Online-Tests zur Vorauswahl einzusetzen bedeutet, dass der Bewerber noch voreinem aufwendigen persönlichen Gespräch einen oder auch mehrere Tests durch-führen kann... Dabei dienen die je
Trang 2Grundlagen und Anwendung von Online-Tests
in der Unternehmenspraxis
Trang 468309 Mannheim
ISBN 978-3-540-78918-5
Springer Medizin Verlag Heidelberg
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über-Planung: Dipl.-Psych Joachim Coch
Projektmanagement: Meike Seeker
Lektorat: Dr Karen Strehlow, Berlin
Layout und Einbandgestaltung: deblik Berlin
Einbandabbildung: Project Photos; Fotograf: Reinhard Eisele
Satz: Crest Premedia Solutions (P) Ltd., Pune, India
SPIN: 1205539
Trang 5Die Auswahl der passenden Bewerber und die Entwicklung der Mitarbeiter sind fürUnternehmen von fundamentaler Bedeutung Die psychologische Forschung leistet ihrenBeitrag zur Verbesserung von Personalentscheidungen, indem sie Instrumente entwickelt,mit deren Hilfe die Fähigkeiten und Potenziale von Personen festgestellt werden können.Obwohl der Bereich »Eignungsdiagnostik«, also der Forschungszweig der Psychologie,der sich mit dem Thema »Berufliche Kompetenz und Entwicklung von Testverfahren«befasst, schon sehr alt ist, werden die Erkenntnise in Unternehmen immer noch relativselten als Basis für Personalentscheidungen genutzt
Es stellt sich die Frage, weshalb Organisationen, die von Psychologen entwickeltenMethoden und Instrumente nicht einsetzen, obwohl der Nutzen vor allem auch in mo-netärer Hinsicht so offensichtlich ist Psychologische Testverfahren reduzieren nicht nurdie Zahl von personellen Fehlentscheidungen, sondern tragen auch zur Wertsteigerung
im Unternehmen bei, wenn sie zum Beispiel als Analyse-Tools zur Identifikation vonPotenzialen und Leistungsträgern eingesetzt werden
Ein Grund für den zögerlichen Einsatz von Testverfahren in deutschen Unternehmenist die betriebliche Mitbestimmung in Form eines Betriebsrates Einem Bewerber undeinem Mitarbeiter dürfen keine Testverfahren vorgelegt werden, die nicht vorher vomBetriebsrat geprüft wurden Das bedeutet einen hohen organisatorischen Aufwand, wes-halb Personalleiter oft darauf verzichten Das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG)könnte sich hier positiv auf den Einsatz von standardisierten Testverfahren auswirken,
da Personalentscheidungen transparent gemacht werden müssen, um Diskriminierung
Online-Tests setzen an diesem Punkt an und vereinfachen in erster Linie den Ablaufdes Testeinsatzes für die Personalabteilung Vernachlässigt man weitere Vorteile von On-line-Tests, so ist bereits damit eine große organisatorische Hürde genommen und es zeigtsich, dass Tests nun häufiger eingesetzt werden
Online-Tests sind vielfältiger einsetzbar als Papier-Bleistift-Tests oder als ne-PC-Lösungen Geht man von der Personalauswahl aus, bieten sich mehrere Einsatz-felder an:
Stand-alo-Online-Tests auf der Homepage des Unternehmens führen zu einer Selbstselektionder Bewerber, damit erhöht sich prozentual der Anteil geeigneter Bewerber aus derGesamtmenge
Online-Tests zur Vorauswahl einzusetzen bedeutet, dass der Bewerber noch voreinem aufwendigen persönlichen Gespräch einen oder auch mehrere Tests durch-führen kann
5
5
Trang 6Online-Tests im Rahmen von Assessment-Centern vereinfachen die tung und den Ablauf, die automatisch generierten Ergebnisse können gleich vor Ortmit den Kandidaten besprochen werden.
Datenverwal-Last but not least werden Online-Tests im Rahmen der Personalentwicklung eingesetzt.Damit kann zum Beispiel der Schulungsbedarf der Mitarbeiter einer Abteilung festgestelltwerden Online-Tests können die Basis für Coaching-Maßnahmen darstellen Online-Tests können zur Identifikation von Führungspotenzialen bei Mitarbeitern eingesetztwerden, um eine Rekrutierung von Führungsnachwuchs aus den eigenen Reihen zuunterstützen Auf jeden Fall stellen sie einen Service der Personalabteilung an die Mit-arbeiter dar, um die persönliche und berufliche Entwicklung zu fördern
Weitere Einsatzgebiete ergeben sich in der Karriereberatung, im Coaching oder alsZusatzservice von Medienportalen
Das vorliegende Buch ist in drei Teile gegliedert Der erste Teil befasst sich mit schaftlichen und technischen Grundlagen von Online-Tests
wissen-Der zweite und größte Teil umfasst Praxisbeispiele aus kleineren und größeren nehmen Als erstes werden hier Anwendungen von Online-Tests im Personalmarketingbeschrieben, die die Funktionen von Attraktion und Selbstselektion erfüllen Es folgenPraxisbeiträge zu den Themen »Personalauswahl, Personalentwicklung, Coaching, Trai-ning und Self-Assessments«
Unter-In den einzelnen Kapiteln wird zuerst immer der Kontext vorgestellt, in welchem dieTests zum Einsatz kamen, dann werden die Verfahren und der Ablauf vorgestellt undzuletzt der Nutzen geschildert Tipps, Tabellen und Abbildungen veranschaulichen dasBeschriebene
Im letzten Teil geht es um Trends, wobei neuere Entwicklungen vorgestellt und sungswege für kleinere und mittlere Unternehmen aufgezeigt werden Eine kommentier-
Lö-te Übersicht mit AnbieLö-ter-Links schließt das Buch ab
An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei allen Autoren bedanken, die diesesBuch mit ihren Beiträgen bereichert haben
Zwei Menschen aber bin ich besonders zu Dank verpflichtet: erstens meinem Mann,
Dr Detlef Steiner, der mir vor zwei Jahren die rhetorische Frage stellte »Weshalb schreibst
du nicht selber ein Buch zu dem Thema?« und zudem Herrn Coch, vom Springer-Verlag,der den Mut hatte, das Projekt mit mir zu starten, und der den gesamten Prozess intensivbetreut hat
Ebenfalls bedanken möchte ich mich bei Frau Dr Strehlow, der Lektorin, die sehrengagiert bei der Entstehung dieses Buches mitgewirkt hat
Meinen Töchtern Anna und Pia widme ich dieses Buch, weil sie mich im vergangenenJahr vor allem am Laptop sitzend wahrgenommen haben, und ich hoffe, dass daraus keinebleibenden Schäden entstanden sind
Ihnen, meine lieben Leser, wünsche ich, dass Sie ein interessantes Buch in IhrenHänden halten, das Sie bei Ihrer Arbeit unterstützt, Ihnen Potenziale und Wege aufzeigt,wie Sie Ihren Mehrwert im Unternehmen steigern können, damit die Personalarbeit inUnternehmen den Platz einnimmt, den sie verdient ‒ nämlich als strategisch bedeutsameFunktion
Mannheim, im Frühjahr 2009
Heinke Steiner
5
Trang 7I Grundlagen 1
1 Aktueller Stand zum Thema
Online-Tests 3
Susanne Geister, Daniela Rastetter
2 Online-Tests aus
diagnostisch-methodischer Sicht 17
Niclas Schaper
3 Einsatz von Online-Tests
aus technischer Sicht 37
Christine Kirbach, Heinrich Wottawa
6 Anwerben von Ingenieuren im
8 Mehrstufiges Auswahlverfahren mit
Online-Assessments bei der Lufthansa 105
Jürgen Wiedmann
9 Interne Stellenbesetzung innerhalb der Conergy Gruppe mit dem verhaltensbasierten Fragebogen
»Predictive Index« 127
Anja Wurow
10 Der Online-Postkorb als Bestandteil eines klassischen Assessment-Centers bei der Deutschen Bahn AG 141
Heike Mönig, Sabine Gröben
IV Einsatzbereich Personalentwicklung 159
11 Einführung: Online-Tests in der Personalentwicklung 161
Heinke Steiner
12 Online-Selbstcoaching 167
Thomas Rak, Christoph Nagler
13 360-Grad-Feedback online bei einem großen Versicherungsunternehmen 181
Martin Irmler, Sandra Eggelhöfer
14 Online-Tests in der Führungskräfteentwicklung der Bremer Landesbank 195
Trang 817 Online-Potenzialanalyse als Service
von Portalen am Beispiel des Schweizer Fernsehens 231
Daniela Spahr, Adela Burkhardt,
Rahel Sahli
18 Einsatz eines Online-Tests
zur Erfassung interkultureller
Trang 960486 Frankfurt/Main
Nagler, Christoph,Dipl.-Psych.
CNT Gesellschaft für Personal- und Organisationsentwicklung GmbH Kleine Johannisstr 20
20457 Hamburg
Rak, Thomas,
topoi Consulting GmbH Georg-von-der-Vring-Str 9
73614 Schorndorf
Rastetter, Daniela,Prof Dr.
Universität Hamburg Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Fachbereich Sozialökonomie Von-Melle-Park 9
20146 Hamburg
Sahli, Rahel,
Wirtschaftsmagazin ECO Schweizer Fernsehen Fernsehstr 1–4
8052 Zürich, Schweiz
Schaper, Niclas,Univ.-Prof Dr.
Lehrstuhl für und Organisationspsychologie Fakultät für Kulturwissenschaften Universität Paderborn
80805 München
Wottawa, Heinrich,Prof Dr Ruhr-Universität Bochum Fakultät für Psychologie
AE Methodenlehre, Diagnostik und Evaluation
Trang 10Kapitel 1 Aktueller Stand zum Thema Online-Tests – 3
Susanne Geister, Daniela Rastetter
Kapitel 2 Online-Tests aus diagnostisch-methodischer Sicht – 17
Niclas Schaper
Kapitel 3 Einsatz von Online-Tests aus technischer Sicht – 37
Wolfgang Laier
Trang 11Aktueller Stand zum Thema
Online-Tests
Susanne Geister, Daniela Rastetter
Bereichen der Personalarbeit – 4
Literatur – 15
Trang 121 1.1 Einleitung
In zunehmendem Maß setzen Unternehmen internetbasierte Dienstefür verschiedene Aufgaben ein E-Commerce, also der Austausch vonWaren und Dienstleistungen über das Internet, und E-Business, derEinsatz von vernetzten Informations- und Kommunikationstechno-logien zur effizienteren Geschäftsabwicklung erfreuen sich einer an-haltend steigenden Verbreitung (Graumann & Neinert, 2005)
So verwundert es nicht, dass auch in der Personalarbeit verstärktinter- und intranetbasierte Instrumente Verwendung finden Unter
»e-HR«, »webbased HR« oder »eHRM« (electronic Human ResourceManagement) wird die integrierte Optimierung der Personalprozes-
se unter konsequenter Nutzung neuer webbasierter Technologien füralle Personalbereiche verstanden (Wolff, 2002) Die Webbasierung er-möglicht mittels räumlicher und zeitlicher Entkoppelung den Schrittvon der Funktionsorientierung zur Prozessorientierung und stelltdamit mehr als lediglich eine elektronische Variante der bisherigenPersonalarbeit dar
Mit eHRM können personalwirtschaftliche Funktionen ander gekoppelt und gesamte Prozessketten, angefangen vom Anwer-ben neuer Mitarbeiter über die Auswahl bis hin zur Einstellung undPersonalverwaltung, abgebildet werden Auf diese Weise sollen HR-Prozesse verbessert, die Kosten von HR-Transaktionen reduziert unddie Mitarbeiter in Personalabteilungen von administrativen Aufgabenbefreit werden, sodass sich diese verstärkt mit strategischen Personal-fragen befassen können (Stone, Stone-Romero & Isenhour, 2004)
mitein-In diesem Kapitel wird zunächst der Einsatz webbasierter mitein-mente in der Personalarbeit überblicksartig beschrieben Nach einerAbgrenzung des Einsatzes im Personalmarketing, der Personalaus-wahl und der Personalentwicklung erfolgt eine Konzentration aufden Bereich der Personalauswahl Verschiedene Testverfahren derPersonalauswahl werden vorgestellt, bevor deren Eignung für einenwebbasierten Einsatz beleuchtet wird Exemplarisch wird am Beispieldes Unternehmens Gruner + Jahr der mehrstufige Auswahlprozessgeschildert Abschließend werden die Vor- und Nachteile von Online-Tests und die damit verbundenen Herausforderungen beschrieben
verschiedenen Bereichen der Personalarbeit
Webbasierte HR-Instrumente im Allgemeinen und Online-Tests imBesonderen gehören zur innovativsten Entwicklung computerge-stützter Personalarbeit, die in den 1970er Jahren mit Computerversio-nen von Papier-und-Bleistift-Verfahren begann Drei hauptsächlicheEinsatzbereiche zur Unterstützung der Personalarbeit bieten sich an:
eHRM nimmt zu
Vorteile des eHRM
Trang 13das Personalmarketing, die Personalauswahl und die
Personalent-wicklung ( Abb 1.1)
Im Bereich Personalmarketing dienen webbasierte Instrumente
vor allem dazu, die Bewerber auf das Unternehmen aufmerksam zu
machen und ihr Interesse zu wecken Unter dem Begriff
»E-Recrui-ting« werden verschiedene Methoden des Anlockens von
potenziel-len Bewerbern via Intra- und Internet verstanden (Konradt & Sarges,
2003) E-Recruiting oder auch e-Cruiting besitzt von allen
Anwendun-gen des eHRM den längsten Erfahrungshintergrund und die größte
Verbreitung (Staufenbiel & Giesen, 2000; Weitzel, König, Eckhardt
& Laumer, 2008) So schalten 89% der deutschen Großunternehmen
häufig oder sehr häufig Stellenanzeigen im Internet, und immer mehr
Einstellungen kommen über webbasierte Kanäle zustande, während
die Printmedien an Bedeutung verlieren (Weitzel et al., 2008) Auch
von Seiten der Arbeitssuchenden wird das E-Recruiting-Angebot der
Unternehmen zunehmend genutzt In Nordamerika belegt die
Job-suche sogar den vierten Platz der getätigten Online-Aktivitäten, nach
dem E-mailen, dem Lesen aktueller Nachrichten und der
Wettervor-hersage (Graumann & Neinert, 2005)
Als Teil des E-Recruiting bieten Jobbörsen und einige große
Unternehmen Online-Tests in Form von anonym durchführbaren
Selbsttests (Self-Assessment) an In diesen Tests sind Aufgaben und
Anforderungen des jeweiligen Unternehmens enthalten, mit deren
Hilfe der Nutzer seine persönliche Eignung prüfen kann Ziel ist es,
sowohl Unternehmen als auch Arbeitssuchenden ungeeignete
Bewer-bungen zu ersparen Wenn Informationsvermittlung, Unterhaltung
sowie Leistungs- oder Self-Assessment-Anteile kombiniert werden,
wird von »Recruitainment« gesprochen Recruitainment kann die
Motivation für einen Besuch der Internetseite und die Durchführung
Einsatz im Personalmarketing
Einsatz im Personalmarketing
1.2 · Einsatz webbasierter Instrumente
Vorauswahl (Screening) und Auswahl der Bewerber
Bedarfsermittlung und Evaluation der Maßnahmen
Einsatz-bereich Ziel
Angesprochene Personen
Abb 1.1 Einsatzbereiche und
Ziele webbasierter Instrumente in der Personalarbeit
Trang 141 der Tests erhöhen und einen Beitrag zur Selbstselektion der Bewerberleisten (Kirbach & Rothermel, 2005;7 Einsatzbereich
& Kirbach, 2006), die Überbegriffe für Online-Tests darstellen (▶ satzbereich Personalauswahl)
Ein-Im Rahmen der Personalentwicklung werden webbasierte mente angewendet, um den Bedarf an Personalentwicklungsmaßnah-men abzuschätzen, deren Erfolg zu evaluieren oder Potenzialanalysenvorhandener Mitarbeiter durchzuführen Zudem gibt es in steigen-dem Maß E-learning-Angebote, also elektronisch gestützte Formendes Lernens, die der Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter dienen.Online-Tests können in diesem Bereich zur Auswahl oder Selbstse-lektion für Weiterbildungsangebote und Auslandsentsendungen oderals Teil von E-learning-Modulen genutzt werden (▶ Einsatzbereich Per- sonalentwicklung)
Instru-In diesem Beitrag erfolgt ein erster Überblick zur Verwendungund eignungsdiagnostischen Relevanz von Online-Tests am Beispieldes Einsatzbereiches Personalauswahl Welche Verfahren existieren
in diesem Feld und für welche bietet sich ein Einsatz im Inter- undIntranet an?
Ziel der Personal(vor)auswahl ist es, aus den Bewerbern geeigneteKandidaten auszuwählen Eignung bedeutet dabei, dass die Fähig-keiten und Kompetenzen eines Bewerbers zu den Anforderungen desArbeitsplatzes passen, für den er sich bewirbt Dabei dienen die je-weiligen Auswahlverfahren, ob online oder nicht, als Mittel zur Iden-tifikation der Kompetenzen des Bewerbers, die sich prinzipiell erstnach der Einstellung im Arbeitsalltag manifestieren (Rastetter, 1996).Während in der Vorauswahl durch IT-Unterstützung hohe Bewerber-zahlen bewältigt werden können, liegt ihr Potenzial bei der Personal-auswahl in der schnellen und flexiblen Handhabung eignungsdiag-nostischer Verfahren ( Abb 1.2)
In der ersten Generation der Computertechnik wurden viele Tests
in eine Computerversion, jedoch in Offline-Anwendung, übertragen.Die IT-Form ermöglicht u a eine flexiblere Gestaltung der Tests so-
Trang 15wie die Messung von Bearbeitungs- und Reaktionszeiten Ein großer
Pluspunkt ist die Möglichkeit interaktiver Formate, wenn der
Teil-nehmer beispielsweise bestimmte Informationen für die Lösung einer
Aufgabe einholen muss oder wenn die Schwierigkeit der nächsten
Aufgabe an die bisherige Testleistung angepasst wird (adaptives
Tes-ten) Online-Versionen stellen die neueste Generation
computerisier-ter Testung dar Es liegt auf der Hand, dass durch dieses Vorgehen
erhebliche Ressourcen eingespart werden, da der zeit- und
personal-intensive persönliche Kontakt entfällt und nicht geeignete Bewerber
schnell und unaufwändig verabschiedet werden können (Schuler,
2006)
Im Folgenden sollen einzelne für die Online-Anwendung
beson-ders geeignete Testverfahren vorgestellt werden:
Testverfahren für die Online-Anwendung
Intelligenz- und Leistungstests (insbesondere spezifische
Intelligenz- und Leistungstests
Die Übertragung allgemeiner Intelligenztests und spezifischer
Leis-tungstests in ein Webformat erweitert die Nutzungsmöglichkeiten
hinsichtlich raum- und zeitunabhängiger Testung und hinsichtlich
der Geschwindigkeit der Entscheidungsfindung Die allgemeine
In-telligenz erwies sich in unzähligen Studien als der Prädiktor mit der
höchsten Validität für die zukünftige Leistung (Schmidt & Hunter,
2000) Der Intelligenztest wird hierzulande insbesondere für
Auszu-bildende und Berufsanfänger mit keiner oder wenig Berufserfahrung
eingesetzt In der allgemeinen Personalauswahl ist er kaum etabliert,
vermutlich weil der berufliche Bezug für die Beteiligten nicht direkt
ersichtlich ist (Knoll & Preuss, 2003) In Bezug auf Intelligenz- und
Szenarios Assessment-Center
Einsatz von Online-Testverfahren
im Bereich Personal(vor)auswahl
Abb 1.2 Einsatz von
Online-Verfah-ren in der Personal(vor) auswahl
Trang 161 Leistungstests (vor allem kognitive Tests, die beispielsweise Konzen-tration oder Reaktionsschnelligkeit prüfen) sehen die Unternehmen
ein großes Potenzial für zukünftige Vereinfachungen durch tionstechnologien Die Äquivalenz dieser Tests zur Papierform ist je-doch z T problematisch (Schuler, 2006), insbesondere wenn sie unterZeitbegrenzung appliziert werden Eine Überprüfung der Übertrag-barkeit und Äquivalenz sowie ggf eine Anpassung der Normen er-scheint vor dem Einsatz webbasierter kognitiver Verfahren ratsam(Konradt, Lehmann, Böhm-Rupprecht & Hertel, 2003)
Informa-Fachspezifische Wissenstests
Einen stärkeren Bezug zum jeweiligen Beruf bieten fachspezifischeFragebögen, die Fachwissen oder individuelle Potenziale abprüfenund von wesentlich mehr Unternehmen eingesetzt werden als Intelli-genz- und Leistungstests
Persönlichkeitstests
Eine weitere Möglichkeit eignungsdiagnostischer Online-Tests steht darin, klassische papierbasierte Persönlichkeitsfragebögen ineine webbasierte Variante zu übertragen Anhand von Persönlichkeits-fragebögen werden subjektive Einschätzungen der Bewerber über dieeigene Person erfasst Persönlichkeitsskalen wie die Big Five (Gewis-senhaftigkeit, Extraversion, Emotionale Stabilität, Liebenswürdigkeit,Offenheit) oder auch Skalen zur Motivation, zur Einstellung oder zuden Interessen der Bewerber können einfach und schnell erhoben,ausgewertet und für den Selektionsprozess zur Verfügung gestelltwerden Untersuchungen zeigen, dass webbasierte Persönlichkeits-fragebögen hinsichtlich ihrer Zuverlässigkeit (Reliabilität) und Ak-zeptanz mit klassischen Papier-und-Bleistift-Fragebögen vergleichbarsind (Hertel, Naumann, Konradt & Batinic, 2002) Ihre Güte für dieBerufseignungsdiagnostik – ob Papierform oder online – ist jedoch jenach Berufsgruppe differenziert zu betrachten (Schuler, 2006;▶ Kap 2Online-Tests aus diagnostisch-methodischer Sicht)
be-Kombination von Verfahren
In der Regel werden zur Erhöhung der Validität verschiedene fahren eingesetzt Beispielsweise kombinierten Konradt, Hertel undJoder (2003) Persönlichkeitsskalen mit einem kurzen Konzentra- tions- und Aufmerksamkeitstest, bei dem in einer vorgegebenenZeit Zeichen am PC-Bildschirm identifiziert werden müssen Beider Vorauswahl von Call-Center Agenten wies dieses Auswahlinst-rument eine zufriedenstellende prognostische Validität und Akzep-tanz auf Auch in einer Untersuchung von Knoll und Preuss (2003)mit Hochschulabsolventen im Finanzdienstleistungsbereich führtedie Verknüpfung von Verfahren zu einer besseren (Vor)Auswahl vonBewerbern Anhand internetbasierter Persönlichkeitsfragebögen und Leistungstestskonnte die Quote geeigneter Kandidaten, die fürnachfolgende Assessments eingeladen wurden, von 30 auf 50% gestei-
Ver-Big Five online
Trang 17gert werden Für den kombinierten Einsatz verschiedener Verfahren
gibt es Testsysteme bzw Testplattformen, die eine Zusammenstellung
geeigneter Tests erlauben (Konradt & Hertel, 2004)
Arbeitsproben
Neben konstruktorientierten Tests werden sog
simulationsorien-tierte Verfahreneingesetzt, die stärker auf die Beurteilung des
kon-kreten Verhaltens eines Bewerbers abzielen Sie zeichnen sich durch
möglichst realitätsnahe Simulationen beruflicher Aufgaben aus und
können schriftlich, mündlich, sozial-interaktiv oder multimedial
durchgeführt werden Ein Beispiel dafür ist die Arbeitsprobe Sie
wird entwickelt, indem Experten aus dem Unternehmen
beispielswei-se mit Hilfe der Methode der kritischen Ereignisbeispielswei-se Situationen ihres
beruflichen Alltags beschreiben und diesen mögliche Antworten
bzw Handlungsoptionen zuordnen, die unterschiedlich angemessen
und Erfolg versprechend sind Durch das Vorgeben der Antworten
in einem Multiple-Choice-Format wird die Objektivität erhöht und
die Auswertbarkeit erleichtert In anderen Varianten kann auch das
sequenzielle Vorgehen des Bewerbers während der Arbeitsprobe
er-fasst werden Arbeitsproben erfreuen sich einer hohen Beliebtheit in
Unternehmen, weil das Format speziell auf den
Unternehmenskon-text und die konkrete Arbeitssituation zugeschnitten werden kann
(Hiltmann & Kirbach, 2006) Für Bewerber erhöhen sich Transparenz
und Arbeitsbezogenheit des Verfahrens, zumeist kann es auch
inter-essanter gestaltet werden als abstrakte Leistungstests Die
prognos-tische Güte der Arbeitsprobe hängt letztlich von der Sorgfalt ihrer
Konstruktion ab
Szenarios
Aufwändiger sind computergestützte Szenarios, die offline oder
on-line die Steuerung komplexer dynamischer Systeme oder Prozesse
verlangen, welche mit einer mehr oder weniger realitätsnahen
Rah-menhandlung versehen sind (Schuler, 2006) In Form von
Unterneh-mensplanspielen sind sie auch für Personalmarketingzwecke
einsetz-bar Ihr Potenzial für diagnostische Zwecke hängt auch hier von der
Sorgfalt der Konstruktion des Verfahrens ab, da der Rückschluss auf
»echtes« Problemlöseverhalten nicht immer legitim ist
Assessment-Center
Werden mehrere Auswahlverfahren in einem Assessment-Center
(AC) kombiniert, können 6–12 Bewerber in einer Gruppe getestet
werden Instrumente eines Assessment-Centers sind typischerweise
Fragebogenverfahren, Arbeitsproben wie z B Postkorbaufgaben,
Interviews, Gruppendiskussionen oder Projektaufgaben.Fast ein
Viertel (23,8%) der größten deutschen Unternehmen setzt
Assess-ment-Center zur Personalauswahl ein (Weitzel et al., 2008) Obwohl
sich die Unternehmen auch hier eine stärkere IT-Unterstützung
wün-schen, wird das Potenzial für eine weitere Webbasierung als weniger
Simulationen bilden den beruflichen Alltag ab
Simulationen bilden den beruflichen Alltag ab
Assessment-Center erfreuen sich großer Beliebtheit
Assessment-Center erfreuen sich großer Beliebtheit
1.3 · Testverfahren in der Online-Anwendung
Trang 181 hoch erachtet, weil beim AC der persönliche Kontakt eine große Rollespielt Jedoch können vor allem Postkorbaufgaben computerbasiert
durchgeführt werden, was eine große organisatorische Entlastunggegenüber den Papierversionen darstellt Bei diesen Aufgaben müs-sen die Bewerber in einer bestimmten Zeit verschiedene Anfragen,Termine und Informationen koordinieren, um ihre Arbeitseinteilung,Zielorientierung und Schnelligkeit zu erfassen (Konradt & Hertel,2004) Kleinere Postkorbaufgaben können auch online einem AC-Verfahren vorgeschaltet werden, um den Bewerberkreis für das teure
AC zu verkleinern Vor allem, wenn der spätere Arbeitsalltag durch
IT geprägt ist, haben computerbasierte Postkorbaufgaben ihre rechtigung Denkbar ist auch, Kommunikationssituationen im Netz
Be-zu schaffen, bei denen die Bewerber eine gemeinsame Aufgabe lösenmüssen (Kirbach, Montel, Oenning & Wottawa, 2004) Da hierbeiweniger Informationskanäle zur Verfügung stehen als bei Face-to-face-Diskussionen, ist die Äquivalenz solcher Gruppen-Chats zu her-kömmlichen Gruppendiskussionen zu prüfen
Zur Zeit besteht der überwiegende Teil internetbasierter ren aus fragebogenorientierten Verfahren, bei denen ‒ von Ausnah-men abgesehen ‒ die technischen Möglichkeiten der Interaktivitätund Multimedialität nicht ausgeschöpft werden Da die Praxis hier eingroßes Potenzial sieht, wird die Entwicklung aber vermutlich rasant
Verfah-zu immer ausgefeilteren webbasierten Testformen fortschreiten
Ein großes Potenzial besteht
Ein Beispiel für einen mehrstufigen Auswahlprozess mit hohen Online-Anteilen liefert das Unternehmen Gruner + Jahr (Weitzel
et al., 2008): Im Rahmen des Internetauftritts des Unternehmens
wird im ersten Schritt ein Self-Assessment angeboten, das sich an
Studierende und Hochschulabsolventen wendet Auf spielerische Art können die Interessenten Informationen über die Trainee- programme erhalten und ihre Interessen und Qualifikationen mit den Berufsbildern des Unternehmens abgleichen Das Self-As- sessment ist als eine Art Rollenspiel konzipiert, bei dem sich der Interessent in der virtuellen Arbeitsumgebung des Unternehmens aufhält und dabei gleich einen realitätsnahen Einblick in den Berufsalltag erhält Er bekommt Feedback über sein Abschnei- den und kann selbst entscheiden, ob er sich bewirbt oder nicht Dieses Angebot wird jeden Monat von mehr als 500 Teilnehmern genutzt Im zweiten Schritt werden aus den über Online-Formu- lare eingegangenen Bewerbungen geeignete Kandidaten zum
Online-Assessment eingeladen Auch hier müssen die Bewerber
in einer spielerischen virtuellen Umgebung Aufgaben lösen, z B das Analysieren von Tabellen, die Vorbereitung von Präsentatio-
Trang 191.4 Chancen und Grenzen von Online-Tests
Durch den Einsatz von Online-Tests wird eine Reihe von Chancen
ermöglicht, die sich jedoch nur dann realisieren lassen, wenn die
Grenzen von Online-Tests beachtet und angemessen auf die
Heraus-forderungen reagiert wird In Tab 1.1werden die Vor- und
Nach-teile webbasierter Personalauswahlinstrumente überblicksartig
dar-gestellt, bevor sie anschließend erläutert werden (vgl Hiltmann &
Kirbach, 2006; Konradt & Hertel, 2004; Tippins et al., 2006)
Vorteile
Im Folgenden werden zunächst die Vorteile beim Einsatz von
Online-Tests beschrieben Einige davon entsprechen den allgemeinen
Vor-teilen durch den Einsatz von Informations- und
Kommunikations-technologien So besitzen Online-Tests im Vergleich zu traditionellen
Methoden eine hohe zeitliche und räumliche Reichweite Der
zuneh-menden Globalisierung auf dem Arbeitsmarkt wird Rechnung
getra-gen, indem die Nutzer die Tests zeit- und ortsunabhängig bearbeiten
können und sich nicht an bestimmte Öffnungszeiten oder Termine
halten müssen Lange Anfahrtswege und hohe Reisekosten entfallen
Durch die Zeitersparnis, die sich aus der Automatisierung
ergibt, können sich Mitarbeiter der Personalabteilungen
verstärkt auf strategische Aufgaben konzentrieren.
Aus Sicht des Unternehmens ergeben sich weitereEinsparpotenziale:
Angefangen bei der Annahme von Bewerbungen, dem ersten
Scree-nen der Bewerbungsunterlagen über die Vorauswahl und Auswahl
geeigneter Bewerber bis hin zur Kommunikation mit den Bewerbern
und der unternehmensinternen Weitergabe von Informationen
kön-nen Geschwindigkeit und Genauigkeit des Prozesses insbesondere
bei großen Bewerberzahlen erhöht werden Es wird damit möglich,
ein komplettes Auswahlverfahren auch für hohe Bewerberzahlen in
>
Hohe zeitliche und räumliche Reichweite
Hohe zeitliche und räumliche Reichweite
Hohe Geschwindigkeit und Genauigkeit
Hohe Geschwindigkeit und Genauigkeit
1.4 · Chancen und Grenzen von Online-Tests
nen oder das Bearbeiten der Personaleinsatzplanung, diesmal
jedoch nicht mehr anonym Nach Abschluss des
Online-As-sessments werden die Ergebnisse der Kandidaten direkt in das
Bewerbermanagementsystem des Unternehmens gespielt und
mit den übrigen Informationen (biografische Daten etc.)
abge-glichen Auf dieser Grundlage wird entschieden, wer im dritten
Schritt zum Assessment-Center vor Ort und zu persönlichen
Gesprächen eingeladen wird So ermöglicht die
E-Recruiting-Wertschöpfungskette bei Gruner + Jahr eine effiziente
Personal-auswahl, mit der eine Employer-Branding-Wirkung erzielt wird
und die bei Bewerbern auf eine hohe Akzeptanz stößt.
Trang 20etwa 3 Wochen abzuschließen (Kirbach et al., 2004) Die Zeitspannebis zur Entscheidung wird verkürzt und damit das Risiko verringert,attraktive Kandidaten zu verlieren Mit den erweiterten Möglichkei-ten der Datenauswertung können zudem mehr Informationen objek-tiv und homogen verarbeitet und damit die Auswahlentscheidungenverbessert werden Die Genauigkeit der Vorauswahl nimmt zu, dadie Kriterien standardisiert überprüft werden können, während dastraditionelle Bewerbungsunterlagenscreening durch Sachbearbeiterhäufig unsachgerecht und unter Zeitdruck erfolgt Voraussetzung fürdie Realisierung dieser Vorteile ist die Güte der Verfahren (▶ Kap 2Online-Tests aus diagnostisch-methodischer Sicht) Schätzungengehen davon aus, dass durch Online-Verfahren 500−1000 € wenigerKosten pro aussortiertem Bewerber anfallen (Schupelius, 2004).Ein weiterer Vorteil des Einsatzes von Online-Tests besteht da-rin, dass die Anforderungen an Bewerber und die Entscheidungs-regeln zur Einstellung im Unternehmen diskutiert und genau fest-gelegt werden müssen und somit die Forderung nach Explikation der Entscheidungsregeln(gem DIN 33430, s Hornke & Winterfeld,2003) erfüllt wird Sind die Entscheidungsregeln festgelegt, erfolgtdie Überprüfung der Auswahlkriterien für jeden Teilnehmer objek-tiv, homogen und transparent Durch den wiederholten Einsatz wirddarüber hinaus einesystematische Überprüfbarkeit der Güte des Verfahrensund langfristige Verbesserung ermöglicht RedundanteVerfahrensbestandteile, auch bei nachfolgenden traditionellen Ver-fahren, lassen sich anpassen oder reduzieren Im Einzelfall können
so z B zweitägige Assessment-Center auf einen Tag verkürzt werden(Konradt & Hertel, 2004)
Genauigkeit
Gewährleistung der Datensicherheit
Flexible Einsatzmöglichkeiten Hoher Aufwand für Aufbau, Pflege und Administration Objektive, homogene und transparente Überprüfung
der Kriterien
Gezielte Verfälschbarkeit möglich
Explikation der Entscheidungsregeln Persönlicher Kontakt wird reduziert
Systematische Überprüfbarkeit der Güte und
langfris-tige Verbesserung möglich
Arbeitsrechtliche Anforderungen beachten
Trainingseffekte durch den wiederholten Einsatz
Trang 21Den vielfältigen Vorteilen webbasierter Personalauswahl steht eine
Reihe vonNachteilengegenüber, die spezifische Anforderungen an
den Einsatz von Online-Tests stellen Immanent ist die Forderung
nach der Entwicklung gebrauchstauglicher Systeme Die Navigation
auf der Webseite des Unternehmens und insbesondere während des
Online-Tests sollte leicht erlernbar, fehlertolerant,
aufgabenangemes-sen und erwartungskonform sein, um eine unbeeinflusste und
stö-rungsfreie Bearbeitung zu gewährleisten (Konradt & Hertel, 2004)
Bei der Programmierung sollte darauf geachtet werden, dass die
Bearbeitung von allen gängigen PC-Arbeitsplätzen erfolgen kann und
keine speziellen Anforderungen an die Hard- und Software
beste-hen Lange Ladezeiten sind ebensowenig anwenderfreundlich wie die
Gefahr von Systemabbrüchen Darüber hinaus stellen sich erweiterte
Anforderungen an die Datensicherheit der ausgetauschten
Informa-tionen Es muss genau festgelegt werden, wer Informationen über die
Bewerber und die Ergebnisse aus Online-Tests einsehen darf und wie
die Datensicherheit gewährleistet wird
Insgesamt gesehen ergibt sich beim Einsatz von Online-Tests ein
hoher Aufwand für den Aufbau, die Pflege und die Adminstration der
webbasierten Personalauswahlsysteme, zumal permanente
Innovati-onen zu erwarten sind Die Abhängigkeit von IT-Spezialisten nimmt
zu und Testgütekriterien müssen überprüft werden Vor Einführung
webbasierter Instrumente sollte deshalb eine
Kosten-Nutzen-Analy-se vorgenommen werden In der Regel lohnen sich die erheblichen
Investitionen eher für große Unternehmen und für große
Bewer-berzahlen Für ein Online-Assessment muss mit Investitionen von
20.000−80.000 € gerechnet werden, für aufwändige
Computerplan-spiele ist man schnell im 6-stelligen Bereich (Schupelius, 2004)
Problematisch sind die Gefährdungen durch eine gezielte
Ver-fälschung der Testergebnisse (Testfaking) So ist es denkbar, dass sich
Bewerber bei der Bearbeitung der Aufgaben Unterstützung holen
oder dass eine andere Person die Testaufgaben bearbeitet
Empfoh-len wird, dass in anschließenden Auswahlschritten vor Ort die
Er-gebnisse der Online-Tests anhand von Kurztests repliziert werden
Eine andere Möglichkeit sind regionale Assessment-Center, in denen
die Online-Tests unter Aufsicht durchgeführt werden Diese Aufgabe
könnte auch von örtlichen Arbeitsagenturen oder zertifizierten
Perso-naldienstleistern übernommen werden (Konradt & Hertel, 2004)
Um Täuschungen oder unzulässige Unterstützung der
Kan-didaten zu vermeiden, kann eine Ankündigung erfolgen,
dass ein ähnlicher Test im Vorstellungsgespräch erneut
durchgeführt werden muss.
In jedem Fall sollten die zu Testenden auf das Täuschungsverbot
und die Überprüfung ihrer Angaben explizit hingewiesen oder zu
einer Verpflichtungserklärung veranlasst werden Ein weiteres
Prob-lem stellen Urheberrechtsverletzungen durch Itemdiebstahl oder die
>
Gebrauchstauglichkeit muss gegeben sein
Gebrauchstauglichkeit muss gegeben sein
Anforderungen an Hard- und Software
Anforderungen an Hard- und Software
Datensicherheit muss gewährleistet sein
Datensicherheit muss gewährleistet sein
Hohe Aufwände und Kosten für die Programmierung
Hohe Aufwände und Kosten für die Programmierung
Maßnahmen gegen eine Verfälschung der Ergebnisse
Maßnahmen gegen eine Verfälschung der Ergebnisse
1.4 · Chancen und Grenzen von Online-Tests
Trang 221 Veröffentlichung von Richtiglösungen dar Dagegen hilft die »halbgeschützte« Testvorgabe, bei der nur die vorausgewählten Bewerber
einen Zugangscode erhalten, der sie zur einmaligen Durchführungdes Tests berechtigt Sinnvoll ist es auch, die Testitems aus einemItempool immer wieder neu zusammenzustellen
In sozialer Hinsicht kann es von Nachteil sein, dass durch Verfahren erst sehr spät im Auswahlprozess ein persönlicher Kontakthergestellt wird Zwar scheint die Akzeptanz von Online-Verfahrenbei Bewerbern und Arbeitgebern wegen der geringen subjektivenVerzerrungsmöglichkeiten hoch zu sein, jedoch konzentriert sich da-durch der persönliche Kontakt zwischen Bewerber und Unternehmenauf wenige Face-to-face-Interaktionen, in denen dann von beiden Sei-ten sämtliche komplexeren zwischenmenschlichen Faktoren in kur-zer Zeit erfasst werden müssen (Sympathie, soziale und emotionaleKompetenzen etc.)
Online-Arbeitsrechtlich müssen die Mitbestimmungsrechte des triebsratsberücksichtigt werden, der schon bei der Planung neuerVerfahren eingeschaltet werden sollte, um Kontroversen bezüglichZugriffsrechten oder Datenschutz zu vermeiden Im Rahmen desAll- gemeinen Gleichbehandlungsgesetzesmuss beachtet werden, dassniemand aufgrund Geschlecht, Alter, Religion, Ethnie, Behinderungoder sexueller Identität schlechtere Chancen hat, den Online-Test zuabsolvieren Prinzipiell liegen im internetbasierten Testen Chancenfür verbesserte Fairness, weil Einflüsse durch äußere Erscheinung,Hautfarbe, Behinderung oder Mobilitätseinschränkungen verringertwerden Denkbar ist jedoch, dass bestimmte Gruppen (z B ältereArbeitnehmer oder ethnische Minderheiten) aufgrund geringererVertrautheit mit dem Internet schlechter als bei Papier-und-Bleistift-Tests abschneiden Möglich sind umgekehrt auch unfaire Vorteile fürPersonen, die sehr viel mit IT arbeiten oder häufig Online-Tests ma-chen (Trainingseffekte) Freilich kann die Vertrautheit mit dem Inter-net ein gewünschtes Selektionskriterium des Unternehmens sein Beiinternationaler Rekrutierung sind interkulturelle Einflüsse, Sprach-barrieren und nationale Besonderheiten zu berücksichtigen
Be-Insgesamt müssen Online-Tests neben den üblichen rien eine Reihe weiterer Kriterien erfüllen, die in der folgenden Über-sicht dargestellt werden (Preuss & Wehrmaker, 2007)
Gütekrite-Anforderungen an Online-Tests
Selbsterklärend: Da kein Testadministrator zur Verfügung steht, muss der Test leicht verständlich sein, klare Instruk- tionen haben und ggf Beispielsequenzen enthalten, die vor dem Test durchgeführt werden.
Verfälschungssicher: Um Trainierbarkeit und kursierende Musterlösungen zu vermeiden, kann der Test jeweils durch Itemgeneratoren neu zusammengestellt werden.
5
5 5
Persönlicher Kontakt wird
Trang 23Hardware-unabhängig: Aus der Art der verwendeten
Com-puter, Internetverbindungen oder der Prozessorleistung
dürfen den Teilnehmern keine Vor- oder Nachteile
entste-hen.
Barrierefrei: Auch beeinträchtigte Personen müssen in der
Lage sein, die Tests mit Hilfsmitteln zu bearbeiten.
Integrierbar: Die Module sollten in Workflow-Systeme
ein-gebettet werden können.
Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass der Einsatz webbasierter
Personalauswahlverfahren zwar eine Reihe von Herausforderungen
birgt, diese jedoch nicht unlösbar erscheinen Vielmehr ergeben sich
spezifische Anforderungen an einen Einsatz, um objektive, reliable
und valide Ergebnisse zu erhalten Trotz der potenziellen Vorteile von
Online-Assessments wird kein Unternehmen die Auswahl von
Per-sonal vollständig auf internetbasierte Verfahren umstellen, sondern
diese in Kombination mit herkömmlichen Verfahren anwenden, die
eine Präsenz der Bewerber erfordern
Eine Kombination aus Online- und Offline-Modulen
garan-tiert eine wirtschaftliche und fundierte
Personalentschei-dung.
Für die Zukunft gehen verschiedene Autoren von einer
Zunah-me webbasierter Personalauswahl aus Es wird vermutet, dass sich
internetbasiertes Recruiting und Assessment im Laufe der Zeit als
Standardvorgehensweise in großen Unternehmen durchsetzen
wer-den (Beck, 2002; Hertel, Konradt & Orlikowski, 2003; Kirbach et al.,
2004) Während anfangs die Online-Präsentation des Unternehmens
und das Posting von Job-Angeboten dominierten, stehen derzeit eine
noch weitergehende Segmentierung und Individualisierung des
In-formations- und Kommunikationsangebots für einzelne Zielgruppen
im Mittelpunkt (Frank & Giesen, 2004) Interaktion und Dialog
tre-ten immer mehr an die Stelle reiner Präsentation
Kombination webbasierter und herkömmlicher Verfahren
Zunahme webbasierter Personalauswahl
Zunahme webbasierter Personalauswahl
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Trang 25Online-Tests aus methodischer Sicht
diagnostisch-Niclas Schaper
Assessments aus diagnostisch-methodischer Sicht – 26
2.4.1 Potenziale zur Optimierung von Testgütekriterien – 26
2.4.2 Ökonomiepotenziale bei Online-Assessments – 27
2.4.3 Potenziale zur Verwendung innovativer Testformate bei
Online-Assessments – 27
2.4.4 Flexibilitätspotenziale bei Online-Assessments – 28
2.4.5 Funktion von Online-Assessments im Rahmen
von Selbstselektions- und Vorauswahlschritten – 28
2.4.6 Modernitätsimage durch Nutzung von Online-Assessments – 29
Assessments aus diagnostisch-methodischer Sicht – 29
2.5.1 Manipulierbarkeit der Testsituation – 29
2.5.2 Probleme in Bezug auf Fairness und Gleichberechtigung – 30
2.5.3 Probleme der Globalisierung bei der Personalauswahl – 31
2.5.4 Testmotivation und Akzeptanz gegenüber Online-Assessments – 322.5.5 Nützlichkeit und Wirtschaftlichkeit des Einsatzes
von Online-Assessments – 33
Assessment – 33
Literatur – 35
Trang 26Im Folgenden wird zunächst ein fiktives Beispiel bzw Szenario zur ruflichen Eignungsdiagnostik beschrieben, um zu verdeutlichen, wieder Einsatz von online-basierten Tests bzw Assessments zukünftigaussehen kann oder teilweise auch schon realisiert wird (vgl Bartram,
be-2000 oder Hertel, Konradt & Orlikowski, 2003)
Auf der Basis einer Bedarfsfeststellung für neue Mitarbeiter undeiner Anforderungsanalyse für die zu besetzende(n) Stelle(n) werdenvon der Personalabteilung eines Unternehmens Stellenangebote überdie firmeneigene Internetseite veröffentlicht und online-bezogeneBewerbungsmöglichkeiten eingerichtet Zusätzlich werden online-basierte Jobbörsen kontaktiert, die Jobsuchende bzw Bewerber mitpassenden Profilen für die Stelle(n) heraussuchen und diesen per E-Mail das Jobangebot offerieren Denkbar ist auch, dass Mitarbeiterder Personalabteilung selbst in online-verfügbaren Datenbanken derJobbörse nach geeigneten Bewerbern recherchieren und diese überdas Jobangebot informieren Diese Aktivitäten beschreiben die Phaseder online-basierten Rekrutierung
In einem nächsten Schritt hat der Bewerber die Möglichkeit, hilfe von online-basierten Assessmenttools, die auf der Homepage desUnternehmens bereitgestellt werden, seine Stärken und Schwächen inBezug auf die Stellen- und Unternehmensanforderungen zu prüfen.Hierzu werden entsprechende Fähigkeits-, Wissens- und Persönlich-keitstests online zur Verfügung gestellt Der Bewerber prüft dabei fürsich, ob Anforderungen und Interessen des Unternehmens bzw derStelle einerseits und seiner Person andererseits zueinanderpassen Diegenannten Instrumente zur Selbsteinschätzung und -testung sowiedie über die Stelle und das Unternehmen bereitgestellten Informa-tionen dienen somit zur Selbstselektion Auf dieser Assessment-Stufewerden keinerlei personenbezogene Informationen an das Unterneh-men weitergeleitet
mit-Testverfahren zur Selbstselektion auf der homepage führen zu einem frühen Ausscheiden von unpas- senden Bewerbern und verursachen nur geringe Kosten für das Unternehmen.
Unternehmens-Sofern der Bewerber überzeugt davon ist, dass sich eine Bewerbungfür ihn lohnt, wird er im nächsten Schritt sein Bewerbungsinteresseper E-Mail oder anhand einer Internetschnittstelle bekunden Da-raufhin wird ihm per E-Mail ein persönliches Passwort für eine On-line-Bewerbung zugesandt Dieser Zugang ermöglicht es den Bewer-bern, ihre biografischen Angaben und Bewerbungsunterlagen anhandvon online-basierten Fragebögen und anderen Eingabemöglichkei-ten einzustellen und sich so direkt beim Unternehmen zu bewerben.Darüber hinaus können an dieser Stelle auch weitere einstellungs-
Trang 27und motivationsbezogene Fragebogenskalen abgefragt werden Von
Unternehmensseite werden relevante biografische Daten und
weite-re Musskriterien (z B bestimmte qualifikatorische Abschlüsse) der
Bewerbung abgeprüft Die Auswertung der in standardisierter Form
eingereichten Bewerbungen und Fragebogedaten erfolgt in einer
weitgehend automatisierten Form, sodass für diese
Vorauswahlstu-fe ebenfalls kaum Personalressourcen benötigt werden Anhand der
vorliegenden Bewerbungsinformationen ist es möglich, eine erste
Entscheidung zu treffen, ob der jeweilige Bewerber für weitere
Aus-wahlschritte in Frage kommt
In einem nächsten Schritt werden mit den verbliebenen
Bewer-bern per E-Mail online-basierte Interviews vereinbart und
durchge-führt Zur Vorbereitung haben die Bewerber die Möglichkeit, sich per
Internet über Produkte, Geschäftsfelder und Kunden sowie
Unter-nehmensstruktur, Firmenphilosophie und Karrieremöglichkeiten zu
informieren Mittels bestimmter multimedialer Darstellungen kann
auch ein erster Eindruck über die Tätigkeit selbst vermittelt werden
Im Interview werden weitere eignungsdiagnostische Informationen
(z B zu kommunikativen Kompetenzen sowie zu motivationalen
Vo-raussetzungen) über den Bewerber eingeholt und Fragen des
Bewer-bers zur zukünftigen Tätigkeit geklärt
Verläuft auch dieser Schritt erfolgreich, wird der Bewerber zu
zusätzlichen Leistungstests und Arbeitsproben bzw
Assessment-Centern eingeladen Hierzu vereinbart der Bewerber einen Termin
in einem regionalen Test- bzw Assessment-Center Die
Durchfüh-rung unter solchen kontrollierten Bedingungen ist notwendig, um
die Identität des Bewerbers zu kontrollieren und um die Bearbeitung
der online-basierten Auswahlverfahren zu überwachen Um den
Be-werbern faire Chancen zu gewähren und Übungseffekte
auszuglei-chen, erhalten Sie vorher einen Online-Zugang zu verschiedenen
Trainingstools im Internet, mit denen sie sich auf die Tests und
Ar-beitsproben vorbereiten können Die Ergebnisse der verschiedenen
Testverfahren werden sodann anhand festgelegter
Entscheidungs-algorithmen verrechnet, sodass in kürzester Zeit eine Rangliste für
die Einstellungsentscheidung zur Verfügung steht Außerdem kann
anhand der Assessmentergebnisse auch ein detailliertes Feedback an
die Bewerber versandt werden
Kein Bewerber wird nur auf der Basis von online-basierten
Testverfahren eingestellt Ausschlaggebend bleibt das
Vor-stellungsgespräch.
Im Folgenden werden die im Szenario angesprochenen Modalitäten,
Potenziale, Anforderungen und offenen Fragen einer online-basierten
Personalauswahl aus Sicht der einschlägigen eignungsdiagnostischen
Forschung konkreter angesprochen und erläutert
>
Online-basierte Interviews
Leistungstests und Arbeitsproben
Leistungstests und Arbeitsproben
2.1 · Ablauf eines online-basierten Assessments
Trang 28Um Personen für Berufe oder betriebliche Positionen valide auswählen
zu können, sollten die dafür eingesetzten Verfahren empirisch gewiesene Zusammenhänge zwischen Eignungsmerkmalen einerseitsund Erfolgsmaßnahmen andererseits aufweisen Die methodischenStandards wie Objektivität, Reliabilität und Validität gelten auch fürOnline-Tests Außerdem sollten bei der Anwendung der Verfahrenbestimmte ethische Standards (z B Testfairness oder Schutz der Per-sönlichkeit) und weitere nicht-psychometrische Kriterien (z B Öko-nomie, Nützlichkeit oder Akzeptanz) erfüllt werden
nach-Unter der Lupe
Allgemein versteht man unter Online-Assessments gestützte Verfahren zur Beurteilung und Vorhersage beruflich re- levanter psychologischer Variablen zur Abschätzung der Eignung, die über Dienste des Internet bereitgestellt werden« (Konradt & Sarges, 2003, S 7) Hiervon unterscheiden sich Formen des com- puterbasierten Assessments, die eine Vorgabe des Testmaterials sowie die Eingabe, Aufzeichnung und Auswertung der Reaktio- nen an einem einzelnen offline-geschalteten Computer beinhal- tet, und Papier-Bleistift-Tests, die im Unterschied zu computer- und online-basierten Verfahren die Vorgabe des Testmaterials auf einem gedruckten Medium (Fragebogen bzw Testheft) sowie einer schriftlichen Beantwortung bezeichnet.
»computer-Die Vorzüge der Internetnutzung bei der Personalauswahl und zialanalyse liegen nicht nur darin, dass die Auswertungsgeschwin-digkeit und -zuverlässigkeit durch den Computereinsatz verbessertwerden kann Sie sind vor allem auch darin begründet, dass Kom-munikations- und Informationsaustauschprozesse in diesem Kontextdurch die zeit- und ortsunabhängige Vernetzung der Computer imInternet beschleunigt und vereinfacht werden können Verfahren undProzeduren des Online-Assessments werden vor allem dann einge-setzt, wenn es gilt, Vorauswahl- und Selbstselektionsschritte zu unter-stützen, Bewerberzielgruppen im Ausland oder über große Distanzenanzusprechen und zu testen, die Informations- und Auswahlmodali-täten möglichst flexibel, d h auch permanent und global zur Verfü-gung zu stellen und um Kommunikations- und Informationsfunktio-nen im Auswahlprozess zu rationalisieren
Poten-Nicht zuletzt können mithilfe eines online-basierten Assessmentsauch adaptive Testverfahren, die sich an das individuelle Testverhal-ten der Bewerber anpassen und den Test im Bearbeitungsverlauf aufdie Fähigkeiten des Probanden »zuschneiden«, oder online-basiertekooperative Testverfahren eingesetzt werden, bei denen Bewerberräumlich und/oder zeitlich getrennt eine Assessment-Aufgabe ge-
Trang 29meinsam bewältigen (z B bei Gruppenaufgaben zur Auswahl von
Teammitgliedern für virtuelle Teams)
Vorteile von Online-Tests
Hohe Auswertungsgeschwindigkeit und -zuverlässigkeit
Globale Einsatzmöglichkeit
Einsatz realitätsnaher multimedialer Elemente
Möglichkeit zur adaptiven Testung
Kooperationsmöglichkeit der Bewerber in virtuellen Teams
In Anlehnung an die generelle Unterscheidung von Schuler (2006)
in 3 Verfahrensgruppen der Berufseignungsdiagnostik lassen sich
auch bei Online-Assessments biografie-, konstrukt- und
simulations-orientierte Verfahren unterscheiden Darüber hinaus können
Diffe-renzierungen der Verfahren danach vorgenommen werden, welche
Internetdienste verwendet werden (z B E-Mail, Video- oder
Audio-konferenzen, Application Sharing oder www-Funktionen) und in
welchem Ausmaß Interaktionen zwischen Benutzer und Anwender
erfolgen
Online-basierte biografieorientierte Verfahren sind
beispiels-weise webbasierte Fragebögen, die zur Erfassung von
personenbezo-genen biografischen Daten dienen Hierüber kann z B ein Abgleich
von Personenmerkmalen mit Stellenanforderungen vorgenommen
werden und gegebenenfalls mit einer automatisierten Vorauswahl
in-klusive einer Rückmeldung an den Bewerber versehen werden
Da-rüber hinaus können die verschiedenen Internetdienste auch zur
In-formationsdistribution und zur Kommunikation (z B das Versenden
von Arbeitszeugnissen und das Einholen von Referenzen per E-Mail)
genutzt werden Nicht zuletzt gehören zu dieser Verfahrensgruppe
auch online-gestützte Einstellungsinterviews (z B unter Einsatz von
Videokonferenztechnologien wie beispielsweise »Netmeeting«)
Hier-bei können Vorzüge von Telefoninterviews mit den Vorteilen einer
größeren Informationsdichte und Interaktionsauthentizität durch die
bildliche Darstellung verknüpft werden Voraussetzung dafür ist
aller-dings eine stabile und unverzerrte Übertragung Der Vorzug solcher
online-basierten Auswahlgespräche liegt darin, dass materielle und
zeitliche Kosten gegenüber herkömmlichen Einstellungsinterviews
reduziert werden können
Zu denonline-basierten konstruktorientierten Verfahren
zäh-len unter anderem standardisierte Fragebögen in Form von
Persön-lichkeits-, Einstellungs-, Motivations- und Interessentests, die
on-line-gestützt durchgeführt und meist auch in automatisierter Form
ausgewertet und rückgemeldet werden Durch eine automatische
Ant-wortkontrolle kann die Vollständigkeit der Beantwortung optimiert
werden Es wäre darüber hinaus möglich, bei
Online-Fragebogenver-fahren auch die Antwortzeiten oder die Häufigkeit von Korrekturen
zu erfassen, um zusätzliche diagnostische Hinweise über das
Verfahren
Online-basierte biografieorientierte
Verfahren
Online-basierte konstruktorientierten
Verfahren
Online-basierte konstruktorientierten
Verfahren
2.2 · Verfahrenstypen des Online-Assessments
Trang 30wortverhalten der Bewerber zu erhalten Soweit bekannt, werden che Testparameter aber bisher kaum genutzt Nicht zuletzt wird durchdie automatisierte Auswertung und Rückmeldung die Testanwendungzusätzlich objektiviert und rationalisiert Zu dieser Verfahrensgruppegehören auch online-basierte Leistungstests z B zur Messung derKonzentrationsfähigkeit oder von bestimmten intellektuellen Fähig-keiten (Intelligenzleistungen) Insbesondere bei Leistungstests bietetsich die Einführung adaptiver Verfahren an, bei denen die Aufgaben
sol-an die jeweilige Fähigkeitsstufe des Bewerbers sol-angepasst, und dasTestverfahren damit effizienter und genauer gemacht werden kann.Bei der Anwendung zeitabhängiger Leistungstests gilt es allerdings
zu beachten, dass Schwankungen der Übertragungszeiten oder derVerarbeitungsgeschwindigkeit der Hardware vor Ort die Ergebnissebeeinflussen können (Hertel, Konradt & Orlikowski, 2003) In diesemKontext werden zunehmend Testsysteme bzw Testplattformen ein-gesetzt, die eine Durchführung verschiedener Fragebogenverfahrenund Leistungstests und damit eine profil- und positionsorientierteAuswahl und Auswertung solcher Tests erlauben
Beispiele füronline-basierte simulationsorientierte Verfahren
sind insbesondere videobasierte Tests, computerbasierte gaben, PC-gestützte Simulationen von komplexen betriebswirtschaft-lichen Prozessen und Online-Assessment-Center In allen 4 Fällenwird versucht, Szenarien oder Situationen der Arbeitswelt zu simulie-ren, die von den Bewerbern allein oder gemeinsam zu bearbeiten sind.Bei den videobasierten Tests (vgl Weekly & Jones, 1997) werden denBewerbern berufsbezogene Situationen in Spielsituationen vorgestelltund sie werden gebeten zu antizipieren, wie sie sich in einer solchenSituation verhalten würden Gegenüber textbasierten »situativen Fra-gen«, die vergleichbare Szenarien nur verbalschriftlich wiedergeben,besitzen die Videoszenarien eine deutlich höhere Realitätsnähe, Kom-plexität und Plausibilität Sie sind aber wesentlich aufwendiger undteurer in der Entwicklung Bei computerbasierten Postkorbaufgaben(vgl Riedinger & Rolfs, 1998) werden alltägliche Aufgaben simuliert,die Fähigkeiten der Arbeitsorganisation, Zielorientierung und desErkennens von Zusammenhängen erfordert und über die beobacht-baren Arbeitshandlungen sowie Entscheidungen und Handlungsbe-gründungen erfasst werden können Da mittlerweile die Mehrzahlder Arbeitshandlungen in vielen Arbeitskontexten computergestützterfolgt, stellen auch computerbasierte Postkorbaufgaben kaum nocheine fremde Arbeitsumgebung dar
Beispiel
6
Trang 31Bei PC-gestützten Simulationen komplexer betriebswirtschaftlicher
Prozesse übernehmen die Bewerber die Rolle von Managern oder
Führungskräften, die die Aufgabe erhalten, über einen bestimmten
Zeitraum ein Unternehmen oder einen Geschäftsbereich unter
Be-achtung verschiedener dynamischer Einflussfaktoren zu steuern und
dabei verschiedene Optimierungskriterien zu berücksichtigen Solche
Simulationen sind mittlerweile als multimedial gestaltete Spiele im
Rahmen von Recruitainment-Anwendungen bekannt geworden Die
bislang entwickelten Verfahren sind allerdings trotz ihrer im ersten
Eindruck hohen Augenscheinvalidität nicht sehr
anforderungsbezo-gen Es besteht somit noch erheblicher Forschungsbedarf in Bezug auf
die kriteriums- und konstruktbezogene Validität solcher Verfahren
(Kersting, 1999)
Online-Assessments
Die Äquivalenzproblematik betrifft die Frage, ob sich durch einen
Wechsel des Testmodus, z B die Übertragung von Tests von einer
Papier-Bleistift-Version in eine computer- oder online-basierte Form,
sich die Natur des erfassten Konstrukts bzw das Testverhalten
ver-ändert Ist dies der Fall, würde es bedeuten, dass zwischen den beiden
Testversionen keine Äquivalenz besteht und damit die diagnostischen
Aussagen beider Testmodi nicht miteinander vergleichbar sind
Ge-mäß den Richtlinien der International Test Commission (2005) ist
Äquivalenz von computerbasierten und Papier-Bleistift-Tests dann
gegeben, wenn beide Versionen
vergleichbare Reliabilitäten besitzen,
ausreichend hoch miteinander korrelieren,
in ähnlicher Höhe mit anderen Testverfahren und externen
Kri-terien korrelieren,
vergleichbare Mittelwerte und Standardabweichungen aufweisen
Außerdem sollten beide Versionen ein vergleichbares Niveau in
Be-zug auf Flexibilität aufweisen (z B in BeBe-zug auf die Möglichkeiten,
Items korrigieren und überspringen zu können), und die Darbietung
2.3 · Äquivalenzproblematik bei Online-Assessments
handlungs- und situationsbezogen zu erfassen Vergleichbar mit
einem Plan- oder komplexen Rollenspiel sollen die Bewerber
verschiedene Aufgaben eines Mitarbeiters in einem
Ver-sicherungs- bzw Immobilienmaklerunternehmen übernehmen,
wobei ihre Entscheidungen und ihr Handeln u a in Bezug auf
Kundenorientierung, Planungskompetenz oder
Eigenverant-wortlichkeit beurteilt werden.
Trang 32Böhm-Rup-in Bezug auf folgende Fragen ausgewertet:
Reliabilität:Ist mit dem Darbietungsmedium eine Beeinflussungder Messgenauigkeit gegeben?
Validität:Wie wirkt sich das Darbietungsmedium auf die gültigkeit eines Verfahrens aus?
Mess-Akzeptanz:Werden computergestützte Verfahren von Benutzernsozial akzeptiert?
Insgesamt wurden hierzu 43 Studien ausgewertet und die Befundedifferenziert nach offline- vs online-basierten Verfahren und demTestfokus (allgemeine und spezielle kognitive Leistungstests vs Per-sönlichkeits-, Einstellungs- und Interessentests) vorgestellt
Unter der Lupe
In Bezug auf die computer- bzw offline-basierten kognitiven Leistungstests zeigten sich in den 12 analysierten Studien eher heterogene Ergebnisse Auch wenn die Reliabilitätswerte relativ hohe Übereinstimmungen zwischen den verschiedenen Darbie- tungsmodi aufwiesen, fielen die Testergebnisse in der Computer- version teilweise signifikant schlechter, teilweise signifikant besser aus Die widersprüchlichen Befunde können durch unterschied- liche technische Ausstattungen der computerbasierten Tests (z B.
in Bezug auf Tastatur, Maus oder Monitorgröße), die je nach Form zusätzliche Fehlervarianz erzeugen, und verschiedene Möglich- keiten in Bezug auf die Bearbeitungsreihenfolge der Items sowie Einflussfaktoren auf die Geschwindigkeit der Testbearbeitung verursacht sein Auch Mead und Drasgow (1993) stellten im Rah- men einer Metaanalyse zu Äquivalenzstudien fest, dass Tests, die unter einer Zeitbegrenzung durchgeführt werden (Speedtests), signifikant von der Art der Darbietung beeinflusst werden Für Testverfahren zur nicht zeitbegrenzten Erfassung von Fähigkeiten (Powertests) konnten entsprechende Unterschiede nicht fest- gestellt werden Bodmann und Robinson (2004) kamen außerdem auf der Basis mehrerer experimenteller Studien zu der Schlussfol- gerung, dass Testmoduseffekte nicht zwingend dadurch zustande kommen, dass es sich um ein Computer- oder ein Papier-Bleistift- Format handelt, sondern diese sind eher von der »Flexibilität« des Tests abhängig Unter Flexibilität ist hier beispielsweise zu verstehen, dass es auch bei einer computerbasierten Testform möglich ist, vor- und zurückzublättern sowie ein Item später oder auch erneut zu bearbeiten Computer- und Papier-Bleistift-Tests sind somit dann vergleichbar, wenn bei der Bearbeitung beider Formen dieselben Bedingungen bezüglich der Items und der 6
555
Überblicksanalyse
Trang 33Testvorgabe gegeben sind Nichtsdestotrotz ist es angesichts der
berichteten Befunde dringend geboten, Anpassungen der
Norm-werte für computerbasierte, d h auch online-basierte kognitive
Leistungstests vorzunehmen.
Hertel et al (2003) berichten darüber hinaus für 12
Äquivalenzver-gleiche bei offline-basierten, nicht-kognitiven Testverfahren – mit
kleinen Ausnahmen – über keine entsprechenden Unterschiede in
Bezug auf die verschiedenen Darbietungsmodi Bei Persönlichkeits-,
Motivations- und Interessentests kann somit Äquivalenz für zentrale
testtheoretische Merkmale gezeigt werden Insgesamt wiesen sowohl
die computerbasierten kognitiven als auch nicht-kognitiven
Verfah-ren – sofern untersucht – eine hohe Akzeptanz bei den Nutzern auf
Kognitive Testverfahren sollten vor dem Einsatz
hinsicht-lich der Art der Erhebung und der Aktualiät der Normwerte
geprüft werden.
Zur Wirkung online-basierter Testverfahren auf das Testverhalten
wird nur von 1 Studie (Wilhelm, 1999) berichtet, die allerdings keinen
signifikanten Einfluss auf die Antwortmuster der Probanden zeigt In
Bezug auf die Äquivalenz online-basierter nicht-kognitiver
Verfah-ren wurden 10 Studien ausgewertet Hierbei zeigten sich überwiegend
gute Übereinstimmungen zwischen online-basierten Verfahren und
Papier-Bleistift-Tests Es wurden aber auch signifikante Unterschiede
in Bezug auf die Einschätzung von Selbstvertrauen, sozialer Angst
und sozialer Erwünschtheit sowie weiterer diagnostischer Daten
er-mittelt (z B Bogner, 1996 oder Joinson, 1999)
In Bezug auf die Akzeptanzbewertungen zu online-basierten Tests
ermittelten Hertel et al (2003) durchgehend positive Werte in den
Studien Auch ein Selektionseffekt, d h die Befürchtung, dass durch
den Einsatz von Online-Verfahren nur bestimmte Teilnehmergruppen
erreicht werden, konnte nicht bestätigt werden In Studien, in denen
Teilnehmer im Internet und für eine Papier-Bleistift-Bedingung
zu-fällig gesammelt wurden, fanden sich keine Unterschiede hinsichtlich
zentraler demografischer Stichprobenmerkmale Die Autoren
resü-mieren allerdings, dass eine abschließende Bewertung des
Forschungs-standes zur Äquivalenz von online-basierten Verfahren auf Grund der
fragmentarischen Datenlage im Moment nicht möglich ist
Online-Tests können bei allen Bewerbergruppen, mit denen
auch sonst Tests durchgeführt werden, eingesetzt werden.
Demografische Aspekte spielen keine Rolle bei der Art der
Testdarbietung.
Abschließend ist zur Problematik der Äquivalenz anzumerken, dass
diese selbstverständlich nur dann relevant ist, wenn ein Test
dauer-haft in verschiedenen Modi verwendet werden soll oder bestehende
Trang 34Testnormen bzw Validitätsbefunde, die auf einer Version beruhen, auf eine computer- bzw online-basierte Versiongeneralisiert werden sollen Bei Neuentwicklungen von Tests ist dererstgenannte Fall mittlerweile eher die Ausnahme und für Verfahren,die von den spezifischen Möglichkeiten der Computer- bzw Online-Medien Gebrauch machen und daher nicht in ein gedrucktes Mediumübertragbar sind, stellt sich die Äquivalenzfrage nicht
online-basierten Assessments aus diagnostisch-methodischer Sicht
Die Vorteile der verschiedenen Formen des Online-Assessments sind
in▶ Kap 1schon erwähnt und erläutert worden In den folgendenAusführungen sollen diese Aspekte nochmals aufgegriffen und ver-tieft werden
2.4.1 Potenziale zur Optimierung von Testgütekriterien
Kommen wir zunächst zu den Vorteilen und Potenzialen bzw offline-basierter Testverfahren, die größtenteils auch für online-basierte Verfahren gelten: Zu den am häufigsten genannten Vorteilencomputerbasierter Testverfahren gehören insbesondere Potenzialezur Verbesserung der Testgütekriterien (Jurecka & Hartig, 2007) Sokann die Objektivität durch die Standardisierung der Testvorgabe,der Testinstruktion und der Auswertungsroutinen bzw -algorithmenverbessert werden Hierdurch werden insbesondere Situations- undTestleitereffekte verringert Außerdem kann die Aufgabenvorgabeund -bearbeitung bei computerbasierten Tests besser kontrolliertwerden Hierdurch kann gewährleistet werden, dass ein Probandtatsächlich auch alle Items vorgegeben bekommt und beantwortet.Eine entsprechende Verringerung der Mess- und Auswertungsfeh-ler kann schließlich auch zu einer Verbesserung der Testreliabilitätführen (Ridgeway & McCusker, 2004) Darüber hinaus ermöglichtdie Verwendung automatisierter Auswertungsprozesse während desTestens die Anwendung adaptiver Testverfahren (▶ Kap 3) Durch dieMöglichkeit, ein im Hinblick auf Schwierigkeit und diagnostische In-formation optimales Itemset für einen Probanden auszuwählen undbearbeiten zu lassen, verkürzt nicht nur die Bearbeitungszeit, ohnedass die Testreliabilität verringert wird, sondern kann auch zur Ver-besserung der Testvalidität beitragen (vgl Frey, 2006)
computer-Verbesserung
der Testgütekriterien
Verbesserung
der Testgütekriterien
Trang 352.4.2 Ökonomiepotenziale bei Online-Assessments
Computerbasierte Tests und somit auch Online-Assessments
besit-zen außerdem eine Reihe von ökonomischen Vorteilen gegenüber
Papier-Bleistift-Verfahren (vgl Jurecka & Hartig, 2007) Die
Testvor-gabe bzw -durchführung erfolgt meist rationeller, was zu
Zeiterspar-nissen sowohl für den Probanden als auch den Testleiter führt Durch
die automatische Testauswertung und möglicherweise auch
automa-tisierte Rückmeldung werden ebenfalls Arbeitsaufwände und
admi-nistrative Kosten des Testleiters reduziert Die sofortige Verfügbarkeit
der Testergebnisse bei einer automatisierten Auswertung ermöglicht
es außerdem, dass auch der Proband nicht mehr auf die Ergebnisse zu
warten braucht Er kann das Ergebnis sowie weitere Interpretationen
und Erläuterungen, sofern Sie automatisiert erstellt werden, sofort
erhalten oder abrufen Ein weiterer ökonomischer Vorteilsaspekt
be-steht darin, dass die Testdaten sofort in einem
computerkompatib-len Format erzeugt und weiterverarbeitet werden Hierdurch werden
nicht nur bei der Dateneingabe und Testauswertung Fehlerquellen
ausgeschlossen, sondern letztlich auch viel Arbeitsaufwand und -zeit
gespart
2.4.3 Potenziale zur Verwendung innovativer
Testformate bei Online-Assessments
Besondere Potenziale computerbasierter Tests liegen insbesondere in
der Verwendung neuer und innovativer Testmaterialien, die in dieser
Form bei gedruckten Medien nicht möglich wären (vgl Konradt &
Hertel, 2004) Hierunter fällt der Einsatz von Audio- und
Videomate-rial oder Animationen wie beispielsweise bei den oben beschriebenen
videobasierten Tests, Online-Assessment-Center oder PC-gestützten
Simulationen komplexer betriebswirtschaftlicher Prozesse Durch die
Darbietung multimedialer und komplexerer Stimuli können die
Test-aufgaben realitätsnäher und dynamischer bezüglich ihrer
Anforde-rungen gestaltet werden Das ermöglicht es, die zu messenden
Kom-petenzen auch in höherem Maße handlungs- und situationsbezogen
zu erfassen Entsprechende dynamische und interaktive Programme
werden z B in medizinischen Ausbildungsfeldern entwickelt und
eingesetzt
Ökonomische Vorteile
Innovative Testmaterialien
Interaktive Programme
2.4 · Vorteile und Potenziale des online-basierten Assessments
Der Test »Affective Virtual Patient« (Jung, Ahad & Weber, 2005)
untersucht bei angehenden Medizinern, wie sie den Prozess der
Neuaufnahme und Untersuchung eines unbekannten Patienten
durch entsprechende Handlungen und Entscheidungen
bewälti-gen Je nach Entscheidungs- oder Handlungsalternative, die
Beispiel
6
Trang 36Entsprechende Simulationen berücksichtigen die denheit von Kompetenzen und erhöhen somit auch die Testvalidität.Aktuelle Entwicklungen beschäftigen sich zudem mit der Gestaltung3-dimensionaler »virtueller« Testumgebungen, in denen sich derProband frei bewegen, Handlungen ausführen oder auch Gesprächemit simulierten oder echten Personen führen kann (Jude & Wirth,2007) Diese Szenarien, die sehr realitätsnah und dynamisch gestaltetwerden können, lassen sich in der Handhabung meist relativ schnellund intuitiv erlernen und können sowohl zur Diagnose individuellerKompetenzen als auch zur Aufzeichnung und Feinanalyse sozialerInteraktionen genutzt werden
Situationsgebun-2.4.4 Flexibilitätspotenziale bei Assessments
Online-Besondere Vorteile und Potenziale online-basierter fahren sind darüber hinaus in der hohen zeitlichen und räumlichenFlexibilität der Testanwendung zu sehen Über das Internet sindOnline-Assessments mehr oder weniger ständig, d h ohne zeitlicheEinschränkungen und von fast überall auf der Welt zugänglich VonSeiten des Probanden werden dazu lediglich ein Computer sowie einfür den jeweiligen Zweck ausreichender Internetzugang und -brow-ser benötigt Hierdurch kann ein »On-demand-Testing« ermöglichtwerden; d h dass ein Proband eine Prüfung oder einen Test dannablegen kann, wenn er sich dazu bereit fühlt bzw ist und damit denfür ihn geeignetsten bzw optimalsten Zeitpunkt wählen (Jurecka &Hartig, 2007)
Assessmentver-2.4.5 Funktion von Online-Assessments im Rahmen von Selbstselektions-
um Routinen im Krankenhausalltag erfordern.
Trang 37der Tests ermöglichen darüber hinaus, dass die Testanwender auch
in die Lage versetzt werden, große Bewerberzahlen mit vertretbarem
Aufwand zu bewältigen Dies kann insbesondere durch die
Bereitstel-lung hoch automatisierter Schritte der Testanwendung, -auswertung
und -rückmeldung sowie entsprechender Zugriffskapazitäten der
Server gewährleistet werden Bedeutsam ist dies vor allem für große
Organisationen oder Jobbörsen mit hohen Bewerberzahlen für ihre
Stellen- bzw Ausbildungsplatzangebote (z B auch Universitäten)
Hierdurch können insbesondere bestimmte Schritte der Vorauswahl
und Selbstselektion im Auswahlprozess rationell bearbeitet werden,
um hohe Bewerberzahlen auf eine für die weiteren Auswahlschritte
beherrschbare Zahl von geeigneten Bewerbern zu reduzieren Ein
be-deutsamer Baustein ist in diesen Zusammenhang beispielsweise auch
die Möglichkeit, die mithilfe von Online-Assessments erhobenen
Be-werberprofile mit den Anforderungsprofilen der Stellenangebote in
einem automatisierten Prozess abzugleichen, um den Bewerbern eine
direkte Rückmeldung zur Passung und Eignung sowie weitere
Schrit-te der Bewerbung zu geben
2.4.6 Modernitätsimage durch Nutzung von
Online-Assessments
Nicht zuletzt vermittelt der Einsatz von Online Assessments im
Kon-text der Personalrekrutierung und -auswahl auch ein spezifisches
Image einer zeitgemäßen und modernen Organisation gegenüber
bestimmten Bewerberzielgruppen Zur Gewinnung gut
ausgebilde-ter akademischer Fachkräfte bzw »Talente« ist dies mittlerweile ein
bedeutsamer bzw erfolgsentscheidender Aspekt im Rahmen der
Re-krutierungsaktivitäten (Konradt & Hertel, 2004)
online-basierten Assessments aus
diagnostisch-methodischer Sicht
Der Einsatz online-basierter Assessment-Verfahren bringt je nach
Ausgangssituation oder Rahmenbedingungen auch gewisse Probleme
oder Nachteile mit sich Anwender dieser Verfahren sollten sich
sol-cher Risiken bewusst sein und wenn möglich Maßnahmen ergreifen,
um die entsprechenden Risiken oder Nachteile zu begrenzen oder
auszuschalten
2.5.1 Manipulierbarkeit der Testsituation
Werden online-basierte Assessment-Verfahren ohne Anwesenheit
von Testleitern durchgeführt – was der Regelfall ist –, dann ist die
Große Bewerberzahlen
Imagegewinn
2.5 · Nachteile und Probleme des online-basierten Assessments
Trang 38Testsituation nur bedingt kontrollierbar Hierdurch kann
insbesonde-re die Durchführungsobjektivität von Online-Assessments erheblichgefährdet bzw eingeschränkt werden So kann es z B zu mehrfachenBearbeitungen eines Tests durch eine Person kommen Hierdurch tre-ten – insbesondere bei Leistungstests – Trainingseffekte auf, die dieTestergebnisse verfälschen Einerseits ist in diesem Fall zu überlegen,wie entsprechende multiple Eingaben durch restriktive Zugangsvor-kehrungen (z B Authentifizierungsverfahren bzw passwortgeschütz-ter Zugang) verhindert werden können
Erhält der Kandidat ein Einmalpasswort für den Testzugang, kann er den Test nur einmal aufrufen und muss ihn ohne Unterbrechung durchführen.
Alternativ ist aber auch zu erwägen, wie interessierten Bewerbern vorder eigentlichen Testung Trainingsmöglichkeiten anhand ähnlicherVerfahren eingeräumt werden können Hierdurch können auch Test-verzerrungen durch eine unterschiedliche Vertrautheit der Zielpopu-lation mit dem Testmaterial reduziert werden Neben Übungseffektenkönnen online-basierte Assessments auch gezielt verfälscht werden,indem sich beispielsweise Bewerber von anderen bei der Testbear-beitung helfen lassen oder eine andere Person statt des Bewerbersden Test bearbeitet Bisher gibt es kaum realistische Möglichkeiteneinen solchen Missbrauch ohne persönliche Kontrolle durch einenTestleiter zu unterbinden (Hertel et al., 2003) Wie im Eingangsbei-spiel geschildert, sind regionale Testzentren eine Alternative zu lang-wierigen Anreisen zu einem Unternehmen Allerdings existieren sol-che regionalen Testzentren bisher nur als Pilotprojekte (Fontaine &Wild, 2001) Durch die erhöhte Zugänglichkeit des Testmaterials beiOnline-Assessment-Verfahren wird außerdem befürchtet, dass Forenentstehen, in denen »richtige« oder Musterantworten ausgetauschtwerden und damit die Tests »entschlüsselt« werden Eine Vorsichts-maßnahme gegen diese Art der Manipulation besteht in der zufälli-gen Anordnung und Auswahl von Testitems, die anhand einer Item-datenbank generiert wird Um die Auftretensrate von Manipulationen
zu reduzieren, werden im angloamerikanischen Kontext auch nannte »Ehrenwortverträge« abgeschlossen, in denen der Bewerberversichert, keine unzulässigen Hilfsmittel oder andere Personen her-anzuziehen Ein Nachweis für die Effektivität solcher Verträge wurdebisher jedoch noch nicht erbracht (Konradt & Hertel, 2004)
soge-2.5.2 Probleme in Bezug auf Fairness und Gleichberechtigung
Ein zentraler Grundsatz psychologischer Personalauswahl beinhaltet,dass es zu keinen Benachteiligungen der Bewerber hinsichtlich Ge-
Trang 39schlecht, Religion oder ökonomischem Hintergrund kommen darf
(Westhoff et al., 2004) In diesem Zusammenhang gewährleisten
on-line-basierte Assessments einerseits, dass eine entsprechende
gleich-berechtigte Behandlung von Bewerbern eingehalten wird, da auch
Teilnehmer mit eingeschränkter Mobilität oder aus entfernten
Regio-nen unproblematisch am Auswahlverfahren teilnehmen könRegio-nen, und
die Beurteilung unabhängig von der äußeren Erscheinung erfolgt
Der Einsatz von Online-Assessments kann aber andererseits auch
zu Ungleichheiten führen, wenn Personen der Zielgruppe nicht über
eine geeignete EDV-Ausstattung oder nur geringe Internetkenntnisse
verfügen Selektive Zugangsmöglichkeiten und Medienpräferenzen
wirken sich möglicherweise auch negativ für das suchende
Unter-nehmen aus, da hierdurch gegebenenfalls die Bewerbergruppe
deut-lich eingeschränkt wird und dadurch eine suboptimale Besetzung der
Stelle resultieren könnte Außerdem gilt es im Zusammenhang mit
der Verfahrensfairness zu prüfen, ob die Ergebnisse der
verfahrensbe-zogenen Validierung und Normierung auf alle Bewerber
generalisier-bar sind und insbesondere Nutzer von Online-Assessments sich nicht
systematisch von Bewerbern, die solche Zugänge nicht verwenden
können, unterscheiden Sind diesbezüglich Zweifel angebracht,
soll-ten entsprechende Vergleichsstudien durchgeführt werden Brenner
(2002) gibt die Diskussion zu möglichen Verzerrungen durch den
Einsatz von Online-Assessment-Tools ausführlich wieder
2.5.3 Probleme der Globalisierung bei der
Personalauswahl
Der potenziell weltweit mögliche Zugang zu Online-Assessments
er-laubt eine internationale Suche nach Bewerbern mit nur geringem
Mehraufwand Eine entsprechende Globalisierung des Stellenmarktes
bzw der Bewerberrekrutierung wirft jedoch eine Reihe zusätzlicher
Fragen in Bezug auf die Sprache des Auswahlinstruments, die
Berück-sichtigung nationaler Teststandards, Normen und Rechtsvorschriften
sowie die Beachtung kultureller Unterschiede bei der Konstruktion
des Testmaterials auf Erste Erfahrungen in diesem Kontext legen
nahe, dass die Auswahlverfahren möglichst in der Muttersprache der
Bewerber bearbeitet und die Ergebnisse mit den jeweiligen nationalen
Referenzgruppen verglichen und die Auswahlkriterien
länderspezi-fisch angepasst werden sollten (vgl Konradt & Hertel, 2004) Zu
be-rücksichtigen ist darüber hinaus in diesem Zusammenhang, dass es
länderspezifische Präferenzen in Bezug auf Personalauswahlverfahren
gibt (so ist z B der Einsatz von Persönlichkeitstests in Deutschland
deutlich weniger verbreitet als in anderen europäischen und
anglo-amerikanischen Ländern)
Kulturelle Unterschiede
2.5 · Nachteile und Probleme des online-basierten Assessments
Trang 40Verfah-d h die Verhaltenstendenz bei einem Test Einsatz zu zeigen und gutabzuschneiden, kann je nach motivationaler Ausgangslage und Inten-sität unterschiedlich ausfallen und mit divergierenden Präferenzenfür unterschiedliche Verfahrenstypen verbunden sein Personen mithoher Testmotivation präferieren beispielsweise eher Persönlichkeits-und Leistungstests als biografische Fragebögen, während es bei Per-sonen mit niedriger Testmotivation umgekehrt ist (Konradt & Hertel,2004) Dies sollte bei der Auswahl entsprechender Online-Verfahren
je nach Zielgruppe und Assessment-Absicht berücksichtigt werden.Die Akzeptanz von Online-Assessments (ähnlich wie bei herkömm-lichen Auswahlverfahren) hängt darüber hinaus auch davon ab, wieausführlich und transparent die Bewerber über die Stellenanforde-rungen sowie das Ziel und Prozedere des Auswahlverfahrens infor-miert werden Um die Akzeptanz der Bewerber gegenüber Online-Assessments zu steigern, sollten entsprechende Informationen imVorfeld des Assessments auf den Webseiten gegeben und insbesonde-
re »realistische vorausschauende Informationen« über die Stelle unddas Unternehmen vermittelt werden Dies führt schließlich auch zueiner sorgfältigeren und zuverlässigeren Abwägung der Bewerbungs-absicht und einer Selbstselektion der Bewerber Abschließend ist zuerwähnen, dass auch die »wahrgenommene Fairness« als Teilaspektder Akzeptanz gegenüber Auswahlverfahren durch in nachfolgenderÜbersicht dargestellte Aspekte positiv beeinflusst werden kann (vgl.Hough, Oswald & Ployhart, 2001)
Checkliste: Aspekte der Fairness
Hoher Anforderungsbezug des Verfahrens zum Stellenprofil Möglichkeit, eigene Fähigkeiten und Kenntnisse im Verfahren einbringen zu können
Konsistenz der Testdurchführung Informationen über den Auswahlprozess und Feedback über die erzielte Leistung sowie die Auswahlentscheidung Respektvoller Umgang mit den Bewerbern von Seiten des Unternehmens
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Infos über den Auswahlprozess