Sprache in diesem Kontext sich als fremde Sprache erweist, ergibt sich daraus die vergleichende Analyse mit der Muttersprache, die sich nicht nur im sprachlinguistischen Bereich befindet, sondern auch in Literatur und Landeskunde Auf diese Kenntnisse stoòen die Lernenden meist ausschlieòlich im Unterricht durch von der Lehrperson gegebene Materialien, verlangt es von der Lehrperson, mit der sorgfọltigen Auswahl der im Unterricht eingesetzten Texte, Bilder usw bewọltigen zu kửnnen

Es ist augenfọllig, dass die Verwendung der Wendeliteratur fỹr das kulturbezogene Lernen im DaZ-Unterricht einfacher und realisierbarer ist, zumal alle kulturellen Aspekte, die zu Deutschland im Allgemeinen gehửren und von der Wendezeit im Besonderen geprọgt wurden, sind den DaZ-Lernenden noch so auffọllig und spỹrbar, dass sie ỹber genỹgend Inputs ỹber das ausgewọhlte Thema verfỹgen und sich daran aktiv beteiligen kửnnen Beispielsweise lọsst es sich auflisten, wie ,Optimistisch„; ,unterschiedliche Verhaltensweise zwischen Osten und Westen„; ,Identitọtssuche bei den Ostdeutschen„; ,kulturelle Auseinandersetzung„ usw

Wọhrend nahezu alle Themen zu der Wendezeit bei DaZ-Lernenden angewandt werden kửnnen, gibt es bislang nach wie vor wenige Beitrọge, deren Fokus auf DaF-Lernenden als Zielgruppe liegt Das Schwierigste wọre es hierbei zu finden, ob es einen Zusammenhang beim ausgewọhlten kulturellen Aspekt der Wendezeit mit dem Land, in dem sich die Lernenden befinden, gibt Bei einer oberflọchlichen Betrachtung gibt es anscheinend keine Antwort auf diese Frage Dies verlangt man eben eine tiefe Auseinandersetzung mit der Weltgeschichte sowie der essenzielen Eigenschaft der Wende An dieser Stelle sollte auf Kapitel 3.1 einen Blick zurückwerfen, wie die Weltbilder damals aussahen Nach dem 2 Krieg teilte sich die Welt in zwei politische Systeme, denen alle Lọnder auf der Welt folgen

34 mussten Als Ergebnis waren langsam die meisten Lọnder von kapitalistischem System betroffen, einige davon lieòen sich von sozialistischem System beeinflussen Das politische System entscheidet nicht nur die Regierungsweise eines Landes, sondern es schleicht sich in nahezu alle sozialen Bereiche ein, nicht zuletzt in die Ideologie, die Kultur und die Ansichtsweise zu der Welt, die bei den Vửlkern jener Lọnder bis heute noch so ausgeprọgt sind Wegen des kulturspezifischen Verlangens der Zielgruppe lọsst sich bisher wenige Beitrọge dazu finden

In der Arbeit von Bọtge, Hoang, Le (2019) setzen sie sich mit italienischen Studierende als Zielgruppe auseinander, deren Lehrplan sich mit dem Ereignis 89/90 beschọftigt Es handelt sich um den Unterschied bei der Verwendung und der Bedeutung des Begriffs ,Wende„ und ,friedliche Revolution„, welche sich vermeintlich auf das besagte Ereignis beziehen Wọhrend dieses historische Ereignis von der Welt auòerhalb der ehemaligen DDR als ,friedliche Revolution„ oder auf Englisch ,peaceful revolution„ bekannt wird, erzọhlt sich durch den Begriff ,Wende„ eine andere Welt, in der die Geschichte anders gesehen wird Durch die Arbeit lassen sich nicht nur historische Faktenwissen an die Studierenden vermitteln, sondern dả kulturbezogene Aspekt wird auch mithilfe der Altmayerschen Deutungsmuster durch die dazu passende ausgewọhlte Literatur zur Diskussion gebracht Zur Auswahl der Wendeliteratur kommt das Gedicht ,die Wende„ (1994) 91 von Gỹnter Ullmann in Betracht Dieses Gedicht gehửrt zum Diktaturgedọchtnis mit dem Hauptmotiv ỹber die Enthỹllung der schlechten Seite der ehemaligen DDR, in dem Sinne die Frage nach einem neuen System für die ehemalige DDR gestellt und der Zusammenbruch vor und auch nach der Wende zum Vorschein gebracht wird In diesem Zuge sollten die Studierenden die Geschichte an unterschiedlichen Positionen einschọtzen, sowohl was sie schon bislang wissen als auch eine andere Perspektivierung des Themas wahrnehmen Abuawad (2019) nọhern sich dem Thema mit einer anderen Zielgruppe an, die sich

35 direkt auf ihn bezieht, nọmlich die palọstinensischen Deutschlernende Seine Arbeit beschọftigt sich mit der Berliner Mauer als Erinnerungsort, deren Bild das Diktaturgedọchtnis auslửsen kann, im Sinne von Auseinandersetzung mit der Erfahrung mit der gewaltsamen Bekọmpfung der Regime, der Fluchtbewegung, dem Schieòbefehl, der Absperrung der inneren Grenze und Ausreiseverbot, welche die Bürger in Trauer, Wut und Verzweiflung brachten In derselben Lebenslage wie die ehemaligen DDR-Bỹrger befinden sich heutzutage die palọstinensischen Deutschlernenden, bei denen das Interesse an diesem Thema zu erwarten ist Er betont ebenfalls, dass die Anwendung dieses Konzepts hoch relevant für den Deutschunterricht ist, zumal es in vielen Lehrwerken auf Niveau B1 eine Unterrichteinheit zur Vermittlung der Grundkenntnisse über die Berliner Mauer gibt, was dem herkửmmlichen Unterricht eine potenzielle Einbettung des kulturbezogenen Lernens einrọumen kửnnte 92 Dieses Konzept erfolgt durch die Beschọftigung mit dem Gedicht ,Die Mauer„ (1991) 93 von Reiner Kunze, dessen Motiv sich auf die (Reise)freiheit, die Ahnungslosigkeit der Bürger sowie die Ungerechtigkeit und Skrupellosigkeit des politischen Systems, die durch das Bild einer Mauer metaphorisiert werden, beschrọnkt

Dass die ehemalige DDR strebte das sozialistische System an, führte dies zwangslọufig dazu, dass alle Bereiche in der DDR stark von den sozialistischen Ideen geprọgt wurden Daher wirft sich die Frage auf, ob es einen Zusammenhang zwischen der ehemaligen DDR und heutzutage den Sozialismus verfolgenden Lọndern gibt, damit kann der Deutschunterricht mit dem kulturbezogenen Lernen durchgefỹhrt werden In diesem Zuge sollten die Werke erwọhnt werden, die die ehemalige DDR-Welt darstellen, besonders die kulturell-, gesellschaftlichen Aspekte, die schon in die Wahrnehmung der Vửlker jener sozialistischen Lọnder einmünden Bei der Auswahl der kulturellen Aspekte muss beachtet werden, ob sie wegen der Sensibilitọt des politischen Systems fỹr das jeweilige Land in Frage

36 kommen Dazu kửnnten sich die Werke mit den Motiven ,Identitọtsgedọchtnis„ und ,Gefỹhle der Melancholie„ eignen Leider gibt es bisher keine Beitrọge, die sich mit diesem Umfeld auseinandersetzen Aufgrund dessen beschọftigt sich die vorliegende Arbeit mit den vietnamesischen Deutschstudierenden, die dem sozialistischen System ausgesetzt sind und einen unmittelbaren Kontakt zu der kapitalistischen Welt aufgrund der offenen Auòenpolitik sowie der Geschichte des Landes in allen Bereichen, beispielsweise von Wirtschaft, Industrie bis zu Kultur, Gesellschaft, haben - was das Besondere an dem sozialistischen System Vietnams im Vergleich zu anderen sozialistischen Lọndern ausmacht

Im nọchsten Kapitel lọsst sich ein ĩberblick ỹber die vietnamesische Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten veranschaulichen, um sich daraus die angebrachten kulturellen Werte fỹr diese Zielgruppe ergeben zu kửnnen Zum Konkretisieren dieses Konzepts erfolgt anschlieòend eine ausfỹhrliche Analyse der behandelten Werte in einer ausgesuchten Wendeliteratur, was der Unterrichtsgestaltung nach diesem Konzept für die vietnamesischen Deutschstudierenden zugrunde liegt.

Die Vermittlung der ausgewọhlten kulturbezogenen Werte im Roman ,,Zonerkinder“ für die vietnamesischen Studierenden

Auswahl der zu unterrichtenden kulturellen Werte

4.1.1 Ein ĩberblick ỹber vietnamesische Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, Wenderoman anzuwenden, um die Zielgruppe der vietnamesischen Studierenden an der Universitọt zu unterrichten, ist notwendig, die soziale Situation, die allgemeine Politik und Geschichte Vietnams, insbesondere die Rolle der Kommunistischen Partei beim Aufbau des Landes in Richtung einer sozialistischen Ausrichtung nachzuvollziehen Der Zweck, in diesem Teil einen ĩberblick ỹber vietnamesische Gesellschaft zu geben, besteht darin, eine Voraussetzung zu schaffen, um die Beziehung zwischen der vietnamesischen Gesellschaft und der im ausgewọhlten Roman erwọhnten Gesellschaft in ehemaligem Ostdeutschland zu erklọren Daraus kửnnen die vietnamesischen

Studierenden an Diskussionen in einem kulturbezogenen Deutschunterricht teilnehmen, was auf ihren bislang erworbenen Kenntnissen und Erfahrungen beruht Vietnam ist eines der seltenen verbliebenen Lọnder der Welt, das sich noch sozialistisch orientiert Mit der Führung der Kommunistischen Partei hat Vietnam wiederholt seine Politik geọndert, um sie an die soziale Situation jeder Periode anzupassen, und hat bisher internationale Anerkennung gefunden Um den Sozialismus in Vietnam sowie den Grund, warum Vietnam diesen Weg eingeschlagen hat, besser zu verstehen, ist es notwendig, in die 40er Jahre des 19 Jahrhunderts zurückzukehren, um die Entstehung des Sozialismus sowie wofür es steht zu verstehen

Mit den Maschinen begann die zweite industrielle Revolution, die in Europa begann und sich bald auf der ganzen Welt ausbreitete Die Entwicklung von Wissenschaft und Technologie in dieser Zeit fỹhrte zu einem immer stọrkeren Besitz der Produktionsmittel, was die Dominanz des Kapitalismus hervorhob Aus diesem Grund nimmt der Konflikt zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat (auch als Arbeiterklasse bekannt) zu Der Hửhepunkt der Arbeiterrevolten fand von 1886 bis

Mit ihrer wachsenden Entwicklung ist die Arbeiterklasse unerlọsslich, um ein Argumentationssystem und eine politische Plattform als Leitfaden fỹr Maònahmen zu haben Basierend auf den philosophischen Gesichtspunkten von Hegel und Feuerbach analysierten, modifizierten und schufen Marx und Engels, um diese idealistische Philosophie in eine solide, kohọrente und wissenschaftliche politische Haltung zu verwandeln Tatsọchlich gaben Marx und Engels im Februar 1948 das Manifest der Kommunistischen Partei heraus, das die ersten Schritte für die internationale kommunistische Bewegung darstellte Mit einer klar konstruierten politischen Linie hat Lenin diese Theorien mit dem Aufkommen des ersten sozialistischen Staates der Welt im Jahr 1917 - des Sowjetstaates - angewendet und

38 in die Realitọt umgesetzt Dieses historische Ereignis schuf einerseits ein direktes Gegengewicht zum damaligen kapitalistischen Staat in der Welt, andererseits schuf es ein Modell fỹr die spọteren sozialistischen Lọnder 95

In Vietnam war das Proletariat im 20 Jahrhundert mit der Kolonialisierungspolitik der franzửsischen Kolonialisierung entstanden und wurde allmọhlich zur Kernkraft der nationalen Befreiungsbewegung Das vietnamesische Proletariat kam aus der Arbeiterklasse, aus Bauern und Intellektuellen, teilte den gemeinsamen Wunsch, nationale Unabhọngigkeit zu erlangen und das unterdrỹckende Joch des Kolonialismus zu beseitigen Das vietnamesische Proletariat verfügt nicht nur über ein solides Klassenbewusstsein mit einer festen politischen Haltung, sondern trọgt auch den Geist und die gemeinsamen Interessen des gesamten vietnamesischen Volkes Aus diesem Grund bestimmte Vietnam unter der Führung von Ho Chi Minh den Weg der nationalen Befreiung als den Weg zum Sozialismus Am 3 Februar

1930 wurde die Kommunistische Partei Vietnams gegründet, die den Marxismus- Leninismus als Leitfaden für alle Handlungen der Partei verwendet und einen sozialistischen vietnamesischen Staat in allen Bereichen aufbaut 96

Bis Mitte der 1980er Jahre, betroffen von fünf aufeinanderfolgenden Kriegen, die Hungernot verursachten, musste Vietnam im Jahr 1986 mit dem bekannten Namen

,,Doi-Moi“ gezwungen sein, von der Zentralverwaltungswirtschaft zur sozialistischen Markwirtschaft zu wechseln, in der die privaten Sektoren sich verstọrken lieòen und wurden stark mit dem europọischen Markt gehandelt Unterdessen wurde Monobanksystem abgeschafft In Bezug auf die Landwirtschaft haben die Landwirte das Recht, ihre eigenen Produkte zu besitzen und den Preis für das fertige Produkt zu bestimmen Die Genossenschaften wurde auch allmọhlich abgeschafft Diese Reform hat Vietnam geholfen, schnell zu wachsen und bis heute aufrechtzuerhalten 97

Es ist ersichtlich, dass das Teilen der Form eines sozialistisch orientierten Staates mehr oder weniger die Ähnlichkeit in der sozialen Struktur, Ideologie und Bildung zwischen den beiden Lọndern des damaligen DDR-Staates und dem vietnamesischen Staat beeinflusst hat Deshalb ist es verstọndlich, kulturelle Werte zu finden, die Ähnlichkeiten zwischen beiden Seiten aufweisen Das Konzept kultureller Werte, das in der vorliegenden Arbeit verwendet werden soll, muss hier kurz diskutiert werden In diesem Sinne versteht sich der kulturelle Wert als ,,a conception […] oft the desireable which influences the selection from available modes, means, and ends of action” 98 Schulbert 99 geht von dieser Ansicht aus und er unterscheidet den Begriff ,,Wert“ von ,,Norm“ sowie deren Orientierung ganz deutlich Wọhrend Normen die Richtigkeit des sozialen Handelns ausdrỹcken, setzen sich Werte mit der Beurteilung des Akteurs auseinander, und je nach dem Hintergrund kultureller Werte kann eine Handlung (egal ob sie der richtigen sozialen Norm entspricht oder nicht) bewertet werden Das heiòt, es benửtigt von dem Akteur den Wissensvorrat, um die Handlung beurteilen und an Diskussionen teilnehmen zu kửnnen Aus diesem Grund ist dieser Begriff fỹr das kulturbezogene Lernen von groòem Belang

An dieser Stelle sollte es auf die beiden kulturellen Werte zurückkehren, die in dieser Arbeit verwendet werden Der erste erwọhnte kulturelle Wert wird „das

Gemeinschaftsgefühl“ sein Diese Wahl ist leicht zu verstehen, da das Ziel des sozialistischen Staates ein Staat ist, in dem jeder das gleiche Ideal teilt Damit es verwirklicht werden kửnnte, mỹsste die Gesellschaft so aufgebaut werden, dass sich die Bỹrger als Teil dieser Gemeinschaft fỹhlen kửnnen Ein zweiter kultureller Wert wird ,,die Integration in eine offene Welt“ sein Dies hat viel mit dem sozialistischen Staat zu tun, wenn die Anzahl der Lọnder der Welt, die diesem Weg folgen, sehr gering ist Dies wird selbstverstọndlich allmọhlich dazu fỹhren, neue Dinge zu vergleichen, zu betrachten, zu bewerten oder sogar den Wunsch zu haben, sie zu erleben Diese Hypothesen werden die Voraussetzung für diese zwei

40 kulturellen Werte sein Es muss hier noch mal erwọhnt werden, dass die beiden oben genannten kulturellen Werte sehr weit gefasst und je nach den Situationen unterschiedlich sind Daher sollte es in dieser Arbeit nur allgemeine Theorien für diese beiden kulturellen Werte geben, und dann werden sie durch Analyse des Romans geeignete Teilaspekte herausgezogen

Der Begriff ,,Das Gemeinschaftsgefühl“ tauchte erstmals im frühen 20 Jahrhundert in Alfred Adlers Definition der Individualpsychologie als Gegenbegriff zu Machtkultur auf Zu dieser Zeit waren jedoch viele Ansichten mit diesem Begriff nicht einverstanden und gingen davon aus, dass er zum religiửsen Bereich gehửrte und nicht zu einer Wissenschaft wie der Psychologie 100 Einige Jahre spọter wurde dieser Begriff inhaltlich hinzugefỹgt, aber er fọllt dem Autor immer noch sehr schwierig:

„Ich bin nicht in der Lage, es ganz eindeutig zu definieren, aber ich habe bei einem englischen Autor eine Wendung gefunden, die klar zum Ausdruck bringt, was wir zu unserer Erklọrung beitragen kửnnten: mit den Augen eines anderen zu sehen, mit den Ohren eines anderen zu hửren, mit dem Herzen eines anderen zu fỹhlen Das scheint mir eine vorlọufig zulọssige Definition von dem zu sein, was wir unter Gemeinschaftsgefühl verstehen." 101

Adlers Auffassung lọsst sehen, dass die Betrachtung eines Individuums als Teil eines grửòeren Ganzen den Menschen helfen kann, Einfỹhlung aufzubauen sowie die kooperative Bereitschaft zu anderen zu haben, wodurch sie sie als Instrument verwenden, um ihr Leben zu beherrschen und sie sich auf die Dinge zu lenken, die der Gemeinschaft zugutekommen Kurze Zeit spọter fỹgte Adler in der Publikation

„Psychotherapie und Erziehung Ausgewọhlte Aufsọtze“ 102 einige Punkte hinzu Einige Aspekte kửnnen wie folgt zusammengefasst werden:

- Das Gemeinschaftsgefühl ist nicht angeborene Gegebenheit, sondern es soll als angeborene Mửglichkeit verstanden werden Das heiòt, es ist angeboren, aber es wird bewusst und unter individuellen Umstọnden entwickelt

- Das Maò des Gemeinschaftsgefỹhls họngt von der Beziehung zwischen dem Individuum und seiner Umgebung ab Es beginnt mit einer Mutterschaft und dann mit den Menschen, mit denen jeder Einzelne in seiner Umgebung in Kontakt steht Adler betont hier auch die Bedeutung der Erziehung sowie der Bildung für die Entwicklung eines Gemeinschaftsgefühls für jeden Menschen ab einem jungen Alter

- das Gemeinschaftsgefühl ist bestimmendes Moment für die charakterliche Entwicklung eines Menschen

Basierend auf den obengenannten Erlọuterungen von Adler ỹber das Gemeinschaftsgefühl versucht Hobma 103 in seinem Beitrag diesen vagen Begriff konkreter in fỹnf Punkten zu erlọutern:

- Es ist Offenheit und Bereitschaft gegenüber Menschen in der Gemeinschaft

- Es ist ein Zugehửrigkeitsgefỹhl, ein Bewusstsein, sich mit anderen zu verbinden

- Es ist die Fọhigkeit und Bereitschaft, die gemeinsamen Aufgaben der Gemeinschaft zu koordinieren und zu erledigen

- Es ist die Fọhigkeit und Bereitschaft, zum gemeinsamen Wohlstand beizutragen und neben der Annehmlichkeit auch unvermeidliche Beschwerde zu akzeptieren

- Es ist die Fọhigkeit und Bereitschaft, sich in die Lage anderer hineinzuversetzen, dies zu beachten und zu bewerten

Dieser Auffassung von Adler zufolge họlt Schoenaker das Gemeinschaftsgefỹhl fỹr

„alle erstrebenswerten Eigenschaften und Verhaltensweisen, die Ausdruck von Mitmenschlichkeit und Zusammenarbeit sind.“ 104 Es lọsst sich verstehen, dass alle Handlungen und Gedanken jeder Person immer von einem roten Faden geleitet

42 werden, der zum Gemeinwohl einer grửòeren Gemeinschaft fỹhrt In seinem Beitrag konzentriert sich Schửnaker auch auf den praktischen Wert eines Gemeinschaftsgefühls für jeden Einzelnen sowie auf seine Handlungen Er behauptete, wenn unsere Handlungen an eine bestimmte Gemeinschaftsgruppe gebunden sind, von Partnerschaft oder Familie bis hin zu grửòeren Gemeinschaftsgruppen wie Verein, Nation oder sogar Menschheit, werden wir mehr für unsere Handlungen verantwortlich sein, denn wenn unsere Handlungen das Ganze beschọdigen, bedeutet dies auch dass wir uns selbst beschọdigen Darỹber hinaus gab er einige praktische Beispiele an, wie das versehentliche Werfen eines brennenden Streichholzes Waldbrọnde verursachen oder das versehentliche Verửffentlichen einer Mohameds Karikatur Weltbrand verursachen kửnnte

Neben den guten Seiten, die das Gemeinschaftsgefühl der Menschheit einbringt, wird es auch ein zweischneidiges Schwert sein, wenn es missbraucht wird, und dies ist in der Geschichte der Menschheit nicht ungewửhnlich Ein Beispiel kửnnte der Nationalsozialismus sein, bei dem Fỹhrungskrọfte den Vửlkern das Gefỹhl geben, Teil von etwas sehr Groòem zu sein Sie favorisierten Fỹhrungsmythos und fửrderten das Ideal, dass die Volksgemeinschaft durch das Gemeinschaftsgefỹhl stọrken sollten Dies hat zu einer dunklen Zeit in der Geschichte der Menschheit geführt 105

4.1.3 Die Integration in die offene Welt

Der Roman ,,Zonerkinder“

Allgemeine Charakterisierung des Romans

Der Roman Zonenkinder wurde von der deutschen Schriftstellerin Jana Hensel geschrieben Sie wurde 1976 in Leipzig geboren, lebte und studierte weiterhin in dieser Stadt Spọter zog sie nach Marseille, Berlin und schlieòlich nach Paris, um ihr Studium fortzusetzen 1999 wurde sie Herausgeberin des Leipziger EDIT- Literaturmagazins Ein Jahr spọter arbeitete sie in derselben Position zusammen mit Thomas Hettche für die Zeitschrift Internetanthologie Null 113 Es ist ersichtlich, dass die Zeit, in der sie geboren wurde, sowie die darauffolgenden Kindheitsjahre die letzte Periode in der Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) sind Nach der Wiedervereinigung musste sie sich Zeit nehmen, um sich einer neuen Welt mit Verọnderungen in allen Aspekten der Gesellschaft zu nọhern Sie reprọsentiert eine Generation ostdeutscher Kinder aus dieser Zeit Eine Generation von Menschen, die als Zonenkinder bezeichnet werden 114

Eine Generation, wie sie sie beschreibt: ,,Eine ganze Generation entstand im Verschwinden“ 115 , hat mit dem Verschwinden des DDR-Staates ihre Identitọt

45 nahezu verloren Gleichzeitig mussten sie versuchen, sich anzupassen und in die neue kapitalistische Welt zu integrieren, in der selbst kleinste Verọnderungen einen groòen Einfluss auf diese Generation haben werden Dies hat eine Generation dazu veranlasst, ihre eigenen Erinnerungen zurückzugewinnen und ihr eigenes Selbst zwischen zwei gesellschaftspolitischen Systemen zu formen Dies gilt auch für Jana

- als Schriftstellerin hat sie diese Gelegenheit auch nicht versọumt Diese Tendenz zeigt sich in ihren Schriften wie Zonenkinder (2002); Achtung Zone - Warum wir Ostdeutschen anders bleiben (2009); Wer wir sind Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein (2018) oder in den letzten 2 Jahren verửffentlichten Werken wie „Wie alles anders bleibt“; „Geschichten aus Ostdeutschland“ (2019) und „Die Gesellschaft der Anderen (2020)“

Der zum ersten Mal im Jahr 2002 erschienene Roman ,,Zonenkinder“ hat den Namen Jana Hensel in der deutschen Literaturszene geprọgt Dieser Roman bezeichnet sich als autobiografische Erzọhlung und ist in Form eines Essaybands geschrieben, dessen acht Kapitel acht Teilen von Janas Erinnerungen an das Leben in der ehemaligen DDR in den letzten Jahren vor seiner Auflửsung entsprechen Es ist anzumerken, dass das ,,Wir“ Gefühl im Buch dominiert, da Hensel nicht nur von ihrem eigenen Gefühl sprechen, sondern auch ihre ganze Generation vertreten mửchte 116 Aus diesem Grund wird in dem Roman die erste Person Plural verwendet Darüber hinaus zeigt es die post-einheitliche Welt ganz deutlich mit den Augen eines wachsenden Kindes, das versucht, die Erinnerungsstücke zu finden, um die Frage zu beantworten: Wer bin ich? Durch das Erzọhlen der Geschichte durch das Denken eines Unreifen hat die Autorin die Wendezeit in ihrem Werk nicht politisch gesehen Stattdessen hat sie sich fỹr eine gewửhnliche Erzọhlweise entschieden, die eher tiefer auf gesellschaftliche Aspekte (anhand praktischer Beispiele, Vergleiche zwischen Ost- und Westdeutschland, Bilder, die einen Teil des Lebens des damaligen ostdeutschen Volkes veranschaulichen oder ein Glossar

116 vgl Novotná 2006: 23; auch in einem Interview von Ron Winkler in der Online-Zeitung satt.org Online abrufbar unter: http://www.satt.org/literatur/02_11_hensel_1.html [Stand: 11.01.2021]

46 am Ende der Arbeit ỹber Wửrter, die zu dieser Zeit nur in Ostdeutschland zu finden sind, damit der Leser ein grửòeres Verstọndnis der im Roman vorgestellten Gesellschaft erlangen kann) Dies hilft einerseits das Werk nọher an die Leser heranzuführen, gleichzeitig dient es andererseits dem Zweck, Botschaften, Gedanken und das Leben einer ganzen Generation von Zonenkinder zu vermitteln Ein Beweis für diesen Erfolg sind die positiven Rezeptionen unmittelbar nach der Verửffentlichung In zwei aufeinanderfolgenden Jahren wurde dieser Roman in den Bestsellerkatalog der Spiegel-Zeitung aufgenommen, 117 mehr als 350.000 Mal verkauft und in viele verschiedene Sprachen auf der ganzen Welt übersetzt Der Roman verursachte jedoch auch viele gemischte Meinungen Sie sagten, dass Janas Werke die ostdeutsche Gesellschaft verschửnern wỹrden und viele Menschen das Leben, das sie durch Janas Worte erlebt haben, nicht fỹhlen kửnnten 118

Da der Roman nicht in chronologischer Reihenfolge ablọuft, sondern nach Themen sortiert ist, fasst der nọchste Teil dieser Arbeit im Allgemeinen den Inhalt jedes Abschnitts zusammen Dies wird zum Bestimmen der zu diskutierenden kulturellen Werte und ihrer Positionierung im Roman betragen.

Zusammenfassung des Romans

Hensel war dreizehn Jahre und drei Monate alt an dem Tag, an dem das deutsche Sozialismusmodell in Deutschland verschwand Etwas mehr als zehn Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer kehrte die 26-jọhrige Schriftstellerin durch acht Bọnder des Romans Zonenkinder in diese Zeit zurück, durch die sie die Geschichte sowie die mentalen Zustọnde ihrer Generation darstellen und auffrischen wollte

Das erste Kapitel befasst sich mit den Ereignissen vor dem Fall der Berliner Mauer in den 1989er Jahren sowie mit den Jahren unmittelbar nach Wende In diesem Kapitel werden auch die Unterschiede in allen Aspekten der Gesellschaft zwischen

117 Bestsellerliste 2002, DER SPIEGEL Online abrufbar unter: https://www.spiegel.de/spiegel/print/d- 26024569.html [Stand: 09.01.2021]

Bestsellerliste 2003, DER SPIEGEL Online abrufbar unter: https://www.spiegel.de/spiegel/print/d- 29569092.html [Stand: 09.01.2021]

118 Aus Rezensionen der Leser auf dem bekannten Online-Buchladen Amazon Online abrufbar unter: https://www.amazon.de/Zonenkinder-Jana-Hensel/dp/3499235323 [Stand: 09.01.2021]

Ost- und Westdeutschland hervorgehoben, wodurch Hensel und viele ihrer Generation von der Eifersucht, dem Vergleich und vor allem den Fragen nach ihrer Identitọt, nach Ihrer Kindheit, nach Erinnerungen, von denen Sie nicht wissen, in welches Regal sie sie stecken sollen, erfüllt sind

Durch die Worte, die zutiefst traurig über Dinge sind, die es in dieser neuen Welt nicht mehr gibt, betont das zweite Kapitel des Romans die Bedeutung und den

Wert des Heimatlandes und der Gesellschaft in der ehemaligen DDR für die Autorin Gleichzeitig wirft es auch die Frage auf, ob der Wandel in allen Bereichen der damaligen Gesellschaft den Menschen in Ostdeutschland wirklich zugutekam, konnten sich viele von ihnen nicht an diese neue Welt anpassen konnten neue Darỹber hinaus lửsten subjektive Vorurteile des westdeutschen Volkes gegenỹber Menschen und Gesellschaft in der DDR zu dieser Zeit auch bei den Insidern eine starke Reaktion aus

Das nọchste Kapitel - das dritte Kapitel des Romans erwọhnt die Unterschiede in

Waren und Materialien zwischen Ost- und Westdeutschland aus der Sicht des damaligen ostdeutschen Volkes Dieser Vergleich unterstreicht die Sehnsucht sowie den Wunsch der DDR-Bevửlkerung, erst nach den westlichen Gỹtern, dann nach den Werten einer gegnerischen Gesellschaft, in der der Formunterschied zwischen West- und Ostdeutschen nur wenige Jahre nach dem Mauerfall zu verschwimmen schien Familienbeziehung ist das Hauptthema, das im vierten Kapitel behandelt wird In diesem Kapitel wird der Vergleich zwischen Eltern und Kindern zwischen Ost- und Westdeutschland von Jana erlọutert Ihrer Meinung nach họlt die junge Generation in Westdeutschland ihre Eltern fỹr Freunde und sie kửnnen miteinander reden und alles tun Im Gegenteil dazu schien die ọltere Generation in Ostdeutschland die damalige politische und soziale Situation satt zu haben und fiel nach dem Zusammenbruch des DDR-Staates noch weiter zurỹck Sie kửnnen sich nicht an Verọnderungen anpassen und sind an die Vergangenheit gebunden Aus diesem Grund kửnnen sie die junge Generation nicht verstehen und sich mit ihnen unterhalten

Das fünfte Kapitel der Arbeit befasst sich mit Bildungunterschieden zwischen Ost- und Westdeutschland In diesem Kapitel spricht Jana die guten und negativen Aspekte des damaligen ostdeutschen Bildungssystems an Nach dem Zusammenbruch des DDR-Staates war Jana der Bildung Westdeutschlands ausgesetzt, wodurch sie Vergleiche zwischen den Seiten anstellen konnte Wọhrend die Bildung in Ostdeutschland in erster Linie die Schüler mit einem Gemeinschaftsgefühl aufbaute und gleichzeitig Informationen auf eine Art und Weise vermittelte, die vollkommen mit den Zwecken des ostdeutschen Staates übereinstimmten, sei die westdeutsche Bildung offener für Schüler und gebe sie ihnen alle Voraussetzungen, um das zu tun, was sie wollen

Jana behandelt ihre Liebe und Freundschaft im sechsten Kapitel Durch die

Geschichten in diesem Kapitel skizziert die Autorin die Schwierigkeiten des Reiseverbots dieser Zeit für ihre liebevollen Beziehungen und Freunde sowie die Auswirkungen der Aufhebung des Reiseverbots auf ihren Zugang zu der offenen Welt Darüber hinaus wirft dieses Kapitel durch die Worte von Janas westlichen Freunden auch die negativen Stereotypen auf, unter denen die Menschen in Ostdeutschland auf der anderen Seite der Mauer leiden müssen, was Jana scharf kritisiert

Das siebte Kapitel – das vorletzte Kapitel des Romans drückt Janas Stolz auf den damaligen Sport der staatlichen DDR aus Dies ist das Gebiet, das den Platz des DDR-Staates in der Welt markiert hat Sport war für den ostdeutschen Staat nicht nur eine kửrperliche ĩbung, sondern auch eine Form der politischen Propaganda Deshalb wird man alles für die besten Ergebnisse tun und der Leistungssport wird in Schulen, Verbọnden, Organisationen weit verbreitet sein und zu dieser Zeit von allen Ostdeutschen unterstützt

Die Ambiguitọt des weitergehenden Weges der Autorin sowie der jungen Menschen dieser Zeit wird im letzten Kapitel des Romans thematisiert Für sie ist die DDR nicht verschwunden, sondern hat sich einfach in eine andere Form verwandelt Daneben werden auch die Schwierigkeiten im Leben, Denken und Handeln der

Menschen ihrer Generation mit den Einschrọnkungen in der DDR beschrieben Schlieòlich erwọhnte Jana auch die Anpassung an diese neue Gesellschaft, die Hindernisse, psychischen, mentalen und physischen Schwierigkeiten, die sie und die anderen Zonenkinder durchmachen müssen.

Analyse des Romans

Wie bereits dargestellt, ist das Forschungsziel dieser Arbeit die Anwendung der Literatur aus der Wendezeit auf vietnamesische Lernende Aus diesem Grund sind es die beiden relevanten kulturellen Werte: ,,das Gemeinschaftsgefühl“ und ,,die Integration in die offene Welt“, die diskutiert werden Dadurch kann eine Verbindung hergestellt und kửnnen Diskussionen im Unterricht gefửrdert werden Die beiden kulturellen Werte an sich sind sehr weit gefasst Um besser zu verstehen, wie dieses Werk auf die Vermittlung verwandter kultureller Werte angewendet werden kann, mỹssen deren Teilaspekte analysiert und geklọrt werden, die in diesem Werk eingebettet werden Durch das Verstọndnis der inneren Welt sowie der sozialen externen Faktoren um den Autor herum wird den Lesern geholfen, die Gründe für die Entstehung, die Existenz und auch das Verschwinden der beiden genannten und wichtigen kulturellen Werte besser zu verstehen Am wichtigsten ist hierbei deren Auswirkung auf die Einstellung und die Handlungen der Autorin in jenem Kontext

Es ist ersichtlich, dass es viele Faktoren gibt, die die Persửnlichkeit, die Einstellung zur Gesellschaft sowie die Weltanschauung einer Person ausmachen Zu einem der wichtigsten Faktoren kann die Bildung zọhlen Das heiòt alles, wodurch ein Individuum seit der Kindheit vom dortigen politischen System geformt wird Die Person folgt dem Weg, auf den die soziale Einrichtung zusteuert Das Gemeinschaftsgefühl ist keine Ausnahme Es ist ein psychologisches Bedürfnis an sich, Teil eines grửòeren Systems zu sein Mit dem im Roman gestellten Kontext spielt der Einfluss der Bildung auf die Wahrnehmung der DDR-Bürger bei der Formung des Gemeinschaftsgefühls für den ehemaligen DDR-Staat (eine der

50 seltenen staatlichen Institutionen, die dem sozialistischen Weg folgt) eine ọuòerst bedeutende Rolle Aus diesem Grund wird dieser kulturelle Wert am deutlichsten im fünften Kapitel des Romans gezeigt, in dem sowohl negative als auch positive Einflüsse der Bildung auf die Formung des Gemeinschaftsgefühls in der ehemaligen DDR dargestellt werden

Damit die Bỹrger der Gemeinschaft ihr Vertrauen schenken kửnnten, ist es am wichtigsten, das gemeinsame Ziel und den Grund zu erkennen, warum sie sich dafür engagieren Jana wurde in einem sozialistischen Staat geboren und hat sich immer glücklich gefühlt, weil sie sowie Bürger der DDR nicht unter Krieg und Armut leideten, wie sie es in anderen Lọndern sah Gleichzeitig begrỹndete sich ihr Glücksgefühl durch den Umstand, in einem Land zu leben, das immer für den Weltfrieden kọmpft, in dem alle zusammenleben, ohne ausgebeutet zu werden Dies schuf den Stolz und das Vertrauen der DDR-Bürger zu der ehemaligen Gesellschaft Dieses groòe Ideal, das zum „humanistischen Ideal“ 119 werden sollte, wurde bereits in jungen Jahren allen in der DDR gelehrt und prọgte ihr gemeinsames Lebensziel, eines Tages den Staat zum Sozialismus bringen zu kửnnen

Mit diesem groòen Ziel ist es die persửnliche Entwicklung jedes Einzelnen, dem gemeinsamen Ziel der gesamten Gesellschaft zu dienen, und dies wird Kindern im DDR-Staat von Beginn der Schule an beigebracht Schon in jungen Jahren haben die Schüler an der Pioniertruppe teilgenommen - einer kleinen Gemeinde, in der jeder Schüler eine bestimmte Aufgabe übernimmt und versucht, diese Aufgabe zu erfüllen:

,,Der Brigadeleiter kontrollierte die Hausaufgaben, der

Klassenbuchdienst trug das Klassenbuch, der Milchdienst holte die

Milch, und der Kassierer kassierte.“ 120

Es zeigt sich, dass Schüler durch frühzeitiges Ermutigen, sich auf einen bestimmten Beruf zu konzentrieren, um den Interessen der Gemeinschaft zu dienen, über ihre Position und Rolle in der Gesellschaft aufgeklọrt werden kửnnen Im ehemaligen

DDR-Staat sind es die Lern- und Arbeitszwecke, die mit der Entwicklung des Staates im Allgemeinen und des Sozialisten im Besonderen verbunden sind Jeder Einzelne in der Gesellschaft wird nicht unabhọngig stehen, sondern immer an die Gemeinschaft gebunden sein Durch die frühzeitige Sensibilisierung für die Beziehung zwischen einer Person und dem Ganzen werden Einstellungen und Gedanken für die ehemaligen DDR-Bürger über Verantwortung und Gemeinschaftsgefỹhl gebildet Dies hatte auch noch grửòere Auswirkungen auf sie als Erwachsene, mit Hửhepunkt im Leben jedes Jugendlichen, ,,wurden (sie) […] in die Gemeinschaft des werktọtigen Volkes aufgenommen“ 121 , wo ihre Verantwortung zu der Gemeinschaft gelobt wird Das Verb ,,geloben“ kommt oft in diesem Kapitel vor, als eine feste Bestọtigung ein Teil davon zu sein Wọhrend Jana und ihre Klassenkameraden als Schüler vor Vertretern anderer Arbeitklassen in der Gesellschaft geloben mussten, dass sie gut und fleiòig lernen 122 , zielt dieses Wort - wenn sie erwachsener sind - auf den edlen Zweck ab, fỹr die groòen Ideale und Sachen zu kọmpfen, die der Sozialismus gebracht hat, und fỹr den Geist des Proletariats auf der ganzen Welt zu kọmpfen 123

Insbesondere kann laut Jana die Beziehung zwischen Gesellschaft und individueller Existenz durch fünf Fragen zusammengefasst werden: Wer bin ich? Was kann ich? Was werde ich? Wem nütze ich? Wer braucht mich? Wenn die ersten drei Fragen auf die Mửglichkeit gerichtet sind, die jede Person tun kann, sind die letzten beiden Fragen die Prọmisse, ein Leitfaden fỹr die Handlungen des Einzelnen, wie sie erklọrte:

,, […] Wissen und Kửnnen, Verantwortungsbewusstsein und

Pflichtgefühl gegenüber der Gesellschaft, den festen

Klassenstandpunkt und die Bereitschaft, beim Lernen und in der

Arbeit den hohen Anforderungen zu entsprechen, die an jeden

Werkstọtigen in unserem Land gestellt wỹrden.“ 124

Da sich die gesamte Gemeinschaft einem groòen gemeinsamen Ziel nọhert, ist es durchaus verstọndlich, dass die Menschen in der DDR immer bereit sind, zu helfen und sich zusammenzuschlieòen, um insbesondere das Ideal des sozialistischen Staates zu erreichen und das Proletariat in der Welt zu befreien, damit alle in einer friedlichen Welt leben kửnnen Dieser Geist wird durch die tọglichen Aktivitọten und das, was die Schüler in der Schule lernen, deutlich ausgedrückt Von alltọglichen Kleinigkeiten wie der Hilfe fỹr ọltere Menschen im Bus, der freiwilligen Renovierung von Schulmửbeln oder der Reinigung von Rabatten vor der Turnhalle bis hin zu Spenden an bedỹrftige Lọnder auf der Welt wie der Verkauf von Samen und Blumen aus Schulgọrten, um Geld fỹr die Unterstỹtzung von Kindern in Vietnam zu erhalten, oder altes Spielzeug und Altpapier zu spenden, um Kinder in Afrika zu unterstützen, die unter Hungernot leiden 125 Im Studium und in der Arbeit wird jede Person eine separate Aufgabe übernehmen, aber niemand muss alleine gehen, sondern immer mit Anleitung und Hilfe von anderen in der Umgebung, wie Jana kommentierte.: ,,Hier griff sich jeder unter die Arme.“ 126

Tatsọchlich hat alles zwei Seiten Zweifel am Sozialsystem der DDR wurden immer von Jana gestellt und gipfelten im Fall der Berliner Mauer Als sie einer neuen Welt ausgesetzt war, verọnderten sich ihr Lebenszweck und ihr Lebensideal betrọchtlich

In einer Gesellschaft, in der die Interessen der Allgemeinheit an erster Stelle stehen, wird auch die Individualitọt auf das Minimum beschrọnkt Jeder versucht zu wissen, wo ihm sein Job in der Gemeinschaft zugewiesen ist, und erledigt ihn so gut wie mửglich Wenn das individuelle Ego nicht motiviert ist und alle auf der gleichen Seite stehen, ist Auffallen etwas, das nicht nur Jana, sondern jeder in der Gemeinschaft vermeidet Seitdem sie noch in der Schule war, vermied Jana es immer, sowohl ihr Wissen im Unterricht als auch ihre Leistung in ihrer Pioniertruppe zu viel zu zeigen Darüber hinaus ist es tabu, sich durch Kleidung und zur Schule gebrachte Gegenstọnde auszudrỹcken Ihr zufolge, ob es nun etwas

Positives oder Negatives sei, wird der Unterschied immer das Thema eines Klatsches sein:

,,[…] war das in jedem Falle besser, als wenn über mich gesprochen worden wọre ĩberhaupt, es sollte kein Gerede entstehen Nicht auffallen und immer Durchschnitt bleiben.“ 127

Dies hatte zu dieser Zeit auch enorme Auswirkungen auf die Gesellschaft Es kann gesagt werden, dass alle Familien, die nicht dem Standard entsprechen, bereit sind, von vielen Leuten angeblickt zu werden Von Familien mit Vọtern, die in Fuòballclubs oder in der Gaststọtte arbeiten, ỹber Familien mit vielen Kindern bis zu Familien mit zwei Autos oder sogar Familien mit Alleinerziehenden 128 Auffọllige Menschen wurden immer unter Verdacht gestellt Diese Fọlle werden von ihren Mitmenschen in Frage gestellt Wenn in einer Gesellschaft lebt, in der jeder gleich gebildet sein soll, mit geringen Unterschieden in der Wirtschaft und gleichmọòig verteilten Lebensbedingungen, wie kửnnen sich dann einige von dem Rest hervorheben Dies führt dazu, dass man mehr oder weniger die Risiken abwiegen muss Um nicht in Schwierigkeiten zu geraten, vermeiden es die Menschen daher oft, mit solchen Sachen in Verbindung gebracht zu werden

Die Synchronisation einer ganzen Gesellschaft hatte einen groòen Einfluss auf das Denken und Sehen der Welt für die ehemaligen Bürger im DDR-Staat, da jeder vor dem Fall der Berliner Mauer eine Arbeit mit unterschiedlicher Rolle in der Gesellschaft angenommen họtte, aber mit dem Ziel, dem gemeinsamen Zweck des Staates zu dienen Das heiòt, obwohl die Arbeit unterschiedlich ist, ist ihre Bedeutung und Wichtigkeit fỹr die Gesellschaft gleich, sodass es fast unmửglich ist, etwas ỹber jede Person zu sagen Dies ọnderte sich danach vửllig, als Deutschland vereint war und der Staat von einer kapitalistischen Institution regiert wurde Zu diesem Zeitpunkt spielt die Form der Gemeinschaft keine wesentliche Rolle mehr, sondern ist die Prioritọt des Einzelnen Aus diesem Grund wird sich jede Person fỹr

54 sich selbst anstrengen, die Arbeit wird auch ihr Niveau und ihre Klasse widerspiegeln Dies war ein Schock für Jana selbst, als sie mit ihren westdeutschen Freunden in Kontakt kam und sie nach den Karrieren ihrer Eltern fragte, erhielt sie zurückhaltende und unbehagliche Antworten:

,,Zum Beispiel dauerte es lange, bis ich begriff, warum meine Freunde aus Bonn oder Passau immer zusammenzuckten und über ihr Gesicht ein Funke von Angst lief, wenn ich sie fragte, was ihre Eltern eigentlich machten Wie nebenbei lieò so eine Frage nie stellen, und stets holte mein Gegenüber erst einmal tief Luft, lachte verunsichert und fragte ein bisschen aggressiv zurück, was ich mit dieser Frage denn nun wieder bezweckte.“ 129

Unterrichtskonzept

Ngày đăng: 06/07/2025, 14:00

TÀI LIỆU CÙNG NGƯỜI DÙNG

TÀI LIỆU LIÊN QUAN

🧩 Sản phẩm bạn có thể quan tâm