Dasselbe gilt für jede Verschiebung, welche der Punct p von seinerAnfangslage aus innerhalb der Fläche erleiden kann, und es folgt dar-aus, dass die an dieser Stelle wirkende Kraft auf d
Trang 1This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at www.gutenberg.org
Title: Die Potentialfunction und das Potential
Author: Rudolf Clausius
Release Date: June 1, 2010 [EBook #32634]
Language: German
Character set encoding: ISO-8859-1
*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE POTENTIALFUNCTION ***
Trang 2from the Cornell University Library: Historical Mathematics
Monographs collection.)
anmerkungen zur transkriptionEin Exemplar des Originals wurde dankenswerterweise von derCornell University Library: Historical Mathematics MonographsCollection zur Verfügung gestellt
Kleinere typographische Korrekturen und Änderungen derFormatierung wurden stillschweigend vorgenommen
Diese PDF-Datei wurde für die Anzeige auf einem Bildschirmoptimiert, kann bei Bedarf aber leicht für den Druck angepasstwerden Anweisungen dazu finden Sie am Anfang des
LaTeX-Quelltextes
Trang 3UND DAS
POTENTIAL.
Trang 6Die vorliegende Schrift beschäftigt sich mit der schon von Laplaceund Poisson angewandten und später von Green1) und Gauss2)speciell behandelten Function, welcher Green den Namen Potential-function gegeben hat, und sie hat den Zweck, den Leser auf möglichsteinfache Art mit dieser Function vertraut zu machen.
Sie giebt daher eine von den Grundgleichungen der Mechanik gehende, zusammenhängende Auseinandersetzung von der Bedeutungdieser Function, von den Bedingungen, unter denen sie anwendbar ist,und von den wichtigsten über ihr Verhalten geltenden Sätzen Daranschliesst sich zugleich die Behandlung einer anderen Grösse an, welchevon Green gar nicht und von Gauss nur gelegentlich und unvollstän-dig besprochen ist, nämlich des aus der Potentialfunction durch Integra-tion hervorgehenden Potentials, welches als Ausdruck der von Natur-kräften gethanen mechanischen Arbeit in der mathematischen Physikeine grosse Rolle spielt
aus-Die gegenwärtige vierte Auflage entspricht der dritten und scheidet sich von den beiden ersten vorzugsweise durch eine beträchtli-che Vermehrung des Inhaltes In dem ursprünglichen und bei den erstenAuflagen eingehaltenen Plane des Buches lag es nur, diejenigen Glei-chungen und Sätze, welche für das eigentliche Wesen der Potentialfunc-tion und des Potentials characteristisch sind, zu entwickeln und unterBerücksichtigung aller in Betracht kommenden Fälle zu beweisen, unddemgemäss wurde von der Aufnahme weiterer, die Potentialfunction be-treffender Gleichungen und Sätze, wie sie in den Schriften von Green,Gauss und Dirichlet vorkommen, abgesehen Bei der Bearbeitung
unter-1 ) An Essay on the Application of mathematical Analysis to the theories of tricity and Magnetism; by George Green Nottingham 1828 — Wieder abge- druckt in Crelle’s Journ Bd 44 u 47.
Elec-2 ) Allgemeine Lehrsätze in Beziehung auf die im verkehrten Verhältnisse des Quadrats der Entfernung wirkenden Anziehungs- und Abstossungskräfte Resultate aus den Beobachtungen des magnetischen Vereins im Jahre 1839.
Trang 7der neuen Auflagen hat es mir aber doch zweckmässig geschienen, auchvon diesen Gleichungen und Sätzen die wichtigsten, welche nicht blosAnwendungen auf specielle Körperclassen enthalten, sondern von allge-meiner Bedeutung für die Potentialtheorie sind, mit aufzunehmen unddadurch der Auseinandersetzung eine grössere Vollständigkeit zu ge-ben, und ich zweifele nicht daran, dass dieses von den Lesern als eineVerbesserung anerkannt werden wird.
Bonn, März 1885
R Clausius
Trang 8I Die Potentialfunction.
Seite
§ 1 Ausgangspunct der Betrachtungen 1
§ 2 Bedingungen, welche als erfüllt vorauszusetzen sind 1
§ 3 Einfache Bestimmung der auf die Kraft bezüglichen Grössen durch die
Function U 2
§ 4 Geometrische Darstellung mit Hülfe der Niveauflächen Benennung der
Function U 4
§ 5 Hauptfall, in welchem eine Kraftfunction existirt 7
§ 6 Beschränkung auf solche Kräfte, welche dem Quadrate der Entfernung
umgekehrt proportional sind, und Beziehung der Kräfte auf Agentien 10
§ 7 Annahmen, unter denen die Kraftfunction zur Potentialfunction wird 13
§ 8 Messung der Agentien und Festsetzung des Coefficienten ε 14
§ 9 Ueber den Namen Potentialfunction und das bei der Bestimmung dieser
Function angewandte Vorzeichen 16
§ 10 Das Potentialniveau 18
§ 11 Bestimmung der Potentialfunction für den Fall, wenn der Punct p sich
innerhalb des von dem wirksamen Agens stetig erfüllten Raumes findet 20
be-§ 12 Bestimmung der Potentialfunction einer Kugelschicht, in welcher die
Dichtigkeit eine Function des Radius ist 23
§ 13 Bestimmung der Kraftcomponenten für einen im Innern des wirksamen
Körpers liegenden Punct 29
§ 14 Bestimmung der Differentialcoefficienten der Potentialfunction für einen
im Innern des wirksamen Körpers liegenden Punct 30
VI
Trang 9§ 15 Satz in Bezug auf die zweiten Differentialcoefficienten der
Potentialfunc-tion 33
§ 16 Gestaltung des vorigen Satzes für den Fall, wenn der betrachtete Punct sich innerhalb des wirksamen Körpers befindet 36
§ 17 Beweis des Satzes für den Fall eines homogenen Körpers 38
§ 18 Veränderte Form der Gleichung (II.) und vorläufige Beschränkung 41
§ 19 Umgestaltung der Ausdrücke der Kraftcomponenten 42
§ 20 Beweis der Gleichung (IIa.) für homogene Körper 45
§ 21 Beweis der Gleichung (IIa.) für nicht homogene Körper 48
§ 22 Erweiterte Anwendbarkeit der auf homogene Körper bezüglichen For-meln 53
§ 23 Erweiterte Anwendbarkeit der auf nicht homogene Körper bezüglichen Formeln 59
§ 24 Specielle Betrachtung des Falles, wenn der Punct p sich in unmittelbarer Nähe der Oberfläche befindet 63
§ 25 Einfluss des Umstandes, wenn die Krümmung der Oberfläche an der betreffenden Stelle unendlich gross ist 70
§ 26 Zurückführung des Falles, wo in der Nähe von p eine sprungweise Aen-derung der Dichtigkeit stattfindet, auf den vorigen 72
§ 27 Anhäufung eines Agens auf einer Fläche 74
§ 28 Bestimmung der Potentialfunction für eine gleichförmig mit dem Agens bedeckte ebene Figur 75
§ 29 Verhalten der Differentialcoefficienten erster Ordnung der Potentialfunc-tion 79
§ 30 Formeln, zu welchen man gelangt, wenn man den in Gleichung (95) ge-gebenen Ausdruck der Potentialfunction differentiirt 84
§ 31 Verhalten der Differentialcoefficienten zweiter Ordnung der Potential-function 88
§ 32 Betrachtung einer gleichförmig mit Agens bedeckten Kugelfläche 90
§ 33 Betrachtung einer beliebig gekrümmten Fläche, in welcher die Dichtig-keit des Agens nicht constant zu sein braucht 93
§ 34 Verhalten der Grösse E 96
Trang 10§ 35 Verhalten der Grössen F und G 97
§ 36 Specieller Fall, wenn an der betreffenden Stelle die Krümmung der
Flä-che unendlich gross ist, oder die Dichtigkeit sich unendlich schnell ändert 105
§ 37 Potentialfunction einer gleichförmig mit Agens bedeckten geraden Linie 107
§ 38 Beweis der characteristischen Gleichungen für eine gekrümmte und
un-gleichförmig mit Agens bedeckte Linie 109
§ 39 Characteristische Gleichungen für eine in einem Puncte concentrirt
ge-dachte Menge des Agens und Zusammenstellung der verschiedenen characteristischen Gleichungen 114
§ 40 Satz von Green 115
§ 41 Erweiterung der vorstehenden Gleichungen 119
§ 42 Satz über den nach der Normale einer geschlossenen Fläche genommenen
Differentialcoefficienten der Potentialfunction 126
§ 43 Bestimmung der Potentialfunction eines durch eine Fläche von dem
be-treffenden Raume getrennten Agens 128
§ 44 Betrachtung des Falles, wo nur die Potentialfunction selbst in der Fläche
gegeben ist 131
§ 45 Green’s Nachweis von der eindeutigen Existenz der Function u 133
§ 46 Dirichlet’sche Verallgemeinerung des vorstehenden Satzes und Beweis
derselben 135
§ 47 Flächenbelegung, deren Potentialfunction in der Fläche selbst
vorge-schriebene Werthe hat 140
§ 48 Ersetzung des durch einen Raum verbreiteten Agens durch Agens,
wel-ches sich nur auf der Grenzfläche des Raumes befindet 141
§ 49 Bestimmung einer Function V , welche die Gleichung ∆V = −4πεk
er-füllt 142
§ 50 Ausnahmestellen und deren Absonderung 144
§ 51 Bestimmung der Function V unter Berücksichtigung der
Absonderungs-flächen 146
Trang 11II Das Potential
Seite
§ 52 Ausgangspuncte für die Auseinandersetzung 153
§ 53 Begriff der virtuellen Bewegungen und Unterscheidung zweier Fälle 153
§ 54 Begriff der virtuellen Momente und Ausdruck des betreffenden Satzes 155
§ 55 Ausdruck desselben Satzes unter Anwendung des Begriffes der Arbeit 157
§ 56 Das d’Alembert’sche Princip 159
§ 57 Satz von der Aequivalenz von lebendiger Kraft und Arbeit, und Bedin-gung, welche für seine Gültigkeit erfüllt sein muss 161
§ 58 Unterschied in Bezug auf die Ausführbarkeit des die Arbeit darstellenden Integrals und Einführung des Ergals 166
§ 59 Veränderter Ausdruck der Gleichgewichtsbedingung 168
§ 60 Die Energie 170
§ 61 Ein Fall, in welchem die Kräfte ein Ergal haben 170
§ 62 Ein anderer Fall, in welchem die Kräfte ein Ergal haben 173
§ 63 Potential eines entweder in einzelnen Puncten concentrirten oder durch einen Raum stetig verbreiteten Agens auf ein anderes 176
§ 64 Potential eines Systemes von Puncten, welche mit Agens versehen sind, oder eines durch einen Raum stetig verbreiteten Agens auf sich selbst 179 § 65 Anwendung der Potentiale zur Bestimmung der Arbeit 183
Zusatz I Ableitung der in § 17 erwähnten Form der Potentialfunction eines ho-mogenen Körpers 185
Zusatz II Beweis des in § 29 angeführten Satzes 195
Trang 12§ 1.
Ausgangspunct der Betrachtungen
Um die Bedeutung der Potentialfunction und den Grund ihrer führung in die Mechanik und mathematische Physik klar zu erkennen,wird es zweckmässig sein, ein Wenig zurückzugreifen und zuerst ei-
Ein-ne allgemeiEin-nere Grösse zu betrachten Bei der Behandlung der Kräfte,welche ein beweglicher Punct erleiden kann, und der von ihnen ausge-übten Wirkungen stellt es sich nämlich heraus, dass bei einer grossenund wichtigen Classe von Kräften die sämmtlichen zu ihrer Bestimmungnothwendigen Grössen sich in einfacher Weise aus einer und derselbenFunction ableiten lassen Wenn wir diese Function zunächst in möglich-ster Allgemeinheit betrachten und sie dann durch besondere Annahmenüber die Kräfte specialisiren, so werden wir auf naturgemässem Wegevon selbst zu dem Begriffe der Potentialfunction gelangen
§ 2
Bedingungen, welche als erfüllt vorauszusetzen sind
Es sei ein beweglicher Punct p im Raume mit den Coordinaten
x, y und z gegeben, auf welchen beliebige Kräfte wirken, die wir uns
in eine Gesammtkraft P zusammengesetzt denken wollen Diese Kraftwird, abgesehen davon, dass sie an einer bestimmten Stelle des Raumesmit der Zeit veränderlich sein kann, auch für eine bestimmte Zeit imAllgemeinen an verschiedenen Stellen des Raumes verschieden sein Umsie zu einer bestimmten Zeit für alle Stellen des Raumes vollständig
zu bestimmen, müssen drei Functionen der Raumcoordinaten gegebensein, eine für die Grösse der Kraft und zwei für ihre Richtung Denkenwir uns die Gesammtkraft P in drei nach den Coordinatenrichtungenwirkende Componenten X, Y und Z zerlegt, so können wir auch sagen:zur vollständigen Bestimmung der Kraft müssen die drei Componentenals Functionen der Raumcoordinaten bekannt sein
Trang 13Diese drei Functionen können, wenn man nur von Kräften im gemeinen spricht, als ganz von einander unabhängig angesehen wer-den, indem sich aus jeden drei Componenten eine Kraft zusammenset-zen lässt Betrachtet man aber die in der Wirklichkeit vorkommendenKräfte, so findet man, dass deren Componenten sehr häufig in einer ei-genthümlichen Beziehung zu einander stehen, indem sie nämlich durchdie drei partiellen Differentialcoefficienten einer und derselben Functi-
All-on der drei Raumcoordinaten dargestellt werden Für die Bezeichnungstellt es sich in solchen Fällen, wie weiter unten ersichtlich werden wird,als zweckmässig heraus, nicht die Function selbst, sondern ihren nega-tiven Werth durch einen Buchstaben darzustellen, als welchen wir Uwählen wollen Dann ist zu setzen:
in der Physik spielten, und wahrscheinlich noch eine viel allgemeinereBedeutung haben, als früher angenommen wurde
§ 3
Einfache Bestimmung der auf die Kraft bezüglichen Grössen
durch die Function U Wenn diese Beziehung zwischen den Componenten der Kraft statt-findet, so wird dadurch die Betrachtung der Kraft und ihrer Wirkungen
Trang 14ausserordentlich erleichtert Während man sonst drei einzeln gegebeneFunctionen in Rechnung zu bringen hat, hat man es jetzt nur mit einerFunction zu thun, aus welcher alle auf die Kraft bezüglichen Grössenauf einfache Weise abgeleitet werden können.
Wie man leicht sieht, wird unter Voraussetzung der Gleichungen (1)die ganze auf den Punct p wirkende Kraft P dargestellt durch:
Trang 15die Veränderungen bezeichnen, welche die Coordinaten des Punctes leiden, wenn er in der Richtung s um ein Wegelement verschoben wird,
er-so können wir setzen:
und in dieser Gleichung lässt sich die ganze rechte Seite durch deneinfachen Differentialcoefficienten ∂U
∂s ersetzen Man erhält also:
∂s
d h es gilt für die beliebige Richtung s eine ebensolche Gleichung, wiediejenigen, welche unter (1) für die drei Coordinatenrichtungen ange-nommen wurden
§ 4
Geometrische Darstellung mit Hülfe der Niveauflächen
Benennung der Function U Die Function U kann ferner dazu dienen, die Richtung und Grösseder Kraft an verschiedenen Stellen des Raumes geometrisch anschaulichdarzustellen
Trang 16Hierin sind dx, dy und dz die Componenten einer kleinen bung ds, welche der Punct p, wenn er gezwungen ist, in jener Fläche zubleiben, in derselben erleiden kann Denken wir uns dx, dy, dz ersetztdurch ∂x
bei-da dieser Cosinus der Gleichung zufolge Null ist, so ist der Winkel einrechter
Dasselbe gilt für jede Verschiebung, welche der Punct p von seinerAnfangslage aus innerhalb der Fläche erleiden kann, und es folgt dar-aus, dass die an dieser Stelle wirkende Kraft auf der Fläche senkrechtist; und ebenso verhält es sich natürlich auch an allen anderen Stellender Fläche Demnach hat die durch Gleichung (7) dargestellte Flächedie Eigenschaft, dass sie für alle in ihr gelegenen Punkte durch ihreNormalen die Richtungen der Kraft anzeigt Sie spielt also in Bezugauf die betrachtete Kraft dieselbe Rolle, wie die Oberfläche einer ru-henden Flüssigkeit in Bezug auf die Schwerkraft, und man nennt siedaher eine Niveaufläche
Fügt man zu der Constanten A noch eine unendlich kleine constanteGrösse α hinzu, so stellt die dadurch entstehende neue Gleichung
U = A + αeine zweite Fläche dar, welche der ersten im Allgemeinen unendlichnahe liegt, und dieselben Eigenschaften hat, wie jene Bezeichnen wir
Trang 17den senkrechten Abstand dieser beiden Flächen von einander an irgendeiner Stelle mit ε, so ist der Bruch α
ε offenbar nichts anderes als derDifferentialcoefficient ∂U
∂n, wenn n die an der betrachteten Stelle aufder ersten Fläche nach der zweiten hin errichtete Normale bedeutet Dernegative Werth dieses Differentialcoefficienten stellt die in die Richtungder Normale fallende Componente der Kraft dar, und da dem Vorigennach die ganze Kraft auf der Fläche senkrecht ist, so stellt der Bruch α
ε,abgesehen vom Vorzeichen, die an dieser Stelle wirkende ganze Kraftdar, und wir können daher, wenn wir den absoluten Werth einer Formeldurch Vorsetzung von v n (valor numericus) andeuten, setzen:
ε.
Ob die Kraft nach der Seite der positiven oder negativen Normale geht,hängt davon ab, ob die Grösse α negativ oder positiv ist, indem dieRegel gilt, dass die Kraft nach der Seite geht, nach welcher Uabnimmt Was die Grösse der Kraft anbetrifft, so ist zu bemerken,dass in dem Bruche α
ε nur ε von der Lage des betrachteten Punctes inder Fläche abhängt, während α constant ist, und es folgt daher, dassdie Kraft an den verschiedenen Stellen der ersten Fläche demAbstande der zweiten Fläche umgekehrt proportional ist.Zugleich sieht man, dass, wenn die Kraft in der Fläche überall end-lich ist, die beiden Flächen sich nicht schneiden können, weil für dieDurchschnittslinie ε = 0 und somit P unendlich werden müsste.Denkt man sich nun ein ganzes System solcher Flächen construirt,von denen jede sich von der vorhergehenden nur dadurch unterscheidet,dass die Constante um einen, in allen Fällen gleichen, unendlich kleinenWerth vergrössert ist, so lassen diese Flächen an jeder Stelle des Raumesdurch ihre Richtung und ihren gegenseitigen Abstand die Richtung undGrösse der Kraft erkennen
Für die Function U , welche dem Vorigen nach alle Elemente zurBestimmung der Kraft auf eine so einfache Weise liefert, hat Hamil-
Trang 18ton den Namen »force function« eingeführt, welcher im Deutschen alsKraftfunction oder Kräftefunction gebräuchlich geworden ist.
§ 5
Hauptfall, in welchem eine Kraftfunction existirt
Unter den Fällen, in welchen eine Kraftfunction existirt, ist derwichtigste der, wo die Kraft, welche auf den gegebenen Punct wirkt, sichzerlegen lässt in Centralkräfte, d h in anziehende oder abstos-sende Kräfte, welche von bestimmten Puncten des Raumesausgehen, und um diese herum nach allen Seiten gleich starkwirken, so dass ihre Stärke nur von der Entfernung abhängt.Sei p0 mit den Coordinaten x0, y0 und z0 ein solcher Punct, undbezeichnen wir den Abstand zwischen p und p0 mit r, indem wir setzen:
(10) r =p(x − x0)2+ (y − y0)2+ (z − z0)2,
so muss die Stärke der Kraft sich durch eine Function von r darstellenlassen, und sie sei mit f (r) bezeichnet, wobei vorausgesetzt sein soll,dass ein positiver Werth dieser Function eine auf Vergrösserung von rhinwirkende, also abstossende und ein negativer Werth eine anzie-hende Kraft bedeute Die Richtung der Kraft ist bestimmt durch dieLage der beiden Puncte zu einander, und zwar haben die Cosinus derWinkel, welche die positive Kraftrichtung mit den drei Coordinaten-richtungen bildet, folgende Werthe:
X = f (r)x − x
0
r .
Trang 19Nun ist aber nach (10):
∂r
∂x =
x − x0
r ,und dadurch geht die vorige Gleichung über in:
X = f (r) ∂r
∂x.Wir wollen nun eine neue Function von r einführen, welche das negativeIntegral der vorigen ist, indem wir setzen:
Dieses Resultat lässt sich sogleich erweitern auf den Fall, wo zeitig mehrere Puncte auf den gegebenen Punct p wirken Sei p01 ein
Trang 20gleich-zweiter Punct, sein Abstand vom Puncte p heisse r1 und die von ihmausgehende Kraft werde ihrer Stärke nach durch die Function f1(r1)ausgedrückt; so bilden wir zunächst die Function:
ande-r2 etc enthält jede die Coordinaten eines der wirksamen Puncte, undausserdem enthalten alle die Coordinaten x, y und z des Punctes p, wel-cher die Wirkung erleidet Wir können also, ebenso wie jede einzelneder Functionen, so auch ihre Summe als eine Function von x, y und zbetrachten, und wollen zur Abkürzung setzen:
Trang 21§ 6.
Beschränkung auf solche Kräfte, welche dem Quadrate derEntfernung umgekehrt proportional sind, und Beziehung der
Kräfte auf Agentien
Wir wollen nun unsere Annahmen über die Kraft noch weiter cialisiren
spe-Die Abstossungs- und Anziehungskräfte, von welchen vorher nurvorausgesetzt wurde, dass sie sich durch irgend welche Functionen derEntfernungen darstellen lassen, sollen den Quadraten der Entfer-nungen umgekehrt proportional sein
Ferner wollen wir nicht blos von Puncten sprechen, welche hend oder abstossend auf einander wirken, sondern annehmen, dasssich in diesen Puncten irgend etwas befinde, was die Wirkung ausübeund erleide Es kann dieses z B ponderable Masse sein, welche nachdem gewöhnlichen Gravitationsgesetze anziehend wirkt, oder Electri-cität, oder Magnetismus Da wir über die Natur der letzteren nichtsZuverlässiges wissen, und es ausserdem zweckmässig ist, der Darstel-lung eine solche Allgemeinheit zu geben, dass sie auch andere nochunbekannte Fälle umfassen kann, wollen wir die Benennung so wäh-len, dass nichts Hypothetisches darin liegt, sondern nur die Fähigkeiteine Wirkung auszuüben, darin angedeutet ist Dazu scheint mir dasauch sonst gebräuchliche Wort Agens sehr geeignet Von einem Agenssoll nur vorausgesetzt werden, dass es sich der Quantität nach bestim-men lasse, und dass die Kraft, welche eine gewisse Menge eines Agensausübt, unter sonst gleichen Umständen der Menge proportional sei.Soweit es bis jetzt bekannt ist, üben nur Agentien von gleicher Arteine solche Abstossung oder Anziehung, wie sie den obigen Gesetzenentspricht, auf einander aus So wirkt ponderable Masse auf pondera-ble Masse, Electricität auf Electricität, Magnetismus auf Magnetismus,und in solchen Fällen, wo scheinbar ungleichartige Agentien in dersel-ben Weise auf einander wirken, oder wo über den eigentlichen Ursprungder Kräfte Zweifel herrschen, bleibt, nach allem, was bis jetzt bekannt
Trang 22anzie-ist, für die mathematische Behandlung der Sache wenigstens immernoch die Möglichkeit vorhanden, solche Annahmen über die wirksamenAgentien zu machen, dass man nur zwischen gleichartigen AgentienKräfte der genannten Art als vorhanden zu betrachten braucht Dessen-ungeachtet ist es nicht nothwendig, unsere Formeln von vorn herein aufgleichartige Agentien zu beschränken, denn diese Beschränkung kannsehr leicht nachträglich hinzugefügt werden.
Es seien also irgend zwei Mengen1) von auf einander wirkendenAgentien gegeben, von denen vorläufig angenommen werden soll, dasssie in bestimmten Puncten p und p0 concentrirt seien Die im Puncte pbefindliche Menge, nach irgend einer Einheit gemessen, heisse q, unddie im Puncte p0 befindliche Menge, welche, wenn sie demselben Agensangehört, natürlich auch nach derselben Einheit gemessen wird, im an-deren Falle aber eine besondere Einheit hat, heisse q0 Die Kraft, welchediese beiden Mengen auf einander ausüben, lässt sich den gemachtenAnnahmen nach darstellen durch die Formel:
0
r2 ,worin e eine Grösse ist, die von der Natur der Agentien, und von dengewählten Einheiten abhängt Dadurch, dass dieser Coefficient positivoder negativ sein kann, wird der Unterschied zwischen Abstossung undAnziehung ausgedrückt Führt man diese Formel in die zur Bestimmungder Kraftfunction dienende Gleichung (11) ein, so kommt:
Trang 23Denken wir uns nun, dass auf die Menge q nicht blos Eine sondernmehrere Mengen q0, q01, q20 etc wirken, welche unter sich gleichartig oderungleichartig sein können, so ist, wenn wir zunächst der Allgemeinheitwegen das Letztere voraussetzen, und daher die Coefficienten e als un-gleich betrachten, die gesammte Kraftfunction:
Sind dagegen die wirksamen Mengen unter sich gleichartig, so hat
e für alle denselben Werth und kann daher aus dem Summenzeichenherausgenommen werden, also:
0
r.Wenn das wirksame Agens nicht, wie bisher angenommen wurde, ineinzelnen Puncten concentrirt ist, sondern einen Raum stetig ausfüllt,
so denken wir es uns in Elemente dq0 zertheilt, und beziehen den stand r auf jedes Element, oder, strenger ausgedrückt, auf irgend einenPunct jedes Elementes, wodurch die Summe in ein Integral übergeht,nämlich:
Z dq0
r .Dass diese Umwandlung des vorigen Ausdrucks zulässig ist, ohne dass
er dadurch seine Bedeutung als Kraftfunction verliert, ist bar klar, solange sich der Punct p ausserhalb des von dem wirksamenAgens ausgefüllten Raumes befindet, so dass für kein Element dq0 derAbstand r gleich Null oder auch nur mit den Dimensionen des Ele-mentes vergleichbar wird In diesem Falle kann man sich nämlich jedesElement des Agens, welches ein Raumelement ausfüllt, in irgend einemPuncte dieses Raumelementes concentrirt denken, ohne dass dadurch
Trang 24unmittel-die Wirkung, welche das Element auf das im Puncte p concentrirt dachte Agens ausübt, merklich verändert wird Für den anderen Fall,
ge-wo p sich innerhalb jenes Raumes befindet, soll die Gültigkeit des druckes (19) als Kraftfunction weiterhin noch besonders bewiesen wer-den, und wir wollen ihn vorläufig auch für diesen Fall als richtig geltenlassen
Aus-Der Ausdruck (19) ist allgemeiner als der Ausdruck (18), und fasst den letzteren, indem die Integration sich auch dann ausführenlässt, wenn endliche Mengen in einzelnen Puncten concentrirt sind
V = εXq
0
r(I.)
V = ε
Z dq0
r .(Ia.)
Wir können demnach den Begriff der Potentialfunction maassen definiren: Die Kraftfunction eines Agens, welches nachdem umgekehrten Quadrate der Entfernung anziehend oderabstossend wirkt, bezogen auf eine in einem Puncte concen-
Trang 25folgender-trirt gedachte Einheit desselben Agens, heisst tion.
Potentialfunc-Hieraus folgt, dass die negativen Differentialcoefficienten
−∂V
∂x, −∂V
∂y, −∂V
∂zdie drei Componenten derjenigen Kraft darstellen, welche das Agensauf eine im Puncte x, y, z gedachte Einheit desselben Agens ausübenwürde Befindet sich in diesem Puncte wirklich die Menge q des Agens,
so sind die Componenten der auf diese ausgeübten Kraft:
−q∂V
∂x, −q∂V
∂y, −q∂V
∂z .Man sieht, dass zwischen diesen drei Grössen und den vorigen der Un-terschied stattfindet, welchen man bei ponderablen Massen mit denWorten beschleunigende und bewegende Kraft ausdrückt
§ 8
Messung der Agentien und Festsetzung des Coefficienten ε
Um mit Hülfe der Gleichungen (I.) und (Ia.) die Potentialfunctionfür die verschiedenen Fälle, auf welche sie Anwendung findet, berechnen
zu können, braucht nur noch angegeben zu werden, wie bei nen Agentien die Mengen gemessen werden müssen, und wie sich dieGrösse ε dabei verhält
verschiede-Bei ponderablen Massen, welche sich nach dem Gravitationsgesetzeanziehen, ist ε negativ, und der numerische Werth von ε muss so ge-wählt werden, dass er die Anziehungskraft darstellt, welche zwei Mas-seneinheiten in der Einheit der Entfernung auf einander ausüben.Bei der Electricität unterscheidet man bekanntlich zwei Arten, wel-che die Eigenschaft haben, dass Mengen derselben Art sich unter einan-der abstossen, dagegen Mengen verschiedener Art sich anziehen Ob diebeiden Electricitäten wirklich als zwei verschiedene für sich bestehende
Trang 26Agentien zu betrachten sind, oder ob die Erscheinungen sich auch ausdem Vorhandensein eines einzigen Agens erklären lassen, ist für unserejetzigen Untersuchungen gleichgültig In ihnen kommt es nur darauf an,die Electricität in solcher Weise in die Formeln einzuführen, dass da-durch die von ihr ausgeübten Kräfte richtig dargestellt werden Die sogebildeten mathematischen Ausdrücke behalten ihre Gültigkeit, auchwenn man die Vorstellung über das Wesen der Electricität ändert Umalle in der Electrostatik vorkommenden Kräfte, obwohl sie in manchenFällen anziehend und in anderen abstossend sind, doch unter eine ge-meinsame Formel zusammenfassen zu können, in welcher ε immer das-selbe Vorzeichen behält, hat man den Unterschied des Vorzeichens aufdie Electricitätsmengen selbst übertragen, indem man die Mengen dereinen Electricität als positive und die der anderen als negative Grös-sen in Rechnung bringt Dann wird die Kraft, welche irgend zwei inzwei Puncten concentrirte Electricitätsmengen q und q0 auf einanderausüben, durch die Formel:
po-Bei dieser Art die Mengen der beiden verschiedenen Electricitäten inRechnung zu bringen, kann man die Electricität im Ganzen ein abstos-sendes Agens nennen, weil bei der Benennung das Verhalten positiverMengen maassgebend ist, und die Aenderungen, welche die Kraft da-durch erleidet, dass eine oder beide Mengen negativ werden, sich vonselbst verstehen Will man für irgend welche, theils positive, theils ne-gative Electricitätsmengen die Potentialfunction bestimmen, so kannman das in der Gleichung (Ia.) vorkommende Integral über alle gege-benen Electricitätsmengen ausdehnen, indem man die Elemente dq0 jenach der Art der betreffenden Electricitätsmengen positiv oder negativnimmt Die so erhaltene Potentialfunction bezieht sich dann auf eine
Trang 27im Puncte p gedachte Einheit positiver Electricität.
Bei der Bestimmung magnetischer Kräfte kann man ebenfalls,
oh-ne über die wirkliche Natur des Magoh-netismus irgend eioh-ne Annahme zumachen, Nordmagnetismus und Südmagnetismus als zwei Agentien be-trachten, die sich in Bezug auf ihre gegenseitigen Einwirkungen wiedie beiden Electricitäten verhalten Wir bringen die Mengen des einen,
z B des Nordmagnetismus, als positive und die des anderen als
negati-ve Grössen in Rechnung; dann behält ε einen unnegati-veränderlichen Werth,und die Potentialfunction, welche wir bekommen, bezieht sich auf eine
im Puncte p gedachte Einheit von Nordmagnetismus
Die Grösse ε ist in diesen Fällen die Abstossungskraft, welchezwei positive Einheiten des betreffenden Agens in der Einheitder Entfernung auf einander ausüben, was auch für die ponderableMasse gilt, wenn Anziehungskraft als negative Abstossungskraft gerech-net wird Wenn bei einem Agens die Einheit, welche als Maass dient,nicht im Voraus gegeben ist, sondern willkürlich gewählt werden kann,
so lässt sich dadurch noch eine Vereinfachung erreichen Wählt mannämlich als Einheit des Agens diejenige Menge, welche auf einegleich grosse Menge desselben Agens in der Einheit der Ent-fernung die Einheit der Kraft ausübt, so ist der absolute Werthvon ε gleich Eins, und was das Vorzeichen antrifft, so ist bei pondera-bler Masse zu setzen ε = −1, dagegen bei Electricität und Magnetismus
ε = +1 Wir wollen indessen vorläufig über die Einheiten der Agentienkeine bestimmten Annahmen machen, und daher das allgemeine Zei-chen ε beibehalten
§ 9
Ueber den Namen Potentialfunction und das bei derBestimmung dieser Function angewandte Vorzeichen.Bevor wir zur weiteren Behandlung unserer Function schreiten, müs-sen noch erst ein paar Bemerkungen über den Namen und das Vorzei-chen derselben eingeschaltet werden
Trang 28Der Name Potentialfunction ist von Green eingeführt Gauss,welcher später dieselbe Function ebenfalls einer speciellen Betrachtungunterwarf, nannte sie kürzer Potential Ich habe aber die ältere Be-nennung, Potentialfunction, beibehalten, weil das Wort Potential nochfür einen anderen Begriff gebraucht wird, der dem vorigen zwar ver-wandt aber nicht gleich ist Ich glaube, dass diese Unterscheidung sich
im zweiten Abschnitte dieser Schrift, welcher vom Potential handelt,hinlänglich rechtfertigen wird, und in der That ist sie auch schon vonmehreren hervorragenden Autoren, wie Betti,1) Riemann,2) Köt-teritzsch3) und von Bezold4) als sachgemäss anerkannt
Was ferner das Vorzeichen der Potentialfunction anbetrifft, so machtGauss bei der Bildung der letzteren zwischen anziehenden und ab-stossenden Agentien keinen Unterschied, indem er in seinen Ausdruckder Potentialfunction den Factor ε, welcher positiv oder negativ seinkann, und dadurch jene beiden Fälle unterscheidet, nicht aufgenommenhat Dadurch wird es aber nothwendig, jene Unterscheidung an eineranderen Stelle, nämlich bei der Ableitung der Kraftcomponenten ausder Potentialfunction zu machen, indem man nicht in allen Fällen dienegativen Differentialcoefficienten der Potentialfunction als Ausdrückeder Kraftcomponenten betrachten darf, sondern diese Differentialcoef-ficienten bald mit dem negativen, bald mit dem positiven Vorzeichenversehen muss, jenachdem das wirksame Agens ein abstossendes oderanziehendes ist Dieses scheint mir aber nicht zweckmässig zu sein Dadie eigentliche Bedeutung der Potentialfunction darin liegt, Alles, waszur Bestimmung der Kraft nöthig ist, auf eine einfache Weise darzu-stellen, und sie nur ein specieller Fall der allgemeineren Kraftfunctionist, so halte ich es für angemessener, den Unterschied, ob das wirksa-
1 ) Teorica delle forze che agiscono secondo la legge di Newton, Pisa 1865.
Trang 29Mün-me Agens ein abstossendes oder anziehendes ist, schon bei der Bildungder Potentialfunction selbst zu berücksichtigen, so dass die Ableitungder Kraftcomponenten aus der Potentialfunction immer in einer undderselben Weise geschehen kann.
Wird dieses als zweckmässig zugestanden, so bleibt nur noch dieFrage zu entscheiden, ob man es so einrichten soll, dass man, um dieComponenten der Kraft, welche die im Puncte p gedachte positive Ein-heit des Agens erleidet, auszudrücken, nur die einfachen Differential-coefficienten oder ihre negativen Werthe anzuwenden hat Das erstereist natürlich einfacher, und ich habe daher in den beiden ersten Aufla-gen dieses Buches das Vorzeichen der Potentialfunction in diesem Sinnegewählt, habe jedoch schon damals darauf aufmerksam gemacht, dassauch für die andere Wahl des Vorzeichens gewichtige Gründe sprechen.Seitdem bin ich nun zu der Ueberzeugung gelangt, dass die letzterenGründe überwiegen, besonders wenn man das Princip von der Erhal-tung der Energie in der für die Anwendung bequemsten Form darstellenwill, und ich habe daher in der dritten und ebenso in der vorliegendenAuflage schon bei der Kraftfunction und demgemäss auch bei der einenspeciellen Fall derselben bildenden Potentialfunction das Vorzeichen
so gewählt, dass die Kraftcomponenten durch die mit dem ven Vorzeichen versehenen Differentialcoefficienten dieser Functio-nen dargestellt werden
negati-§ 10
Das Potentialniveau
Was weiter oben in § 4 bei Betrachtung der Kraftfunction U überdie Niveauflächen gesagt ist, gilt natürlich in gleicher Weise auch fürdie Potentialfunction V
Die Gleichung
worin A eine Constante bedeutet, ist die Gleichung einer Niveaufläche,und eine in irgend einem Puncte dieser Fläche gedachte positive Einheit
Trang 30des Agens erleidet eine Kraft, welche auf der Fläche senkrecht ist, undzwar ist die Kraft von der Fläche aus nach der Seite hin gerichtet, nachwelcher die Potentialfunction abnimmt.
Denkt man sich eine unendliche Menge solcher Flächen construirt,deren Gleichungen sich nur dadurch von einander unterscheiden, dassdie an der rechten Seite stehende Constante bei jeder folgenden umeinen gewissen unendlich kleinen Werth grösser ist, als bei der vor-hergehenden, dann lässt dieses System von Flächen an jeder Stelle desRaumes die Kraft, welche eine dort gedachte positive Einheit des Agenserleiden würde, nach Richtung und Grösse erkennen Die Grösse derKraft ist dem Abstande je zweier auf einander folgender Flächen um-gekehrt proportional
Man kann den Werth, welchen die Potentialfunction an irgend einerStelle des Raumes hat, und durch welchen diejenige Niveaufläche, in derdiese Stelle sich befindet, bestimmt wird, kurz das Potentialniveaudieser Stelle nennen
An verschiedenen Stellen des Raumes sind die Potentialniveaux imAllgemeinen verschieden, und die Verschiedenheit kann sich nicht nurauf den absoluten Werth, sondern auch auf das Vorzeichen beziehen.Bei Agentien, welche nur anziehend wirken (wie die ponderable Masse),kommen nur negative Potentialniveaux vor Bei solchen Agentien dage-gen, welche theils anziehend, theils abstossend wirken (wie die Electrici-tät), können in verschiedenen Theilen des Raumes negative und positivePotentialniveaux vorkommen, und diese Theile des Raumes werden voneinander getrennt durch eine Fläche mit dem Potentialniveau Null.Wenn der Punct p, in welchem wir uns die Einheit des Agens con-centrirt denken, sich von der Stelle, wo er sich ursprünglich befand, nachverschiedenen Richtungen bewegt, so hängt die Kraft, welche bei dieserBewegung fördernd oder hemmend wirkt, davon ab, wie schnell in derbetreffenden Richtung das Potentialniveau sich ändert Nach Richtun-gen, in welchen das Potentialniveau constant bleibt, wirkt keine Kraft,und nach anderen Richtungen wirken um so stärkere Kräfte, je schnel-ler in ihnen die Aenderung des Potentialniveaus stattfindet, und zwar
Trang 31ist die auf irgend eine Richtung bezogene Kraft positiv oder negativ,jenachdem das Potentialniveau in dieser Richtung abnimmt oder zu-nimmt.
§ 11
Bestimmung der Potentialfunction für den Fall, wenn derPunct p sich innerhalb des von dem wirksamen Agens stetig
erfüllten Raumes befindet
In § 6 wurde gesagt, dass es nicht unmittelbar klar sei, ob die durchGleichung (19) bestimmte Function U auch für den Fall, wenn derPunct p sich innerhalb des von dem wirksamen Agens stetigerfüllten Raumes befindet, die Eigenschaft habe, durch ihre nega-tiven Differentialcoefficienten die Kraftcomponenten darzustellen, unddasselbe gilt natürlich auch von der in § 7 betrachteten, durch die Glei-chung (Ia.) bestimmten Function V Wir wollen daher diesen Fall jetztnäher untersuchen, wobei wir uns aber, da die beiden Functionen sich
in dieser Beziehung ganz gleich verhalten müssen, auf Eine von ihnenbeschränken können, wozu wir die Potentialfunction V wählen wollen
In der unter (Ia.) gegebenen Formel der Potentialfunction:
ε
Z1
Trang 32welche die zu integrirende Function einen unendlich grossen Werth voneiner gewissen Ordnung annimmt, selbst eine unendlich kleine Grössevon noch höherer Ordnung ist, so dass der Einfluss dieser Elemente ver-schwindet, und das ganze Integral einen bestimmten endlichen Werthbehält Indessen darf man ein solches Verhalten doch nicht ohne Wei-teres voraussetzen, sondern muss bei jedem derartigen Integrale, bevorman es zu weiteren Rechnungen anwendet, durch besondere Betrach-tungen darüber entscheiden, ob die Integration in der Weise ausführbarist, dass sie einen bestimmten endlichen Werth liefert Dazu dient be-sonders das Verfahren, durch Einführung anderer Veränderlicher dasIntegral so umzuformen, dass die nun zu integrirende Function für alleElemente dieser neuen Veränderlichen endlich bleibt, wodurch dann diebestimmte Ausführbarkeit der Integration ausser Zweifel gesetzt ist.Dieses Verfahren wollen wir zunächst auf die Potentialfunction, unddann auf die Kraftcomponenten und die Differentialcoefficienten derPotentialfunction anwenden.
Wir wollen dabei der Kürze wegen den von dem Agens stetig ten Raum einen Körper nennen, wobei wir aber unter dem Inhalte desKörpers nur dasjenige Agens verstehen, für welches wir die Potential-function bestimmen wollen, und alles, was sonst noch in dem Körpersein mag, unberücksichtigt lassen Sei k0 die Dichtigkeit des Körpersbei dem Puncte x0, y0, z0, mit der Bedeutung, dass, wenn dτ ein Raum-element vorstellt und dq0 die Menge des darin enthaltenen wirksamenAgens ist, man hat:
wobei wir annehmen wollen, dass die Grösse k0, welche eine Functionvon x0, y0, z0 ist, nirgends unendlich gross werde Dadurch geht derunter (Ia.) gegebene Ausdruck der Potentialfunction über in:
Trang 33Aus-einführen Wir theilen zunächst den Raum in unendliche schmale ramiden ein, welche ihre Spitzen sämmtlich in dem Puncte p haben.Denken wir uns um p als Mittelpunkt eine Kugelfläche mit der Längen-einheit als Radius beschrieben, so schneidet jede Elementarpyramideaus derselben ein Flächenelement aus, welches dσ heissen möge DieGrösse dieses Flächenelementes bestimmt die Grösse des körperlichenWinkels, welchen die Elementarpyramide an ihrer Spitze bildet, undwir wollen daher dieses mit dσ bezeichnete Element kurz das Ele-ment des körperlichen Winkels nennen Die dabei geltende Einheitergiebt sich daraus, dass der ganze Winkelraum um den Punct gleich4π zu setzen ist, indem der Flächeninhalt einer mit der Längeneinheitals Radius geschlagenen Kugelfläche bekanntlich durch 4π dargestelltwird.
Py-Betrachten wir nun in einer Elementarpyramide ein unendlich zes Stück, welches zwischen zwei um p geschlagenen Kugelflächen mitden Radien r und r + dr liegt, so können wir dieses Stück als dasRaumelement dτ annehmen Da dasselbe als kleines Prisma mit derGrundfläche r2dσ und der Höhe dr anzusehen ist, so kommt:
Trang 34§ 12.
Bestimmung der Potentialfunction einer Kugelschicht, inwelcher die Dichtigkeit eine Function des Radius ist.Ich glaube, dass es zweckmässig sein wird, für einen speciellen Falldie Bestimmung der Potentialfunction wirklich auszuführen, weil die
im Folgenden zu behandelnden Sätze durch Anwendung auf einen creten Fall besonders anschaulich werden Dazu ist besonders der Fallgeeignet, wo der wirksame Körper eine Kugelschicht ist, in welcherdie Dichtigkeit innerhalb jeder concentrischen Kugelfläche constant ist,aber von einer solchen Kugelfläche zur anderen variiren kann Für ei-
con-ne Kugelschicht dieser Art hat nämlich die Potentialfunction eicon-ne sehreinfache Gestalt, und ausserdem ist auch die Kenntniss dieses Falles fürmanche andere Betrachtungen nützlich
Es sei also ein Raum gegeben, welcher zwischen zwei concentrischenKugelflächen mit den Radien a und A liegt, und von dem wirksamenAgens in der Weise erfüllt ist, dass die Dichtigkeit k0 nur eine Functiondes Radius ist
Wir gehen zur Bestimmung der Potentialfunction von der chung (22) aus, nämlich:
Trang 35Polar-Axe liegenden Punctes p vom Mittelpuncte den Buchstaben l ein, soerhalten wir für die Grösse r, die Entfernung des Raumelementes dτvom Puncte p, den Ausdruck:
r =pρ2+ l2− 2ρl cos θ,und können zugleich für das Raumelement dτ die bekannte Formel:
dτ = ρ2sin θ dρ dθ dφanwenden Dadurch geht die obige Gleichung über in:
Z Z Z
k0ρ2sin θ
pρ2+ l2− 2ρl cos θdρ dθ dφ,worin die Integration nach φ von 0 bis 2π, nach θ von 0 bis π und nach ρvon a bis A auszuführen ist
Die Integrationen nach φ und θ lassen sich sofort ausführen undgeben:
(27) V = 2πε
l
Z A a
k0ρ(pρ2+ l2+ 2ρl −pρ2+ l2− 2ρl) dρ
Die hierin unter den beiden Wurzelzeichen befindlichen Ausdrücke sindvollständige Quadrate, und die Quadratwurzeln lassen sich daher aus-ziehen; indessen ist dabei noch eine besondere Bemerkung zu machen.Jede der beiden Quadratwurzeln kann, an sich genommen, sowohl posi-tiv als negativ sein; im vorliegenden Falle aber, wo die Quadratwurzelnspecielle Werthe der Entfernung r sind, welche eine absolute Grösseist, dürfen wir von den beiden Werthen jeder Wurzel nur den positivenanwenden Wir haben also zu setzen:
p
ρ2+ l2 + 2ρl = ρ + lp
ρ2+ l2− 2ρl = ρ − l, wenn ρ > l
= l − ρ, wenn ρ < l
Trang 36Hierdurch nimmt die unter dem Integralzeichen stehende Differenz derbeiden Wurzeln folgende zwei verschiedene Formen an Wenn ρ > l, soist:
(28) pρ2 + l2+ 2ρl −pρ2+ l2− 2ρl = ρ + l − (ρ − l) = 2l.Wenn ρ < l, so ist:
(28a.) pρ2+ l2+ 2ρl −pρ2+ l2− 2ρl = ρ + l − (l − ρ) = 2ρ.Wegen dieser Verschiedenheit des zu integrirenden Ausdruckes müs-sen wir nun in Bezug auf die Lage des Punctes p drei Fälle unterschei-den
1) Der Punct p liege innerhalb des Hohlraumes der schicht
Kugel-In diesem Falle ist l < a, und somit müssen alle bei der Kugel-Integrationvorkommenden Werthe von ρ grösser als l sein, woraus folgt, dass vonden beiden Gleichungen (28) und (28a.) die erstere anzuwenden ist.Dadurch nimmt der Ausdruck der Potentialfunction, welche wir fürdiesen Fall mit Vi bezeichnen wollen, folgende Form an:
Vi = 2πε
l
Z A a
k0ρ 2l dρoder:
Z A a
k0ρ dρ
Dieser Ausdruck ist von l unabhängig, und es folgt daraus, dass nerhalb des Hohlraumes die Potentialfunction constant ist Die Kraft,welche das in der Kugelschicht befindliche Agens auf eine irgend wo imHohlraume gedachte Menge des Agens ausüben würde, muss also Nullsein
in-Nimmt man speciell an, die Dichtigkeit k0 sei constant und somitdie Kugelschicht homogen, so kann man auch die Integration nach ρausführen und erhält:
Trang 372) Der Punct p liege ausserhalb der Kugelschicht.
In diesem Falle ist l > A, und somit können nur solche Werthe von ρbei der Integration vorkommen, die kleiner als l sind, und man hatdaher die Gleichung (28a.) anzuwenden Die Potentialfunction, welchefür diesen Fall mit Ve bezeichnet werden möge, nimmt also folgendeForm an:
Ve = 2πε
l
Z A a
k0ρ 2ρ dρ = 4πε
l
Z A a
k0ρ2dρ
Schreiben wir diesen Ausdruck in der Gestalt
Ve= εl
Z A a
k0 4πρ2dρ,
so stellt das Product 4πρ2dρ das Volumen einer unendlich dünnen gelschicht zwischen zwei Kugelflächen mit den Radien ρ und ρ + dρ dar,und das Product k0 4πρ2dρ bedeutet die in dieser unendlich dünnenKugelschicht enthaltene Menge des Agens Demnach ist die Grösse, wel-che man durch die Integration erhält, nichts weiter, als die in der ganzengegebenen Kugelschicht enthaltene Menge des Agens Bezeichnen wirdiese Menge mit Q, so lautet die Gleichung:
l .
Da l der Abstand des Punctes p vom Mittelpuncte der Kugelschichtist, so sieht man, dass für jeden im äusseren Raume gelegenen Punct diePotentialfunction denselben Werth hat, und demnach auch die Kraft,welche die Kugelschicht auf eine in dem Puncte gedachte Menge desAgens ausübt, in derselben Weise stattfindet, wie wenn die ganze in derKugelschicht enthaltene Menge des Agens im Mittelpuncte concentrirtwäre
Für den speciellen Fall, wo die Dichtigkeit k0 constant ist, kann mandie vorige Gleichung auch so schreiben:
3 εk
0 A3− a3
Trang 383) Der Punct p liege in der Kugelschicht selbst.
In diesem Falle liegt der Werth von l zwischen a und A, und nach sind die bei der Integration vorkommenden Werthe von ρ zumTheil kleiner, zum Theil grösser als l Wir müssen daher das in derGleichung (27) vorkommende Integral in zwei Integrale zerlegen Daserste ist von a bis l zu nehmen, und in ihm ist die Gleichung (28a.)anzuwenden; das zweite ist von l bis A zu nehmen, und in ihm ist dieGleichung (28) anzuwenden Es kommt also, wenn wir die Potential-function für diesen Fall mit Vm bezeichnen:
dem-Vm = 2πε
l
Z l a
k0ρ 2ρ dρ +
Z A l
k0ρ2dρ +
Z A l
k0ρ dρ
.(33)
Für den Fall, wo k0 constant ist, also durchweg den beim Puncte pgeltenden Werth k hat, lassen sich die Integrationen ausführen und manerhält:
a3
l
In den vorstehenden Gleichungen können die Radien a und A derinneren und äusseren Grenzfläche der Kugelschicht beliebige Werthehaben, und es mögen in dieser Beziehung noch zwei specielle Fälle be-sonders hervorgehoben werden
Wenn man es, statt mit einer Kugelschicht, mit einer Vollkugel zuthun hat, so braucht man nur den Radius a der inneren Grenzflächegleich Null zu setzen, dann findet die mit Vi bezeichnete, auf den in-neren Hohlraum bezügliche Potentialfunction keine Anwendung, unddie Ausdrücke für Vm und Ve vereinfachen sich in so leicht ersichtlicher
Trang 39Weise, dass es nicht nöthig sein wird, sie in der vereinfachten Form nocheinmal anzuführen.
Der zweite specielle Fall, welcher besonders für die Electricitätslehrevon Interesse ist, ist der, wenn man die Schicht als unendlich dünnannimmt, und dabei zugleich die Dichtigkeit k0 als unendlich gross, sodass die in der Schicht enthaltene Menge des Agens eine endliche Grössebleibt Wir wollen für diesen Fall die auf eine homogene Kugelschichtbezüglichen Formeln (30) und (32) in folgender Weise schreiben:
in den gewonnenen Formeln nur für die Grösse l den Ausdruck zu zen, welcher sie in rechtwinkligen Coordinaten darstellt Sind nämlich
set-x0, y0, z0 die Coordinaten des Mittelpunctes der Kugelschicht, so hatman zu setzen:
l = p(x − x0)2+ (y − y0)2+ (z − z0)2
Trang 40§ 13.
Bestimmung der Kraftcomponenten für einen im Innern des
wirksamen Körpers liegenden Punct
Wir wollen nun in derselben Weise, wie wir in § 11 die function behandelt haben, die Componenten der Kraft, welche derKörper auf den Punct p ausübt, behandeln, und zwar wollen wir, dadie nach verschiedenen Richtungen gehenden Componenten in gleicherWeise zu behandeln sind, die nach der x-Richtung gehende Componenteals Beispiel wählen
Potential-Die von einem Elemente dq0, dessen Coordinaten x0, y0, z0 sind, unddessen Abstand von p durch r dargestellt wird, auf p ausgeübte Kraftist εdq
Im vorigen Ausdrucke bedeutet der Bruch x − x
0
r den negativenWerth des Cosinus des Winkels, welchen der von p nach dem Puncte