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DIE DARSTELLUNG DER „VATERKINDBEZIEHUNG“ IN ZWEI KURZGESCHICHTEN „DIE KIRSCHEN“ VON WOLFGANG BORCHERT UND „CHIẾC LƯỢC NGÀ“ VON NGUYỄN QUANG SÁNG

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THÔNG TIN TÀI LIỆU

Thông tin cơ bản

Tiêu đề Die Darstellung Der „Vater-Kind-Beziehung“ In Zwei Kurzgeschichten „Die Kirschen“ Von Wolfgang Borchert Und „Chiếc Lược Ngà“ Von Nguyễn Quang Sáng
Tác giả Nguyen Anh Van
Người hướng dẫn MA. Le Hong Van
Trường học Fremdsprachenhochschule Der Nationaluniversität Hanoi
Chuyên ngành German Language and Culture
Thể loại bachelorarbeit
Năm xuất bản 2022
Thành phố Hanoi
Định dạng
Số trang 72
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Nội dung

KHÓA LUẬN TỐT NGHIỆP TIẾNG ĐỨC ĐỀ TÀI: KHẮC HỌA “MỐI QUAN HỆ CHACON” TRONG HAI TRUYỆN NGẮN “DIE KIRSCHEN” CỦA WOLFGANG BORCHERT VÀ “CHIẾC LƯỢC NGÀ” CỦA NGUYỄN QUANG SÁNG Họ và tên: Nguyễn Ánh Vân Ngày sinh: 14.10.2000 Khóa: QH.2018 Giáo viên hướng dẫn: ThS. Lê Hồng Vân

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FREMDSPRACHENHOCHSCHULE DER NATIONALUNIVERSITÄT HANOI

FAKULTÄT FÜR DEUTSCHE SPRACHE UND KULTUR

*******************************

Bachelorarbeit

DIE DARSTELLUNG DER „VATER-KIND-BEZIEHUNG“

IN ZWEI KURZGESCHICHTEN

„DIE KIRSCHEN“ VON WOLFGANG BORCHERT UND

„CHIẾC LƯỢC NGÀ“ VON NGUYỄN QUANG SÁNG

Name: Nguyen Anh Van Geburtsdatum: 14.10.2000 Jahrgang: QH.2018

Betreuerin: MA Le Hong Van

HANOI – 05.2022

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TRƯỜNG ĐẠI HỌC NGOẠI NGỮ - ĐẠI HỌC QUỐC GIA HÀ NỘI

KHOA NGÔN NGỮ VÀ VĂN HÓA ĐỨC

*******************************

KHÓA LUẬN TỐT NGHIỆP

KHẮC HỌA “MỐI QUAN HỆ CHA-CON”

TRONG HAI TRUYỆN NGẮN

“DIE KIRSCHEN” CỦA WOLFGANG BORCHERT VÀ

“CHIẾC LƯỢC NGÀ” CỦA NGUYỄN QUANG SÁNG

HÀ NỘI – THÁNG 05, 2022

Họ và tên: Nguyễn Ánh Vân Ngày sinh: 14.10.2000 Khóa: QH.2018 Giáo viên hướng dẫn: ThS Lê Hồng Vân

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Eidesstattliche Erklärung

Hiermit erkläre ich, dass ich die vorliegende Arbeit selbstständig und nur unter Zuhilfenahme der im Literaturverzeichnis genannten Werke anfertigt habe Sämtliche Stellen der Arbeit, die im Wortlaut oder dem Sinn nach anderen gedruckten oder im Internet verfügbaren Werken entnommen sind, habe ich durch genaue Quellenangaben kenntlich gemacht

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Ort, Datum

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Unterschrift

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Ich bedanke mich nachdrücklich bei Herrn Alex Nguyễn Thành für seine Vorschläge und sprachliche Korrektur meiner Arbeit.

Des Weiteren möchte ich mich bei den Dozentinnen und Dozenten an der Deutschen Abteilung bedanken, die mir ein Austauschsemester an der Universität Greifswald gegeben haben, damit ich viele wertvolle Materialien für diese Arbeit suchen kann.Mein nächster Dank gilt meiner Schwester Phương Uyên, die mich bei der Suche nach Materialien für meine Arbeit unterstützt und mich sehr ermutigt hat

Ich möchte meinen drei besten Freundinnen Ngân, Nhung und Thắm dafür danken, dass sie in der schwierigen Zeiten immer zur Stelle sind und mir so sehr helfen

Abschließend möchte ich mich bei meinen Eltern und meiner jüngeren Schwester bedanken, die mich beim Studium immer unterstützt und mir viel Kraft gegeben haben

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Inhaltsangabe

1 Einleitung 1

2 Theoretische Grundlagen 2

2.1 Zum Begriff „Kurzgeschichte“ 2

2.1.1 Definition 2

2.1.2 Entstehung und Entwicklung des Genres 3

2.1.3 Textsortenspezifische Merkmale 8

2.2 Charakteristika der Trümmerliteratur und Wolfgang Borchert 12

2.2.1 Historische Hintergründe 12

2.2.2 Stil und Thematik 13

2.2.3 Ein Überblick über das Leben und Werk Wolfgang Borcherts 14

2.3 Die vietnamesische Kriegsliteratur im 20 Jahrhundert und Nguyễn Quang Sáng 16

2.3.1 Historische Hintergründe 16

2.3.2 Stil und Thematik 17

2.3.3 Ein Überblick über das Leben und Werk Nguyễn Quang Sángs 18

3 Praktische Untersuchung 22

3.1 Inhaltsangabe 22

3.1.1 Die Kirschen (1947) 22

3.1.2 Chiếc lược ngà (1966) 22

3.2 Die Vater-Kind-Beziehung in der Kurzgeschichte „Die Kirschen“ von Wolfgang Borchert 23

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3.2.1 Die Figur „der Vater“ 23

3.2.2 Die Figur „Der Sohn“ 26

3.2.3 Das Missverständnis zwischen dem Vater und dem Sohn 29

3.3 Die Vater-Kind-Beziehung in der Kurzgeschichte „Chiếc lược ngà“ von Nguyễn Quang Sáng 31

3.3.1 Die Figur „Herr Sáu“ – der Vater 31

3.3.2 Die Figur „Thu“ – die Tochter 34

3.3.3 Das Missverständnis zwischen dem Vater und der Tochter 38

3.4 Forschungsergebnisse 41

3.4.1 Die Väter 41

3.4.2 Die Kinder 41

3.4.3 Stilistische Merkmale 42

4 Fazit und Ausblick 45 LITERATURVERZEICHNIS

ANHANG

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Historien om en moder (Die Geschichte von einer Mutter) von Hans-Christian

Andersen, das vietnamesische Gedicht Bếp lửa (Der Holzofen) von Bằng Việt usw

Unter den Werken zum Thema Familie nehmen die Werke zur Vaterschaft im Vergleich zur Mutterschaft oft eine geringere Zahl ein Dies hat in mir meine Neugier geweckt, mehr über Werke zur Vaterschaft in der deutschen und vietnamesischen Literatur zu erfahren Ich frage mich, ob es in diesen beiden Literaturen Werke gibt, die Ähnlichkeiten bei der Darstellung der Vater-Kind-Beziehung aufweisen Ich habe versucht, mehr darüber zu finden, aber gibt es leider bisher keine Forschungsarbeit über den Vergleich dieser Vater-Kind-Beziehung in der deutschen bzw vietnamesischen Literatur Daher habe ich mich entschieden, einen kontrastiven

Vergleich der Vater-Kind-Beziehung durch die Analyse beider Kurzgeschichten Die

Kirschen von Wolfgang Borchert und Chiếc lược ngà von Nguyễn Quang Sáng für

meine Bachelorarbeit anzustellen

1.2 Forschungsgegenstand, Forschungsfrage und Forschungsmethoden

Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf die Darstellung der Vater-Kind-Beziehung

in zwei Kurzgeschichten „Die Kirschen“ von Wolfgang Borchert und „Chiếc lược ngà“ von Nguyễn Quang Sáng”, um eine Frage zu beantworten, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellung der „Vater-Kind-Beziehung“ bestehen

Um die oben genannte Frage zu beantworten, kommen Analysieren, Interpretation und Vergleichen hauptsächlich in meiner Arbeit zum Einsatz In der praktischen Untersuchung werde ich die Hauptfiguren durch ihre äußere Handlung, d.h das

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äußerlich sichtbare Tun und innere Handlungen, also die Gedanken und Gefühle der Figuren, charakterisieren Basierend auf der Ursache, der Entwicklung, der Lösung und der Folge werde ich das Missverständnis in der Vater-Kind-Beziehung analysieren Schließlich werde ich die vergleichende Methode verwenden, um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellung der Vater-Kind-Beziehung zu bestimmen, insbesondere die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der zwei Väter, der Kinder und der stilistischen Merkmalen in beider Kurzgeschichten

1.3 Zielsetzung der Arbeit

Meine Bachelorarbeit hat drei Ziele Zunächst beschreibt meine Arbeit die historischen Hintergründe kontrastiv bzw kontextualisiert die Kurzgeschichten Das zweite Ziel ist, die textsortenspezifischen Merkmale in den beiden Kurzgeschichten zu identifizieren und miteinander zu vergleichen Schließlich zeigt die Arbeit die Charakterisierung der Figuren und die Analyse der entstandenen Missverständnissen und vergleicht die Darstellung der Vater-Kind-Beziehung in beiden Kurzgeschichten

1.4 Aufbau der Arbeit

Ich habe meine Bachelorarbeit in vier Teile gegliedert Zuerst kommt die Einleitung

Im zweiten Teil wird die Gattung “Kurzgeschichte” dargestellt In diesem Teil finden sich die Trümmerliteratur und der Autor Wolfgang Borchert bzw die vietnamesische Kriegsliteratur im 20 Jahrhundert und der Autor Nguyễn Quang Sáng Die Inhaltsangaben der beiden Kurzgeschichten werden im nächsten Kapitel beschreibt Daneben werden die ausgewählten Kurzgeschichten basierend auf der Charakterisierung sowie den Missverständnissen analysiert, interpretiert und miteinander verglichen Meine Arbeit endet mit einem Fazit und dem Ausblick für die Zukunft

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amerikanischer Schriftsteller um 1850 wie z.B Edgar Allan Poe, Nathaniel Hawthorne u.a.(vgl Meyer 2014: 15) Das Wort „Kurzgeschichte“ ist eine Lehnübersetzung, die

erst nach 1945 populär wurde Im Buch Die deutsche Kurzgeschichte (2005) schreibt

Marx:

„Das Wort ›Kurzgeschichte‹ geht auf eine Lehnübersetzung aus dem angloamerikanischen short story = ›kurze Geschichte‹ zurück, deckt sich mit der englischen Bezeichnung aber nur teilweise, da short story auch längere Erzählungen wie die Novelle umfasst.“ (Marx 2005: 1)

Gegenstände der Kurzgeschichte sind häufig die Ereignisse und Zustände aus dem Alltagsleben (vgl ebd.: 57)

„Kurzgeschichte“ ist auf Vietnamesisch „truyện ngắn“, was auch eine Übersetzung der

„short story“ auf Englisch ist (vgl Bùi Việt Thắng 2007: 9) Im vietnamesischen

literarischen Wörterbuch Từ điển Văn học definiert Bùi Việt Thắng die

Kurzgeschichte:

„Hình thức tự sự loại nhỏ Truyện ngắn khác với truyện vừa ở dung lượng nhỏ hơn, tập trung mổ tả một mảnh cuộc sống: một biến cố hay một vài biến cố xảy ra trong một giai đoạn nào đó của đời sống nhân vật, biểu hiện một mặt nào đó của tính cách nhân vật, thể hiện một khía cạnh nào đó của vấn đề xã hội.“(Bùi Việt Thắng 2007: 26) (Die

Kurzgeschichte wird als eine kurze Erzählform in Prosa definiert Die Kurzgeschichte unterscheidet sich von der Gattung Novelle der Prosa dadurch, dass sie einen kleinen Umfang hat und sich oft darauf konzentriert, die kleinen Momente des Lebens, einige Lebensereignisse, Eigenschaften der Figuren oder einen Aspekt eines Problems zu

darstellen.)

Somit kann man sehen, dass die Definition von „Kurzgeschichte“ sowohl in Deutschland als auch in Vietnam ein paar Gemeinsamkeiten aufweist: die Übersetzung der „short story“ auf Englisch, der kleine Umfang und die Ereignisse und die Zustände aus dem Alltagsleben als die Gegenstände

2.1.2 Entstehung und Entwicklung des Genres

Entstehung und Entwicklung der deutschen Kurzgeschichte

Im späten 19 Jahrhundert wurde die amerikanische short story zur „Lieblingsform

deutscher Erzähler“ (Marx 2005: 92) Die amerikanischen Kurzgeschichten wurden übersetzt und in vielen deutschen Zeitungen veröffentlicht und erhielten viel

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Aufmerksamkeit von den Deutschen (vgl ebd.: 92f) Am Anfang des 20 Jahrhunderts versuchten die meisten jungen deutschen Schriftsteller, Kurzgeschichten zu schreiben

Diese Gattung entwickelte sich im Anschluss an die US-amerikanische short story

nach dem Vorbild von Ernest Hemingways (1899-1961) und Edgar Allan Poe 1849) Außerdem galten die Kurzgeschichten europäischer Schriftsteller mit internationalem Einfluss wie z.B Guy de Maupassant (1850-1893) und Anton Cechov (1860-1904) damals auch als Vorbild deutscher Kurzgeschichten (vgl ebd.: 93f, 97; Lahn 2016: 64f) In den 1920er Jahren wurden weiterhin deutsche Kurzgeschichten verfasst und durch Preisausschreiben gefördert Auch die Nachfrage nach deutschen Kurzgeschichten in Zeitungen war groß Trotzdem gab es Klagen von Lesern über den Mangel an guten Kurzgeschichten deutscher Autoren und sogar eine scharfe Polemik gegen die Kurzgeschichten, insbesondere gegen die amerikanischen Kurzgeschichten (vgl Marx 2005: 101f) 1934 nahmen die Klagen der Leser zu und gleichzeitig ging die Zahl der deutschen Kurzgeschichten stark zurück Außerdem durften wegen des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs die „Feindliteratur“ nicht mehr erscheinen und auch ihre Übersetzungen wurden verboten (vgl ebd.: 103ff) Deutsche Kurzgeschichten waren zu dieser Zeit besonders von der nationalsozialistischen Literaturpolitik beeinflusst und wurden in zwei Kategorien eingeteilt: „einmal die Hitlerjugend-, Arbeitsdienst- und SA-Kurzgeschichte1 sodann die historische, die Kriegs- und

(1809-Soldaten-Kurzgeschichte“ (ebd.: 107) Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs spielten die Erneuerung der Gattung Kurzgeschichte, insbesondere der amerikanischen Kurzgeschichte, eine entscheidende Rolle in der Entwicklung der deutschen Kurzgeschichte (vgl ebd.: 114) Kurzgeschichten in der Zeit von 1945 bis 1950 waren ziemlich entwickelt und hatten eine besondere Position innerhalb der deutschen Literatur Sie erschienen nicht nur in einer Vielzahl durch Zeitungen, sondern auch in vielen Kurzgeschichtensammlungen der deutschen Autoren Die bedeutenden Vertreter dieser Zeit sind Gruppe 47, Heinrich Böll (1917-1985), Wolfgang Borchert (1921-

1 Die Kurzgeschichte über die Sturmabteilung im Dritten Reich

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1947), Elisabeth Langgässer (1899-1950) u.a Die zentralen Themen der Kurzgeschichten waren damals Nationalsozialismus, Widerstand, Judenverfolgung, Krieg, Heimkehrerprobleme und Weltanschauungskonflikte in den Jahren nach 1945

(vgl ebd.: 129f) In dieser Zeit wurde auch die Kurzgeschichte Die Kirschen von

Wolfgang Borchert über ein Missverständnis zwischen Vater und Sohn inmitten von Hungersnot und Misstrauen nach dem Krieg verfasst Am Ende der 1950er Jahren entstand eine andere Generation von Kurzgeschichtenautor/innen Die Kurzgeschichten von diesen berühmten und neuen Autoren wie z B Herbert Eisenreich (1925-1986), Siegfried Lenz (1926-2014), Josef Reding (1929) u.a zeigen, wie die Trümmer aussehen, „indem sie Einblicke in eine Gesellschaft gaben, in der Wohlstand und einseitiger Fortschritt überbewertet wurden, die es versäumte, sich ihrer jüngsten Vergangenheit zu stellen und stattdessen versuchte, diese unbewältigt hinter einer Fassade von wirtschaftlichem Aufschwung und trügerischer Harmonie zu verdrängen“ (ebd.: 148f) Um die Mitte der 1960er Jahre gab es einen deutliche „Zäsur in der Entwicklung“ der Kurzgeschichte: eine Abkehr von dieser Gattung Nicht nur die neuen Autoren, sondern auch die Schriftsteller, die nach 1945 oder am Anfang der 1950er Jahren mit dem Schreiben von Kurzgeschichten begannen, wie Böll und Lenz, machten eine Pause vom Schreiben von Kurzgeschichten Deshalb schrumpfte der Raum für Kurzgeschichten in Tageszeitungen (vgl ebd.: 150f) In den 1980er und 1990er Jahren wurden Kurzgeschichten jedoch in größerem Umfang durch Wettbewerbe gefördert Diese Wettbewerbe haben ein großes Interesse geweckt und erreichten jedes Jahr eine verbreitete Anzahl von Lesern (vgl ebd.: 159f) Der Grund dafür ist eine offene Haltung gegenüber den eingereichten Kurzgeschichten Aufgrund der Verbreitung und Ausbreitung des Internets finden sich beim Übergang ins 21 Jahrhundert auch immer mehr Kurzgeschichtensammlungen auf dem literarischen Markt (vgl ebd.: 164)

Entstehung und Entwicklung der vietnamesischen Kurzgeschichte

Aufgrund des tiefgreifenden Einflusses der westlichen Literatur erschien Anfang des

20 Jahrhunderts in Vietnam eine neue Kompositionsgruppe, meist zweisprachige

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Intellektuelle Aus dem Westen übersetzte Werke spielten eine immer wichtigere Rolle, um den neuen literarischen Bedürfnissen der Menschen gerecht zu werden Viele Genres literarischer Werke wurden ins Vietnamesische übersetzt, wie z.B Theaterstücke, Gedichte, Romane oder Kurzgeschichten, insbesondere Maupassants Kurzgeschichten (vgl Trần Đình Sử 2021: 185f) Darüber hinaus hat das Erscheinen von Kurzgeschichten in Nationalsprache von Phạm Duy Tốn (1883-1924), Nguyễn Thái Học (1902-1930), Hồ Biểu Chánh (1884–1958) usw zur Entwicklung der vietnamesischen Kurzgeschichten im frühen 20 Jahrhundert beigetragen Die meisten dieser Werke wurden inspiriert und geschrieben nach dem Vorbild der Werke westlicher Schriftsteller wie Guy de Maupassant (1850-1893), Victor Hugo (1802-1885), Hector Malot (1830-1907), Alphonse Daudet (1840-1897) u.a (vgl ebd.: 187) Wenn die oben genannten vietnamesischen Autoren in den frühen Jahren des 20 Jahrhunderts die Aussicht auf Kurzgeschichten geschaffen haben, hat Nguyễn Ái Quốc2 in den 1920er Jahren dank seiner hervorragenden Kurzgeschichten in Französisch dieser Gattung in Vietnam moderner, vielfältiger und künstlerischer geholfen (vgl Bùi Việt Thắng: 156ff) Von 1930 bis 1945 blühten vietnamesische moderne Kurzgeschichten neben Romanen wirklich auf und erzielten in dieser Zeit viele Erfolge mit den Beiträgen von Autoren wie Nguyễn Công Hoan (1903-1977), Nam Cao (1917-1951), Thạch Lam (1910-1942), Kim Lân (1920-2007), Nguyễn Tuân (1910-1987), Tô Hoài (1920-2014) u.a (vgl ebd.: 158) Die Themen der Kurzgeschichte waren damals alltägliche Aspekte sowie das spirituelle Leben der Menschen Kurzgeschichten in dieser Phase zeigen auch deutlich die Kreativität der Autoren, die das Alltagsleben als Stoff für neue Geschichten verwendeten

Beispielsweise ist Thạch Lams Kurzgeschichte Hai đứa trẻ die Erinnerung an die

Kindheit des Autors In dieser Kurzgeschichte sind die Figuren Thạch Lam selbst und die Menschen um ihn herum oder die Szene in dieser Kurzgeschichte wird auch durch seine Heimatstadt Cẩm Giàng nachgestellt (vgl ebd.: 159f) Während dieser Zeit beeinflussten internationale Kurzgeschichten noch die vietnamesischen

2 Der Name von Hồ Chí Minh während seiner revolutionären Aktivitäten

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Kurzgeschichten Kurzgeschichten von Autoren in der Welt wie dem amerikanischen Schriftsteller Edgar Allan Poe (1809-1849), dem russischen Schriftsteller Maxim Gorky (1868-1936) oder Lu Xun (1881-1936), einem chinesischen Schriftsteller und vieler anderer westlicher Autoren wurden in Vietnam übersetzt und gelesen (vgl ebd.: 166) Der Sieg der Augustrevolution 1945 hat eine neue Literatur - Revolutionäre Literatur geschaffen Während des neunjährigen Widerstandskrieges gegen die Franzosen entwickelten sich Kurzgeschichten weiter Die berühmten Schriftsteller der Vorperiode wie Nguyễn Công Hoan (1903-1977), Nam Cao (1917-1951), Kim Lân (1920-2007), Tô Hoài (1920-2014) usw schrieben noch in der neuen Periode weiter

Es entstand auch eine neue Generation von Schriftstellern, die mit dem Krieg aufgewachsen waren, wie z.B Trần Đăng (1921-1949), Nguyễn Đình Thi (1924-2003), Đoàn Giỏi (1925-1989) u.a Obwohl die Kurzgeschichten nach der Revolution noch einfach und nicht sehr vielfältig waren, gab es auch einige hervorragende

Kurzgeschichten wie Đôi mắt von Nam Cao, Vợ chồng A Phủ von Tô Hoài und Vợ

nhặt von Kim Lân (vgl Trần Đình Sử: 236) Diese Zeit war eine Übergangszeit und

die Vorbereitung für die Entwicklung einer neuen Phase von Kurzgeschichten (vgl Bùi Việt Thắng: 172) Kurzgeschichten im Zeitraum 1954-1975 mit unterschiedlichen Themen und Stilen hatten neue Erfolge Insbesondere entstand es in dieser Zeit die Schriftsteller mit eigenen Schreibstilen wie Nguyễn Quang Sáng (1932-2014), Anh Đức (1935-2014), Nguyễn Thành Long (1925-1991), Vũ Thị Thường (1930) usw (vgl Trần Đình Sử: 244) Die meisten Kurzgeschichten dieser Zeit haben eine gute und dramatische Handlung und handeln von Momenten des Lebens und von Menschen

während des Krieges Beispielsweise ist die Kurzgeschichte Chiếc lược ngà (1966)

eine berührende Geschichte über eine tiefe Vater-Kind-Liebe während der Kriegszeit Neben dem Rauch und dem Außergewöhnlichen des Krieges kamen auch Schönheit und Poesie als literarisches Material hinzu (vgl Bùi Việt Thắng: 173) Kurzgeschichten dieser Zeit waren eine solide Grundlage mit neuen Autoren mit ihrem eigenen Schreibstil und unzähligen ausgezeichneten Werken, die diese Kurzgeschichten der vorherigen Zeit nicht hatten (vgl ebd.: 176) Nach der Wiedervereinigung des Landes

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haben sich die Kurzgeschichten quantitativ und qualitativ stark entwickelt (vgl ebd.: 176) Außerdem bringt die Innovation in den Kurzgeschichten auch viele Erfolge in diesem Genre.

Das Genre der Kurzgeschichte sowohl in Deutschland als auch in Vietnam entstand ungefähr zu Beginn des 20 Jahrhunderts und wurde von den Kurzgeschichten westlicher Autoren wie z B Maupassant oder Poe inspiriert Um 1945 befanden sich die Kurzgeschichten in beiden Ländern in einer starken Entwicklungsphase und hatten einige gemeinsame Themen wie den Krieg, den Widerstand oder das Leben der Menschen in Kriegszeiten

2.1.3 Textsortenspezifische Merkmale

Aufgrund von ziemlich ähnlichen Hintergründen weisen deutsche Kurzgeschichten und vietnamesische Kurzgeschichten einige Ähnlichkeiten in Merkmalen auf, die in diesem Teil präsentiert werden Die Merkmale der Kurzgeschichte umfassen Kürze, Stoff und Stil, Raum und Figuren, Titel, Anfang und Schluss, Zeit und Struktur

Kürze

Die Kürze ist ein relationaler Begriff und keine objektiv messbare Größe Im Fall der Literatur kann „kurz“ nicht genau bestimmt werden Die Kürze in der Literatur ist ein strukturelles Phänomen und hat eine Bedeutung in der Klassifizierung literarischer Gattungen (vgl Meyer 2014: 15) Laut Bui Viet Thang sollten wir die Kurzgeschichte mit dem Roman vergleichen, um ihre Kürze besser zu verstehen: Während ein Roman eine Großform der Epik ist, die einen Prozess beschreibt, ist eine Kurzgeschichte eine Kleinform der Epik, die sich darauf konzentriert, ein Ergebnis, einen Wendepunkt oder ein Problem zu beschreiben (vgl Bùi Việt Thắng 2007: 61f)

Schon seit den frühen theoretischen Stellungnahmen zur deutschen Kurzgeschichte wird sie auf etwa 250 bis 300, später auf 100 und weniger Druckzeilen gesetzt Und diese Kürze ändert sich auch mit der Zeit Rohner zeigte in einer Forschung, dass Kurzgeschichten zwischen 1945 und 1960 einen Durchschnittsumfang von 8 Seiten hatten Im 21 Jahrhundert gibt es viele Kurzgeschichten auf Internetseiten, die meistens eine Länge von 2 bis 3 Seiten haben (vgl Marx 2005: 56f)

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Stoff und Stil

Laut Marx sind der Stoff der Kurzgeschichte alltägliche Lebensbedingungen, Alltagskrisen und -konflikte Die Menschen werden in alltäglichen Ereignissen und in Lebensproblemen dargestellt (vgl Marx 2005: 57f) Beim Schreiben von Kurzgeschichten entstammt die Inspiration des Autors aus dem realistischen Leben,

täglichen Ereignissen und Problemen Die Kurzgeschichte Paris, die erste

Kurzgeschichte von Nguyễn Ái Quốc, zeichnete beispielsweise die Szene des täglichen Lebens rund um ihn in einer Gasse in Paris auf (vgl Bùi Việt Thắng 2007: 156)

Da der Stoff der Kurzgeschichte aus dem alltäglichen Leben stammt, ist nicht nur ihre Sprache einfach, alltäglich, unprätentiös, sondern ihre Worte sind banal mit sinngerichteter und andeutender Funktion In Kurzgeschichten wird dies oft im untertreibendem Stil ausgedrückt, insbesondere in der Verkürzung und Verdichtung des Dialogs Der Ausdruck des Verhaltens der Figuren durch direkte Rede führt zwar

zu der Aussparung der Beschreibung, trägt jedoch dazu bei, eine Offenheit für den Leser in der Visualisierung des Dargestellten zu schaffen (vgl Marx 2005: 59) Darüber hinaus werden auch einfache Satzstrukturen wie z.B Parataxe, konjunktionlose Fügungen oder verbloser elliptische Sätze verwendet (vgl Marx 2005:

59) Beispielsweise ist die Kurzgeschichte Das Brot von Wolfgang Borchert eine

Parataxe in einfacher Sprache und mit einer Reihe kurzer Hauptsätze Es gibt auch Ellipsen und einen direkten Dialog zwischen dem Ehepaar

Raum und Figuren

Im Vergleich zur Zeit spielt Raum eine untergeordnete Rolle Die Behandlung des Erzählraums in der Kurzgeschichte wird oft ziemlich skizzierend gehandhabt, z B gibt

es in der Kurzgeschichte Die Kirschen von Wolfgang Borchert nur ein Krankenzimmer

des Sohnes und einen weiteren Raum, in dem der Vater auf dem Boden saß, ohne weitere räumliche Perspektivierung Die Häufigkeit des Auftretens von Raum richtet sich nach seiner Funktion im Geschehensverlauf Raum dient als Hintergrund für das Geschehen und kann offen, ohne feste Begrenzungen auftreten Er wird oft zu Beginn der Kurzgeschichte mit einem Wort eingeleitet z.B nebenan, Bahnhof, Kino usw Die

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Einheit des Ortes wird oft gewahrt und durch das Einfügen verschiedener Örtlichkeiten wie durch Traum oder Erinnerung oder die Darstellung ineinander verschränkter Örtlichkeiten durch Überblendung erweitert (vgl Marx 2005: 60).

In Kurzgeschichten erscheinen nur wenige Figuren, normalerweise nur drei Personen einschließlich des Ich-Erzählers Diese Figuren sind keine idealisierten Figuren, sondern Durchschnittsmenschen, denen wir im alltäglichen Leben begegnen können Diese Menschen tragen eine allgemeingültige Bedeutung, damit der Leser durch ihre individuelle Situation seine persönliche Lebenslage und Probleme erkennen kann Die Menschen in den Kurzgeschichten werden nicht nur mit charakteristischen Eigenarten

in Aussehen und Verhalten, sondern auch durch das Andeuten wie Namensgebung, Gestik, Gefühlslage und Sprache dargestellt (vgl ebd.: 60ff) In Nam Caos

Kurzgeschichte Chí Phèo beginnt es beispielsweise mit einem Satz „Hắn vừa đi vừa

chửi“ (Er fluchte beim Gehen) Nur durch sein Verhalten „vừa đi vừa chửi“ (fluchen beim Gehen) wird die Figur Chí Phèo als eine Person dargestellt, die betrunken und ungebildet ist

Titel

Gutmann und Rohner stellen fest, dass der Titel den direkten und entschlüsselnden Hinweis auf das Thema der Geschichte ausdrückt Rohner fügt hinzu, dass die berühmten Kurzgeschichten herausragender Autoren wie Poe, Maupassant, Tschechow und Hemingway die Art der Titelgebung deutscher Kurzgeschichten entscheidend beeinflusst haben Rohner teilte auch die Titelgebung in 4 Kategorien ein: Dingtitel, Situationstitel, Figurentitel und Vorgangstitel (vgl Guttmann und Rohner z.n Marx

2005: 62f) Beispielsweise gehört der Titel der beiden Kurzgeschichten Die Kirschen von Wolfgang Borchert und Chiếc lược ngà von Nguyễn Quang Sáng zur Art

Dingtitel.

Anfang und Schluss

Die Unabgeschlossenheit ist ein „gattungsspezifisches Strukturmerkmal“ für Anfang und Schluss der Kurzgeschichte Der Anfang kann betont und auch unbetont sein Ein

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betonter Anfang kann „die Ankündigung eines ungewöhnlichen Ereignisses erhalten oder dieses ungewöhnliche Ereignis selbst“ (Meyer 2014: 21) Dadurch ist es möglich, die Aufmerksamkeit des Lesers auf die nächsten Ereignisse, Hintergründe, Ursachen und Folgen zu lenken Mit einem unbetonten Anfang wird eine Kurzgeschichte mit zufälligen Ereignissen begonnen, um Leitmotive beiläufig einzuführen oder Figuren und Szene zu evozieren, die auf den ersten Blick unbedeutend erscheinen (vgl ebd: 21).

Ein offenes Ende ist typisch für Kurzgeschichten des 20 Jahrhunderts In dieser Kurzgeschichte werden aufgezeigte Probleme und Konflikte nicht gelöst Ein offener Schluss fordert dazu auf, Standpunkt zu beziehen, um die Meinung des Lesers zu bilden (vgl ebd: 21)

Zeit und Struktur

In der Kurzgeschichte wird die Struktur, also das Bauschema, meistens geradlinig auf eine Schlusspointe oder auf einen Höhepunkt zulaufend beschrieben Daneben können die vergebenen Höhepunkte auch gleichmäßig über das gesamte Geschehen in der Kurzgeschichte verteilt werden (vgl Marx 2005: 73) Zu Ereignissen mit kausalem Zusammenhang gehören nach Marx drei Situationen: eine Ausgangssituation, eine mittleren, in der eine Veränderung erscheint, und eine Schlusssituation, in der die Lösung oder Veränderung der Anfangssituation sichtbar ist Der Geschehen innerhalb der Struktur der Kurzgeschichte wird in einem Zeitgefüge nach dem Hauptgestaltungsprinzip dieser Gattung entwickelt, d.h nach der umfassenden Reduktion Die Wirkung dieser Verkürzung auf die Entwicklung der Ereignisse in der Kurzgeschichte kann von der Zeitbehandlung durch Komprimierung oder Verlängerung der erzählten Zeit abhängen (vgl ebd.: 74f) Die Zeit in einer Kurzgeschichte ist begrenzt und oft passieren die Ereignisse darin sehr schnell: innerhalb eines Tages, innerhalb von ein paar Stunden oder sogar weniger als fünfzehn Minuten (vgl Marx 2005: 33, Rohner 1973: 200) Hinzu kommt eine experimentelle Form der „zeitlosen“ Erzählung, in der Ereignisse nicht chronologisch erzählt, sondern

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nach der Ideenassoziagramm im inneren Monolog eines Ich-Erzählers dargestellt werden (vgl Marx 2005: 78).

2.2 Charakteristika der Trümmerliteratur und Wolfgang Borchert

2.2.1 Historische Hintergründe

Die Epoche „Trümmerliteratur“, die zusammen mit der Kahlschlagliteratur in der frühen Nachkriegszeit entstand, dauerte von 1945 bis 1949 (vgl Beutin 2019: 496) In diesem Teil wird ein kurzer Überblick über die historischen Begebenheiten dieser Zeit gegeben

Am 7 Mai 1945 ergab sich die deutsche Wehrmacht bedingungslos vor den Westalliierten und am 8 Mai vor der Sowjetunion Der Nationalsozialismus brach völlig zusammen Gleichzeitig endete der Zweite Weltkrieg in Europa Deutschland war damals nichts anderes als ein schreckliches Trümmerfeld Morin hat Deutschland

in seinem Buch „Europa denken“ beschrieben:

„Der Alexanderplatz war dem Erdboden gleichgemacht worden In der Leipzigerstraße hingen an den Gerippen der früheren Bank-, Verwaltungs- und Warenhausgebäude die nackten eisernen Aufzugskäfige Die riesigen, schräg herunterhängenden Reklameschilder, auf denen keine vollständigen Worte mehr zu erkennen waren, boten einen jämmerlichen Anblick Der Tiergarten, einstmals ein elysischer Park mit vielen Bäumen, war nun völlig kahl…“ (Morin 1988, z n Ruffing 2013: 239)

Fast alle Häuser wurden stark beschädigt Viele Menschen wurden vermisst, vertrieben oder waren sogar tot Aus dieser trostlosen Situation leitet sich der Begriff

„Trümmerliteratur“ ab, der auch als „Heimkehrerliteratur“ und „Literatur der Stunde Null“ bekannt ist In dieser Bezeichnung wurde die Realität von Trümmern, Krieg, Tod und Heimkehr durch die Literatur nachgestellt (vgl Beutin 2019: 496)

Deutschland ist im August 1945 in vier Besatzungszonen aufgeteilt (britische, amerikanische, französische und sowjetische Besatzungszone) worden Im Jahr 1949 wurden die zwei deutschen Staaten DDR und BRD gegründet Die BRD wurde ein Verbündeter der Westalliierten und die DDR ein Verbündeter der Sowjetunion Daher hatten die beiden Staaten unterschiedliche wirtschaftliche und politische

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Entwicklungspfade, was sich teilweise auch auf die damalige Literaturentwicklung auswirkte.

2.2.2 Stil und Thematik

Rothmann hat in seinem Buch Kleine Geschichte der deutschen Literatur (2014: 182f)

zwei Autorengruppen in Deutschland genannt, die sich seit der NS-Zeit gebildet hatten und in der Nachkriegszeit noch existierten Die eine Gruppe der Autoren der Exilliteratur wie Heinrich Mann, Joseph Roth, Alfred Döblin u.v.m., die sich um eine Verarbeitung der NS-Diktatur bemüht hatten, bedroht und ins Exil gegangen waren, sind nach Deutschland zurückgekehrt Die andere Gruppe waren Autoren der sogenannten „Inneren Emigration“ Einige von ihnen versuchten, den Nationalsozialismus durch historische Erzählungen und Romane zu kritisieren (vgl ebd.: 183) Die Literatur nach 1945 dieser Generation war durchweg „konservativ“ Nach dem Krieg beriefen sie sich „auf überlieferte Wertvorstellungen der Antike, des christlichen Abendlands, des Humanismus und auf das klassische Erbe einer als autonom begriffenen Kunst und Kultur.“ (ebd.183)

In der Nachkriegszeit entstand eine „junge Generation“ Die Autoren dieser Generation waren hauptsächlich junge Männer, die „meist zwischen 1905 und 1915 [geboren]“ wurden und „bei Kriegsende bereits vielfältige lebensgeschichtliche Erfahrungen, politische wie intellektuelle, gesammelt hatten.“ (Beutin 2019: 486) Diese Autoren setzten keine Tradition fort, weder die nationalsozialistische Literatur noch die Exilliteratur oder die Literatur der Inneren Emigration Stattdessen schrieben sie normalerweise möglichst realistisch über die Trümmer, den Krieg als Schauplatz sowie das Leben der Menschen in Kriegs- und Trümmerzeiten (vgl Burgess 1996: 24) Die bedeutenden Vertreter der „Trümmerliteratur“ waren Wolfgang Borchert (1921-1947), Wolfgang Koeppen (1906-1996), Heinrich Böll (1917-1985) und noch andere Autoren der Gruppe 47 wie Günter Eich (1907-1972), Wolfdietrich Schnurre (1920-1989) usw

Diese jungen Autoren bemühten „sich um einen einfachen, klaren, und präzisen

Realismus des Unmittelbaren […] Als Vorbilder dienten besonders Autoren der ehemaligen amerikanischen ‚lost generation„ Unter dem Einfluss der Erzähler

Trang 20

Hemingway, Steinbeck und Faulkner begann man Berichte, Reportagen und vor allem Kurzgeschichten zu schreiben.“ (Rothmann 2014: 185) Die bekanntesten Gattungen

dieser literarischen Epoche sind Kurzgeschichte, Roman und Drama Die Sprache der Trümmerliteratur war einfach, unmittelbar und wahrhaftig Wahrheit wurde in dieser Zeit sehr geschätzt und war nämlich wichtiger als Schönheit wie der Schriftsteller Wolfgang Weyrauch formulierte: „Die Schönheit ist ein gutes Ding Aber Schönheit ohne Wahrheit ist böse Wahrheit ohne Schönheit ist besser.“ (Wolfgang Weyrauch, z

n Beutin 2019: 499)

2.2.3 Ein Überblick über das Leben und Werk Wolfgang Borcherts

Wolfgang Borchert, geboren am 20 Mai 1921 in Hamburg, stammte aus einer bürgerlichen Familie mit dem Vater als Volksschullehrer und der Mutter als Heimatschriftstellerin Durch seine Eltern kam er schon früh mit Literatur und Kunst in Berührung 1937 wollte er Schauspieler werden und studierte heimlich Schauspiel Mit

17 Jahren veröffentlichte Wolfgang Borchert seine ersten Gedichte im Hamburger Anzeiger Ab 1939 begann er auf Wunsch seines Vaters den Beruf der Buchhändlerlehre zu erlernen, gab diese Lehre jedoch danach auf 1941 trat er als Schauspieler in ein Theater in Lüneburg ein (vgl Brandes 2018: 58f) Leider wurde er

im Juni desselben Jahres im Alter von 20 Jahren zur Wehrmacht einberufen, was auch seinem Traum, Schauspieler zu werden, ein Ende machte Während seiner Zeit als Soldat war er verletzt und schwer krank, deshalb musste er oft zur Behandlung in seine Heimat Hamburg zurückkehren Er wurde in diesen Jahren auch wiederholt wegen Selbstverstümmelung, Verstoß gegen das Heimtückegesetz, Goebbels-Parodie und Wehrkraftzersetzung festgenommen und inhaftiert Während der Kriegs- und Gefängnisjahre schrieb er fast nichts, aber seine Erfahrungen aus dieser Zeit wurden zu Gegenständen und Motiven seiner literarischen Nachkriegsschaffung (vgl Burgess 2007: 117) 1945, als der Krieg allmählich zu Ende ging, kehrte er nach Hamburg zurück und lag schwerkrank im Krankenhaus Ab dieser Zeit begann er seine Werke zu

schreiben, zunächst Kurzgeschichten wie Die Hundeblume, Das Brot, Tui Hoo, Die

Kirschen usw und dann das Schauspiel Draußen vor der Tür Diese Werke waren

Trang 21

überall in Deutschland berühmt und machten ihn zu einem der bekanntesten und bedeutendsten Schriftsteller der Literatur dieser Zeit – der „Trümmerliteratur“ Er starb

am 20 November 1947 mit nur 26 Jahren in einem Spital in Basel

Borcherts Leben war mit Krieg, Krankheiten und Gefängnis verbunden Aus diesem Grund wurde seine eigenen Erfahrungen zum zentralen Thema seiner Werke, die in verschiedenen Genres wie Gedichte, Kurzgeschichte und Drama sind Diese Werke beschreiben realistisch die Auswirkungen des Krieges und die junge Generation, die

„nach dem Zweiten Weltkrieg ohne Bildung, ohne Vergangenheit und ohne Anerkennung“ zurückkehrte (Burgess 2007: 186) Mit seinen Werken gab er der

jungen Generation eine Stimme, die ihre Jugend an verbrecherische Angriffskriege

vergeudet hatten, und er hoffte auch auf die Zukunft: „Borcherts Werke sind keine

Unterhaltungs-, sondern Motivierungsliteratur.“ (ebd.) Die Figuren in seinen Werken

werden normalerweise mit Erfahrungen im Krieg und im Gefängnis dargestellt Was Borchert schrieb, entstammte seinen eigenen Kriegs- und Gefängniserlebnissen oder seiner Kindheit Während er im Krankenhaus war, wurden seine Geschichte von Menschen inspiriert, die in der gleichen Umgebung wie er lebten, wie z B seine erste

Kurzgeschichte Die Hundeblume wurde von dem ihm gegenüberliegenden Patienten inspiriert oder die Eingebung für Ludowico in Tui Hoo kam von seinem Bettnachbarn

(vgl ebd.: 187)

Da die Themen seiner Werke von seinen eigenen Erlebnissen und seinem vom Krieg zerstörten Leben inspiriert sind, hat Borchert einen sehr realistischen Schreibstil mit einfacher und alltäglicher Sprache Nach dem Vorbild von Ernest Hemingway (1899-

1961) wiesen Borcherts Kurzgeschichten auch einige Kennzeichen auf wie „eine

knappe Episode mit offenem Anfang und Schluss, Skizzierung, nicht eingehende Charakterisierung der Figuren, Fortgang äußeren Geschehens, Alltagssprache, reduzierte Dialoge, Parallelismus u.a.m.“ (Brandes 2018: 148) Auch rhetorische

Mittel wie Personifikation, Metapher, Gleichnis, Ironie usw tauchen in seinen Werken häufig auf Charakteristisch für Borcherts Schreibstil ist die Verwendung der Interpunktion, Adjektive oder Wiederholungen Dies lässt sich durch die folgende

Trang 22

Textstelle aus der Kurzgeschichte Die Kirschen deutlich erkennen: „Dabei habe ich

das Fieber Sie hat die Kirschen extra vors Fenster gestellt, damit sie ganz kalt sind Jetzt hat er das Glas hingeschmissen Und ich hab das Fieber [ ] Alles voll Kirschen, dachte der Kranke, alles voll Kirschen Dabei sollte ich sie essen Ich hab doch das Fieber.“ Der Gebrauch kurzer und einfacher Sätze beschreibt die schwache und müde

Stimme des kranken Jungen und die Wiederholung des Satzes „Ich hab das Fieber“

betont seine Krankheit In Borcherts Werken sind Farben meist Ausdrucksignale, um die Emotionen, Atmosphäre oder Kontexte zu unterstreichen wie z B gilt lila als Symbol für die Nacht, blauschwarz steht für die Angst, rot für Krieg u.a.m (vgl Wolf 1984: 91f) In Bezug auf die Erzählperspektive in Geschichten verwendet Borchert oft die Ich-Perspektive und die personale Perspektive (Er-Perspektive) Diese beiden Personen „ich“ und „er“ werden nicht vorgestellt, sondern erscheinen erst durch innere Monologe und werden von außen beschrieben (vgl ebd.: 101)

2.3 Die vietnamesische Kriegsliteratur im 20 Jahrhundert und Nguyễn Quang Sáng

2.3.1 Historische Hintergründe

Die vietnamesische Kriegsliteratur im 20 Jahrhundert ist mit Revolutionen und Widerständen verbunden und lässt sich in drei Phasen einteilen: die erste Phase 1945-

1954 bzw die Phase des Widerstandes gegen den Franzosen; die zweite Phase

1955-1964 bzw die Phase des Aufbaus der sozialistischen Kunst und Kultur und die dritte Phase 1965-1975 bzw die Phase des Widerstands gegen die Amerikaner Die vorliegende Forschungsarbeit konzentriert sich auf die dritte Phase, wo Nguyễn Quang Sáng als ein Stellvertreter der vietnamesischen Literatur dieser Zeit aktiv war

Der große Sieg bei Dien Bien Phu im Jahr 1954 beendete den Krieg der Vietnamesen gegen die Franzosen Nachdem der Frieden wiederhergestellt war, wurde Vietnam in zwei Regionen (Nordvietnam - Südvietnam) mit zwei unterschiedlichen politischen Institutionen, Volkswirtschaften und Ideologien geteilt Trotzdem haben die Vietnamesen immer noch den gleichen Willen und den gleichen Wunsch, die Unabhängigkeit zu erlangen und das Land zu vereinen 1964 begann die USA einen

Trang 23

Krieg zur Zerstörung Nordvietnams und schickte 1965 US-Truppen nach Südvietnam Dies zwang Vietnam zu einem Widerstandskrieg gegen die USA, um den Norden zu schützen, den Süden zu befreien und das Land wieder zu vereinen Mit unzähligen Opfern und Verlusten wurde der mehr als zehnjährige Krieg vollständig gewonnen und

am 30 April 1975 beendet (vgl Trần Đình Sử 2021: 227) In diesem heftigen Widerstandskrieg gilt die Literatur als ein Lichtstrahl und trug dazu bei, den gerechten Widerstand zu loben und Schmerzen bzw Verluste des Krieges zu lindern

2.3.2 Stil und Thematik

Der Widerstandskrieg gegen die USA war mit unzähligen Schwierigkeiten und Herausforderungen konfrontiert Dieser Krieg brachte Vietnam in eine Situation, in der

es nicht nur Kraft, sondern auch Geist einsetzen musste In dieser Zeit ist die Literatur eine großartiges Medium gewesen, um die Menschen zum Kampf zu ermutigen

„Trong hoàn cảnh ấy, văn học nhất thiết phải trở thành một vũ khí tinh thần quan trọng, phục vụ cho những mục tiêu cao cả và sống còn của dân tộc.“ (Unter solchen

Umständen muss die Literatur notwendigerweise zu einer wichtigen spirituellen Waffe werden, die den edlen und lebenswichtigen Zielen der Nation dient.) (Nguyễn Văn Long 2020: 16).In dieser Zeit schrieben die Schriftsteller und die Dichter nicht nur um die Menschen zum Kampf zu ermutigen, sondern griffen auch direkt zu den Waffen,

um an diesem harten Krieg teilzunehmen Viele von ihnen starben als Soldat wie z B Nguyễn Thi (1928-1968), Nguyễn Mỹ (1935-1971), Lê Vĩnh Hòa (1932-1967), Lê Anh Xuân (1940-1968) usw (vgl Trần Đình Sử 2021: 245)

In den ersten Jahren des Widerstandskrieges gegen die USA (1965-1968) wurden in der Literatur vor allem sowohl die aktuellen Ereignisse, die Atmosphäre sowie der Schauplatz des Krieges als auch die Kampfaufrufe und die Lobe des Sieges nachgestellt Typische Autoren dieser Zeit waren Tố Hữu und Chế Lan Viên In den späteren Phasen des Krieges (1969-1975) wurden literarische Werke nicht nur über die großen Ereignisse des Krieges und das Leben der Soldaten, sondern auch über den Schmerz und den großen Verlust wegen der Verwüstungen des Krieges geschrieben (vgl ebd.: 245f)

Trang 24

Die Literatur in der Zeit des Widerstandskrieges gegen die USA hatte eine recht umfassende Gattungsentwicklung Aufgrund der Existenz vieler Generationen von Dichtern war die vietnamesische Poesie in diesem Widerstandskrieg sehr reich Außerdem machten die zahlreichen Beiträge junger Dichter wie z B Xuân Quỳnh (1942-1988), Hữu Thỉnh (1942), Nguyễn Khoa Điềm (1943), Phạm Tiến Duật (1941-2007) u.a die Poesie dieser Zeit vielfältiger und reicher (vgl ebd.: 247) Die Prosa war mit vielen Genres bereits recht entwickelt, insbesondere Kurzgeschichte und Roman Auch das Drama hatte an Popularität gewonnen, obwohl es an Werken, die literarischen Wert hatten, mangelte (vgl ebd.: 251, Nguyễn Văn Long 2020: 16f).

2.3.3 Ein Überblick über das Leben und Werk Nguyễn Quang Sángs

Nguyễn Quang Sáng ist einer der typischsten südvietnamesischen Autoren in der Zeit des Vietnamkriegs gegen die USA Er wurde am 12 Januar 1932 in Südvietnam geboren Schon in jungen Jahren trat er der Armee bei Nach dem Erfolg der Augustrevolution meldete er sich im Alter von 14 Jahren freiwillig als Verbindungsoffizier für eine Militäreinheit in Südvietnam 1950 wechselte er zur Militäreinheit als Religionsforscher für die Politische Abteilung des Divisionskommandos Südwest Im selben Jahr wurde er in die Kommunistische Partei

Vietnams aufgenommen 1953 arbeitete er in der Redaktion der Zeitung Quân

Đội 1955 trat er der Militäreinheit in Nordvietnam bei Er wurde Offizier der

Kunstabteilung des Radiosenders Die Stimme Vietnams Dort begann er seine erste Kurzgeschichte Con chim vàng (Der gelbe Vogel) zu schreiben und zu veröffentlichen Seine späteren Werke wie z B die Kurzgeschichte Ông Năm Hạng (Herr Nam Hang) oder der Roman Đất lửa (Boden des Feuers) wurden geliebt und wegen der

einzigartigen Erzählweise hoch geschätzt 1966 kehrte er auf das Schlachtfeld in Südvietnam zurück und nutzte seine Werke als Kampfwaffe gegen die einfallenden amerikanischen Truppen Das war auch eine sehr wichtige Zeit, um sein Talent und

seine literarische Karriere mit renommierten Werken wie den Kurzgeschichten Chiếc

lược ngà, Bông cẩm thạch usw zu bestätigen.Nach der Wiedervereinigung des Landes schrieb er weiterhin Kurzgeschichten und Drehbücher mit tiefgründigen Inhalten und

Trang 25

hoher künstlerischer Qualität Mehr als 60 Jahre lang hat er mit Enthusiasmus und Talent viele Werke mit tiefgründiger Betrachtung und humanistischen Werten geschaffen Mit großen Beiträgen zur Literatur des Landes hat er viele Auszeichnungen aus dem In- und Ausland erhalten Im Jahr 2000 wurde ihm insbesondere der Ho-Chi-Minh-Preis für Literatur und Kunst verliehen.Er starb am 13 Februar 2014 in seinem eigenen Haus in Ho Chi Minh-Stadt 3

Als eine Person, die mit den beiden Kriegen Vietnams gegen die Franzosen und gegen die USA aufgewachsen ist, erlebte er direkt den Krieg, den Schmerz und Verlust Daher sind seine Werke hauptsächlich im Kontext des harten Krieges angesiedelt, in dem die Südvietnamesischen Menschen die Hauptfiguren sind Er erzählte über ihr Leben, ihren einzigartigen Charakter und ihre leidenschaftliche Liebe für die Menschen und das Land (vgl Frank Gerke 2015: 22) Außerdem enthalten seine Werke auch Szenen über den beschwerlichen Widerstandskrieg in Südvietnam Die sehr realistischen Situationen des Lebens im Krieg werden in seinen Werken wiedergegeben, wie z B die Szene, in der der Hals eines Hahns zugenäht wird, weil die Leute Angst haben, vom Feind entdeckt zu werden, wenn er kräht (Kurzgeschichte

Con gà trống - Der Hahn) oder die Situation, in der eine Mutter ihr Kind in eine

Plastiktüte steckt und es im Wasser ertränkt, um feindlichen Kugeln zu entgehen

(Drehbuch Cánh đồng hoang) (vgl Phan Hoàng 2015: 37, 40) Dies sind Situationen,

die man sich nicht selbst ausdenken kann, sondern mit eigenen Augen sehen muss und dann niederschreibt Mit seinem Talent und seiner Kreativität drückte der Schriftsteller Nguyễn Quang Sáng mit einfachen Geschichten der Soldaten oder Alltagsgeschichten der Südvietnamesen nicht nur die Liebe zwischen den Menschen, die Menschlichkeit des Lebens, sondern auch die Härte und Grausamkeit des Krieges aus

Nguyễn Quang Sáng stammte nicht aus einer Familie mit literarischen und künstlerischen Traditionen, sondern er kam zufällig und natürlich durch Erfahrungen

Trang 26

aus Alltag und Krieg zur Literatur Dadurch entsteht sein sehr einfacher, realistischer und einzigartiger literarischer Stil.

Nguyễn Quang Sángs Werke sind vielfältig in Genres wie Kurzgeschichten, Romanen und Drehbüchern Alles, was er über das Verfassen von Literatur erlernte, hatte er nicht durch die Schule, sondern durch eigene Beobachtung bzw Selbststudium von Schriftstellern früherer Generationen und sogar aus seiner eigenen Erfahrung gelernt (vgl Phan Hoàng 2015: 40) Seine literarische Stimme ist einfach und rustikal, aber äußerst emotional Die Erzählsituationen in seinen Werken wirken sehr realistisch und dramatisch (vgl Xuân Thành 2015: 67f) Seine Geschichten sind oft in der Ich-Perspektive geschrieben Dadurch kann der Leser die Stimmung der Figur lebendiger und echter erfassen Der Musiker Trần Thanh Phương kommentierte einmal den

Schreibstil des Schriftstellers Nguyễn Quang Sáng: „[ ] ông có cách viết truyện ngắn

độc đáo, chi tiết, sống động, tình huống bất ngờ, ngẫu nhiên nhưng tự nhiên, hợp lý, không gượng ép, có nhiều kịch tính“ (Er hat eine einzigartige, detaillierte, lebendige

Art, Kurzgeschichten mit unerwarteten, zufälligen, aber natürlichen, vernünftigen, nicht erzwungen und stark dramatischen Situationen zu schreiben) (Trần Thanh

Phương 2015: 64) Nguyễn Quang Sáng legt besonders viel Wert auf die Schilderung

der inneren Stimmungen der Figuren und der konfliktreichen Situationen die einen Wendepunkt für die Geschichte darstellen und die Empathie der Leser hervorrufen Aus diesem Grund wurden seine Werke deshalb von den Lesern herzlich aufgenommen und beeindrucken die Vietnamesen bis heute noch

Die folgende Tabelle fasst alle wichtigen Informationen über die beiden Autoren Wolfgang Borchert und Nguyễn Quang Sáng zusammen und stellt sie kontrastiv dar:

Trang 27

● Fast keine Werke

● Großes literarisches Schaffen nach dem Krieg

Der Eintritt in die Armee

in jungen Jahren

● Kulturarbeit in Militäreinheiten

● Mehrfacher Wechsel des Arbeitsorts

● Großes literarisches Schaffen

Die Auswirkungen des Krieges,

das Leben nach dem zweiten

Weltkrieg, die Heimkehr der jungen Generation

Das Leben der Südvietnamesen

im Vietnamkrieg gegen die USA und Realitäten dieses harten Krieges

Die eigenen Erfahrungen mit Krieg

Südvietnams

Literarischer

Stil

kurze Sätze, einfache Sprache

● viele Interpunktionen, viel Rhetorik

● Farben als Ausdruckssignale

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3.1.2 Chiếc lược ngà (1966)

Die Kurzgeschichte „Chiếc lược ngà“ wurde 1966 von Nguyễn Quang Sáng geschrieben, als der Widerstandskrieg gegen die USA heftig im Gange war Sie handelt von der Vater-Tochter-Beziehung zwischen Herrn Sau und seiner Tochter Thu

Als der Krieg ausbrach, musste Herr Sáu seine Familie vorübergehend verlassen, um in den Krieg zu ziehen Als er zu Besuch nach Hause kommt, erkennt Thu ihren Vater leider nicht, weil sein Gesicht jetzt eine Narbe hat Herr Sáu kümmert sich um Thu, aber sie lehnt immer seiner Aufmerksamkeit ab Bei einem Mittagessen schlägt Herr Sáu Thu wegen ihrer Sturheit Thu rennt zum Haus ihrer Oma und ihr wird von der Narbe ihres Vaters erzählt Als Herr Sáu auf das Schlachtfeld zurückkehren muss, umarmt Thu ihren Vater und nennt ihn „Papa“ Nach dem Abschied verwendet Herr Sau all seine Liebe, um Thu einen Elfenbeinkamm zu machen Aber in einer Schlacht wird er verletzt Bevor er stirbt, gibt er Herrn Ba den Kamm und bittet ihn, Thu zu

Trang 29

geben Schließlich gibt Herr Ba Thu den Elfenbeinkamm, ein Geschenk, das Herr Sáu ihr hinterlassen hat

3.2 Die Vater-Kind-Beziehung in der Kurzgeschichte „Die Kirschen“ von Wolfgang Borchert

Die Kurzgeschichte Die Kirschen wurde 1947, zwei Jahre nach dem Zweiten

Weltkrieg, verfasst Beide Figuren in dieser Kurzgeschichte können von den Menschen

in Deutschland in der Nachkriegszeit inspiriert sein Darin sticht die Figur des Vaters mit Liebe zu seinem Sohn inmitten vieler Schwierigkeiten dieser Zeit wie z.B Armut, Lebensmittelmangel und gegenseitigem Misstrauen hervor In diesem Teil werde ich

den Vater und den Jungen in Die Kirschen charakterisieren, um zu sehen, wie die

Beziehung zwischen den beiden teilweise von diesen Schwierigkeiten beeinflusst wird

3.2.1 Die Figur „der Vater“

● Das klirrende Glas und die Anschuldigung

- sich Sorgen um die Krankheit und

Gesundheit seines Kindes machen

→ seinem Kind gegenüber sehr liebevoll

- aufstehen wollen, um seinem Sohn in

sein Zimmer zu helfen

- traurig sein und sich hilflos fühlen

- sich selbst beschuldigen, unvorsichtig

und hingefallen zu sein

- sich um die Gesundheit seines Kindes

- auf der Erde sitzen + rote Flüssigkeit in seiner Hand

- sein Kind an der Tür sehen

- immer wieder sagen, dass sein Sohn in sein Zimmer zurückkehren soll

- versuchen aufzustehen + das Gesicht verziehen → schmerzhaft

- hören, wie sein Sohn ihn beschuldigt

- Schmerzen haben aber seinem Sohn versichern, dass es ihm gut geht

- unaufhörlich sagen, dass sein Sohn

Trang 30

statt um seine eigene sorgen

→ ein selbstloser Vater

zurück in sein Zimmer muss

● Die Erklärung des Schnitts

- will nicht, dass sein Kind sich Sorgen

- sich sorgen, dass sein Kind vom langen

Stehen erschöpft sein wird

- es ist ihm egal, wie sein Kind von ihm

denkt + seinen Sohn über alles lieben

- seinem Sohn noch einmal versichern, dass alles in Ordnung ist

- die Situation mit der Wunde und der zerbrochenen Kirschentasse erklären

- versuchen aufzustehen + das Gesicht mehrmals verziehen

- seinem Kind versprechen, eine neue Tasse Kirschen zu bringen

- seinem Sohn eine Tasse Kirschen geben

● Nachdem er die Tasse zerbrochen hat und während er seinen Sohn ihn

beschuldigen hörte

Der Vater erscheint mit dem Bild eines elenden und schmerzhaften Mannes: „sein

Vater [saß] auf der Erde Er hatte die ganze Hand voll Kirschsaft“ Der „Kirschsaft“

hier ist nicht der echte Kirschsaft, sondern sein Blut Er fällt beim Waschen einer Tasse mit Kirschen, die für seinen kranken Sohn ist, und schneidet sich wegen der Scherben der Tasse die Hand Durch das Waschen der Tasse können die Leser sehen, dass er ein sehr rücksichtsvoller und fürsorglicher Vater ist, da er sich um seinen Sohn kümmert Sobald er seinen Sohn an der Tür sieht, macht er sich große Sorgen um seine Krankheit und Gesundheit Er fordert seinen Sohn wiederholt auf, in sein Zimmer

zurückzukehren: „Junge, du musst doch zu Bett [ ] Du musst sofort zu Bett.“ Dies

beweist damit, dass er dieses Kind sehr liebt Er möchte aufstehen, um ihm zu helfen,

Trang 31

zurück in sein Zimmer zu kommen, aber beide Versuche schlagen fehl Er ist schmerzerfüllt aber es schmerzt ihn noch mehr, wenn er von seinem Sohn hören muss, dass er seine Kirschen gegessen hat Er macht dem Jungen keine Vorwürfe, sondern er fühlt sich hilflos, ist traurig und gibt sich selbst die Schuld dafür, dass er nicht

vorsichtiger ist: „Der Vater sah ihn hilflos von unten an Er lächelte etwas Ich komme

nicht wieder hoch, lächelte er und verzog das Gesicht Das ist doch zu dumm, ich komme buchstäblich nicht wieder hoch.“ Trotz der Schmerzen versichert er seinem

Sohn, dass es ihm gut geht Er macht sich Sorgen um die Gesundheit seines Sohnes statt um seine eigene, deshalb fordert er ihn immer wieder auf, in sein Zimmer zurückzugehen, damit sich sein Fieber nicht verschlimmert Während der Durchschnittsmensch bei Krankheit oder Schmerzen nur an sich selbst denken kann, ist dieser Vater anders Obwohl er Schmerzen hat, schenkt er seinem Sohn seine ganze Aufmerksamkeit und Fürsorge

Als er seinem Sohn den Schnitt in seiner Hand erklärte

Er versichert dem Jungen noch einmal, dass alles in Ordnung sei und erklärt ihm die Ursache für die Wunde und die zerbrochene Tasse Seine Erklärung zeigt auch, dass er ein fürsorglicher Vater ist und sich um die Gefühle seiner Familie kümmert Er hat Angst, dass die Stimmung seines Sohnes durch seinen Schmerz beeinträchtigt werden kann und macht sich Sorgen, dass seine Frau wütend wird, weil er ihre Tasse

zerbrochen hat.: „Ach, das ist nicht so schlimm Das ist nur ein kleiner Schnitt Das

hört gleich auf Das kommt von der Tasse [ ] Hoffentlich schimpft sie nicht Sie mochte gerade diese Tasse so gern Jetzt hab ich sie kaputt gemacht Ausgerechnet diese Tasse, die sie so gern mochte“ Er unterdrückt den Schmerz und versucht

aufzustehen, um seinem Sohn zu helfen, in sein Zimmer zurückzugehen Er verspricht seinem Sohn, dass er ihm eine neue Tasse Kirschen bringen wird Es ist ihm egal, wie sein Sohn über ihn denkt, denn er widmet all seine Liebe und seine Sympathie, um sich

um seinen Sohn zu kümmern

Wolfgang Borchert stellt gelungen einen Vater voller Vergebung, Sympathie und Liebe für sein Kind dar Er ist nicht wütend oder macht seinem Sohn Vorwürfe, selbst als er

Trang 32

von seinem Sohn fälschlicherweise beschuldigt wird Stattdessen sorgt er sich immer noch um sein Kind und liebt ihn über alles.

3.2.2 Die Figur „Der Sohn“

● Das klirrende Glas

- zweifeln und denken, dass der Vater

seine Kirschen gegessen und die Tasse

- unaufhörlich an seine Krankheit und die

Kirschen statt an das Hinstürzen seines

Vaters denken

→ egoistisch

→ Sein Verhalten wird von dem Fieber

beeinflusst

- einen Krach im Nebenzimmer hören

- aufstehen + sich die Wand entlang schieben → krank und schwach

- seinen Vater mit roter Flüssigkeit in der Hand sehen

● Die Anschuldigung

- immer wieder an die Kirschen denken

- sicher sein, dass der Vater seine

Kirschen gegessen hat

- dem Vater misstrauen

- kein Mitgefühl für seinen Vater

- Vaters Hand sehen + etwas wegen der

Kirschen flüstern

- laut nach den Kirschen fragen

- dann wieder flüstern → schwach

→ seinen Vater beschuldigen, seine Kirschen zu essen

● Die Erklärung des Schnitts

- sich die Erklärung seines Vaters über

Trang 33

- an der Erklärung zweifeln

- die Erklärung seines Vaters akzeptieren

- sich schämen und bedauern, dass er

seinen Vater missverstanden und ihm die

Schuld gegeben hat

die zerbrochene Tasse sowie den Schnitt anhören

- Vaters Hand sehen + etwas wegen seiner Kirschen flüstern

- zurück in sein Zimmer gehen

- den Kopf unter die Decke stecken

Als er im Nebenzimmer ein Krachen hörte

Am Anfang der Geschichte, als der Junge im Nebenzimmer ein Krachen hört, zweifelt

er sofort und denkt, dass sein Vater seine Kirschen gegessen und die Tasse zerbrochen

hat Deshalb beschließt er, ins Nebenzimmer zu gehen: „Der Kranke stand auf Er

schob sich die Wand entlang.“ Der Junge ist so krank, dass er sich an die Wand lehnen

muss, um gehen zu können An der Tür des Nebenzimmers sieht er seinen Vater mit einer roten Flüssigkeit in der Hand auf dem Boden sitzen Der Junge ist sich seines ursprünglichen Gedankens sicherer Er versteht „rote Flüssigkeit“ fälschlicherweise als Kirschsaft und denkt immer wieder an sein Fieber und seine Kirschen statt an den

Sturz seines Vaters Die Wiederholung der Reihe der Sätze: „ich hab das Fieber“ und

„alles voll Kirschen“ beweist dies Der Junge scheint ein egoistischer und habgieriger

Mensch zu sein Aber vielleicht sind alle seine Handlungen und Verhalten teilweise von seinem Fieber beeinflusst

Als er seinen Vater beschuldigte

Der Junge denkt pausenlos an seine Kirschen Als er auf die Hand seines Vaters sieht, flüstert er etwas über diese Kirschen, als wolle er die Erklärung seines Vaters dazu bekommen Er ist sich sicher, dass sein Vater seine Kirschen gegessen hat Er zeigt

kein Mitgefühl für seinen Vater und fragt dann laut als eine Anschuldigung an ihn:

„Waren sie kalt? [ ] Ja? Sie waren doch sicher schön kalt, wie? Sie hat sie doch extra

Trang 34

vors Fenster gestellt, damit sie ganz kalt sind Damit sie ganz kalt sind.“ Auf den

ersten Blick erkennt der Leser, dass der Junge ein egoistischer, habgieriger und herzloser Mensch ist Aber wenn die Leser sich in die Rolle des Jungen hineinversetzen, verstehen sie, dass er sehr enttäuscht ist, weil er glaubt, dass sein Vater die Kirschen gegessen hat, die für ihn wegen seines Fiebers bestimmt waren Daher sind seine Verdächtigungen und Anschuldigungen wohlbegründet Erwähnenswert ist nur, dass es ihm an Vertrauen und Mitgefühl für seinen Vater mangelt

Während und nachdem er hörte, wie sein Vater den Schnitt erklärte

Gleich nachdem er gehört hat, wie sein Vater sowohl die zerbrochene Tasse als auch den Schnitt an seiner Hand erklärt, ist der Junge skeptisch gegenüber dieser Erklärung Die Gedanken des Jungen schwanken und er fragt sich, ob sein Vater wirklich gefallen ist und ob er seinen Vater zu unrecht beschuldigt Er sieht noch einmal auf die Hand seines Vaters und flüstert etwas über seine Kirschen Während das vorherige Flüstern seine Anschuldigung gegen seinen Vater gewesen ist, ist das Flüstern dieses Mal wie eine Frage, die er sich gerade über diese Anschuldigung gestellt hat Als er verstanden hat, akzeptiert er die Erklärung seines Vaters und kehrt gehorsam in sein Zimmer zurück Der Junge schämt sich und bedauert, dass er seinen Vater missverstanden und ihn beschuldigt hat Nachdem ihm sein Vater eine weitere Tasse Kirschen gebracht hat,

drücken seine Handlungen diese Scham und dieses Bedauern aus: „er [hatte] den Kopf

tief unter die Decke gesteckt“ Anstatt an die Kirschen zu denken, ist er jetzt

wahrscheinlich in Gedanken an seine eigene Impulsivität, die vorschnellen Anschuldigungen und die Verletzung, die er seinem Vater zugefügt hat, versunken.Lebensmittelmangel und der Vertrauensverlust nach dem Zweiten Weltkrieg beeinflussen das Denken und Handeln des Jungen Der Junge ist kein schlechter Mensch Obwohl er ein bisschen egoistisch ist, empfindet er immer noch Scham und Bedauern, nachdem er seinen Vater fälschlicherweise beschuldigt hat

Trang 35

3.2.3 Das Missverständnis zwischen dem Vater und dem Sohn

a, Ursachen

Direkte Ursache

Nachdem der Junge im Nebenzimmer ein Krachen hört, ist er fest überzeugt davon, dass sein Vater seine Kirschen aufgegessen hat, die für ihn bestimmt waren, weil seine Hand „voll Kirschsaft“ ist Er weiß sich nicht zu helfen und ist wütend, traurig und enttäuscht über das Verhalten seines Vaters, weil er sich auf die Kirschen gefreut hat, aber nichts bekommen wird Das ist der Grund, warum er seinen Vater missverstanden hat

Zusätzlich zu dem oben genannten Grund gibt es noch einen weiteren tiefgreifenden Grund, der zu diesem unglücklichen Missverständnis führt Dieser indirekte Grund ist der Zweite Weltkrieg

Indirekte Ursache

Das Ende des Zweiten Weltkriegs hinterließ nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa entsetzliche Folgen: Hungersnot und Lebensmittelmangel überall Auch die menschliche Psychologie wird dadurch angespannt Viele empfinden ihre Situation als eine große Ungerechtigkeit und das Vertrauen zwischen den Menschen scheint

verloren zu gehen Die Kurzgeschichte Die Kirschen wurde 1947 nach dem zweiten

Krieg geschrieben, deshalb litten auch die Figuren in dieser Geschichte in dieser Zeit unter Hunger und Ungerechtigkeit Der Sohn empfindet es als ungerecht beim Gedanken, dass er nichts mehr zu essen haben wird, als sein Vater die Kirschen isst

b, Entwicklung

Nachdem das Kind zu dem Schluss gekommen ist, dass sein Vater die Kirschen aufgegessen hat, kommt sein Missverständnis gegenüber seinem Vater zunächst nur

durch seinen inneren Monolog vor: „Er hat die ganze Hand voll Kirschsaft [ ] Und er

isst mir die ganzen Kirschen auf Jetzt sitzt er auf der Erde und hat die ganze Hand davon voll [ ] Und er hat den kalten Kirschsaft auf der Hand.“ Die Spannung steigt,

nachdem das Gespräch zwischen dem Sohn und seinem Vater in der Küche stattgefunden hat Während der Vater sich Sorgen um seinen Sohn macht und ihn

Trang 36

immer wieder bittet, wieder in sein Zimmer zu gehen, flüstert der Sohn nur etwas über die Kirschen Vielleicht führt der Wunsch des Vaters dazu, dass das Kind missversteht, dass sein Vater sich schuldig fühlt, weil er auf frischer Tat ertappt wird Je mehr der Vater sich daher um ihn kümmert, desto mehr ignoriert es ihn Die Spannung wächst immer mehr und erreicht einen Höhepunkt, als der Junge seinen Vater laut nach den

Kirschen fragt Es ist eine Beschuldigung, dass er sie aufgegessen hat: „Waren sie

kalt? Ja? Sie waren doch sicher schön kalt, wie? Sie hat sie doch extra vors Fenster gestellt, damit sie ganz kalt sind Damit sie ganz kalt sind.“ Diese Beschuldigung

beweist, dass der Junge kein Vertrauen in seinen Vater hat Er denkt nicht an den Sturz seines Vaters, sondern beschuldigt seinen Vater sofort Die Spannung dieses Missverständnisses wird jedoch durch die fürsorglichen Aussagen des Vaters über den Sohn langsam gemildert Danach wird dieses Missverständnis dank der Erklärung des Vaters aufgeklärt

c, Lösung

Nachdem der Vater die Beschuldigung seines Sohnes hört, ist er nicht wütend, sondern nur hilflos: „Der Vater sah ihn hilflos von unten an Er lächelte etwas.“ Er weiß, dass sein Sohn ihn missverstanden hat und versucht, ihm die Ursache seines Sturzes und der Wunde zu erklären und bittet ihn gleichzeitig besorgt, in sein Zimmer zu gehen Seine ruhige, langsame Art trägt auch dazu bei, die Spannung des Gesprächs abzubauen Die Art und Weise des Vaters, Missverständnis zu lösen, zeigt nicht nur seine Sorge um seinen Sohn, sondern gibt seinem Sohn auch mehr Vertrauen in ihn

d, Folge

Das Missverständnis zwischen dem Vater und seinem Sohn ist zwar gelöst, aber der Konflikt in ihrer Beziehung noch nicht Die beiden Figuren verstehen nur stillschweigend, dass das Missverständnis vorbei ist und sagen dann nichts mehr über dieses Missverständnis Der Vater verzeiht seinem Sohn bereitwillig und bringt ihm sofort die neuen Kirschen Der Sohn versteht seine Fehler und fühlt die Liebe seines

Vaters, deshalb schämt er sich Der letzte Satz der Kurzgeschichte beweist dies: „Als

der Vater mit den Kirschen kam, hatte er den Kopf tief unter die Decke gesteckt.“

Ngày đăng: 21/06/2022, 21:57

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