NATIONALUNIVERSITÄT HANOI FREMDSPRACHENHOCHSCHULE FAKULTÄT FÜR POST GRADUIERTE TRẦN THI ̣HUYỀN TRANG SPRECHHANDLUNG UND DEREN PRAXIS IN DEN DEUTSCHEN WERBESLOGANS IM BEREICH DER KOSMETIK UND LEBENSM[.]
Trang 1NATIONALUNIVERSITÄT HANOI FREMDSPRACHENHOCHSCHULE FAKULTÄT FÜR POST-GRADUIERTE
TRẦN THI ̣ HUYỀN TRANG
SPRECHHANDLUNG UND DEREN PRAXIS IN DEN DEUTSCHEN WERBESLOGANS IM
BEREICH DER KOSMETIK UND
Hanoi - 2015
Trang 2NATIONALUNIVERSITÄT HANOI FREMDSPRACHENHOCHSCHULE FAKULTÄT FÜR POST-GRADUIERTE
TRẦN THI ̣ HUYỀN TRANG
SPRECHHANDLUNG UND DEREN PRAXIS IN DEN DEUTSCHEN WERBESLOGANS IM
BEREICH DER KOSMETIK UND
Hanoi - 2015
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ERKLÄRUNG
Hiermit versichere ich, dass ich die vorliegende Masterarbeit selbständig verfasst habe Für meine Arbeit entnahm ich auch die Angaben sowie Zitate aus verschiedenen Büchern und Quellen, die im Literaturverzeichnis angegeben sind
Hanoi, 2015
Trần Thi ̣ Huyền Trang
Trang 4ii
VORWORT
Im Rahmen meiner Abschlussarbeit befasse ich mich mit dem Thema Sprechakttheorie und deren Praxis in deutschen Werbeslogans aus dem Bereich der Kosmetik und Lebensmittel
An dieser Stelle möchte ich bei meinen Eltern dafür danken, dass sie mein langjähriges Studium unterstützt haben
Mein besonderer Dank gebührt Frau Dr Dörte Lütvogt und Frau Dr Le Tuyet Nga, die durch ihre Betreuung und Hilfe diese Arbeit erst ermöglicht haben Ich bedanke mich bei Herrn Prof Dr Christian Fandrych, Frau Prof Dr Karen Schramm und Frau Katharina Herzig, die mir ein Forschungsstipendium für Recherchen zu meiner Arbeit bewilligt haben
Bedanken möchte ich auch bei allen Dozenten und Kommilitonen, die mir beim Studium und bei der Masterarbeit geholfen haben Das sind Frau Pham Thu Phuong, Luu Trong Nam
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INHALTVERZEICHNIS
VORWORT ii
Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen: v
0 EINLEITUNG 1
Problemstellung 1
Zielsetzung und Fragestellung 2
Methode und Vorgehensweisen 3
I THEORETISCHE GRUNDLAGEN 4
1 Was versteht man unter der Sprechakttheorie? 4
2 Sprechakte 4
3 Verhältnis der Teilakte zueinander 7
4 Sprechaktregeln 8
4.1 Glückensbedingungen 9
4.2 Gebrauchsregeln der illokutionären Indikatoren 15
5 Sprechaktklassifikation 16
5.1 Die Kriterien von Searle 16
5.2 Fünf Klassen der Illokutionären Akte von Searle 17
6 Zuordnungstypen der Sprechakte 28
6.1 Direkter Sprechakt 28
6.2 Indirekter Sprechakt 32
7 Slogans und die Rolle in der Kommunikation 36
7.1 Begriffserklärung: Slogan 36
7.2 Slogans und ihre Bedeutungskraft 36
7.3 Unterschied zwischen Slogans und Schlagzeilen 37
7.4 Funktionen von Werbeslogans 38
II: PRAKTISCHER TEIL: ANALYSE VON WERBESLOGANS IM BEREICH DER KOSMETIK UND LEBENSMITTEL 41
1 Analyse der Sprechakttypen in den Werbeslogans 42
1.1 Assertiva 43
1.2 Direktiva (Fragen) 45
1.3 Direktiva als Empfehlungshandlung 45
1.4 Expressiva 47
2 Perlokution und die Wirkung am Beispiel deutscher Werbeslogans 47
2.1 Situative Aspekte/ inszenierte Situationen 49
Trang 6iv
2.2 Sprachliche Abweichungen: Wort- und Sprachspiele 53
3 Qualitative Analyse von indirekten Sprechakte in den Werbeslogans 56
FAZIT 61
Literaturverzeichnis 63 ANHANG I
Trang 7v
Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen:
Tab.2: Unterschied zwischen implizit und explizit performativ
6 Tab 3: Glückensbedingungen für den Vollzug des illokutionären Sprechakts
Tab.4: Searles Regeln für den Vollzug eines Versprechens
16 Tab.5: illokutionäre Oberklassen nach Searleschen Kriterien
18 Tab.6: Illokutionskraftfamilien mit sprechhandlungsbezeichnenden Ausdrücken
27 Abbildung 1: Über – und untergeordnete Sprechaktkategorien
29 Abbildung 2: die Ausdrucksmöglichkeiten der direkten Sprechakte nach der
Abbildung 3: Werbeanzeige von Knorr
38
Abbildung 5: Untersuchungsfelder von Perlokution im Bereich der Werbung
49
Diagramm 2: Konstellationen von situativen Aspekten in Werbeslogans
51
Trang 8zu tun hat
Bei der Sprechakttheorie handelt es sich um eine umfassende und umfangreiche Theorie, die auf den Theorien von zwei englischen Sprachphilosophen basiert, die einen wichtigen linguistischen Grundstein gelegt haben: John Langshaw Austin (1911-1960) als Begründer der Sprechakttheorie mit seiner bekannten Vorlesung
„How to do thing with words“ und John Rogers Searle (1932) mit dem Buch
„Speech acts“ Darüber hinaus beschäftigt sich die Arbeit mit den Auffassungen
von anderen Autoren wie Meibauer, Heringer, Levinson etc
Für den Begriff Sprechakt oder Sprechhandlung existieren verschiedene
Auffassungen Searle hat die Hypothese, „dass der Sprechakt die Grundeinheit der Kommunikation ist, deutet zusammen mit dem Prinzip der Ausdruckbarkeit darauf hin, dass eine Reihe von analytischen Beziehungen besteht zwischen dem Sinn von Sprechakten; dem, was der Sprecher meint; dem, was der geäußerte Satz (oder ein anderes sprachliches Element) bedeutet; dem, was der Sprecher intendiert, dem, was der Zuhörer versteht; und den Regeln, die für die sprachlichen Elemente bestimmend sind“ 1 In Austins Vorlesung basiert das Verständnis von Sprechakt
hauptsächlich auf der sprachphilosophischen Theorie der Sprechakte zur Erklärung der Frage, was man unter dem Gebrauch einer Äußerung versteht Diese zwei Theorien werden allgemein hoch geschätzt und sind als grundlegend für spätere Untersuchungen auf der Ebene der Sprechakttheorie anzusehen
1
Searle, 1983:36f
Trang 92
Neben zahlreichen Anwendungsbereichen gerät die Sprechakttheorie im Bereich der Werbung in den Blick In der vorliegenden Arbeit sollen Sprechhandlungen anhand von Werbeslogans aus den Bereichen Nahrungsmittel und Kosmetik näher untersucht werden Ich kenne mich persönlich gut mit diesen Bereichen aus und es besteht eine große Bandbreite von Slogans bezüglich der genannten Themenbereiche Das im Anhang beigefügte Korpus besteht aus 109 Werbeslogans aus Printausgaben von Zeitungen oder Zeitschriften, aus Internetquellen, die im Praxisteil dieser Arbeit analysiert werden Das Korpus zeigt einen kleinen Ausschnitt der Werbewirklichkeit im Zusammenhang mit Sprechhandlungen und macht die sprachlichen Strategien der Werbung erkennbar Alle Slogans in dem Korpus gehören zu den besonders häufig beworbenen Bereichen Lebensmittel bzw Kosmetik, an denen insbesondere Frauen ein großes Interesse haben
Die vorliegende Masterarbeit ist eine Einführung in die linguistische Sprechhandlungstheorie und die Praxis zur Analyse der Werbeslogans Der theoretische Teil der Arbeit setzt sich mit der Frage „Worauf beziehen sich die Handlungen?“ auseinander Es werden die wichtigen Begriffe eingeführt und das Verhältnis zwischen den Sprechhandlungen wird dargestellt Außerdem wird die Klassifikation von Sprechhandlungen behandelt und eine Antwort auf die Frage gegeben, welche Grundtypen von sprachlichen Handlungen sich unterscheiden lassen Im praktischen Teil soll die Sprechakttheorie im Rahmen einer Analyse von deutschen Werbeslogans aus dem Bereich der Nahrungsmittel und Kosmetik angewendet werden
Zielsetzung und Fragestellung
Sprechakttheorie oder Sprechhandlung steht im Mittelpunkt und gilt als Meilenstein der linguistischen Pragmatik Neben den Theorien von Searle und Austin als Grundlage für weitere Forschungen wird dieses Thema von vielen Linguisten in Rücksicht genommen
Diese Arbeit möchte einen Beitrag dazu leisten, das Verhältnis der Teilakte wie Lokution, Illokution oder Perlokution besser zu verstehen und ihre Bedeutung in der
Trang 10Folgenden Fragen werden in die Arbeit behandelt:
Was versteht man unter Sprechakt oder Sprechhandlung?
Wie können die Teilakte hinsichtlich der Sprachtheorien analysiert werden und wie kann man die Sprechhandlungen klassifizieren?
Wie lassen sich Werbeslogans mit den Begriffen der Sprechakttheorie analysieren und welche Werbestrategien werden in den ausgewählten Werbeslogans aus den Bereichen Lebensmittel und Kosmetik erkennbar?
Methode und Vorgehensweisen
Im ersten großen Teil der Arbeit sollen die grundlegenden Theorien zu den Begriffen „Sprechakt“ und „Sprechhandlung“ dargestellt und diskutiert werden Dabei sollen nicht nur die Auffassungen der Klassiker der Sprechakttheorie (Austin und Searle), sondern auch ihre neueren Entsprechungen in den Theorien
zeitgenössischer Linguisten behandelt werden
Die konkreten Kriterien und die Sichtweisen der Wissenschaftler zum Sprechakt sollen verglichen und zugleich herausgefiltert werden Durch eine Zusammenfassung in Form einer Tabelle mit Beispielen sollen die Verhältnisse zwischen Aspekten verdeutlicht werden
Im praktischen Teil der Arbeit werden die Werbeslogans aus dem Korpus mit dem Begriffsinstrumentarium der Sprechakttheorie und anhand des Leitfadens über die
Werbesprache von Nina Janich sowohl quantitativ als auch qualitativ analysiert
Trang 114
I THEORETISCHE GRUNDLAGEN
1 Was versteht man unter der Sprechakttheorie?
Sprechhandlungstheorie, die ihren Ursprung in der englischen Ordinary Philosophy hat, wird als Theorie des Sprachgebrauchs angesehen Für diese philosophische Richtung legen Wittgenstein2, Austin3 und Ryle4 den Meilenstein und gelten als Begründer der Sprechhandlungstheorie Die Sprechhandlungstheorie untersucht vor allem den Gebrauch der sprachlichen Formen in der Kommunikation und versucht den Gebrauch von sprachlichen Mitteln Diese Theorie zählt zu den wesentlichen Theorieansätzen in der modernen Sprachwissenschaft: Dies sind der Strukturalismus als Theorie des Sprachsystems, die generative Linguistik als Theorie der Sprachkompetenz und die Sprechhandlungstheorie
Language-Hindelang vertritt die These, dass die Sprechhandlungstheorie den Handlungscharakter der Sprache betont Dies führt also zu dem Gegensatz zwischen
„tun“ und „sprechen“ für die Sprechhandlung und es geht darum, was als praktische und was als sprachliche Handlungen verstanden werden kann.5
Nach der Bewertung von Hindelang verleiht die Sprechakttheorie der Linguistik besonderes Gewicht, weil damit eine revolutionäre Entwicklung und ein Paradigmenwechsel begonnen haben
2 Sprechakte
Sprechakt ist eine sprachliche Handlung, wobei das wesentliche Merkmal einer Handlung darin besteht, dass sie mit einer bestimmten Intention verbunden ist6 Dadurch können die Hörer je nach der Interpretation die Wahrheit, das Missglücken bzw den Erfolg der Handlung beurteilen
Innerhalb seiner Vorlesungsinhalte unterscheidet Austin beim Sprechakt 3 Teilakte: den lokutionären Akt, den illokutionären Akt und perlokutionären Akt
Trang 125
Währenddessen unterteilt Searle den Begriff Sprechakt in vier Teilakte: den Äußerungsakt, den propositionalen Akt, den illokutionären Akt und den perlokutionären Akt Dies soll in der folgenden Tabelle veranschaulicht werden:
Tab 1: Bestandteile der Sprechhandlung nach Austin und Searle (eigene Tabelle)
Nach Searle und Austin ist zu erkennen, dass der illokutionäre Akt in jedem Satz die zentrale Rolle spielt Dabei prägte Searle den Terminus „illokutionäre Indikatoren“ als sprachliche Mittel in einem Satz, an denen sich die illokutionäre Akte unmittelbar erkennen lassen Zu den illokutionären Indikatoren zählen die
Äußerungsakt
- rhetischer Akt bezieht sich auf + bestimmte Objekte in der Welt + ausgesagte Eigenschaft der Objekte
Propositionaler Akt
+ Referenz + Prädikation
Illokutionärer Akt: man zeigt, was man mit einer Handlung
bezweckt wie Frage, Bitte, Warnung, Empfehlung, Drohung
Illokutionärer Akt
Perlokutionärer Akt: bestimmte Wirkung, die durch den Sprechakt
erzielt wird z.B.: aufklären, belehren, überzeugen, anregen
Perlokutionärer Akt
Trang 13Erkennung dieses Verbs ist der „hiermit-Test“ nutzbar Hiermit könnte als reflexive Einheit oder ein Performativitätsindikator verstanden.8 Dazu gehören einige Verben wie beispielweise: taufen, entschuldigen, versprechen, raten
token-z.B.: Ich verspreche dir hiermit, am Samstag dort anzukommen (VERSPRECHEN) Ich verspreche ihm (*hiermit), am Samstag dort anzukommen (BEHAUPTUNG) Einen Sprechakt explizit performativ zu vollziehen heißt, das zu tun, wovon man
spricht Den Unterschied zwischen „explizit performativ“ und „implizit performativ“ hat Staffeldt zusammengefasst:9
Ausdrucksweise macht klar, welche
vollgezogen wird
Es wird nicht unmittelbar expliziert, welche Handlung mit der Äußerung vollgezogen wird
Bsp.: Ich verspreche dir, dass ich
wiederkomme
Bsp.: Ich werde wiederkommen
Tabelle 2: Unterschied zwischen implizit und explizit performativ
Nach Rolf bilden illokutionäre Kräfte den Hauptgegenstand der illokutionären Logik Illokutionskräfte werden dabei wie folgt definiert:
„Illokutionskräfte sind Eigenschaften sprachlicher Handlungen Was Illokutionskraft genannt wird, ist ein Bedeutungs- oder Sinnaspekt von Äußerungen, man kann auch sagen, dass deren
(Rolf 1997: 7)
Trang 147
Der Begriff der Perlokution stammt von Austin und wurde weiterentwickelt Die Perlokution wird bisher nur allgemein als der Akt definiert, der die Wirkung der sprachlichen Äußerung auf den Rezipienten meint In der Werbung spielt die Wirkung auf den Rezipienten eine wichtige Rolle Der Begriff „perlokutionärer Akt“ ist jedoch umstritten, weil das eigentlich keine Handlung, sondern nur die Wirkung bzw der Effekt einer Handlung ist – den der Sprecher aber niemals hundertprozentig beeinflussen kann
Es ist schwierig zu bewerten, wie die Reaktion eines Rezipienten auf eine Werbeanzeige aussieht, weil dies von verschiedenen Faktoren wie den Bedürfnissen des Rezipienten oder der Qualität des Produktes abhängt
3 Verhältnis der Teilakte zueinander
Searle hat in seiner Aktlehre wesentliche Bezugswörter der drei Akte kurz zusammengefasst: der lokutionäre Akt bezieht sich auf alles, was am Zustandekommen von Bedeutung beteiligt ist, der illokutionäre Akt auf die Sprachhandlung des Sprechers im Zusammenhang mit dem Äußerungsakt und der perlokutionäre Akt auf die Wirkung der sprachlichen Äußerung auf den Hörer.11Das Verhältnis der Teilakte lässt sich genauso wie ein natürlicher Reflex der Menschen in einer bestimmten Situation nachvollziehen Man erkennt die Information durch Wörter und ihre grammatischen Regeln (Äußerungsakt), in denen das Objekt (Referenz) und der umfassende Inhalt (Prädikation) benannt werden, und mit dem Gesagten ist eine bestimmte Intention (Illokution) verbunden
Ob der perlokutionäre Akt (intendierte Wirkung) erfolgreich ist oder nicht, hängt unmittelbar davon ab, wie das Gesagte analysiert und verstanden wird
Beispiel: Hätte ich doch nicht Betriebswirtschaftslehre als Hauptfach gewählt!
- Äußerungsakt: phonetisch und wörtlich
- Propositionaler Akt: Referenz (Ich) und Prädikation (BWL auswählen)
Trang 154 Sprechaktregeln
In der alltägigen Kommunikation werden die sprachlichen Handlungen bzw Sprechakte intuitiv benutzt, d.h man benutzt sie, ohne sich wirklich darüber
Gedanken zu machen, sondern mehr aus Instinkt heraus Allerdings widmete sich
John Searle der Untersuchung von Sprechaktregeln, die auf Austins Glückensbedingungen basierten Durch Aufstellung solcher Glückensbedingungen
lässt sich feststellen, ob ein Sprechakt bzw seine Illokution erfolgreich ausgeführt ist Die illokutionären Indikatoren zum Ausdruck einer bestimmten Illokution
können wiederum erst eingesetzt werden, wenn die Glückensbedingungen erfüllt sind Hierbei handelt es sich um Gebrauchsregeln der illokutionären Indikatoren
Searle geht davon aus, dass die Sprechaktregeln somit aus den
Glückensbedingungen und den Gebrauchsregeln der illokutionären Indikatoren
Trang 169
Searles Regelsystem hat Kornwachs die Regeln und deren Problem analysiert und geht davon aus, dass ein Sprechakt geglückt ist, wenn er die richtige Interpretation erfährt Er betrachtet den Sprechakt als Einheit des kommunikativen Handels von
Sprecher und Hörer Der Begriff Axiom wird eingeführt und betrifft vor allem den
Vollzug einer Handlung Searle hat sich in seinem Buch mit der Frage nach der Regelhaftigkeit illokutionärer Akte beschäftigt Harras hatte die wichtigen Gründe für die Regelformulierung gezeigt.13 Dazu gehören die wichtigen Punkten:
- Erstens, die Vorschläge für Regelformulierung haben eine enorme Wirkung auf Untersuchungen von Sprechakten
- Zweitens, an den Searlchen Regeln lassen sich die Schwierigkeiten aufzeigen, wenn man Regeln für jeweilige Sprecher und Adressanten formulieren will
- Drittens, Searlchen Regel eignen sich besonders gut an alle Illustration der Austinschen These, dass Sprecher immer mehr ist als nur ein paar Wörter sagen
Es lässt sich feststellen, dass die Vorschläge für Regelformulierungen eine enorme Wirkung auf Untersuchungen von Sprechakten auf pragmatischer Ebene haben und die Schwierigkeiten solcher Regeln gut aufgezeigt werden Für indirekte Formulierungen steht meistens kein konventionales Verfahren zur Verfügung Dies bedeutet nicht, dass sich zum Vollzug der illokutionären Akte kein konventionales Verfahren ausmachen lässt, sondern unterscheidet sich durch verschiedene konventionale Regel voneinander
Im folgenden Teil beschäftigen wir uns mit der Frage, unter welchen Bedingungen ein Kommunikationsversuch zustande kommt und als gelungen zu betrachten ist
Trang 17Austin hatte gesagt, dass es für illokutionäre Akte ein konventionales Verfahren geben müsste, das festlegt, als was eine Äußerung in einer bestimmten Situation/ Konzept gelten soll Die Behauptung lässt sich in dieser allgemeinen Form nur für explizit performative Äußerung aufrechterhalten.15
Nun wird nur der Illokutionsakt Versprechen zur Erläuterung der Glückensbedingungen benutzt Natürlich gibt es für andere illokutionäre Akte auch Glückensbedingungen, aber es könnte auch sein, dass unterschiedliche Glückensbedingungen für verschiedene Illokutionsakte gelten
Auf dem Weg zur Analyse fragt Searle nach den notwendigen Bedingungen für den Vollzug der Handlung und ist der Auffassung, dass gewisse Glückensbedingungen zur erfolgreichen Einlösung eines Versprechens erfüllt werden müssen Die Bedingungen werden von Searle formuliert:
„wenn ein Sprecher S im Beisein eines Zuhörers H einen Satz T äußert, dann verspricht er dem Zuhörer H durch die wörtlich gemeinte Äußerung von T richtig und aufrichtig, dass p, dann und nur dann, wenn die folgenden Bedingungen (1)-(9) erfüllt sind“.16
(1) „Es herrschen normale Eingabe- und Ausgabe-Bedingungen“17
Bedingungen der normalen Eingabe und Ausgabe (normal input and output condition) gelten als Vorrausetzung für sinnvolles Sprechen und Verstehen Sie gehören zu den allgemeinen Bedingungen und sind ein entscheidender Faktor in der
Trang 1811
Kommunikation Normale Eingabe- und Ausgabe-Bedingungen liegen z B nur dann vor, wenn die beteiligten Personen nicht taub, nicht stumm, nicht betrunken oder auf andere Weise unzurechnungsfähig sind Hinzu kommen Bedingungen, die das lexikalische Wissen betreffen; Bedingungen, die die Präsuppositionen von Sprechern und Hörern angehen, und kontextuelle Bedingungen Unter lexikalischem Wissen kann man verstehen, dass Sprecher und Hörer eine gemeinsame Sprache beherrschen und einen gemeinsamen Wortschatz haben Damit die Bedingungen bezüglich der Präsuppositionen erfüllt sind, muss das Wissen um die institutionellen Regeln des verbalen und nonverbalen Verhaltens und den Kontext des Gesprächs übereinstimmen Zu den kontextuellen Bedingungen gehört, dass die devianten Diskurse wie Schauspiel oder Witze vermieden werden müssen.18
(2) In der Äußerung von T drückt S die Proposition aus, dass p“
(3) Indem S ausdrückt, dass p, prädiziert S einen zukünftigen Akt A von S19
Die Bedingungen des propositionalen Gehalts thematisieren beim Versprechen eine zukünftige Handlung des Sprechers in der Proposition Die Regel des propositionalen Gehalts kann dadurch verletzt werden, dass der Hörer aus der Kenntnis der Situation heraus die Variablen nicht bestimmen und die Proposition nicht explizit interpretieren kann Mit anderen Worten ist ein Versprechen keines, bei welchem dem Hörer nicht klar ist, was ihm eigentlich versprochen wird
(4) H würde es lieber sehen, wenn S A ausführt, als wenn er es unterlässt, und S glaubt, dass es H vorziehen würde, wenn S A ausführt, als wenn er dies unterlässt.20(5) Es ist sowohl für S als auch für H nicht offensichtlich, dass S bei normalem Verlauf der Ereignisse A ausführen wird21
Trang 1912
Die Bedingungen (4) und (5) werden als Einleitungsbedingungen bezeichnet Wenn der Sprecher wissentlich etwas verspricht, was der Hörer auf keinen Fall will, handelt es sich nicht um ein Versprechen (sondern um eine Drohung) Und wenn der Sprecher etwas verspricht, was auch ohne dieses Versprechen geschehen würde, ist das ebenfalls kein Versprechen
(6) S beabsichtigt A zu tun
Diese Bedingung gilt beim Akt des Versprechens als die wesentliche Bedingung Wesentliche Bedingungen sind dasjenige Merkmal, dass eine Illokutionsfamilie von den anderen unterscheidet Eine Verletzung der wesentlichen Bedingung liegt beim Akt des Versprechens vor, wenn der Hörer aus der Kenntnis des Charakters des Sprechers weiß, dass dieser zur Ausführung der versprochenen Handlung in Wirklichkeit nicht willig oder fähig ist Die wesentliche Regel beim Versprechen liegt im Eingehen einer Verpflichtung
(7) Es liegt in der Absicht von S, sich mit der Äußerung von T zur Ausführung von
A zu verpflichten
Diese Bedingung wird als „Aufrichtigkeitsbedingung“ bezeichnet Dabei geht es um das Vorhandensein eines bestimmten psychischen Zustandes – der festen Absicht, das Versprechen auch einzuhalten Der Akt des Versprechens ist nicht vollzogen, wenn die Aufrichtigkeitsbedingung nicht erfüllt ist
(8) S beabsichtigt (I - i), bei H die Erkenntnis (K) zu bewirken, dass die Äußerung von T als S’ Übernahme der Verpflichtung zur Ausführung von An anzusehen ist S beabsichtigt, K durch die Erkenntnis von (I – i) zu bewirken, und es liegt in seiner Absicht, dass I – i auf Grund von (mittels) Hs Kenntnis der Bedeutung von T erkannt wird.22
22
Searle 1971: 93
Trang 2013
(9) Die semantische Regeln des Dialekts, den S und H sprechen, sind von solcher Beschaffenheit, dass T korrekt und aufrichtig nur dann geäußert wird, wenn die Bedingungen von (1) – (8) erfüllt sind.23
Diese semantischen Regeln gehören nach Searle zu den notwendigen und hinreichenden Voraussetzungen Allerdings können semantische Regeln nur dann befolgt werden, wenn die vorher genannten Bedingungen erfüllt sind
Das folgende Schaubild (auf der nächsten Seite) gibt einen Überblick über die Bedingungstypen
Glückensbedingungen für den Vollzug des illokutionären Sprechakts
Ausgabebedingungen (normal input and
Versprechens bezieht sich auf die
Zukunft
4 das Versprochene ist im Interesse des
Hörers
Einleitungsbedingungen
5 das Versprochene wird nicht
offensichtlich sowieso eintreten
6 feste Absicht des Sprechers, das
7 Sprecher verpflichtet sich, das Wesentliche Bedingung
Trang 2114
Versprochene auszuführen
8 Hörer erkennt die mit der Äußerung
des Sprechers verbundene Intention
(sprachliche Bedeutung der Äußerung
wird verstanden)
Bedeutungsbedingungen (allgemeine Bedingungen)
9 Bedingung garantiert die Rückbindung
konventionelle Bedeutung in der
Sprachausprägung (dem „Dialekt“)
Tabelle 3 (eigene Tab.): Zusammenfassung der Bedingungstypen von Versprechen
Wie aus Searles theoriebezogener Tabelle zu entnehmen ist, lassen sich die neun Glückensbedingungen in fünf Gruppen unterteilen Zum Anfang hat man in der Gruppe der allgemeinen Bedingungen folgende Glückensbedingungen:
Die 1 Glückensbedingung besagt, dass die Kommunikationspartner in einem normalen Zustand und nicht zum Beispiel betrunken, abwesend oder taub sein dürfen Die 8 und 9 Glückensbedingung geht auf die Bedeutung einer Aussage in der Sprachumgebung des Sprechers und Hörers zurück Die Aussage muss in der
Sprachumgebung der beiden Beteiligten als ein Versprechen verstanden werden
Eine andere Gruppe der Glückensbedingungen ist die Gruppe der Bedingungen des propositionalen Gehaltes In der 2 Glückensbedingung wird besagt, dass der
Gegenstand des Versprechens klar und deutlich sein muss, somit wird die Äußerung
„Ich verspreche etwas, was ich aber nicht sagen kann!” nicht als ein Versprechen angesehen Die 3 Glückensbedingung setzt voraus, dass es bei einem Versprechen
um etwas in der Zukunft geht Zu äußern Ich verspreche dir, ich habe die Hausaufgaben gestern schon gemacht, kann somit kein Versprechen sein, sondern
mehr eine Beteuerung.25
25
Meibauer, 2001: 91
Trang 2215
Einleitungsbedingungen Die 4 Glückensbedingung legt fest, dass das
Versprochene auch im Interesse des Hörers sein muss Zu sagen Ich verspreche dir, Erdnüsse zu kaufen, obwohl du dagegen allergisch bist, wäre wohl als ein Versprechen nicht geglückt Die 5 Glückensbedingung hält fest, dass das Versprochene in der Macht des Sprechers liegt und nicht von selbst eintreten wird Wenn heute Montag wäre, würde die Äußerung Ich verspreche dir, morgen wird es Dienstag sein überhaupt nicht als ein Versprechen verstanden.26
Wenn ein Versprechen geäußert wird, muss die Absicht, dieses Versprechen einzulösen, auch dabei sein Dies ist auch der Inhalt der 6 Glückensbedingung27 Zu
äußern „Ich komme morgen, aber ich habe nicht die Absicht zu kommen“, wäre damit kein Versprechen Die 7 Glückensbedingung besagt, dass der Sprecher sich verpflichten muss, sein Versprechen auch durchzuführen Somit schließt man solche Äußerungen wie „Wir machen morgen eine Bootsfahrt, aber nun rechne bloß nicht damit, dass ich mit dir eine Bootsfahrt mache“ aus28
4.2 Gebrauchsregeln der illokutionären Indikatoren
Wie oben schon erläutert, braucht man illokutionäre Indikatoren und einen Illokutionsakt, um einen Sprechakt durchzuführen Zur Einsetzung der Indikatoren kommt wiederum Gebrauchsregeln eine maßgebliche Bedeutung zu Diese Regeln beruhen auf einer gemeinsamen Funktion mit den Glückensbedingungen, wie hier
in der Tabelle dargestellt wird.29
Gebrauchsregeln der illokutionären Indikatoren nach Searle (1974)
Das Beispiel Versprechen wird weiterhin benutzt
(V = Illokutionsindikator; Bsp Performatives Verb: versprechen)
(1) Regel des propositionalen Gehalts
V darf nur geäußert werden, wenn sich der propositionale Gehalt des Versprechens
Trang 235.1 Die Kriterien von Searle
Searle verwendete zwölf Kriterien, um die Illokutionen zu klassifizieren Die drei wichtigsten davon sind wesentliche Regel, Anpassungsrichtung und der psychische Zustand
a Wesentliche Regel, mit der man den Zweck eines Sprechaktes bezeichnen kann
b Anpassungsrichtung/ Ausrichtung, mit der man den Zusammenhang zwischen
der realen Welt und den Worten beschreiben kann Es könnte sein, dass die Worte sich nach der realen Welt richten oder umgekehrt, dass die Welt von den Worten abhängt 30
- Bei einem assertiven Akt wird gesagt, wie es sich ein einer bestimmten Angelegenheit verhält Wir müssen sich mit unseren Worten der Welt anpassen Diese Ausrichtung wird Wort-auf-Welt-Ausrichtung genannt
30
Vgl Staffeldt 2009: 77f
Trang 24c Psychischer Zustand, mit dem man verstehen kann, auf welchem Zustand eine
Äußerung basiert Beispielweise ist der psychische Zustand einer Bitte der Wunsch: der Sprecher will/hofft, dass der Hörer etwas tun wird Staffeldt ist der Auffassung, dass jeder Sprechakt seine eigene Aufrichtigkeitsbedingung Mit anderen Worten drücken wir damit auch aus, dass wir uns in einem entsprechenden Zustand befinden, wenn wir einen Sprechakt vollziehen möchten.31
Nach diesen drei Kriterien hat Searle die illokutionären Akte in fünf Klassen unterteilt
5.2 Fünf Klassen der Illokutionären Akte von Searle
Diese folgende Tabelle ist eine weitere wichtige Systematisierung von Searle und die Erarbeitung von Heringer32 für den Aufbau und die Arten der Sprechakte Aus Heringers Sicht baute Searle auf Intuition, nicht auf den Kern von sprechaktbezeichnenden Verben Im Rahmen der Arbeit sollen nicht die Kriterien zur Klassifikation der Sprechakte/Sprechhandlungen im Detail behandelt werden, sondern es interessiert vor allem die Frage, wie die Typologie der Sprechhandlung
in der Praxis angewandt werden kann In der eigenen folgenden Tabelle werden die Klassen konkreter veranschaulicht