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Luận văn so sánh Đối chiếu thể thơ sonnet và thể thơ thất ngôn bát cú

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THÔNG TIN TÀI LIỆU

Thông tin cơ bản

Tiêu đề Luận văn so sánh Đối chiếu thể thơ sonnet và thể thơ thất ngôn bát cú
Tác giả Le Tiong Van, Le Hong Van
Người hướng dẫn Dr. Dürte Lütvogt
Trường học Hanoi University of Science and Technology
Chuyên ngành Linguistics
Thể loại Thesis
Năm xuất bản 2020
Thành phố Hanoi
Định dạng
Số trang 105
Dung lượng 4,57 MB

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Nội dung

Jahrhundert bis zur ersten Halfte des 19, Jahrhunderts untersucht, da diese Gedichtform um diese Zeit voll entwickelt war und sich als eine eigenstandige Texts- orte behauptete.. Da das

Trang 1

NATIONALUNIVERSITAT HANOI HOCHSCHUT.E FUR FREMDSPRACHEN ABTEILUNG FUR POSTGRADUALE STUDIEN

Masterarbeit

LE TIONG VAN

IN KONTRASTIVUR VURGLEICL ZWISCLILN DEM DEUTSCLIEN

SONETT UND DEM VIETKNAMESISCHEN 7-8-GEDICH

SO SANH DOI CHIEU THE THO SON

THE THO THAT NGON BÁT CÚ

im Studiengang Linguistik Fachhereichsnr.: $220205.01

Hanoi — 2020

Trang 2

NATIONALUNIVERSITAT HANOI

HOCHSCHULE FUR FREMDSPRACHEN

ABTEILUNG FUR POSTGRADUALE STUDIEN

Masterarbeit

LE HONG VAN

EIN KONTRASTIVER VERGLEICH ZWISCHEN DEM DEUTSCHEN

SONETT UND DEM VIETNAMESISCHEN 7-8-GEDICHT

SO SANH BOI CHIEU THE THO SONETT VA

THE THO THAT NGON BAT CU

im Studiengang Linguistik

Fachbereichsnr.: 8220205.01 betreut von: Dr Dörte Lũtvogt

Unterschrift:_ Dewe Kượt

Hanoi — 2020

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Eidesstatiliche Erklirung

Tliermit erklare ich, dass ich diese Masterarbeit selbststandig verfasst und keine an- deren als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt habe sowie die Stellen der

Arbei, dic in anderen Werken dem Wortlaal oder dem Sim nach entnommen sind,

durch Angaben der Quellen sichtbar gemacht wurden Die Arbeit wurde auch bisher

nie in gleicher oder vergleichbarer Form veréffentlicht

Trang 4

Danksagung

Mein gréBter Dank gilt meiner Betreuerin, Frau Dr Dérte Liitvogt, flr ihre Bereit- schaft und unermtidliche Geduld bei der Betrevung und Untersttitzimg bei dem

Frstelten dieser Masterarbeit, auch wenn ihre Amtsycil in Vietam schon abgelaufer:

ist Des Weiteren méchte ich mich bei allen Kolleginnen und Kollegen der Abteilung

fir Deutsche Sprache, insbesordere Herma Dv 1.4 Hoai An, far methodische Hinweise

und wertvolle Vorschlage zur Durchfiihrung und Verbosscrung, des Untersuchungs- verfahrens und nicht zuletzt bei meiner Cousine in Deutschland fir ihre l'remdkor-

rektur und sprachhiche Unterstitzung bedanken, ohne deren Hilfe und aufinunternde

Worte diese Arbeit nicht hatte geschafit werden komen.

Trang 5

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.2 Forschungsfragen und Zielsetzung

3 Forschungsmethoden und Aufbau đer Arbeit =

2 Die Epoche des deutschen Barock und das deutsche Sonett

4 2.1 Politische und sozialgeschichtliche Grundlagen des deutschen Barock 4

2.2 Merkmale der deutschen Barockliteratur sesso

2.2.1 Wiederspiegelung des antithetischen TẻbetigsRIHL hhbXö/28uzSs:LÑ

2.2.3 Reformbestrebungen in der Sprachwissenschaft und der Poetik 9

3 Das deutsche Sonett

3 Die Dynastien in Vietnam und das vietnamesische 7-8-Gedicht

3.1 Politische und sozialgeschichtliche Grundlagen der vietnamesischen

Dynastien vom 10 bis zur ersten Halfte des 19 Jahrhunderts 15 3.2 Die Literatur der vietnamesischen Dynastien vom 10 bis zur ersten Halfte

3.3 Ném-Gedichte vom 16 bis zur ersten Halfte des 19 Jahrhunderts 19

3.4, Vergleich der deutschen Barockliteratur mit der vietnamesischen Literatur vom 16 Jahrhundert bis zur ersten Halfte des 19 Jahrhunderts ee)

4 Analyse und Interpretation der ausgewiihlten Gedichte „30

4.2 Analyse und Interpretation der deutschen Sonette 32

Trang 6

4.2.1 Rs ist alles eitel (Andreas Gryphius — 1637) - 32

4.2.3 Vorganglichkeil der Schinbeit (Christian Hoffmann v

Hotfmannswaldau — 1698), seo —

4.2.4, Francisci Petrarchae (Martin Opitz 1624) ¬ 4?

4.3, Analyse and Interpretation đer 7-8-Gediclte —

4.3.1 Nhàn (Nguyễn Hinh Khiêm 16 Jhd)

4.3.2 Lay chung chang (116 Xuan Huong - 18 Jhd) - -

4.3.3 Qua đèo Ngang (Bả Huyện Thanh Quan — 19 Jhd) 63 1.3.4 Thu diéu (Nguyén Khnyén — 19 thd) - - oO 4.4, Zusammenspiel zwischen Form und Inhalt der beiden Gedichtformen im 'Vergleich "——

4.4.1 Di äuÄere Struktur 14 4.4.2 Prosodie - - - 78

4.43 Bild- und Woatebene - 82

4.4.4, Syntax - 85 5 Schlussfolgerung und Ausblick

Literaturverseichnis

Trang 7

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Die grundlegenden formalen Merkmale des deutschen Sonetts am

'Beispiel von „ Bs ist alles eitel" (Andreas Gryphius) -

Tabelle 2: Themen und Vertreter der 7-8-Gedichten = preemie)

Tabelle 3: Die Tone im vietnamesischen Sprachsystem inns DA

Tabelle 4: Das Schema der Tonhéhe im 7-8-Gedicht eb tàn BS

Tabelle 5: Die grundlegenden formalen Merkmale des 7-8-Gedichts am Beispiel

von Qua Đèo Ngang (Bà Huyện Thanh Quan) tư " 26

Tabelle 7: Ebenen der Antithetik im Gedicht Francisci Petrarchae (Martin Opitz) 52 Tabelle 8: Reduplikationen und erweckte Sinneswahrnehmungen im Gedicht Thu

Tabelle 9: Die inhaltliche Struktur der untersuchten Sonette im Uberblick 76

Tabelle 10: Die inhaltliche Struktur der untersuchten 7-8-Gedichte im Uberblick 77

Tabelle 11: Die prosodischen Merkmale in den untersuchten Gedichten im

Tabelle 12: Reime und Abdatdiggk.ift in den 7-8-Gedichten 80

Tabelle 13: Die Pausenstruktur in den 7-8-Gedichten t4ia3ii4t8010844060 oo 81

Tabelle 14: Uberblick uber die phonologischen Stilmittel in den Gedichten und ihre

Tabelle 15: Das Vokabular in den Sonetten im Uberblick 83 Tabelle 16: Das Vokabular in den 7-8-Gedichten im Uberblick 84 Tabelle 17: Die syntaktischen Stilmittel in den Sonetten im Uberblick xu BS Tabelle 18: Die Antithesen und Parallelismen mit ihren Wirkungen in den Sonetten

89 Tabelle 19: Die syntaktischen Stilmittel in den 7-8-Gedichten im Uberblick 90 Tabelle 20: Die Antithesen und Parallelismen mit ihren Wirkungen in den 7-8-

Trang 8

1 Einleitung

1.1 Themenwahl

»Wer Sprache liebt, ist immer bereit, sich durch die Steigerung sprachlicher Asthetik in

lyrischen Texten verzaubern zu lassen“, so lasst sich die Schénheit dieser literarischen

Gattung beschreiben Nicht nur fiir deutsche Barockdichter, sondern auch fir vietname-

sische Dichter, die gegen Ende der feudalistischen Ara in Vietnam lebten, war Lyrik

wie eine Leiter zum Himmel, die ihnen zur Flucht vor der melancholischen Realitat

verhalf Warum dominierten in diesen turbulenten Zeiten das Sonett in Deutschland,

und das 7-8-Gedicht in Vietnam? Waren sie geradezu die perfekte Form fiir die dama-

ligen Dichter? Wie wurden die Gefiihle und Weltanschauungen der Autoren tiber die

Form und die Sprache ihrer lyrischen Texte transportiert? Solche Uberlegungen sind

Impulse fir meine Forschung uber das deutsche Sonett und das vietnamesische 7-8-

Gedicht

Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit steht der kontrastive Vergleich zwischen dem

deutschen Sonett und dem vietnamesischen 7-8-Gedicht Da die Barockepoche und das

Zeitalter der vietnamesischen Dynastien lange Zeitspannen umfassen und die Entste-

hungszeiten von Texten beider Textsorten auch um hunderte von Jahren auseinander-

liegen konnen, bedarf es einer exakten zeitlichen Abgrenzung fiir die Untersuchung

Somit wird das deutsche Sonett in der Blitezeit, d h vom Ende des 16, Jahrhunderts

bis zum spaten 18 Jahrhundert behandelt Hingegen wird das vietnamesische 7-8-Ge-

dicht vom 16 Jahrhundert bis zur ersten Halfte des 19, Jahrhunderts untersucht, da diese

Gedichtform um diese Zeit voll entwickelt war und sich als eine eigenstandige Texts-

orte behauptete Da das traditionelle deutsche Sonett und das vietnamesische 7-8-Ge-

dicht einen festen Aufbau und demnach auch ganz eindeutige Merkmale haben, die sich

benennen lassen kénnen, sind sie pradestiniert fir einen kontrastiven Vergleich Dafir

spricht auch, dass die meisten Dichter dieser Zeit diese tiberbeanspruchte Form bewusst

einhielten Da bisher noch niemand solch einen Vergleich wagte, ist dieses Thema zwar

neu und herausfordernd, aber fiir mich besonders interessant.

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1.2 Forschungsfragen und Zielsetzung

Die Arbeit geht der folgenden Forschungsfrage nach: Welche Gemeinsamkeiten und

Unterschiede haben die beiden Gedichtformen in Bezug auf formale Merkmale

und im Hinblick auf das Zusammenspiel zwischen Form und Inhalt zum Ausdruck epochentypischer Denkweisen? Dabei ergeben sich verschiedene Teilfragen: Erstens

wird die Frage nach den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der beiden Textsorten in

ihrer strengen Form aufgegriffen Zweitens ist herauszufinden, welche Inhalte die Autoren in ihren lyrischen Werken zum Ausdruck bringen und ob diese Inhalte epo-

chentypisch sind Drittens stellt sich die Frage nach dem Zusammenspiel zwischen

Form und Inhalt, insbesondere im Hinblick auf die Epochenideologien Auf dieser Un-

tersuchungsperspektive liegt der Schwerpunkt meiner Arbeit Anhand dessen kann man

schlussfolgern, warum mehrere Dichter zu diesen Textsorten griffen und ob sich spezi- fische, epochentypische Arten des Denkens tiber die strenge Form ausdriicken,

Die Beantwortung der gestellten Fragen ist das oberste Ziel der Untersuchung Um die-

sen Endzweck zu erreichen, soll zunachst ein genaues Verstandnis der untersuchten

Epochen erworben werden Epochenmerkmale und literarische Besonderheiten sollen

méglichst systematisch und kontrastiv erfasst werden Zweitens dient die Analyse be-

kannter Gedichte dem Zweck, die formalen Merkmale der beiden Textsorten herauszu-

arbeiten und miteinander zu vergleichen Zuletzt steht die Untersuchung des Zusam-

menspiels von Form und Inhalt zur Uberpriifung der These tiber die in den Texten ver-

borgenen Epochenideologien im Fokus

1.3 Forschungsmethoden und Aufbau der Arbeit

Der theoretische Teil widmet sich den Erlauterungen zu den allgemeinen Epochen- und

Textsortenmerkmalen, die auf verschiedenen vorhandenen Theorien beruhen Ziel ist

es, die sozial-geschichtlichen Hintergriinde kontrastiv darzustellen, ein weiterreichen- des und tibergreifendes Verstiindnis der Epochen und des jeweiligen Zeitgeistes zu ver-

mitteln, ferner die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Literatur bzw in der Lyrik der untersuchten Zeitabschnitte in beiden Landern herauszufinden Im Hinblick auf die

untersuchten Textsorten werden die formalen Eigenschaften auch zusammengefasst

und miteinander kontrastiv verglichen

Trang 10

Analysieren, Interpretieren und Vergleichen als Methoden sind fir die praktische Un-

lersuchung geeignel In der Textanalyse werden zundchst Deulungshypothesen darge-

stellt, gcfolgt von ciner grindlichen Auseinandersetzumg mit der inhaltlichon Struktur sowie der sprachlich-strukturellen Seite der ‘'exte Dabei werden die folgenden Aspekte

untersucht und verglichen: Die 4uBere Struktur, die Prosodie, die Syntax und die Sem-

antik Der Schwerpunkt des Interesses liegt jedoch nicht in dem Vergleich der auBeren Fon bei der Textsorten, sondern in der Untersuchung der Beziehung zwischen Form

und Inhalt Aus den erworbenen Kennmnissen tiber die Epochen sowie den detaillierten

Analysen und Interpretationen der ‘Texte soll abgeleitet werden, inwiefern die strenge Form zum Ausdruck epochentypischen Gedankengutes dient

Einen weiteren Aspekt stellt die Lextauswald dar Wie oben erwihnt umfassen die Ba-

rockepoche und das Zeitalter der Dynastien in Vietnam lange Zeitspannen Wahrend

dieser Zcil sind vicle Sonelie und 7-8-Gedichte, dic man in die Uberlegungen embezic-

hen kann, entstanden Deshalb bedarf der Vorgang der ‘fextauswahl bestimmter Krite- rien, um moglichst reprasenlalive Texte beslimmen zu kéunen Hinsichilich der zeith- chen Abgrenzung miissten deutsche Sonctte vom Ende des 16 Jahrhunderts bis in das spate 18 Jahrhundert und vietriamesische 7-8-Gedichte vom 16 Jahrhundert bis in das

spate 19 Jahrhundert in Betracht genommen werden Dartiber hinaus sind besonders

die bekanntesten Autoren, deren Werke bis ins heutige Bildungswesen hinemwirken,

zu benennen Die aus diesen Grinden ausgewahlten deutschen Darockdichter sind

Martin Opitz (1597 — 1639), Paul Fleming (1609 — 1640), Andreas Gryphins (1616 —

1664) und Christia Hoffmann von Hoffmannswaldau (1616 1679) Die

ausgewahiten 7-8-Gediohte stammen von Neuyén Binh Khiém (1491 — 1585), 116 Xuan Huong (1772-1822), Ba Huyén Thanh Quan (1805 - 1848) und Nguyén Khuyén (1835

1909), Der langlebige Zeitgeist lasst sich in ihren Werken oline Zweifel am deutlichs- ten und am besten veranschaulichen Da ich mehr Wert auf eine priindliche Analyse

und Interpretation der Texte legen mackie, werden im Rahineu dieser Arbeit achl Ge-

dichte ausfihrlich analysiert und interpretiert je Gedichtform vier Texte Die genaue Vorgehensweise wird in Abschnitt 4 unmittelbar vor der Analyse und Interpretation der

Texte crrtert.

Trang 11

2 Die Epoche des deutschen Barock und das deutsche Sonett

2.1, Politische und sozialgeschichtliche Grundlagen des deutschen Barock

In diesem Abschnitt wird keine detailreiche Darstellung der Barockzeit angestrebt

Vielmehr soll versucht werden, einen kurzen, aber méglichst tiberschaubaren Uberblick uber alle unabdingbaren politischen und sozialen Voraussetzungen fir die Ausbreitung des deutschen Sonetts zu vermitteln Die das gesamte 17 Jahrhundert umfassende Stilepoche des Barock, der sich in der Literatur, in der Architektur, in der Malerei und

auch in der Musik entwickelte, lasst sich in drei Abschnitte unterteilen: Frúhbarock

(1600 — 1650), Hochbarock (1650 — 1720) und Spatbarock oder Rokoko (1720 — 1750) (vgl Balzer/ Mertens 1990: 164) Es herrscht bisher nach zahlreichen Definitionsver-

suchen kein Konsens liber den Epochenbegriff Das deutsche Adjektiv barock wurde

aus dem Franzésischen baroque (schiefrunde, unregelmafige Perlen) entlehnt und seit

dem spaten 19 Jahrhundert vor allem terminologisch mit Bezug auf den Stil der Epoche des Barock verwendet Das franzésische Adjektiv geht wiederum auf das portugiesi-

sche Substantiv barocco (Perle mit ungleichmaBiger Oberflache, schiefrunder Edel-

stein) zuriick, nahm aber — offenbar aufgund des Gleichklangs — auch Bedeutungsnu- ancen des lateinischen Adjektivs baroco an', das einen bestimmten Syllogismus in der formalen Logik benennt und als Inbegriff scholastischer Denkweise verspottet worden

sein mag (siehe Beispiel):

Pramisse 1: Alle Quadrate sind Rechtecke

Pramisse 2: Einige Vielecke sind nicht Rechtecke

Konklusion: Einige Vielecke sind nicht Quadrate

Um 1700 entwickelte das franzésische baroque den metaphorischen Gebrauch

verschroben, sonderbar, bizarr, tiberladen, der um 1750, zur Zeit der Ubernahme ins

Deutsche oft als tadeInde Kennzeichnung eines veralteten Geschmacks und tiberholter,

als schwilstig empfundener kủnstlerischer Gestaltungsmittel, namentlich in

' val Digitales Worterbuch der Deutschen Sprache (DWDS) (2019): Barock, [online]

Trang 12

Architektur, Malerei und Musik, verwendet wurde® Diese negativen Wertungen

bezogen sich zunichst vor allem auf die bildende Kunst Sowohl das Bild einer

unregelmaBigen Perle als auch der Modus baroco des Syllogismus deuten auf Gegen-

satzlichkeiten hin und verweisen auf die antithetischen Merkmale des vom Krieg ge-

pragten Zeitalters Der Ausgangspunkt aller kriegerischen Auseinandersetzungen greift

bis in die Reformationszeit zurtick, als die religiése Erneuerungsbewegung um die Mitte

des 16, Jahrhunderts zu einer konfessionellen Spaltung des westlichen Christentums

fihrte Die daraus folgenden Unruhen und Konfessionskriege zwischen protestanti-

schen und katholischen Fiirsten miindeten 1618 in den Ausbruch des Dreifigjahrigen

Krieges, der in manchen Gegenden 80 Prozent der Bevélkerung das Leben kostete und

weite Teile des damaligen Deutschlands zerstérte Nach dem Krieg wurde laut dem

'Westfälischen Frieden 1648 die Selbststandigkeit der rund 300 kleinen Landesherr-

schaften bestatigt, deren Firsten in der Nachahmung des Sonnenkénigs Ludwigs XIV

den territorialen Absolutismus praktizierten Die Konfession der Untertanen einzelner

Staaten wurde vom Regenten nach der simplen Formel ,,Cuius regio, eius religio

(wessen Herrschaft, dessen Glaube) bestimmt (vgl Borries 2006: 345f) Wahrend die- ser Zeit stellten der Konig und die katholische Kirche ihre Machtfiille zur Schau, wah-

rend die Fursten ein auBerst verschwenderisches Leben fihrten Konige und Fisten

herrschten nicht nur mit uneingeschrankter Macht tiber ihre gehorsamen Untertanen,

sondern beuteten sie skrupellos zugunsten ihrer prunkvollen aristokratischen Repräsen- tationsweisen aus: ,,Schlésser wurden eigens errichtet, Parkanlagen neu gestaltet und

riesige Feuerwerke abgebrannt Alle Kiinste—Malerei und Plastik, Musik und Dichtung

—wirkten susammen, bis schlieflich in strahlender Gloriole der Herrscher selbst, des-

sen Hochzeit oder Geburtstag gefeiert wurde, als Héhepunkt erschien“ (Borries 2006:

348) Nicht nur Kriege, auch das harte Arbeitsleben, Missernten und Seuchen bescherten

vielen Zeitgenossen des 17 Jahrhunderts ein frihes Ende Pracht und Absolutismus auf

der einen Seite korrespondierten mit Erfahrungen von kriegerischen Auseinanderset-

zungen, Elend und Not der Menschen auf der anderen Seite

2 vgl Digitales Warterbuch der Deutschen Sprache (DWDS) (2019): Barock, [online]

Trang 13

Ferner gibt es noch weitere Beispiele ftir tiefe Widerspriiche der Barockzeit: So stand

der tiefen christlichen Religiositat ein groBes Interesse an der Kultur der Antike, die aus christlicher Sicht in vielerlei Hinsicht ,,siindhaft* und ,,unmoralisch* war, gegentiber

Die Antike inspirierte viele Ktinstler, mythologische Erzahlungen darzustellen, wie bei-

spielweise den Maler Peter Paul Rubens, dessen untenstehendes Bild eine Sage aus der griechischen Mythologie darstellt

Der Heros Hippolytus weist darin

die Liebe seiner Stiefmutter zurtick,

die sich daraufhin das Leben

nimmt Zuvor hat sie behauptet,

Hippolytus habe sie begehrt Der

Meeresgott Poseidon Idsst ihn

daraufhin von einem seimer Seeungeheuer angreifen Dabei verungliickt Hippolytus P/erde- wagen und er kommt um

Dariber hinaus stand einer starken Irrationalitat, die sich vor allem in den Hexenver-

folgungen auBerte, welche zu Beginn des 17 Jahrhunderts noch gang und gabe waren,

eine stimische Entwicklung der Naturwissenschaften gegentiber, die durch den Pro-

testantismus begiinstigt wurde Im Gegensatz zur katholischen Kirche mit ihrer absolu-

ten Macht lie} die Reformation Freiraume zum Denken, schuf somit ein freieres Klima fir Forschung Dabei stehen zunichst Galileo Galilei (1564 — 1642), Johannes Kepler (1571 — 1630), Isaac Newton (1642 — 1727) und Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 —

1716) an der Wiege der modemnen Wissenschaften’ Kurzum: die antithetische Grund- stimmung liegt dieser Zeit in einem einschneidenden MaBe zugrunde (vgl Neuhaus 2017: 135)

3 Cords, Suzanne (2018); Kraftvolle Manner, 0ppiee Frauen: der Barockmaler Peter Paul Rubens, [online] https:/Avww.dw.conv/de/kraftvolle-manner-ppige-frauen-der-barockmaler-peter-paul-rubens/a-42485186

[19.12.2019]

‘ val Frieling, Christian/ Kistner, Hans-Jargen/ Scheidemann, Frank/ v Horadam, Mantred (2001): Projekt ,Zei-

tenwende": Die Epoche des Barock [online] https:/www.vhs-kamen-boenen de fileadmin/datensammbing/doku- mente/barockschrift pdf [19.12.2019]

Trang 14

2.2 Merkmale der deutschen Barockliteratur

2.2.1, Wiederspiegelung des antithetischen Lebensgefiihl

Die antithetische Lebenseinstellung und die tiefe Religiositat der barocken Menschen wurden vielfach in der Literatur und Malerei abgehandelt (vgl Borries 2006: 356) Da das menschliche Leben an einem diinnen Faden hing, hief in dieser zutiefst unsicheren Zeit ein weitverbreiteter Simnspruch: ,memento mori“ (denke daran, dass du sterben musst) Weit verbreitet war auch das daraus abgeleitete Motiv der ,.vanitas“ (alles ist verganglich), dh die Menschen waren sich der Zerbrechlichkeit der Welt bewusst und

davon tberzeugt, dass all ihr Leid und Ungliick die gottgewollte Weltordnung sind:

die Welt der Erscheinung existiert nicht um ihrer selbst willen, sondern dient dem Menschen, um in ihr Gottes Willen und die Harmonie der géttlichen Schépfung zu er-

kennen“ (Balzer/ Mertens 1990: 165) Den Menschen den gottgewollten Aufbau von Staat und Gesellschaft bewusst zu machen, war Auftrag der Literatur Und diese Auf-

gabe hat die dramatische Dichtung besonders gut erfullt Die Veranstaltung von Thea-

terinszenierungen und Festen diente nicht nur der Veranschaulichung der héfischen

Machtvollkommenheit, sondern auch dem Ausdruck der feststehenden Weltordnung, in

der Gott als Regisseur und Autor zugleich der einzige Zuschauer ist Die Menschen wurden als Marionetten eben jenes Spielmachers interpretiert (vgl Balzer/ Mertens

1990: 166)

,.Kaum eine Epoche hat das Theater so tief verstanden wie der Barock, dem das Leben selbst eitler Schein, die Welt nur Theater war Die Biihne als Mikrokosmos, als verkleiner- tes Abbild der Welt, inszeniert mit dem verschwenderischen Glanz der absolutistischen

Residenzen, war sicherlich Teil der héfischen Festkultur, zugleich aber Sinnbild fiir die

vanitas des irdischen Seins “ (Borries 2006: 386)

Eine kontrastrierende Antwort auf den Verganglichkeitsgedanken hie ,,carpe diem“

(nutze den Tag) Die Formel ,,carpe diem‘ stammt von dem rémischen Dichter Horaz,

der sich selbst als Anhanger Epikurs bzw der epikureischen Philosophie bezeichnete

Die Epikureer neigten zur Lebenslust und Sinnesfreude und sahen in der Lust das

héchste Lebensziel: Diese wird aber nicht nur durch Sinnesgenuss, sondern auch

Trang 15

durch Gemiitsruhe und philosophische Reflexionen erreicht Auch dadurch, dass ver-

mieden wird, was auf Dauer mehr Unlust und Schmerz als Lust hervorruft* (vgl.5) Dies steht im scharfen Gegensatz zu der Todessehnsucht bzw dem fanatischen Glauben an

das Jenseits, wo die Menschen erlést werden sollten Als eine weitere philosophische Strémung ist der antike Stoizismus zu erwahnen, der in der Barockzeit als ,,Neustoizis- mus* eine wichtige Rolle spielte Justus Lipsius (1547 — 1606) als Vater des Neustoi-

zismus verzichtet auf die Kosmologie und Metaphysik der antiken Autoren und setzt

auf eine autonome und effiziente Lebensbewaltigung, eine Unabhangigkeit von den ei-

genen Affekten Wahrend es den Epikureern um Giliick/Lebensfreude ging, ging es den

Stoikern um eine innere Ruhe und Unabhangigkeit, die durch Selbstbeherrschung zu

erlangen ist (vgl Niefanger 2006: 44)

2.2.2, Politisch-reprasentative Funktion

Die Barockliteratur wollte im Grunde belehren: ,,Dichtung hat [ ] einen ,,dffentli- chen“ Charakter Sie soll lehrhaften Zwecken dienen und zu einem tugendhaften Leben anleiten“ (Meid 2000: 8) In der Tat steht sie hauptsachlich im Dienste der Obrigkeit

und wird der politisch-reprasentativen Funktion zugerechnet Dies lisst sich auf ver- schiedene Weise realisieren, z B wurden alle Gelegenheiten zum Anlass genommen,

um zweckgerichtete Gedichte vorzutragen, welche das Ansehen der noch lebenden Ge-

wirdigten heben sollten Gelehrte lobten sich gegenseitig oder sie lobten die Tugenden

der Fisten und Mazene (vgl Balzer/Mertens 1990: 174f)

Daruber hinaus wurde die géttliche Weltordnung mehrfach in Gedichten und Liedern

geschildert und Gott lieB sich als Ansporn und Trost in harten Zeiten preisen Dichtung

sollte auf ihre Weise die Menschen einnehmen und tiberreden sowie die theologischen

Wahrheiten verbreiten Eine typische Textsorte war das Emblem — eine aus Uberschrift,

Bild und Unterschrift bestehende sinnbildliche Darstellung, aus der ein Lehrsatz zu ent-

schlisseln war (vgl Neuhaus 2017: 137) Ein charakteristisches Beispiel ist das unten

abgebildete Emblem, dessen Botschaft sich folgendermafen paraphrasieren lasst: ,,Bos-

heit und Gier schadet: ein subtileres und vor allem weniger gewaltsames Vorgehen

5 val Moller, Peter: Stoizismus und Bpikureismus, [online] http://www philoles de/stoiepik htm [19.12.2019]

Trang 16

erbrachte eine hohere Kffisiens Gewait weist auf den surtick, der sie ausibt" (Niefan-

ger 2006: 80)

VIOTEKHIANGGENT Wat Geel che]

‘fee ent at Ys sey or ghen iequentồqeủclengcsLMM, [ee Henig ae de Hie en Tod bing £0 ng ch fed shel bes Machere fen nies gene SHlaget

od geass Arehlgen)

2.2.3, Reformbestrebungen in der Sprachwissenschaft und der Poetik

Als sich Martin Luthers Bibalitbersclaung milhilfe des Ruchdrucks Gber den panzer

deutschen Sprachraum stark verbreitete, dffnete sich die Tr in die deutsche Literatur:

thm ist es su verdanken, dass die deutsche Sprache beginnt, literaturfahig zu werden“

(Neuhaus 2017: 1341) Kenmvzcichmend fir den allerersten: Literalurhetnecb war dic Grindung zalireicher Sprachgesellschaften mit der Aufgabe, die reine alte Sprache zu

bewahren — also den fiblichen Kauderwelsch aus Deutsch, Franzasisch, Malienisch und

Spauisch — zy remigen, Dem 1617 ua Weimar gegriindetct Palmenorden wide diese

Libre zugesprochen Neben grofen Bemihungen in sprachwissenschaftlichen Tatigkei- ten haben die Reformbestrebungen in der Poetik einen durchschlagenden Erfolg her-

vorgebracht, als das 1624 von Martin Opitz (1497 1639) veréffentlichte ,,Buch von

der deutschen Poeterey“ mit seinen aufgestellten Regeln zum Lemen der Dichtkunst

die poetischen Probleme vieler zeitgendssischer Akademiker gelést hat Seiner Thearie

zofolge sollten ein gepflegtes, anschauliches Hochdeutsch, die natirliche Wortbeto- mung, die Reinheit des Reims und ein alternierender Rhythmus erzielt werden (vel Baumary Oberle 1996: 54):

» Der Fersakcent sall alsa nut dem natiirlichen Wortakcent im Deutschen, dem Wechsel ven

betonter wad unbetonter Silbe iibereinstimmen [ } die klassischen Versmafte des Jambus tnd des Trochaus seien im Dentschen durch Hebung und Senkung =u bilden, nicht aber wie

Trang 17

in der Antike durch den Wechtel von langen und kurcen Silben [ ] Als Verszeile propa- glerte er den, Alexandriner”, einen sechshebigen jambischen Vers mit einer Zdsur in der

Adtte” (Borie 2006: 353)

Dartber hinaus stellte Opitz, meist durch Ubersetzungen oder mit seinen eigenen Ge- dichten, Vorbilder zur Verftigung, die fiir die Ereverung und Entwicklung der jungen deutschen Literatur pragend waren (vgl Raunane/ Oberle 1996: 54) Die Reformbe- strebungen in der Poetik im Allgemeinen und die von Opitz erarbeiteten Regeln im

Besonderen haben die Erlernbarkeit der Dichtkunst ermiglicht: ,.dutoren schreiben

nach Regein und verstehen ihren Beruf als Handwerk“ (Neuhaus 2017: 137) Aller- dings funktionierte der literarische Markt wie eine gescllossene Gesellschaft, wo Ge-

lehrte schreiben und Gelehrte die Werke lesen, d h Erzeuger und Verbraucher waren

praktiseh idenlisch, An diesem begrenvlen hicrarischen Kreis nabtncn vor allem Fiirs-

ten, ‘Teile des Adels, Patrizier und emige Gelelute teil Die Bevdlkerung hat selber keine Literatur verfasst und die volkstimliche Dichtung (2 B Bauernlisder) wurde vor Hof her oder scitens der Gelchrten meht cst genommen (vg) Balzer/ Mertens 1990: 166f)

Zu den wichtigsten Autoren der Garockzeit zihiten der Schriftsteller Llans Jacob Chris-

toph Grimmelshausen (1622 — 1676) mit seinem bekannten Roman ,,Simplicissismnus

Teutsch", die Dramatiker Daniel Casper von Lohenstein (1635 1683) und Christian

Weise (1642 — 1708), die Lyriker Christian [loffmann von Toffmannswaldau (1616 —

1679), Paul Gerhardt (1607 — 1676) und Andreas Gryphius (1616 — 1664)

Insbesondere Gryphius, dessen Sonette als herausragende Leistung der Epoche angese- hơn wurden, gill aus houliger Sicht als Hauptvertroter der Barockliteratur (vgl Neuhaus

2017: 135f) Gryphius musste mit finf Jahren den Herztod seines Vaters mitanseben

und verlor einige Jahre spater auch seine Mutter und Geschwister Sein Leben wurde stark von dem grausarnon DreiBigjéhrigen Krieg geprigt, sodass er seine leidvellen Fr- fahrungen mit dem Krieg in seine Dichtung einbrachte und im Wesentlichen uber die

Varntas schrieb Er ist fir mehrere Bande bemerkenswerler Sonetie und Oden bekarmt,

vor allem Es ist alles eitel, Trdnen des Vaterlandes (vgl Balzer/Mertens 1990; 183)

10

Trang 18

2.3, Gedichte in der Barockzeit

2.3.1 Themen

Lyrik im Barock ist nicht der lyrische Ausdruck subjektiven Gefithlserlebens des un- mittelbaren, ganz cigentimlichon Weltempfindens cines dichterischen Genies, sondom versucht mittels bewusst gesetzter ilder allgemeingiltige rationale Aussagen vorge- gebener, vorgeformter Inhalte zu formulieren und diese so schltissig und eindringlich wie méglich vorvubringen (vgl Borries 2006: 358) Die christliche Wellamschauung,

die humanistische Bildung sowie die adlig-hSfische Kultur bilden die unabdingbaren

Bezugsfelder aller Autoren Die Themen umkreisen zwar tiefste Fragen menschlichen

Lebens wie Licbeslrcude, Lebenslust, Zeil, Ewigkeil und Verganglichkeit; die Schre-

cken des Krieges, die Trauer md der Tod werden in der Dichtung aber zumeist gemal

einer beslirmmien Wellsich dargestellt: ,, Die Well, einmal geschaffen, ist statisch Es

gibt also ,richtig' und falsch’, gemessen an der absoluten Norm des gottlichen Wil-

Jens“ (Jalzer/ Mertens 1990: 170ff), Daraus entstehen zwei der epochentypisch gegen-

silvtichen Grundaige mit deren entsprechenden Haltingen: Enlweder die Flucht in den trotzigen Lebensgenuss oder die Hoffnung auf das rettende Jenseits, in dem der Mensch

Gottes Ewigkeit erfahren darf (vgl Balzer/Mertens 1990: 165)

Dardber hinaus wurde der italienische Dichter Petrarca zum klassischen Muster erho- ben, sodass zahlreiche lyrische Werke unter seinem Einfluss produziert warden sind Aut viele literansche Nachahmer ist die Darstellung der bittersiien Liebe gestoflen und die Vorstellung von der Liebe als Kampf, Feuer, Leben und Tod Dass der ,,Petrarkis- mus“ zu einer wichtigen Stilrichtung vornehmlich der Lyrik des 15 — 17 Jahrhunderts geworden isi, isLauf die gesellachaliliche Nalur vurlickuliahren, welche ,, Liebe aly Ge- sprachsthema der héfischen Gesellschaft, als Thema hofisch-unterhaltender Dichtung und Musik (Meid 2000: 29) auffasste Das Therma der bittersiiBent Liebe wurde in ver- schicdenen thematischen Ausprägungen, beisptelwoise Tod und Leben, Trennung, Spannung, grausame Unnahbarkeit, Schénheit der frauen, Lust und Leiden in der Liebe, variiert (vgl Borries 2006: 355) Das petrarkistische System variierle in Deulsch land von weltlichem Petrarkismus (bei Fleming) aber geistlichen Petrakismus (bei Spee) bis bin zu erotischem Potrarkismus (bei IToffmannswaldau) (vg) Niefanger 2006: 1)

1

Trang 19

2.3.2 Sprachstil

Der im 19 und fridher 20 Jahrhundert als ,,schwiilstig, pathetisch, rhetorivch" lewer- tte Epochenstil zeigt sich cindeutig in der Lyzik Somit lasst sich oin Barockgedicht mit einer herausragenden Spracharchitektur vergleichen, welche sich durch ,, die auper- ordentliche bilderreiche Sprache der Barockdichiung, die mit lautmalerischen Mitteln und immer neuen Vergleichen versucht, ihre Gegenstande angemessen 2u beschreiben" (Balzer/ Mertens 1990: 164) auszeichnet Weitere diverse Stilmittel, allen voran Meta- phem, Allegorien, Emblematik, Antithesen, Parallelismen, Correlativiti, Oxymora spie- len fiir die bildliche Beschaffenheit, die sich in zwei Hbenen gliedert, eine wichtige Rolle (vel Balzer/ Mertens 1990: 170)

Auf der ersten Ebene baw der dekorativen Bildlichkeit domimeren ,,Blamen, kostbare

Stoffe und Edelsieine, siihe Speisen und Getranke, Duftstoffe und dekorativ-emblemati-

sche Tiere als die wichtigsten Vergleichsbereiche” (Meid 2000: 43) In der petrarkisti- schen Lyrik enthalt ,, das Bild der rau festumrissene Zilge, Gegenstinde und Orte, die

mil der geliehien Frau verbunden sind“ (Meid 2000: 27) Nalurelemente werden prak- tsch zur Bezcichnung der Fraucnschénheit verwendet So beschreiben Korallen die

Réte der Lippen, Ldelsteine oder Quellen die Augen, der weiBe Schnee die Laut, Bache

die Tréinen oder Marmor und andere Steine die Kalie der Geliebten“ (Niefanger 2006:

109) Auflerdem gilt die unschuldige reine Natur als Sinnbild und wird zum Material

fiw die immer wieder unter christlicher Norm vorzunehmende Weltdeutung

Mit der ausgepragten lautmalerischen Sprache und immer wieder neuen bildlichen Dar- stelhingen bzw Vergleichen wurden Gegenstnde unter verschiedenen Gesichtspunk-

ton differenziert betrachtcl: ,, inerseits wird versuchi, die Dinge hegrifflich su fixieren,

thư Wesen zu erfassen, andererseits ist, da die Welt als Schein, ihr Wesenskern als dem

Menschen verborgen gesehen wird, nur noch die Potensierung dieses Scheins méglich

(Balzer/ Mertens 1990: 164), Mithille der Bildung von wirklichen und schembaren Ge-

gensitzen wird die zweite Hbene, die der vergeistigten Bildlichkeit hervorgerufen, wel- che die Spannung zwischen Lebensfreude vs Wellschmery; Todesangst vs Lebensbe+

jabung; Lebensgicr vs Schnsucht nach dom Jonscits u A darstellt: ,,.Das Individuelle

Trang 20

hat angesichts der vélligen Nichtigheit des irdischen Seins keine Bedeutung" (Balzer!

Mertens 1990: 164)

Lin weiterer Aspekt ist die Funktion der Rhetorik in der Dichtng Dichter mussen die gefundenen Thesen und Argumente wirkungsvoll ordnen und sie in einer einwandfreien thetorischen Gestaltung darbieten ,,f ] Hesthalten an der Rhetorik als Leitdisziplin des 17 Jahrhunderts, also an der sprachlichen Ausschmiickung dessen, was man sagen will (Neuhaus 2017: 136) Die Rhetorik war in der Fpocheneit von so groBer Bedeu- tung, dass sie sich zu einer gesellschaftlichen Kunstiibung und einem wichtigen Unter- richtsfach in Schulen entwickelte Erst zur Hochaufklérung fand der Paradigmenwech-

sel staf, als sich der Dichler nicht mehr nach Regeh richtele, sondern scine eigenen

Regeln schuf (vgl Neuhaus 2017: 138f1)

2.3.3 Das deutsche Sonett

Das Sonett, dessen Ursprung im 13 Jahrhundert in Italien liegt, war neben der Ode und dom Fpigranm, fiir dic Opitz chonfalls Regehy aulgestclll hatte, die vorherrschende

Gedichtform der deutschen Barockzeit Diese Forn hatte Francesco Petrarea (1304

1374) durch seine Liebeslyrik bekannt gemacht und damit eine nachhaltige Vorlage fir

zahlreiche Nachahmer bzw Petrarkisten des deutschen Barock geschaffen (vgl Meid

2000; 28) Das Sonett erscheint besonders geeignet durch seine antithetische Gestal-

tung, welche die Unaufléslichkeit des Konflikts darstellt In diesem Abschnitt wird der

Fokus auf das deulsche Sonett gelegl Die wesentlichen Charakterislika eimes Sonells

werden im Molgenden aufgeftihrt

Ein Sonett bestcht tiblicherweise aus 14 Versen, dic in zwei Quartette und zwei Terzette

gegliedert sind Die ersten beiden Strophen (Quartette) setzen sich aus vier Versen zu-

sammen, die letzten Strophen (Terzettc) bestchen aus nur je drei Versen (vgl Balzer!

Mertens 1990: 170ff) Das Endreimschema eines Sonetts varliert je nach Vertreter Der

Unterschied zwischen der von Opitz geregelten orm und dem italienischen Sonett be- sleht in der Reimordnung: ,, Opitz folgte | ] der Reimordnung abba abba ced eed, wah-

rend das italienische Sonett Reimpaare in den Terzetten vermied (Meid 2000: 60) Die Terzette nach italienischer Manier weisen das Reimschema cde ded oder sogar cde dee

auf (vel Nictanger 2006, 94) ,, Opitz nannte als Verse fur das Sonett Alexandriner oder

13

Trang 21

Vers communs’ “ (vgl Meid 2000: 53)., Im Vergleich zu dem Vers commun wurde der

Alexandriner, ein sechshebiger Jambus mit einer Zasur nach der dritten Hebung deut-

lich bevorzugt, da er wenig starr klingt und sich formal fur antithetische Gedankenfith-

rung eignet Daher bildet die immer gleichbleibende strenge und klare Form einen be-

wussten Gegensatz bzw eine ausgepragte Antithetik: Diesseits vs Jenseits, Spiel vs

Emst; Schein vs Sein, Wollust vs Tugend, Erotik vs Askese; irdisches vs himmli- sches Leben etc Die bevorzugte Benutzung verschiedener Stilmittel wie z B Verglei-

che und Metaphern tragt ebenfalls zur inhaltlichen Darstellung bei (vgl Meid 2000:

53),

Obwohl die Verse melodisch fast gleich klingen, wird die Spannung dadurch getragen, dass die personliche Prigung sich hinter dem Formzwang verbirgt (Baumann/ Oberle

1996: 58) Der innere Aufbau sieht im Idealfall so aus:

„ die erste Strophe stellt eine These bzw eine Behauptung, einen Gedanken, eine Erfah-

rung 0 A, die zweite eine Antithese, dh sie belenchtet das Thema von einem anderen,

vielleicht ergdnzenden oder sogar gegenséitzlichen Standpunkt aus, Die dritte und vierte

Strophe, also die Terzette, fithren das angesprochene Thema dann =u einem Ergebnis baw

su einer endgiiltigen Aussage (Synthese) (Handmann 2017’),

Prinzipiell dienen die Terzette zur Steigerung, wobei das letzte Terzett als eine sum- mierende Haufung angesehen wird, sodass ein Sonett einen epigrammatischen Charak- ter bekommt (vgl Niefanger 2006: 94) Die vorliegende Tabelle fasst ausschlieSlich der rhetorischen Figuren auf verschiedenen Ebenen die grundlegenden formalen

Merkmale eines Sonetts zusammen

Du siehst, wohin du siehst, / nur Eitelkeit auf Erden

_WäS điðSeF Nieif€ ĐãNf, / roift jener morgen ein:

‘Wo jetat noch Ste steht, / wird eine Wiese sein,

Auf der ein Schaferskind / wird spielen mit den Herden a

‘Was jetat nich richtig bid, / soll bald zertreten werden | @

Trang 22

@ Reimschema:

Nichts ist, das ewig sei, / kein Erz, kein Mamnorstein, > | abba abba ced eed

‘Feta VACHE MANGES AA] / bald donnem die Beschwerden | b

| ¢ 2 Quartette und 2

DePhohenTatewRGhim / muss wie ein Traum vergehn Terzette

‘SOL [dehihl AAS! Sppiel [WEPZeill / der leichte Mensch, bestehn? | c & Quartete: Einfthrung,

Ach! Was ist alles dies, / was wir fir késtlich achten, c

ạ | Antthetk Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind, Terzette: Fazit,

Als eine Wiesenblum’, die man nicht wieder find’t © | -yecutlgeitieinerting,

Noch 0c will, was wig ist, kein ewig ist, kein einzig Mensch betrachten! einzig Mensch betrachten : > ER "

¢ Parallelitat

Tabelle I- Die grundiegenden formalen Merkmale des deutschen Sonetts am Beispiel von Es

ist alles eitel (Andreas Gryphius)

3 Die Dynastien in Vietnam und das vietnamesische 7-8-Gedicht

3.1 Politische und sozialgeschichtliche Grundlagen der vietnamesischen Dynastien vom 10 bis zur ersten Hilfte des 19 Jahrhunderts

Im direkten zeitlichen Vergleich zu der Epoche des Barock, die fast zwei Jahrhunderte

umspannte, ist die feudalistische Ara in Vietnam weitaus linger mit wechselnden Dy-

nastien vom 10 Jahrhundert bis zur ersten Halfte des 20 Jahrhunderts Daher bedarf es

fur einen kontrastiven Vergleich einer exakten zeitlichen Abgrenzung Die vorliegende

Arbeit untersucht den Zeitraum vom 16 bis zur ersten Hiilfte des 19 Jahrhunderts

Allerdings sollte dieser Zeitabschnitt aufgrund von komplexen politischen und sozialen

Verflechtungen nicht einzeln, sondern im Rahmen der gesamten feudalistischen Ara

in den darauffolgenden finf Jahrhunderten (16 —19 Jahrhundert) bereiteten dem Feu-

dalismus dann das zwangsliufige Ende Den Ausgangspunkt fitr diese Krisenzeit bilde-

ten fortwahrende kriegerische Auseinandersetzungen Darunter waren zunichst der von

15

Trang 23

1545 bis 1592 dauernde Krieg zwischen beiden kéniglichen Hausern Lé und Mac, da-

rauffolgend der Konflikt zwischen Trinh und Nguyén (1627 — 1672) In dem von Trinh-

Regenten regierten Territorium, Nordvietnam, wurden die Untertanen bis zum AuBers-

ten ausgebeutet, damit der Kaiser und dessen Mandarine’ sich ein unbedenklich genuss-

volles Leben leisten konnten Dies fiihrte zwangslaufig zu wirtschaftlicher Erschép- fung, wiederkehrenden Ermteausfallen und drohender Hungersnot Die Nguyén-Herr-

scher des K6nigreichs in Mittel- und Stidvietnam, entschlossen sich zur Abschottungs-

politik, aufgrund derer ihr Land weitgehend in Riickstand geriet Somit brachen zahl-

lose Bauernaufstande in dem damaligen aufgeteilten Vietnam aus Die Situation ver-

schlimmerte sich im 18 Jahrhundert trotz der bis heute bekannten siegreichen Tây Sơn-

Rebellion (vgl La Nham Thìn 2015: 13 - 15) Von der Mitte des 18 bis zu der ersten Halfte des 19 Jahrhunderts durchlebte das Land die konfliktreiche Zeit der kurzzeitigen

Herrschaft der Tay Son-Dynastie und die der Nguyén-Kaiserdynastie durchlebte Auch

in dieser Zeit gab es seitens vieler ehemaliger Mandarine politische Uneinigkeiten, so-

dass diese sich entweder ins Einsiedlerleben zuriickzogen oder dem herrschenden Kai-

ser nur widerstrebend dienten Glanzpunkte dieses Zeitabschnitts waren die Erweite- rung des Territoriums bis in den Stiden und hervorragende Erfolge in der Literatur, wel- che im nachsten Abschnitt naher dargestellt werden,

3.2 Die Literatur der vietnamesischen Dynastien vom 10 bis zur ersten Hảlfte des 19 Jahrhunderts im Uberblick

Das vietnamesische Volk wurde vor mehr als 2000 Jahren von China erobert und war

rund ein Jahrtausend lang (111 v Chr - 939 n Chr.) in das chinesische Reich

eingegliedert Das Land stark von chinesischen Einfltissen gepragt, von der Politik bis

hin zur Kultur und Religion Das Volk lente das klassische Chinesisch und folgte dem

Konfuzianismus Nachdem die Vietnamesen sich 939 der chinesichen Macht entzogen hatten, waren wir zwar politisch unabhingig, jedoch kulturell und religiés immer noch von China beeinflusst Das klassische Chinesisch galt als die offzielle Schrift, die

unersetzlich fir Dichtung, Staatsexamen und andere staatliche Angelegenheiten war

Dementsprechend wurde die in klassischer chinesischer Sprache geschriebene Literatur

® Mandarin: zur politischen und sozialen Fohrungsschicht gehorender Staatsbeamter

16

Trang 24

als Hochliteratur angesehen (vg) Dương Quang Ham 2019: 109) Die Literatur der vi-

etnamesischen Dynastien trug unterschiedliche Namen wie dn hoc cd (alte Literatur),

văn bọc cô diễn (klassische Lateratur) odœr vẫn học thời phong kiến (feudalc Litcratar)

Sie brachte im Laufe ihrer jahrhundertelangen Lintwicklung erhebliche Unterschiede in Bezug, auf Schriften, Genres, Sprachstile, asthetische Konzeptionen und Weltanschau- ungen mit sich (vel La Nbam ‘Thin 2012: $f) Die Literatur wird demnach in vier Pha- sen unterteilt In der Anfangsphase (10 — 15 Jahrhundert) war ausschlieBlich die fimktionale Literatur prasent Diese umfasste offfzielle Ankimdigungen vietnamesischer Kénige oder Schriften, die bedeutende historische Hreignisse des Landes zum Inhalt hatten Sie ist nicht nur inhaltlich, sondern auch formal und sprachlich begrenzt

iu!!, sé*?, die im chinesischen Schriftzei-

Typische Textsorten waren chiếu, biểu!?

chen verfasst wurden Da literarische Werke dic Position und das Prestige der Verfasscr

zw Schau stellen sollen, beschrankte sich die Autorengruppe vornehmlich auf Kaiser,

Mandarine, Generale und Gelchric Diese Titeratur war cine volikorumen emseitige Ta

teratur, da es prinzipiell keinen Platz fiir Meinungsaustausch und Kntik gab (vel La

Thâm Thin 2012: 10f)

Die chinesischen Schnftzeichen waren weiterhin vom 15 bis zum Anfang des 18

Jahrhunderts von proBer Bedeutung Die Lé-Dynastie ist in der vietnamesischen

Geschichte die stirkste und stabilste Dynastie, in der viel Wert auf Literatur gelegt

wurde, Kaiser Lé Thanh Téng (1442 — 1497), ein rhmreicher und patenter Kaiser, war

Grinder der allerersten Literiturgesellschaft names Héi Tao Dian (vgl Duong Quang

Hàm 2019: 100) Bekannt geworden ist đie Epoche indes hauptsáchlich auferund ihrer

Geschichtsbiicher und Versromane In dieser Zeit ist eine grofle Anzahl beachtlicher

Prosawerke enistanden, welche die Talente der kimiglichen Familie seigien Allerdings

gab cs m dicsem Zeitabschnitt wenig herausragende Autoren, Die Literatur war thema- tisch vielfAltiger, geschildert wurden namlich die Tugenden des kaiserlichen Hols, Patriotismus, politische und religiése Vorslellungen sowie moralisch-cthische

® Bin vor Konig verfasster Brief, um dessen Untertancn Betchle zu erteilen,

20 Ein von Mandarinen verfasster Brief an den Konig zum Grofulieren, Danken oder Auer von Wanschen Bitten)

2) Fin von Mandarinen verfasster und ihrem Konig uberreichter Brief, in dem sie thm Strategien oder Meinungen

mittcilen

in von Mandarinen verfasster und ihrem Kénig dberreichter Brie, indem sie ilu um etwas bitten

17

Trang 25

Vervollkommuung in einer Feudalgesellschait (vgl L& Nhâm ‘thin 2012: 14, 22) In dieser Zeit sind die ersten Arbeilen in Chit Ném (Ném-Schrifl) entslanden Die Nôm- Schrift ist historisch am Ende des 8 Jaluhunderts entstanden, jedoch erst im 14 Jahrhundert zum ersten Mal von [an Thuyén (1229?) zum Diehten benutzt worden

Seitdem folgten ihm die anderen Gelehrten Neuyén Trai (1380 — 1442) amđ Nguyễn

Binh Khiém (1491 1585) waren die bekanntesten Autoren dieses Zeitabschnitts, deren Werke in Ném-Schrift geschrieben wurden

Im Grunde genommen ist Ném-Scbrift eine Abwandhung chinesischer Schriftzeichen Entweder wurde ein Zeichen aus dem klassischen Chinesisch direkt entlehnt, oder ei- nige Zeichen wurden (ir dic Bildung cines neuen Worles kombiniert, Fs muss cinge- réumt werden, dass diese Schwiftform mit der langeren Nichtanerkennung baw Verwei- gerung des K onigshofs zu kampfen hatte Dies hatte einerseits die Existenz unterschied- licher Schreibweisen fur ein hestiranles Wort, andererscils Unklarheiten tiber die Worl- bedeutmg emes bestimmten Soliftzeichens zur Folge Daraus ergeben sich im Xavhhinein mehrere Variationen bei Uherselvangen von Texten aus der Ném-Schrift in das modeme Victnameisch (in Fon von lateinischen Buchstaben) (vgl Duong, Quang 1am 2019: 103 120)

Durch zablreiche gewalttitige Konflikte geriet das Land in eine scliwere Krise, Allerdings hat die Literatur vom 18, bis zur ersten [alte des 19 Jahrhunderts, durchschlagende Friolge ervielt Die Nom-Schrift wurde langsam formstabil und weitreichend in der Dichtung verwendet Dies ist auch die 13litezeit von Gedichten in

‘Ném-Scbrift mit einem reichhaltigen Themenkanan und mehreren groBen Dichtem wie

Hé Xuin Hung, Ba Huyén Thanh Quan, Nguyén Khuyén usw (vgh La Nhâm Thin 2012: 34f) Obgleich viele Werke in das moderne Vietnameisch ubersetzt worden sind, sind manche Stellen fur die heutigen ¥ eser immer noch unverstandlich, sodass man sich

in vielen Fallen den gesamlon Originalicx! im klassischen Chinesisch anschauen und die Botschaft aus dem Kontext erschlieBen muss Hs bedarf neben holier Sprachkompe- ten auch eines umfangreichen Wissensschatves im Hinblick auf die damalige Ge- schichte und Politik, welcher im Rahmen dioser Untersuchung nur bedingt zur Verfi- gung stand, Aus diesem Grund untersuche ich im Rahmen meiner Arbeit lediglich die

18

Trang 26

bereits in das modeme Vietnamesisch tibersetzten Gedichte, welche auch im Lehrplan

der heutigen Schulen zu finden sind Solche Werke, meist von hochgeschatzten Dich-

terinnen und Dichtern verfasst, sind charakteristisch fiir die untersuchte Epoche Zeitlich und geschichtlich gesehen ist diese Zeit eine gute Entsprechung zum deutschen Barock Die Entsprechungen bestehen namlich nicht nur in der Lange des Zeitraums

(mehr als 100 Jahre), sondern auch in gesellschaftlichen Bedingungen und vor allem in

Reformbestrebungen in der Literatur im Allgemeinen sowie in der Lyrik im

Besonderen Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Zeitabschnitte sind in

Abschnitt 3 zu entnehmen

Die Literatur der vietnamesischen Dynastien erlebte von der zweiten Hiilte des 19

Jahrhunderts bis Anfang des 20 Jahrhunderts ihre letzte Zeit mit wesentlich

geänderten historischen Bedingungen Vietnam stand unter — franzésischer

Kolonialherrschaft Unter dem Einfluss der westlichen Literatur sind neue Genres und

Stile aufgenommen worden, die klassische Literatur verlor somit an Bedeutung (vgl La

Nham Thin 2012: 26)

3.3 Ném-Gedichte vom 16 bis zur ersten Halfte des 19 Jahrhunderts

3.3.1 Themen

Obwohl sie im Vergleich zum klassischen Chinesisch zunächst als minderwertig ange-

sehen wurde, gewann die Ném-Schrift im Laufe der Zeit an Ansehen, bis die N6ém-

Literatur im Allgemeinen bzw die Nom-Lyrik im Besonderen im 18 Jahrhundert ihre

Blitezeit erlebte Vom 16 bis zur ersten Halfte des 19 Jahrhunderts wurde der funktionalen Literatur der Raum entzogen Dichtung sollte lehrreich sein und zielte darauf ab, dem Menschen das Wahre, Gute und Schone zu vermitteln (vgl Lã Nhâm Thin 2012: 12) In dieser Hinsicht konzentrierten sich die Autoren nicht mehr nur auf

die herrschende Feudalklasse wie in der Anfangsphase, sondern es wurde iiber die Realitat der Gesellschaft, iiber die Schénheit und die Tugenden des normalen Menschen

refektiert Viele Werke aus dieser Zeit sind unsterblich geworden, vor allem der

weltbekannte Versroman Das Madchen Kieu und zahlreiche Gedichte, welche in An-

lehnung an die chinesische Poetik verfasst wurden Lyrik war sowohl inhaltlich als auch

formal abwechslungsreich Der thematische Schwerpunkt hat sich in der Mitte des 18

19

Trang 27

Jahrhunderts deutlich gewandelt Zuvor befasste man sich eher mit den traditionellen

philosophischen Themen Die Autoren auferten thre Vorstellungen vom Bild eines ide-

alen Staatswesens bzw, eines idealen Landedelmannes in der Feudalgesellschaft, von

ethischen Normen und Tugenden der Menschen, um die Zeitgenossen zu belehren Ab der Mitte des 18 Jahrhunderts lag der Fokus auf sozialen Themen wie dem Leben armer

Menschen, der Liebe zur Familie oder den Schattenseiten des Feudalismus Neuartig

war die Darstellung der Schicksale von Frauen und ihres Wunsches nach Glick,

Freiheit und Gerechtigkeit Anfang des 19 Jahrhunderts gab es eine Tendenz zu

satirischer Dichtung Inhaltlich wurden die Macken und Unsitten der Menschen

kritisiert Das einzige in dem ganzen Zeitabschnitt wiederkehrende Thema waren Na-

turbilder Naturbilder waren auch in vielen lyrischen Texten enthalten (vgl, La Nham

Thìn 2012: 54 — 106) Die Themen und deren Vertreter (Lyriker) sind in der folgenden

Vermitthung ethischer Werte und Nghĩa (1807 — 1872; Nguyễn Đình

(1825 - 1877)

Vaterlandsliebe, Familienbeziehungen, _ | Hồ Xuân Hương (1772 - 1822), Nguyễn

Frauenschicksal, Wunsch nach Freiheit, | Công Trử (1778 — 1858), Bả Huyện

Liebe und Gerechtigkeit Thanh Quan (1805 — 1848)

Knitik an den Unsitten der Menschen Nguyên Khuyên (1796 — 1853), Trần Tê

Dương Quảng Ham ist der Meinung, die damaligen Autoren batten sich sowohl

inhaltlich als auch sprachlich im vollen Unifang an der chinesischen Lyrik orientiert

“hú pháp của Tàu và âm luật của ta— Niaư đã nỏi, thơ nôm ta làm theo phép tắc thơ Tầu,

.mà âm thanh tiễng ta cũng trơng tự tiễng Tàu (cũng là thứ tiêng đan âm và cũng chia lam

Trang 28

tễng bằng tiằng trắc), nền thí pháp của la tức là thẻ pháp của Tần và các niềm luật của 1a cũng phòng theo thơ Tàu cả” (Dương Quảng Hàm 2019: 112)

(Wortliche Mbersetzung: Die chinesische Poetik und die vietnamesische Prosndie: Wie bereits erwabnt, folgte unscre Pocsic den Regeln der chinesischen Poctik, und unsere Phonetik ahnelie der chinesischen, die auch eine monosyllabische Sprache ist und uber đallende vs mreigende Tone verfiigt Daher war unsere Dichtkunst die chinesische Dichtkunst und die Regel det Anordnung von Tonhchen tolgte ebenso der chinesischen Poesic.)

Daran äuBert Lã Nhâm Thin in seiner Darstellung (vgl 1997: 11) Zweifel Zugegebe- nermafien hatte sich dic Ném-Schrift aus dem Klassischen Chinesisch entwickelt Al- lerdings sind die meisten in den friheren Dynastien, also vor dem 15 Jahrhundert, entstandenen Gedichte verloren gegangen, sodass die Frage nach der auBeren Seite der Schriftform noch offenbleibt (veL Duong Quing Ham 2019: 110) Dariber hinaus hat Dương Quảng Iam die Texte alleine aus Sicht der Poetik, insbesondere auf der Klangebene und hinsichtlich der formalen Struktur betrachtet Die Eigenleistung der viclnamesischen Auloren, vor allem deren Kreativital, sogar deren Mut za VerstaBen gegen strenge poetische Regeln wurde von ihm aufer Acht gelassen Schon im 15

Jahrhundert hat Nguyén Trai erste Neverungen durch kleime Anderungen an der Form

erziclt, indem er gelegentlich sechs statt sicben Silben in ciner Zeile verarbeitete Den Rhythnvus im Vers hat er von 4/3 2u 3/4 moduliert Daneben wurden in seiner Dichtung vicle Redewendimgen und Sprichworter gebraucht, welche stark von der kulurellen Identitat der Vietnamesen geprigt waren Dies war jedoch die Anfangsphase, in der die ersten Versuche der Modernisierung und Loslésung von der chinesischen orm voran- golrichen wurden (vgl La Nhâm Thin 1997: 39) Ab dem 18 Jahrhundert belolgten Dichter zwar die herkémmlichen Formprinzipien, nach und nach entwickelten sie je- doch einen persénlichen Autorenstil, welcher vor allem neue Aspekte aus der vietna- mesischen Kultur und Symbolik einbezog Hervurzuheben ist auferdem, dass cine ge- wisse Schénheit des Alltaglichen in die vietnamesische Literatur Linzug hielt

Die Verwendung von Sinnbildern war von konfuzianischen Grundgedanken gepragt

So dienen bestimmte Pflanzenals Ausdruck fiir ehrenhafte Manner, 2.B rùng, cức, tức, mai, Blumen steben fir das Gesicht schiner Frauen; deren Haare werden mmeist mit sanfton Wolken verglichen; Stein und Gold symbolisicron die Treuc Die Verwendung solcher Bilder kann auch als eine Parallele zur petrarkistischen Lyrik angeschen

21

Trang 29

werden Bis in die Mitte des 18 Jahrhunderts kamen solche klassischen Bilder haufig

in Gedichten vor Zahlreiche historische Anspielungen aus der chinesischen Dichtung

wurden von vietnamesischen Autoren entliehen In der spateren Phase eréffnete sich

den Autoren eine neue Perspektive, sie lésten sich zunehmend von der traditionellen

Bildsprache des Konfuzianismus und fingen an, aus einem allgemeineren Themenpool

zu schopfen Aus ihrer persénlichen Beobachtung gewannen sie neue dsthetische

Mafistabe So riickte in ihren Gedichten das Bild des alltaglichen menschlichen Lebens

in den Vordergrund (vgl La Nham Thin 1997; 126 — 133) Erwahnenswert ist die

Beschreibung des Frauenbildes und seiner Asthetik und Schönheit im Besondern,

indem gewéhnliche Dinge die konventionellen edlen Naturbilder ersetzen

Beispielweise wurde die namhafte Figur einer schénen Frau in emem Gedicht von Hồ

Xuan Huong mit banh tréi nuéc!* (siehe Bild), einer traditionellen siiBen Delikatesse,

verglichen (vgl La Nham Thin 1997: 138)

Der in der Dichtung dargestellte Raum war meistens statisch und mit natiirlichen Ele-

menten wie Bergen, Fltissen, dem Mond, und der Sonne verbunden, wahrend die Zeit

oft als eine schnell vergehende und sich wiederholende Instanz betrachtet wurde Dies

spiegelte die mit landwirtschaftlichen Tatigkeiten verbundene Weltanschauung der

Vietnamesen wider (vgl La Nhâm Thin 2012: 30ff) Hồ Xuân Hương betrachtete die

Zeit jedoch als einen agilen, sich bewegenden lebendigen Raum Dariber hinaus trug

die Darstellung von Zeit und Raum zur Charakterisierung der Figuren bzw zum

Ausdruck yon Gefiihlen des lyrischen Ichs bei

'* Es wird aus braunem Zucker hergestellt, in Klebreis gewickelt und in kochendem Wasser gekocht.

Trang 30

Die Klassische chinesische Dichtung verfiigte uber wenig Jur fir’ Der sparsam und

gewahlt verwendete Worlschatz komite jedoch die optinale suggestive Wirkung

erzeugen (vgl Li Nham Thin 1997; 33f) Im Vergleich zu der klassischen chinesischen

Poesie ist die Sprache in den vietnamesischen Gedichten weitgehend freier und ,,bana- ler Eine wichtige Rolle spielen nicht die Substantive, sondern Verben, Adjektive, Re-

duplikationswôrter and formale Wörter Solche Faktoren haben die Sprache emfacher,

verstindlicher, aber auch vielfaltiger und lebendiger gemacht Man tendierte nicht dazu, mit seinen reichen Wortschatz zu prahlen (vgl La Nhém Thin 1997: 224) Im Allge- meinen variierte der Sprachstil von klassisch uber umgangssprachlich bis hin zu sarkas-

tisch Und diese Vielfalt hat die unterstichte Epoche zu der erfolgreichsten Zeit der

Ném-Lyrik gemacht

3.2.3 Das vietnamesische 7-8-Gedicht

Grumdlegend (ir die vietnamesische Lileralur war dic Poctik der Chimesen Gedichic

hielten dber mehrere Jahrhunderte hinweg die von chinesischen Autoren aufgestellten

Regeln ein Davai gehint das

goregclte chinesische Gedichtform, cntstandon in der Tang-Dynastic (618 — 907), In Abgrenzung zum klassischen chinesischen 7-8 wird in dieser Abhandlung der Legriff

Gedicht verwendet, als Bezeichnung fir Gedichte, welche der

grundiegenden chinesischen Poetik folgten, jedoch in Ném-Schrift verfasst und der

Dichtungsregeln umfassen fiinf Bausteine: Van, dai, luật, niêm, bố cục (vel Duong

Quang Ham 2019: 113-117)

- Van (Reime): Fs werden zum grofiten Teil Silben mit fallenden Tonen als Reim ver- wendet, zB veo, fd, uur ab und zu Silben mit stcigenden Toner Das Ietzie Wort im ersten, zweiten, vierten, sechsten und achten Vers muss sich reimen

‘© Punktionaworter: aic haben keine icxikalische Funktion und somut keine Identifizienngstunktion, sondern nur seine granunatische Funktion.

Trang 31

- Déi (Parallelismen): Diese Anforderung ist von groBer Bedeutung und gliedert sich

in zwei Ebenen: Wort- und Versebene Auf der Wortebene missen zwei Worter, die in

einem Gegensatz stehen sollen, der gleichen Wortart und Tonhohe angehéren Auf der

Versebene bilden zwei gegensatzliche Ideen in zwei aufeinanderfolgenden Versen

(Vers 3 — Vers 4 und Vers 5 — Vers 6) einen Parallelismus

- Luật bằng trắc (1 Regel đer Tonhöhe): Deutsch gehort zu den Akzentprachen, bei

denen der Wortakzent bedeutungstragend ist, dies filhrt dazu, dass der Versakzent vor

allem durch Tonstarke (dynamischer Akzent) realisiert wird Im Unterschied dazu ist

Vietnamesisch eine tonale und monosyllabische Sprache In der vietnamesischen

Schrift werden die Tone durch diakritische Zeichen kenntlich gemacht (siehe Tabelle)

Tabelle 3: Die Tone im vietnamesischen Sprachsystem

Durch den Wechsel zwischen thanh bang* (ngang, huyén) und thanh trac (nang, sac,

hỏi, ngã) wird der Versakzent (melodischer Akzent) erzeugt Im Rahmen dieser Arbeit

wird fir thanh bang* (ngang, huyén) der Begriff ,,fallende Téne“ verwendet (F), far

thanh trac (nang, sac, hoi, nga) ,,steigende Téne* (S), um die Komplexitit der Bezeich-

nungen zu vermgem Fúr die 7-8-Gedichtform bestehen drei Schemata, wobei die

beiden ersten Muster beim Dichten besonders bevorzugt wurden, und Muster 1 im

Gegensatz zu Muster 3 stand (siehe Tabelle)

Yanœele | Maserl Ï Muwer2 Master 3

Trang 32

E: thanh băng * (ngang, huyền)

S: thanh trắc (năng, sắc, hỏi, ngã)

Tabelle 4: Das Schema der Tonhohe im 7-S-Gedicht

- Niém (2 Regel der Tonhéhe): Diese Regel besagt, dass das zweite vorkommende Wort in bestimmten Versen die gleiche Tonhéhe besitzen soll, nãmlich in Vers 1 und

8, 2und 3, 4 und 5, 6 und 7

- Bé cuc (Aufbau): Der Aufbau ist Ausdruck des konstanten, aber auch veranderlichen

Universums Er spiegelt die Einheit von widersprechenden, einander ausschlieSenden,

gegensatzlichen Tendenzen wieder Die ersten beiden und die letzten beiden Verse

bilden den Rahmen, wobei die umrahmten vier Verse (Vers 3, 4, 5, 6) in zwei

symmetrische Paare untergliedert sind und gegensatzliche Verhaltnisse darstellen Alle Verse zusammen machen einen kompakten Block aus Eine ideale inhaltliche

Strukturierungen sieht folgendermafen aus

¢ é (Einfiihrung): Die beiden ersten Verse fihren den Leser in das Gedicht ein Die Einleitung soll allgemein Auskunft ber den Sachverhalt, die Zeit und den

Raum geben

© Thực (Beschreibung): Gefolgt von der Einleitung sollen Vers 3 und 4 die realen, natitrlichen Gegebenheiten reflektieren, z B die Umgebung beschreiben

© Ludn (kritische Auseinandersetzung/ Argumentation): In Vers 5 und 6 kommen

—im Kontrast hierzu — die Gedanken, Haltungen und Gefihle des lyrischen Ichs

gegentiber dem zuvor bezeichneten Sachverhalt/ Zustand zum Ausdruck Dieser Teil findet in dem ersten Terzett eines Sonetts eine Entsprechung

© Két(Fazit/ Stellungnahme): Die beiden letzten Verse geben uns eine Zusammen-

fassung oder GefiihlsauBerung und schliefen das Gedicht, zumeist mit einer of- fenen Frage

Was die inhaltliche Struktur angeht, gibt es verschiedene Konzepte Beim Dichten

hielten sich die Dichter gelegentlich auch nicht an die Grundregeln In der Tat ist die

25

Trang 33

Grenze zwischen Thyc (Beschreibung) und Ludn (kritische Auseinandersetzung) nicht

immer klar Es bedarf daher der Flexibilitat bei der Analyse und Interpretation der

Texte Die vorliegende Tabelle fasst ausschlieBlich der rhetorischen Figuren auf ver-

schiedenen Ebenen die grundlegenden formalen Merkmale eines 7-8-Gedichts

zusammen

"Bước tới Đèo Ngang bỏng xế tà, a | ® 7 Silben pro Verszeile - Pausenstruktur: 4/3

Cö cây chen đá, lá chen hoa a | e Reimschema: aabacada

Tem Khom đưới nũi, tiểu vài chủ |b | $8 Vene, điein4 Teile umterteiltwerden:

c bên s @ | Binfuhring, Beschreibung, kritische Auseinander-

© | setzung, Fazit

2 | & Parallelitat

Dimg chan ditng lai trời, non, nước, địa ÑÑNthese

Một mảnh tình riềng, ta với ta a

Tabelle 5: Die grundlegenden formalen Merkmale des 7-5-Gedichts am Beispiel von Qua

Đèo Ngang (Bà Huyện Thanh Quan)

3.4 Vergleich der deutschen Barockliteratur mit der vietnamesischen Literatur vom 16,

Jahrhundert bis zur ersten Hilfte des 19 Jahrhunderts

Unterzieht man die deutsche Barockliteratur und die vietnamesische Literatur vom 16

Jahrhundert bis zur ersten Halfte des 19 Jahrhunderts einem Vergleich, herrschen

hauptsachlich Gemeinsamkeiten vor Diese werden in den folgenden Abschnitten er-

lautert

Die Literatur der beiden Epochen wurde stark von den politischen, religiésen und ge-

sellschaftlichen Bedingungen gepragt Wahrend die Menschen in der deutschen Ba-

rockzeit viele kriegerische Auseinandersetzungen und die mehrfache Teilung des Lan-

des bewaltigen mussten, durchlebte das vietnamesische Volk vom 16 Jahrhundert bis zur ersten Halfte des 19 Jahrhunderts nach dem andauernden Aufstieg und Niedergang verschiedener Dynastien eine der folgenreichsten Krisen in seiner Geschichte tber- haupt Die langwierigen Kriege, Rebellionen und politischen Turbulenzen fihrten zu

unabwendbarem Elend zahlloser Menschen, die taglich mit Hungersnéten und Seuchen

kampfen mussten Wissend um dieses Schicksal ihrer Untertanen fihrten die deutschen

Trang 34

Landesherren und die vietnamesischen Kénige dennoch ein prichtiges Leben Dieser scharfe Gegensatz hal eine Vielvalil von Auloren in ihren Werken inspiriert Besonders

wichtig fiw die Entwicklung der victmamesischen Kultur war der zunchmende Handel

Damit einhergehend entstand auch ein offener und mehr weltlicher Zeitgeist und sprit,

der bis in die Kleinstadte getragen wurde Dies ist vor allem Kaufleuten aus dem 16 und 17, Jahrhundert zu verdanken, da sie durch Handel und Kontakt mit fremden Lãn-

dem und Kulturen eine tolerante, aufgeschlossene Haltung gewannen und somit neuen

Wind in die Feudalgesellschaft brachten Diese soziale Klasse beteiligte sich mafigeh-

lich an der Verdffentlichung und Rezeption literarischer Produkte (vgl La Nham ‘Thin 2015: 18) Eine Entsprechung dafiir findet man auch im ,modernen“ Birgertum der

deutschen Barockzeil, darunter waren Banker, Kaufleute sowie Beate, deren Bildung

und Besitz sie sozial aufwertoten Vicle birgerliche Schriftsteller, denon Aufstiogsmég- lichkeiten und Anerkennung versagt waren, hielten Distanz zum Hof (vel Balzer’

Mertens 1990: 1631) Charakteristisch fir die Barock veil waren auch der rehgidse Krieg

und der fanatische Glauben der Menschen an die géttliche Instanz und das gottbe-

stimmte Leben nach dem Tod Im Gegensatz dazu hatten die Vietnamesen mittlerweile

dic Blile und deni Riiekgang umterschicdlicher Religionen crlebt, von Konluyianismus ñber Buddhismus bis hin zu ‘Yacismus Dermoch behielten religiése Uberzeugungen

auch in der vietnamesischen Literatur einen festen Platz Der Unterschied besteht darin,

dass dic doutschen Autoren von der gottgewollten Ordnung uberzeugt waren und infol- gedessen versuchten, durch ihre ‘lexte, die stark von den drei Leitmotiven der Zeit ge- pragt waren, den Lesem diese Ordnung bewusst 2u machen Die Menschen wurden er- mahnt, ihr vorgezeichnetes Schicksal zu akzeptieren und ein ewiges Leben im Jenseits

za erwarten, In der vietnamesischen Literatur hingegen gedieh solches Predigertum nur

in den fréheren Phasen, als das Gedankengut des Konfuzianismus verbreitet werden

solitc Tn der spaieren Phase, ab dern 18 Jahrhundert, wurde dieses Thema weniger

behandelt lmmer mehr Autoren wagten Kritik an den konservativen Prinzipien der dem Konfixdanismus folgenden Feudalgesellschaft und auRerten ilue Finpathie fiir die ar-

men Menschen, vor allem ti dic Fraucn

27

Trang 35

In beiden Léndern gab es ingewissem Male Gemeinsamkeiten beztigtich des Auttrags

der Dichtung Dichlung balte sowohl im der Barockzeil als auch in dem ganven Zeilal-

tor der Dynastien den Auftrag, zu belchren Dic barocken Zeitgenossen sellton sich von dem in Gottes Willen beschlossenen Staatsaufbau tiberzeugen lassen Die Belehrungs- fimktion war in der Tat stark mit Politik und Religion verbunden Lobgedichte besangen die ‘Tugenden der Fiirsten und bestatigten implizit ihre Macht Lobgedichte kamen in der vietnamesischen Dichtung auch vor, jedoch vielmehr in der vorhergehenden Peri- ode, als die Dichtung einem Kénig oder einem Helden Ehrfurcht und Respekt erweisen

wollte In der Krisenzeit vom 18 Jahrhundert bis zur ersten Halfte des 19 Jahrhunderts setzten sich die Autoren mit mehreren Themen auseinander und legten eher Gewicht

auf die Humanitai, Sie duflerien Krilik an der Standegesellschaf und Sympathie fir

schéne, aber unghicklichc Menschen Zu belchren, verband sich fir sic mit der Hoff- nung auf mehr Menschenrechte und ein besseres Leben Auferlich gesehen hatte die

Literatur beider Rpochen zwar die gleiche Furckliou, aber die Beleturg wurde unter-

schiedlich realisiert Die N6m-Literatur mag etwas humanistischer und demokratischer als die Barockliteratur sein Dies kann wie folgt erklart werden: Abgesehen vom Mit-

telaller ist das Barock dic erste Litcraturcpoche, in der das Deutsche literalurfalng

wurde, Unter direktem Hinfluss der vorangegangenen Reformationszeit und des religi- ésen Krieges war die Literatur theologisch gepriigt Die Ilermscher der neu gegrimdeten

Einzelstaaten nutzten Literatur als Mittel zur Konsolidicrang ihrer Macht Im Gegensatz

daza entwickelte sich die Ném-Literatur bestindiger Die Zeitgencssen erlebten die schlimmsten Zeiten, als der Feudalismus langsam zu Ende ging Die Mehrzahl von

Dichtem, meist unzufiieden mit der damaligen Situation, lenkten ihre Aufinerksamkeit

auf soziale agen

Eine weitere Gemeinsamkcit zwischen den beiden Epochen sind dic umfassenden Re- formbestrebungen beztiglich der Schriftform und der Poetik L's bedurfte einer offizi-

eHen Schill und emer richtungsweisenden Postik, wm dichter: zu kénnen Die Refor-

men in der vietnamesischen Literatur wurden meist von radikalen Gelehrten durchae- filhrt Sie haben das klassische Chinesisch in groBem Ausmaf modifiziert und die chi-

nosische Dichtkunst ausgetichen und angepass| Die vielen von Opitz crarbeiloten, an

Trang 36

die deutsche Sprache angepassten poetischen Regeln stammen auch aus anderen Spra- chen, vor allem aus dem Laleinischen bew Talienischen und Franzésischen Sein Ver- such, Fundamente fix cine hochdeutsche Dichtkunst zu legen, stio8 auf begeisterte Re- sonanz, Anhand der aufgesteilten Regeln war Dichtung crlermbar Dichten wurde ein Pflichtfach in der Schule und immer mehr Leute konnten dichten, da es eine hahere geselischaftliche Position vermittelte

The Autorengruppe cles deutschen Barock war recht begrenzl und kouzentrierte sich

auf Gelehrte, die zumeist Juristen oder Beamte waren In Vietnam war dies vor dem 15 Jahrhundert der Fall Damals gab es keine reinen Kulturschaffenden, sondem diejeni-

gen, die Literatur sehricben, waren Adlige, Konfurianer, Taoislen, Manche, Priester oder Heilkundige (vgl La Nhâm ‘Thin 1997: 30f) In der spateren Zeit, insbesondere ab

dem 18 Jahrhundert, erweiterte sich die Autorengruppe stark, ein Grofiteil davon waren dic der Mitlelklasse angchérenden Konlusianer, đíc ñher den cngen Ralnnen der Feu- dalgeselischaft hinausgehen wollten Sie wussten sowohl ihr eigenes ‘Talent als auch jenes von den anderen yu schateen (vgl La Nhâm Thin 201 5: 23) Hin weileres gemein-

sames Merkmal ist, dass dic Autoren beider Epochen unter dem Eintluss der Klassischen Vorbilder standen Urwahnenswert fir die Barockliteratur sind der ttalienische Lyriker Petrarka und der deutsche Reformer Martin Opitz, der sich stark an den Regein antiker

Poetiken orientierte ln Vietnam wurden in der Rege! die cllinesischan Autoren als Vor-

bild genommen

In der Anfangsphase haben die vietnamesischen Dichter das ‘'kemenspektrum aus der

chinesischen Poesie direkt ibernommen Erst ab đem 18 Jahrhundert setzten sie sich

mil ¢mem breiteren Themenkanon ausemander In den Texter, m denen es um die Liche

zum Vaterland bzw zur Familie, die Hmpathie fir Frauenselucksale, die Krk an der

Gesellschaft ging, wurde die Humanitat nachdricklich betont Die barocke Dichtung war umnittelbar mit ibron Leitmotiven Memento mori und carpe diem verknirplt und geradezu religiés verbunden Das gememsame ‘fhema der zwei Hpochen ist die Dar-

slellung der Frauenschénbeit Eine Untersuchung, wie die formate Struktur der einzel-

nen Gediehtformen zum Ausdrack der Fraucuschénheit beitragt und welche Gemein- samkeiten und Unterschiede sich daraus ergeben, kénnte uber diese Arbeit hinaus ein

Trang 37

interessantes Forschungsthema bieten Betrachtet man den Sprachstil, ist deutlich zu

erkennen, dass die Verwendung bestimmter rhetorischer Figuren (vor allem Antithesen,

Parallelismen, Symbole usw.) fiir den Inhalt bedeutsam ist Die Bildlichkeit und sug-

gestive Wirkung werden durch spezifische Formulierungen und Sinnbilder erzielt,

Das deutsche Sonett und das vietnamesische 7-8-Gedicht sind streng geregelte Formen mut einer vorgegebenen Anzahl an Verszeilen sowie Silben pro Zeile Es gibt em be-

stimmtes Reimschema und eine inhaltlich festgelegte Struktur Der Wechsel von beton-

ten und unbetonten Silben im Deutschen findet in dem flexiblen Wechsel steigender

und fallender Téne im Vietnamesischen eine Entsprechung Zugegebenermafien wurde

gelegentlich gegen die Formprinzipien verstoBen, um bestimmte stilistische Wirklun-

gen zu erzielen, In dieser Hinsicht besteht eine Gemeinsamkeit zu den deutschen Ba- rockautoren, die vielleicht punktuell gegen Regeln verstoen —aber der Versuch, eigene Regeln zu schaffen, beginnt erst mit dem Sturm und Drang (1765 - 1785) Ebenso fand

die richtige Revolution der vietnamesischen Lyrik erst 1930 unter dem Namen Phong

trao tho méi (Neue Poesiebewegung) statt Von groBem Interesse ist das Zusammen- spiel zwischen Form und Inhalt der einzelnen Textsorte Die Antwort auf die Frage, ob dieser Zusammenhang bei allen genannten Themen in gleichem Male festzustellen ist,

ist Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit

4 Analyse und Interpretation der ausgewiihlten Gedichte

4.1 Textauswahl und Vorgehensweise

In der empirischen Untersuchung werden vier Sonette und vier 7-8-Gedichte

ausfiihrlich analysiert und interpretiert Die ausgesuchten Werke, geschrieben von verschiedenen Autoren, greifen breitgefacherte Themen auf Die Hintergriinde der

Autoren spielen auch eine wichtige Rolle und werden deshalb in der Textanalyse

miteinbezogen

(Andreas Gryphius — 1637) (Nguyễn Binh Khiém — 16 Jhd)

30

Trang 38

(Paul Fleming — 1641) (6 Xuan Huong — 18 Jhd)

¢ Verganglichkeit der Schénhett 4 Qua déo Ngang

(C H v Hoffinannswaldau — 1695) (Bà Huyện thanh Quan — 19 Jad)

* Francisei Petrarchae + Thu điều

Tabelle & Textauswal

Die zu untersuchenden Sonette lassen sich aufgrund ihres Lirscheimungsjahres und ihrer inhalichen Struktur gu in dic deulsche Barockveil cimordnen Die Texte sind thematisch der weltanschaulichen Lyrik zuzuordnen und stellen epochentypische Mo- tive des Barock zur Schau Wahrend Zs ist alles eitel das Thema der Nichtigkeit aller irdischen Dinge darstellt und den Leser auf das Jenseits verweist, kommt inn sich eine bestimmte stoische Geisteshalung zu den irdischen Geschehnissen zum Ausdruck,

In dem Gedicht Vergdnglichkert der Schanheit ist nicht nur das Motiv der vanitas, sondern auch ein nach dem Vorbild Petrarkas gestalteles Frauenbild zu finden Das letzte Sonett ist Opitz’ Ubersetzung eines Liebesgedichts von Petrarka Die ausgewahl- ten 7-8-Gedichte setzen sich mit verschiedenen Themen auseinander, von Schémheit der

Katur, Lebensideal bis hin um Frauenschicksal

Mich interessier!, ob) die ausgewahhen Gedichte die sireng geregelle formale und in- haltliche Struktur cinhalten, In Bezug auf dic aufere Form wird cine Mehrebenenana-

lyse durchgefithrt, Neben der Anzahl der Strophen, Verszeilen samt Silben pro Vers werden auch das Versmuali umd das Reimschema betrachtet Auch dic Wortchene, dic

unterschiedlichen rhetorischen Figuren auf semantischer und syntaktischer Hbenen ver- dienen Beachtung Besondere Aufmerksamkeit wird den rhetorischen Stilmitteln, vor

allem den diversen Realisicrungslorten der Anuthek geschenkt Im Anschluss dara

soll untersucht werden, wie die inhalthiche Struktur mit der Form zusammenspielt Da die beiden Gedichtformen formal unterschiedlich sind, liegt der Fokus des kontrastiven

Vergletchs auf der Vielfalt der formal-asthetischen Gestaliungsmitiel zum Ausdruck

des Inhalis bzw des epochentypischen Zeitgeistes Der Begriff ,Inhalt* bezieht sich

sowohl auf das Thema der einzelnen Gedichte als auch das Dargestellte in jeder Stro-

phe Nach der Analyse und Interprolation der cinvaluen Gedichte jedor Gruppe wird

31

Trang 39

vorerst ein Vergleich zwischen den Texten in derselben Gruppe vorgenommen, bevor

ein kontrastiver Vergleich zwischen den beiden Gedichtformen abschlieBend erfolgt

4.2, Analyse und Interpretation der deutschen Sonette

4.2.1 Es ist alles eitel (Andreas Gryphius — 1637)

Das von Andreas Gryphius verfasste Gedicht Es ist alles eitel, das stark von Vanitas und Memento mori gepragt ist, gilt als ein argumentativer Text Zu Beginn des Gedichts

wird eine allgemeingiiltige These von dem lyrischen Ich aufgestellt, die sinngema lau-

tet: Es ist alles auf der Erde eitel (V.1) Bemerkenswert ist, dass die Uberschrift und

die erste Zeile des Gedichts einen intertextuellen Bezug zur Bibel enthalten Die Uber-

schrift ist ein Zitat aus dem alttestamentarischen Buch Kohelet'* wobei Gryphius hier die Ubersetzung von Martin Luther zitiert: E's ist alles ganz eitel, sprach der Prediger, ganz eitel'’ Zur Bestatigung dieses Gedankens verhilft ein klar strukturierter

inhaltlicher Aufbau Die nachfolgenden sieben Verse der Quartette widmen sich den

Einzelbeobachtungen und Behauptungen, die zur Beweisfihrung herangezogen

werden Es wird veranschaulicht, dass belebte wie unbelebte Natur, materielle wie ide-

elle Werte vergeblich bzw verganglich sind Das Ergebnis der inhaltlichen Gegentiber- stellung in den Quartetten wird dann in den Terzetten zu einer endgiiltigen Aussage

zusammengefasst Der letzte Vers zeigt das christliche Weltbild des Dichters: Das

irdische Dasein, bestehend aus Staub und Wind, wird nie aus seinem belanglosen Leben entkommen Es sind hohere religiése Werte, die dem Leben Sinn geben Das einzige,

was im Jenseits bestehen bleibt, ist die Seele Daher sollen sich die Menschen gemal3 dem Motto Memento mori auf die Ewigkeit nach dem Tod vorbereiten und allem Irdi-

'S Das Buch Kohelet (auch als „Prediger` bzw „.Prediger Salomo* bzw „Ecclesiastes* bezeichnet), entstanden

im 3, Jahrhundert v Chr ist einer der interessantesten Texte des Alten Testaments, vor allem deshalb, weil dieses Buch so ,anders* ist als andere Bacher der Bibel: Es enthalt kaum j0dische (und erst recht keine christliche)

‘Theologie, stattdessen ist es von griechischer Philosophie (aus der Phase des Hellenismus) und möglicherweise auch von altagyptischen Weisheitslehren beeinflusst Im Mittelpunkt dieses sehr poetischen Textes steht die Va- nitas; die dichterische Auseinandersetzung damit mdndet in einen Aufiuf zur Lebenstieude, der deutliche Uber- einstimmungen mit der Philosophie des Griechen Epikur aufiweis

(val https:/Avww bibelwissenschaft de-bibelkunde/altes-testamentk etubimschriften/predigerkohelet/)

`“ val Deutsche Bibelgesellschaft (2019): Prediger Salomo / Kohelet, [online] hitps./Avww bibelwissen- schaft de/bibelkunde/altes-testament/ketubimschriften/predigerkohelet/ [19.12.2019]

Trang 40

schen entsagen Diese pessimistische Weltsicht kann aus eigenen Leiden und Erfahrun-

gen des Autors im Dreifigjahrigen Krieg resultiert haben, was ihn zu der Haltung

brachte, die Welt zu verneinen Gryphius litt unter dem frihen Verlust seiner Eltern,

der Zerstérung seiner Heimatstadt und den damit verbundenen Religionsverfolgungen,

sodass er vielen Tragédien seiner Zeit betwohnte und in seinen Texten eindringlich die

Schrecken des religiésen Krieges behandelt bzw eine tiefe Friedenssehnsucht sugge-

niert ,, tir Gryphius ist die Deutung der menschlichen Situation der christliche Stand-

punkt [ ] fiir Gryphius betrifft die christliche Botschaft in ihrem Kern die Verderbtheit

unseres Wesens, der die VerheiBung der Erlosung die Waage halt (Browning 1980:

96) Die letzte Zeile lasst sich wie oben erwahnt als ,, Memento mori* bzw, als Kritik

an den Menschen lesen, die sich mit der Ewigkeit nicht beschaftigen wollen, jedoch

auch als Ausdruck einer trotzigen Lebensfreude lesen, was zu dem Buch Kohelet passt,

das in der Uberschrift anzitiert wird: ,,.Das Buch Kohelet gehort zu den fiinf Megillot;

es ist die Festrolle fiir das Laubhiittenfest, in dem die Freude am Leben und an der Tora als rechter Weisung zum Ausdruck kommen, Diese Lebensfreude spricht auch aus wich-

tigen Passagen des Predigerbuches“?”

Formale Merkmale

Du siehst, wohin du siehst, / nur Eitelkeit auf Erden w | ® Alexandriner:

'WiiSdi6S6Ei6f6 B8, / reillt jener morgen ein: sechshebiger Jammbus mit

'Wôet2t Tioeh StAdte sfein, / wird eine Wiese sein, m_| Zasur in der Mitte

Auf der ein Schaferskind / wird spielen mit den Herden a |W |(u-u-n-/u-u-u-)

coe

® Reimschema:

WiSjef2tiG6Niỹiff6hiiB DIũff/ / soll bald zertreten weren |a | w

———— `1 —

Nichts ist, das ewig sei, / kein Erz, kein Marmorstein b|m

5 \eiblichen und mannlichen

‘Seah eH AAS GIVE HA / bald donner die Beschwerden | a | w Kadenzen (w / m)

§fB6li6f/TäfeftRfiNffi / muss wie cin Traum verge cc |w | #2 Quartette und 2

S6lI'đðfffiđã Sỹiẽï'đef/Zfffi / der leiche Mensch, bestehn? Terzette

‘Ach! Was ist alles dies, / was wir far kostlich achten, 4 |w | ®ÄÑÑHhese

Ngày đăng: 17/05/2025, 20:42

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