Erster Teil: Corporate Governance, Risk Management und Compliance Status quo Zweiter Teil: Corporate Governance, Risk Management und Compliance Lehren aus der Finanzkrise Dritter Tei
Trang 2Corporate Governance, Risk Management und Compliance
Trang 4Fritz Neumann (Hrsg.)
Corporate Governance, Risk Management
und Compliance
Innovative Konzepte
und Strategien
Trang 5Deutschen Nationalbibliografi e; detaillierte bibliografi sche Daten sind im Internet über
<http://dnb.d-nb.de> abrufbar.
Prof Dr Frank Keuper ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere
Konvergenz-management und Strategisches Management an der School of Management and Innovation der beis-Hochschule Berlin und Herausgeber der betriebswirtschaftlichen Fachzeitschrift Business + Innova- tion – Steinbeis Executive Magazin Weiterhin ist er Direktor und Akademischer Leiter des Sales & Service Research Center (Kooperationspartner Telekom Shop Vertriebsgesellschaft mbH) und der Business School T-Vertrieb (Kooperationspartner Telekom Deutschland GmbH).
Stein-Fritz Neumann ist Partner bei BearingPoint, Management & Technology Consultants, im Bereich
Commercial Services.
1 Aufl age 2010
Alle Rechte vorbehalten
© Gabler Verlag | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2010
Lektorat: Barbara Roscher | Jutta Hinrichsen
Gabler Verlag ist eine Marke von Springer Fachmedien
Springer Fachmedien ist Teil der Fachverlagsgruppe Springer Science+Business Media
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Umschlaggestaltung: KünkelLopka Medienentwicklung, Heidelberg
Gedruckt auf säurefreiem und chlorfrei gebleichtem Papier
Printed in Germany
ISBN 978-3-8349-1558-0
Trang 6Die Finanzkrise im Jahr 2008, die weltweit viele Arbeitsplätze gekostet und werte vernichtet hat, beeinflusst noch immer die Märkte und zunehmend auch ganze Volks-
Unternehmens-wirtschaften Während anfangs vor allem Kreditinstitute, wie Lehman Brothers, Bear Stearns,
Merrill Lynch und Washington Mutual, im Fokus standen, sehen sich nunmehr auch Staaten
mit der Zahlungsunfähigkeit konfrontiert Trotzdem gibt es Zeichen, die für eine Kehrtwende sprechen
Sowohl auf Unternehmens- als auch auf Staatsebene wird an Konzepten gearbeitet, die aus der Krise führen sollen Insbesondere stehen dabei Maßnahmen im Mittelpunkt, die sofort wirken Es muss jedoch auch langfristig dafür Sorge getragen werden, dass sich die Geschich-
te nicht wiederholt Denn Ziel jedes Unternehmens (und auch Staates) ist nicht die kurz-, sondern die langfristige Überlebensfähigkeit Kurzum: Es müssen auch strategische Lösungen erarbeitet werden Als Grundlage hierfür ist eine eingehende Ursachenforschung unerlässlich
Erster Teil: Corporate Governance, Risk Management und Compliance
Status quo Zweiter Teil: Corporate Governance, Risk Management und Compliance
Lehren aus der Finanzkrise Dritter Teil: Corporate Governance, Risk Management und Compliance
Strategien für die Zukunft
Abbildung 1: Struktur des Sammelbands
Der erste Teil des Sammelbands ist dem Status quo gewidmet Einleitend wird von W OLF
-GANG B ECKER und P ATRICK U LRICHdas Controlling als Mittel zur Neuausrichtung und stützung eines integrierten Ansatzes der Corporate Governance präsentiert Hierbei wird die Wertschöpfung als primärer Zweck des wirtschaftlichen Handelns vorgestellt Im Anschluss
Unter-daran diskutieren T HOMAS H ERING , M ICHAEL O LBRICH und R OLAND R OLLBERG die Mitschuld der angelsächsischen Bewertungstheorie an der Finanzkrise Insbesondere kritisieren sie die
mangelnde Unterscheidung zwischen Wert und Preis Daran knüpft auch H EINZ E CKART K LIN
-GELHÖFER an Er geht der Frage nach, inwiefern kapitalmarktorientierte Wertansätze im trolling mit dem wertorientierten Controlling konform gehen Der erste Teil des Sammel-
Con-bands schließt mit einem Beitrag von F RANK T EUTEBERG, der sich eingehend mit dem Risikomanagement befasst Im Rahmen einer Studie untersucht er die Akzeptanz und Umset-zung des Themas IT-Risikomanagement in deutschen Unternehmen
IT-Der zweite Teil des Sammelbands konzentriert sich auf die Lehren aus der Finanzkrise Vor dem Hintergrund des Risikomanagements erläutern W ILFRIED Z ILKEN und F RANK K EUPER die Bedeutung des Wissensmanagements und -controllings für das intellektuelle Kapital An-
schließend beschäftigt sich H ARALD P LAMPER mit der Fragestellung, was der Staat für die
Kri-senbewältigung benötigt Bei H ERBERT S CHMALHARDT steht die Korruption als sches Risiko im Fokus der Betrachtung Dabei wird insbesondere das Recht-, Ethik- und Wer-
unternehmeri-tesystem in der Praxis kritisch beleuchtet M ARTIN W EIGT hingegen zieht zentrale Schlüsse aus
Trang 7der Wirtschafts- und Finanzkrise, um die langfristige Überlebensfähigkeit von Unternehmen
zu sichern
Der letzte Teil des Sammelbands konzentriert sich auf die Entwicklung von Strategien für die
Zukunft Einleitend entwickeln F RANK K EUPER , S TEFAN R ÖDER und C ARL K ORSUKÉWITZ nisationstheoretische Strategien, um Governance-Entscheidungen nachhaltig zu verorten
orga-D OMINIK H E NSTE widmet sich in seinem Beitrag moralischen Risiken und expliziert die
be-sondere Bedeutung wirtschaftlicher Eliten im Rahmen von Corporate Governance J ÖRN
L OMMER greift den Beitrag von D OMINIK H E NSTE auf und fordert in seinem Beitrag einen
Werte-Manager Im Gegensatz dazu entwickelt F RANK S TANDKE einen unternehmensweiten Ansatz für eine integrierte Governance-, Risk- und Compliance-Lösung Das Kapitel und der
Sammelband enden mit einem Beitrag von M ICHAEL L ISTER, der für Kreditinstitute Wege aus der Finanzkrise offenlegt
Ein besonderer Dank gilt den Autoren, denn ohne die einzelnen Beiträge wäre das Buch nicht zustande gekommen Trotz des engen Zeitplans haben es die Autoren geschafft, mit außeror-dentlichem Engagement ihre praxisinduzierten und theoriegeleiteten Beiträge für diesen Sammelband zu erstellen
Die Einhaltung der Projektdurchlaufzeit war zudem nur möglich, weil wie immer viele elle Hände“ im Hintergrund agierten Auch diesen sei an dieser Stelle für ihr Engagement ge-
„virtu-dankt Vor diesem Hintergrund gilt der Dank der Herausgeber insbesondere Herrn C ARL
K ORSUKÉWITZ, der als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für lehre, insbesondere Konvergenz- und Medienmanagement an der School of Management and Innovation der Steinbeis-Hochschule Berlin die Organisation der mit der Erstellung und Pub-
Betriebswirtschafts-likation des Sammelbands anfallenden Aufgaben übernahm Daneben stand Herr K ORSU
-KÉWITZ den Autoren bei Fragen mit Rat und Tat zur Seite und leistete unermüdliche
Formatie-rungsarbeit Besonderen Dank schulden die Herausgeber darüber hinaus auch Frau B ARBARA
R OSCHER und Frau J UTTA H INRICHSEN vom Gabler-Verlag für die hilfreiche Kooperation bei der Publikation dieses Sammelbands
Hamburg/Frankfurt am Main, im März 2010
Prof Dr habil F RANK K EUPER und F RITZ N EUMANN
Trang 8Erster Teil
Corporate Governance, Risk Management
Corporate Governance und Controlling –
(Otto-Friedrich-Universität Bamberg)
Zur angelsächsischen Bewertungstheorie
(Fern-Universität Hagen, Universität Trier
und Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald)
Kapitalmarktorientierte Bewertungsansätze
(Tshwane University of Technology)
IT-Risikomanagement – Eine Studie zum Status quo
(Universität Osnabrück)
Trang 9Zweiter Teil
Corporate Governance, Risk Management
und Compliance – Lehren aus der Finanzkrise 91
Bedeutung des Wissensmanagements und Wissenscontrollings
für das intellektuelle Kapital im interkulturellen Kontext
(Thomas Consulting GmbH und Steinbeis-Hochschule Berlin)
Governance, Risk Management und Compliance –
(Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit)
(Landes-Rechnungshof Vorarlberg)
Corporate Governance, Risk Management und Compliance –
(Freiberufliche Unternehmensberatung)
Trang 10Dritter Teil
Corporate Governance, Risk Management
und Compliance – Strategien für die Zukunft 189
Governance-Entscheidungen im Spannungsfeld
(Steinbeis-Hochschule Berlin)
Moralische Risiken – Mit Ordnungs-, Unternehmens-
(Institut der deutschen Wirtschaft Köln)
(ChangePartner AG)
Unternehmensweiter Ansatz einer Governance-,
(BearingPoint GmbH)
Wege aus der Finanzkrise – Anpassungsbedarf
(Steinbeis-Hochschule Berlin)
Autorenverzeichnis 311 Stichwortverzeichnis 317
Trang 11Corporate Governance, Risk Management
Trang 13Begriffe und Wechselwirkungen
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
1 Problemstellung 5
2 Governance, Risk Management und Compliance in Deutschland 7
2.1 Begriffsbestimmung 7
2.2 Beispiel eines integrativen Frameworks 10
3 Wertschöpfung und wertorientierte Unternehmensführung 12
3.1 Begriff und Notwendigkeit der Wertschöpfung 12
3.2 Konzept des wertschöpfungsorientierten Controlling 13
3.3 Zwischenfazit – Konsequenzen für Corporate Governance 15
4 Mechanismen zur Verbesserung der Corporate Governance 16
5 Beiträge des Controlling zur Corporate Governance 18
5.1 Gemeinsamer Handlungskontext 19
5.2 Ausgewählte Beispiele 20
6 Fazit 22
Quellenverzeichnis 25
Trang 151 Problemstellung
Das Jahr 2008 wird höchstwahrscheinlich als Manifestation der ersten globalen Wirtschafts-
und Finanzkrise nach dem zweiten Weltkrieg in die Geschichte der Weltwirtschaft eingehen.1
Zwar hatte sich diese Entwicklung spätestens seit dem Jahr 2007 und insbesondere in den USA angedeutet, jedoch konnte erst im Jahr 2008 von einer wirklichen Weltkrise gesprochen werden Wirtschaftswissenschaftler befassen sich seit längerem mit der Frage, welche Aus-wirkungen die Wirtschaftskrise auf die Unternehmenslandschaft in Deutschland haben wird
Ein drastisches Ansteigen der Unternehmensinsolvenzen ist zu vermuten
Während in der Vergangenheit das US-amerikanische System der Governance (oder auch
Corporate Governance) als dem deutschen und japanischen System überlegen galt,2 wurde diese Einschätzung in den letzten Jahren Schritt für Schritt revidiert.3 Inzwischen werden
auch in den USA verstärkt Anstrengungen zur Etablierung einer eher dual geprägten
Unter-nehmensverfassung unternommen Eine der Ausprägungen ist die erwünschte Trennung der
Positionen des Chairmans vom CEO Aus deutscher Perspektive hatte der
Sarbanes-Oxley-Act (SOX), welcher von der US-amerikanischen Regierung als Reaktion auf zahlreiche
Bi-lanzskandale erlassen wurde und dessen Einhaltung von der Börsenaufsichtsbehörde
Securi-ties and Exchange Commission (SEC) überwacht wird, eine eher einschüchternde denn
posi-tive Wirkung Zahlreiche, an der New York Stock Exchange (NYSE) notierte Unternehmen
sowie insbesondere mittelständische Töchter amerikanischer Konzernmütter sahen sich in Folge der neuen Regularien mit einem kaum überblickbaren Sammelsurium an Regelwerken und Anforderungen konfrontiert
Im Kontext von Krisen und Krisenmanagement werden unter dem Oberbegriff Corporate
Governance (CG) bereits seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts Prinzipien einer
ve-rantwortungsvollen, auf langfristige Wertschöpfung ausgerichteten Unternehmensführung und -kontrolle diskutiert.4 Diese anhaltende Debatte um die Grundprinzipien nachhaltigen Wirtschaftens, die in den USA ihren Beginn nahm und meist nach Unternehmensinsolvenzen besonders intensiv geführt wird, ist zu einer Modedebatte geworden, CG damit zum Mode-wort.5 Leider ist bis heute nicht wirklich klar, welche Aspekte unter dem Oberthema CG eigentlich subsumiert werden sollten.6 Ähnliches gilt für die in diesem Kontext immer wieder
zu vernehmenden Wortmeldungen zu den Themen Risk Management7 und Compliance8.Wenn das Streben nach guter oder verantwortungsvoller Unternehmensführung als angloame-rikanisches Phänomen erscheint, liegt dies wohl vornehmlich an der größeren Bedeutung der Kapitalmärkte aus diesem Sprachraum.9 Die These, dass Unternehmen aus den USA signifi-
Trang 16kant erfolgreicher seien als direkte deutsche Konkurrenten, kann vor dem Hintergrund der aktuellen Krise jedoch zumindest angezweifelt werden
Die Ausrichtung der Unternehmensführung an der Steigerung des Shareholder Value10 stand
in den letzten Jahren im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion um CG in Deutschland.11Die deutsche Volkswirtschaft als ‚coordinated market economy12
kann sich jedoch nicht nur
an den Interessen der Unternehmenseigentümer ausrichten.13 Weitere, für den Erfolg des
Unternehmens relevante Stakeholder wie z B Mitarbeiter und Lieferanten haben ebenfalls
berechtigte Interessen, die befriedigt werden müssen.14 In diesem Kontext rückt das
traditio-nelle Oberziel des unternehmerischen Handelns, die Sicherung der langfristigen
Überlebens-fähigkeit, wieder stärker in den Vordergrund.15 Selbstverständlich müssen auch an eine derart ausgeprägte Unternehmensführung die Maßstäbe der Effizienz und Effektivität als Wirt-schaftlichkeitskriterien angelegt werden können Das Streben nach Nachhaltigkeit und das Bemühen um Rentabilität müssen als Teilziele wirtschaftlichen Handelns gewertet werden
Im vorliegenden Beitrag wird eine Sichtweise präsentiert, welche die Größe Wertschöpfung
als obersten Zweck wirtschaftlichen Handelns identifiziert Governance, Risk Management und Compliance (GRC) sind Instrumente, welche die Voraussetzungen für die Erfüllung dieses Zwecks und somit die Erreichung des Ziels der langfristigen Überlebensfähigkeit si-cherstellen können.16 Als bestandsgefährdend werden vor allem verschiedene Arten von In-formationsasymmetrien eingeschätzt, welche durch CG-Instrumente verringert werden kön-
nen Das Controlling, ein heute fest in die Unternehmensführung zu integrierendes
Instru-ment, wurde bisher im Kontext von CG nur unzureichend berücksichtigt Dies ist insofern bemerkenswert, als sich die Ziele von CG und Controlling sehr nahe stehen Im Besonderen wird in diesem Beitrag die Rolle des Controlling im Rahmen der Sicherstellung eines
Höchstmaßes an Effizienz und Effektivität herausgestellt.17 Die dem Controlling zugeordneten Aufgabenfelder Berichtswesen, Risikocontrolling und Anreizsysteme werden als Beiträge des Controlling im Rahmen von CG beispielhaft erläutert
Trang 172 Governance, Risk Management
und Compliance in Deutschland
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen und -zusammenbrüche ist nicht nur weltweit, sondern auch in Deutschland in den letzten Jahren dramatisch angestiegen Dies hat auch in Deutsch-
land zu einer verstärkten Beschäftigung mit Krisen und Krisenprävention geführt.18 Unter dem integrierten Oberbegriff GRC werden seit einiger Zeit moderne, an US-amerikanischen Standards orientierte Konzepte der Unternehmensführung, -überwachung und -kontrolle dis-kutiert,19 welche sich insbesondere nach der Einführung des SOX etabliert haben.20 Dieser wurde von der amerikanischen Regierung nach dem Kollaps des amerikanischen Energierie-
sen Enron erlassen Im Folgenden wird der Stand der Diskussion um GRC in Deutschland
dargestellt
2.1 Begriffsbestimmung
Auf den ersten Blick ist noch nicht zu erkennen, warum die Vielzahl neuer Regulierungen
und strenger Anforderungen eine positive Erfolgswirkung für Unternehmen haben sollte Die
einzuführenden Mechanismen und einzuhaltenden Standards verursachen Kosten Erst auf den zweiten Blick offenbart sich die langfristige, wertorientierte Perspektive eines GRC-Management Hierzu ist jedoch eine detaillierte Analyse notwendig Der vorliegende Beitrag strebt keine Übersicht über sämtliche, für deutsche Unternehmen geltenden Regelungen an
Dies wurde bereits zur Genüge diskutiert Stattdessen steht der ökonomische Erfolgsbeitrag
eines GRC-Management im Vordergrund Juristische Aspekte werden nur dann diskutiert, wenn sie auch ökonomisch relevant sind
Zu einem integrierten GRC-Management sind zunächst folgende Teilbereiche zu zählen:21
¾ Governance: Rahmenwerk von Regeln und Richtlinien, nach denen ein spezifisches
Unternehmen geführt und kontrolliert werden soll,
¾ Risk Management: strukturierter Prozess des einheitlichen und antizipativen Umgangs
mit Risiken und Chancen,
¾ Compliance: effektive und effiziente Erfüllung sämtlicher juristisch verbindlicher
Richt-linien und Vorgaben
Für den Begriff CG konnte sich bisher kein einheitliches Verständnis ausbilden.22 lich haben aber alle Definitionen eine gewisse Nähe zu den Konstrukten Unternehmensfüh-rung und -kontrolle.23 Im vorliegenden Beitrag gehen die Autoren davon aus, dass CG den Rahmen für effiziente und effektive Entscheidungen und deren Umsetzung in Unternehmen
Trang 18vorgibt Ohne eine tiefgreifende theoretische Debatte zu führen, kann die Notwendigkeit
die-ses Rahmens letztlich stets auf Informationsasymmetrien zurückgeführt werden, welche sich
durch die Trennung von Eigentum und Leitung in modernen Kapitalgesellschaften ergibt und
zu koordinierende Interessenvielfalt bedingt.24 CG versucht, die aus dieser Trennung und den damit einhergehenden Informationsasymmetrien resultierenden Kosten zu minimieren.25
Somit befasst sich CG im Innenverhältnis mit der optimalen Gestaltung und Lenkung
sämtli-cher Strukturen und Prozesse der Planung, Entscheidung und Kontrolle Dies bezieht sich insbesondere auf das Einflusspotenzial wichtiger Organe wie Exekutivgremium, Aufsichts-
gremium und Gesellschafterversammlung Im Außenverhältnis konkretisiert sich CG im
Ver-hältnis einer Gesellschaft zu verschiedenen wichtigen Stakeholdern26 (siehe Abbildung 1), dem Markt und der Gesellschaft.27
Abbildung 1: Das Unternehmen im Spannungsfeld unterschiedlicher Stakeholder28
24
Die für Corporate Governance charakteristische „separation of ownership and control“ wurde von B ERLE /M EANS (1932) erstmals in geschlossener Form dargelegt Aber schon bei S MITH (1776) finden sich erste Hinweise auf die Rolle von Managern in Kapitalgesellschaften
Unternehmen
alsInstrumentewirtschaftenderInteressenträgerLieferanten
Wettbewerber
Kunden
gesellschaftlicheInstitutionen
FremdkapitalgeberEigenkapitalgeber
Trang 19Die Diskussion um CG ist häufig von Rechtsnormen getrieben,29 welche meist spektakulären Unternehmenskrisen oder -insolvenzen nachfolgen Für Deutschland können diesbezüglich insbesondere das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG 1998), das Transparenz- und Publizitätsgesetz (TransPuG 2002), das Bilanzrechtsreformge-setz (BilReG 2004), das Bilanzkontrollgesetz (BilKoG 2004), das Anlegerschutzverbesse-rungsgesetz (AnSVG 2004), das Vorstandsvergütungs-Offenlegungsgesetz (VorstOG 2005), das Gesetz zur Unternehmensintegrität und Modernisierung des Anfechtungsrechts (UMAG 2005), das Gesetz zur Einführung von Kapitalanleger-Musterverfahren (KapMuG 2005), das Transparenzrichtlinie-Umsetzungsgesetz sowie das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (Bil MoG), welches am 29 Mai 2009 in Kraft getreten ist, genannt werden
Als Ergänzung zu festgelegtem Recht ist der ebenfalls kodifizierte, aber nicht in
Gesetzes-form verbindlich ausgestaltete Deutsche Corporate-Governance-Kodex (DCGK) zu sehen, welcher 2002 von der Regierungskommission Deutscher Corporate-Governance-Kodex unter ihrem Vorsitzenden G ERHARD C ROMME veröffentlicht und seitdem stetig aktualisiert wurde Dabei ist der Kodex durch § 161 AktG, in dem börsennotierte Aktiengesellschaften zu einer
Entsprechungserklärung gemäß dem Comply-or-Explain-Prinzip30 verpflichtet sind, auch Teil des deutschen Gesellschaftsrechts Nach Inkrafttreten des BilMoG müssen Abweichungen vom Kodex zudem auch begründet werden; die Begründungstiefe ist allerdings strittig.31Ein Bereich, der je nach Definition ein Teilbereich von CG ist oder Überschneidungen mit ihr
aufweist, ist das Risk Management32 Auch das Risk Management weist keine einheitliche Definition auf Im vorliegenden Beitrag gehen die Autoren von folgender Definition aus:
„Unter Risikomanagement wird die Messung und Steuerung aller betriebswirtschaftlichen Risiken unternehmensweit verstanden“33 Ein solches unternehmensweites Risk Management
ist nach Committee of Sponsoring Organizations of the Treadway Commission (COSO) ein
Prozess, „ausgeführt durch die Überwachungs- und Leitungsorgane, Führungskräfte und arbeiter einer Organisation, angewandt bei der Strategiefestlegung sowie innerhalb der Ge-samtorganisation, gestaltet um die die Organisation beeinflussenden möglichen Ereignisse zu erkennen, und um hinreichende Sicherheit bezüglich des Erreichens der Ziele einer Organisa-tion zu gewährleisten“34 Idealtypisch umfasst dieser Prozess die Phasen Risikoidentifikation, Risikobeurteilung, Risikosteuerung sowie Information und Kommunikation Dieser Prozess setzt die systematische Identifikation und Nutzung betrieblicher Chancen stets voraus; Chan-
Mit-ce & Risk Management bilden mithin letztlich eine Einheit
Der Begriff Compliance wird verwendet, um die Einhaltung juristischer Vorschriften, aber
auch freiwilliger Kodizes in Unternehmen zu umschreiben Als Ziele der Compliance lassen sich unter anderem die Steigerung von Effizienz und Effektivität sowie die Risikominimie-rung anführen.35 Gemäß einer gängigen Einteilung findet der Compliance-Begriff in drei
29
Vgl W AGENHOFER (2009), S 2
30
Die Übersetzung „entspreche oder erkläre“ kann so erklärt werden, dass eine AG oder KGaA dem Kodex zwar
nicht rechtsverbindlich folgen, aber Abweichungen erklären muss Vgl S TRIEDER (2005), S 42
Trang 20unterschiedlichen Abstraktionsebenen Anwendung.36 Im engsten Verständnis und abgeleitet vom englischen „to comply with“ bezieht sich Compliance auf die Beachtung der von einem Unternehmen im jeweiligen Kontext zu befolgenden Regelungen. 37 Auf einer höheren Ab-straktionsebene kann Compliance auch eine Bezeichnung für eine Konzeption sein, welche alle Maßnahmen umfasst, die zur Einhaltung aller unternehmensindividuell anzuwendenden
Regeln getroffen werden Beispielhaft kann an dieser Stelle die Konzeption von
Pricewater-houseCoopers angeführt werden, welche Compliance als „ein ganzheitliches
Organisations-modell mit Prozessen und Systemen, das die Einhaltung von gesetzlichen Bestimmungen, interner Standards sowie die Erfüllung wesentlicher Ansprüche der Stakeholder sicherstellt“38definiert Auf der höchsten Abstraktionsstufe ist Compliance ein Synonym für eine unabhän-gige Organisationsstruktur Die Hauptaufgabe dieser organisatorischen Einheit, welche häufig
einem Compliance-Beauftragten oder Compliance Officer zugeordnet ist, besteht in der
Um-setzung und Sicherstellung der Compliance-Konzeption Zu dieser Aufgabe ist auch die richtung einer zentralen Anlaufstelle für Mitarbeiter in Bezug auf relevante Compliance-Fragen zu zählen
Ein-2.2 Beispiel eines integrativen Frameworks
Um ein einheitliches betriebswirtschaftliches Verständnis von GRC ableiten zu können, ist eine integrierte Sichtweise nicht nur zweckmäßig, sondern notwendig Hierzu werden die
genannten Konstrukte in Anlehnung an K ÜTING /B USCH in den Kontext der unternehmerischen Überwachung39 eingeordnet Obwohl der Überwachungsbegriff in der betriebswirtschaftli-chen Literatur nicht einheitlich verwendet wird, lässt sich feststellen, dass traditionell der kybernetisch geprägte Vergleich von Soll-Zuständen mit Ist-Zuständen im Vordergrund steht Folgende Funktionen werden der Überwachung in der Literatur zugesprochen:40
Risk Management ist nach diesem Verständnis ein Teilbereich der prozessintegrierten
Kon-trolle, welche selbst wieder ein Teil der Unternehmensüberwachung ist CG und Compliance
sind beide Teilbereiche der Unternehmensverfassung und verarbeiten die aus der mensüberwachung resultierenden Informationen.41
Trang 21Während Abbildung 2 den strukturellen Rahmen der Unternehmensüberwachung aus einer externen und eher formaljuristisch geprägten Perspektive zeigt, ist CG aus einer intern ge-prägten, betriebswirtschaftlichen Sicht differenzierter zu betrachten In der Abbildung von
K ÜTING /B USCH ist insbesondere die Einordnung der Unternehmensführung als Teilbereich der Unternehmensverfassung unklar
Eingangs wurde im vorliegenden Beitrag festgelegt, dass sich CG auf die
wertschöpfungsori-entierte Unternehmensführung und -kontrolle bezieht Falls der oberste Zweck von nehmen als Wertschöpfung definiert und die langfristige Zielsetzung als Sicherstellung der
Unter-langfristigen Überlebensfähigkeit angenommen wird, kann CG als betriebswirtschaftlicher
Leitrahmen definiert werden, welcher die Effizienz und Effektivität der rung erhöhen und somit die Erreichung wichtiger Unternehmensziele besser sicherstellen kann Dies geschieht mit Hilfe geeigneter CG-Mechanismen, zu deren Erfolg auch das Con-trolling nicht unerheblich beiträgt
Unternehmensfüh-Abbildung 2: Zusammenführung und Gegenüberstellung von Überwachungsbegriffen42
Bevor die propagierte Sichtweise jedoch konkretisiert wird, soll im Folgenden erläutert den, warum es zulässig ist, von der Wertschöpfung als oberstem Unternehmenszweck zu sprechen Im Anschluss werden dann Konsequenzen für CG in Unternehmen abgeleitet
Trang 223 Wertschöpfung und wertorientierte
Unternehmensführung
Im Folgenden werden zunächst Begriff und Notwendigkeit der Wertschöpfung diskutiert Das
Hauptaugenmerk ist auf den Tatbestand gerichtet, dass das unternehmerische Oberziel der
langfristigen Überlebensfähigkeit nur durch eine langfristige Unternehmenswertsteigerung
er-reicht werden kann Im Anschluss wird das wertschöpfungsorientierte Controlling als standteil einer wertorientierten Unternehmensführung diskutiert, bevor als Resümee dieses Abschnitts Konsequenzen erläutert werden, die sich für CG vor dem Hintergrund der Wert-orientierung ergeben
Be-3.1 Begriff und Notwendigkeit der Wertschöpfung
Die Notwendigkeit einer Orientierung an einer langfristigen Unternehmenswertsteigerung kann anhand des Kreislaufs aus operativen und strategischen Führungsgrößen nach G ÄL -
WEILERerläutert werden.43 Ein zentraler Begriff dieses Konzeptes ist die Wertschöpfung: „Die
Wertschöpfung eines Betriebes ist eine Maßgröße, die das Ergebnis des betrieblichen ses kennzeichnet, der zur Schaffung eines betrieblichen Wertes führt Mit der Wertschöpfung wird speziell der Mehrwert bestimmt, den ein Betrieb aufgrund seiner betrieblichen Leis-tungserstellung den Vorleistungswerten hinzugefügt hat und der sich auf die unterschiedli-chen Anspruchsgruppen, wie beispielsweise Arbeitnehmer, Fiskus und Kapitalgeber verteilt Der Wert, als nicht einheitlich bestimmte Maßgröße, kann unternehmensspezifisch, in Ab-hängigkeit von der betrieblichen Zielsetzung, definiert werden.“44 Je nach eingenommener
Prozes-Perspektive kann von einem Economic Value (engere betriebswirtschaftliche Betrachtung) oder von einem Public Value45 (erweiterte gesellschaftliche Betrachtung) gesprochen werden Dem Controlling kommt innerhalb der betrieblichen Leistungs- und Wertkette die originäre Funktion der dauerhaften Ausrichtung des unternehmerischen Handelns auf Wertschöpfung
im Sinne des Regelkreislaufs aus operativen und strategischen Führungsgrößen zu
Erfolg und Liquidität sind als operative Führungsgrößen, Erfolgspotenziale als strategische
Führungsgröße zu klassifizieren Das Controlling ist Promotor der Wertschöpfung innerhalb
eines Unternehmens Dies gilt nach K ÜPPER insbesondere für Unternehmen, die siert geführt werden und in denen Verhaltensinterdependenzen eine große Rolle spielen.46
dezentrali-H ORVÁTH verweist in ähnlichem Zusammenhang auf die hohe Bedeutung der bewältigung durch das Controlling.47 Als grundlegende Größe des Kreislaufs von G ÄLWEILER
Komplexitäts-ist das Erfolgspotenzial anzusehen, welches sich durch Kongruenz zwischen marktlichen
Möglichkeiten und betrieblichen Fähigkeiten zur gezielten Nutzung von Wertdifferenzen auszeichnet Erfolgspotenziale von Unternehmen könnten beispielsweise das fachbezogene Know-how der Mitarbeiter oder die Kenntnisse um eine herausragende Anfangsinnovation sein Eine Verwertung des Erfolgspotenzials resultiert in der Realisation von Erfolg und letzt-
Trang 23endlich der Aufrechterhaltung der Liquidität Die permanente Bereitstellung von Liquidität ermöglicht dann die Schaffung neuer Erfolgspotenziale.48
Dieser Wertschöpfungskreislauf wurde von B ECKER zur Balanced Value Map ckelt Ihr liegen die vier Handlungsebenen Potenziale, Prozesse/Projekte, Produkte sowie wertmäßige Konsequenzen zugrunde Das unternehmerische Handeln vollzieht sich in den Beschaffungs-, Absatz- und Finanzmärkten und ist eingebettet in die Gesellschaft
weiterentwi-Abbildung 3: Balanced Value Map – Ein generalisiertes Geschäftsmodell49
3.2 Konzept des wertschöpfungsorientierten Controlling
Der Unternehmensführung kommen aus funktionaler Perspektive vier grundlegende, den strategischen und operativen Entscheidungs- und Handlungshorizont unter Sach- und Verhal-tensaspekten bearbeitende Funktionen zu Diese sind:50
¾ Lokomotion: Ausrichtung des Unternehmens auf den Oberzweck der Wertschöpfung,
welche insbesondere von der betrieblichen Funktion Controlling unterstützt wird
¾ Lenkung: Kybernetisches Verständnis der Steuerung und Regelung durch Planung,
Ent-scheidung und Kontrolle
¾ Gestaltung der Strukturen und Prozesse im Sinne von Organisation
Projekte
Erfolgs-potenzial
Liquidität Erfolg
Wert Gesellschaft
Trang 24¾ Leitung: Verhaltensbezogene Konkretisierung der Führungsfunktion
(Unternehmensfüh-rung im engeren Sinne)
Das Controlling lässt sich nach diesem Verständnis als Wertschöpfungspromotor verstehen
Es hat folglich durch den initialisierenden Anstoß der Erfolgspotenziale zunächst zu ken, dass wertschöpfende Aktivitäten überhaupt stattfinden können Durch die in der Folge einsetzende und ebenfalls zweckorientierte Ausrichtung des gesamten unternehmerischen Führungs- und Ausführungshandelns hat das Controlling darüber hinaus vor allem die dauer-hafte Geschlossenheit des zuvor beschriebenen Kreislaufprozesses der Wertschöpfung zu gewährleisten Dieses Erfordernis resultiert aus dem Tatbestand, dass jegliche Unterbrechung des Regelkreises den dauerhaften Bestand eines Unternehmens nachhaltig gefährdet, sowie aus Omnipotenzmängeln traditioneller Führungswerkzeuge Planung, Organisation, Leitung und Kontrolle allein sind nicht in der Lage, eine hinreichende und angemessene Wertschöp-fungsorientierung unternehmerischen Handelns sicherzustellen.51
bewir-Das Controlling lässt sich wie folgt konkretisieren: „Controlling stellt sich als eine integrierte
Aufgabe der Unternehmensführung dar, die im Dienste der Optimierung von Effektivität und Effizienz das initialisierende Anstoßen sowie das wertschöpfungsorientierte Ausrichten des Handelns von Betrieben sicherstellen muss Diese originäre Funktion des Controlling wird hier als Lokomotion bezeichnet Die Wahrnehmung der originären Funktion der Lokomotion setzt insbesondere eine begleitende Erfüllung der derivativen Funktionen der wechselseitigen Abstimmung (Integration, Koordination und Adaption) von Führung und Ausführung sowie der dementsprechenden Schaffung von Informationskongruenz innerhalb der Führung voraus Die Wahrnehmung dieser beiden derivativen Funktionen erfolgt vorrangig über wertorientier-
te Gestaltungs- und Lenkungsmechanismen.“52
Im Rahmen der originären Lokomotionsfunktion und den derivativen Informations- und
Ab-stimmungsfunktionen lassen sich für das Controlling zusammenfassend vier Aufgabengebiete
definieren, die im Folgenden für die Analyse der Wechselwirkungen von CG und Controlling herangezogen werden:53
¾ Berichts- und Beratungsaufgaben: Konzeption und Administration von
Controlling-Informationssystemen zur Sicherstellung bedarfsgerechter Informationen sowie der triebswirtschaftlichen Beratung von Führungskräften
be-¾ Management-Rechnungsaufgaben: Aufbau, Abstimmung, Nutzung und Pflege des
Fi-nanz- und Rechnungswesens sowie dessen instrumentelle Weiterentwicklung
¾ Gestaltungsaufgaben: Strukturierung und Standardisierung von Prozessen und Projekten
im Sinne der Wertschöpfungszwecksetzung
¾ und Planungsaufgaben: Anregung und Unterstützung von
Zielbildungs-prozessen sowie der resultierenden Planung zur Vorbereitung von Entscheidungen im Sinne einer systematisch-methodischen Lösung von Zukunftsproblemen
Trang 25¾ Steuerungs- und Kontrollaufgaben: Umsetzung von Planungs- in Handlungsgrößen bzw
deren Vorgabe sowie Aufbau, Abstimmung und Anwendung von nismen
Überwachungsmecha-3.3 Zwischenfazit – Konsequenzen für Corporate Governance
Eingangs wurde postuliert, dass nur über eine langfristige Unternehmenswertsteigerung schöpfung generiert werden kann Vor dem bisher skizzierten Hintergrund lassen sich in
Wert-Anlehnung an H IRSCH mehrere Implementierungsprobleme der wertorientierten mensführung in der Unternehmenspraxis erkennen:54
Unterneh-¾ Zielplanung
¾ Formulierung ungeeigneter Zielvorgaben,
¾ Planung mit traditionellen Kennzahlen,
¾ Unzureichende Verwendung wertorientierter Planungsmethoden,
¾ Unzureichende Verwendung wertorientierter Bewertungsmethoden und
¾ Unzureichende Berücksichtigung des Risikos im Rahmen der Bewertung
¾ Berichtswesen
¾ Verzicht auf Bericht wertorientierter Kennzahlen und
¾ Probleme bei der Kalkulation wertorientierter Spitzenkennzahlen
¾ Anreizsystem
¾ Verwendung klassischer Kennzahlen als Bemessungsgrundlage und
¾ Bestehende Kultur als Hemmnis der Anpassung der Bemessungsgrundlagen
Die skizzierten Probleme führen dazu, dass die Größen Effizienz und Effektivität und somit die Erreichung einer langfristigen Unternehmenswertsteigerung beeinträchtigt werden Diese ist jedoch für die Erreichung des Ziels der langfristigen Überlebensfähigkeit unabdingbar In Unternehmen bestehen nun mehrere Möglichkeiten, eine bessere Ausrichtung auf dieses lang-fristige Ziel (Effektivität) sowie eine bessere Zielerreichung (Effizienz) zu erreichen.55 CG ist eine dieser Möglichkeiten, Controlling eine andere Im Folgenden wird gezeigt, welche Maß-nahmen geeignet sind, die CG und somit auch indirekt die Voraussetzungen zur Erfüllung der intendierten Unternehmensziele zu verbessern
Trang 264 Mechanismen zur Verbesserung
der Corporate Governance
Informationsasymmetrien und CG-Probleme können im skizzierten Verständnis als Mängel
im betrieblichen Wertschöpfungskreislauf identifiziert werden.56 Durch diese Probleme wird die Wirkungsweise des Kreislaufs aus Erfolgspotenzialen, Erfolg und Liquidität beeinträch-tigt, Effizienz und Effektivität des unternehmerischen Handelns sinken, und letztendlich kann die Erreichung des Ziels der langfristigen Überlebensfähigkeit ebenso wie die Erreichung anderer Unternehmensziele beeinträchtigt werden
Um die CG zu verbessern und letztendlich die Effizienz und Effektivität des Handelns in
Unternehmen zu erhöhen, werden CG-Mechanismen eingesetzt In diesem Zusammenhang werden meist externe und interne Governance unterschieden.57 Interne CG-Mechanismen können durch das Unternehmen gestaltet werden Neben der Eigentümer- und Kapitalstruktur kommt insbesondere der Etablierung und Gestaltung eines Aufsichtsgremiums sowie der geeigneten Ausgestaltung von Belohnungs- und Anreizsystemen besondere Bedeutung zu.58
Im Rahmen der externen Governance können der Markt für Unternehmenskontrolle, der duktmarkt und der Markt für Manager unterschieden werden.59 Als Hybridmechanismus wird die Offenlegung bzw Transparenz betrachtet, welche als Bindeglied zwischen externer und interner CG betrachtet wird.60
Pro-Die zwischen Eigentümer und Managern entstehenden Informationsasymmetrien lassen sich nur durch Mechanismen, nicht durch Verträge regeln, da diese stets unvollständig und somit
unvorhersehbar sind W AGENHOFER unterscheidet drei grundsätzliche Möglichkeiten zur
Re-duktion von Prinzipal-Agent-Problemen:61
¾ Begrenzung von Entscheidungsrechten,
¾ Reduktion von Interessenkonflikten und
¾ Informationsbereitstellung
Zunächst könnte man natürlich die Rechte des Managements zugunsten der nicht im
Unter-nehmen tätigen Eigentümer beschränken Auch wenn hierdurch negative Entscheidungen eingeschränkt werden können, wird gleichzeitig auch der Handlungsspielraum des Manage-
ments in Bezug auf wichtige strategische Entscheidungen beschränkt Die Reduktion von
Interessenkonflikten als Kernbereich von CG lässt sich auf mehrere Arten erreichen Neben
der Einrichtung von Sanktionen können insbesondere Vertrauen und ethisches Verhalten
mögliche Interessenkonflikte zwischen Eigentümern und Management verringern Die
Infor-mationsbereitstellung als weiterer Kernaspekt von CG zielt auf die Verringerung der
56
Dies könnte z.B so interpretiert werden, dass ein hohes Maß an Informationsasymmetrien von potenziellen
Investoren mit Abschlägen auf den Unternehmenswert bedacht wird Vgl Z IPSER (2008), S 56
57
Vgl Z ÖLLNER (2007), S 15 ff., und W AGENHOFER (2009), S 7 Andere Autoren verwenden eine Dreiteilung in
externe CG, interne CG und Transparenz als Hybridmechanismus Vgl L ABBÉ /S CHÄDLICH (2008a), S 310 ff
Trang 27tionsasymmetrie zwischen verschiedenen, im Unternehmen tätigen Akteuren Neben der Überwachung des Vorstands durch den Aufsichtsrat nach § 111 AktG sind insbesondere die betrieblichen Funktionsbereiche Controlling62, Interne Revision63 und Compliance64 in diesen Kontext einzuordnen, da sie Informationen zur Verfügung stellen, welche zur Reduktion von Informationsasymmetrien führen können
Wie W AGENHOFER treffend bemerkt, entstehen durch die angeführten Instrumente der CG selbst wiederum Kosten.65 Diese konkretisieren sich in unterschiedlicher Art und Weise
Zusätzliche Kontrollen und Instrumente wie z B die Anwendung internationaler
Rech-nungslegungstandards verursachen zunächst Mehraufwand und somit Kosten Auch durch
Anreizverträge sowie die Durchsetzung von Rechten und Pflichten aus Verträgen entstehen Kosten
Abbildung 5: Optimaler Einsatz von Governance-Instrumenten66
First-best-Situation
Second-best-Situation
Trang 28Der optimale Einsatz von CG-Instrumenten richtet sich nach deren potenzieller Beeinflussung
des Unternehmenswerts.67 Abbildung 4 präsentiert eine idealisierte Darstellung unter der Voraussetzung, dass CG-Instrumente kontinuierlich wirken Ohne CG befindet sich das Un-ternehmen in der second best solution, der besten aller ohne CG-Instrumente erreichbaren Konstellation.68 Ausgehend vom Ursprung erhöhen die nach steigendem Nutzwert angeordne-
ten CG-Instrumente zunächst den Unternehmenswert.69 Der optimale Zustand ist erreicht, wenn sich Kosten und Nutzen eines zusätzlichen Instruments die Waage halten.70 Da die meisten Richtlinien und Empfehlungen für die Anwendung von CG eher genereller und typi-sierender Natur sind, ist eine individuelle Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen nicht oder nur indirekt durch Verwendung subjektiver Indikatoren (z B Zufriedenheit mit der Wirkungsweise als Annäherung zum wahrgenommenen Nutzen) möglich Da die Wirkungs-weise von CG-Mechanismen, die mit dem Abbau von Informationsasymmetrien in Verbin-dung stehen, recht gut nachvollzogen werden kann, können im Folgenden detaillierte Erläute-rungen zu Beiträgen des Controlling zur CG gemacht werden
Die betriebliche Funktion des Controlling ist Gegenstand eines beispielhaften
wissenschaftli-chen Selbstfindungsprozesses.71 Während sich bisher kein einheitliches Verständnis des trolling durchsetzen konnte,72 ist dessen praktische Relevanz mittlerweile unumstritten.73Kaum ein Unternehmen verzichtet heutzutage auf das Controlling, welches je nach Situation, Unternehmen und Verständnis als Informations-, Planungs-, Steuerungs- und/oder Kontroll-instrument operationalisiert wird Betrachtet man die bereits skizzierte Debatte um CG in Deutschland, verwundert es, welch geringe Rolle das Controlling an dieser Stelle spielt Der DCGK kennt umfassende Controllingkonzeptionen offenbar gar nicht, erwähnt er doch das
Con-Controlling nur ein einziges Mal im Zusammenhang des Risikocontrolling74: „Der Vorstand sorgt für ein angemessenes Risikomanagement und Risikocontrolling im Unternehmen.“75
Autoren aus Wissenschaft und Praxis sprechen sich seit längerem für eine stärkere
Einbezie-hung des Controlling in die Debatte um CG aus, da sich CG und Controlling in Zielen und
Aufgaben nahe stehen.76 Ob und inwiefern das Controlling im Rahmen von CG allgemeine oder spezifische Funktionen übernimmt oder übernehmen sollte, konnte bisher jedoch nicht
thematische Darstellung und Begründung vgl S PREMANN (1989), S 5 ff
Trang 29abschließend geklärt werden Die Antwort auf diese Frage hängt insbesondere von der
ge-wählten Operationalisierung der beiden Konstrukte ab Der folgende Abschnitt widmet sich
folgerichtig den Fragen, welchen Einfluss CG auf das Controlling besitzt und mit welchen Argumenten die unterstützende Funktion des Controlling für CG erklärt werden kann
5.1 Gemeinsamer Handlungskontext
Im vorliegenden Beitrag wurde in Abschnitt 3.1 die Wertschöpfung als Zwecksetzung schaftlichen Handelns definiert, welcher sich in den Facetten Bedürfnisbefriedigung, Be-darfsdeckung und Entgelterzielung konkretisiert:77
wirt-Setzt man das hier verfolgte wertschöpfungsorientierte Controllingverständnis voraus (vgl
Abschnitt 3.2) – so lässt sich ein gemeinsamer Handlungskontext von CG und Controlling
erkennen Hauptaufgabe der CG – verstanden als Leitrahmen für effiziente und effektive
Entscheidungen von Unternehmen – ist es, die Voraussetzungen für die Erreichung der geordneten Zielsetzung von Unternehmen, der langfristigen Überlebensfähigkeit, sicherzu-stellen Unternehmen benötigen aus diesem Begriffsverständnis heraus einen rechtlichen, organisatorischen und informatorischen Ordnungsrahmen.78 Compliance ist als Teilbereich
über-der Unternehmensverfassung zu sehen, welcher sich mit über-der Schaffung und Durchsetzung
von Regelungen befasst, die der Sicherstellung dieses Ordnungsrahmens dienen Risk
Mana-gement wird als prozessintegrierte Ausprägung von Überwachung und Kontrolle interpretiert
Die drei genannten Konstrukte sind jedes für sich auf die Erreichung des Oberzwecks der
Wertschöpfung auszurichten Wenn dem Controlling primär die Aufgabe des initialisierenden
Anstoßens und Ausrichtens des unternehmerischen Handelns auf den Oberzweck der schöpfung zukommt, ist damit zu rechnen, dass das Controlling auch für die jeweiligen Teil-systeme des Supersystems Unternehmen jeweils diesen Zweck übernehmen sollte Folglich ist diese Aufgabe des Controlling auch auf die Bereiche der CG übertragbar
Wert-In Abhängigkeit vom gewählten Abstraktionsniveau lassen sich mehrere Wechselwirkungen
zwischen CG und Controlling unterscheiden:
¾ Mitwirkung des Controlling im Rahmen der CG und
¾ Bereitstellung von Methoden und Instrumenten für CG durch das Controlling
Trang 30Das CG-Controlling interpretiert CG als Objekt des Controlling, welches wie andere Objekte
auch „controlled“ werden kann Hier sind Aspekte der Führungsunterstützung durch gung mit Informationsversorgung, Planung, Entscheidung und Kontrolle, Abstimmung und
Versor-Lokomotion zu nennen Die Unterstützung der CG-Umsetzung durch das Controlling umfasst
Aspekte wie z B das Berichtswesen sowie die Mitgestaltung von Anreizsystemen durch das
Controlling Die Mitwirkung des Controlling im Rahmen der CG ist derart zu interpretieren,
dass das Controlling durch Erfüllung originärer Controlling-Aufgaben wie z B der tionsversorgung selbst zu einem Teilbereich79 guter Corporate Governance wird Nicht zuletzt
Informa-wirkt sich die Aufgabe des Controlling, die Unternehmensführung mit geeigneten Methoden,
Instrumenten und Werkzeugen zu versorgen,80 dahingehend aus, dass diese auch für die cke von CG nutzbar gemacht werden Als Beispiele können Kennzahlensysteme angeführt werden, welche unter anderem als Basis für wertorientierte Anreizsysteme81 genutzt werden können
Im Rahmen des Berichtswesens ist die Informationsversorgungsfunktion durch das
Control-ling hervorzuheben Das ControlControl-ling untersteht hierarchisch dem Vorstand und versorgt sen, aber auch andere Entscheidungsträger und Akteure mit Informationen (siehe Abbildung 5) Die Berichtsfunktion des Controlling kann wiederum in drei Bereiche unterteilt werden:82
die-¾ Informationsbereitstellung für den Lagebericht,
¾ Informationsbereitstellung für die Abschlussprüfung und
¾ Berichterstellung für den Aufsichtsrat.
Trang 31Abbildung 5: (Informations-) Anforderungen an das Controlling83
Die Inhalte von Berichten des Vorstands an den Aufsichtsrat sind in § 90 Abs 1 AktG lich geregelt Die Berichterstellung erfolgt meist in standardisierter Form, z B in Form durch
gesetz-das Controlling vorbereiteter integrierter Kennzahlensysteme.84 Die lung für den Lagebericht bezieht sich auf einen Großteil der dort enthaltenen Informationen, welche durch das Controlling zur Verfügung gestellt werden Dies sind unter anderem die Investitionsplanung, Planungsprämissen für die operative und strategische Planung sowie die Berichterstattung über verwendete Methoden des Risk Management.85
Informationsbereitstel-Die Gestaltung von Anreizsystemen dient der Harmonisierung der Interessen verschiedener
Interessengruppen Dies ist nicht nur, aber besonders für die Vergütung des Vorstands von Bedeutung Während die Festlegung der Vorstandsvergütung weitgehend Aufgabe des Auf-
sichtsrats ist, fällt die Gestaltung von Anreizsystemen für nachgelagerte Hierarchieebenen
dem Vorstand zu Dort ist das Controlling tendenziell in starkem Maße eingebunden, weil es die wertorientierten Bemessungsgrundlagen für derartige Systeme zur Verfügung stellt Eine empirische Erhebung zeigt, dass für Anreizsysteme noch zu selten Wertbeitragskennzahlen verwendet werden.86 Eine der Hauptaufgaben des Controlling im Rahmen von CG muss es
vor dem Hintergrund von Effizienz und Effektivität sein, die Wertorientierung bei der
Gestal-tung von Anreizsystemen weiter voranzutreiben
Manager
Wahrheitsgemäße Offenlegung entscheidungsrelevanter Information (Geschäftsbericht)
Unterstützungsleistung für Entscheidungen
Bestmögliche Unterstützung
der individuellen Vorstandsziele
Vorstand
Wahrheitsgemäße Offenlegung überwachungsrelevanter Informationen
Wahrheitsgemäße Offenlegung prüfungsrelevanter Informationen
Direkte Anforderung
Indirekte Anforderung
Trang 32Das Risikocontrolling ist vor dem Hintergrund von COSO und KontraG87 eine wichtige Funktion des Controlling im Rahmen von CG Der Vorstand ist nach § 91 Abs 2 AktG ver-pflichtet, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um bestandsgefährdende Entwicklungen recht-zeitig zu erkennen Das Risikocontrolling ist Bestandteil eines meist umfassenderen Risk Management-Systems, welches Informationen beschaffen soll, um Risiken identifizieren, analysieren, steuern, überwachen, dokumentieren und kommunizieren zu können Auch wenn dies für das Controlling keine neue Aufgabe ist, wird es durch das KonTraG besonders her-vorgehoben.88
W ALL unterscheidet mehrere Funktionen des Risikocontrolling:89
¾ Bereitstellung von Methodenkompetenz,
¾ Informationsversorgung des Managements und
¾ Etablierung eines internen Risikoreporting.
Die Methodenkompetenz bezieht sich auf spezifische Komponenten, welche durch das trolling bereitgestellt werden Beispiele hierfür sind spezifische Modelle oder Kennzahlen (z B Value at Risk90) Das Management benötigt frühzeitig Informationen über Risiken, um geeig-
Con-nete Entscheidungen treffen zu können In diesem Zusammenhang ist ein
Risikofrüherken-nungssystem91 von besonderer Bedeutung Ein Problem stellt das Ungleichgewicht zwischen Aufwand und Nutzen des Risikocontrolling dar Während sich der Aufwand z B durch Ver-sicherungsprämien relativ leicht bestimmen lässt, ist dies für die positive Wirkung des Risi-
kocontrolling nicht ohne weiteres möglich Die Etablierung eines internen Risikoreporting
dient schließlich der umfassenden Information über geschäftsrelevante Risiken Eine tion des Risikoreporting in das bestehende Berichtswesen ist vorteilhaft und kann z B mit Hilfe integrierter Balanced-Scorecard-Lösungen92 bewerkstelligt werden
Im vorliegenden Beitrag wurde das Controlling als Instrument zur Neuausrichtung und
Un-terstützung eines integrierten Ansatzes der CG vorgestellt Dabei wurde insbesondere die
Größe Wertschöpfung als oberste Zwecksetzung wirtschaftlichen Handelns präsentiert In der
betrieblichen Praxis kommt es regelmäßig zu Unzulänglichkeiten in Bezug auf Effizienz und Effektivität, weshalb der Kreislauf aus Erfolgspotenzialen, Erfolg und Stabilität durchbro-chen, eine Unternehmenswertsteigerung verhindert und letztlich die langfristige Überlebens-fähigkeit beeinträchtigt werden
Trang 33Der CG als Teilbereich eines integrierten Ansatzes für GRC kommt in diesem
Zusammen-hang die Rolle eines Leitrahmens für effiziente und effektive Entscheidungen zu Durch wendung von CG-Instrumenten können Interessen angeglichen und Informationsasymmetrien ausgeglichen werden, welche gleichzeitig einen Großteil der bereits genannten Effizienz- und Effektivitätsmängel ursächlich begründen Zwischen dem Controlling und der CG bestehen Wechselwirkungen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede Beide Konstrukte weisen einen gemeinsamen, auf Wertschöpfung bezogenen Handlungskontext auf Das Controlling ist jedoch, da es dem Exekutivgremium unterstellt ist, kein eigenes, frei verwendbares CG-In-strument Nichtsdestotrotz kann es im Kontext von CG wichtige unterstützende Funktionen
An-übernehmen und zur Reduktion von Agency-Kosten beitragen
Auch wenn sich die Überlegungen zunächst auf eine funktionale Perspektive beschränkten, sollten weitergehende Aspekte in institutioneller, personeller und instrumenteller Hinsicht
diskutiert werden Aus institutioneller Perspektive bietet sich die Integration von GRC in den Händen eines Officers an Dies können der Chief Risk Officer (CRO) oder der Chief Financial
Officer (CFO) an Letzterer ist einerseits der oberste Vertreter der Controllingfunktion in
Un-ternehmen, andererseits prädestiniert für die Verrichtung der Aufgabengebiete GRC
Eine Integration von Controlling und GRC in der Position des CFO könnte für Unternehmen deshalb vorteilhaft sein Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund des Rollenwandels des modernen CFO in Unternehmen zu betrachten Glaubt man jüngsten Studien, übernimmt der CFO nicht mehr nur die Kernaufgaben aus Controlling, Finance und Accounting (CFA) Auf
Basis eines von D ELOITTE entwickelten Rollenbildes93 lassen sich dem modernen CFO die Rollen des Operator, Steward, Strategist und Catalyst zuschreiben (siehe Abbildung 6) Während sich die ersten beiden Facetten auf das ‚klassische Geschäft des CFO, die Sicher-
stellung der Finanzeffizienz und die Sicherung der Vermögenswerte des Unternehmens
bezie-hen, sind die Facetten Strategist und Catalyst relativ neu für den CFO Ihm werden in diesem
Kontext auch die Verantwortung für die strategische Planung sowie aktiv anzustoßende
stra-tegische Veränderungen übertragen Vor dem Hintergrund des vorliegenden Beitrags können
CG und Controlling als separate Aufgabengebiete des CFO diskutiert werden Während sich die CG insbesondere der Facette Steward zuordnen lässt, kann ein zeitgemäß orientiertes Controlling in allen vier Facette identifiziert werden
93
Vgl D /E I U (2007), S 4
Trang 34Abbildung 6: Die vier Facetten des modernen CFO94
Aus institutioneller Sicht ist als zukünftige Veränderung für CG und Controlling zusätzlich
nach der Verabschiedung des BilMoG die nun zwingende Etablierung eines schusses bzw Audit Committees zu nennen.95 Nach § 107 Abs 3 S 2 AktG befasst sich die-ser vor allem mit den Themen Finanzberichterstattung, Abschlussprüfung, Rechnungsle-gungsprozess und Internes Kontrollsystem, Risikomanagementsystem, Internes Revisionssys-tem, Compliance-System und Whistleblowing Die Etablierung des Audit Committees solle
Prüfungsaus-zu einer stärkeren Formalisierung der Beschäftigung mit den Themen GRC bzw CG im
Kon-text der Unternehmensüberwachung führen Aus instrumenteller Sicht lassen sich die
Mög-lichkeiten eines integrierten Ansatzes aus GRC durch Anwendung betriebswirtschaftlicher Softwaretools nutzen Dies geschieht insbesondere durch Unterstützung in den Bereichen Compliance und CG.96
Die Wechselwirkungen zwischen CG und Controlling werden sich vor dem Hintergrund der
aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise sowie dem Rollenwandel des Controlling
wahrschein-lich verstärken Falls das Controlling seinen Weg zu einer integrierten Führungsfunktion
weiter fortsetzt, könnte ihm im Rahmen der zukünftigen CG eine richtungweisende Rolle bezüglich der Sicherstellung eines Optimums an Effizienz und Effektivität des unternehmeri-schen Handelns zukommen
Finanz-Überragende Performance
vorteil
Wettbewerbs-Fokus: Disziplinierte Ausführung
stra tegischer Alternativen
Rolle: Stimuliert Verha
ltens-weisen im Unternehmen, die die
Strategieumsetzung und das
Erreichen fina nzieller Ziele
fördern
Fokus: Pla nungsbeteiligung,
Perfomance und Wertsteigerung
Rolle: Führt a us fina nzieller Sicht
den Strategieprozess und leitet
da ra us die Finanzstra tegie a b
Fokus: Sicherstellung der
Fina nzeffizienz und des Serviceniveaus
Rolle: Sichert den reibungslosen
Fina nzbetrieb und optimiert die administrativen Prozesse
Fokus: Ka pita lsicherung,
Durchführung von Accounting und
Controlling
Rolle: Schutz und Sicherung der
Vermögenswerte des
Unternehmens
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Trang 39als Mitursache der Finanzkrise
Fern-Universität Hagen, Universität Trier
und Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
1 Finanzkrise und angelsächsische Bewertungstheorie 31
2 Neoklassische Bewertungsmodelle als Irrweg
in der Unternehmens- und Investitionsbewertung 322.1 Bewertungstheoretische Defizite neoklassischer Bewertungsmodelle 322.2 Neoklassische Bewertungsmodelle als Krisenverstärker 33
3 Das „fair value accounting“ als Irrweg
in der Rechnungslegung 343.1 Bewertungstheoretische Defizite des „fair value“ 343.2 Der „fair value“ als Krisenverstärker 36
4 Betriebswirtschaftliche Bewertungstheorie als Voraussetzung für die Genesung des Finanzsystems 37
5 Schlussbetrachtung 40Quellenverzeichnis 40